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Für freie Lehrmaterialien – Markus Deimann im Interview

Markus Deimann ist habilitierter Bildungswissenschaftler und vertritt zurzeit das Lehrgebiet Mediendidaktik an der FernUniversität in Hagen. Er mischt sich als Redner, Kolumnist und Podcaster aktiv und kritisch in die Debatten zur Digitalisierung von Bildung ein. Im Interview beantwortet er uns Fragen zu Open Educational Ressources (OER).

Markus Deimann, können Sie kurz erklären, was Open Educational Resources (OER) sind?

Open Educational Resources sind Lernmaterialien, die unter einer freien Lizenz stehen und darum die Nachnutzung, die Vervielfältigung und den Remix erlauben, ohne den Urheber explizit um Erlaubnis fragen zu müssen. Urheberrechtlich ist man damit auf der sicheren Seite. Andererseits kann man die Materialien nach Belieben verändern. Das erweitert die Vielfalt, es gibt mehr Auswahlmöglichkeiten. Jeder kann freie Materialien erstellen, zu jedem beliebigen Thema kann ich welche finden. Und diese Auswahl ermöglicht mir vielfältige Zugänge zu einem Thema.

Aber wenn jeder Mensch einfach Lernmaterialien ins Internet stellen kann: Wie kann man sicher sein, dass sie qualitativ hochwertig sind?

Diese Befürchtung hört man oft, wenn es um OER geht. Bei Schulbüchern übernimmt eine Behörde die Qualitätssicherung. Das ist eine Entlastung. Man könnte aber auch von einer Infantilisierung sprechen. Wenn eine Biologielehrerin etwas für ihren Unterricht sucht, dann würde ich ihr unterstellen, dass sie eine ausreichende Fachkompetenz hat, um auch sicherzustellen, dass die gefundene OER-Ressource qualitativ einwandfrei ist.

Nutzen Lehrende überhaupt solche Materialien?

Das hängt natürlich vom einzelnen Lehrer, von der einzelnen Lehrerin ab. Aber ja, sie nutzen es durchaus. Es gibt zum Beispiel die Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet. Da findet man eine große Auswahl an Themen, Materialien und Ressourcen, die von Lehrerinnen und Lehrern eingestellt wurden. Wer sich grundsätzlich über OER informieren möchte, für den ist die OER-Infostelle aktuell die zentrale Einflugschneise.

Welche Nachteile haben OER?

Es fängt beim Begriff selbst an: Open Educational Ressources klingt sperrig und technisch. Da gibt es einen Mismatch zwischen dem unhandlichen Begriff und der eigentlich guten Idee. OER sind Teil einer Kultur des Teilens. Da sind viele dafür, aber mit dem Begriff kann man nichts anfangen. Darüber hinaus sind OER immer noch schwer zu finden. Es braucht einfach noch mehr Plattformen, auf denen ich OER nicht nur finden, sondern auch auf einfache Art hochladen kann. Wenn ich meine Materialien teilen möchte, ist der Zusatzaufwand immer noch groß.

Im Prinzip bräuchte man also eine Art OER-Cloud?

Genau. Auch vor dem Hintergrund, dass man sich mithilfe von offenen Schnittstellen mit zum Beispiel Learning Management Systemen [z.B. Moodle, Anm. d. Red.] verbinden kann. Die Cloud liefe dann im Hintergrund und ich könnte als Lehrender an der Universität meine Materialien ohne großen Aufwand freigeben.

Wo finde ich als Lehrender solche Materialien im Moment?

Das kommt natürlich auf die Ressource an. Wenn man jetzt an Bilder denkt, gibt es sowas wie Pexels. Da kann man nach Lizenzen filtern. Es geht aber noch einfacher: über Google. In den leider etwas versteckten erweiterten Einstellungen kann ich meine Suche nach Lizenzmodellen filtern. Zum Beispiel nach Creative Commons.

Wie passt die Kultur des Teilens überhaupt zum heutigen, starren Bildungssystem?

Da gibt es durchaus einen Widerspruch, aber pauschal würde ich nicht sagen, dass beides nicht zusammenpasst. Dort gibt es einen althergebrachten Spruch: Ein Professor würde eher die Zahnbürste teilen als sein Material. Auf der einen Seite ist das natürlich ein Ego-Ding. Vor allem aber haben viele Kollegen Angst, dass andere ihr Material nicht gut genug finden. Viel Zeit wird für Forschung, Verwaltung und Drittmittelanträge benötigt. Die Befürchtung: Man muss sich auf viele andere Sachen konzentrieren, sodass darunter die Qualität der Lehrmaterialien leidet.

Vor welchen Problemen stehen OER in Deutschland?

Aus rechtlicher Sicht spricht nichts gegen OER. In den vergangenen Jahren sind viele rechtliche und technische Hilfestellungen und Anleitungen entstanden. Wie mache ich das genau? Worauf muss ich achten? Im Prinzip könnte jeder sofort loslegen und andere Materialien nutzen und verändern. Es gibt eher eine kulturelle Hürde. Viele Forscher richten sich einfach nach den vermeintlich wichtigsten Autorinnen und Autoren des eigenen Fachs und schauen nicht nach links und rechts. In der Musik wird viel mit Remixen gearbeitet. Das kann man zum Beispiel auch in der Lehre anwenden. Verschiedene Dinge zusammennehmen, auseinanderreißen und wieder zusammenkleben. Das findet in der Bildung noch nicht statt.

Was könnte man denn ganz konkret tun, um OER bekannter zu machen?

Es ist wichtig, zentrale Multiplikatoren zu identifizieren und sie mit dem Thema OER vertraut zu machen. In den vergangenen eineinhalb Jahren hat viel Aufklärung stattgefunden. Vor allem bei Multiplikatoren an Hochschulen. Die wurden sensibilisiert und geschult. Natürlich stellt sich die Frage, wie nachhaltig das ist. Wird das auch von der Hochschule weiter am Kochen gehalten und weiter befeuert? Da gibt es einen Mismatch. Viele sagen, dass sie es toll finden, Materialien frei zur Verfügung zu stellen. In der Realität wird das dann oft nicht umgesetzt. Da gibt es noch viel Luft nach oben.

Welche Reaktionen kommen von Multiplikatoren?

Vor allem die jüngeren Lehrenden finden die Formen der offenen digitalen Zusammenarbeit gut. Dass man sich mit anderen Studierenden von anderen Hochschulen zusammentut, gemeinsam an Dokumenten arbeitet, gemeinsam was erstellt. Wissenschaft lebt ja vom Austausch und von der Diskussion. Und das kann man eben auch digital abbilden.

Wie steht es denn um die Finanzierung von OER in Deutschland?

Es gibt natürlich schon Förderung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung aus der OER-Förderlinie. Die war zwar nicht groß, dort wurden aber 23 Einzel- und Querschnittsprojekte gefördert. Da geht es aber vor allem darum, Menschen über OER zu informieren. Wenn man möchte, dass eine Kultur des Teilens entsteht, braucht es natürlich mehr Geld. Man könnte zum Beispiel mit Anreizen arbeiten und das beste OER-Projekt auszeichnen, was von mindestens drei Hochschulen erstellt wurde. Wettbewerb funktioniert in diesem Bereich ganz gut. Das hat man vor ein paar Jahren bei den Massive Open Online Courses (MOOC) gemerkt. Da ist ein riesiger Hype entstanden.

Wie sähe eine weitere Förderung ganz praktisch aus?

Es braucht daneben eine Anschubfinanzierung für einen Anfangsbestand von guten Open Educational Resources. Man könnte zum Beispiel sagen, dass man für bestimmte Fächer einen Bestand an frei zugänglichen Videos, Powerpoints oder Podcasts finanziert. Andererseits wird Geld für die Infrastruktur benötigt. Finanzierung für technische Plattformen, die nah an meinem Arbeitsprozess dran sind. Sodass es nur einen Klick braucht, um Materialien frei zur Verfügung stellen zu können. Andererseits könnte man öffentlich finanzierte Forschung auch für die Allgemeinheit freigeben. Da sollte man vor allem an die Ehre der Pädagogen appellieren. Warum schränkt ihr euch ein? Warum die Materialien nur für 20 Leute im Kurs freigeben, wenn so viel mehr Menschen davon profitieren könnten?

Der Koalitionsvertrag von Union und SPD sieht eine umfassende OER-Strategie vor. Wie schätzen Sie die Bemühungen der Bundesregierung in diesem Bereich ein?

Nicht so groß. Im Moment liegt der Fokus der Bundesregierung auf dem Bereich Digitalisierung, was komischerweise als was anderes als OER gesehen wird. Dabei hängt beides sehr eng miteinander zusammen. Man setzt aber eher auf Hype-Themen. Vor ein paar Jahren waren es MOOC, jetzt ist es aktuell mal wieder künstliche Intelligenz oder Blockchain. Da gibt es auch im Bildungsbereich durchaus Bedarf, das will ich gar nicht in Frage stellen. Das darf aber nicht komplett den Blick für die Probleme verstellen, die man an der Basis hat.

Bleiben OER eine Nische oder können sie sich langfristig durchsetzen?

In der Digitalisierungsdebatte geht es gerade stark darum: Wie innoviere ich meine Lehre? Wie nutze ich digitale Medien? Da ist eine Anschlussmöglichkeit für OER. Da braucht es aber nicht nur einzelne Akteure, die OER nutzen. Es braucht E-Learning-Zentren und Hochschulleitungen, die ihre Materialien frei zur Verfügung stellen. So ist es auf jeden Fall auch in den nächsten fünf Jahren möglich, OER zum Durchbruch zu verhelfen.

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Das Atelier als New Work-Gegenkonzept

Art studio with wall graffiti (adapted) (Image by Matthieu Comoy [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Der Bildungsethiker Christoph Schmitt beschäftigt sich in seinem neuen Buch „Digitalisierung für Nachzügler: Einsichten eines digitalen Immigranten“ mit der Frage, wie wir es schaffen können, die alten Bilder von Arbeit und Beruf in unseren Köpfen zu überschreiben. „Sie preiszugeben, um offen zu werden für völlig neue Ansätze, Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse. Wir setzen uns unerwarteten Entdeckungen aus, die durch einen glücklichen Zufall möglich werden.“

Zufallsbegegnungen

Also das von Niklas Luhmann erprobte Verfahren „Serendipity“ – etwas zu finden, was man gar nicht gesucht hat. Man begegnet einem unbekannten Thema und wird davon magisch angezogen. Schmitt beschreibt seine MOOC-Erlebnisse – seine Expeditionen in Massive Open Online Course-Formaten – etwa das von Anja C. Wagner organisierte Leuchtfeuer-Projekt.

Unzählige beeindruckende Videos dokumentieren, wie viele ’neue Räume‘ des Lernens und Arbeitens es quer über den Planeten schon gibt: Coworking Spaces in total unterschiedlichen Ausprägungen, Makerspaces in allen Formen; wie die entstanden sind und sich etablieren. Was ihnen wichtig ist: nach welchen Werten sie arbeiten.

Neue Räume für digitale Kultur

Es gehe um neue Räume, die im Kontext der Digitalisierung so wichtig sind. Und diese physischen Umgebungen sollte man anders gestalten, um auch die Ökonomie im Ganzen zu verändern. „Klassisch hierarchische Strukturen – also annähernd 100 Prozent der KMU und Konzerne – ersticken Coworking im Keim. In solchen Monokulturen gedeiht Coworking nicht, weil hier das Querdenken und Querarbeiten strukturell verhindert wird“, schreibt Schmitt. Das klassische Modell der Arbeitswelt wird dominiert von Belohnung und Bestrafung, von Kontrolle und Reglement – das genaue Gegenteil von Coworking und Kollaboration.

Klassische Organisationen kann man nicht revolutionieren

„Oft höre ich, dass sich doch auch in traditionellen Kulturen einzelne Schollen bilden und sich quasi unter der Oberfläche (‚unterm Schirm‘) klammheimlich vernetzen können und die Orga von unten her revolutionieren. Mit solchen Hypothesen positionieren sich im Moment vor allem klassische Consulting-Anbieter, die aus der zunehmenden Hilflosigkeit auf den Chefetagen Profit schlagen. Die Annahmen hinter diesem ‚Coworking light‘ funktionieren aber nicht“, konstatiert Schmitt. Und er hat recht. Was mit Begriffen wie Industrie 4.0 oder New Work beschrieben wird, kaschiert nur die alte industriekapitalistische Organisationsform, die fast alle Volkswirtschaften auf unserem Planeten dominieren. Der überkommene Taylorismus der Massenfertigung bekommt nur einen digitalen Anstrich. Nach wie vor sind die Lebens- und Arbeitswelten nach funktionalistischen Prinzipien auseinandergerissen.

New Work-Berater kaschieren die alte Arbeitswelt

Da können New Work-Berater herumlabern, wie sie wollen: Man muss aus diesem Käfig ausbrechen: „Menschen und ihre Ideen entwickeln sich aus solchen Organisationen hinaus und bilden neue Netzwerke. Überall – nur nicht in der Organisation selbst“, so die Erkenntnis von Schmitt. Für den Ausbruch hat Schmitt eine gute Metapher ins Spiel gebracht: Das Atelier. „Der Begriff stammt aus dem Französischen und steht für Werkstatt. Und ein Atelier ist noch mehr: Es ist der Arbeitsplatz eines Kreativen, beispielsweise die Werkstatt einer Künstlerin oder eines Fotografen, oder auch eine Produktionsstätte wie beim Filmatelier. Es ist auch ein Ort der Selbstinszenierung und der Ausstellung. Das Atelier ist ein Ort, an dem Menschen zugleich leben, arbeiten, lernen, wo sie ihre Produkte oder Dienstleistungen präsentieren und verkaufen. Ein Atelier birgt Werkstatt und Schaufenster in einem. Wohnen, leben und arbeiten wachsen hier zusammen… Hier verweilen Menschen und kommen miteinander ins Gespräch.“

Nachhause kommen

In der Vorstellung von Schmitt ist das Atelier in seiner ganzen Vielfalt die Art und Weise, wie Lernen und Arbeiten sich in Zukunft verbinden werden: Lernen als Kunst, als Lebenskunst, als eine Kunst des Entstehens von Leben. Leben und Lernen als Kunst. Die Kunst, das Leben zu entfalten als Lernvorgang.

Im Interview auf dem Watson Summit in Luzern verweist Schmitt auf die Initiative „Neustart Schweiz“ mit dem Motto „Nachhause kommen“. Diese Atelier-Ideen sind der wahre Katalysator für New Work. Und heute haben wir gegenüber den Ateliers im 18. oder 19. Jahrhundert einen entscheidenden Vorteil: Wir können lokal tätig sein und uns dennoch die ganze Welt erschließen. Das Notiz-Amt ist davon überzeugt, dass man mit der Idee des Ateliers eine neue Form der digitalen Kultur begründen kann, jenseits von aseptischen Glasfassaden-Büros und dem Optimierungswahn von Effizienz-Einpeitschern.


Image (adapted) „Art studio with wall graffiti“ by Matthieu Comoy (CC0 Public Domain)


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MOOCs – eine gute Option für die Vermittlung von Wissen

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Veränderungen und neue Möglichkeiten werden beinahe täglich durch innovative Ideen und fortschreitender Technik geschaffen. Auch im Bildungssystem sucht man stetig nach neuen Wegen, wie das Wissen noch einfacher für jeden zugänglich gemacht werden kann. So öffnet digitales Lernen den Menschen dahingehend viele neue Türen.

Sarah Holstein arbeitet im Zentrum für mediales Lernen (ZML) des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und beschäftigt sich ganz besonders mit dem Thema E-Learning und ist an der Erstellung von sogenannten MOOCs beteiligt – Massiv Open Online Courses. Zu diesem Thema wird Sarah Holstein auch auf der bevorstehenden OPEN!2016 – die Konferenz für digitale Innovation – sprechen. 

MOOCs kommen aus dem amerikanischen und stehen kostenfrei für Millionen von Menschen zur Verfügung, die ihr Wissen auch außerhalb von Hochschulen erweitern möchten. Derzeit ist das ZML schon bei einigen spannenden MOOC-Projekten beteiligt.

In einem Interview erklärt uns Sarah Holstein, was genau MOOCs sind, welche Vorteile sie haben und wie wir sie am besten nutzen können:

Jennifer Eilitz: MOOCs werden in Deutschland immer bekannter und immer mehr interessierte Menschen nehmen an diesen Online-Kursen teil. Wie sehen Sie die Entwicklung? Ist das nur eine Art Trend, der irgendwann wieder nachlassen wird, oder können MOOCs ein fester Bestandteil für Hochschulen werden?

Sarah Holstein: Ich denke schon, dass MOOCs einen festen Platz an den Hochschulen einnehmen werden. Wobei nicht in der Dimension, wie man teilweise ursprünglich propagiert hatte. Sie werden die Hochschullehre nicht ersetzen, sondern an bestimmten Stellen einfach zusätzliche neue Optionen eröffnen. Viel mehr als für Studierende sehe ich den Wert von MOOCs für die breite Öffentlichkeit, die auf diesem Weg die Möglichkeit erhält, partiell an Hochschullehre teilnehmen zu können, um zum Beispiel über die eigene Hochschulzeit hinaus über aktuelle Entwicklungen im eigenen Fach informiert zu bleiben. Und für die Hochschulen haben die MOOCs einen hohen Marketingwert. Sie können sich mit tollen Lehrprodukten international darstellen.

Man sitzt ja nicht direkt in einer Präsenzvorlesung. Ist der Lerneffekt dennoch derselbe?

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Image by Sarah Holstein

Das kommt immer auch auf den eigenen Lerntyp an. Es gibt sicher Personen, die besser in einer Vorlesung und andere die besser in einem MOOC lernen. So wie manche Personen lieber etwas erklärt bekommen und andere es lieber selbst in einem Buch nachlesen. Eine Präsenzvorlesung hat den Vorteil, dass ich als Studierender direkt mit dem Dozenten in Kontakt treten kann, um beispielsweise Fragen zu stellen, ein MOOC ermöglicht mir dafür zum Beispiel ein individuelles Lerntempo. In einer Vorlesung muss ich ja als Studierender gleichzeitig mitdenken und mitschreiben und wenn ich einen Gedankengang verpasse, ist es oft schwer den Faden wieder aufzunehmen.

Bei einem MOOC kann ich ein Video nochmal anschauen oder zu einer Stelle zurückspringen, bis ich den jeweiligen Aspekt verstanden habe und erst dann gehe ich zum nächsten Thema. So haben beide Formate ihre Vor- und Nachteile.

Wenn man erstmal die Hochschule verlassen hat und im Berufsleben steht, ist es ja häufig nicht mehr so einfach, im eigenen Fachgebiet „up to date“ zu bleiben. MOOCs sind hier eine tolle Möglichkeit, weiterhin über neueste Entwicklungen informiert zu bleiben oder auch, um sich neue Themengebiete zu erschließen. Hier ermöglichen MOOCs zum einen den Zugang zum Wissen und sind durch das sehr flexible Kursdesign sehr gut mit dem Arbeitsalltag zu vereinen. Was ich damit also sagen will, ist, dass die Bewertungsperspektive nicht von „zuerst hatte ich eine Präsenzveranstaltung und jetzt nur noch einen MOOC“ sondern von „zuerst hatte ich zu bestimmten Informationen gar keinen Zugang und jetzt habe ich über einen MOOC immerhin digital vermittelten Zugang“hin reicht.

Wenn ich mir einen MOOC von der Stanford University in den USA anschaue, wäre es natürlich noch toller, wenn ich vor Ort sein könnte, diese Option bietet sich mir leider aber gar nicht. Aber überhaupt an einer Veranstaltung der Stanford University teilnehmen zu können, ist doch ein großer Gewinn, oder?

Auf jeden Fall! Der Unterschied zwischen xMOOCs und cMOOCs ist ja, dass die xMOOCs eher einen Vorlesungscharakter haben und im Anschluss an eine Prüfung anknüpfen. Die cMOOCs hingegen gleichen eher einem Workshop oder auch Seminaren. Welche Form der MOOCs präferieren Sie? Welche könnte sich besser auf den Lernerfolg auswirken?

Ich würde einen xMOOC eher mit einer Lehrveranstaltung mit klarem Lernziel und definiertem Lernweg vergleichen und einen cMOOC eher mit einem BarCamp, in dem der Erfolg viel von den Teilnehmern selbst abhängt und sich auch jeder selbst sein Ziel setzt. Welches Format geeigneter ist, hängt meiner Meinung nach davon ab, welchen Kenntnisstand ich in einem Thema habe. Wenn ich mir ein neues Thema erschließen will, sind xMOOCs besser geeignet, da sie mir eine klare Struktur vorgeben, der ich folgen kann.

Ein cMOOC überfordert Themeneinsteiger, da auf den Teilnehmer sehr viele Informationen und Diskussionsstränge einprasseln. Aus diesen vielen Optionen muss er dann selbst eine Auswahl treffen und Gewichtungen vornehmen, was einen in einem neuen Thema überfordert. Als Experte in einem Thema wiederum sind cMOOCs eine tolle Option spannende Diskussionen zu starten und ein Thema aus vielen Blickwinkeln zu beleuchten. cMOOC geben einem dann hierbei die Freiheit eigene Schwerpunkte zu setzen und Themen mitzugestalten.

Wie stellt man sich den Ablauf eines solchen Online-Kurses vor? Sitzt der Lernende vor dem Bildschirm, sieht sich das Video an und macht sich gegebenenfalls Notizen? Oder können diese auch aktiver an den Kursen teilnehmen?

Das kommt auf die Gestaltung des jeweiligen Kurses an. Die MOOCs – an deren Erstellung ich beteiligt war – hatten immer mehrere Komponenten. Zum einen die Videos als Wissensinput, die ich mir als Teilnehmer anschaue, aber auch Übungsaufgaben, in denen ich als Teilnehmer dazu aufgefordert bin, das vermittelte Wissen anzuwenden. Außerdem sind Diskussionsaufgaben ein wichtiger Bestandteil der Kurse. Diese erfüllen zwei Aufgaben. Zum einen erwecken Sie den Kurs zu Leben und machen ihn zu einer Gruppenerfahrung. Die Materialien kommen ja quasi „aus der Konserve“, aber durch die Interaktion mit den anderen Kursteilnehmern, beispielsweise über den Austausch in Diskussionsforen, erlebe ich als Teilnehmer, dass da noch andere an den gleichen Themen arbeiten wie ich.

Dieser häufig auch internationale Austausch ist sehr bereichernd. Was wir auch häufig erleben, ist, dass sich lokale Gruppen bilden. Einzelne Teilnehmer fragen im Forum, ob aus ihrer Region weitere Teilnehmer im Kurs sind und diese treffen sich dann. Zum anderen sind die Diskussionsaufgaben eine tolle Möglichkeit, die vermittelten Inhalte zu reflektieren und auch mit den eigenen (Berufs-)Erfahrungen zu verknüpfen und von den Perspektiven der anderen Teilnehmer auf einen Aspekt zu profitieren.

Welche Möglichkeiten sehen Sie in diesen Online-Kursen? Welche Vorteile können Lernende und Lehrende daraus ziehen?

Für Lernende sehe ich vor allem die Vorteile, Zugang zu Wissen zu erhalten, den sie vorher nicht hatten, von tollen Dozenten aus der ganzen Welt profitieren zu können, auch nach der eigenen Ausbildung noch an Hochschullehre partizipieren und in Austausch mit Tausenden von Teilnehmern treten zu können.

Für Lehrende ist es eine tolle Möglichkeit, mit der eigenen Lehre in die Öffentlichkeit zu treten oder auch ein Thema bekannter zu machen. Aktuell produzieren wir beispielsweise einen MOOC unter anderem mit der Zielsetzung, auf ein eher unbekanntes Fachgebiet aufmerksam zu machen und so auch mehr Studierende für dieses Fach zu begeistern. Als Lehrender erhält man durch einen MOOC eine internationale Plattform. Für unsere Dozenten haben sich aus den MOOCs auch fruchtbare Kontakte für zukünftige Zusammenarbeiten entwickelt.

Gibt es auch Probleme, die durch die Online-Kurse entstehen?

Dass durch einen Kurs Probleme entstehen, sehe ich nicht. Was man sagen kann, ist, dass das erfolgreiche Absolvieren eines Online-Kurses hohe Anforderungen an die Selbstmanagementfähigkeiten der Teilnehmer stellt. Das bedeutet, ich kann mir schon vorstellen, dass es auch Personen gibt, für die ein MOOC nicht das geeignete Lernmedium darstellt. Personen, die mehr Anreize von außen brauchen, haben es in einem MOOC wahrscheinlich schwer. Aus meiner Erfahrung würde ich sagen, dass speziell die Personen sehr gut in einem MOOC lernen können, die eine hohe intrinsische Motivation für ein Thema mitbringen.

Auf iversity.org sind ja auch unter anderem MOOCs, wie beispielsweise der videobasierte Online-Kurs für besseres Selbst- und Zeitmanagement vom ZML zu finden. Dort habe ich gesehen, dass man am Ende ein Zertifikat oder auch ECTS – also Credit Points – erhalten kann. Inwieweit werden in Deutschland diese Nachweise ernst genommen? Habe ich mit diesen Nachweisen gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt?

Das kann ich schwer beantworten. Ich würde MOOCs vor allem empfehlen, wenn es mir als Teilnehmer primär darum geht, mir das Wissen anzueignen. Wenn im Vordergrund steht, ein Zertifikat zu erwerben, das ich beispielsweise meiner Bewerbungsmappe hinzufügen kann, würde ich eher klassische Weiterbildungskurse empfehlen. In unseren MOOCs kontrollieren wir auch nicht, ob vor dem PC auch tatsächlich die Person sitzt, die auf dem Papier angemeldet ist. Somit hat so ein Zertifikat, wenn es nicht mit einer kontrollierten Prüfung abgeschlossen wurde, per se nur bedingte Aussagekraft. Wenn wir selbst ECTS für einen MOOC vergeben, müssen die Studenten vor Ort unter kontrollierten Bedingungen noch eine Prüfung ablegen.

Würde es Sinn machen, wenn auch andere Institutionen oder Bildungszentren – außer die Hochschulen – MOOCs anbieten würden? Beispielsweise vielleicht Bibliotheken, Gesamtschulen oder auch Unternehmen?

Das tun sie bereits. Die Frage lässt sich aus zwei Perspektiven beantworten. Zum einen die der Anbieter. Hier würde ich sagen, dass MOOCs für viele Institutionen ein toller Weg sind, neue Zielgruppen zu erreichen und das eigene Portfolio zu erweitern. Aus Sicht der Teilnehmer wird es natürlich immer schwieriger, die Qualität der MOOCs einzuschätzen, je weniger ich über den Anbieter und dessen Absichten weiß. Gerade bei Unternehmen wäre natürlich immer zu hinterfragen, wie neutral die Informationen sind, die ich in einem solchen MOOC erhalte.


Image „elearning“ by geralt (CC0 Public Domain)


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Ein MOOC ist ein Event, ist digitale Bildung, ist Marketing …

University Life 239 (adapted) (Image by Francisco Osorio [CC BY 2.0] via Flickr

MOOCs werden gefeiert. MOOCs werden gehasst. MOOCs sind die Zukunft. Und MOOCs sind die Vergangenheit. Was aber bleibt, ist die digitale Bildung. Und das ist gut so!

Vorletzte Woche war ich eingeladen zum Podiumsgespräch auf dem b.i.t. Sofa anläßlich der Frankfurter Buchmesse. Die Frage war, ob MOOCs ein neues Geschäftsfeld auch für Bibliotheken und Verlage seien?! Da ich mir eine hartnäckige Erkältung eingefangen hatte, war es mir leider nicht möglich, nach Frankfurt zu reisen. Von daher hier jetzt meine Überlegungen in schriftlicher Form.

  • Digitale Bildung? Ach, komm. Face-to-face ist doch ganz was anderes, meinen die meisten. Aber stimmt das eigentlich – oder ist dies bloß die Sicht von Anbietern, die ihre Räume verpachten wollen?

  • Wie immer hinken wir im deutschsprachigen Diskurs etwas hinterher. Als Innovation kann man hier gut und gerne verkaufen, was andernorts längst state-of-the-art ist.

  • Auch wenn sich viele Menschen mit dem Marketing-Begriff schwer tun: MOOCs sind vor allem ein Instrument, um den Anbieter zu vermarkten. Aber das kommt den Usern sehr entgegen.

Ein Blick zurück

2012 war DAS Jahr der MOOCs. Mit dieser Auszeichnung der New York Times hatte die MOOC-Entwicklung, die 2008 bereits startete, ihren Höhepunkt erreicht. Seitdem befindet sie sich auf dem langsamen Abstieg. Langsam deshalb, weil die naturgemäß nachgelagerten politischen Prozesse erst seit 2013 die Bildungs-“Innovation” in Europa fördern. Und die meisten Menschen erst jetzt im MOOC-Zeitalter ankommen. Während andere in der Welt schon längst am NEXT BIG THING stricken.

 Von daher erfährt das MOOC-Konzept hier in Europa nur gaaanz langsam eine Umdeutung. Es erscheint mir zunehmend als öffentlicher Türöffner für eine breitere “Digitale Bildung”, also inklusive verschiedener Content-Formate, wie sie in der Grafik rechts angeführt werden. Was wiederum eine schöne Entwicklung wäre, denn davon brauchen wir mehr im digitalen Zugriff – viel mehr sogar angesichts der digitalen Transformationswellen, die aktuell auf uns zurollen.

Aber rekapitulieren wir kurz: MOOC ist das Akronym für „Massive Open Online Course” und damit sind Online-Kurse gemeint, die kostenfrei zur Verfügung stehen und in denen sich ein sehr großer Nutzerkreis eingeschrieben hat. In Expert_innen-Kreisen wird bis heute gerne diskutiert, welcher dieser 4 Buchstaben ihnen der wichtigste sei.

Ich denke, es ist das zweite O – alles andere ist nachrangig bzw. teilweise kontraproduktiv. Kurse sind nämlich ein überholtes Konzept und werden nur deshalb noch gerne aufgesetzt, weil sie schön anschlussfähig sind zu unserem alten Bildungsverständnis. Dieses Bildungsverständnis besagt, es gibt eine_n Lehrende_n, die Wissen aufbereitet für mehrere Lernende.

Aber seitdem es mehr um den wechselseitigen Austausch und die gemeinsame Entwicklung bzw. den Diskurs von implizitem Wissen geht, zumindest mit Blick auf die gesellschaftlichen Herausforderungen, gilt dieses Bildungsverständnis als überholt. (Hält sich aber dennoch sehr hartnäckig, auch oder gerade in den Kontexten, die sich traditioneller Weise mit Bildung beschäftigen. Aber dies nur am Rande bzw. sehen wir gleich, wohin das führt.)

Die zwei Perspektiven

Grundsätzlich gibt es zwei Perspektiven, wie man auf MOOCs blicken kann: Da ist zum einen die Perspektive der Anbieter_innen und zum anderen die Perspektive der User, der Menschen, die solch ein Angebot nutzen könnten.

Wenn die Frage lautet, ob MOOCs auch etwas für Verlage und Bibliotheken seien, dann ist dies die Perspektive der Anbieter. Was könnte es also einem Anbieter bringen, MOOCs anzubieten?

Nichts ist an dieser Perspektive falsch. Ich selbst halte diese Frage sogar für die zentrale, auch wenn sie anders vermarktet wird. Das Standard-Argument eines MOOC-Anbieters lautet immer: „Die Leute sollen lernen, dass …” oder “Wir wollen den Menschen zeigen, dass …” – es ist das alte Denken: Top —> Down.

“Down” SOLL lernen von “Top”, sozusagen. Klassischer Weise in Form einer Vorlesung oder einer medienvermittelnden Video-Aufbereitung, folgt dieses Denken weiterhin der alten Vorstellung des Nürnberger Trichters: Schädeldeckel auf –> Content rein —> Wissen vermittelt. Fertig.

Da es sich herum gesprochen hat, dass diese Vorgehensweise so nicht funktioniert, wird dieser Prozess schon lange “pädagogisch” eingerahmt durch die standardisierte Formulierung von Lehr-/Lernzielen, gefolgt von ebenjenem Top-Down-Vermittlungsprozess – und hinten dran gibt’s dann den Wissenstest, der sicher stellen soll, dass die Lehr-/Lernziele grob erreicht wurden.

Das ist die Form der Bildung, wie sie derzeit gängig ist, auch wenn man modern pädagogisch ahnt, dass auch dieser Prozess nie gut funktioniert hat. Aber so kennen es die User aus unzähligen Formaten – und quälen sich begeistert durch.

Das Problem mit der User-Sicht

An dem Wissenstest erkennt man im MOOC-Kontext die so genannten “xMOOCs“, wie wir sie vorzugsweise in den kostenfreien MOOCs auf den grossen MOOC-Plattformen finden. Das X steht für richtig gross skalierbare MOOCs. Die Nummer 1 der Hitliste der meist gebuchten Online-Kurse als größter Kurs weltweit hat derzeit mehr als 690.000 (!) Lernende. Es ist der FutureLearn-Kurs IELTS.


EXKURS WIKIPEDIA ZU IELTS:

“Das International English Language Testing System (IELTS) ist ein Sprachtest, der die Fähigkeiten einer Person in der englischen Sprache ermittelt.

IELTS wird in zwei unterschiedlichen Testversionen angeboten, die auf verschiedene Nutzergruppen ausgerichtet sind:

Academic – Dieser Test wird hauptsächlich von Studenten absolviert, die an einer Universität im englischsprachigen Ausland oder einer deutschen Hochschule studieren möchten. Die meisten Universitäten in Australien, Großbritannien, Irland, Kanada und Neuseeland sowie mittlerweile über 3.000 Einrichtungen in den USA (Anzahl stetig steigend) akzeptieren den Test als Zulassungsvoraussetzung. Auch immer mehr deutsche Unis und Fachhochschulen verlangen den IELTS für Studiengänge mit internationalen Komponenten (Bachelor/Master). Menschen, die im medizinischen Bereich arbeiten, müssen den IELTS-Test ablegen, um eine Arbeitserlaubnis in oben genannten Ländern zu erhalten.

General Training – Diese Variante wird von Personen absolviert, die einen Nachweis über ihre allgemeinen Englischkenntnisse, beispielsweise für den Beruf oder zur Immigration, benötigen.”


Ein kostenfreier Online-Test-Kurs zur Vorbereitung eines kostenpflichtigen Real-World-Sprachtests sagt einiges über unsere globale Welt aus, in der wir uns aktuell bewegen. Kein Wunder, dass solch ein Angebot massenweise von den Usern abgerufen wird.

Wer aber denkt, diese Massivität erlangt man nur über solch naheliegende Querschnittsthemen, der täuscht sich. Platz 2 mit ebenfalls mehr als 600.000 Einschreibungen geht an den Stanford-Online-Kurs zu „Cryptography I“, Platz 3 an „Programming Mobile Applications for Android Handhelds“ der University of Maryland usw. usf. .

Selbst wenn nur jeweils 3% den Online-Kurs erfolgreich bis zum Schluss durchliefen, so sind das bei 600.000 Teilnehmer_innen doch immerhin 18.000 Leutchen – pro Kurs und ohne Zugangsvoraussetzungen! Insofern macht solch ein freies Bildungsangebot je mehr Sinn, je gesellschaftlich relevanter es ist. Und die Relevanz folgt in diesem Fall dem Gesetz der selbst motivierten Füße. Das wäre eine konsequente User-Sicht.

Man könnte daraus eine Art kollektive Intelligenz ablesen. Nicht im Sinne der von Günter Dueck beschriebenen Schwarmdummheit, sondern im Sinne der Weisheit der Vielen, die sich meist unabhängig voneinander für ein spezifisches Bildungsangebot entscheiden, egal wie pädagogisch sinnvoll das Angebot aufbereitet zu sein scheint. (Auch wenn es vorzugsweise weisse Mittelstandsmänner in mittleren Jahren mit akademischen Abschluss betrifft. Dieses Problem begründet sich meines Erachtens aus anderen sozialen Werten und Praktiken.)

Will man hingegen das Angebot stärker bildungspolitisch lenken, kann man dies ein wenig über das Format steuern – oder über finanzielle Anreizsysteme. (Ich hatte mir dazu an anderer Stelle schon einmal Gedanken gemacht, wann eine öffentliche Förderung gerechtfertigt ist.)

Das Problem mit den Anbietern

Die User-getriebene Entwicklung der xMOOCs ist nämlich keine, die dem modernen Pädagogen schmeckt. Er will beim “Learning Design” ein Wörtchen mitreden – denn er weiss besser, wie Lernen geht. Deshalb präferiert er Angebote, die den reflexiven Part, der klassischer Weise in dem Wissenstest absolviert wurde, möglichst nach vorne in den Vermittlungsprozess als interaktiven Prozess zieht, um dort das Knowhow der “Lernenden” wechselseitig im Gespräch oder in der Praxis besser zu qualifizieren. So weit, so gut.

An dem intensivierten Diskurs und der pädagogischen Aufgabe erkennt man in MOOC-Kontexten den sogenannten (auch kostenfreien) “cMOOC”, der die Lernenden stärker miteinander ins Gespräch bringen will. (C steht für konnektivistisch, aber damit muss man sich nicht näher befassen. Könnte man später nachlesen in Wikipedia. Diese Seite wurde damals von mir mit meinen Studis angelegt …)

Die cMOOCs sind an sich ein interessantes Format, sofern es glückt, eine temporäre Community of Practice dabei zu etablieren. Ihr Problem gleichwohl ist, dass mit zunehmender Skalierung die Unübersichtlichkeit wächst. Die Leute quatschen und quatschen und niemand hat so den genauen Überblick, welches Gequatsche denn nun das Relevanteste beinhaltet.

Entsprechend hat sich in der Folge eine Vielzahl weiterer MOOC-Formate herausgebildet: von projektbasierten Ansätzen (pMOOCs) bis hin zu präsenzbegleiteten Angeboten (bMOOCs – b wie “blended”) gibt es heutzutage ein breites Spektrum an möglichen Formaten, die an dieser Stelle an sich zu vernachlässigen sind. Was sie alle eint, ist ihre Perspektive aus Sicht der Anbieter, vermarktet aus Pseudo-Sicht der User: Der Anbieter WILL dem User zeigen, dass… .

Wie gesagt, nichts ist daran falsch, aber es ist immer eine pädagogische Warte, aus der heraus man sehr paternalistisch agiert – manchmal allerdings auch völlig unverblümt Marketing betreibt. Auch dagegen ist an sich nichts zu sagen, denn welche Motivationslagen gibt es, einen MOOC zu veranstalten, der mitunter sehr aufwändig zu produzieren ist?

Entweder wird a) ein Marketingeffekt erhofft, oder b) ein Ansatzpunkt für eine staatliche o.ä. Förderung angelegt, oder c) man verfolgt tatsächlich eine inhaltliche Mission. Manchmal ist es auch eine Kombination aus verschiedenen Motivationslagen – aus Anbietersicht.

Der Antrieb von Anbietern

Ich selbst denke allerdings, der Marketingaspekt ist der wesentliche Antrieb, der den meisten MOOCs zur Entstehung verhalf. Wogegen auch überhaupt nichts spricht, nur sollte man es dann auch als solches benennen. Und dies nicht hinter pädagogischen Pseudo-Argumenten verbergen.

Es heisst dann nicht länger: Der Anbieter WILL dem User zeigen, dass …, sondern es müsste heissen: Der Anbieter zeigt dem User kostenlos, was er beispielhaft im Angebot hat, damit der User ihn im guten Gedächtnis hält und später ggf. kostenpflichtig zurück kommt.

Insofern können auch Verlage und Bibliotheken hier mit ihrem sehr fachspezifischen Knowhow und Personal durchaus attraktive, für die User kostenfreie MOOC-Angebote unterbreiten und damit einen positiven Marketing-Effekt für sich verbuchen. EduMarketing ist eine sehr attraktive und zeitgemäße Freemium-Form, auf sich aufmerksam zu machen, ohne allzu platt ins Werberische einzusteigen.

MOOCs ermöglichen es zudem, einen Spannungsbogen im Vorfeld aufzubauen und damit einen Event-Charakter zu provozieren, der Aufmerksamkeit in adressierten Zielgruppen-Kreisen auf sich zu lenken vermag. Löst man mit dem Angebot gar ein halbwegs drängendes Problem der User, steht dem Erfolg nichts mehr im Wege.

Von daher: Ja, gerade Verlage und Bibliotheken könnten von diesem Trend derzeit gut profitieren, um einen emotionalen Bezug zu Kund_innen und Partnern herzustellen.

Der Gewinn für die User

Um die eingangs angeführte Perspektive der User hier abschliessend anzuführen, denke ich, diese freuen sich so-oder-so über die wachsende Anzahl an kostenfrei zugänglichen Angeboten. Insofern sie sich im Idealfall sehr selbstbestimmt die für sie relevanten Micro-Inhalte herauspicken, können sie sich entsprechend ihrer eigenen Vorstellungen weiter entwickeln.

Dass manche MOOC-Angebote dafür von ihrer konzeptionellen Anlage her mehr oder weniger prädestiniert sind, ist der pädagogischen Brille geschuldet. Aber darüber kann man als User eines kostenfreien Angebotes ja grosszügig hinweg schauen. Als Anbieter könnte man nichts desto trotz darüber nachdenken, ob der “MOOC” nicht auch deutlich verstärkt aus User-Sicht angelegt werden könnte.

Von daher mag ich nur ermuntern und sagen: Nur zu! Wir User warten bereits!

Gerade Bibliotheken käme in einer modernen Welt der Zukunft ein wesentlicher Beitrag zu, einen attraktiven Bildungsort mit zeitgemäßen, entgrenzten Angeboten zu schaffen. Hier über die tradierte Angebotspalette deutlich hinauszudenken, wünsche ich mir schon lange aus gesellschaftspolitischer Sicht.

Auch Premium-MOOCs für Verlage in Kooperation mit Unternehmen könnten hier ein Format darstellen, das durchaus seinen Platz finden könnte.

Seid kreativ! Ich bin gespannt! Vertiefenden Content zum Verkauf habt ihr ja genug.

P.S. Auch wir befinden uns in der Planung eines (anderen) MOOCs. Das Thema: ARBEIT 4.0. Demnächst mehr auf dem FlowCampus und auf mooin.


Image (adapted) “University Life 239” by Francisco Osorio (CC BY 2.0)

 


 

 

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Der #ichMOOC – Nichts für die Web-Schickeria

#ichMOOC: Joachim Sucker und Nina Oberländer (Image: Jöran Muuß-Merholz, CC BY 4.0)

Im Interview erklären Nina Oberländer (Bremer VHS) und Joachim Sucker (VHS Hamburg) den MOOC „Mein digitales Ich“. // von Kristin Narr

#ichMOOC:  Joachim Sucker und Nina Oberländer (Image: Jöran Muuß-Merholz, CC BY 4.0)

Massive Open Online Courses (MOOC) gewannen in den vergangenen Jahren verhältnismäßig schnell an Fahrt. Große Universitäten führten Kurse mit teilweise hunderten Teilnehmenden durch, erste Wettbewerbe fanden statt und spezielle MOOC-Plattformen wurden entwickelt. Neben den Hochschulen wenden sich zunehmend auch andere Bildungsbereiche dem Format zu. Am 28. Mai 2015 startet der MOOC „Mein digitales Ich“ (kurz #ichMOOC genannt). Die Veranstalter sind die Volkshochschule Bremen und Hamburg, gemeinsam mit der Fachhochschule Lübeck. Für Netzpiloten.de sprach Kristin Narr mit den Machern Nina Oberländer (Bremer VHS) und Joachim Sucker (VHS Hamburg).

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Massive Open Online Courses – Uni für alle?

Morning Coffee and Laptop (adapted) (Image by nosha [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Sie könnten der Auslöser für eine globale Revolution des Bildungssystems sein: Massive Open Online Courses (MOOCs) versprechen einen kostenlosen Zugang zu höherer Bildung – für jeden, weltweit. Die alleinerziehende Afroamerikanerin aus der sozial benachteiligten Nachbarschaft beschäftigt sich mit Quantenphysik, der vielbeschäftige Manager frönt seiner geheimen Leidenschaft für Kunstgeschichte und der jugendliche Schulabbrecher oder der rüstige Rentner tauchen in die Welt der englischen Literatur ein. Massive Open Online Courses sollen das Bildungswesen umkrempeln und auch die Personengruppen erreichen, die statistisch gesehen bislang häufig von höherer Bildung ausgeschlossen sind. Bei MOOCs handelt es sich um kostenlose, frei zugängliche Online-Kurse, die maximale Flexibilität erlauben und doch ähnlich aufgebaut sind wie Seminare an einer Universität: Sie haben einen fixen Anfangs- und Endtermin und einen festen Vorlesungsplan mit wöchentlichem Input in Form von Videovorlesungen und Übungsaufgaben – und am Ende steht teilweise eine Prüfungsleistung. Foren und soziale Netzwerke ermöglichen den Austausch der Studierenden untereinander.

Der Unterschied zur klassischen Vorlesung ist, dass die Teilnehmer selbst entscheiden können, wann, wo und wie sie das Material im Selbststudium bearbeiten, und dass es für die Teilnahme keinerlei Zugangsvoraussetzungen zu erfüllen gibt – abgesehen von einem Zugang zum Internet, versteht sich. Das ist möglich, weil Websites wie Coursera, edX oder Udacity Kooperationen mit weltweit führenden Universitäten eingehen. Selbst amerikanische Elite-Unis wie Harvard oder das Massachusetts Institute for Technology (MIT) bieten Massive Open Online Courses an. Allein für die von Harvard angebotenen Kurse hatten sich bis Februar 2014 über eine Million Lernwillige aus 193 Ländern angemeldet, Yale hat sogar ein komplettes Masterprogramm angekündigt, das ausschließlich online stattfinden soll. Man könnte MOOCs also als die Fernunis des digitalen Zeitalters bezeichnen – mit dem Unterschied, dass sie kostenlos und frei zugänglich sind und einen besseren Ruf genießen.

Lernen kann man mit MOOCs mittlerweile so gut wie alles: Interesse an Religion und Hip-Hop-Kultur, an Algorithmen, Chansons der Troubadoure oder Finanzanalysen? Gibt es alles! Es ist jedoch anzunehmen, dass sich nicht alle Themen gleichermaßen für die digitale Massenvermittlung eignen. Während sich Computer- und Naturwissenschaften relativ standardisiert vermitteln und per Multiple-Choice-Test auch wieder abfragen lassen, könnte es beim kreativen Schreiben englischer Poesie schon schwieriger werden, neben dem Teenager, der sich den ersten Liebeskummer von der Seele schreibt, auch den alternden Schriftsteller anzusprechen, der seine Technik verfeinern möchte. Bei der Masse an Teilnehmern können die Dozenten nicht auf individuelle Bedürfnisse eingehen, Essays werden deshalb von den Teilnehmern untereinander bewertet – sofern überhaupt eine Leistungsüberprüfung stattfindet.

Von Rockgeschichte bis Regressionsanalyse

Auch von Deutschland aus wird Wissen in die Welt gestreut, MOOCs werden unter anderem von der TU München angeboten. 250.000 Euro hat sich das Hochschulpräsidium die Produktion und Durchführung von fünf MOOCs kosten lassen, aktuell werden “Quality Engineering und Management” sowie “Einführung in Computer Vision” angeboten. Gegen Gebühr gibt es hinterher auch ein Zertifikat für die Teilnehmer. Die Anonymität im Netz kann aber zum Betrug in der Prüfungssituation verleiten: Warum nicht den Onkel mit dem Physikdiplom um Hilfe bitten oder sich die Allwissenheit Googles zunutze machen? Um das von vornherein zu verhindern, bemüht man sich, zumindest für die kostenpflichtigen zertifizierten Prüfungen wasserdichte Lösungen zu finden. Beispielsweise wird eine Prüfung in einem Testcenter in der Nähe abgenommen oder kann mit Coursera sogar betrugssicher von zu Hause aus abgeleistet werden – der Prüfling identifiziert sich vor der Computerkamera mit Ausweis und Foto. Und mittlerweile kann eine Software sogar sichtbar machen, ob auf dem Bildschirm nebenbei Wikipedia oder Google zur Unterstützung geöffnet sind.

Die Wissensabfrage funktioniert also. Nur: Wie viel nutzt so ein Schein im Ernstfall, also zum Beispiel in der Bewerbungssituation? Generell ist ein beglaubigtes Zertifikat mit Identitätsnachweis natürlich mehr wert als eine bloße Bestätigung über die Online-Registrierung. In manch einer US-amerikanischen Universität werden Online-Kurse bereits als Anfänger-Credits gewürdigt und ersparen dem angehenden Studenten so die teuren Studiengebühren für das erste Semester. Und in dynamischen, schnelllebigen Branchen wie der IT kann ein Zertifikat über die Teilnahme an einem MOOC bei einer Bewerbung durchaus ausschlaggebend sein – zum Beispiel, wenn eine neue Programmiersprache noch gar nicht in die analogen Vorlesungspläne von Universitäten aufgenommen wurde.

Wissenszuwachs ja – aber nicht bei jedem

Zertifikate sind die eine Sache – aber wieviel bleibt tatsächlich hängen, wenn ich ein Themengebiet ganz gemütlich vom heimischen Rechner aus bearbeite? Auch dazu gibt es bereits Studien: Wissenschaftler des MIT, der Harvard University und der Tsinghua University kommen in einer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass das MOOC-Format genauso effektiv sein kann wie Präsenzunterricht in der Uni, und dass bei den MOOC-Kursteilnehmern unabhängig von ihrem anfänglichen Kenntnisstand ein Wissenszuwachs zu beobachten ist. Ausschlaggebend ist demnach der didaktische Ansatz und nicht die Tatsache, ob ein Kurs online oder offline stattfindet. Mit der richtigen Aufbereitung von Inhalten bieten MOOCs also große Potentiale – gäbe es da nicht einen Haken. In der Studie wurden nur die Teilnehmer eines Physik-Kurses analysiert, die mindestens 50 Prozent der Kursaufgaben gelöst haben – von 17.000 Teilnehmern war dies bei gerade einmal knapp über tausend der Fall. Der Wissenzuwachs der verbleibenden 16.000 dürfte also äußerst gering sein. Denkbar also, dass die Teilnehmer der Studie, die ja durchaus etwas gelernt haben, positiv hinsichtlich Motivation und Ehrgeiz selektiert waren.

Ein Querschnitt durch die Bevölkerung sind auch diejenigen nicht, die auf die Idee kommen, sich für einen MOOC anzumelden. An der britischen Bath University zum Beispiel ist ein Großteil der Teilnehmer zwischen 18 und 40 Jahre alt, 70 Prozent haben bereits Erfahrung mit höherer Bildung. Studien von Bildungswissenschaftlern zufolge brechen teilweise mehr als 96 Prozent der angemeldeten Teilnehmer ihren Online-Kurs wieder ab. Der kläglich verbleibende Rest ist größtenteils männlich, weiß und bereits im Besitz eines Hochschulabschlusses. Die junge alleinerziehende Mutter aus dem Problemviertel, die die Bildung so dringend nötig hätte, wird vermutlich kaum unter den erfolgreichen vier Prozent sein – und so helfen die MOOCs vor allem denjenigen, die die Hilfe gar nicht unbedingt benötigen. Die Schere zwischen hoch und gering Gebildeten könnte sich durch die MOOCs möglicherweise also sogar vergrößern. Versteht man die Online-Kurse als ein demokratisches Instrument, das vor allem benachteiligten Gesellschaftsmitgliedern einen Zugang zu höherer Bildung verschaffen soll, so stellt sich angesichts der Studienergebnisse die Frage, ob das Geld an anderer Stelle nicht besser investiert wäre – zum Beispiel in Initiativen wie arbeiterkind.de, die junge Menschen aus bildungsfernen Familien gezielt auf dem Weg durch ein reguläres Studium den Rücken stärken. Global betrachtet besteht zudem das Problem, dass nur an den Kursen teilnehmen kann, wer Zugang zu einer stabilen Internetverbindung hat – auch hier wird die Tür zur Bildung für diejenigen, die sie am dringendsten benötigen, verschlossen bleiben. Sieht so eine Revolution aus?

Letztendlich müssen die MOOCs ja auch nicht gleich als Allheilmittel gegen Bildungsarmut die Welt retten – werden sie als Weg verstanden, bestimmten Gesellschaftsgruppen Weiterbildung und lebenslanges Lernen zu ermöglichen, dann erfüllen die Kurse durchaus ihren Zweck. Die Publitzistin Nora Stampfl ist der Ansicht, dass die Online-Kurse ihren größten Nutzen entfalten, wenn sie die Präsenzlehre von Universitäten ergänzen. Studierende könnten sich Studieninhalte dann über MOOCs in Eigenregie aneignen, Professoren könnten die dadurch entstandenen Freiräume in den Präsenzveranstaltungen nutzen, um Fragen zu klären, Inhalte zu vertiefen und weiterführende Themen zu diskutieren. Schon in naher Zukunft könnten die MOOCs als vollwertige Kurse samt dazugehöriger Credits anerkannt werden, so die Prognose der Publizistin. Vor allem in den USA, wo horrende Gebühren den Traum vom Studium vieler junger Menschen platzen lassen, könnte sich die Lage dadurch entspannen.

Ganz so optimistisch ist Prof. Christoph Bieber vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Duisburg-Essen nicht:

Es könnte sein, dass das durchaus vorhandene Potenzial der MOOCs in anderen “Modernisierungsprozessen” des Hochschulalltags regelrecht zerrieben wird. Wenn wie z.B. in Nordrhein-Westfalen auch für normale Seminarveranstaltungen keine Präsenzpflicht mehr besteht, dann treiben MOOCs die schleichende Aushöhlung der ‘Campus-Universität’ voran. Als Alternative zu den klassischen Vorlesungen tragen sie dazu bei, die Studierenden vom gemeinsamen Lernort fernzuhalten und verhindern das Gespräch in der Peer-Group ebenso wie das zufällige Stolpern über interessante Bücher, spannende Diskussionen oder einfach nur neue Bekanntschaften.

Dennoch: Wenn es gelänge, eine zuverlässige Kombination aus Lehrangebot, Online-Diskussion und -Feedback und passendem Prüfungsformat zu konstruieren, könnten MOOCs eine gute Ergänzung im Studienalltag sein, hofft Prof. Bieber.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Politik-Digital.de und steht unter CC BY-SA 3.0


Image (adapted) „Morning Coffee and Laptop“ by nosha (CC BY-SA 2.0)


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MOOC: Der deutsche Diplom-Ingenieur

Lecture Lecture (adapted) (Image by Alan Levine [CC0 Public Domain] via Flickr)

In seinem ersten MOOC präsentiert sich der deutsche Diplom-Ingenieur als eine etwas in die Jahre gekommene Marke auf der Suche nach Modernität. Letzthin stolperte ich zufällig über den MOOC der TU9. TU9 ist ein Zusammenschluss der neun deutschen, technischen Universitäten, die das Ziel verfolgen, das deutsche Ingenieurwesen gemeinsam zu repräsentieren. MOOC steht für „Massive Open Online Course“. Nun gut, dachte ich, als ich vom TU9-MOOC Kenntnis erlangte. Schauen wir doch mal, wie deutsche, technische Universitäten sich der Welt präsentieren und sich moderne Ausbildung denken.

Der Kult des Amateurs?

Es ist nicht leicht, sich heutzutage professionell zu behaupten. In diesen Zeiten, in denen zumindest in der Informatik seit einigen Jahren extreme disruptive Kräfte wirken. Man kann ja zwischenzeitlich im englischsprachigen Raum in sehr kompakten Formaten sich recht vielfältig Bruchstücke der Informatik drauf schaffen. Und Informatiker sind letztlich auch Ingenieure.

Das funktioniert heute sehr leicht. Je nach persönlicher Ausgangslage und persönlicher Einschätzung des eigenen Lernverhaltens kann man sich “drüben“ bei Interesse extrem schnell als Teil-Informatiker_in und damit Teil-Ingenieur_in online ausbilden lassen. Auch im fortgeschrittenen Alter.

Das kostet mitunter zwar ordentlich Geld. Aber einige Ausbildungsstätten bringen einen dort gleich mit attraktiven Arbeit- oder Auftraggebern in Kontakt, so dass sich die Ausbildungskosten in kurzer Zeit über das Einkommen amortisieren. Denn Teil-Informatiker_innen kann es derzeit gar nicht genügend geben. Es boomt! Und es gibt einen Markt.

Markt und Marke nur eine Frage des Marketings?

Genau diese Entwicklung geht den deutschen Ingenieuren gehörig auf den Keks. Denn der deutsche Ingenieur unterscheidet sich von anderen Ingenieuren. Es braucht dazu lediglich des Diploms. Damit die Marke „Deutscher Diplom-Ingenieur“ am Leben erhalten bleibt.

Der deutsche Diplom-Ingenieur steht nämlich für gute Wertarbeit im Maschinenbau, dem Anlagenbau, der Elektrotechnik und sicherlich noch für vieles mehr. Er baut Staudämme, Flüghäfen, Flugzeuge und auch hier noch vieles mehr. Und dafür will er gut ausgebildet werden. Und auch weiterhin einen ordentlichen Abschluss: Ebenjenes Diplom!

Nun hat man sich nach langen politischen Kämpfen durchgesetzt und darf auch weiterhin für den deutschen Diplom-Studiengang werben, obwohl er de facto ein Master-Studiengang ist. Und deshalb kann man jetzt an den deutschen technischen Studiengängen mit einem Master-Diplom nach fünf Jahren Studium abschliessen, wenn man denn will.

Damit auch internationale Gäste den Wert des deutschen Master-Diplomstudiengangs erkennen, hat man nunmehr im Wintersemester 2014/15 ebenjenen kostenfreien MOOC aufgesetzt. Über neun Wochen stellte jeweils eine unterschiedliche Hochschule einen ihrer Schwerpunkte live vor. So dass man ein Kaleidoskop an möglichen Themen kennen lernen konnte. So weit, so gut.

Design ist nur was für Warmduscher?

Eine Marketing-Kampagne also, dieser MOOC, für die Hochschulen. Kein Lernprogramm für die Menschen da draussen. Man kippte eine klassische Ringvorlesung in ein Online-Format. Und fertig ist der TU9-MOOC mit einem Design-Level, das schon vor fünf Jahren wenig sexy gewirkt hätte.

Nicht, dass es nicht seit Jahren eine Vielzahl an MOOC-Plattformen und -Formaten gäbe, an denen man sich hätte orientieren können. Und nicht, dass es bei den kommerziellen Plattformen Forschungen darüber gäbe, welche Videolänge am attraktivsten für die Lernenden ist.

Nein, darum schert sich der deutsche Ingenieur nicht. Er präsentiert sich weiterhin in seiner „Programmers Art“, die all diejenigen offensichtlich abschrecken soll, die es nicht ernst meinen mit einem deutschen Ingenieur-Studiengang. Und mit 1,5-stündigen Videos – eben wie in den Vorlesungen. Wer Schnörkel liebt, ist beim deutschen Diplom-Ingenieur an der falschen Adresse.

Kalifornische Leitkultur?

Während Apple in den letzten Monaten die ehemalige Burberry-Chefin und viele weitere Expert_innen aus der exklusiven Modebranche anheuerte, um seine zukünftigen Produkte wie z.B. die iWatch noch attraktiver zu platzieren für Zielgruppen, die nichts mit Technik gemein haben. In diesen Zeiten präsentiert sich der deutsche Ingenieur frei von solch profanem, kalifornischen Denken.

Und ich frage mich: Ist es denkbar, sich absehbar über z.B. Udacitys kalifornische Nanodegrees eine online-basierte Ausbildung weltweit zu verschaffen, die einen später auch solide Staudämme bauen lässt?

Udacity, wer es nicht kennt, baut derzeit eine Silicon Valley-Universität auf. Eine Online-Bildungswelt, in der man sich in mehrwöchigen Online-Häppchen am Bedarf des Marktes entlang ausbilden lassen kann. Die Lehrenden sind Praktiker aus den Firmen, keine Professoren. Und sie vergeben für ihre Module so genannte “Nanodegrees”, ein eigens entwickelter Begriff zur Dokumentation des Geleisteten. Übrigens auch von einem deutschen Diplom-Ingenieur entwickelt. Der aber sein Knowhow in Kalifornien verfeinert hat.

Man lernt nicht für die Lehrer_innen?

Also zurück zur Frage: Wird man in absehbarer Zeit sich über Nanodegrees die Kompetenzen online drauf schaffen können, um z.B. komplexe Staudämme o.ä. sehr solide bauen zu können?

Ich denke: Ja! Und ich vermute, Googles angekündigter Flughafenbau wird nicht nur schneller fertig gestellt sein als unser Berliner Flughafen. Sondern die Abläufe des Flughafen-Betriebes werden dort auch noch deutlich effizienter erfolgen als im herkömmlichen Betrieb – so zumindest das erklärte Ziel von Google.

Während also angehende deutsche Diplom-Ingenieure sich hier durch umständliche, unusable, fast menschenfeindliche Lernumgebungen wälzen müssen, entstehen andernorts freundliche, bedarfsorientierte Lernangebote auch für andere Lerntypen als den deutschen Informatik-Studierenden.

User Experience der Industrie 4.0?

Also, mein Profi-Tipp: Sollte da draussen jemand sich abgeschreckt fühlen vom TU9-MOOC oder durch das Design der deutschen, technischen Studiengänge generell: Schaut euch einfach mal im englischsprachigen Kontext um! Dort könnt ihr eine gute, techniknahe Ausbildung erfahren, die es euch ggf. ermöglichen wird, menschenfreundlichere Projekte durchzuführen.

Nur Mut! Mit dem deutschen Diplom-Ingenieur werdet Ihr in fünf Jahren vermutlich kaum noch punkten können. Höchstens noch beim deutschen Mittelstand mit Industrie 4.0-Ambitionen. Und wenn ich mir das vergegenwärtige, dann bekomme ich Angst. Nicht vor Industrie 4.0 an sich. Sondern vor dem Menschenbild, das deutsche Ingenieure dort einfliessen lassen.

Und an alle deutschen Diplom-Ingenieure: Nichts für ungut! Ich bewundere eure Kompetenzen, wirklich! Nur denke ich, die Ausbildung könnte heutzutage etwas anders gestaltet sein. Und grundsätzlich mehr Wert auf User Experience gelegt werden!


Image (adapted) „Lecture Lecture“ by Alan Levine (CC0 Public Domain)


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Offener MOOC – Dein Weg zu einem kostenlosen MBA?

MOOC – digital Studenten (Bild: Jisc [CC BY-NC-ND 2.0 UK], via Flickr)

Einen Master of Business Administration (MBA) zu absolvieren ist sehr attraktiv, aber kostenlose Angebote sind schwer zu finden. Kann ein offener MOOC Abhilfe schaffen? // von John Rice

MOOC – digital Studenten (Bild: Jisc [CC BY-NC-ND 2.0 UK], via Flickr)

Immer wieder wird vorgeschlagen, dass man sich mit entsprechenden Sorgfalt und Hingabe einen kostelosen Master of Business Administration zusammenstellen kann. Wahrscheinlich wird es die wenigsten Eingeweihten überraschen, dass von dieser Idee bisher eher wenig übrig geblieben ist.

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Studium Digitale per MOOC

Salford Business School launches unique open access online course (adapted) (Image by University of Salford Press Office [CC BY 2.0] via Flickr)

Mit einigen MOOCs lassen sich jetzt ECTS-Leistungspunkte sammeln. Das fordert das traditionelle Universitätsmodell aus Anwesenheitspflicht und festem Lehrplan heraus. Verschulte, vorgefertigte Bachelor- und Masterstudiengänge lassen heute wenig Raum für individuelle Persönlichkeitsbildung. Ergänzende Online-Kurse – oder MOOCs – zur Verfolgung eigener akademischen Interessen werden immer beliebter, waren bisher aber nicht vom Hochschulsystem anerkannt. Das ändert sich jetzt in Europa. Werden wir uns bald ein Studium digital selbst zusammenstellen können?

Arbeiten, fernsehen, einkaufen – vieles geht heute an jedem Ort und zu jeder Zeit. Immer mehr Menschen arbeiten von zuhause oder unterwegs aus. Man hält sich nicht mehr an feste Sende- oder Ladenöffnungszeiten, sondern lebt nach dem persönlichen Zeitplan. Das Internet macht es möglich: viele Bereiche unseres Lebens können durch Digitalisierung zunehmend individualisiert werden. Doch in anderen scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Die akademische Welt gehört zu dieser Kategorie. Das Universitätsmodell mit physischer Anwesenheitspflicht und einem festen Programm aus Vorlesungen und Seminaren bis zum Examen hat sich seit Jahrhunderten praktisch nicht verändert. Seit der Bologna-Reform ist es sogar noch unflexibler geworden.

Vor 2010 konnten sich Diplomstudenten nach einem zwei- bis viersemestrigen Grundstudium auf ein Fach ihrer Wahl spezialisieren. Nach weiteren vier bis sechs Semestern erwarben sie ihr Diplom. Zwischendurch blieb Zeit für Praktika und Nebenjobs. Nach der Umstellung auf das Bachelor-Master-System kann von individualisierter Persönlichkeitsbildung nicht mehr die Rede sein. Das Studium ist verschult, es gibt kaum Möglichkeiten, es nach den eigenen Interessen auszurichten. Der rasend schnelle Konsum von vorgefertigtem Lernstoff für einen möglichst zügigen Abschluss prägte vor einigen Jahren den Begriff des „Bulimie-Lernens“. Um sich von der Masse der konformen Fließband-Lerner abzuheben, muss man sich auf eigene Faust weiterbilden. Und wieder findet sich die Lösung im Internet.

Massive Open Online Courses – kurz MOOCs – sind kostenlose Online-Kurse von Universitäten. Mit einem Smartphone, Tablet oder Computer kann jeder unabhängig von Ort und Zeit auf Video-Vorlesungen und Lernmaterial zugreifen. Online-Studenten picken sich die besten Kurse von Eliteuniversitäten wie Harvard oder dem MIT heraus. Jeder hat plötzlich Zugang zu Hochschulbildung der Extraklasse, ohne den perfekten NC vorweisen zu müssen – und das alles zum Nulltarif. Die drei weltweit größten (und amerikanischen) Anbieter von MOOCs – edX, Coursera und Udacity – haben zusammen seit der Geburt des MOOCs im Jahr 2008 über 12 Millionen Studenten in Online-Kursen unterrichtet. Ein drittel der Teilnehmer stammt aus den USA und edX gibt an, dass die Hälfte der Studenten aus Entwicklungsländern kommen. Die New York Times waren von diesem Weltverbesserungsappeal so begeistert, dass sie 2012 zum „Jahr des MOOCs“ kürte. Wieso sollte man noch eine Uni besuchen und Studiengebühren zahlen, wenn sich von zuhause aus ein persönlicheres, hochwertiges und kostengünstigeres Bildungsprogramm zusammenstellen lässt?

Bisher unterschied man zwischen formellen und informellen Bildungsangeboten. Onlinekurse waren eine komfortable Fortbildungs-Alternative zum abendlichen Besuch der Volkshochschule. Ein MOOC wurde aber nicht vom Hochschulsystem anerkannt – schon allein aufgrund der fehlenden persönlichen Kontrolle bei der Abschlussprüfung. An einem MOOC teilzunehmen erforderte hohe Eigenmotivation, da man am Ende in manchen Fällen zwar ein Zertifikat bekam, dieses aber nicht vergleichbar mit einer Bescheinigung einer traditionellen Universität war. Viele MOOC-Teilnehmer brachen Kurse vorzeitig ab.

Das kann sich nun ändern. Die MOOC-Plattform iversity.org mit Sitz in Berlin hat als erster Anbieter erfolgreich kostenpflichtige Zertifikate für einige Kurse eingeführt, mit denen Studierende Leistungspunkte nach dem European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS) sammeln können. Diese sind gleichwertig mit den Punkten, die an einer Universität gesammelt werden. Studenten in Europa können sich die ECTS-Punkte der Onlinekurse anrechnen lassen und in manchen Fällen sogar Kurse ihres Studiums durch MOOCs ersetzen. Die Zahl der Abbrecher sinkt dadurch, dass Teilnehmer zu Beginn des Kurses entscheiden, ob sie Gasthörer sind oder ein Zertifikat anstreben. Prüfungen können kontrolliert werden- durch Präsenzexamen oder Webcam und Abkopplung des Computers vom Internet. Ein MOOC unterscheidet sich dann nicht mehr groß von einem analogen Kurs, außer das man ihn gemütlich auf seinem Sofa belegen kann, anstatt sich mit 200 Kommilitonen die Luft in einem stickigen Hörsaal zu teilen. Bisher bietet iversity.org drei Kurse an, mit denen ECTS-Punkte erworben werden können. „Für Studierende ist ausschlaggebend, ob ein Kurs vom Hochschulsystem anerkannt wird oder nicht. Für Berufstätige ist die ECTS-Anerkennung ein Qualitätsindikator„, sagt Hannes Klöpper, Gründer und Geschäftsführer von iversity.org.


„How to MOOC – Was ist ein MOOC?“ erklärt von iversity Mitgründer Hannes Klöpper:


Wohin führt das digitale Studieren? Es gibt bereits einige (Fern)Studiengänge, die vollständig online absolviert werden können. Neu ist die Möglichkeit oder das Bedürfnis, sich seine Bildung selbst hochschulübergreifend aus dem besten verfügbaren Angebot zusammenzustellen. Was bedeutet dies für Universitätsgebäude? Wird sie das gleiche Schicksal wie leerstehende Kirchen ereilen? Wenn 100 Professoren einen ähnlichen Kurs in Statistik für Anfänger anbieten der auch im Internet frei verfügbar ist, werden dann 99 Kursangebote und eventuell auch Arbeitsplätze wegfallen? Wieso sollten Universitäten das überhaupt mitmachen? Was bringt es ihnen Kurse für die sonst gezahlt werden umsonst anzubieten?

Tatsächlich nutzen viele Universitäten MOOCs als Eigenwerbung. „Ein Kurs auf iversity.org hat im Schnitt 20.000 Teilnehmer. Das ist ein globaler Reputationsgewinn für Universitäten und kleinere Fachhochschulen„, sagt Klöpper. Am 14. Oktober startete die private Berliner Hochschule Hertie School of Governance einen MOOC auf iversity.org. Knapp 7000 Anmeldungen gab es für den 10-wöchigen Kurs namens „Governance and Policy Advice: How Political Decisions Come to Life„. Politiker und Berufserfahrene sollen den Studenten einen Einblick in die Geheimnisse des politischen Entscheidungsprozesses geben. Am Ende können Studenten ein Zertifikat für 49 Euro von iversity.org erwerben. ECTS-Punkte gibt es leider noch nicht. Die Hertie School verdient nichts; einen gewissen Marketing-Effekt hat der Online-Kurs jedoch. „Der MOOC schafft eine größere Sichtbarkeit unseres Angebots„, so die Leiterin des Kurses, Prof. Andrea Römmele.

Viele Universitäten wie zum Beispiel Oxford und Cambridge wehren sich gegen die Digitalisierung ihres Angebots. Doch es gibt immer Menschen, die das nicht einsehen. Sie möchten das studieren was sie interessiert und sich nicht fühlen als seien sie immer noch in der Schule. Und auch Unternehmen interessieren sich beim Bewerbungsgespräch eher für die Dinge die man neben dem Studium noch erreicht hat. Individuelle Leistungen zählen mehr als die der Masse.

Die Lösung ist eine Kombination aus Online- und Offlineangebot„, sagt Hannes Klöpper. Er hat mit iversity.org nicht die Absicht, traditionelle Universitäten online abzubilden. Studenten sollen ihr Studium durch ein umfassendes digitales Angebot ergänzen und nicht ersetzen. „Menschen kommen immer noch gerne an einem Ort zusammen- Das sieht man zum Beispiel daran wie viele Konferenzen es trotz des Internets noch gibt„, findet Klöpper.

Und es gibt weitere Gründe gegen eine komplette Digitalisierung unserer Bildung: Trotz aller Vorteile der Online-Lehre sollte man sich fragen, ob sie ein traditionelles Studium komplett ersetzen kann. Eine virtuelle Plattform transportiert noch nicht das Gefühl, das erste Mal vor seinen Kommilitonen zu präsentieren, mit ihnen zu debattieren und seine Meinung zu verteidigen. Auch der Geruch von alten Büchern in der Unibibliothek, das schlechte Mensaessen und die leuchtenden Augen des charismatischen Professors finden sich bis jetzt nur in der analogen Welt. Persönlichkeitsbildung und Lebenserfahrung erlangt man nicht nur durch bestandene Prüfungen und Scheine.


Image (adapted) „Salford Business School launches unique open access online course“ by University of Salford Press Office (CC BY 2.0)


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5 Lesetipps für den 11. November

In unseren Lesetipps geht es um die gewünschte Netzpolitik des Bundesinnenministeriums, unser kulturelles Erbe, digitale Bildung, die Debatte um ein Internetministerium und vom GCHQ gefälschte LinkedIn-Profile. Ergänzungen erwünscht.

  • NETZPOLITIK Netzpolitik.org: Die Wunschliste des Bundesinnenministerium für mehr Überwachung: Verschiedene Medien haben in der vergangenen Woche über ein Forderungspapier des Bundesinnenministeriums für die gerade laufenden Koalitionsverhandlungen berichtet. Darin findet sich eine Wunschliste für mehr Überwachung, angefangen bei den Mautdaten bis hin zur flächendeckenden Überwachung unserer gesamten Internetkommunikation. Markus Beckedahl stellt auf Netzpolitik.org einen Auszug der netzpolitischen Forderungen vor.
  • KULTURELLES ERBE iRights.info: Nofretete, das Internet und unser kulturelles Erbe: In der digitalen Welt müssen Museen ihre Arbeit neu ausrichten und zugleich ihrem öffentlichen Auftrag treu bleiben. Von der Zusammenarbeit mit neuen Institutionen und privaten Akteuren können sie profitieren – wenn der Zugang dadurch nicht beschränkt wird. Wie erklärte Paul Klimpel bei der Jahreskonferenz des Network of European Museum Organisations (NEMO) und nun auch im von iRights-Blog.
  • BILDUNG Hyperland: Die Uni der Zukunft braucht keine Hörsäle mehr: In der Bildungsrepublik Deutschland vollzieht sich ein enormer Wandel in den deutschen Universitäten. Hörsäle werden überflüssig, denn der Unterricht findet verstärkt im Internet satt. Auf dem ZDF-Blog Hyperöand schreibt Christiane Schulzki-Haddouti über MOOCs und einen digitalen Bildungs-Tsunami.
  • INTERNETMINISTERIUM Carta: Wer jetzt einen Internetminister fordert, stellt die Weichen falsch: Die Netzpolitik ist ein noch junges Politikfeld. Vor dem Hintergrund der rasanten Entwicklung des Digitalen in unserer Gesellschaft wird das manchmal vergessen. Auf Carta ruft Wollgang Michal deshalb zur Geduld auf, denn eine große Koalition ist nicht das geeignete Umfeld für ein zartes Start-Up namens Internetminister.
  • LINKEDIN Spiegel Online: Britischer GCHQ nutzt gefälschte LinkedIn-Seiten: Spiegel Online berichtet, dass laut einem von Edward Snowden gesammelten Dokument der britische Geheimdienst GCHQ das belgische Telekommunikationsunternehmens Belgacom überwacht. Um bestimmte Mitarbeiter zu infiltrieren, baute der GCHQ Kopien von LinkedIn-Profilen nach und stattete diese mit einer Spähsoftware aus. So verschaffte sich der Geheimdienst Zugang zu den Belgacom-Computern.

 

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