All posts under Luftfahrt

Nicht nur Spielkram – 9 Bereiche, bei denen VR helfen kann

VR (adapted) (Image by szfphy [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Die Technik der Virtual Reality (VR) ist im Prinzip nichts Neues. Schon Mitte des 20. Jahrhunderts kamen Flugsimulatoren auf, mit deren Hilfe Piloten das Fliegen lernen. Doch in jüngster Zeit hält VR auch Einzug im Kinderzimmer. Die PlayStation VR kann seit Obtober 2016 gekauft werden. Kostenpunkt: 399 Euro, plus die PlayStation-Kamera, ohne die geht es nicht.

Es gibt jedoch auch einen Einsatz abseits der Spieletechnik. Neun Lebensbereiche könnten davon profitieren, wenn Experten weiter an der Technik feilen und sie marktreif machen. Wir stellen sie euch vor:

BILDUNG: Besonders im Bereich der Bildung sehen Experten den Einsatz von VR vor. Studenten könnten so in eine völlig neue Welt eintauchen. In der „World of Comenius“, benannt nach dem tschechischen Lehrer Johann Amos Comenius, können Studenten die Anatomie des Körpers kennenlernen und verschiedenen Körperteilen und -systemen auf den Grund gehen.

KUNST: Dreidimensionales Malen und Zeichnen mithilfe eines VR-Headsets und entsprechendem Zubehör – diesen Traum haben viele Künstler. Nun könnte er Wirklichkeit werden. Die Technik dafür liefert zum Beispiel Tilt Brush von Google.

MEDIZIN: VR könnte auch dazu beitragen, Krankheiten zu behandeln. Vielversprechend ist der Einsatz bei Depressionen. Hier soll beispielsweise virtuelles Schwimmen mit Delfinen die Genesung vorantreiben. Auch bei einer posttraumatischen Belastungsstörung und Alkoholismus könnte die Technik hilfreich sein. Der Patient setzt einfach die Kamera auf und landet dann in einer völlig anderen Umgebung.

LUFTFAHRT: Piloten kennen VR schon aus dem Simulator, mit dem sie das Fliegen üben. Doch auch die Reisenden werden in Zukunft die virtuelle Realität kennenlernen. Die Zeit der wenig unterhaltsamen Langstreckenflüge könnte somit schon bald Geschichte sein. Während man eigentlich noch auf dem Weg dorthin ist, könnte man virtuell schon einmal den Zielort genauer erkunden – ganz in 3D.

SPORT: Für Sportler könnte sich das Training bald zumindest teilweise von draußen nach drinnen verlagern. Für American Football-Spieler beispielsweise könnte der Quaterback zuhause auf der Couch sitzen und virtuell seine Reaktion testen. Was er auf diese Weise lernt, kann er später beim Training auf dem Feld verfestigen.

SEX: Hier geht es nicht nur um offensichtliche Ideen wie einen virtuellen Stripclub. Für Menschen, die unter sexuellen Schwierigkeiten wie Impotenz oder anderen körperlichen oder medizinischen Störungen leiden, könnte VR eine neue Möglichkeit der Sexualtherapie darstellen.

BESICHTIGUNGEN: Eine Idee, die besonders Architekten und Designern gelegen kommen wird. Ein virtueller Gang durch ein Gebäude könnte durch VR möglich gemacht werden. Auf diese Weise könnte man Probleme bei der Konstruktion erkennen, bevor das Gebäude überhaupt existiert. Auch Änderungen im Design wären so ganz einfach durchzuführen.

FILM: Einen Film auf dem Fernseher oder dem Laptop anzusehen, ist eine tolle Sache. Was aber wäre, wenn man direkt in die Filmwelt eintauchen könnte, quasi eine Art interaktive Geschichte? Die Experten gehen davon aus, dass man sich viel intensiver in die Figuren hineinversetzen kann, wenn man sie dreidimensional vor sich sieht und mit ihnen interagieren kann. Folgendes Video zeigt am Beispiel des Igels „Henry“, wie Forscher sich das vorstellen:

NEWS: Um Nachrichten spannender und greifbarer zu machen, könnte man zu Erklärungszwecken dreidimensionale Animationen hinzuziehen. Auch Beiträge könnten davon profitieren, dass Menschen besser begreifen können, was man versucht ihnen zu vermitteln.


Image (adapted) „VR“ by szfphy (CC0 Public Domain)

Weiterlesen »

Filmen und Fotografieren mit Drohnen: Was Einsteiger beachten sollten

drone-image-by-unsplash-via-pixabay-[CC0 Public Domain]

Dank Smartphone-Apps und Videobrillen erstellen selbst Einsteiger in wenigen Minuten Luftaufnahmen mit Drohnen. Unser Selbsttest hat das eindrucksvoll gezeigt. Doch das Fliegen von Drohnen ist komplexer als nur eine App mit Fingergesten zu bedienen. Wir haben mit Joseph Metz vom Drohnenbranchen-Portal U-ROB darüber gesprochen, was Einsteiger vor dem Kauf und während des Flugs beachten sollten.

Hallo Herr Metz, Sie leiten Schulungen für Drohnenpiloten. Warum ist es keine gute Idee einfach so loszulegen?

Es reicht nicht, nur den Automatik-Modus zu beherrschen. Dank GPS fliegen Drohnen automatisch stabil und verhindern Fehlbedienungen. Ein Problem haben unerfahrene Piloten dann, wenn doch ein Hilfssystem ausfällt und eine manuelle Steuerung nötig ist. Das führt oft zur Bruchlandung. Weil die Automatik in 99,9 Prozent aller Fälle funktioniert, wiegen sich die Anwender in trügerischer Sicherheit. Es ist heutzutage üblich, dass man neue Technik intuitiv ausprobiert. In anderen Bereichen funktioniert das ja auch so. Aber Drohen sind kein Spielzeug, sondern Flugobjekte, die erheblichen Schaden anrichten können.

Was sind typische Anfängerfehler?

Waren die ersten Flugversuche erfolgreich, verlassen sich viele Neupiloten auf die Flugautomatik und konzentrieren sich stattdessen auf den Monitor mit dem Kamerabild. Dabei bemerken sie dann vor lauter Begeisterung zu spät, wenn die Drohne in einen Baum rauscht.

In anderen Fällen wissen Einsteiger nicht, dass der Kompass-Sensor durch die Karosserie von parkenden Autos, Gullideckel, Mobilfunkmasten oder Bewehrungsstahl in Mauern leicht gestört werden kann. Das bringt dann die Schwebeflug-Automatik durcheinander. Möchte dann jemand einen Image-Film von einem Firmengebäude filmen oder als Handwerker das Dach inspizieren, besteht Absturzgefahr. Können Piloten Störfaktoren vorab einschätzen und wissen sie, wie man manuell fliegt, gibt es kein Problem.

Ist es möglich, sich auch ohne Schulung autodidaktisch schlau zu machen?

Wenn Sie wollen, können sie sich tagelang im Web tiefgehendes Wissen über Luftrecht, technische Grundlagen und Störfaktoren anlesen. Wer nur gerade so das Geld für einen Drohnenkauf zusammenbekommen hat und sich keinen Workshop leisten möchte, soll sich lieber dort informieren, als völlig unbedarft loszufliegen. Viele Foren bieten auch durchaus wertvolle Tipps. Aber wie so oft sind sie gleichzeitig auch voll von technischen und rechtlichen Fehlinformationen, die lange Zeit oder nie richtiggestellt werden. Gefährliches Halbwissen eben. Fast täglich stoße ich darauf.

Welche Quellen empfehlen Sie fürs Selbststudium?

Mit einer kurzen Suche findet man bei YouTube diverse Kanäle, die Hardware vorstellen. Beim Abwägen von Kaufentscheidungen sind sie hilfreich. Viele der mir bekannten Betreiber leisten sich aber Schnitzer im Luftrecht. Rechtlich sauber und verbindlich ist eine Broschüre des Bundesverkehrsministeriums.

Welche luftrechtlichen Grundsätze sollten Anfänger beherzigen?

Generell dürfen Drohnen nur tagsüber, also von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang aufsteigen. Langzeitbelichtungen in der Nacht sehen zwar toll aus, sind aber illegal. Fliegt die Drohne außerhalb eines Modellflugplatzes? Dann bitte nur unter 5 Kilo Abfluggewicht. Aber das trifft auf die meisten handelsüblichen Produkte zu.

Bei gewerblichen Einsätzen ist eine Flughöhe von bis zu 100 Metern erlaubt, per Sondergenehmigung geht es auch höher hinaus. Für Freizeitpiloten ist der Luftraum sogar in bis zu 760 Metern Höhe unkontrolliert. Das ist aber nur ein theoretischer Wert. Denn Drohnenpiloten sind verpflichtet, nur in Sichtweite zu manövrieren. Sie müssen Lage und Flugrichtung eindeutig erkennen können. In der Praxis gelingt das mit kleinen, handelsüblichen Drohnen niemanden jenseits von 100 Metern Entfernung.

Wer Drohnen kommerziell einsetzt, also etwa für gewerbliche Filmaufnahmen, braucht eine Aufstiegserlaubnis. Wo es die gibt, hängt vom Bundesland ab. Hier helfen die Broschüre des Bundesverkehrsministeriums und meine Themenseite auf U-ROB weiter.

Brauche ich auch als gelegentlicher Freizeitpilot eine Haftpflichtversicherung?

Einen Versicherungsschutz brauchen Drohnenpiloten immer! Ob privater oder gewerblicher Einsatz – das spielt keine Rolle. Kommt es hart auf hart, sind Schäden oft viel kostspieliger als bei einem Autounfall mit Blechschaden. Das möchte niemand aus eigener Tasche zahlen! Viele der vorhandenen Versicherungspolicen regulieren Schäden durch Modellflüge nur eingeschränkt oder gar nicht. Dies sollte man erfragen und im Zweifelsfall eine Zusatzversicherung abschließen. Für private Zwecke kostet eine Police zwischen 30 und 50 Euro im Jahr, gewerbliche Piloten zahlen nochmals 100 Euro drauf.

Wo sollte ich lieber nicht fliegen?

Es gibt generelle Flugverbotszonen, zum Beispiel rund um Flughäfen und -plätze, Militärstützpunkten und Kernkraftwerken. Als Faustregel gilt ein Abstand von 1,5 Kilometern. Selbst in einem größeren Abstand etwa zu einem Verkehrsflugplatz kann die Flughöhe auf 30 oder 50 Meter begrenzt sein. Rechtlich verbindlich sind Karten auf der Webseite der Deutschen Flugsicherung. Zusätzlich gibt es kurzzeitige Flugverbotszonen, die in diesen Karten nicht verzeichnet sind. Zum Beispiel wurde beim Obama-Besuch 2016 der Luftraum in einem Radius von 55 Kilometern um Hannover gesperrt. Einige Drohnenpiloten wussten das nicht und wurden festgenommen. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Stolperfallen. Fast keiner weiß, dass er etwa nicht über den Rhein fliegen darf, weil es sich um eine Bundeswasserstraße handelt.

Wie vorsichtig muss ich rund um fremde Privatgrundstücke sein?

Schwieriges Thema, das ist eine rechtliche Grauzone. Es ist nicht definiert, in welcher Höhe ein Grundstückseigentümer Überflüge oder Flüge in der Nähe dulden muss. Liegt ein kommerzieller Film- oder Fotoauftrag in der Nachbarschaft vor, sind Drohnenflüge legitim. Ein grundsätzliches Verbot oder eine Genehmigungspflicht gibt es nicht. Aber: Fühlt sich ein Anwohner durch Lärm oder in seiner Privatsphäre gestört fühlt, gewichten Gerichte dessen Persönlichkeitsrecht mitunter höher. Allein um des lieben Friedens willen sollten Piloten daher vor dem Drohnenstart das Gespräch suchen. Spätestens anhand solcher Beispiele erkennt man, wie komplex das Luftrecht ist – auch für Freizeitpiloten.

Ist Fliegen doch nicht so einfach, wie es die Werbeaussagen von Drohnenherstellern á la „Anyone can fly“ suggerieren?

Solche Werbeaussagen zeichnen nicht das ganze Bild. Natürlich kann jeder dank Hilfssystemen innerhalb weniger Minuten abheben. Schon aus Eigeninteresse speichern die Hersteller auch Flugverbotszonen in das Kartenmaterial der Drohnen. Das geschieht aber manchmal halbherzig. Mir ist ein Modell bekannt, mit dem man praktisch bis auf die Landebahn eines großen deutschen Flughafens vordringen konnte, bevor die Sperre griff. Nur wer sich als Pilot selbst mit dem Luftrecht auskennt, geht auf Nummer sicher und macht sich im Zweifel nicht strafbar.

Worauf sollten Einsteiger beim Drohnenkauf achten?

Zuallererst sollten sie nicht am falschen Ende sparen. Empfehlenswerte Freizeitmodelle gibt es ab 300 Euro, Profi-Drohnen ab rund 1000 Euro. Die Hardware-Daten sind häufig ebenbürtig, daher fällt die Wahl oft auf das scheinbar preiswertere Angebot. Hundert Euro Ersparnis sind aber ein schwacher Trost, wenn fehlerhafte Software zu Abstürzen führen kann. Ich habe selbst schon bei einer Drohne eines führenden Herstellers erlebt, dass sie beim Wechsel von Automatik zu manueller Steuerung eine falsche GPS-Position annahm und mit Vollgas in die falsche Richtung flog. Viele Produkte stecken voller Kinderkrankheiten. Einsteiger legen sie dann schnell unglücklich beiseite.

Wie kann ich als Käufer schlecht programmierte Drohnen erkennen?

Das kann man auf dem Papier nicht ablesen. Gerade für Einsteiger ist es tatsächlich noch schwer, diesen jungen Markt zu Überblicken. Verlässliche Referenzlösungen gibt es nicht. Die Online-Shops quellen über vor billigen Nachbauten. Auch die Infrastruktur für Beratung, Handel und Service ist erst im Aufbau. Modellbauhändler und Elektronikmärkte haben in der Regel noch zu wenig Know-how. Eine eigene Webrecherche auf einschlägigen Testseiten ist unverzichtbar. Im Idealfall finden Interessierte bereits einen spezialisierten Händler oder erfahrenen Drohnenpiloten in der Region, die Testflüge ermöglichen.

Kann die Drohnenfliegerei vor diesem Hintergrund überhaupt ein massentaugliches Thema werden?

Zivile Drohnen sind ja schon ein Milliardenmarkt. Den notwendigen Sprung in der technologischen Entwicklung haben wir hinter uns. Wir sind jetzt in einer Phase von inkrementellen Innovationen. Alles wird noch ausgereifter. Ich gehe auch davon aus, dass die Zahl der Hobbyflieger nicht mehr stark wachsen wird. Es ist ein Thema für gewerbliche Anwender, die heutzutage für Luftaufnahmen oder Spezialmessungen für die Anschaffung der Drohne nur noch ein Zehntel dessen ausgeben müssen, was vor ein paar Jahren anfiel.

Für wen lohnen sich Kameradrohnen?

Dachdecker und andere Handwerker sind eine sehr große Zielgruppe. Mit Drohnen können sie Dächer prüfen, ohne auf einer Leiter hochzuklettern. Landvermesser, Inspekteure von Brücken und Hochspannnungsleitungen sowie Landwirte sind eine kleine, aber wachsende Kundschaft. Bildjournalisten sehen Kameradrohnen natürlich auch immer öfter als Arbeitswerkzeug, weil sie keine Cessna-Piloten mehr beauftragen müssen.

Was muss ich als Journalist oder Blogger investieren, um fit in der Drohnenfliegerei zu werden?

Rund 2.500 Euro sind eine übliche Größenordnung für die Erstausrüstung inklusive Zubehör. Etwa 20 bis 25 Flugstunden Trainingspensum sollte man mindestens einplanen. Dann hat man genügend Grundroutine, um einfache Aufträge zu absolvieren. Richtig gute Filmaufnahmen setzen aber viel mehr Übung und Know-how voraus. Das ist ein Thema für sich.

Danke für das Gespräch.

Über den Experten

Speaker Sebastian Kluth
Joseph Metz

 


Joseph Metz schult Drohnenpiloten, vertreibt und repariert Drohnen und informiert rund um das Thema auf seiner Webseite U-ROB. Das Thema fasziniert ihn seit 13 Jahren. Sein Quereinsteiger-Werdegang ist typisch. Der Hobby-Modellflieger und gelernte Industrieelektroniker montierte 2003 erstmals Digitalkameras an Modellflugzeuge. Diese Form der Luftfotografie professionalisierte er weiter und gründete 2005 sein erstes Unternehmen. 2011 stieg er mit der Height-Tech GmbH in die Produktion von Industriedrohnen ein, beide Unternehmen wurden 2014 an die SPECTAIR GROUP verkauft. Anschließend gründete er die U-ROB GmbH in Bielefeld als Schulungs- und Beratungsunternehmen für professionelle Anwender.


Image: „Drone“ by Unsplash (CC0 Public Domain)
Images by Joseph Metz


Weiterlesen »

Warum Drohnen in Zukunft zur Gefahr werden könnten

Drone (Image by Harald_Landsrath[CC0Public Domain] via Pixabay)

Drohnen werden aufgrund ihrer tollen Luftaufnahmen immer beliebter. Sie bieten eine neue Perspektive,  mit der man hinter Zäune schauen und die Welt von oben betrachten kann. Zudem werden sie technisch immer ausgefeilter und durch die sinkenden Preise auch für durchschnittliche Verbraucher interessant. Außerdem werden sie für viele praktische Einsätze wie zur Paketzustellung oder zur Inspektion von Brücken genutzt. Doch neben den vielen positiven Aspekten muss man sich auch über ihre Gefahren bewusst sein. Sie werden nämlich auch häufig unsachgemäß genutzt oder sogar missbraucht, vor allem in der Nähe von Flughäfen kann ihre Verwendung sehr gefährlich werden.

christian-caballero_
Christian Caballero findet die Kennezeichnungspflicht für Drohnen sinnvoll.(Image by Christian Caballero)

Christian Caballero ist Geschäftsführer der Caballero & Hesselbarth Consulting GmbH. Seine Leidenschaft sind Entrepreneurship und Innovationen im Bereich unbemannte Luftfahrt. Vor seinem Studium zum Sicherheitsmanagement war er Offizier bei der Bundeswehr. Dort erlangte er durch seine internationale Ausbildung Spezialwissen aus den verschiedensten Bereichen der Luftfahrt.

Caballero weiß, dass ein gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr schwerwiegende Folgen haben kann und sich dessen nur wenige Nutzer bewusst sind. „Ein Gefährdungspotential geht dennoch vom Gerät selbst und vom Nutzer aus. Betrachten wir es sachlich, können die Propeller eines ,Multikopters‘ verheerende Verletzungen hervorrufen.“, sagt er.

Auch deutsche Sicherheitsbehörden betrachten Drohnen mit Skepsis, da sie für terroristische Angriffe verwendet werden könnten. Laut einem Sprecher des Bundeskriminalamtes (BKA) reichen denkbare Szenarien, die von Drohnen ausgeführt werden können, von Störungen von Veranstaltungen über Ausspähungen bis hin zu möglichen terroristischen Anschlägen, zu denen auch Großveranstaltungen gehören können. Das BKA verfügt bereits über eine Stelle, die den Markt für Drohnenabwehrsysteme beobachtet und Erkenntnisse über das Aufspüren und Abwehren der Länder und des Bundes bündelt.

Drohnen können ohne Probleme mit explosivem Material, giftigen Gasen oder nuklearen, chemischen und biologischen Stoffen ausgestattet werden. Es gab in Deutschland bisher zwar noch keine Terrorangriffe mit Drohnen, aber das BKA hält Großveranstaltungen jeglicher Art für ein wahrscheinliches Ziel. Auch Caballero geht davon aus, dass eine Drohne in Deutschland missbräuchlich für einen Anschlag genutzt werden kann. Jedoch lässt sich seiner Meinung nach die Eintrittswahrscheinlichkeit für einen solchen Fall in Deutschland schwer ermitteln. Sie korreliere jedoch mit der stetig wachsenden terroristischen Bedrohung in unserem Land.

Um dem missbräuchlichen Gebrauch von Drohnen entgegenzuwirken, werden zurzeit viele Drohnen-Abwehrmaßnahmen getestet. Laut Caballero ist die Vision einiger Entwickler ein umfassendes  „Geofencing“ und diese trifft als virtueller Zaun die Sicherheitsbedürfnisse einiger außenstehender Parteien. „Weiterhin wird an einem neuen ,Air-Traffic-Management-System‘ gearbeitet, um den Luftverkehr auch in den unteren Höhen kontrollieren oder besser gesagt leiten zu können.“, erklärt Caballero.

Aufgrund der vielen Zwischenfälle mit Drohnen möchte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die Nutzung nun strenger regeln. Deshalb müssen zukünftig alle Geräte ab 250 Gramm mit einem Kennzeichen ausgestattet werden, auf dem der Name und die Adresse des Eigentümers stehen. Dadurch sollen die Eigentümer bei Missbrauch oder Unfällen identifiziert werden können.

Christian Caballero findet diese Kennzeichnungspflicht sehr sinnvoll. Er fügt hinzu, dass auf dem Markt und unter den tragenden Verbänden dieser Branche große Einigkeit bestehe, dass es auch eine Ausbildung für die Nutzer geben soll. Seiner Meinung nach sollte es für die Integration in den zivilen Luftraum vor allem Aufklärungsarbeit und präventive Maßnahmen geben, sodass Nutzer eine Art Luftfahrtbewusstsein entwickeln und sich umfänglich mit den Regeln und Pflichten vertraut machen.

Eine andere Abwehrmaßnahme ist das Fangen von Drohnen mithilfe von Greifvögeln. In den Niederlanden wird dies bereits von dem Projekt „Guards from Above“ ausprobiert. Der Vorteil an der Maßnahme ist, dass die Drohne sofort außer Gefecht ist, sicher von dem Adler entfernt wird und nicht unkontrolliert vom Himmel stürzt.

Drone interception (Imagy via Guard From Above- Maarten van der Voorde)
Drone interception (Image via Guard From Above- Maarten van der Voorde)

Der tierische Instinkt von Greifvögeln ist einzigartig, sie können mühelos schnelle Beute überwältigen. „Die Greifvögel haben Schuppen auf ihren Krallen, die sie auf natürliche Weise vor den Bissen ihrer Opfer schützen. Es besteht also keine Gefahr beim Fangen von COTS Drohnen (Commercial off-the-shelf drones).“, erklärt Sjoerd Hoogendoorn, CEO und Gründer des Projekts. Für das Fangen von besonders großen und professionellen Drohnen sucht das Unternehmen bereits nach einer zusätzlichen Möglichkeit, die Vögel zu beschützen. Inzwischen wurden hunderte Drohnen während der Trainingseinheiten gefangen. Dabei wurde kein einziger Vogel verletzt – einige Drohnen aber durchaus.  

Die Vögel werden jeden Tag von Experten trainiert. Bis ein Vogel eine Drohne erfolgreich fängt, vergeht im Schnitt ein Jahr. Dies sei aber von Vogel zu Vogel unterschiedlich, so Hoogendoorn. Er führt aus, dass man die Vögel nicht dazu zwingen kann, Drohnen zu fangen. Wenn sie keinen Spaß daran hätten, würden sie es nicht machen. Wird eine Drohne erfolgreich gefangen, werden die Vögel mit Futter belohnt.

Ein Aspekt, der bei der zunehmenden Nutzung von Drohnen ebenfalls sehr wichtig ist, ist der Schutz der Privatsphäre. Fakt ist, dass diese Geräte den Benutzern Einblicke ermöglichen, die man sonst nicht so einfach bekommt. Daher scheint es schon fast eine logische Schlussfolgerung, dass es immer mehr Drohnen geben wird, so Caballero. Derzeit würden in Deutschland etwa 400.000 Drohnen genutzt und nach Angaben des Instituts für unbemannte Systeme (IuS) werden es bis 2020 vermutlich noch mal 2 Millionen sein.

Caballero ist überzeugt, dass diese Problematik auch Auswirkungen auf unsere Privatsphäre haben wird: „Die Nutzer müssen den Begriff ,Privatgrundstück‘ einfach nur respektieren und diese Bereiche meiden oder sich für dort eine Genehmigung erteilen lassen. Der grundsätzliche Überflug über ein Grundstück ist nicht verboten, jedoch kann dies schnell zu einer Irritation führen, da für den Nutzer nicht klar ist, was die Kamera gerade anschaut“. Denn schließlich, fasst Caballero zusammen, will sich niemand einer fremden Beobachtung ausgesetzt wissen. Neugierige sollten sich über die Geldstrafen für diese Handlungen bewusst sein. Man darf gespannt sein, wie sich die Haltung hierzu in Zukunft entwickelt.


Image „Drone“ by Harald_Landsrath (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Fliegen muss wieder bewusster als Privileg wahrgenommen werden

man(image by gratisography.com[CC0 Public Domain] via Pexels)

In den vergangenen vier Monaten habe ich 30.228 Kilometer* (*= per Luftlinie, laut entfernung.org) in Flugzeugen zurückgelegt. Meine Reisen umfassten Städte wie Paris und Moskau, das westsibirische Tyumen, die Rheinmetropolen Köln und Düsseldorf, mein geliebtes München, Amsterdam und Exoten wie San Francisco und Belgrad. Vor acht Jahren bin ich das erste Mal geflogen und es ist immer noch aufregend für mich, so zu reisen (und der Millennial in mir freut sich, es sich überhaupt leisten zu können).

Mein erster Flug war von Venedig nach Berlin und zurück, während der Ferien meines Auslandssemesters – und das für zusammen gerade mal 58 Euro. Fliegen ist inzwischen ein fast schon alltägliches Massenphänomen geworden, was auch an den niedrigen Preisen liegt. Auch heutzutage zahlt man meist weit unter 100 Euro für Flugreisen in Europa. Dadurch ist die sogenannte „Generation easyJet“ entstanden, mit Auswirkungen auf Städte wie Berlin und vermeintlicher Gestaltungsmacht (was rückblickend zu diskutieren sein wird).

Mit den Flugpreisen sanken auch das Niveau und der Stil beim Fliegen

Der Trend zum billigeren Reisen nimmt zu, selbst Marken wie die Lufthansa nehmen sich an den Billigfliegern ein Vorbild. Nichtsdestotrotz stehen uns spannende Evolutionsschritte der Luftfahrt bevor, wie Nils-Viktor Sorge in einem Ranking an Alternativen für die Luftfahrt auflistet. Weniger spannend ist die Entwicklung des Reisens selbst, denn es hat definitiv an Stil verloren. Die Anfänge kommerzieller Flugreisen wirken in Filmen wie „Catch me if you can“ oder der Fernsehserie „Mad Men“ wesentlich stilvoller.

Christopher Muther vom Boston Globe verglich das Fliegen in den 1960er und 1970er Jahren mit Cocktailpartys, für die sich die Fluggäste sogar passend kleideten. Und auch wenn ich als jemand, der gerne ein Hemd mit einem Hoodie kombiniert, sicher keine Stilikone bin, ist mir auf den vergangenen Reisen stark aufgefallen, wie unglamourös Flugreisen geworden sind. Für mein Nackenstützkissen schäme ich mich nicht, dazu hat es sich als zu wertvoll erwiesen, aber manche Menschen lassen sich auf Flügen regelrecht gehen.

Einige Fluggäste quetschen sich in die viel zu kleinen Sitze der Economy Class, um zu schlafen, wie sie es am bequemsten finden – ohne Rücksicht auf die Menschen neben oder hinter ihnen, geschweige denn die Konstruktion ihres Sitzes. Genau die Menschen, die während des Flugs ihre Schuhe ausziehen oder den ganzen Flug über das Licht und die Unheil bringende Lüftung anlassen. Und man muss fast schon hoffen, dass Menschen sich für Flüge nicht mehr bewusst anziehen. Den Pyjama von neulich möchte ich gerne als Versehen abtun können.

Menschen reagieren auf den Raum, in dem sie sich befinden

Bevor ich aber mit meinen 31 Jahren noch mehr nach einem zornigen alten Mann wie Harald Martenstein klinge, folgt der Versuch, einen Rückschluss aus den eigenen Beobachtungen ziehen zu können: in allen Beförderungsklassen sollte mehr Platz zur Verfügung gestellt werden, damit Menschen sich nicht so wie im Absatz zuvor beschrieben benehmen müssen, um einen längeren Flug ertragen zu können (und bevor ich es vergesse, sollte noch festgehalten werden, dass es sowieso kostenlose Internetverbindungen auf allen Flügen braucht).

Es gibt eine Wechselbeziehung zwischen den Menschen und dem physischen Raum, in dem sie sich befinden. Wie ein Raum gestaltet ist, hat Einfluss auf das Verhalten der Menschen, die sich darin befinden. Der Raum definiert den Handlungsrahmen, in dem Menschen interagieren können. Wie Menschen sich in Flugzeugen benehmen, den Flug an sich wertschätzen, hat etwas mit dem Platz zu tun, der ihnen zur Verfügung gestellt wird. Dies sollten die Designer von Flugzeugkabinen zu unser aller Wohl bedenken.

Die Raumkonstitution ist aber ein sehr komplexer Prozess, wie es Nina Baur auf dem Blog der Deutschen Gesellschaft für Soziologie formuliert. Denn neben der Gestaltung des Raumes, spielt auch unsere Wahrnehmung eine Rolle und wie wir ihn nutzen. „Menschen machen sich den Raum zu Eigen, wobei sie das zweifach tun – sie eignen sich im Rahmen der Sozialisation durch Raumpraktiken spezifische Raumvorstellungen an (…) und sie eignen sich den Raum dann noch einmal in der konkreten Interaktionssituation an“, wie Baur schreibt.

Wir sollten Fliegen wieder wertschätzen!

Bei der Raumproduktion sind die Designer gefragt. Wir Fluggäste können unseren Teil bei der Raumaneignung und –nutzung leisten, damit Fliegen wieder angenehmer und auch etwas stilvoller wird. Ich freue mich auch über niedrige Preise, aber innerhalb Deutschlands sollte man schon aufgrund des Umweltschutzes lieber mit der Bahn oder dem Fernbus statt mit dem Flugzeug reisen. Dies kann auch einmal länger dauern, aber gerade Bahnfahrten können produktiver und erholsamer sein. Vor allem, wenn das angebotene WLAN auch funktioniert.

Muthers Vergleich mit der Cocktailparty scheint nach heutigen Vorstellungen eher etwas antiquiert, aber sich etwas umsichtiger (sowohl in der Kleiderwahl als auch im Benehmen) und kommunikativer (aber bitte nach diesem Entwurf von Kristen Berman und Dan Ariely, wie man auf einer Dinnerparty mit Gästen reden sollte), auf einer Flugreise zu benehmen, kann nicht schaden. Die niedrigen Preise sollten uns nicht vergessen lassen, welch Privileg es heutzutage für viele Menschen ist, fliegen zu können.

Gleiches gilt für den Kundenservice von easyJet, der mehr sein sollte als der Handlanger der Finanzabteilung. Etwas mehr Kulanz würde dem Unternehmen, mit dem ich nach drei Vorfällen in den letzten vier Monaten aus Prinzip nicht mehr fliege, gut tun. Und an alle, die jemals vor mir im Flugzeug sitzen: Bitte fragt vorher nach, ob es für mich in Ordnung ist, dass ihr eure Rückenlehne nach hinten klappt. Vielleicht möchte ich vorher meinen Laptop oder Tomatensaft an mich nehmen, damit ihr dies ohne negative Folgen für mich tun könnt.
Vielen Dank.


Image „Flug“ by gratisography.com (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Das Zeitalter der Drohnen ist da

Drone 2 (adapted) (Image by Michael MK Khor [CC BY 2.0] via Flickr)

Nur weil Sie vielleicht noch keine Drohne über Ihrem Kopf entdeckt haben, heißt das nicht, dass sie Sie nicht gesehen hat. Diese unbemannten Luftfahrzeuge werden, wie neulich durch die Tötung zweier britischer Dschihadisten demonstriert wurde, immer öfter vom Westen als Frontliniengeschütze eingeführt.

Tausende werden bereits in den modernen Ländern eingesetzt, man kann also davon ausgehen, dass es noch Hunderttausend Größen und Formen geben wird, die von den Medien, Notfallservices, Wissenschaftlern, Farmern, Sportfans, Bastlern, Fotografen, dem Militär und den Geheimdiensten eingesetzt werden. Und vielleicht wird die Werbung alle anderen Einsatzgebiete in den Schatten stellen. Amazon verspricht eine Lieferung per Drohne innerhalb von 30 Minuten. Domino’s Pizza hat ebenfalls eine Drohnenlieferung eingeführt. Über 20 Unternehmen haben mittlerweile angesagt, dass sie Werbedrohnen nutzen werden, und das gilt nur für die USA. In den Entwicklungsländern kommen noch mehr dazu.

Die Frage ist, ob der Drohnenboom sich schneller entwickelt als die Gesetzeslage. Wie soll man solch eine Ausbreitung in die momentanen Regulierungen einpflegen? Die Antworten müssen alsbald in nationale und internationale Gesetze fließen, um einen zunehmend bevölkerten Himmel beherrschen zu können. Es müssen vielleicht einige bestehende Regeln optimiert werden, inklusive derer der Netzsicherheit, Stalking, Privatsphäre, Menschenrechte, Versicherungen, Vertrags- und Handelsrecht, sowie die Kriegsregeln.

Es haben bereits zahlreiche Verdächtige oder gefährliche Anwendungen von Drohnen, beispielsweise fanden illegale Flüge über sieben Stromkraftwerke in Frankreich statt, man unterbrach die Arbeit der Helfer bei Walddbränden in den USA und sieben Beinahezusammenstöße an Flughäfen in Großbritannien. In den USA wurden Drohnen von Landbesitzern abgeschossen. Die Fälle kamen vors Gericht und führten zu Urteilen über Hausfriedensbruch, dem Recht auf Privatsphäre und Sachbeschädigung.

Kleinteilige Gesetzesänderungen reichen nicht aus

Schon während der ersten Ballonflüge der Mongolfier-Brüder im Jahr 1784 reagierte der französische Gesetzgeber sofort mit einer polizeilichen Anordnung. Man verbot schlichtweg alle Ballonflüge über Paris ohne Sondererlaubnis. Auf diese Weise definierten einige Staaten, wie und wann sie Drohnenflüge auf ihrem Gebiet verbieten wollen. Bisher war die juristische Entwicklung auf diesem Gebiet nicht sehr erfolgreich, die meisten Länder haben bisher nichts unternommen.

Und wieder war es Frankreich, das als erstes Land eine verpflichtende Gesetzgebung eingeführt hat, um im Jahr 2012 mit einem Dekret diese in den rechtlichen Bereich des Zivilflugs zu bringen. Drohnen dürfe nun 50-150 Meter in die Höhe steigen. Bei rechtwidriger Nutzung einer Drohne drohen bis zu fünf Jahre Haft und eine Geldstrafe von bis zu 75.000 Euro. Im Jahr 2012 verabschiedete der US-Kongress im Federal Aviation Authority (FAA) einen Reformakt, mit dessen Hilfe bis Ende September 2015 zivile Drohnen in den nationalen Luftraum integriert werden sollen. Die italienische Zivilluftfahrtbehörde gab im April 2014 eine Regelung für kommerzielle Drohnen heraus. Das Gesetz regelt grob, wie die Betreiber Datenschutz und Versicherungen handhaben müssen. In der Zwischenzeit hat die viel diskutierte italienische Firma Hacking Team Drohnen entwickelt, die Spionagesoftware an Computer und Smartphones ausliefert, indem sie sie via WLAN anzapft.

Großbritannien hat noch immer Schwierigkeiten damit, die Drohnen rechtlich einzuordnen, denn weder der Civil Aviation Act noch die Air Navigation Order greifen hier. Das Verkehrsministerium hat vor kurzem bekanntgegeben, dass es Strafen bis zu 2.500 Pfund erlässt, wenn Drohnen in besiedelte Gegenden gelenkt werden. Ein wenig mehr Klarheit gibt es hier bei dem unbemannten Luftfahrtsystem im US-Luftraum der CAA. Hier müsse sich die Drohnenflieger in direkter Sichtlinie zu den Drohnen befinden, die maximale Flughöhe ist auf 120 Meter beschränkt. Kleinere Drohnen müssen jederzeit Platz für bemannte Flugzeuge freigeben.

Dem Gesetz entgegen

Die International Civil Aviation Organisation (ICAO) möchte ein Gesetz einführen, um den zivilen Drohnenflugverkehr bis zum Jahr 2018 weltweit zu regulieren. Die EU und die USA haben ein erstes Abkommen zur Zusammenarbeit im zivilen Luftverkehr unterzeichnet. Dennoch ist es schwierig, einen Konsens zu finden. Es kann einige Jahrzehnte dauern, bis man ein weltweit umfassendes Abkommen getroffen hat.

Der letzte internationale Luftfahrtvertrag ist die Chicago-Konvention aus dem Jahr 1944. Hier wurden die Standards für den allgemeinen Luftverkehr zwischen den Nationen festgelegt, beispielsweise besitzt jede Nation die Souveränität über ihren Luftraum. Es darf kein vom Staat betriebenes Fluggerät (bspw. militärisch oder polizeilich) unauthorisiert über das Gebiet fliegen. Man muss außerdem verbindliche Luftfahrtregelungen festlegen. Zudem müssen die Fluggeräte erkennbare Registrierung vorweisen können.

Bei Drohnen ist es noch unklar, welche Typen und Größen registriert werden müssen und bei welchen man die Länderzugehörigkeit erkennen können muss. Es gibt Drohnen, die so groß sind wie ein kleiner Vogel oder sogar nur so groß wie eine Münze, die die Grenzen nahezu unsichtbar überwinden können. Natürlich müssen diese Probleme sofort mit einem neuen Vertrag geregelt werden, genau wie damals in Chicago im Jahr 1944.

Drohnenkrieg gegen Gesetzeskrieg

Für viele sind Drohnen typischerweise für den militärischen Einsatz in Afghanistan und dem Irak gedacht. Es heißt, die USA habe 7.000 Drohnen in Afghanistan, denn der größte Teil der neuen Entwicklungen in de Drohnentechnologie kommt direkt dem Militär zugute.

Sukzessive werden die US-Regeln in Hinblick auf drohnengesteuerte Tötungen als eine der ungeheuerlichsten Einsätze der Menschheit eingehen. Man verlor tausende Leben in einem unklaren Konflikt, indem man gegen undeutliche Gegner wie Al-Quaida und die ISIS-Anhänger vorgehen wollte. Die einzige Legitimation schienen die morgendlichen Treffen im Weißen Haus darzustellen.

Die American Civil Liberties Union hat dies neulich angesprochen. Hier wurde betont, dass das “zielgerichtete Mordprogramm nicht nur gesetzeswidrig, sondern auch gefährlich” sei, “es ist gefährlich, den ganzen Planeten als ein einziges Schlachtfeld zu betrachten.” Ein neuerlicher Schlag der britischen Royal Air Force (RAF) war eine gelenkte Drohnenattackte auf einen britischen Bürger. Dennoch wurden die britischen Drohnen von Reaper im Januar 2015 im Irak um ein Drittel aufgerüstet.

Die todbringende Drohnentechnologie wird bald in allen Ländern erreichbar sein. Die Möglichkeit, dass auch nur ein paar Dutzend Staaten dem eingeschlagenen Weg folgen könnten, den die USA vorgelegt hat, ist wirklich beängstigend. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt, oder vielmehr fliegt es hinaus.

Dieser Artikel erschien zuerst auf theconversation.com und steht unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) „Drone 2“ by Michael MK Khor (CC BY 2.0)


 

Weiterlesen »