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Blockchain-Startup Bitwala hält an Plänen für Krypto-Bank fest

Bitcoin

Krypto-Währungen wie Bitcoin oder Ethereum sorgen derzeit mit steilen Kursgängen und dem möglichen Aufbau einer Blase für Schlagzeilen. In den Hintergrund rückt, dass die zugrunde liegende Blockchain-Technologie nicht als Spekulationsvehikel geschaffen wurde, sondern als Ansatz, den elektronischen Zahlungsverkehr zu revolutionieren. So erlaubt die dezentrale Datenorganisation der Blockchain-Technologie, Geld grundsätzlich schneller, günstiger und sicherer zu überweisen. Das Fintech-Startup Bitwala hat ein solches Konto der neuen Generation im Angebot und strebt sogar den Bankstatus an.

Gegenwind aus dem traditionellen Bankensektor durchkreuzte dieses Vorhaben bisher. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Im Gespräch mit den Netzpiloten auf der High-Tech Partnering Conference in Bonn bekräftigte Bitwala-CEO Jörg von Minckwitz die Ambitionen des Startups.

Investor HTGF stärkt Bitwala den Rücken

Anfang dieses Jahres musste das junge Startup am eigenen Leib erfahren, wie hart umkämpft der Finanzmarkt ist. Der Traum von der eigenen Krypto-Bank scheiterte im ersten Anlauf, aufgrund plötzlicher Unstimmigkeiten mit Partnern, wie die Bitwala-Führung in diesem Blog-Beitrag erklärt. Laut von Minckwitz sei das vor allem auf die Angst einiger Unternehmen zurückzuführen, die gegen nicht regulierte Märkte wie Kryptowährungen vorgehen. Im Laufe dieses Jahres will Jörg von Minckwitz mit dem Bitwala-Team jedoch weitermachen und die Idee der ersten Krypto-Bank doch noch umsetzen.

Unterstützt wird das junge Start-up-Team ungeachtet des Rückschlags vom High-Tech-Gründerfonds (HTGF), dem größten Seedinvestor Deutschlands. Der HTGF fördert junge Technologie-Unternehmen wie Bitwala und stellte auf der 9. High-Tech-Partnering Conference in Bonn den Kontakt zwischen gestandenen Unternehmen und Start-Up-Gründern her.

Dass vor allem bei jungen Gründern nicht immer alles nach Plan laufen kann, ist Alexander von Frankenberg, Geschäftsführer des HTGF, dabei bewusst. Im Gespräch erzählt er, dass es immer wieder Planabweichungen, Krisen und Rückschläge geben könne. „Was wir in solchen Fällen signalisieren, sind keine Zweifel am Team oder dem Projekt, sondern Ruhe und Gelassenheit. Wir unterstützen unsere Gründer, indem wir ihnen zur Seite stehen und in solchen Fällen gemeinsam einen Restart planen.“

Bitwala-CEO Jörg von Minckwitz
Mit den Netzpiloten sprach Jörg von Minckwitz, Mitgründer und CEO des Fintech-Startups Bitwala über die Blockchain als Zukunftstechnologie. Image by High-Tech Gründerfonds

Wie Überweisungen einfacher und sicherer werden sollen

Das Vertrauen in das große Marktpotenzial der Blockchain-Technologie ist bei Bitwala und dem HTGF ungebrochen. Bei der Blockchain-Technologie handelt es sich um eine stark verschlüsselte Datenbank, die auf tausende Server verteilt, also dezentral, ist. Das bietet zum einen den Vorteil, dass Fintech-Unternehmen wie Bitwala für die Durchführung der Transaktionen nicht auf die Infrastruktur einiger weniger marktbeherrschender Zahlungsanbieter angewiesen ist.

Dadurch können Transaktionen grundsätzlich günstiger abgewickelt werden, was sich auch in geringeren Gebühren für Endkunden niederschlagen kann. Außerdem ist diese Art des Zahlungsverkehrs besser vor Transaktionsbetrug und Datendiebstahl bei Hackerangriffen gefeit. Fallen Server aus, sind die Daten immer noch vorhanden, weil sie sich auf immer noch tausenden anderen Servern befinden und in Echtzeit synchronisiert werden.

Blockchain kann alle Lebensbereiche revolutionieren

Nicht nur Kryptowährungen und deren Transaktionshistorie lässt sich innerhalb der dezentralen Datenbank verschlüsselt sichern. Die Blockchain könnte das Leben aller Menschen verändern und vereinfachen. Im Gesundheitswesen ließen sich beispielsweise Patientenakten und Untersuchungsergebnisse sicher ablegen und nur von denjenigen Personen aufrufen, die dazu berechtigt sind.

Auch im Bereich Identitätsmanagement kann die Blockchain für mehr Sicherheit und weniger Papierkram sorgen. Da die Blockchain manipulationssicher ist, können Behörden beispielsweise Geburtsurkunden und Melderegister innerhalb der Blockchain ablegen. Universitäten und Hochschulen könnten über die Blockchain Abschlüsse und Zeugnisse sichern, sodass Absolventen und Arbeitgeber auf fälschungssichere Dokumente zugreifen.

Die meisten Anwendungsbeispiele für Blockchain sind jedoch Zukunftsmusik. Aktuell und deutlich realer sind hingegen Peer-to-Peer-Möglichkeiten, die die Blockchain schon jetzt bereithält. Gemeint sind damit direkte Transaktionen zwischen zwei Personen, also etwa das Überweisen von Geld. Das ist auch das Geschäftsmodell von Bitwala.

Blockchain ist keine Bubble, sagt Bitwala

Bevor die Blockchain allerdings zur Lösung aller Menschheitsprobleme werden kann, wird wohl noch viel Zeit vergehen. Jörg von Minckwitz hat in den vergangenen Wochen vor allem die aufkommende Regulierungsdiskussion zur Blockchain verfolgt. Hier stünden immer wieder Fragen nach Haftbarkeit im Raum. Laut von Minckwitz sei dafür eine gewisse Form von Zentralität notwendig. Hinzu käme die Problematik, dass Menschen ein gewisses Vertrauen in Systeme aufbauen müssten. Das sei deutlich schwieriger, als interpersonelles Vertrauen herzustellen. Bei einem ist sich der junge Gründer allerdings ganz sicher: „Blockchain ist nicht die nächste Bubble. Das System wird sich eigenständig weiterentwickeln und optimieren. Ob wir das wollen oder nicht.“

Dieser Text entstand in Zusammenarbeit mit dem High-Tech Gründerfonds.


Teaser Image by zapp2photo / stock.adobe.com; Image by High-Tech Gründerfonds


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Wallets, Portfolios, Spiele: die besten Bitcoin-Apps fürs iPhone

Büro, Steuern, Geschäft, Finanzen (adapted) (Image by FirmBee [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Während der Bitcoin sein Kursziel für 2017 längst übertroffen hat und Satoshi Nakamoto, Erfinder des Bitcoins, irgendwo in sich hinein grinst, kommen für uns Nutzer immer mehr Bitcoin-Apps auf den Markt. Das Angebot reicht von der Brieftaschen-App für virtuelle Währung über Bezahl-Anwendungen bis hin zu Spiele-Apps. Wir haben eine kleine Übersicht mit den besten Bitcoin-Apps für Kryptowährungs-Einsteiger zusammengestellt.

Für den Start: Wallet-Apps 

Um loszulegen, benötigt ihr erst einmal ein Konto für eure virtuelle Währung. Mit den sogenannten Wallet-Apps könnt ihr Bitcoin oder andere virtuelle Währungen kaufen, aufbewahren und ausgeben. Der Unterschied zu einem normalen Konto: Bitcoin-Wallets speichern die privaten Sicherheitsschlüssel, die ihr für alle Transaktionen benötigt.

Coinbase ist wohl eine der beliebtesten Anwendungen für den Handel mit virtueller Währung, auch wenn sie sich seit rund zwei Jahren nicht mehr als Wallet verstehen möchte. Die Coinbase-App hat soeben Snapchat, Instagram und YouTube als gefragteste Software im Apple App Store abgelöst. Ebenfalls sehr beliebt: Das Urgestein Blockchain, das nutzerfreundlich gestaltete Bread und Xapo.

Bitcoin-Apps überholen Snapchat und Instagram
Die App Coinbase überholt Snapchat und Instagram im App Store. Screenshot by Lena Simonis

Letzteres ist vor allem aus Sicherheitsgründen zu empfehlen, da hier unter anderem Offline-Server eingesetzt werden. „Deep cold“ nennt Xapo das. Generell sind iOS-Wallets nämlich „Hot-Wallets“, da sie sich auf einem mit dem Internet verbundenen Gerät befinden.

Tipp: Hot Wallets sind anfälliger für Angriffe, da Hacker über das Internet auf Geräte zugreifen und diese infizieren können. Am sichersten speichert ihr euer Wallet also auf einem Offline-Gerät oder auf Papier. Übrigens: Auch iPhones mit Jailbreak sind anfälliger für Hackerangriffe, hier ist besondere Vorsicht geboten.

Für Investoren: Portfolio-Apps

Nach den „Cool-Kids“ haben nun auch die Investoren angebissen und tragen fleißig zum Kursanstieg des Bitcoins bei. Mit Portfolio-Apps behaltet ihr die Übersicht über eure Investitionen in virtuelle Währungen. Einer der bekanntesten Portfolio-Checker ist Blockfolio, das vor allem mit einem Preisalarm und der Funktion “Set and Forget“ punktet. Für den fortgeschrittenen Kryptowährungs-Händler eignet sich CoinTracking. Die Bitcoin-App bietet nicht nur hübsche Tortendiagramme und Echtzeitanalyse von Gewinn- und Verlust zahlreicher Kryptowährungen, sondern sogar detailierte Reportings für die Steuererklärung.

Bitcoin-Apps
Blockfolio verschafft einen Überblick über alle Kurse zu Kryptowährungen. Screenshot by Lena Simonis

Tipp: Hierzulande fallen Steuern auf Veräußerungsgewinnen nur an, wenn ihr vor Ablauf der Spekulationsfrist von zwölf Monaten eure Gewinne einstreicht. In diesem Fall müsst ihr alle über dem Freibetrag (600 Euro pro Jahr) liegenden Gewinne mit eurem persönlichen Einkommensteuersatz versteuern.

Für Konsumenten: Payment-Apps 

Neben den Spekulanten unter uns, möchte der ein oder andere seine Coins einfach auf den Kopf hauen. Dazu laden bereits einige Anbieter wie Wikipedia (Spenden) oder Microsoft (Stores für Windows und Xbox) im Netz ein. Mit speziellen Bitcoin-Apps könnt ihr eure digitale Währung aber auch in Geschäften in der realen Welt ausgeben – sollte sich denn ein entsprechendes Geschäft in eurer Nähe befinden. Fold wäre hier als Payment-App zu nennen, die in den USA bereits mit großen Unternehmen zusammen arbeitet. So können iPhone-Nutzer schon jetzt bei Starbucks oder Whole Foods mobil mit Bitcoins bezahlen. Auch Bitpay konzentriert sich darauf, sein Bezahlsystem auf Händlerseite zu integrieren und ermöglicht Transaktionen zwischen virtueller und physischer Welt über die Wallet-App.

Tipp: Bitcoins existieren schlicht gesagt nur durch Aufzeichnungen über Bitcoin-Transaktionen. Deshalb sind und bleiben Transaktionen das Rückgrat der virtuellen Währungen. Durch sie werden zurzeit noch neue Coins geschürft. Außerdem werden sich virtuelle Währungen langfristig nur durchsetzen, wenn entsprechende Unternehmen Umsätze machen. Beachtet, dass ihr Zahlungen mit Bitcoin nicht aus eigener Initiative rückgängig machen könnt. Zahlungen können nur durch den Empfänger zurückgezahlt werden. Ihr solltet also nur mit Personen und Organisationen handeln, die ihr kennt und denen ihr vertraut. Für Händler gilt: Sofort-Transaktionen sind nicht hundertprozentig sicher. In den ersten zehn Minuten nach der Anweisung (Input) gilt die Transaktion als glaubwürdig, aber umkehrbar. Dem relativen Risiko steht allerdings ein unverhältnismäßig hohes Marketingpotential gegenüber – solange ihr noch zu den wenigen Händlern hierzulande gehören wollt, bei denen Bitcoin-Enthusiasten ihr Geld lassen können.

Für den Spieltrieb: Bitcoin-Apps fürs Gaming

Mit einigen iPhone-Apps könnt ihr virtuelle Kätzchen züchten, mit anderen spielend Geld verdienen. The Blockchain Game von Daniel Bainbridge ist seit 2016 kostenlos im App-Store verfügbar. Die App teilt sich Werbeeinnahmen mit ihren Nutzern per Bitcoin. Die einfache Aufgabe: möglichst hohe Blöcke stapeln. Alternativ könnt ihr das Spiel eure Kinder ab vier Jahren spielen lassen. Aber mindesten 17 Jahre alt müsst ihr sein, um in Bitcoin Aliens Bitcoins zu verdienen, indem ihr Außerirdische tötet. Ganz neu im App Store und für alle interessant, die dem Cryptokitties-Hype auf dem iPhone fröhnen wollen, ist Toshi für Etherum. Die Toshi-App vereint eine sichere Messaging-Anwendung, ein Ethereum-Wallet und einen Browser für das Ethereum-Netzwerk, mit dem ihr euch nun auch mobil um eure CryptoKitties kümmern könnt. Das Spiel demonstriert auf unterhaltsame Weise das Potential des Ethereum-Netzwerks. Virtuelle Katzen im Wert von rund 15 Millionen US-Dollar sollen dort brüten.

Tipp: Glücksspiel macht süchtig und so. Auf dem App-Spielemarkt finden sich auch eine Menge zwielichtiger Gambling-Apps, bei denen man seine schönen Coins viel zu leicht verspielen kann.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Applepiloten.


Image (adapted) „Büro, Steuern, Geschäft, Finanzen“ by FirmBee (CC0 Public Domain), Screenshots by Lena Simonis


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Bitcoin & Co: Alternative Währungen sind die Zukunft

Bitcoin (adapted) (image by MichaelWuensch [CC0] via pixabay

Als ich 2012 zu unterrichten begann, beschloss ich, meinen Kurs mit einer Analyse darüber zu beginnen, wie Geld die Ordnung der Gesellschaft beeinflusst. Was meine Schüler besonders faszinierend fanden, war die damals aufkommende Welt der Krypto-Währung, die ich schon ausführlich als wesentlichen Bestandteil in der Zukunft von Währung beschrieben habe.

Einige Kollegen kritisierten meine Herangehensweise. Sie beschuldigten mich, meine Studenten indirekt dazu zu ermutigen, in eine, wie sie es sahen, düstere, vom Verbrechen heimgesuchte, finanzielle Unterwelt zu investieren. Aber ich enthüllte lediglich jungen Köpfen ein sich schnell entwickelndes, komplexes Phänomen, das in meinen Augen einen großen Einfluss auf die Machtverteilung in der Weltwirtschaft haben würde.

Hinter den meisten Krypto-Währungen verbirgt sich eine einfache Technologie, die als “Blockchain” bekannt ist. Es handelt sich um ein System, das es peer-to-peer-Finanzkonten über mehrere Quellen ermöglicht, alle Transaktionen, die innerhalb eines Netzwerkes auftreten, aufzuzeichnen. Das führt zu einer transparenten Open-Access-Registry von Geldströmen, die die Vermittlung durch Finanzbehörden überflüssig macht. Dies fordert die allgemeine Annahme heraus, dass ein Geldsystem nur durch zentrale Planung funktionieren kann.

Wie ich in meinen Buch „Wellbeing Exonomy: Success in a World Without Growth“ erkläre, machen Geldsysteme einen beispiellosen Wandel von einer zentralen Behörde zu einem dezentralisierten Netzwerk durch. In der Regel wird Geld von Staaten und Banken verwaltet. Dabei befinden sich die Nutzer auf der Empfängerseite finanzieller politischer Entscheidungen. Im Gegensatz dazu sind die meisten alternativen Währungen peer-to-peer. Das bedeutet, sie werden von den Nutzern selbst verwaltet und benötigen niemanden, der hier Mittler ist. Einige davon haben dank der Technik eine internationale Reichweite, während andere sich ausschließlich an einem bestimmten Ort befinden.

Schauen wir uns einmal BitCoin an, die bekannteste peer-to-peer-Währung der Welt. Sie verfügt über ein Börsenkapital von über 40 Milliarden US-Dollar. Eine Person, die im Jahr 2009 das Äquivalent von einem US-Dollar in BitCoin gekauft hat, würde jetzt ungefähr 25 Millionen US-Dollar besitzen. Ein BitCoin ist aktuell genauso viel Wert wie zwei Unzen Gold. Andere mögliche Währungen, die in Zukunft enorm an Wert gewinnen werden, sind Ethereum, Litecoin und Ripple.

Die Welt im Sturm erobern

Viele dieser Währungen sind ziemlich unbeständig. Ihre Höhen und Tiefen erreichen über zehn Prozent des Wertes auf einer wöchentlichen Basis. Aber der längerfristige Trend ist beeindruckend. Viele Länder können sich dafür begeistern. Im April diesen Jahres akzeptierte Japan die Währung BitCoin als legale Bezahlmöglichkeit im Einzelhandelsmarkt. Nachdem man noch im vergangenen Jahr vor digitalen Währungen zurückschreckte, machte die russische Regierung eine 180-Grad-Wende. Präsident Wladimir Putin traf sich mit den Entwicklern von Enthereum und versprach, Krypto-Währungen bereits im Jahr 2018 anzuerkennen.

Nach anfänglichem Zögern ließ die People’s Bank of China Abhebungen in BitCoin im Juni 2017 wieder zu, was die Währung in neue Höhen katapultierte. In den USA werden Krypto-Währungen immer mehr sowohl als Zahlungsmethode als auch als Wertanlage akzeptiert.

Die Regierung von Australien hat ebenfalls beschlossen, neue innovative digitale Währungsunternehmen zu fördern, indem man Händler und Investoren von Steuern ausgenimmt. Es ist klar, dass Kryptowährungen in naher Zukunft als Zahlungsmethode für viele Transaktionen deutlich öfter genutzt werden – vom Online-Shopping bis hin zum Supermarkt um die Ecke.

Entwicklungsländer sind auf der Überholspur

Immer mehr aufstrebende Wirtschaftsysteme öffnen sich den Krypto-Währungen. In Venezuela ist BitCoin bereits zur Parallelwährung geworden. Sie bietet Millionen von Bürgern die Möglichkeit, Transaktionen durchzuführen und Unterhalt zu verdienen. In einem Land, wo die offizielle Währung fast nichts wert ist, können die Bürger ihr Essen und andere grundlegende Notwendigkeiten bezahlen. Es erlaubt ihnen zudem, Waren aus dem Ausland zu kaufen und dabei die noch strengeren Finanzkontrollbestimmungen zu überwinden.

Im Osten Afrikas haben heimische Erfinder Krypto-Währungssysteme vorgestellt, um grenzübergreifende Transaktionen zu unterstützen, wie beispielsweise Initiativen wie BitPesa unterstützen.

In Südafrika sind Krypto-Währungen besonders beliebt. In Nigeria setzen einheimische Händler und Aktivisten darauf, dass dieses neue Geld eine Möglichkeit schafft, die Wirtschaft zu demokratisieren. Dieser Wunsch wird dadurch verstärkt, dass Nigeria bisher mit konventionellem Geld gescheitert ist.

Laut meinem Kollegen Verengai Mabika, Gründer von BitFinance in Simbabwe, hat der Zusammenbruch des offiziellen Finanzsystems seines Landes die Währung Bitcoin zu einer attraktiven Alternative gemacht. Das ist besonders bei Online-Zahlungen der Fall, die von Banken eingeschränkt sind. Ebenso gilt dies für Überweisungen, die das Rückgrat der Wirtschaft darstellen.

Eine wachsende Anzahl der Bevölkerung in Simbabwe benutzen Krypto-Währungen auch als eine Art Sparschwein (37 Prozent aller Bitfinance-Kunden nutzen den Service für diesen Zweck), erzählt mit Verengai. Das geschieht vor allem nach dem massiven Verlust der eigenen Ersparnisse während der Hyperinflation im Jahr 2008, die zum Kollaps von Banken im ganzen Land geführt hat.

Dezentralisierung und lokale wirtschaftliche Entwicklung

Die Dezentralisierung des Geldes befindet sich tatsächlich im Zentrum dieses neuen Trends und kann sich möglicherweise auch auf andere Bereiche auswirken. Die Vertragsplattform Ethereum ist als intelligentes System designt und stellt ein Handelssystem dar, das komplett auf peer-to-peer-Besitzrechten basiert. FairCoin wurde für Genossenschaften, Sozialwirtschaften und Fair-Trade-Netzwerken weltweit entwickelt.

Krypto-Währungen sind nur die Spitze eines Eisberges. Laut neuesten Schätzungen gibt es über 6.000 komplementäre Währungen weltweit, 50mal so viel wie bei konventionellen Geldsystemen. Die meisten davon sind nutzerkontrolliert und zinsfrei. Man kann kein Geld verdienen, indem man einfach mit ihnen handelt. Geld anhäufen macht in dieser Welt keinen Sinn. Das ist so, weil der Wert nicht in der Anhäufung, sondern im Austausch liegt.

Der Anwendungsbereich ist oft auf gewisse Gebiete oder Transaktionstypen begrenzt, beispielsweise für Körperpflege, nachhaltige Mobilität und lokalen Handel. Das schafft einen Anreiz, einheimische ökonomische Entwicklung und Möglichkeiten des Geldwechsel, die von Nutzer-Communities bewertet sind, zu unterstützen.

Regiogeld, ein Netzwerk einheimischer Währungen, die ich untersucht habe, als ich in Deutschland geforscht habe, hat sich bereits im ganzen Land verbreitet. Es gilt als das größte System lokaler Währungen, die kleine Unternehmen unterstützt und Gemeinschaften stärkt.

In naher Zukunft werden wir eine Vielzahl an Währungen mit unterschiedlichen Eigenschaften und Zielen haben. Diese Entwicklungen wird die Wirtschaftssysteme in den verschiedenen Ländern gegenüber Krisen stärker machen und eine gerechtere und nachhaltigere Entwicklung fördern, denn die Nutzer werden mitbedacht und die lokalen Strukturen gestärkt.

Wie meine Untersuchungen zeigen, könnte eine Verquickung von regionalen, nationalen und einheimischen Währungen auch die beste Lösung nicht nur für Afrika, sondern auch für die Europäische Union sein, die sich noch immer mit dem instabilen und schwerfälligen Euro herumschlägt. Was auf anderen Kontinenten klappt, könnte auch hier funktionieren. Gilt das auch für jeden anderen Vorgang einer regionalen Integration von Afrika zu anderen Kontinenten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Bitcoin“ by MichaelWuensch (CC0 Public Domain)


The Conversation

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