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Artikel 13: Uploadfilter doch nicht gekippt, sondern verschärft

Als der Rechtsausschuss des EU Parlaments im Juni 2018 den Artikel 13, einen Uploadfilter für hochgeladene Inhalte beschloss, ging ein Aufschrei durch das Internet. Das Internet, so wie wir es kennen, ist in Gefahr – so zumindest der Tenor vieler Gegner des Filters. Auch auf YouTube fürchteten Kanäle um ihre Zukunft und die Untergangspropheten sprossen (mal wieder) aus dem Boden empor.

Vor kurzem dann die große Erleichterung. Der EU-Ministerrat legte die Einführung des Leistungsschutzrechts (Artikel 11) und des Uploadfilters (Artikel 13) vorerst auf Eis. Da sich elf Mitgliedsstaaten, darunter auch Deutschland, gegen den rumänischen Kompromissvorschlag stellten, ergab sich keine gemeinsame Verhandlungsposition.

Nun ist der Uploadfilter wieder zurück auf dem Verhandlungstisch – in einer noch aggressiveren Form als zuvor. Die Nachrichtenseite Politico leakte eine Einigung zwischen Deutschland und Frankreich in Bezug auf die Filterpflicht. Diese Übereinkunft schließt nur noch wenige Unternehmen aus der Pflicht eines Uploadfilters aus.

Was ist an der Deutsch-Französischen Lösung anders?

Zwar gibt es wie bei vorigen Kompromissen Ausnahmen aus der Filterpflicht, doch diese gestalten sich in der neuesten Version als ziemlich gering. Laut des Leaks sind Plattformen von der Filterpflicht ausgeschlossen, die keine der folgenden Ausnahmen erfüllen:

  • Die Plattform ist weniger als drei Jahre alt
  • Der Jahresumsatz beträgt weniger als zehn Millionen Euro
  • Die Plattform hat weniger als fünf Millionen Nutzer

Während die letzten beiden Bedingungen kleinere Dienste ausklammern, ist die erste Bedingung umso härter. Sie würde auch kleinere Communities wie etwa Diskussions-Foren mit einschließen, die teils nicht einmal kommerzielle Absichten verfolgen.

Was ist der Artikel 13 eigentlich?

Artikel 13 ist ein Teil des „Vorschlags für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über das Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt“. Es geht um eine gemeinsame europäische Richtlinie zum Schutz des Urheberrechts.

Der Artikel 13 dieses Entwurfes macht Betreiber von Internetdiensten haftbar für Urheberrechtsverletzungen ihrer Nutzer. Teil des Artikels ist auch ein Uploadfilter, der Urheberrechtsverletzungen schon beim Hochladen von Dateien erkennen und blockieren soll.

Warum die Aufregung?

Wenn das geistige Eigentum geschützt wird, müsste das ja eigentlich gut sein, möchte man meinen. Doch die Internetkultur ist von der Popkultur durchzogen. In den schlimmsten Interpretationen eines solchen Uploadfilters würden auch die im Internet bekannten Memes, oft mit Bildern aus Filmen, aussterben. Das hätte Einfluss auf weite Teile des Internets, allen voran soziale Medien, in denen die Antwort per Bild oder animiertem GIF Alltag ist.

Auch auf YouTube befürchten viele Kanalbetreiber und Nutzer, das ein großer Teil der Inhalte dem Filter zum Opfer fallen würden. Man befürchtet auch, dass ein solcher Uploadfilter zu streng sein könnte und Inhalte sperrt, die eigentlich keinen Rechtsverstoß begehen. YouTube nutzt eigentlich bereits einen sehr hochentwickelten Filter um Rechtsverstöße, vor allem bei der Verwendung von Musik, zu erkennen.

Ist schon etwas beschlossen?

In Stein gemeißelt ist nachwievor nichts. Man rechnet damit, dass am Freitag, den 8. Februar, die Ratsposition beschlossen wird und schon am 11. Februar der Trilog stattfinden könnte. So nennt sich die Verhandlung der Vertreter nationaler Regierungen, bei denen Parlament, Rat und Vertreter der EU-Kommission am Tisch sitzen. Ein Artikel der Tagesschau erklärt übrigens genauer, wie ein EU-Gesetz entsteht.


Image by tanaonte via stock.adobe.com

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Ärger bei 4chan: Ein finsterer Teil des Internets breitet sich aus

Das Internet ist voller finsterer Orte. Es gibt Webseiten, auf denen sich Leute zusammenfinden, um illegale Bilder miteinander zu teilen, verbotene Substanzen zu kaufen und anstößige Mitteilungen öffentlich kundzutun, die auf den meisten gewöhnlichen Seiten nicht geduldet werden würden. Aber genauso wie die Memes und Witze, die in Foren wie 4chan entstehen und sich in das weitere Internet verbreiten, bleibt auch der dort ausgedrückte Hass nicht an Ort und Stelle.

So wurde besonders die politisch inkorrekte, oder auch „/pol/“ genannte Pinnwand von 4chan zu einer Heimat für den Nationalismus der (Alt-Right). Dieser war ein zentraler Bestandteil für die Online-Unterstützung Donald Trumps bei den US-Wahlen. Aber es ist auch ein Ort, an dem die Nutzer Trollaktionen und Missbrauch auf anderen Webseiten organisieren.

Während 4chan vermehrt durch die etablierten Medien thematisiert wird, wissen wir wenig darüber, wie die Seite tatsächlich funktioniert und wie sie dazu dient, den Hass auf anderen sozialen Plattformen zu verbreiten. Das ist der Grund, warum meine Kollegen und ich uns dazu entschieden haben, /pol/ zu beobachten. Wir haben seit dem 20. Juni 2016 acht Millionen Beiträge analysiert. Die Aktion sollte einen Versuch darstellen, einen Teil des Einflusses zu ermessen, den die Seite auf das restliche Internet hat.

4chan ist eine Seite mit Bildern, die um ein typisches Pinnwandmodell  gebaut wurden, auf der Nutzer Bilder teilen, die zum spezifischen Thema einer jeweiligen Pinnwand passen. Andere Nutzer können durch einen Kommentar oder mit mehr Bildern darauf antworten. Zwei der wichtigsten Aspekte von 4chan sind die Anonymität (die Nutzer haben kein öffentliches Profil) und die Vergänglichkeit (inaktive Themen werden routinemäßig gelöscht).

4chan betreibt zurzeit 69 Pinnwände, welche in sieben Kategorien auf hohem Niveau aufgeteilt werden, einschließlich japanische Kultur und Erwachsene. Der erklärte Zweck der politisch inkorrekten Pinnwand ist die „Diskussion von Nachrichten, des Weltgeschehens, politischer Angelegenheiten und anderer, verwandter Themen“. Aber es gibt wohl zwei Haupteigenschaften der /pol/-Themen. Eine davon ist der aggressive und rassistische Tonfall und das Verwenden einer beleidigenden und abwertenden Sprachweise. Dies bezeichnet seine Verbindung zur Bewegung der extremen Rechten, die den gängigen Konservatismus sowie Immigration, Multikulturalität und politische Korrektheit ablehnen.

Das andere interessante Merkmal ist die bedeutende Menge an neuen Inhalten und die Online-Kultur, die sie erschafft. Insbesondere verwandelte die Seite den unbedeutenden Comicbuch-Charakter Pepe der Frosch in einen Meme und in ein Symbol für die Rechten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt von /pol/ ist sein Ruf für die Koordinierung und für die Organisation von sogenannten Überfällen auf andere Plattformen. Überfälle sind in gewisser Weise ähnlich wie verteilte Dienstblockaden (DDoS-Angriffe) und Attacken, bei denen Hacker versuchen, Webseiten zum Erliegen zu bringen. Aber anstatt zu versuchen, die Dienste auf der Basis des Netzwerks zu stören, versuchen sie, die Gemeinschaft einer Seite zu stören, indem sie aktiv Nutzer belästigen oder versuchen, die Gespräche an sich zu reißen.

Im Sommer 2016 starteten /pol/-Nutzer das „Unterfangen Google“ als Antwort auf die Einführung von Anti-Troll-Technologien der Suchmaschine, um die Seiten mit beleidigender Sprachverwendung bei den Seitenauflistungen weiter nach unten zu schieben. Die Nutzer begannen damit, hasserfüllte Worte durch die Namen von großen Technikfirmen zu ersetzen, indem zum Beispiel „Google“ und „Skype“ verwendet wurden, um rassistische Bezeichnungen für schwarze und jüdische Menschen zu ersetzen. Unsere Studie zeigte, dass das Unterfangen Google einen beträchtlichen Einfluss auf /pol/ hatte und dieser Einfluss hält in gewisser Weise noch an. Aber die Wirkung außerhalb von 4chan selbst war tatsächlich ziemlich begrenzt und weniger verbreitet, als es zu dieser Zeit berichtet wurde.

Wir entdeckten dann das raubzugartige Verhalten auf anderen sozialen Medien-Plattformen. Eine ausfällige Sprache scheint ein derart fundamentaler Bestandteil von /pol/ zu sein, dass seine Nutzer anscheinend dazu in der Lage sind, diese Beleidigungen, die an sie gerichtet werden, für sich auszuklammern. Aber Internet-Mobbing ist ein ernsthaftes Problem, das zu Depressionen, Selbstverletzungen und sogar zu Suiziden führen kann. Daher können wir Fälle, in denen das hasserfüllte Gift von 4chan auf andere Seiten überspringt, wie zum Beispiel auf YouTube, nicht ignorieren.

Wir fanden Beweise, dass bestimmte YouTube-Videos einen Anstieg in ihren Kommentar-Aktivitäten verzeichnen konnten, nachdem sie auf /pol/ verlinkt wurden. Außerdem fanden wir heraus, dass wenn die Kommentare kurz nach der ersten Erscheinung der Verlinkung auf /pol/ geschrieben wurden, viel wahrscheinlicher hasserfüllte Worte beinhalteten. In anderen Worten gibt es einen bedeutenden statistischen Beweis, dass /pol/-Nutzer YouTube mit ihren Kommentaren attackieren.

Locker bleiben

Unsere Forschungsanalyse liefert auch eine Erklärung, wie einige der Schlüsselfunktionen von 4chan (wie Vergänglichkeit und Anonymität) Inhalt und Verhalten auf der Pinnwand beeinflussen. Zum Beispiel sorgt das System des „Dellen-Limits“ dafür, dass bestimmte Themen die Unterhaltung nicht monopolisieren, wodurch sichergestellt wird, dass neue Inhalte konstant generiert werden.

4chan und /pol/ entwickeln sich kontinuierlich. Während des letzten Jahres wurde die Seite an den Gründer eines japanischen Rivalen verkauft und es wurde eine sehr weiche Moderation eingeführt. Zusätzlich wird Berichten zufolge nach neuen Wegen gesucht, die Seite zu monetarisieren, um mit den finanziellen Engpässen umgehen zu können. Die vergängliche Natur der Pinnwand erschafft eine natürliche Verlagerung der Themen und Aktivitäten und führt ebenfalls dazu, dass Nutzer zu anderen, einigermaßen ähnlichen Seiten wechseln, wie zum Beispiel zu 8chan.

Aber die zunehmend organisierten Aktivitäten der Nutzer der Pinnwand und ihre Fähigkeit, Inhalte zu erschaffen, die das Internet verändern, demonstrieren die Kraft ihres zugrunde liegenden Einflusses. Während die Welt auf 4chan schaut, wird 4chan ihr nicht ganz so dezent entgegenblicken.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image “matrix” by geralt (CC BY 2.0)


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Memes und die Wissenschaft des viralen Hits

Grumpy Cat (adapted) (Image by Gage Skidmore [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

WHO LET THE DOGS OUT? WHO-WHO-WHO-WHO-WHO? WHO LET THE DOGS OUT?

Falls du jemals den Baha-Men-Hit „Who Let the Dogs Out“ aus dem Jahr 2000 gehört hast, wirst du wahrscheinlich schon die Erfahrung gemacht haben, dass der etwas nervige, aber sehr eingängige Refrain für mehrere Stunden als Ohrwurm in deinem Kopf herumspukte.

Wenn du ihn im Laufe des Tages leise vor dich hingesummt hast, hat dich vielleicht jemand gehört und sich ein paar Minuten später bei dir beschwert, dass du ihm diesen Ohrwurm in den Kopf gesetzt hast. Der Refrain des Songs scheint die Fähigkeit zu besitzen, von einem Gehirn zum nächsten zu springen. Und vielleicht springt er sogar von dem Webbrowser, den du gerade benutzt, auf dein Gehirn über. In der Tat ist es möglich, dass du dir diesen Refrain gerade selbst vorsingst. Etwas Ähnliches geschieht im Internet, wenn Dinge viral werden – scheinbar ohne Sinn und Verstand liken, teilen, retweeten und beschäftigen sich die Leute online mit bestimmten Dingen.

Zum Beispiel wurde ein Foto der sogenannten Grumpy Cat online so oft geteilt, dass es im Jahr 2013 die Auszeichnung der „größten Einzelleistung des Jahres“ erhielt. Die Besitzerin von Grumpy Cat, deren wirklicher Name Tardar Sauce lautet, macht deutlich, dass sie nicht ahnte, dass das ursprünglich auf Reddit gepostete Katzenfoto überhaupt etwas Besonderes wäre.

Aus heiterem Himmel heben einige Social-Media-Aktionen so sehr ab, dass man sie unmöglich ignorieren kann. Im Jahr 2014 erwähnten und teilten mehr als 3 Millionen Menschen innerhalb von weniger als drei Wochen sogenannte #IceBucketChallenge-Videos. Nachdem diese zum viralen Hit wurden, hat die Challenge mehr als 100 Millionen US-Dollar an Spenden für die ALS Association eingebracht. In anderen Fällen jedoch verkümmern Aktionen in den digitalen Medien. Andere lustige Katzenfotos und Challenges werden ignoriert und weder geteilt noch retweetet.

Warum und auf welche Weise unterliegen wir dem Drang, bestimmte kulturelle Elemente wie Songs, Videos, Texte und Bilder zu reproduzieren und zu teilen? Ist es einfach nur Zufall und die Gnade fremder Internetnutzer? Der Grund mag weniger mit Zufall und mehr mit dem kontroversen Themenfeld der Memetik zu tun haben, das sich mit der Frage beschäftigt, wie sich kleine kulturelle Schnipsel unter uns verbreiten.

Als Leiterin des Zentrums für Urheberrechtsgesetze der Drake University Law School habe ich Memes und ihre Beziehung zu viralen Medien untersucht. Man kann die Verbindung zwischen Memetik und der Frage, was bestimmte Medien dazu befähigt, millionenfach geteilt und reproduziert zu werden, kaum ignorieren. Unternehmen und Einzelpersonen täten gut daran, zu verstehen, ob es tatsächlich eine Wissenschaft des viralen Hits gibt und wie diese für Kampagnen genutzt werden kann.

Die Idee von „Memes“ basiert auf Genen

Der Begriff „Memetik“ wurde erstmals von dem Evolutionsbiologen Richard Dawkins in seinem berühmten Buch „Das egoistische Gen“ von 1976 benutzt. Er stellte eine Theorie darüber auf, wie kulturelle Informationen entwickelt und von Mensch zu Mensch übertragen werden. In der Art, wie ein Gen ein individuelles Paket genetischer Information darstellt, so sein Ansatz, ist ein Mem ein ähnliches Paket kultureller Information. Wenn eine Person eine andere imitiert, wird laut Dawkins ein Mem an den Imitator weitergegeben, in ähnlicher Weise, wie etwa blaue Augen durch die Gene von den Eltern an ihre Kinder weitergegeben werden.

Die Memetik stützt sich auf die Theorie der darwinistischen Evolution. Sie legt nahe, dass Meme miteinander konkurrieren, sich reproduzieren und weiterentwickeln, genau wie Gene dies tun. Nur die stärksten überleben. Meme kämpfen also erbittert um Raum und Vorherrschaft in unserem Gehirn und in unserem Verhalten. Diejenigen, die durch weit verbreitete Nachahmung Erfolg erlangt haben, haben sich für die Wiederholung und Kommunikation am besten entwickelt. Ein Mem kann nicht von einzelnen Individuen kontrolliert werden – viele Menschen können dem Mem gleichzeitig als Träger dienen.

Es ist schwierig, genau zu erklären, was alles unter den Begriff „Mem“ fallen könnte. Gewöhnlich stellen Wissenschaftler jedoch fest, dass ein Mem eine Phrase, eine eingängige Melodie oder eine Verhaltensweise sein kann. Dawkins zögerte, den Begriff klar zu definieren, aber er merkte an, dass Melodien, Ideen, eingängige Phrasen, Kleidermoden, sogar auch bestimmte Arten, wie man Töpfe herstellen oder Torbögen bauen kann, Meme sein könnten. Die Memetik legt nahe, dass Meme schon so lange existieren, wie es Menschen auf der Erde gegeben hat.

Eine geläufige Darstellung ist das Speichenrad-Mem. Es geht zurück auf den Philosophen Daniel C. Dennett„Ein Wagen mit Speichenrädern trägt nicht nur Getreide oder Fracht von Ort zu Ort; es trägt auch die geniale Idee eines Speichenradwagens von Geist zu Geist.“ Die erste Person, deren Hirn das Speichenrad-Mem in sich trug, baut einen Speichenradwagen. Andere werden diesen ersten Wagen sehen, dasselbe Mem reproduzieren und mit dem Bauen von Wagen fortfahren, bis es Hunderte, Tausende oder Millionen von Speichenradwagen gibt. In den frühen Tagen der Menschheit konnte sich so ein Mem schnell fortpflanzen, weil man sich in einer Welt befand, in der Alternativen nur selten vorhanden waren.

In der Memetik geht es um mehr als nur die Frage, was eine Sache populär macht. Die stärksten Meme – jene, die sich in den meisten Köpfen reproduzieren – sind verantwortlich für die Entstehung und Entwicklung der menschlichen Kultur.

Vom Geist ins Internet

Heute ist das Internet-Mem, von den meisten Leute mittlerweile einfach Meme genannt, ein kleines Medium, das online kopiert wird und sich schnell verbreitet. Eine der ersten Verwendungen der Idee des Internet-Mems entstand 1994, als Mike Godwin, ein amerikanischer Anwalt und Experte für Internet-Recht, den Begriff „Meme“ benutzte, um die rasche Verbreitung von Ideen im Netz zu charakterisieren. Er hatte festgestellt, dass in unterschiedlichen Newsgroups und virtuellen Communities bestimmte Nutzer, wenn sie unliebsame Kommentare hinterließen, als „nazimäßig“ oder „Hitler-ähnlich“ etikettiert wurden. Godwin nannte dies das Nazi-Vergleichs-Meme. Es tauchte immer und immer wieder auf, in den verschiedensten Arten von Diskussionen mit Nutzern aus aller Welt, und Godwin staunte über die „eigentümliche Unverwüstlichkeit“ des Memes.

Über 20 Jahre später ist das Wort „Meme“ zu einem festen Bestandteil unseres Lexikons geworden und wurde benutzt um alles Mögliche zu beschreiben, von Ermahgerd Girl über Crying Jordan bis hin zu Gangnam Style. In der heutigen Welt hat jedes Meme eine Menge Konkurrenz. Amerikaner verbringen durchschnittlich 11 Stunden pro Tag damit, mithilfe von digitalen Medien zu interagieren. Australier verbringen 10 Stunden pro Tag mit internetfähigen Geräten, während Lateinamerikaner mehr als 12 Stunden täglich mit Medienkonsum verbringen. Rund um die Welt erhalten die Menschen permanent Tausende von Fotos, Videos und andere Nachrichten. Herauszufinden, welche dieser Elemente die meiste Aufmerksamkeit erlangen, könnte für die Entwickler digitaler Inhalte einen erheblichen Vorteil bedeuten.

Memes manipulieren, damit sie viral gehen?

Das Internet-Meme und das wissenschaftliche Mem sind nicht identisch. Das Internet-Meme wird typischerweise bewusst durch die menschliche Erfindungsgabe variiert, während das wissenschaftliche Mem, das eingeführt wurde, bevor sich das Internet durchsetzte, zufällige Veränderungen und exaktes Kopieren beinhaltet. Darüber hinaus sind Internet-Memes beobachtbar dank ihrer Präsenz in den sozialen Medien, während wissenschaftliche Meme (zumindest bis jetzt) nicht beobachtbar sind, weil sie keine physische Form und keine Spuren hinterlassen. Dawkins hat jedoch festgestellt, dass das Internet-Meme und das wissenschaftliche Mem eindeutig verwandt und miteinander verbunden sind.

Was sind die Ursachen dafür, dass sich ein Meme besser verbreitet als das andere? Einige Forscher sagen, dass Memes bestimmte Eigenschaften entwickeln, die „gute Kniffe“ genannt werden, und die ihnen Wettbewerbsvorteile verschaffen, wie zum Beispiel:

  1. wirklich nützlich für einen menschlichen Träger zu sein
  1. für das menschliche Gehirn leicht nachahmbar zu sein und
  1. Fragen zu beantworten, die für das menschliche Gehirn interessant sind.

Zum Ersten: wenn ein Meme wirklich nützlich für Menschen ist, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass es sich verbreitet. Speichenradwagen haben sich schnell verbreitet, weil die frühen Menschen große Mengen von Fracht transportieren mussten.

Zum Zweiten: Memes, die leicht zu kopieren sind, haben einen Wettbewerbsvorteil gegenüber solchen, die es nicht sind – ein eingängiger Refrain wie „WHO LET THE DOGS OUT“ lässt sich leichter rekonstruieren als die Zeilen in U2s Numb, der als einer der am schwierigsten zu verstehenden Popsongs bezeichnet wird.

Zum Dritten: Memes, die drängende Fragen beantworten, werden sich sehr wahrscheinlich verbreiten. Schau dich in einer beliebigen Buchhandlung um und du wirst zahlreiche Bücher über deine Bestimmung im Leben, über die Frage nach dem Sinn des Lebens, oder darüber, wie man schnell und effektiv Gewicht verliert, finden – alles Themen, die für viele Menschen von großem Interesse sind.

Die Memetik legt nahe, dass große Vorteile darin liegen, ein starkes Mem nach Dawkins ursprünglicher Definition mit digitalen und anderen Inhalten zu kombinieren. Wenn es eine wissenschaftliche Erklärung für starke Reproduktion gibt, können Marketing- und Werbestrategien in Verbindung mit starken Memen die Geheimnisse des Teilens und Verbreitens viraler Medien offenlegen.

Die Antwort auf solche Geheimnisse könnte in Songs wie „WHO LET THE DOGS OUT“ liegen. Summst du es schon vor dich hin?

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Grumpy Cat“ by Gage Skidmore (CC BY-SA 2.0)


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Emoticons, Memes und GIFs: Wie Bilder langsam die Schrift ablösen

Emoticon (adapted) (Image by Alexas_Fotos [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Kindisch, oder einfach nur kommunikativ? Im mobilen Zeitalter beginnen Fotos und bewegte Bilder den Buchstaben den Rang abzulaufen. Sich animierte GIFs, Emoticons oder kurze Clips zuschicken, mag heute ein wenig infantil wirken. Doch die Kommunikation, die heute in der mobilen digitalen Welt stattfindet, unterliegt, getrieben durch technischen Fortschritt, einem drastischen Wandel. Wenn die Bilder die Buchstaben verdrängen, hat das erhebliche Auswirkungen auf Arbeit und Alltag.

Das Bild kam vor der Schrift, so viel steht fest: Die ältesten Höhlenmalereien, die jemals gefunden wurden, sind 40.000 Jahre alt, die erste Schrift, die der Mensch erdacht haben soll, datiert etwa auf 6.600 vor Christus. Nun sieht es danach aus, dass das Bild als Mittel der Kommunikation die Schrift, die die letzten Jahrhunderte die Dokumentation von Information prägte, überdauern wird – ausgerechnet getrieben durch die Digitalisierung.

Wer sich schon die Liste jener Apps angesehen hat, die der Facebook Messenger als Plattform-Partner zum Start angekündigt hat, der könnte sich unter Umständen ziemlich alt vorkommen. Animierte GIFs, schrille Kurzvideos, Meme-Montagen, Emoticons und bearbeitete Fotos sollen sich die 600 Millionen User der Messaging-App offenbar künftig zusenden. Das sieht zuerst einmal alles sehr kindisch aus – welcher vernünftige Erwachsene würde zum Kommunizieren denn schon auf bunte Bildchen setzen? Facebook-Gründer Mark Zuckerberg geht jedenfalls fix davon aus, dass mobile digitale Kommunikation vor allem visuell sein wird. Waren Facebook und Twitter mit ihren Statusmeldungen zu Beginn noch sehr textlastig, sieht man bei beiden, dass sich die News Feeds und Streams mit immer mehr Fotos füllen.

Smartphone-Apps wie WhatsApp oder Snapchat sind schon von Beginn an sehr bildlastig: Bei WhatsApp werden täglich 700 Millionen Bilder und 100 Millionen Videos verschickt, bei Snapchat sind es ebenfalls mehr als 700 Millionen Fotos pro Tag. Das ist auch logisch: Einen Schnappschuss per Smartphone zu verschicken geht schneller und ist einfacher, als eine Statusmeldung am Touchscreen zu tippen. Facebook und Twitter kommen aus der Desktop-Welt, wo Tastaturen vorherrschen und Kameras (z.B. jene von Laptops) keine gute Qualität bieten und sich nicht wirklich zum Fotografieren eignen. Doch auch die Laptop-Welt reagiert auf den Trend zur visuellen Kommunikation: Mit einem Update seines Betriebssystems Mac OS X brachte Apple kürzlich 300 Emoji-Symbole, auf die man jederzeit mit der Tastenkombination Shift-Cmd-Space zugreifen kann.

Die nächste Ebene: Video-Sharing

Zuckerberg geht auch davon aus, dass nach den Bildern Video-Sharing ganz groß kommen wird. Die Live-Streaming-Apps Meerkat und Periscope könnten ein erster Vorgeschmack darauf sein. Parallel dazu werden auch die Kapazitäten der (mobilen) Netze (4G, 5G, Glasfaser) stetig ausgebaut, die es braucht, damit einmal Hunderte Millionen Menschen gleichzeitig in guter Auflösung unterwegs Live-Bilder übertragen können (Datenbrillen lassen grüßen). Die nächste Stufe nach Video ist laut Zuckerberg dann übrigens Virtual Reality – wenn man also mit Brillen in digitale Welten eintauchen kann und so etwa Live-Übertragungen von wichtigen Geschehen aus völlig neuer Perspektive erleben kann.

In der professionellen medialen Kommunikation haben Bilder und Videos der Schrift schon lange den Rang abgelaufen (TV, Illustrierte, etc.). Das Internet und stetig steigende Datenübertragungskapazitäten machen das Broadcasten von Bildern und Videos nun auch der breiten Masse möglich, die gerne davon Gebrauch machen. Noch bis zur weiten Verbreitung von E-Mail und Desktop-Computern war elektronische Kommunikation von Menschen vorwiegend schriftlich, doch dieses Verhalten dreht sich durch die einfache Produktion von (Bewegt-)Bild jetzt sehr schnell. Erste Anzeichen, dass dieser Trend faktische Auswirkungen auf den Alltag hat, gibt es bereits: In Finnland etwa wird ab 2016 die Vermittlung der Schreibschrift aus dem Schulunterricht gestrichen, weil die Schüler lieber auf Tastaturen tippen lernen sollen. Denkt man das weiter, wird es vielleicht auch einmal nicht mehr notwendig sein, das Zehnfingersystem auf einer Tastatur zu beherrschen – nämlich dann, wenn Computer mit Gesten, Sprache und Gedanken vollständig steuerbar sind.

Schon heute ist es mit neuen Geräten wie der Apple Watch nicht mehr notwendig, Text zu tippen – will man auf eine SMS reagieren, diktiert man der Hightech-Uhr einfach die Antwort. Auch in der Unternehmenskommunikation halten Bilder, in Verbindung mit Social Media, Einzug. IKEA Singapore etwa beantwortet Kundenanfragen auf Facebook mit lustigen Meme-Bildchen, Google schickte kürzlich einem US-Journalisten als Antwort auf eine Anfrage keinen Text, sondern ein animiertes GIF mit.


Image (adapted) „Emoticon“ by Alexas_Fotos (CC0 Public Domain)

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Videotipp: Kids react to harlem shake

Wie der Harlem Shake auf Kinder wirkt, die dem Trend noch nicht verfallen sind, seht Ihr in diesem Videotipp.

kids react memes harlem shake

Wer Fan der TV-Show „Dingsda“ war, der wird auch das Youtube-Format „Kids react“ mögen. Darin schauen sich Kinder u.a. Bands, Virals und Memes an und kommentieren diese. Vor drei Tagen wurde dem Nachwuchs einmal der getrendete „Harlem Shake“ gezeigt. Die Reaktionen sind durchwachsen. Nicht aber im Web. Denn der Clip wurde binnen dieser Zeit bereits über fünf Millionen mal angeschaut.

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15 coole Mo Farah-Meme – ein neuer Hype im Social Web

Mo Farah Running Away From Things

Meme haben Hochkonjunktur im Social Web. Kaum ein Sportler, der eine komische Geste oder einen merkwürdigen Gesichtsausdruck gemacht hat, bleibt verschont. Ob nun der italienische Fußballer Balotelli oder der Ausnahme-Olympionik Mo Farah. Letzt genannter wird derzeit in den unglaublichsten Posen abgebildet, deren Hintergrund sein spektakulärer 10.000-Meter-Lauf geboten hat. Eine Auswahl der lustigsten Bilder seht Ihr hier.

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