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Warum Drohnen in Zukunft zur Gefahr werden könnten

Drone (Image by Harald_Landsrath[CC0Public Domain] via Pixabay)

Drohnen werden aufgrund ihrer tollen Luftaufnahmen immer beliebter. Sie bieten eine neue Perspektive,  mit der man hinter Zäune schauen und die Welt von oben betrachten kann. Zudem werden sie technisch immer ausgefeilter und durch die sinkenden Preise auch für durchschnittliche Verbraucher interessant. Außerdem werden sie für viele praktische Einsätze wie zur Paketzustellung oder zur Inspektion von Brücken genutzt. Doch neben den vielen positiven Aspekten muss man sich auch über ihre Gefahren bewusst sein. Sie werden nämlich auch häufig unsachgemäß genutzt oder sogar missbraucht, vor allem in der Nähe von Flughäfen kann ihre Verwendung sehr gefährlich werden.

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Christian Caballero findet die Kennezeichnungspflicht für Drohnen sinnvoll.(Image by Christian Caballero)

Christian Caballero ist Geschäftsführer der Caballero & Hesselbarth Consulting GmbH. Seine Leidenschaft sind Entrepreneurship und Innovationen im Bereich unbemannte Luftfahrt. Vor seinem Studium zum Sicherheitsmanagement war er Offizier bei der Bundeswehr. Dort erlangte er durch seine internationale Ausbildung Spezialwissen aus den verschiedensten Bereichen der Luftfahrt.

Caballero weiß, dass ein gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr schwerwiegende Folgen haben kann und sich dessen nur wenige Nutzer bewusst sind. „Ein Gefährdungspotential geht dennoch vom Gerät selbst und vom Nutzer aus. Betrachten wir es sachlich, können die Propeller eines ,Multikopters‘ verheerende Verletzungen hervorrufen.“, sagt er.

Auch deutsche Sicherheitsbehörden betrachten Drohnen mit Skepsis, da sie für terroristische Angriffe verwendet werden könnten. Laut einem Sprecher des Bundeskriminalamtes (BKA) reichen denkbare Szenarien, die von Drohnen ausgeführt werden können, von Störungen von Veranstaltungen über Ausspähungen bis hin zu möglichen terroristischen Anschlägen, zu denen auch Großveranstaltungen gehören können. Das BKA verfügt bereits über eine Stelle, die den Markt für Drohnenabwehrsysteme beobachtet und Erkenntnisse über das Aufspüren und Abwehren der Länder und des Bundes bündelt.

Drohnen können ohne Probleme mit explosivem Material, giftigen Gasen oder nuklearen, chemischen und biologischen Stoffen ausgestattet werden. Es gab in Deutschland bisher zwar noch keine Terrorangriffe mit Drohnen, aber das BKA hält Großveranstaltungen jeglicher Art für ein wahrscheinliches Ziel. Auch Caballero geht davon aus, dass eine Drohne in Deutschland missbräuchlich für einen Anschlag genutzt werden kann. Jedoch lässt sich seiner Meinung nach die Eintrittswahrscheinlichkeit für einen solchen Fall in Deutschland schwer ermitteln. Sie korreliere jedoch mit der stetig wachsenden terroristischen Bedrohung in unserem Land.

Um dem missbräuchlichen Gebrauch von Drohnen entgegenzuwirken, werden zurzeit viele Drohnen-Abwehrmaßnahmen getestet. Laut Caballero ist die Vision einiger Entwickler ein umfassendes  „Geofencing“ und diese trifft als virtueller Zaun die Sicherheitsbedürfnisse einiger außenstehender Parteien. „Weiterhin wird an einem neuen ,Air-Traffic-Management-System‘ gearbeitet, um den Luftverkehr auch in den unteren Höhen kontrollieren oder besser gesagt leiten zu können.“, erklärt Caballero.

Aufgrund der vielen Zwischenfälle mit Drohnen möchte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die Nutzung nun strenger regeln. Deshalb müssen zukünftig alle Geräte ab 250 Gramm mit einem Kennzeichen ausgestattet werden, auf dem der Name und die Adresse des Eigentümers stehen. Dadurch sollen die Eigentümer bei Missbrauch oder Unfällen identifiziert werden können.

Christian Caballero findet diese Kennzeichnungspflicht sehr sinnvoll. Er fügt hinzu, dass auf dem Markt und unter den tragenden Verbänden dieser Branche große Einigkeit bestehe, dass es auch eine Ausbildung für die Nutzer geben soll. Seiner Meinung nach sollte es für die Integration in den zivilen Luftraum vor allem Aufklärungsarbeit und präventive Maßnahmen geben, sodass Nutzer eine Art Luftfahrtbewusstsein entwickeln und sich umfänglich mit den Regeln und Pflichten vertraut machen.

Eine andere Abwehrmaßnahme ist das Fangen von Drohnen mithilfe von Greifvögeln. In den Niederlanden wird dies bereits von dem Projekt „Guards from Above“ ausprobiert. Der Vorteil an der Maßnahme ist, dass die Drohne sofort außer Gefecht ist, sicher von dem Adler entfernt wird und nicht unkontrolliert vom Himmel stürzt.

Drone interception (Imagy via Guard From Above- Maarten van der Voorde)
Drone interception (Image via Guard From Above- Maarten van der Voorde)

Der tierische Instinkt von Greifvögeln ist einzigartig, sie können mühelos schnelle Beute überwältigen. „Die Greifvögel haben Schuppen auf ihren Krallen, die sie auf natürliche Weise vor den Bissen ihrer Opfer schützen. Es besteht also keine Gefahr beim Fangen von COTS Drohnen (Commercial off-the-shelf drones).“, erklärt Sjoerd Hoogendoorn, CEO und Gründer des Projekts. Für das Fangen von besonders großen und professionellen Drohnen sucht das Unternehmen bereits nach einer zusätzlichen Möglichkeit, die Vögel zu beschützen. Inzwischen wurden hunderte Drohnen während der Trainingseinheiten gefangen. Dabei wurde kein einziger Vogel verletzt – einige Drohnen aber durchaus.  

Die Vögel werden jeden Tag von Experten trainiert. Bis ein Vogel eine Drohne erfolgreich fängt, vergeht im Schnitt ein Jahr. Dies sei aber von Vogel zu Vogel unterschiedlich, so Hoogendoorn. Er führt aus, dass man die Vögel nicht dazu zwingen kann, Drohnen zu fangen. Wenn sie keinen Spaß daran hätten, würden sie es nicht machen. Wird eine Drohne erfolgreich gefangen, werden die Vögel mit Futter belohnt.

Ein Aspekt, der bei der zunehmenden Nutzung von Drohnen ebenfalls sehr wichtig ist, ist der Schutz der Privatsphäre. Fakt ist, dass diese Geräte den Benutzern Einblicke ermöglichen, die man sonst nicht so einfach bekommt. Daher scheint es schon fast eine logische Schlussfolgerung, dass es immer mehr Drohnen geben wird, so Caballero. Derzeit würden in Deutschland etwa 400.000 Drohnen genutzt und nach Angaben des Instituts für unbemannte Systeme (IuS) werden es bis 2020 vermutlich noch mal 2 Millionen sein.

Caballero ist überzeugt, dass diese Problematik auch Auswirkungen auf unsere Privatsphäre haben wird: „Die Nutzer müssen den Begriff ,Privatgrundstück‘ einfach nur respektieren und diese Bereiche meiden oder sich für dort eine Genehmigung erteilen lassen. Der grundsätzliche Überflug über ein Grundstück ist nicht verboten, jedoch kann dies schnell zu einer Irritation führen, da für den Nutzer nicht klar ist, was die Kamera gerade anschaut“. Denn schließlich, fasst Caballero zusammen, will sich niemand einer fremden Beobachtung ausgesetzt wissen. Neugierige sollten sich über die Geldstrafen für diese Handlungen bewusst sein. Man darf gespannt sein, wie sich die Haltung hierzu in Zukunft entwickelt.


Image „Drone“ by Harald_Landsrath (CC0 Public Domain)


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App-heben mit der iPhone-Drohne: Ghostdrone 2.0 von Ehang im Test

Wenn selbst Action-Cam-Anbieter GoPro mit einer Drohne im Handel landet, heißt das nur eins: Multicopter stehen vor dem Durchbruch im Massenmarkt. Immer mehr Anbieter lassen immer mehr Modelle steigen. Nicht nur für Profis, auch für Konsumenten. Vor allem eine einfache Steuerung soll helfen, die Einstiegshürde zu überwinden. Bei der Ghostdrone 2.0 reichen Touch- und Wischgesten auf dem iPhone und ein Kopfnicken mit einer Videobrille, um mit der vierrotorigen Drohne von Anbieter Ehang durchzustarten. Ist das wirklich so einfach? Als totaler Drohnen-Anfänger habe ich einen Probeflug mit dem Luftgefährt gewagt und mich zudem schlau gemacht, was Einsteiger rechtlich beachten sollten. Noch nie war der Magazin-Titel „Applepiloten“ daher so wörtlich zu nehmen wie bei diesem Test.

Wer braucht eigentlich die Ehang-Drohne?

Aufnahmen aus der Luft sind der wesentliche Einsatzzweck von Multicoptern. Bildjournalisten, Unterhaltungsfilmcrews, Landvermesser oder Bauinspekteure setzen darauf. Im Freizeitbereich sind die Fluggeräte vor allem unter Modellflug-Enthusiasten präsent. Aber auch immer mehr ambitionierte Foto- und Filmbegeisterte entdecken das Genre für sich. Für sie bringen Hersteller wie Ehang gebrauchsfertige Sets aus Copter und Kamera in den Handel. Ehang kommt aus China und tritt gegen die Platzhirsche DJI und Yuneec aus gleichem Lande an. Die Ghostdrone 2.0 ist mit 989 Euro Listenpreis eher im mittleren Preissegment angesiedelt. Der Herausforderer will in Deutschland durchstarten, indem er es der breiten Masse besonders einfach macht. Dazu gehört eine einjährige Vollkasko-Garantie. Geht das Gerät kaputt, weil sich der Pilot zu ungeschickt angestellt hat, repariert oder ersetzt Ehang trotzdem. Damit lässt der Anbieter keinen Zweifel an sein Vertrauen darin, dass eigentlich gar nichts schiefgehen könne. Ihr Werbespruch lautet: „Anyone can fly“.ghostdrone2weissapplepiloten3-1024x683

Vor dem Start

Tatsächlich ist der Multicopter schnell flugbereit gemacht. Akkus der Drohne und der Videobrille aufladen, Ehang Play aus Apples App Store installieren, Propeller handfest anschrauben, einschalten, App koppeln, Anweisungen auf dem Bildschirm folgen – und losfliegen. Vorher die Tutorials im Web oder bei YouTube zu verinnerlichen, kann nicht schaden. Und dann bitte noch einmal kurz innehalten und sich daran erinnern, dass man erwachsen ist: Keine leichtsinnigen Moves! Selbst wenn ihr im Innenraum die benötigte GPS-Verbindung herstellen könnt – ein Teststart im Wohnzimmer ist keine gute Idee. Die Ghostdrone steigt nämlich automatisch zehn Meter hoch. Auch „einfach mal so ausprobieren“ im dicht bebauten Innenhof ist nicht empfehlenswert. Zentimetergenau kontrollieren lässt sich kein Multicopter.

Wo darf ich eigentlich Multicopter fliegen?

Die Auswahl des Fluggeländes erfordert mehr Grips als die Drohne in Betrieb zu nehmen. Multicopter und das deutsche Flugrecht – es ist kompliziert! Um es einfach zu formulieren: Sucht euch eine große freie Fläche abseits von hohen Bäumen, Strommasten, Gebäuden und ähnlichen Hindernissen. Informiert euch im Web über generelle Flugverbotszonen. Über Menschengruppen, fremde Schrebergärten und Privatgrundstücke zu fliegen, ist ebenfalls tabu. Die Ghostdrone wiegt mit rund 1,2 Kilogramm weit unter der Schwellengrenze von fünf Kilogramm. Außerdem gehe ich davon aus, dass euer Einsatzzweck nicht gewerblich ist und ihr unter 100 Metern Flughöhe bleibt. Häkchen bei diesen drei Aspekten bedeutet: Ihr braucht keine behördliche Aufstiegsgenehmigung. Wer sich intensiver mit dem Multicopterfliegen, gar kommerziell, befassen möchte, kann sich zum Beispiel hier und hier bei Workshops fit machen lassen. Eine verständliche Orientierung für Einsteiger bietet die Stiftung Warentest.

Die Drohne mit dem gewissen Touch: App geht der Flug!

Wenn die Propeller hochfrequent rotieren und das Gras sich in deren Fahrtwind bewegt, kriege ich plötzlich einen Heidenrespekt. Mit einem Spielzeug hantiere ich da gerade definitiv nicht herum. Zum Glück könnte die Bedienung tatsächlich einfacher nicht sein. In die Tasten und Joysticks eines ehang_play_bkl_applepiloten2-169x300physischen Controllers muss ich mich nicht einfuchsen. Damit liefert Ehang die Ghostdrone 2.0 gar nicht erst aus. Flugkommandos gebe ich im „Touch-to-Go-Modus“ per Fingerbedienung im Interface der iOS-App. Die Ansicht ähnelt einer Navi-App wie Google Maps. Zum Starten drücke und wische ich einmal. Um die Drohne zu navigieren, tippe ich zweimal auf einen beliebigen Punkt der eingeblendeten Karte und sie fliegt dorthin. Dies alles quittiert die Ehang-App mit einer akustischen Sprachausgabe auf Deutsch. Nicht perfekt lokalisiert, aber verständlich genug. Nach drei Touren dieser Art schaltet die App den „Avatar“-Modus frei. Dann kann ich den Multicopter manuell fliegen. Dazu halte ich das iPhone flach vor mir. Neige ich es zu einer Seite, folgt die Drohne am Himmel dem Signal des Bewegungssensors. Drehe ich mich oder das iPhone um meine Körperachse, fliegt auch der Multicopter nach links oder rechts. Das klappt auf Anhieb, aber für einen flüssigen Flug brauche ich definitiv mehr Übung.

Was ist das für 1 Video-Steuerung?

Sobald sie abhebt, zeichnet die Kamera der Ghostdrone automatisch ein Video in 4K-UHD (3840 x 2160 Pixel) auf einer microSD-Karte auf. In der App kann ich die Aufnahme händisch unterbrechen oder fortsetzen und auch Einzelfotos in einer Auflösung von 16 Megapixel schießen. Das Kamerabild lässt sich live in der Videobrille kontrollieren. Es wird leider per analogem Funk in völlig unzeitgemäß niedriger VGA-Auflösung übertragen. Die Älteren unter uns erinnern sich noch an derartig aufgelöste Röhrenfernseher. Auf der IFA erklärte mir Ehang-Geschäftsführer Matthias Hagedorn, dass die Videobrille in einer der nächsten Generationen höher aufgelöst werden soll. Cool: Neige oder hebe ich den Kopf mit der Videobrille vor den Augen, senkt oder hebt sich auch die Ghostdrone-Kamera. Seitlich schwenken kann ich sie aber nicht. Das wiederum geht nur über einen Regler in der App. Und diese Trennung ist völlig unverständlich. Brille und App gleichzeitig bedienen darf ich nämlich gar nicht. Der Gesetzgeber verlangt, dass Piloten ihre Drohne nie aus den Augen verlieren. Daher muss also ein Video-Operator mit der Brille einem iPhone-Piloten Schwenkanweisungen geben. Wie soll das in der Praxis bitte vernünftig gehen?berti_ehang_ghostdrone2_applepiloten-3-1024x768 Hoffentlich bessert Ehang hier nach und verbaut eine komplette Kopfsteuerung in der idealerweise höher aufgelösten Videobrille. Eine interessante Alternative haben gerade Epson und DJI mit der Drohnen-Steuerung per Augmented-Reality-Brille vorgestellt. In der jetzigen Lösung kann Ehang aber nicht auf die Videobrille verzichten. Sie ist ein zentrales Bindeglied und leitet die WLAN-Signale vom iPhone per Funk an die Ghostdrone weiter.

Der 30-Minuten-Spaß

Stundenlang über malerischen Landschaften schweben – das geht derzeit mit noch keinem Multicopter. Wie bei vergleichbaren Geräten auch, ist der Akku der Ghostdrone nach weniger als einer halben Stunde leer. Die App fordert mich rechtzeitig zum Landen auf. Beruhigend: Ohne meine Reaktion würde sie letztlich selbsttätig zum Ausgangspunkt zurückkehren. Das täte sie übrigens auch, wenn die Funkverbindung abbräche.

Videos lieber von der Speicherkarte laden

Hat man keinen Ersatzakku dabei, währt das Flugerlebnis an sich also recht kurz. Für Filmer beginnt erst hinterher die richtige Arbeit, wenn es ans Sichten und Bearbeiten der Videoaufnahmen geht. Ich kann Foto, aber kein Video. Von daher ist mein ungeschnittenes Erstlingswerk so langweilig, dass es vielleicht doch schon wieder Kunst sein könnte.

Die Aufnahmen kommen auf zwei Weisen von der Kamera herunter. Über die Ehang-App kann ich per WLAN darauf zugreifen, aufs iPhone laden und gleich auf den Apple TV streamen. Aber Moment mal, wieso ist das Video denn so pixelig? Aha, weil bei diesem Verfahren nur ein niedrig aufgelöstes Vorschauvideo übertragen wird. Die „große“ UHD-Version kann ich nur per Speicherkarte auf den Mac ziehen.

Fazit

Eine Drohne mit dem iPhone steuern? Mein erster Einsatz als „Applepilot“ war aufregend und faszinierend zugleich. Die Steuerung ist so einfach, wie Hersteller Ehang es verspricht.berti_ehang_ghostdrone2_applepiloten-5-300x225 Trotzdem wurde mir bewusst, dass die Drohne kein Spielzeug ist und ich große Verantwortung übernehme, wenn ich sie im öffentlichen Raum verwende. Jederzeit aufmerksam zu sein, ist unerlässlich. Flüssige Flugmanöver und gleichzeitig noch schöne Videoaufnahmen machen – das ist anspruchsvoll. Die Videobrille ist ein nettes Gimmick. Wegen der geringen Auflösung und der eingeschränkten Bewegungssteuerung macht sie nur begrenzt Freude. Die Kamera über die Videobrille und die App zu bedienen, ist umständlich gelöst. Wer großen Wert aufs Filmen legt, wird sich mehr Präzision wünschen. Ich bin gespannt, inwiefern es der Ehang Ghostdrone 2.0 gelingen wird, ihre Nische zu finden. Für die Masse der Konsumenten dürften der immer noch sehr hohe Kaufpreis und die kurze Akkulaufzeit große Hürden sein. Und Videoprofis dürften sich sicher präzisere und flexiblere Lösungen wünschen. Um erste Erfahrungen zu sammeln, ist die Ehang Ghostdrone 2.0 für Multicopter-Einsteiger jedoch eine gute Wahl.


Dieser Artikel erschien zuerst auf „Applepiloten“ unter CC BY-ND 4.0.


Images & Video by Berti Kolbow-Lehradt


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Das Zeitalter der Drohnen ist da

Drone 2 (adapted) (Image by Michael MK Khor [CC BY 2.0] via Flickr)

Nur weil Sie vielleicht noch keine Drohne über Ihrem Kopf entdeckt haben, heißt das nicht, dass sie Sie nicht gesehen hat. Diese unbemannten Luftfahrzeuge werden, wie neulich durch die Tötung zweier britischer Dschihadisten demonstriert wurde, immer öfter vom Westen als Frontliniengeschütze eingeführt.

Tausende werden bereits in den modernen Ländern eingesetzt, man kann also davon ausgehen, dass es noch Hunderttausend Größen und Formen geben wird, die von den Medien, Notfallservices, Wissenschaftlern, Farmern, Sportfans, Bastlern, Fotografen, dem Militär und den Geheimdiensten eingesetzt werden. Und vielleicht wird die Werbung alle anderen Einsatzgebiete in den Schatten stellen. Amazon verspricht eine Lieferung per Drohne innerhalb von 30 Minuten. Domino’s Pizza hat ebenfalls eine Drohnenlieferung eingeführt. Über 20 Unternehmen haben mittlerweile angesagt, dass sie Werbedrohnen nutzen werden, und das gilt nur für die USA. In den Entwicklungsländern kommen noch mehr dazu.

Die Frage ist, ob der Drohnenboom sich schneller entwickelt als die Gesetzeslage. Wie soll man solch eine Ausbreitung in die momentanen Regulierungen einpflegen? Die Antworten müssen alsbald in nationale und internationale Gesetze fließen, um einen zunehmend bevölkerten Himmel beherrschen zu können. Es müssen vielleicht einige bestehende Regeln optimiert werden, inklusive derer der Netzsicherheit, Stalking, Privatsphäre, Menschenrechte, Versicherungen, Vertrags- und Handelsrecht, sowie die Kriegsregeln.

Es haben bereits zahlreiche Verdächtige oder gefährliche Anwendungen von Drohnen, beispielsweise fanden illegale Flüge über sieben Stromkraftwerke in Frankreich statt, man unterbrach die Arbeit der Helfer bei Walddbränden in den USA und sieben Beinahezusammenstöße an Flughäfen in Großbritannien. In den USA wurden Drohnen von Landbesitzern abgeschossen. Die Fälle kamen vors Gericht und führten zu Urteilen über Hausfriedensbruch, dem Recht auf Privatsphäre und Sachbeschädigung.

Kleinteilige Gesetzesänderungen reichen nicht aus

Schon während der ersten Ballonflüge der Mongolfier-Brüder im Jahr 1784 reagierte der französische Gesetzgeber sofort mit einer polizeilichen Anordnung. Man verbot schlichtweg alle Ballonflüge über Paris ohne Sondererlaubnis. Auf diese Weise definierten einige Staaten, wie und wann sie Drohnenflüge auf ihrem Gebiet verbieten wollen. Bisher war die juristische Entwicklung auf diesem Gebiet nicht sehr erfolgreich, die meisten Länder haben bisher nichts unternommen.

Und wieder war es Frankreich, das als erstes Land eine verpflichtende Gesetzgebung eingeführt hat, um im Jahr 2012 mit einem Dekret diese in den rechtlichen Bereich des Zivilflugs zu bringen. Drohnen dürfe nun 50-150 Meter in die Höhe steigen. Bei rechtwidriger Nutzung einer Drohne drohen bis zu fünf Jahre Haft und eine Geldstrafe von bis zu 75.000 Euro. Im Jahr 2012 verabschiedete der US-Kongress im Federal Aviation Authority (FAA) einen Reformakt, mit dessen Hilfe bis Ende September 2015 zivile Drohnen in den nationalen Luftraum integriert werden sollen. Die italienische Zivilluftfahrtbehörde gab im April 2014 eine Regelung für kommerzielle Drohnen heraus. Das Gesetz regelt grob, wie die Betreiber Datenschutz und Versicherungen handhaben müssen. In der Zwischenzeit hat die viel diskutierte italienische Firma Hacking Team Drohnen entwickelt, die Spionagesoftware an Computer und Smartphones ausliefert, indem sie sie via WLAN anzapft.

Großbritannien hat noch immer Schwierigkeiten damit, die Drohnen rechtlich einzuordnen, denn weder der Civil Aviation Act noch die Air Navigation Order greifen hier. Das Verkehrsministerium hat vor kurzem bekanntgegeben, dass es Strafen bis zu 2.500 Pfund erlässt, wenn Drohnen in besiedelte Gegenden gelenkt werden. Ein wenig mehr Klarheit gibt es hier bei dem unbemannten Luftfahrtsystem im US-Luftraum der CAA. Hier müsse sich die Drohnenflieger in direkter Sichtlinie zu den Drohnen befinden, die maximale Flughöhe ist auf 120 Meter beschränkt. Kleinere Drohnen müssen jederzeit Platz für bemannte Flugzeuge freigeben.

Dem Gesetz entgegen

Die International Civil Aviation Organisation (ICAO) möchte ein Gesetz einführen, um den zivilen Drohnenflugverkehr bis zum Jahr 2018 weltweit zu regulieren. Die EU und die USA haben ein erstes Abkommen zur Zusammenarbeit im zivilen Luftverkehr unterzeichnet. Dennoch ist es schwierig, einen Konsens zu finden. Es kann einige Jahrzehnte dauern, bis man ein weltweit umfassendes Abkommen getroffen hat.

Der letzte internationale Luftfahrtvertrag ist die Chicago-Konvention aus dem Jahr 1944. Hier wurden die Standards für den allgemeinen Luftverkehr zwischen den Nationen festgelegt, beispielsweise besitzt jede Nation die Souveränität über ihren Luftraum. Es darf kein vom Staat betriebenes Fluggerät (bspw. militärisch oder polizeilich) unauthorisiert über das Gebiet fliegen. Man muss außerdem verbindliche Luftfahrtregelungen festlegen. Zudem müssen die Fluggeräte erkennbare Registrierung vorweisen können.

Bei Drohnen ist es noch unklar, welche Typen und Größen registriert werden müssen und bei welchen man die Länderzugehörigkeit erkennen können muss. Es gibt Drohnen, die so groß sind wie ein kleiner Vogel oder sogar nur so groß wie eine Münze, die die Grenzen nahezu unsichtbar überwinden können. Natürlich müssen diese Probleme sofort mit einem neuen Vertrag geregelt werden, genau wie damals in Chicago im Jahr 1944.

Drohnenkrieg gegen Gesetzeskrieg

Für viele sind Drohnen typischerweise für den militärischen Einsatz in Afghanistan und dem Irak gedacht. Es heißt, die USA habe 7.000 Drohnen in Afghanistan, denn der größte Teil der neuen Entwicklungen in de Drohnentechnologie kommt direkt dem Militär zugute.

Sukzessive werden die US-Regeln in Hinblick auf drohnengesteuerte Tötungen als eine der ungeheuerlichsten Einsätze der Menschheit eingehen. Man verlor tausende Leben in einem unklaren Konflikt, indem man gegen undeutliche Gegner wie Al-Quaida und die ISIS-Anhänger vorgehen wollte. Die einzige Legitimation schienen die morgendlichen Treffen im Weißen Haus darzustellen.

Die American Civil Liberties Union hat dies neulich angesprochen. Hier wurde betont, dass das “zielgerichtete Mordprogramm nicht nur gesetzeswidrig, sondern auch gefährlich” sei, “es ist gefährlich, den ganzen Planeten als ein einziges Schlachtfeld zu betrachten.” Ein neuerlicher Schlag der britischen Royal Air Force (RAF) war eine gelenkte Drohnenattackte auf einen britischen Bürger. Dennoch wurden die britischen Drohnen von Reaper im Januar 2015 im Irak um ein Drittel aufgerüstet.

Die todbringende Drohnentechnologie wird bald in allen Ländern erreichbar sein. Die Möglichkeit, dass auch nur ein paar Dutzend Staaten dem eingeschlagenen Weg folgen könnten, den die USA vorgelegt hat, ist wirklich beängstigend. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt, oder vielmehr fliegt es hinaus.

Dieser Artikel erschien zuerst auf theconversation.com und steht unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) „Drone 2“ by Michael MK Khor (CC BY 2.0)


 

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