All posts under Museum

Out of Office: Über den Wandel der Arbeit

Arbeit verändert sich. Automatisierung und Künstliche Intelligenz führen dazu, dass wir Menschen vielleicht bald gar nicht mehr arbeiten müssen. Oder was anderes machen und das dann Arbeit nennen. Vielleicht kommt es aber auch ganz anders, denn manchmal sind es gerade die Kleinigkeiten, die den Unterschied machen. Wie zum Beispiel die Elektrizität.

Als ich Ende Februar das Hamburger Museum der Arbeit besuchte, war diese Kleinigkeit kurz weg und schon ging kein Gerät mehr. Power is the new Wi-Fi, witzelt man gerne im Berliner St. Oberholz. An diesem Tag führte die Abwesenheit der Elektrizität dazu, dass ich kein Ticket für das Museum kaufen konnte und umsonst in die Ausstellung „Out of Office“ durfte.

Im dritten Stock der 1871 gebauten ehemaligen Fabrik der „New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie“ in Barmbek, wird sich noch bis zum 19. Mai 2019 dem digitalen Wandel der Arbeitswelt angenommen. In 11 Stationen können sich Museumsgäste der Dimension der Veränderung und den damit einhergehenden Diskussionen unserer Gesellschaft widmen.

Wir sind mitten im Wandel – wie immer

1996 konnte der Schachweltmeister Garry Kasparov noch gegen den Schachcomputer „Deep Blue“ gewinnen, ein Jahr später schon nicht mehr. Die Maschine hatte den Menschen besiegt. Heutzutage nutzen wir Künstliche Intelligenz in Übersetzungsprogrammen, für bessere Bilder mit unserem Smartphone und auch, um besser von A nach B zu kommen.

Dies verändert nicht nur unsere Leben, sondern auch, wie wir arbeiten. Technische Entwicklungen gab es aber schon immer in der Arbeitswelt. Sie sind nicht neu und auch Technologien brauchen stets ein bisschen, bevor sie Alltag in Orten der Arbeit werden. Der Wandel, den wir momentan erleben, ist nur der Wandel unserer Zeit. Mehr auch nicht.

Bisher haben wir allerdings den sozialen Aspekten dieses Wandels nicht die Bedeutung eingeräumt, die sie haben. Dabei drehen sie sich vermutlich um die besten Antworten auf den Wandel, wie uns die Geschichte der Technik selbst lehrt. Die Antwort auf die Industrielle Revolution, der letzten großen Veränderung der Arbeitswelt, war nämlich der Sozialstaat.

Das Eisenwalzwerk (Moderne Cyklopen)“ von Adolph von Menzel, 1872 – 1875, Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin

Es braucht Orientierung im Wandel

Anstatt sich also am Technikdiskurs abzuarbeiten, wie das viel zu viele Panik-Bücher verkaufende Autor*innen gerne machen, bedarf es Orientierung in Zeiten des Wandels. Die Ausstellung „Out of Office“, die mit Adolph von Menzels „Das Eisenwalzwerk“ beginnt und mit Fragen nach nötigen Fähigkeiten in der neuen Arbeitswelt endet, schafft dies ganz hervorragend.

Die Ausstellung belehrt einen nicht, sondern schafft auf angenehme Weise, manchmal mit Anekdoten der technologischen Entwicklung, eine Wissensgrundlage zum Thema. Darauf aufbauend werden auch die gesellschaftlich relevantesten Fragen mitgegeben, die es zu klären gibt. Als ich da war, sah ich auch drei intensiv diskutierenden Schulklassen. Ein schönes Bild der Jugend.


Image: „Tagging Robot“ by Banksy, picture alliance, via Stiftung Historische Museen Hamburg)

Weiterlesen »

Art Selfie: Google sieht jeden als Kunstwerk

Image by Stale Grut unsplash com

Google expandiert im Bereich Unterhaltung. Vor kurzem hat der Großkonzern eine neue App vorgestellt – Google Arts & Culture, eine App mit der man ein Art Selfie schießen kann. Ein was?

Jeder, der ein Smartphone besitzt und durchschnittlich mehr als eine Stunde mit Browsen verbringt, musste schon mal auf Bilder von normalen Menschen in Museen gestoßen sein, die den Kunstwerken auffällig ähnlich sind. Wenn nicht, dann seht ihr hier ein Beispiel. Solche Zufälle gibt es, aber diese passieren so selten, dass man letztendlich niemals alle unterhaltsamen Ähnlichkeiten sehen wird.

Doch Google hat sich eine Idee einfallen lassen, die dies einfacher macht. Die neue App ermöglicht es ein Art Selfie zu machen. Zuerst ist es ein ganz normales Bild. Dann vergleicht es Google mit unzähligen Kunstwerken, die von verschiedenen Museumspartnern zur Verfügung gestellt wurden. Im Anschluss werden das Selfie und das Gemälde zusammengestellt, sodass man die Ähnlichkeit besser erkennen kann. Es wird nicht nur ein Werk gezeigt, sondern mehrere. Daneben der prozentuale Anteil der Reminiszenz.

Leider kann man keine gespeicherten Bilder verwenden, um sie mit den Gemälden zu vergleichen. So sehe ich bei Müdigkeit aus, wie das Porträt von Godschalck van Halmale, welches im Rijksmuseum hängt. Na toll.

Art Selfie by Nina Brzeska

Bietet die App mehr als nur Art Selfie?

Art Selfie ist nur eins der vielen Tools in der Google Arts & Culture App. Auf dem eigenen Handy kann man sich auf eine virtuelle Tour durch die Top 10 Museen der Welt begeben oder Artikel über fremde Kulturen durchstöbern. Detaillierte Aufnahmen von berühmten Kunstwerken gehören auch zu den Highlights des Programms. Alles natürlich beschriftet und erklärt.

Die Idee hinter dieser Entwicklung ist es, die Kultur und Kunst der heutigen Gesellschaft näher zu bringen. Museen werden heutzutage nur von der jungen Generation besucht, wenn es ein fester Punkt einer Klassenfahrt ist. Viele Jugendliche haben keinen Lieblingsmaler, weil sie die Künstler nicht kennen. Mit einer auf den ersten Blick banalen App schafft es Google vielleicht Kunst wieder ins Leben zu rufen! Und vielleicht findet der eine oder andere seine Leidenschaft darin, dadurch dass er einfach mal sehen wollte, welchem Kunstwerk er ähnelt.

Eine Frau in St. Louis, USA, hat sogar durch ihr Art Selfie das Portät ihrer Urgroßmutter gefunden, so der offizielle Blog von Google.

Eure Art Selfies könnt ihr in der kostenlosen Google Arts & Culture App schießen. Diese ist für iOS und Android verfügbar.


Image by Stale Grut / unsplash.com

Weiterlesen »

Wie der Boom zeitgenössischer Kunst der Bilanz schadet

Metropolitan Museum of Art (adapted) (Image by Phil Roeder [CC BY 2.0] via flickr)

Die Amerikaner lieben ihre Museen, ganz besonders in den Sommermonaten. Tatsächlich belaufen sich Museumsbesuche auf etwa 850 Millionen pro Jahr, was sogar mehr ist als die Besucherzahlen von Sportveranstaltungen der ersten Liga und Themenparks zusammen (etwa 483 Millionen im Jahr 2011). Zum Teil liegt dies daran, dass es eine sehr große Auswahl gibt. Schließt man Zoos, historische Vereine, botanische Gärten und ähnliche historische oder kulturelle Stätten mit ein, überstieg die Anzahl der Museen in den USA im Jahr 2014 mehr als 35.000 Stätten – doppelt so viel wie in den 1990ern.

Die Anzahl der Kunstmuseen, die – wie ich behaupten würde – einige der wichtigsten Beiträge zur zeitgenössischen Kultur leisten, beziffert sich auf 1.575 und sind ebenfalls sehr beliebt. Eines der berühmtesten, das New Yorker Metropolitan Museum of Art (kurz: Met), wurde 2015 von rekordverdächtigen 6,5 Millionen Menschen besucht und ist damit auf Platz drei der beliebtesten Museen der Welt.

Doch Rekord-Besucherzahlen sind nicht unbedingt gleichbedeutend mit Rekord-Einnahmen. Gerade im letzten Monat verkündete das Met die Entlassung von mehr als 100 seiner Mitarbeiter, um ein Budget-Defizit von zehn Millionen US-Dollar auszugleichen. Und das nur wenige Monate, nachdem es einen Einstellungsstopp und freiwillige Abfindungen angekündigt hatte. Währenddessen wird einer seiner Konkurrenten in der Nachbarschaft, das Museum of Modern Art (MoMA) mit Geld überschwemmt und erhielt gerade erst weitere 100 Millionen US-Dollar für eine Expansion und Renovierung. Doch nur etwa drei Millionen Leute kamen im Jahr 2015 vorbei, um sich die ausgestellte Kunst anzusehen, sodass das MoMA weltweit auf Platz 15 geführt wird.

Wie lassen sich diese unterschiedlichen Verlaufskurven erklären? Warum florieren einige Museen, während andere straucheln? Vor kurzem habe ich im Rahmen der Recherche für ein Buch, das 2017 erscheinen und „Die Ökonomie der amerikanischen Kunst: Kunst, Künstler und Marktinstitutionen“ heißen wird, die Ökonomie des Kultur- und Kunstmarkts erkundet. Meine Recherche bringt mich zu der Annahme, dass es drei Gründe gibt, warum Museen unterschiedliche Schicksale haben: Mode, Demografie und Milliardäre.

New York - Metropolitan Museum of Art (Image by Alonso Javier Torres (CC BY 2.0) via Flickr)
Image (adapted) „New York – Metropolitan Museum of Art“ by Alonso Javier Torres (CC BY 2.0)

Die Geschichte zweier Museen

Das MoMA und das Met sind zwei der berühmtesten Museen der USA, was sie zu einer exzellenten Illustration der Finanzprobleme, mit denen Museen sich heutzutage herumschlagen müssen, macht. Das Met ist, bis auf einen Mangel an moderner, zeitgenössischer Kunst, eines der umfangreichsten Museen der Welt und kommt auf ein jährliches Budget von schätzungsweise 300 Millionen US-Dollar. Nichtsdestotrotz ist das Museum zurzeit mit einem Defizit von ca. zehn Millionen US-Dollar konfrontiert, das bis auf 40 Millionen US-Dollar gestiegen wäre, wenn man nicht angefangen hätte, Mitarbeiter zu entlassen. Außerdem verzögerte man seine Erweiterung der Ausstellungsfläche für zeitgenössische Kunst.

Der Kampf um Schirmherren, die bereit sind, große Mengen an Geld herüberzuschaufeln, ist im Feld der zeitgenössischen Kunst zu einer ernsten Angelegenheit geworden. Neben dem MoMA muss das Met auch noch lokal mit dem Whitney (das gerade erst in der City einen neuen Ableger eröffnet hat) und dem Guggenheim-Museum sowie einem Dutzend anderer Museen in anderen großen Städten der USA konkurrieren, wie mit The Broad, einem neuen Museum für zeitgenössische Kunst in Los Angeles. Sie müssen außerdem um den Besitz von Meisterwerken und anderen Ausstellungsstücken, die die meisten Besucher anziehen und so zu entsprechend mehr Spenden führen, kämpfen.

Zur selben Zeit hat das MoMA mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen, die die Vor- und Nachteile seines Erfolgs illustrieren. Der 400 Millionen US-Dollar schwere Expansionsplan, unterstützt durch eine 100 Millionen US-Dollar schwere Spende des Milliardärs David Geffen, bringt mit sich, dass bestimmte Bereiche des Museums während des Projekts geschlossen werden müssen, was wiederum zu weniger Besuchern und so auch zu weniger Einnahmen führt. Das MoMA hat Mitarbeitern, die nicht gebraucht werden, freiwillige Abfindungspläne angeboten. Dennoch ist es mit einer Dotierung von fast einer Milliarde US-Dollar in ziemlich guter Verfassung.

Die aktuellen Herausforderungen dieser beiden großen Museen werden sich mit der Zeit lösen, jedoch unterstreichen die aufgekommenen grundlegenden Fragen einige entscheidende ökonomische Faktoren, mit denen viele Kunstmuseen in den USA heute umgehen müssen.

Sich verändernden Geschmäckern nachjagen

Zunächst einmal unterliegen die finanziellen Herausforderungen des Met, die oben beschrieben wurden, einem Dauerproblem, das alle Museen haben: die Akquisitionspolitik. Die Direktoren des Met haben echte Schätze angesammelt, die das Met tatsächlich zu einem Museum mit enormer internationaler Reichweite machen – mit einer bedeutenden Ausnahme: Moderne und zeitgenössische Kunst. Thomas Hoving setzte den Fokus auf das Aufkaufen von Meistern der Renaissance und alten Kunst, wie beispielsweise Velázquez’ „Portrait von Juan de Pareja” und des ägyptischen Tempels von Dendur. Er entwickelte außerdem das neue, beliebte Konzept der „Blockbuster“-Wanderausstellung, für die die Besucher extra zahlen müssen.

Sein Nachfolger, Phillipe de Montebello, hat ebenfalls nicht viel getan, um die moderne Kollektion des Museums zu erweitern. Das Argument war, so scheint es, dass Museen wie das MoMA solche Arbeiten bereits in ihren Kollektionen hatten und dass die Anschaffung von zeitgenössischer Kunst von lebenden Künstlern – viele von ihnen befinden sich noch inmitten ihrer künstlerischen Entwicklung – problematisch und riskant war. Während die Sammlung zeitgenössischer Kunst des Met in den letzten Jahren zwar ein wenig gewachsen ist, hat das Museum es dennoch verpasst, sich den sich verändernden Geschmäckern der Besucher anzupassen, die zunehmend moderne und zeitgenössische Kunst favorisieren. So ist ein Wettbewerbsnachteil entstanden.

Der wirtschaftliche Punkt hier ist, dass, wenn ein Museum wie das Met nicht mit den wandelnden Geschmäckern seiner Besucher auf der Höhe bleibt, die Einnahmen schnell sinken können. Und an dem Punkt, wo sich das Haus dessen bewusst wird, ist es oft bereits zu spät, um etwas ändern zu können, denn die Kosten für die Anschaffung der nachgefragten Kunst sind bereits ins Unermessliche gestiegen. Da Museen Werke entweder als Spende oder als Kauf anschaffen, ist in Ermangelung eines großzügigen Geschenks die einzige Alternative, eine „ausgezeichnete“ Sammlung von Werken von einer anderen Institution oder einem privaten Sammler zu erstehen.

Diese Alternative steht einigen Museen in den USA offen. Dies führt jedoch zu einem weiteren kritischen Faktor – die sich verändernde Verteilung von nordamerikanischem und weltweitem Einkommen und seine Auswirkungen auf die Finanzen und den Betrieb der Museen. Gerhard Richters ‚Abstraktes Bild’ (1986) wurde im vergangenen Jahr für 46 Millionen US-Dollar verkauft und wurde damit zum zweithöchsten Verkauf eines lebenden Künstlers.

Abstraktes Bild - Gerhard Richter (Image by Pedro Ribeiro Simões (CC BY 2.0) via Flickr)
Image (adapted) „Abstraktes Bild (Nº 635) (1987) – Gerhard Richter (1932)“ by Pedro Ribeiro Simões (CC BY 2.0)

Milliardärsblase

Wir leben in einer Boom-Zeit der zeitgenössischen Kunst, manche würden es wohl tatsächlich als eine Kunstblase beschreiben. Die Anzahl der Auktionen, Kunstmessen und Galerien ist extrem gestiegen, um den aufkeimenden Markt zu bedienen. Arbeiten des unbestrittenen Meisters der zeitgenössischen Kunst, des deutschen Künstlers Gerhard Richter, generierten in den vergangenen Jahren Umsätze von 1,2 Milliarden US-Dollar. In einer Welt mit etwa 1.800 Milliardären braucht es nur wenige, um hoch angesiedelte Preise für Kunst in astronomische Höhen zu befördern. Rezessionen, Aktienmarkt-Rückgänge und Tumulte in internationalen Angelegenheiten vermögen den Kampf dieser Sammler um das Beste vom Besten kaum zu bändigen – insbesondere nicht in der zeitgenössischen Kunst.

Neben so berühmten Namen wie Jackson Pollock, Mark Rothko und Barnett Newman räumen nun „heiße” Jungkünstler, die nach 1955 geboren sind, die Top-Preise bei den Auktionen ab. Zwischen Juli 2014 und Juni 2015 erreichten die Zuschlagspreise für einzelne Kunstwerke von Jean-Michel Basquiat, Christopher Wool und Jeff Koons jeweils 33 Millionen, 26,5 Millionen und 23 Millionen US-Dollar. Mit diesen explodierenden Preisen können die Museen ganz einfach nicht mithalten, so dass sie für gewöhnlich auf Spenden angewiesen sind, um Sammlungen der besten Werke anzuschaffen – oder sie werden aus dem Markt gedrängt. Die Milliardäre bauen sich mehr und mehr ihre eigenen, privaten Sammlungen, auf und nehmen öffentlichen Museen dadurch um so mehr die Möglichkeit, an die angesagten Werke zu gelangen.

Demografie und Rezession

Ein drittes Problem ist, dass die demografische Entwicklung die Probleme der Museumsfinanzen und des Museumsbetriebs noch verschärft hat, indem sie Druck auf die Einkommensseite der Gleichung ausübt.

Arbeitslosigkeit, frühe Verrentung und die Vergreisung der Bevölkerung in den USA haben zu mehr Besuchen von Museen aller Art geführt. Man könnte meinen, dies sei eine gute Sache – und in vielerlei Hinsicht ist es das auch. Doch mehr Besucher bedeuten auch mehr Kosten, und wenn die zusätzlichen Besucher keine höheren Einnahmen bewirken, dann sinkt die Rentabilität. Dies liegt an dem jahrelangen Trend, Museumsbesuche „kostenfrei“ anzubieten, indem Einzelpersonen, die Regierung oder „Sponsoren“ die Kosten übernehmen. Doch wenn diese Unterstützung durch Plankosten oder durch andere Gründe reduziert wird, müssen die Museen entweder dafür die Rechnung bezahlen, oder die Gefahr eingehen, ihre Schirmherren zu verlieren, indem sie plötzlich Eintrittsgelder verlangen.

Es gibt eine empirische Evidenz dafür, dass Museumsbesuche antizyklisch sind. Das bedeutet, dass sie ansteigen, wenn das ökonomische Wachstum sich verlangsamt. Das passiert aber auch dann, wenn die „Sponsoren“ allmählich verschwinden. Anders gesagt, die Rekord-Besucherzahlen des Met klingen oberflächlich toll, doch sie könnten zum Haushaltsdefizit beigetragen haben, indem sich durch sie die Ausgaben erhöhten.

Wert der Kunst

Museen werden sicherlich weiterhin existieren und Millionen von uns Einblicke unschätzbaren Werts in unsere vergangene und aktuelle Kultur gewähren – doch sie müssen unter dem Imperativ der ökonomischen Prinzipien existieren. Die Geschmäcker werden sich ändern, die Einkommensverteilung wird die Verfügbarkeit von Kunst verändern und die Demografie wird sich verschieben. Während keiner dieser Faktoren die Bedeutung von Kunstmuseen negiert, wäre es klug, wenn die Verwalter diese ökonomischen Faktoren zukünftig in ihre Kalkulationen einbezögen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Metropolitan Museum of Art“ by Phil Roeder (CC BY 2.0)


 

Weiterlesen »

Zukunft Partizipation: Museen im Kontext der Digitalisierung

comment@lab-Image-Zenum-Berlin

Die fortschreitende Digitalisierung ist für tiefgreifende Modifizierungen in Wirtschaft und Gesellschaft verantwortlich. Sie ist dabei alles zu verändern, nicht zuletzt uns selbst. So geht es auch für Museen und Museumsschaffende nicht mehr um das „Ob“ sondern um das „Wie“. Wie positionieren sich Museen und Museumsschaffende als Vorreiter einer digitalen Öffentlichkeit? Wie gestaltet sich das Museum der Zukunft im progressiven Sinne mit den Menschen? Haben die Kuratoren der Zukunft eine Antwort auf die Frage der gesellschaftlichen Legitimation und den damit verbundenen Mehrwert für die digitale Öffentlichkeit? Brauchen Museen agile Organisationsstrukturen als Motor für offene Innovation und als bereicherndes Gegenstück zur klassischen Hierarchie? Und wie sehen Organisationsstrukturen aus in denen Offenheit und Transparenz zur Grundlage für einen kreativen Austausch zwischen Museumsschaffenden und Besuchern wird?

Die sich verändernden Erwartungen des Publikums

Charles Leadbeater beschreibt in seinem Essay „The Art of With”, drei sich überlappende Kategorien kultureller Aktivitäten: das Genießen (Konsumieren), die Unterhaltung ( Geselligkeit / Interaktion ) und das Tun (das Erstellen eigener Beiträge). In der Vergangenheit erwartete das Publikum von Kultureinrichtungen mehrheitlich Kulturerlebnisse in denen das Genießen im Vordergrund stand. Heute dagegen, im Zeitalter des World Wide Web, fordert das Publikum zunehmend kulturelle Erfahrungen ein, in denen die Möglichkeit zur Interaktion und Kreativität einen immer höheren Stellenwert gegenüber dem Genießen einnimmt.

So stellt auch Birgit Mandel im Rahmen des vom Goethe Instituts initiierten MOOC „Managing the Arts” fest, dass sich durch die Digitalisierung, die Erwartungen der Nutzer im Kontext kultureller Aktivitäten eklatant verändern. So argumentiert sie, dass heutige Nutzer immer mehr dialogische und partizipative Formate im Rahmen von Kunst und Kultur fordern. Folglich bedeutet dies für kulturelle Institutionen, ein Mehr an Besucherorientierung statt wie bisher Organisationsorientierung. Konkret müssen sie, neben ihren üblichen aus der bürgerlichen Mitte stammenden Besuchergruppen, neue und bisweilen auch sehr unterschiedliche Besuchergruppen beteiligen und sich gegenüber deren Bedürfnissen und Interessen öffnen.

Auch verändert das World Wide Web unsere Beziehungen zueinander und unseren Umgang mit Wissen und kulturellem Erbe. So stellt Graham Black in seinem Buch „Transforming Museums in the Twenty-first Century” fest, dass sich mit dem World Wide Web ein neuer kooperativer Ansatz zur Wissensgenerierung und dessen gemeinsamer Nutzung etabliert. Über die Anerkennung verschiedener Perspektiven und die sich daraus entwickelnde Erwartungshaltung der Nutzer, dass sie in der Lage sind Inhalte hinsichtlich ihrer eigenen Bedürfnisse zu generieren, sie anzupassen und zu verändern, wird so eine Arbeitskultur des miteinander und nicht des füreinander geschaffen. So wird die Zukunft der musealen Arbeit weniger darauf fixiert sein was Menschen für die Institution tun können als darauf was Menschen für ihre eigene Entwicklung tun können, indem sie die Ressourcen der Institutionen nützen. Die Folge daraus ist die Nachfrage nach Kulturangeboten, die mehr auf die Bedürfnisse Einzelner und einzelner Interessengruppen eingehen.

Offenheit und Dialog schaffen

Die Herausforderung für Museumsschaffende besteht nun darin, reagierend auf die Erwartungen, ansprechende Kulturerlebnisse zu entwickeln und umzusetzen. Genauer gesagt, wenn Verbindung und Kombination, Zusammenarbeit und Unterhaltung die Schlagworte der neuen Massenkultur des World Wide Web sind, dann müssen Museen kritische, phantasievolle und herausfordernde Möglichkeiten finden, offen und kooperativ neue Inhalte zu produzieren. Dennoch um die Gefahr des Relevanzverlustes zu umgehen, muss sich für jedes Museum zukünftig die zentrale Frage stellen, welche Form der Offenheit für die eigene Vision wirklich zählt?

Welchen Zielgruppen gegenüber will es offen sein, an welcher Stelle initiiert es Dialog? Nutzt das Museum das World Wide Web, um mit neuen Zielgruppen auf eine ihm neue Art und Weise zu kommunizieren; oder nutzt es dieses zur Entscheidungsfindung, über Inhalte und Themen seiner musealen Arbeit? Will das Museum Kreativität fördern, indem es verschiedene Communities bei der Entwicklung einer Ausstellung mitwirken lässt? Oder stellt es seine Archive und andere Ressourcen zur Verfügung, für diejenigen, die sie kreativ verwenden möchten? Welche Tools setzt das Museum für eine effektive Gestaltung des Dialogs ein und welche Plattformen stellt das Museum für die Zusammenarbeit bereit? Und die wichtigste Frage welchen Mehrwert schaffe ich dadurch für Organisation und Teilhabende? Warum beteiligen sich Menschen an offenen Projekten, welche Motivation haben sie, ihr Wissen und ihre Ideen offen mit anderen auszutauschen und warum sollte das Museum für sich anstreben, offen zu sein?

Gehen wir davon aus, dass die Autorität der Kuratoren im Vergleich zu dem riesigen, stetig wachsenden kollektiven Wissensspeicher und der damit verbundenen Leidenschaft, im digitalen Zeitalter immer mehr verblassen wird, stellt sich eine weitere nicht unwichtige Frage; Wie können Kuratoren ihre Rolle in der Weise neu definieren, indem sie die Macht des Publikums nutzen, ohne dabei ihre eigenen Standpunkte zu verlieren oder gar zu banalisieren?

Informationskompetenz aufbauen

Cory Doctorow appelliert im Rahmen seines Vortrages „GLAM and the free World” auf der Tagung „Museums and the Web” in Florenz 2014 an die Museumsschaffenden, dass sie doch diejenigen seien, die uns (die Gesellschaft Anm. SJ) mit persönlichen und kulturellen Praktiken der Konservierung, der Archivierung, der Verbreitung und des Zugangs ausstatten können.

Da Sie verstehen wie archivieren funktioniert, die die Bedeutung des Vergänglichen verstehen und deren Tagesgeschäft es seit Jahrhunderten ist, sich mit Informationen und Autoritäten zu beschäftigen, indem sie Prozesse systematisieren, die herausfinden sollen, welchen Quellen zu vertrauen sei und warum. So sind seines Erachtens Kuratoren notwendiger denn je, wenn es darum geht, dass wir glaubwürdige Informationen von den nicht glaubwürdigen, in dem Moment in dem wir ein Schlagwort in ein Suchfeld eingeben, unterscheiden sollen.

Netzwerke initiieren

Darüber hinaus können Kuratoren zukünftig eine führende Rolle darin einnehmen, die im World Wide Web täglich geschaffene Fülle an Informationen, zu erforschen und den Teil an Quellen auszuwählen und zugänglich zu machen, der für unsere Gesellschaft sinnstiftend ist. Indem sie für sich die polyphonen Stimmen des World Wide Web entdecken, Verbindungen zwischen Gleichgesinnten herstellen, und so Netzwerke von Interesse aufbauen. Auf diese Weise können Museen damit aufhören Inhalte für ein Massenpublikum zu generieren. Stattdessen können sie eine Vielzahl von „Gesprächen“ initiieren, die dann wiederum die Grundlage für ein wirklich partizipatives Kulturprogramm bilden können.

Auch im Kontext der Finanzierung von Museen spielen Netzwerke eine immer größere Rolle. Müssen Museen doch auf ein Publikum anziehend wirken, welches wiederum attraktiv für Sponsoren ist. Sie müssen Geldgebern zeigen, dass sie einen Mehrwert für eine beträchtliche Anzahl von Menschen schaffen können. Daher wird der zukünftige Erfolg vieler Museen davon abhängen, wie gut sie ihre Netzwerke ausbauen und inwieweit sie Unterstützer und Publikum von sich überzeugen können.

Agile Strukturen – vom Blockbuster zum Prototyp

Um im Kontext der Digitalisierung anspruchsvolle Kulturerlebnisse entwickeln zu können, brauchen Museen zur Umsetzung verschiedener Prototypen agile Strukturen. Daher sollten Museen zukünftig auf ein Portfolio aus Experimenten setzen, die es ermöglichen Optionen der Teilhabe in verschiedenen digitalen Formaten iterativ zu testen.

Bisher folgen die kleinen ergänzenden Programme (Experimente) ?den großen Projekten (Blockbuster). Senior Kuratoren und Museumsdirektoren entwickeln, die meist mit sehr hohen Kosten verbundenen Elemente des Programms; die Aufgabe der „unteren“ Ebene ist es dann, diese größeren Projekte mit kleinen Programmen zu ergänzen, um diese zu bereichern und zu unterstützen. Museen, die mehr Partizipation wollen, sollten den Fluss der Programmentwicklung umkehren. Sie sollten mit kleinen Programmen beginnen, und daraus, aufbauend auf deren Erfolg, die kostspieligen Formate entwickeln.

Der Low-Cost-Teil lenkt so den High-Cost-Teil des Programms, dabei sollte der Low-Cost-Teil des Programms offen für Ideen aus den unwahrscheinlichsten Orten außerhalb der Organisation sein. In einer solchen Struktur, haben Kuratoren die Freiheit, „Prototypen“ für außergewöhnliche Ideen, die sie realisieren wollen, umzusetzen. Jeder Prototyp wird ausgewertet und die Erfolgreichen werden weiterentwickelt und mit mehr Investitionen ausgestattet. Letztlich sind dann die Programme mit höheren Kosten die direkten Ergebnisse der vielfältigen Low-Cost-Experimente.

Es wäre naiv zu glauben, eine generelle Verschiebung musealer Praxis in Richtung Zusammenarbeit und Beteiligung sei unumgänglich. Nichtsdestotrotz verändert das World Wide Web nachhaltig, wie wir Kultur erleben und gestalten, wie wir uns und unsere Arbeit organisieren, und wie wir Entscheidungen treffen und Wissen schaffen.

Die erarbeiteten Ergebnisse des Workshops „Die Rolle des Museums in der digitalen Stadt“ im Rahmen der Tagung Zugang Gestalten im November 2015, dienten als Ausgangspunkte für diesen Blogbeitrag.


Teaser & Image „comment@lab“ (adapted) by Zenum Berlin


Weiterlesen »

Fotos und Selfies sind gut für Museen (…aber bitte ohne Sticks!)

Curse of the Selfie Stick (adapted) (Image by Larry Miller [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Selfies in Museen werden immer beliebter, was einigen Kulturliebhabern zuwider ist. Selfies bedrohen jedoch nicht die Kultur, sondern machen sie erfahrbar. Zwei der größten Musikfestivals in den USA haben beschlossen, Selfie-Sticks in diesem Jahr zu verbieten, um herumwedelnde Konzertbesucher zu verhindern und den anderen eine gute Sicht auf die Bühne zu ermöglichen. Sie schließen sich damit der National Gallery in London und anderen Museen an, wie auch dem Metropolitan Museum of Art in New York, dem Versailler Schloss und noch einigen anderen.

In den Museen wurde das Verbot aus pragmatischen Gründen ausgesprochen, um die Sicherheit der Sammlungen zu gewährleisten. So weit, so gut. Stöcke an sich sind gefährlich, wenn man mit ihnen herumwedelt, besonders in der Nähe von zerbrechlichen Kunstwerken. Wieso sollte es also bei Selfie-Sticks anders sein?

Diese Kontroverse hat jedoch noch etwas anderes zu Tage gefördert. In den Debatten rund um das Verbot der neuen Sticks nimmt man an, dass das Selfie selbst eine der letzten Manifestationen der jahrzehntealten Trennung zwischen “uns und denen provoziert: Zwischen denjenigen, die die Museumssammlungen “richtig anwenden (wie beispielsweise zur Bildung oder der kulturellen Weiterentwicklung) und denen, die sie “falsch anwenden (zur Ablenkung oder Unterhaltung).

Smartphones, soziale Medien wie Twitter oder Instagram und die Aufhebungen des Fotoverbots in vielen Museen, haben in den letzten Jahren den Museumsbesuch und das Selfie verschmelzen lassen. Der Trend hat sich sogar zu einer etablierten kulturellen Aktivität gewandelt. So findet der Museum Selfie Day nun schon zum zweiten Jahr in Folge statt. Wie Mar Dixon schreibt, soll die Veranstaltung “den Spaß und die Lockerheit der Museen noch mehr hervorheben”. Hier werden die Besucher aktiv aufgefordert, sich aktiv mit den Objekten in einem Museum zu beschäftigen und ein Selfie zu twittern. So kamen Tausende von Fotos zustande (manche eher touristisch, manche originell).

Der Hashtag #MuseumSelfie ist mittlerweile ein Phänomen geworden. Zuletzt wurde es für niemand geringeren als das Krümelmonster adaptiert, während es eine Tour durch ein paar New Yorker Museen machte. Die Selfies, die man danach twittern kann, und die Fotos, die dann auf Instagram landen, bringen die Menschen in die Museen und lassen sie über die Sammlungen reden. Aber für manche sind ist das auch schon zu viel.

Einige Kritiker freuten sich über das Verbot des Selfie-Sticks und nahmen dies als Anlass, sich generell über Selfies und Fotos in Museen zu beschweren. Brian Sewell schrieb in der Times, dass sie ein echtes Museums-Erlebnis ruinieren: “Jeder, der wirklich nur dort hin kommt, um sich ein Bild anzuschauen, kann das nicht tun, denn die Leute sind viel zu beschäftigt damit, Fotos zu schießen.” Ähnlich geht es Jonathan Jones, der im Guardian schreibt, Fotos in Museen sind nur dazu da, “um die Massen zu bespaßen”. Er beklagt die Veränderungen in der Besucherkultur der Galerien und geht sogar so weit, dass er Selfies, Kameras und Smartphones eine “seelische Bedrohung” nennt, weil es in ihrer Anwesenheit nicht möglich sei, in eine „versonnene Betrachtung“ zu versinken, für die die Museen ja wohl gedacht seien.

Hier haben wir das “wir und die anderen: traditionalistische Kunstkritiker, für die ein Museum eine Art Tempel für höhere Dinge darstellt, und die Selfie-Jäger, für die Museen neue Orte zum Entspannen geworden sind. Was besonders absurd ist, ist die Idee, dass diese beiden nie aufeinander treffen dürfen. Es ist ja nicht so, dass lehrreiche Erfahrungen nicht auch Spaß machen könnten oder dass man nicht auch beim versonnenen Betrachten unterhalten werden dürfe.

Was die Museen selbst angeht, müssen sie ihre unternehmerische Notwendigkeit, ein großes Publikum anzuziehen, mit der wichtigen Bewahrungs- und Kommunikationsarbeit abgleichen. Dies ist bei Weitem kein neues Problem, aber mit der neuen Fotopolitik und der neuen Technik könnte hier ein Spielraum für neue Lösungen geschaffen werden.

Auf den Philippinen wurde neulich die Ausstellung “Kunst auf der Insel eröffnet. Dort wird das Thema in einer drastischen Abwandlung präsentiert: ein komplettes Museum, das nur gebaut worden ist, um darin Selfies zu schießen. Statt echter Kunstwerke sind die Räume mit 3D-Repliken gefüllt, die zu Interaktionen und lustigen Fotoideen einladen. Man kann in Van Goghs “Sternennacht wortwörtlich hineinklettern oder den fliegenden Schuh aus Fragonards “Schaukel“ fangen, um danach die Fotos auf die Facebook-Seite des Museums hochzuladen. Die Seite hat inzwischen mehr Likes als die National Portrait Gallery in London (was auch immer das für ein Gradmesser für Erfolg sein mag) und bekommt so jede Menge Aufmerksamkeit.

Bei “Kunst auf der Insel handelt es sich weniger um ein Museum, als viel mehr um einen Vergnügungspark mit dem Thema “Museum“. Aber seine Popularität hat sogar Kritiker wie Jones zu einer neuen Sichtweise gebracht. Währenddessen kann man mit dem Europeana-Projekt “VanGo Yourself auf völlig neue Weise in Kunstwerke „hineingehen. Das Projekt “VanGo Yourself will Nutzer und deren Freunde anregen, selbst Kunstwerke nachzustellen und selbst Umgebungen, Posen und Kompositionen zu finden, die zu dem Bild passen. Die nachgestellten Fotos werden dann in den sozialen Medien geteilt und neben das Original gestellt.

Mit solch speziellen Angeboten wie dem Selfie oder den romantischen Kompositionen, erfüllt VanGo Yourself auf kreative Weise den allgemeinen Wunsch, mit Kunst auf Fotos spielen zu können. Zugleich kommt die Kritik auf, dass die Fotos das intensive Hinsehen ersetzen. Durch Auftritte im Stil des Tableau vivant (dt.: “lebendes Bild) und anderen kunstvollen Ansätzen wird vorausgesetzt, dass man sich eingehend mit dem Objekt beschäftigt haben muss. Frank Thinnes, einer der Erfinder, merkte an, dass viele der Einsendungen nicht nur eine Nachstellung sind, sondern eine vielsagende “Neuinterpretation des Bildes und seiner Botschaft”.

Das Rijksstudio hat sich auch zur Aufgabe gemacht, inspirierende Neuinterpretationen seiner Ausstellungsstücke anzustoßen. Das Rijksmuseum entschied sich dazu, 200.000 hochaufgelöste Abbildungen aus seiner Sammlung öffentlich zugänglich zu machen. Es sorgt so dafür, dass die Besucher “zu ihren eigenen Künstlern” werden, sagt Publikationsleiter Martijn Pronk. Die Nutzer können die Bilder in alles umwandeln, was ihnen gefällt – Kleidung, Tapeten, natürlich auch als Bilder, wie ursprünglich gedacht. Ihre Kreativität wird durch den jährlich verliehenen Rijksstudio Award belohnt.

Selfies und Fotospielereien mit Ausstellungsstücken zerstören also nicht zwangsläufig das Erlebnis der Museumsbesucher oder versagen ihnen die eingehende Auseinandersetzung mit der Sammlung. Im Gegenteil: hierbei kann eine völlig neue Art ausprobiert werden, die Kluft zwischen Kunstwerk und Betrachter zu überbrücken. Aber die Selfie-Sticks können ruhig draußen bleiben.

Der Artikel ist zuerst auf theconversation.com erschienen und unter CC BY-ND 4.0 lizensiert. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) „Curse of the Selfie Stick“ by Larry Miller (CC BY-SA 2.0)


Weiterlesen »