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Die Zukunft der Arbeit könnte weiblich sein

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„Frauen können die Gewinnerinnen des digitalen Wandels werden, wenn wir es klug anstellen“, sagte Andrea Nahles 2015 auf der Konferenz zur Geschlechtergerechtigkeit der Internationalen Association for Feminist Economics (IAFFE) in Berlin – damals noch als Arbeitsministerin. Hat sie damit Recht? Ist die Zukunft der Arbeit weiblich?

Neue Jobmodelle, neue Möglichkeiten für Frauen

Nach Ansicht von Nahles liegen die Chancen für Frauen in der Arbeit 4.0 vor allem in der Digitalisierung. Diese verändert zum Einen die Art und Weise wie wir arbeiten. Das Internet und Cloud-Technologien führen zum Beispiel dazu, dass wir nicht mehr immer und jederzeit physisch am Arbeitsplatz sein müssen. Vieles wird heutzutage, statt im Büro, im Homeoffice erledigt. Resultate seien wichtiger als Anwesenheit, sagte Nahles.

Das gilt natürlich nicht nur für Frauen, jedoch könnte gerade dieser Wandel vor allem Frauen den Zugang zur Arbeitswelt erleichtern. Während sie bisher vielleicht zwischen Kind und Karriere wählen mussten, können sie nun beides ohne große Kompromisse haben.

Darüber hinaus verändern sich durch die Digitalisierung ebenfalls die Berufsbilder für Frauen. Während zum Beispiel Krankenschwester ein typischer Frauenberuf war, wird diese Arbeit wahrscheinlich bald komplett von Robotern erledigt. Das gäbe Frauen aber auch „ganz neue berufliche Perspektiven auf gut bezahlte, gut abgesicherte Industriearbeitsplätze“, sagt Nahles.

Ganz ähnlich sieht dies auch die prämierte US-Unternehmensberaterin und Digitalisierungsxpertin Cheryl Cran. Sie sieht ebenfalls in neuen Jobmodellen eine große Chance für Frauen. Denn Frauen können ihrer Meinung nach durch Freelancing, Homeoffice oder Telearbeit nun problemlos Familie und Job miteinander vereinen. Tatsächlich ist ein steigender Anteil der Freiberufler in den USA weiblich. Nach Zahlen der National Association of Women Business Owners wagen ebenfalls viele Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit und gründen eigene Unternehmen. So wurden 9,1 Millionen US-Firmen von Frauen gegründet, die zusammen beinahe 8 Millionen Menschen beschäftigen.

Auch Männer seien nicht mehr bereit, 14-Stunden-Tage zu schieben und suchen einen bessere Work-Life-Balance. Jobsharing-Modelle, in denen sich Männer und Frauen eine Managerposition teilen, seien gar nicht mehr so selten. Auch renommierte Tech-Unternehmen wie Facebook oder Tesla suchen laut Cran händeringend qualifizierte Frauen für Spitzenpositionen.

Roboter geben Frauen mehr Muskelkraft

In einem Kommentar für die irische Onlinepublikation Siliconrepublic.com geht Cheryl Cran sogar noch einen Schritt weiter. Sie behauptet: Gerade die sogenannten Soft Skills – Kommunikationsfähigkeit, Empathie, Emotionale Intelligenz – die Frauen ihrer Meinung nach von Natur aus mitbringen – werden in Zukunft viel mehr gefragt als „männliche“ Arbeitsweltattribute wie Wille, Entschlossenheit, Egoismus und Aggressivität. Cran glaubt zwar, dass in Zukunft eine Kombination aus männlichen und weiblichen Attributen gefragt sein wird, doch dabei haben Frauen ihrer Meinung nach einen Vorteil: „Frauen werden erfolgreich sein in einer Zukunft, in der Jobs, die früher physische Stärke erforderten – Bau, Produktion, Landwirtschaft -, durch Roboter verbessert werden.

Sprich: Frauen haben nicht nur Vorteile aufgrund ihrer natürlichen Eigenschaften, sie können nun auch Jobs ausüben, die ihnen bisher aus rein physischen Gründen verwehrt waren. Cran nennt das Beispiel einer Roboter-Rüstung, die in Japan in der Pflege genutzt wird. Diese kann man sich als Mensch überziehen und damit die eigene Muskelkraft verstärken.

Auch die Soziologin Christiane Funken sagt in ihrem Buch „Sheconomy“: Die Arbeitswelt der Zukunft ist weiblich. Allerdings zögert die Wissenschaftlerin, dies wie Cran auf angeborene Eigenschaften zurückzuführen. Vielmehr stellt sie klar: „Frauen werden traditionellerweise auf Fähigkeiten hin erzogen, die der Arbeitsmarkt dringend braucht.“ Da Frauen also in vielen Kulturen eher dazu erzogen werden, diplomatisch, zurückhaltend, zuvorkommend, freundlich und schon gar nicht aggressiv zu sein, könnte ihnen dies in einer Arbeitswelt, die genau diese Eigenschaften verstärkt, sucht und fördert, zugute kommen.

Neue Chancen gibt es nur dann, wenn Frauen sie nutzen

Doch ganz so rosig, wie die Expertinnen die Zukunft sehen, ist sie nicht. Nur weil Frauen neue Chancen haben, bedeutet dies nicht, dass sie diese auch nutzen werden. Frauen haben zum Beispiel mehr Angst vor der Digitalisierung als Männer. Nach einer Umfrage des Markt- und Sozialforschungsinstitut Ipsos misstrauen Frauen dem digitalen Wandel mehr als Männer.

Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) glaubt sogar, dass Frauen die großen Verlierer der Digitalisierung sein werden. Seiner Ansicht nach werden Tätigkeiten wie Verkauf, Terminpflege und Organisation oder Dienstleistungen in der Gastronomie in Zukunft zu 80 Prozent von Robotern ausgeführt. Das sind aber genau die Jobs, die aktuell mehrheitlich von Frauen ausgeübt werden.

Während Expertinnen wie Cran oder Funke hier eine neue Möglichkeit sehen, warnt Grabka vor dem besonders hohen Risiko auf Jobverlust für Frauen. Tatsächlich ist der Arbeitsalltag derzeit für Frauen nicht gerade rosig – trotz Digitalisierung. Die DGB-Studie „frau geht vor“ hat beispielsweise ermittelt, dass Frauen schwierigere Arbeitsbedingungen als Männer beklagen. 52 Prozent der Frauen, aber nur 43 Prozent der Männer klagen über höhere Arbeitsbelastung, mehr Kontrolle, Überwachung und Stress. Das zeigt auch, dass die Macho-Kultur in Unternehmen immer noch verbreitet ist, auch in Start-ups.

Auch wird der Kampf um begehrte Arbeitsplätze härter, und es ist nicht anzunehmen, dass Männer sich in Zukunft weniger um gute Jobs bemühen werden.

Nicht alle Männer sind machtgierige Egoisten

Bei der ganzen Debatte ist es aber auch nicht unbedingt förderlich, grundsätzlich alle Männer als machtbesessene Egoisten darzustellen und alle Frauen als hilflose Opfer. Denn es ist nicht notwendigerweise die Schuld der männlichen Kollegen, wenn der Arbeitsplatz keine Flexibilität bietet, um das Kind morgens in die Kita zu bringen oder am Nachmittag abzuholen – was übrigens auch Väter tun. Klar ist: Wenn sich mit dem digitalen Wandel Unternehmensstrukturen nicht verändern und sich besser an aktuelle Lebensweisen von Männern UND Frauen anpassen, verlieren am Ende alle.

Deswegen betont Sheconomy-Autorin Christiane Funken auch, dass es ihr nicht darum geht, Frauen gegen Männer aufzuspielen. Vielmehr sei es so, dass Geschlechterrollen sich ohnehin immer mehr verschieben und verändern. Männer wollen genau so mehr Freizeit haben oder Zeit mit der Familie verbringen wie Frauen.

Das bestätigen auch Zahlen des Zukunftsinstituts in einer Untersuchung zum „Female Shift“ in der Arbeitswelt. Demnach glauben 65 Prozent der Männer, dass beide Elternteile gleichberechtigt für die Kindererziehung verantwortlich sind. Oft gehen Wunsch und Realität noch auseinander, doch immerhin nimmt bereits jeder vierte Mann in Deutschland Elternzeit in Anspruch. Frauen wiederum nehmen Machtpositionen selbstbewusster an als noch vor 20 Jahren. So birgt die Arbeitswelt der Zukunft idealerweise nicht mehr Chancen für Männer oder für Frauen, sondern für alle.


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • DYSON Welt: Staubsaugerhersteller Dyson will „radikal andere“ E-Autos bauen Ein „radikal anderes“ Elektroauto – hinter diesen Worten versteckt sich ein Plan von James Dyson, der Entwickler des bekannten beutellosen Staubsaugers. Bis 2020 möchte dieser ein Elektroauto auf den Markt bringen, was neben leistungsstarken Batterien noch weitere Neuheiten beinhalten soll, worüber allerdings noch geschwiegen wird. Das Elektroauto soll sich von all den anderen E-Autos auf dem Markt unterscheiden und weder einen Sportwagen darstellen, noch soll er günstig sein. Für die Produktion möchte James Dyson mehr investieren, als für die Entwicklung und Forschung seiner Staubsauger und heuert mit seinem Unternehmen daher „aggressiv“ weitere Arbeitskräfte an.

  • TWITTER Chip: Twittern soll einfacher werden: Jetzt rüttelt der Konzern an seinen Grundfesten: Ist es vorbei mit dem genauen Abzählen der Zeichen, wenn man einen Tweet versenden möchte? Twitter ist gerade dabei doppelt so lange Tweets auszuprobieren. Anstelle der 140 Zeichen, sollen die Nachrichten nun auf 280 Zeichen aufgestockt werden. Twitter geht von einem positiven Effekt aus und blickt der Neuerung zuversichtlich entgegen. Der Test soll jedoch vorerst in einer kleinen Runde gemacht werden, bevor sich der Kurznachrichtendienst komplett für die Aufstockung der Zeichenanzahl entscheidet. Die Meinungen zu der Neuerung sind bei den Nutzern allerdings noch geteilt. Während die einen ihre Begeisterung ausprechen, sind die anderem dem gegenüber eher verhalten, da Twitter mit der Änderung, laut der Nutzer, auch ein Stück weit seine Identität verliert.

  • ARBEIT t3n: Produktivität im Job: Diese Angewohnheiten solltest du dringend bleiben lassen: Jeder hat seine Angewohnheiten und Marotten, die er nur schwer ablegen kann. Manchmal aber ist das Ablegen von schlechten Angewohnheiten unabdingbar, wenn man sich auf der Arbeit nicht so schnell ablenken lassen möchte. Das fängt schon abends beim Schlafengehen an: Finger weg vom Smartphone! Vielen fällt das vermutlich sehr schwer, ist aber für einen gesunden und tiefen Schlaf auf jeden Fall ratsam. Das gilt auch dann, wenn man mitten in einer Aufgabe oder in einem Meeting steckt. Umso schlechter schaffen wir es uns wieder in das ursprüngliche Thema hinein zu finden, auch wenn es nur einmal kurz das Checken der eingegangenen Nachrichten ist. Der Mensch soll etwa 15 Minuten brauchen, um sich direkt auf eine Aufgabe zu fokussieren. Weitere Angewohnheiten, die man besser ablegen sollte, gibt es in diesem interessanten Artikel.

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Gewaltenteilung für die Maschinenwelt – Warum wir Utopien brauchen

Himmel (adapted) (Image by Alexas_Fotos [CC0 Public Domain] via pixabay)

Wenn Technokraten über Zukunft reden, kommen in der Regel 4.0-Wortungetüme heraus, die sich in Zahlen, Effizienz und Effektivität suhlen. Alles wird besser. Kaum einer formuliert, wie und was wirklich besser werden soll. Welche Ziele, welche Werte und welche Ethik werden angestrebt? Die Silicon-Valley-Himmelsstürmer und die Copy-Cat-Abziehbilder in Deutschland erstreben die Weltherrschaft, verweigern aber den normativen Diskurs. Man will besser werden, neue Horizonte erstreben, Vergangenheit zurücklassen, beginnt Sätze mit dem Adverb „beyond“ und verharrt in Zwischenorten, Zwischenzeiten und in Wartesälen des Denkens.

Digitalisierung im Wartesaal des Denkens

Bei Intellektuellen wie Politikern im Westen scheint heute Stillstand im Fortschritt zu herrschen, jeglicher Richtungssinn verloren gegangen zu sein …“ , schreibt Günter Blamberger im Band „Möglichkeitsdenken – Utopie und Dystopie in der Gegenwart“ , erschienen im Wilhelm-Fink-Verlag. Es dominiert selbst bei den digitalen Vordenkern eine Trägheit des Kopfes, weil man dem kritisierten Bestehenden weder praktisch noch theoretisch etwas entgegenzusetzen hat. Kein futuristisches Denken, keine Utopien und keine Phantasien.

Die Human Resources programmieren die Employer Branding Maschine rasch noch auf die Kohorte der so genannten ‚Millennials‘, während männliche Mittfünfziger in den Chefetagen der Konzerne und auf den Podien der Lobbyverbände Phrasen dreschen vom Internet of Things oder der Industrie 4.0. Kaum einer weiß, was er da redet, geschweige denn, wie er seine Organisation und seine Mitarbeiter dorthin bekommt. Und in einer solchen Situation lässt sich vortrefflich Geld verdienen. So planen die meisten ihren nächsten Karriereschritt hin zur sich bereits andeutenden Vollendung des beruflichen Lebenswerks. Nach mir die Sintflut. Analog oder digital? Mir doch egal“ , so Robert Frankenin seinem Blog „Digitale Tanzformation“.

Graf Zahl an der Unternehmensspitze

Graf Zahl steuert die Unternehmensgeschicke und vielleicht noch Daniel Düsentrieb, der Vorhandenes etwas besser macht. Blinklicht-Innovationen, die Professor Lutz Becker in der dritten Folge des Utopie-Podcast #KönigvonDeutschland im Gespräch mit dem Zukunftsforscher Sven Gabor Janszky angeschnitten hat.

Es fehlen leidenschaftliche Zukunftsbilder, meint Janszky. Es mangelt an Regelbrechern, die die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze in Frage stellen. Wir können noch so viele Digital Hubs gründen und Fördermittel herauspusten, letztlich konzentrieren wir uns auf Tätigkeiten, die die vorhandenen Technologien etwas besser machen.

Das große Gemälde für gesellschaftliche Utopien sucht man vergeblich. „Unternehmen haben heute in den allermeisten Fällen nicht einmal mehr das kleine Einmaleins der Beziehungsarbeit zu ihrer Belegschaft drauf. Sie stiften statt Sinn nur Angst und Verwirrung, wenn sie jedes Individualschicksal der großen Optimierungsmaschine unterwerfen“ , führt Franken aus.

Humankapital wird abgebaut

Humankapital eben. Stellenabbau, permanente Befristung und prekäre Lohnsituation mag kurzfristig dem Shareholder Value dienen – langfristig führt es in die Sackgasse. Statt mutig Neues zuzulassen und alte Systeme auf den Kopf zu stellen, karren wir Busladungen grauer Damen und Herren durchs kalifornische Silicon Valley. Auf dass sie die Muse der digitalen Innovation durchs Busfenster hindurch küssen mögen. Das ist Möglichkeitsdenken auf Sparflamme. Dabei gibt es keinen Determinismus, der uns vorschreibt, wie wir die Zukunft gestalten. Etwa die Rolle von wenigen Super-Computern, die nur von wenigen Menschen beherrscht werden. Gibt es wirklich nur eine Handvoll Götter, die dem Rest der Menschheit diktiert, wie wir leben sollen?

Neue Regeln denken

Wir könnten ja über neue Systeme nachdenken, die eine demokratische Gewaltenteilung für die Maschinenwelt ermöglicht, schlägt Janszky vor. Also neue Regeln, um den Machtmissbrauch von Künstlicher Intelligenz zu verhindern. Algorithmen programmieren, die dezentral, offen und kollaborativ ausgerichtet sind. Szenarien beschreiben und dann Impulse zur Realisierung bieten. Sich nicht mehr als der allwissende Experte inszenieren, das können mustererkennende und musterbrechende KI-Maschinen sowieso bald besser machen, sondern als Erster unter den Lernenden neue Möglichkeitsräume erarbeiten. Nicht konstruierten ökonomischen Sachzwängen hinterherlaufen, sondern lebenswerte Zukunftsentwürfe diskutieren. Die D2030-Initiative hat dazu interessante Skizzen geliefert. So könnte es in gut 20 Jahren ausschauen:

So kann Zukunft aussehen

Die deutsche Wirtschaft entwickelt und fertigt weiterhin erfolgreich in einem zunehmend hochdynamischen Wettbewerb. Grundlage dafür sind neben erfolgreichen mittelständischen Unternehmen vor allem eine breite Innovationskraft durch handlungsfähige Allianzen, ein substanzieller Bürokratieabbau sowie ein offenes Bildungs- und ein vielfältiges Wissenschaftssystem. Auf dem Arbeitsmarkt entsteht eine „Projektwelt“ mit flexiblen Arbeitsverhältnissen, die jedoch nicht in prekäre Beschäftigung mündet, sondern breiten Bevölkerungsgruppen deutlich Wohlstandszuwächse ermöglicht.

Offenheit für Menschen und Ideen sowie eine neue „Wir-Orientierung“ prägen die Gesellschaft.? Es werden neue Formen von Gemeinschaft, bewusstem Konsum und kultureller Offenheit erprobt – unterstützt durch die den Zusammenhalt fördernde, digitale Transformation und die gewachsene Qualität der Medienangebote. Öffentliche Daten stehen den Bürgern in großem Umfang zur Verfügung. Die breite Zuwanderung wird allgemein akzeptiert und als Chance für Veränderung begriffen. Zudem ermöglicht die Migration einen demografischen Ausgleich, und trägt insofern zum Interessenausgleich von Jungen und Alten in einem neuen „Generationenvertrag“ bei.

Der Gegensatz von Wirtschafts- und Umweltinteressen löst sich immer weiter auf. Der Einsatz von Rohstoffen kann deutlich verringert werden. Um der latenten Gefahr eines Rebound-Effektes zu begegnen, werden immer mehr Produkte und Produktionsprozesse in geschlossenen Stoffkreisläufen gehalten.
Es gibt einen akzeptierten Politikbetrieb im Zusammenspiel mit aktiver Zivilgesellschaft.? In der Politik hat sich das Subsidiaritätsprinzip in der Breite durchgesetzt: Entscheidungen werden wo möglich dezentral, wo nötig aber auch auf transnationaler Ebene getroffen. So kann Deutschland von einer vertieften europäischen Integration profitieren. Bürgerschaftliches Engagement erfolgt zudem über direkte Bürgerbeteiligung oder konsultative Elemente. Darüber sollten wir intensiver debattieren. Gefordert ist ein utopisches Denken, das Zeitkritik zur Sprache bringt – also all das, was uns zur Zeit gegen den Stricht geht – und Denkwenden provoziert. In diesem Dickicht möglicher Zukünfte diskutiere ich in der nächsten netzökonomischen Runde in Köln mit Repräsentanten der D2030-Initiative.

Offen, kollaborativ und ohne Teleprompter. Hashtag zum Mitdiskutieren #D2030. Oder einfach vorbeikommen. Das Notiz-Amt wird darüber berichten.


Image (adapted) „Himmel“ by Alexas_Fotos (CC0 Public Domain)


 

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Warum Bewerbung 2.0 in Deutschland noch Zukunftsmusik ist

Bewerbung (adapted) (Image by loufre [CC0 Public Domain] via pixabay)

Instagram statt Lebenslauf, Xing statt Anschreiben, YouTube statt Vorstellungsgespräch. Ganz klar: Der Bewerbungsprozess findet vermehrt über das Internet statt, auch über Social-Media-Kanäle. Doch ist die Bewerbung 2.0 wirklich das NonPlusUltra bei der Stellensuche in Deutschland?

Rekrutierung über Soziale Netzwerke hat Seltenheitswert

Ganz so einfach lässt sich das nicht beantworten. Denn während das Internet für fast alle Unternehmen die klassische Printanzeige und die Bewerbung per Post abgelöst hat, hat Social-Media-Recruiting in Deutschland noch Seltenheitswert. Eine Befragung unter deutschen Bewerbern und Personalern in Unternehmen durch den Personaldienstleisters Adecco Group zeigt, dass 2014 mehr als 20 Prozent der Unternehmen Soziale Netzwerke nutzen, allerdings nicht vorwiegend für den Bewerbungsprozess. Nur rund 42 Prozent der Unternehmen nutzt demnach Social Media, um Bewerber zu finden und weniger als ein Drittel der befragten Bewerber wurde jemals über ein soziales Netzwerk rekrutiert.

Auch ein Blick auf die genutzten Kanäle zeigt, dass die Personaler noch sehr klassisch unterwegs sind. Wenn ein soziales Netzwerk im Recruiting in Deutschland genutzt wird, ist das vorwiegend Xing. Nur 20 Prozent der Personaler nutzen Facebook und Instagram-Profile werden gar nur von etwa 2 Prozent der HR-Verantwortlichen angeschaut. Von Videobewerbungen oder Recruitinganfragen per WhatsApp sind die meisten Unternehmen hierzulande noch weit entfernt. Als Hauptgrund nennen Unternehmen in der Adecco-Studie die Tatsache, dass sie generell herkömmliche Bewerbungsprozesse bevorzugen.

Anschreiben und Lebenslauf sind in Deutschland nach wie vor der Klassiker

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Image by Robindro Ullah

Insgesamt läuft der Bewerbungsprozess in Deutschland immer noch sehr traditionell ab“ , bestätigt HR-Experte und Recruitingfachmann Robindro Ullah im Gespräch mit den Netzpiloten. „Auch wenn natürlich die Mehrheit der Unternehmen im deutschsprachigen Raum Onlineplattformen für die eigene Stellenausschreibung nutzt und Bewerber Unterlagen per E-Mails versenden, sind der Lebenslauf und das Anschreiben immer noch Standard“ , erklärt Ullah.

Offensichtlich ist das Paket aus Lebenslauf und Anschreiben noch so wichtig, dass sich mittlerweile ganze Unternehmen diesem Thema widmen. Startups wie Dein-Lebenslauf.com oder richtiggutbewerben.de haben hier einen lukrativen Markt entdeckt und bieten Bewerbern Hilfe bei der Erstellung ihrer Bewerbungsunterlagen. Das Angebot reicht dabei von einer Durchsicht und Korrektur bis hin zur kompletten Erstellung der Bewerbungsunterlagen. Preislich liegt die Optimierung der eigenen Unterlagen bei richtiggutbewerben.de aktuell bei 67 Euro, ein Komplettpaket aus Deckblatt, Anschreiben und Lebenslauf als Word- und PDF-Datei im schicken Design kostet 149 Euro.

Auch ein Aufpeppen der Social-Medial-Profile bietet das Onlineunternehmen an. Allerdings seien das Komplettpaket aus Lebenslauf und das Anschreiben nach wie vor der Renner unter den Kunden, berichtet Marketing-Manager Christian Scherer von richtiggutbewerben.de gegenüber den Netzpiloten.

Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen kümmern sich dabei um die Kunden. „Wir haben ehemalige Personaler im Team, genau so wie Mitarbeiter aus der naturwissenschaftlichen oder kulturwissenschaftlichen Branche und natürlich auch Formulierungsexperten. Wir wollen schließlich für jeden einzelnen Kunden die bestmögliche Bewerbung zusammenstellen“ , erklärt Scherer. Standardvorlagen oder formelhafte Formulierungen seien daher ein absolutes Tabu, jeder Kunde erhalte ein individuelles Angebot.

Bewerbungs-Ghostwriter machen HR-Abteilungen das Leben leichter

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Image by richtiggutbewerben.de

Über mangelnde Nachfrage kann sich das Startup nicht beschweren. Die Kundschaft ist dabei sehr gemischt. Es sind ältere Kunden dabei, die Orientlierungshilfe im veränderten Jobmarkt brauchen, genauso wie Berufseinsteiger, die sich erste Tipps holen. „Wir haben auch beispielsweise Ingenieure als Kunden, die nicht gerne schreiben oder auch Ärzte, die bei einem 14-Stunden-Arbeitstag auch einfach keine Zeit haben, um Bewerbungen zu schreiben“ , erklärt Scherer.

Moralisch bedenklich findet er das Angebot der Bewerbungs-Ghostwriter im Netz nicht. „Im Wort Bewerbung steckt ja schon Werbung. Wir erfinden natürlich auch nichts, sondern helfen unseren Kunden einfach nur dabei, ihre Informationen zu strukturieren und im besten Licht darzustellen. Wir haben auch viel positives Feedback von Personalern bekommen. Schließlich macht eine übersichtliche Bewerbung auch ihre Arbeit leichter.“

Dem stimmt auch HR-Experte Ullah zu. Er glaubt ebenfalls, dass es durchaus legitim ist, sich online Hilfe für den Bewerbungsprozess zu holen. Es sei nichts dagegen einzuwenden, wenn Bewerber sich im besten Licht darstellen wollen. „Sie werfen einem Bewerber im Vorstellungsgespräch schließlich auch nicht vor, dass er sein Hemd gebügelt oder seine Haare gekämmt hat.“

Algorithmen statt Anschreiben

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Christian Scherer. Image by richtiggutbewerben.de

Doch auch wenn Robindro Ullah die Dienstleistungen von Onlineportalen wie richtiggutbewerben.de schätzt, würde er sich wünschen, dass Unternehmen in Deutschland den Bewerbungsprozess insgesamt moderner und vor allem zeiteffizienter gestalten würden. Gerade das Anschreiben hält er für überholt. Damit würden Personaler viel Zeit verlieren, vor allem im internationalen Vergleich. „In Ländern wie Brasilien oder China zählt wirklich nur der Lebenslauf. So kann man sehr schnell feststellen, ob jemand fachlich passt oder nicht. Ob der Kandidat dann auch zur Unternehmenskultur passt, stellt man dann sowieso erst im Bewerbungsgespräch fest. Das Anschreiben könnte man sich also komplett sparen.

Ullah findet auch, dass Bots oder Algorithmen beim Auswählen von Lebensläufen eine große Hilfe sein könnten. So könnten Bewerber im automatisierten Prozess schneller, aber auch objektiver ausgesucht werden und die Personalabteilung würde viel Zeit sparen. Auch Quereinsteiger könnten zum Beispiel über eine Random-Funktion im Algorithmus eher eine Chance bekommen, meint Ullah.

Einen weiteren spannenden Zukunftstrend sieht er in Videobewerbungen: „Bewerber haben so die Möglichkeit, sich ganz individuell zu präsentieren und die HR-Abteilung kann schnell sehen, ob ein Kandidat interessant ist für das Unternehmen.Bewerbungsapps wie Selfiejobs aus Schweden nutzen genau dieses Medium, um Unternehmen mit Bewerbern schnell und unkompliziert zusammenzubringen. Bei Selfiejobs stellen sich Bewerber in kurzen Videos vor und können dann nach dem Tinder-Prinzip je nach Interesse der Unternehmen, entweder nach rechts oder nach links gewischt werden.

All das ist in Deutschland derzeit aber noch Zukunftsmusik – auch, weil eine rein visuelle Auswahl von Bewerbern rechtliche Bedenken auslöst. Fürs Erste wird es wohl noch dauern, bis sich die Bewerbung 2.0 wirklich durchsetzt. Davon ist auch Christian Scherer überzeugt: „Ich bin mir ganz sicher, dass es die klassische Bewerbung in Deutschland noch sehr lange geben wird.“


Image (adapted) „Bewerbung“ by loufre (CC0 Public Domain)


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Geteilte Arbeit ist doppelter Gewinn: Jana Tepe und Anna Kaiser von Tandemploy im Interview

Vierzig Stunden und noch mehr – für unsere Eltern und Großeltern, die  mit den traditionellen Arbeitsstrukturen aufgewachsen sind, war das eine völlig normale Größe. Dass es auch anders geht, wissen wir heute: Die Digitalisierung hat uns neue Jobs und Verfügbarkeiten beschert, und auch die Arbeitnehmer sortieren ihren Arbeitsalltag immer öfter neu. Die Arbeit steht nicht mehr an erster Stelle, und das ist vielleicht auch ganz gut so.

Zwar hat das Magazin brand eins die Forderungen nach einer ausgeglichenen Work-Life-Balance längst als „diffusen Wellnessbegriff“ abgeschrieben, aber in Zeiten von Burn-Out und Überarbeitung wird immer deutlicher, wie sehr uns dieses Thema beschäftigt. Nach der Industrialisierung arbeiten wir oft aber immer noch nicht weniger – obwohl wir das technisch längst  könnten. Wir müssten uns allerdings von althergebrachten Strukturen verabschieden, und dazu gehört auch der unternehmensinterne Zwang, sich als Workaholic darzustellen. Heute ist klar: Wer zuerst kommt und als Letzter geht, ist kein harter Kerl, sondern hat schlicht und einfach kein Privatleben. Nicht gerade erstrebenswert – zum Glück sehen das immer mehr Menschen so.

Wie man solchen Entwicklungen vorbeugen kann, haben Jana Tepe und Anna Kaiser erarbeitet. Im Jahr 2013 haben sie die Jobsharing-Plattform Tandemploy gegründet. Die beiden sind überzeugt: Man kann auch in weniger Stunden effektiv arbeiten und sich einen Job teilen.

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Jana Tepe und Anna Kaiser von Tandemploy wollen mit ihrer Idee unser Denken über die Arbeit verändern. Da machen wir gerne mit. (Image by Christian Stumpp)

Dabei erzielt man sogar bessere Ergebnisse, als ein einzelner Arbeitnehmer schafft, denn die geteilte Arbeit bringt den doppelten Gewinn mit sich: Zwei motivierte Mitarbeiter, die mit ihrem Wissen und ihrer Kreativität und nicht zuletzt mit ihrer Lust am Job den Unternehmen zur Verfügung stehen, bringen mehr als einer. Die Netzpiloten haben das Jobmodell im Sommer schon einmal vorgestellt

Bei der hub conference,  die am vergangenen Dienstag in Berlin stattfand, hatten wir die Gelegenheit, die beiden Vorreiterinnen mal etwas genauer zu befragen.

Anne Jerratsch: Wie wichtig ist es, im Job glücklich zu sein?

Jana Tepe: Ich würde sagen, sehr, sehr wichtig, weil wir einen Großteil unseres Lebens mit Arbeit verbringen. Das ist total wertvolle Lebenszeit. Da sollten wir zumindest den Anspruch haben, auch darüber nachzudenken, ob das, was wir tun, uns generell, oder zumindest die meiste Zeit, auch Freude bereitet. Dass ein Job nicht immer Spaß machen kann, ist, denke ich, völlig klar. Aber dass wir so eine generelle Sinnhaftigkeit darin sehen und das auch als einen wichtigen Teil unseres Lebens begreifen, das ist wichtig.

Was ist wichtiger, Erfolg, Karriere und Geld oder Erfüllung und Freizeit?

Jana Tepe: Es ist kein Entweder-Oder, es kann beides sein. Warum sollte man in seinem Job nicht auch Zeit für bestimmte Dinge haben und gleichzeitig Karriere machen können? Karriere ist aber auch ein sehr subjektives Konstrukt. Ich finde, wir müssen Wege finden, dass einzelne Lebensbereiche besser vereinbar sind und dass es nicht immer ein Dilemma ist.

Anna Kaiser: Absolut, weil jeder Mensch ja eine andere Wahrnehmung hat, was für ihn Erfolg, Karriere und Glück bedeuten. Deshalb geht es einfach darum, dass wir jedem Menschen ermöglichen, seine Wünsche zu erfüllen – womit wir dann auch bei unserem Thema wären, dass wir flexiblere Strukturen in den Firmen brauchen. Sonst ist das nicht möglich..

Wie lange dauert bei euch ein produktiver Arbeitsag?

Jana Tepe: Die meisten unserer Kollegen arbeiten zwischen 25 und 32 Stunden die Woche, und es hat sich auch gezeigt, dass es eine extrem produktive Arbeitszeit ist. Wir haben den Vergleich von Kollegen, die früher 40 Stunden gearbeitet haben. Um ehrlich zu sein, schaffen die jetzt in 25 Stunden das, was andere in 40 Stunden schaffen. Das zeigen auch viele Statistiken und Forschungen. Eigentlich wissen wir das, theoretisch. Wir haben aber unglaubliche Schwierigkeiten damit, unsere Arbeitsmodelle und unsere Unternehmensrealität diesem Wissen anzupassen.

Ist jeder für Jobsharing geeignet und wo kann man das Modell einsetzen?

Anna Kaiser: Es kann natürlich theoretisch jeder machen. Wahrscheinlich werden es aber eher die Menschen machen, die sowieso Teamplayer sind. Wenn man der einsame Ellenbogenheld ist, dann wird man gar kein Interesse an Jobsharing haben. Jobsharing kann man überall da einsetzen, wo klassische Teilzeit an ihre Grenzen stößt. Es gibt so viele Jobs, wo das funktioniert. Wir denken aber meistens erst einmal daran, wie kompliziert es wäre, diese Jobs in Teilzeit auszuführen, weil da immer eine Hundert-Prozent-Besetzung gebraucht wird. Aber genau da kommt das Jobsharing ins Spiel. Es gibt immer mehr Menschen in verantwortungsvollen Positionen, die aber weniger arbeiten wollen. Was machen die dann?

Die müssten sich im klassischen System eben dann an die Regeln halten.

A: Exakt. Und genau die werden durch Regeln aufgehalten. Es entsteht eine Lücke. Denn wenn sie zwar in Teilzeit arbeiten, aber in einem Bereich, in dem immer jemand verfügbar sein muss, müssen wir überlegen, wie wir das in Teams und in bestimmten Konstellationen, wie zum Beispiel eben Jobsharing, anders verteilen können.

Gibt es irgendwelche Bereiche, in denen das nicht funktioniert?

Jana Tepe: Wir haben erst gedacht, dass es Bereiche oder auch Branchen gibt, in denen das schwieriger als in anderen ist, wie beispeilsweise in der Kreativbranche mit Werbeagenturen oder Unternehmensberatungen. Dann haben wir interessanterweise festgestellt, dass es genau in diesen Branchen total gut funktioniert und gerade da ein Bedarf besteht. Also wir haben jetzt die erste Unternehmensberatung als Kunde, die zeigen wollen, dass es anders geht. Genauso stellen immer mehr Kreativagenturen fest, dass sie sind nicht alle nur Workaholics sind. Man kann nicht mit so einem riesigen Stundenpensum kreativ sein. Und wir lernen wir auch immer mehr dazu und finden immer mehr Pioniere in ganz verschiedenen Branchen.

Ihr habt auch eure eigenen Mitarbeiter nach ihrer idealen Arbeitszeit befragt. Wie waren da die Reaktionen? Hat jemand Hemmungen gehabt, weniger als 32 Stunden zu fordern?

Jana Tepe: In unserem eigenen Team haben tatsächlich alle eine Wunschzeit zwischen 25 und 32 Stunden angegeben. Ich denke, es hängt aber maßgeblich davon ab, dass es auch zur Arbeitskultur passt. Anna und ich setzen es seit Jahr Eins um, dass wir am Stück längere Urlaube machen, wir gehen auch mal früher, wir versuchen das vorzuleben und eben nicht so die typischen Workaholic-Gründer zu sein, denn dann wäre es unglaubwürdig und dann würde es sich vielleicht wirklich nicht jeder trauen.

Wie lange dauert es ungefähr, bis sich das Jobsharing.Modell eingespielt hat?

Jana Tepe: Das hängt total von den Unternehmen ab. Es gibt welche, die sind super schnell dabei, rufen heute an, sind morgen Kunde und dann fangen sie an. Dann kriegen sie ein paar Wochen später die ersten Bewerbungen und stellen ein und legen einfach los, ohne viel nachzudenken und probieren das einfach. Das ist natürlich der Idealfall. Andere Unternehmen haben einen längeren Entscheidungsprozess.

Wenn die Tandems erst einmal in den Unternehmen anfangen, dann geht das eigentlich relativ fix, weil sie natürlich ein hohes Eigeninteresse daran haben, dass das auch funktioniert. Das Modell hat einen hohen Nutzen für den Einzelnen, das darf man einfach nicht unterschätzen.

Sind es eher die Mitarbeiter oder die Chefs, die dieses Konzept vorschlagen?

Anna Kaiser: Beides. Wir haben ganz am Anfang alle angesprochen. Chefs sind ja auch Mitarbeiter, die darauf stoßen. Für uns ist ganz schön, dass die Aufklärungsarbeit, die wir jetzt in den letzten drei Jahren betrieben haben, sich auch irgendwann auszahlt. Ich glaube, so ist es bei allen Trends und eben jetzt auch mit der Veränderung auf dem Arbeitsmarkt mit so konkreten Lösungen.

Wenn ich bei dem Modell mitmache, woher weiß ich, wer zu mir passt?

Jana Tepe: Die Grundvoraussetzungen müssen stimmen, man muss sich auf Teamwork freuen und man muss kommunikationsstark sein, auch mal Konflikte ansprechen können oder offen Feedback geben. Davon abgesehen können auch zwei ganz unterschiedliche Charaktere zusammenarbeiten, zum Beispiel eine extrovertierte und eine introvertierte Person – solange die beiden in eine gleiche Richtung schauen und eine ähnliche Vorstellung davon haben, wie eng sie zusammen arbeiten wollen. Wir treffen da aber auch schon eine gewisse Vorauswahl beim Matching-Algorithmus.

Gibt es auch Beispiele, wo die Leute feststellen, dass es nichts für sie ist?

Anna Kaiser: Es kann passieren, dass Tandems sich trennen, so wie es immer und in jedem Job passieren kann. Es kann jemand kündigen, es kann sich bei jemandem eine Lebensphase ändern. Wir haben es in der Tat sehr, sehr selten, dass Menschen, die sich vorher Gedanken gemacht haben, dass sie einfach anders arbeiten wollen, nach ein paar Wochen sagen: „Jetzt will ich zurück zur 40-Stunden-Woche.“

Jana Tepe: Das kann höchstens passieren, wenn sich dann wieder eine Lebensphase ändert. Jobsharing-Modelle sind oft nur etwas für ein bis zwei Jahre, wenn die Kinder klein sind, wenn man gerade eine Weiterbildung macht, wenn man sich um Angehörige kümmert und diese pflegt. Und dann hat man danach vielleicht auch wieder Lust auf 40 Stunden, das ist ja auch gar nicht schlimm. Es geht ja nur darum, dass man jedem die Stundenzahl ermöglicht, die er gerade möchte.

Was kann ich tun, wenn ich meinen unwilligen Chef davon nicht überzeugen kann?

Anna Kaiser: Kündigen! (lacht)

Jana Tepe: Also wenn der Chef gar nicht mit sich reden lässt, muss man tatsächlich Klartext sprechen. Ich glaube, da sind auch die Arbeitnehmer gefragt, da Stellung zu beziehen und zu zeigen, was sie sich wünschen und was sie sich vorstellen. Denn sonst wird das auch einfach oft nicht gesehen. Also ja, manchmal herrscht natürlich auch die Kultur, dass man sich nicht traut, deswegen ermutigen wir die Leute, das auch einfach zu sagen und sich dann gut vorzubereiten auf die Argumentation. Und wir helfen auch dabei, Argumente zu sammeln. Wir schreiben beispielsweise auch auf unserem Blog ganz viel darüber, wie man so etwas verargumentiert, was die Vorteile sind, wie man auch vorrechnen kann und warum sich das finanziell lohnt. Je besser man da vorbereitet ist, desto eher überzeugt man dann auch den härtesten Kritiker.

Wie viel Mut braucht man für so einen Schritt?

Anna Kaiser: Mut ist ja immer etwas ganz individuelles. Das kann man so nicht beantworten. Das Schöne am Jobsharing ist, dass man einfach loslegen kann, dass man sonst nichts braucht. Das merken wir auch gerade auch bei den Firmen, mit denen wir zusammenarbeiten, die unsere Software intern nutzen, dass die Leute sich zusammen finden können. Und zwar nicht nur zu Jobsharing, sondern auch Jobrotation, Mentoring, spezielle Projekte. Das ist spannend, wenn Unternehmen erkennen, dass ihre Mitarbeiter fähig sind, sich sebst zu organisieren und flexibel sein wollen.

Die Unternehmen lernen gerade, dass sie ihren Mitarbeitern vertrauen können, man kann sie „empowern“, wie es so schön heißt. Und das ist genau der Punkt: Was heißt Mut? Mutig müssen wir alle sein, wenn es darum geht, neue Ideen für die Arbeitswelt der Zukunft zu spinnen. Aber wenn wir das zusammen machen und vor allem mit den Menschen in den Unternehmen, dann verteilt sich der Mut ja auch ein Stück weit wieder und es fühlt sich gar nicht nach so einem großen Schritt an.


Image „adventure“ by sasint (CC0 Public Domain)


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Warum Menschen auch nach Feierabend noch über ihren Job schreiben

Young woman thinking with pen while working (Image by Karolina Grabowska [CC0 Public Domain] via Pexels)

„Weißte, vielleicht muss ich das gerade einfach erzählen, sorry. Aber sagt man nicht, dass Ihr Taxifahrer irgendwie wie Therapeuten seid?“

„Da ist schon was dran, aber ich sag’s gleich: Was uns von Therapeuten unterscheidet, ist: Wir können nicht so gut helfen.“

„Ich hab mein Leben ruiniert, ich werd‘ alles neu anfangen müssen, es ist alles vorbei!“

Das Blog von Taxifahrer Sascha Bors liest sich wie eine Mischung aus Tagebuch, Action und Sitcom. Seit rund acht Jahren schreibt der gebürtige Schwabe auf Gestern Nacht im Taxi über seinen Alltag als Taxifahrer in Berlin. Leser bekommen hier nicht nur lustige bis nachdenklich stimmende Anekdoten von Bors Fahrten geboten, sondern auch viele Informationen über die Arbeit als Taxifahrer. Ein Beruf, der mit vielen Vorurteilen behaftet ist und oft missverstanden wird, findet Bors. Denn viele Kollegen arbeiten seiner Meinung nach viel zu viel, verdienen zu wenig und müssen sich dafür oft noch die neunmalklugen Sprüche der Fahrgäste anhören. Da jeder der Meinung sei, er könne Autofahren, würde oft unterschätzt, wie stressig der Job sein könne, erklärt er gegenüber den Netzpiloten: „Man kriegt da zu hören dass man Klausis Hinterhofkaschemme in 12878 Arsch-der-Welt ja wohl kennen müsse, dass es uns eigentlich noch zu gut ginge oder dass das Trinkgeld heute natürlich ausfällt, weil sorry, also bei ’nem Opel als Taxi …?“

Nach Feierabend auch noch über den Job schreiben?

Sascha Bors
Aus dem Taxi ins Blog: Sascha Bors

Das Schreiben über seinen Berufsalltag ist daher für Sascha Bors eine Mischung aus Tagebuch und Aufklärung. Er findet das Notieren seiner Geschichten nach Feierabend wie eine Therapie: Ist etwas schlecht gelaufen, kann er das beim Schreiben verarbeiten. Gibt es gute Nachrichten, kann er sie mit anderen teilen. Darüber hinaus nutzt er sein Blog eben auch, um seine Meinung zu äußern und um sein Wissen über die Taxifahrerei weiterzugeben.

So ähnlich sieht es auch sein Bloggerkollege Heiko Schneider. Auf kreidefressen schreibt er über seinen Alltag als Lehrer und das deutsche Schulsystem. Das Blog als persönliches Tagebuch zu nutzen, ist dabei nur ein Grund für seine Schreiberei. Schneider hatte es vor allem satt, wie der Mainstream über Lehrer berichtet. Wie Bors wehrt er sich so mit seinem Blog gegen Vorurteile: „Ich ärgere mich oft über die klischeehafte Auseinandersetzung mit dem Lehrerberuf,“ sagt Schneider zu den Netzpiloten. „Am Ende bleibt dann bei den Lesern wieder nur hängen: Dauerurlaub, Hitzefrei, faule Säcke und ungerechte Beurteilung.“ Sein Blog bietet ihm hier die Möglichkeit, dem ein Gegengewicht entgegenzustellen.

Heiko Schneider und Sascha Bors sind dabei bei Weitem nicht die einzigen im deutschsprachigen Raum, die über ihren Beruf bloggen. Zahlreiche Polizisten, Kellner oder Anwälte schreiben über ihren Beruf im Netz – um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Viele davon anonym. Einerseits um sich und ihre Inhalte vor neugierigen Lesern und Nachfragen zu schützen, andererseits aber auch um persönlicher über ihren Berufsalltag berichten zu können.

Heiko Schneider
Heiko Schneider

Denn wer öffentlich bloggt, muss sich natürlich auch über rechtliche Konsequenzen im Klaren sein. Berufsblogger müssen darauf achten, Orte oder Personen zu verfremden und ihre Inhalte gegebenenfalls auch mit dem Arbeitgeber abzustimmen. So haben Berufsblogger, die unter ihrem richtigen Namen schreiben, möglicherweise nicht die gleiche Freiheit wie anonyme Blogger.

Doch egal ob öffentlich, unter Pseudonym oder ganz anonym: Was motiviert Menschen eigentlich dazu, auch noch in ihrer Freizeit über den Job zu schreiben? Grundsätzlich scheint es dabei drei große Motivationsfaktoren zu geben, sagt Sonia Lippke, Psychologin und Professorin für Gesundheitspsychologie und Verhaltensmedizin an der Jacobs University in Bremen.

Der erste Faktor ist der Abbau von Stress. Schreiben wirkt wie eine Therapie und hilft den Bloggern, das Erlebte vom Tag zu verarbeiten. Der zweite Motivator ist eine Art Selbstreflexion, in der man sich und seine Rolle im Berufsalltag aus verschiedenen Perspektiven heraus betrachtet. Und dann gibt es natürlich auch Menschen, die gerne das Wissen aus ihrem Beruf an andere weitergeben möchten: „Es gibt eine große Gruppe von Bloggern, die sich voll und ganz mit ihrem Beruf identifizieren und auch sehr stolz auf ihre Arbeit sind und dann gerne darüber schreiben,“ sagt Sonia Lippke im Gespräch mit den Netzpiloten.

Bloggen zwischen Stressfaktor und Spaßfaktor

Zu dieser Gruppe gehört auch Günter Schütte, Landarzt in Ostfriesland. Auf seinem Blog, Hausarzt Ditzum, Nachrichten vom anderen Ende der Medizin, hat Schütte so etwas wie eine Onlinesprechstunde aufgebaut. Er schreibt hier genauso über Hilfe gegen Kater wie über Schlaflosigkeit oder über Brustkrebs. Im Netzpiloten-Interview erklärt er, dass er über all das schreibt, was seine Patienten in der Sprechstunde bewegt: „Ich habe mit meinem Blog vor Jahren angefangen, weil ich  meinen Patienten zuverlässige medizinische Informationen liefern wollte.“ Auch wenn er seit 2015 in Rente gegangen ist, bloggt er auch jetzt noch regelmäßig über medizinische Themen. Das Schreiben hat er dabei nie als belastend oder anstrengend empfunden: „Abschalten brauche ich nicht. Arbeit ist für mich ein Hobby und ich bin sehr traurig, dass ich meine Praxis nicht mehr führen kann.“

Sonia Lippke
Sonia Lippke

Die Work-Life-Balance Expertin Sonia Lippke findet auch nicht, dass Arbeit und Freizeit zwei streng getrennte Bereiche sein müssen. Es käme viel mehr darauf an, sich auf eine Sache zu konzentrieren: „Der Mensch ist nicht für das Multitasking geschaffen. Unser Gehirn kann einfach mehrere Prozesse gleichzeitig nicht gut verarbeiten. Das ist auch bei der Work-Life-Balance wichtig. Wir müssen lernen, im Hier und Jetzt zu leben.“ Das bedeutet: Wenn wir arbeiten, sollten wir uns auf den Job konzentrieren und in unserer Freizeit sollten wir nicht noch nebenher Arbeitsemails checken. Das Problem liegt dabei nicht darin, dass Arbeit und Freizeit immer mehr miteinander verschmelzen. Die Krux ist eher, dass wir nicht völlig abschalten können und uns dann nicht auf den Moment einlassen können, in dem wir uns gerade befinden – weil das Handy vielleicht gerade vibriert oder die E-Mail Alerts uns ablenken. „Wir müssen daher zum Teil wieder lernen, uns auf die Situation zu konzentrieren, in der wir gerade sind und den Augenblick voll und ganz zu genießen.“ Denn sonst kann auch das Schreiben über den Beruf irgendwann von der Entspannung zum Stress werden. Daher ist wichtig, dass man den Spaß beim Bloggen nicht verliert.

Peter Wilhelm (Image by Peter Roskothen)
Peter Wilhelm (Image by Peter Roskothen)

Diese Gefahr läuft Peter Wilhelm sicher nicht. Der studierte Psychologe und ehemalige Bestattungsunternehmer ist wahrscheinlich nicht nur Deutschlands bekanntester Bestattungsexperte, sondern auch einer der humorvollsten. Auf Bestatterweblog lässt er sich auf satirische Weise über den Alltag im Bestatterleben aus und beantwortet auch die vielen Fragen seiner Leser über den Tod, das Sterben und Beerdigungen. Ohne das Komische an diesem Job zu sehen, ginge das gar nicht, erzählt Wilhelm den Netzpiloten: „In jedem Beruf, der sich mit den unschöneren Seiten unseres Daseins befasst, ist es wichtig, eine gute Portion Humor zu haben. In meinen Werken jedoch dient mir der Humor und ein unterhaltsamer Erzählstil dazu, die bittere Pille der Information mit dem Zuckerguss der Unterhaltung zu überziehen. Süß rutscht besser!“

So schreibt Wilhelm nicht nur über seinen vorigen Beruf als Bestatter, er ist auch der Chefredakteur der Publikation Bestatter heute, er unterhält Menschen von der Bühne aus mit einer satirischen Show über das Sterben und er hat auch mehrere Bücher zu diesen Themen herausgebracht. Titel wie „Darf ich meine Oma selbst verbrennen?“ zeigen, dass er das ernste Thema Tod auch immer mit einem Schmunzeln betrachtet.

Günter Schütte
Günter Schütte

Dabei geht Wilhelm mit allen Fragen zum Sterben sehr ernsthaft und respektvoll um. Schließlich geht es ihm auch darum, den Menschen – wenn auch nicht die Angst vor dem Sterben und dem Tod – dann wenigstens die Angst um das Drumherum zu nehmen.

Daneben möchte er auch, ähnlich wie Sascha Bors oder Günter Schütte, das Wissen über seinen Beruf mit seinen Lesern teilen: „Als Bestatter ist man es gewohnt, dass die Menschen einem mitunter etwas distanziert gegenüber stehen. Wer beschäftigt sich schon gerne mit der eigenen Endlichkeit? In lockerer Runde kommt dann aber sehr schnell der Punkt, an dem jeder die Chance nutzt, um endlich mal die Fragen zu stellen, die er immer schon stellen wollte. Werden Toten wirklich die Knochen gebrochen? Wachsen die Haare nach dem Tod weiter? Kann man als Scheintoter versehentlich begraben werden? Es waren und sind immer dieselben Fragen.“ Was lag also näher, als all diese Fragen in einem Blog zu beantworten.

Berufsblogs als neue Gesprächsform

Auch Landarzt Günter Schütte greift viele Fragen seiner Patienten oder Leser auf. Das geht oft weit über rein berufliche Fragen hinaus. Denn egal ob Landarzt, Bestattungsunternehmer, Lehrer oder Taxifahrer: Fremde Berufe erregen immer Neugierde und die Menschen lesen gerne etwas über einen anderen Arbeitsalltag – gerade wenn sie zu einem Thema besonders viele Fragen haben.

So kann das Berufsblog dann sogar zu einer neuen Form der Kommunikation werden. Gerade wenn Blogger dann zu sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter greifen, um sich mit ihren Lesern auszutauschen, entsteht über den Berufsblog im simpelsten Fall eine Art Fragestunde, im besten Fall aber ein neuer und interessanter gesellschaftlicher Dialog.


Image „Young woman thinking with pen while working“ by Karolina Grabowska (CC0 Public Domain)


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Warum glückliche Mitarbeiter besser arbeiten

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Stephanie Greenstreet startet ihren Arbeitstag oft mit einer Yogastunde. Danach gratuliert sie vielleicht einem Kollegen zum neuen Baby und überreicht ihm einen Strampler. Nach dem Mittagessen mit Kollegen gönnt sie sich dann oft ein Eis und einen Spaziergang im Park. Danach schaut sie sich möglicherweise eine neue Produktpräsentation an, um den Arbeitstag dann gemütlich mit Kollegen bei einem Bierchen ausklingen zu lassen.

Stephanie Greenstreet ist Feelgood Managerin bei der Wissenschaftsplattform ResearchGate. Ihre ganz offizielle Arbeitsbeschreibung ist es, ihre Teamkollegen bei Laune zu halten. So klingt es auch eher nach Bespaßung als nach Arbeit, wenn Greenstreet gegenüber den Netzpiloten ihre Aufgaben beschreibt:

„Ich helfe neuen Kollegen dabei, sich einzugewöhnen und organisiere verschiedene kleinere und größere Teamevents, wie beispielsweise unsere Yogaklasse, unsere Weihnachtspartys, Stammtische oder Unternehmensmarathons, in denen wir alle laufen gehen. Kurz gesagt, ich arbeite mit unserem Geschäftsführer Ijad Madisch daran, eine positive Unternehmenskultur zu schaffen.“

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Ijad Madisch and Stephanie Greenstreet (image by Stephanie Greenstreet)

Wohlfühl-Manager gibt es in Deutschland erst seit wenigen Jahren. Doch viele Unternehmen haben erkannt, dass sie in Zeiten von Fachkräftemangel und Rekordunzufriedenheit im Job, ihre Mitarbeiter bei der Stange halten müssen. Interessanterweise zeigen Umfragen, dass Angestellte dabei nicht mehr so viel Wert auf das Materielle legen. In ihrem aktuellen Praxispapier zum Performance Management stellt die Deutsche Gesellschaft für Personalführung fest, dass den neuen Arbeitnehmern der Generation Y Selbständigkeit und Flexibilität wichtiger sind als Geld. Mitarbeiter wollen also keinen Dienstwagen oder ein Büro mit Aussicht, sie wollen Erfüllung im Job und Spaß bei der Arbeit.

Frustfaktor Großraumbüros

Feelgood Manager sind dabei ein Weg,  um ein gutes Betriebsklima zu schaffen. Andere Firmen wiederum sollten sich auf die Architektur konzentrieren. So hat beispielsweise eine Umfrage des Schweizer Sekretariats für Wirtschaft, SECO, ergeben, dass die bei Unternehmen so beliebten Großraumbüros das Betriebsklima stark belasten können, wenn die Angestellten zu wenig Raum, schlechtes Licht oder mangelnde Belüftung vorfinden.

Anstatt sich auf die Arbeit zu konzentrieren und jeden Morgen freudig ins Büro zu gehen, sind Mitarbeiter frustriert, weil sie ständig den Lärm der Schnellstraße hören oder dem Kollegen fast auf dem Schoß sitzen.

Gerade Lärm ist oft ein Faktor der unterschätzt wird. So schätzt etwa Markus Meis, Forscher für das Hörzentrum der Universität Oldenburg, dass die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern durch Bürolärm um fünf bis zehn Prozent sinken kann. Das muss nicht unbedingt der Baulärm vor dem Büro sein, auch laute Gespräche von Mitarbeitern sind große Stressfaktoren. Denn Lärm löst eine Kette von negativen Reaktionen im Körper aus: Der Blutdruck kann steigen, manche bekommen Kopfschmerzen, andere wiederum leiden unter Muskelverspannungen oder Magenschmerzen. Diese Belastung kann oft schon mit mehr Raum zwischen den Schreibtischen erheblich verbessert werden.

Auch schlechtes Licht im Büro kann dazu führen, dass Mitarbeiter deprimiert werden. Wer ständig unter Halogenlampen arbeitet und kaum natürliches Licht sieht, fühlt sich bei der Arbeit schnell wie im Dauerwinter. Das Ergebnis: Die Mitarbeiter sind unmotiviert, schlecht gelaunt und suchen wahrscheinlich in ihrer Arbeitszeit nach einem neuen Job. Wenn Unternehmen also beim Einrichten der Büros sparen oder auf diese Details nicht achten, wandern ihnen die Mitarbeiter sehr schnell ab.

SECO hat deshalb in seinem Report auch ausführliche Guidelines zusammengestellt, um selbst in den verhassten Großraumbüros so etwas wie eine gemütliche Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Dazu gehören eine vernünftige Belüftung, viel natürliches Licht, gute Lärmisolation, viel Platz zwischen Arbeitsstationen und Farbe an den Wänden.

Glückliche Mitarbeiter sind offener und kreativer

All das mag vielen Unternehmen ein wenig übertrieben vorkommen, aber glückliche Mitarbeiter sind enorm wichtig für einen Betrieb. Nicht nur, weil sie gerne zur Arbeit kommen und sich engagieren, sondern auch weil sie bessere Entscheidungen für das Unternehmen treffen.

In einer Studie für das Journal of Consumer Psychology hat Alice M. Isen gezeigt, dass zufriedene Mitarbeiter Informationen anders im Gehirn verarbeiten als ihre frustrierten Kollegen. Demnach treffen glückliche Angestellte sorgfältigere, effizientere, flexiblere und innovativere Entscheidungen. Wer mehr positiven Affekt im Job bekommt, geht nach Isen weniger unkalkulierbare Risiken ein, setzt sich aber auch viel mehr ein und denkt öfter um die Ecke und kommt so auf völlig neue Ideen. Glücklichsein spornt also offensichtlich unsere Kreativität an.

Und nicht nur das! Isen hat auch herausgefunden, dass zufriedene Mitarbeiter offener an ihre Arbeit herangehen: Sie sind weniger arrogant und begegnen anderen Menschen mit mehr Toleranz. „Sie haben nicht unbedingt weniger Vorurteile als andere Menschen,“ schreibt Isen in ihrer Studie, „aber sie gehen offener an Situationen heran und lassen auch andere Meinungen und Einstellungen schneller zu.“ Auch das führt natürlich dazu, dass Mitarbeiter zu kreativeren Lösungen kommen. Positiv gestimmte Mitarbeiter wirken sich laut Isen auch auf die Kundenzufriedenheit aus. Wer glücklicher ist, geht auch viel freundlicher an andere Menschen heran – und wer zuvorkommend behandelt wird, ist am Ende viel zufriedener mit dem Service.

Gemeinsames Lachen verbessert die Arbeitsstimmung

Doch wie bekommt man es hin, dass Mitarbeiter glücklich sind? Es reicht sicher nicht, ein nettes Büro einzurichten und einen Feelgood Manager hinzustellen. Der Schlüssel zu einem tollen Betriebsklima ist das gemeinsame Spaßhaben. Zusammen lachen macht glücklich, auch bei der Arbeit. Schon 1988 zeigte ein Forscherteam um Fritz Strack, dass Lächeln gute Laune macht. Demnach ist es dem Gehirn offenbar egal, ob wir wirklich lächeln oder uns ein Lächeln aufzwingen. Sobald wir unsere Lippen nach oben schieben, wird dem Gehirn signalisiert, dass wir glücklich sind und es werden automatisch Glückshormone freigesetzt.

Lächeln lässt uns offensichtlich auch besser lernen. Psychologin Kristy A. Nielson hat beispielsweise festgestellt, dass wir uns Dinge besser merken können, wenn wir bis spätestens 30 Minuten nach dem Aufnehmen der Information lächeln.

Das ist auch im Büro nicht anders. So zeigen die Wissenschaftler Adrian Gostick und Scott Christopher in einem Artikel zu den psychologischen Vorteilen von Humor auf, wie hilfreich Lachen bei der Arbeit sein kann. Wer öfter lacht, ist demzufolge seltener müde und kann so schneller, effizienter und produktiver arbeiten. Je humorvoller die Atmosphäre bei der Arbeit, desto glücklicher und produktiver sind die Mitarbeiter. Denn Humor verbindet und entkrampft.

Vorsicht vor zu viel guter Laune

Doch Vorsicht! Nicht immer ist gute Stimmung auch gut für das Arbeitsklima. Wer immer nur auf gut Wetter macht und dabei Konflikte vermeidet, tut sich langfristig keinen Gefallen. Die Wissenschaftler Dirk Lindenbaum und Peter J. Jordan behaupten deshalb, dass schlechte Laune ab und zu auch sehr hilfreich für das Betriebsklima sein kann. Ihre Studien haben nämlich gezeigt, dass einige Mitarbeiter nach einer konstruktiven Kritik tatsächlich besser arbeiten, als wenn sie immer nur gelobt werden. Nach Lindenbaum und Jordan fördert Kritik nämlich die Diskussionskultur. Damit sind Mitarbeiter motivierter, zu sagen, was ihnen nicht passt. Anstatt also immer zu behaupten, alles sei in Butter, kann so Kritik tatsächlich zu Verbesserungen führen. Manchmal muss man offensichtlich also die schlechte Laune einfach mal herauslassen.


Image „Paperclips“ by succo (CC0 Public Domain)


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  • SAMSUNG n-tv: Samsung macht Beteiligungen zu Geld: Nachdem Samsung den großen Rückschlag mit dem Note 7 hatte, verkauften sie auf einen Schlag zahlreiche wertvolle Beteiligungen. Der Rückruf des Note 7 dürfte mehrere Milliarden Dollar kosten und das ist, selbst für einen Riesenkonzern, sehr viel Geld. Das Unternehmen verkaufte den Angaben zufolge seinen Anteil von 4,5 Prozent am Speicher-Spezialisten Rambus und die Beteiligung von 0,7 Prozent am japanischen Elektronik-Anbieter Sharp.
  • SNAPCHAT HORIZONT: So arbeitet die Snapchat-Agentur: Wer wollte nicht schon immer wissen wie es bei einem Großkonzern hinter den Kulissen aussieht? Im Interview mit Paul Marcum erfährt man Wissenswertes. Er ist Chef der Content-Agentur Truffle Pig, an der neben Snapchat auch die weltgrößte Werbeholding WPP beteiligt ist.
  • LINUX heise online: Linux 4.8 bringt neue Treiber und verbessert die Sicherheit: Das am 3. Oktober erwartete Linux 4.8 bringt zahlreiche neue und überarbeitete Treiber, durch die der Kernel 500 weitere Geräte oder Geräteklassen unterstützt. Linus Torvalds hat bei der Freigabe der neuesten Vorabversion angekündigt, wahrscheinlich noch eine weitere veröffentlichen zu wollen. Die Entwicklung der neuen Version wird daher wahrscheinlich nicht neun Wochen dauern, wie zuletzt üblich, sondern zehn.
  • SKYPE t3n: Skype macht Office in London dicht: 400 Mitarbeiter könnten Job verlieren: Nach der Brexit Abstimmung schließt Microsoft das Skype-Büro in London. Insgesamt streicht Microsoft 2850 Stellen. Bereits im Juli hat Microsoft angekündigt, dass sie 2850 Mitarbeiter in einem Zeitraum von 12 Monaten entlassen wollen. Gegenüber Fortune meinte Microsoft, dass sie versuchen, denen unter die Arme zu greifen, die von den Entlassungen betroffen sind.
  • SMARTWATCH golem: Samsungs Gear S3 wird günstiger als erwartet: Die neue Smartwatch Gear S3 kommt voraussichtlich zu einem geringeren Preis auf den Markt als bisher vermutet. Alle großen Händler verlangen 50 Euro weniger als zunächst angegeben. Nachdem Media Markt und Saturn vor zwei Wochen die Uhr zum Vorbestellen ins Sortiment genommen hatten, wurde noch ein Preis von 450 Euro verlangt. Mittlerweile ist der Preis für die Smartwatch, lange vor dem Verkaufsstart bei allen Onlinehändlern, auf 400 Euro gesunken. Verkaufsstart ist der 15. November 2016.
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Ist mein Chef ein Psychopath? – Hilfe aus der Jobfalle

Watch your head (adapted) (Image by Kenny Louie [CC BY 2.0] via flickr)

Ein Unternehmen zu leiten, erfordert eine zielstrebige oder sogar rücksichtslose Denkweise, die Fähigkeit, sicher aufzutreten und die Zügel in der Hand zu haben. Man sollte energisch und berechnend und ein akribischer Planer sein – Eigenschaften, die nur wenige besitzen. Aber es gibt eine Kategorie von Personen, die diese Eigenschaften im Überfluss hat: Psychopathen.

Der Forscher Robert Hare schätzt, dass diese Profilbeschreibung auf etwa ein Prozent der Bevölkerung zutrifft, aber der Anteil an CEOs könnte vier Mal so hoch sein. Kevin Dutton, Psychologe an der Oxford University, hat 5.400 Personen mit einer Vielzahl an Berufen untersucht. Er hat eine Liste der Top Ten-Berufe zusammengestellt, welche in der Rangfolge der Psychopathie ganz oben stehen. Den ersten Platz belegen die CEOs, gefolgt von Anwälten, Medienpersönlichkeiten, Verkäufern und Chirurgen. Während es für psychopathische Individuen wahrscheinlicher ist als für andere Menschen, dass sie Verbrechen begehen, schaffen es die meisten von ihnen, ein erfolgreiches Leben zu leben. Ihre psychopathische Persönlichkeit hilft ihnen dabei sogar. Das Problem besteht darin, dass es der psychopathische Chef ist, der die Kultur und den Umgangston für die Art und Weise festlegt, wie manche Organisationen ihren Geschäften nachgehen.

Zieht der Chef es vor, ethisch vertretbar zu arbeiten, oder bewegt man sich in der Grauzone zwischen einer ethisch fragwürdigen und einer sich noch im legalen Bereich befindlichen Tätigkeit? Oder schlimmer noch, überschreitet er gern die Grenze der Legalität, wenn die Risiken gering sind und die Vorteile die rechtliche Verbindlichkeit überwiegen? Wer für so einen Chef arbeitet, kann manchmal in die Bredouille geraten. Um den Chef nicht aufzuregen, entwickeln solche Menschen eine Art ethische Blindheit. Diese Angestellten sind sich meist nicht bewusst, dass sie unethisch handeln, das Management hat schlicht und ergreifend eine Umgebung geschaffen, in der Ethik nicht viel Beachtung geschenkt wird. Das gestattet es andernfalls anständigen Menschen, sich in diesem Verhalten zu etablieren. Wenn eine ansonsten anständige Person mit einer schädlichen Umgebung konfrontiert wird, vielleicht eine, die von einem psychopathischen Chef geschaffen wurde, fällt es dieser Person sehr schwer, nicht in ethische Blindheit und schädliches Verhalten abzurutschen.

Wonach man Ausschau halten sollte

Der Psychologe Phillip Zimbardo, bekannt für sein Stanford-Prison-Experiment, wartet mit einem Set von sozialen Prozessen auf, die „das Böse beschleunigen“. Diese zu lesen ist eine Erinnerung, wie wir alle auf dem höchsten Punkt unserer eigenen schiefen Ebene sitzen:

  • Gedankenlos den ersten kleinen Schritt tun

Es ist einfach, wenn es viel zu erreichen und wenig zu verlieren gibt. Es ist der „schmale Grat am Rand“, der die Vorwärtsbewegung auslöst. Im Geschäft könnte man von Ihnen erwarten, dass ein paar Einsparungen ein akzeptabler Teil der Arbeit ist. Wenn die Zeit vergeht, bewegt sich diese Praxis von der Überlegung, ob man das Richtige tut, hin zu den Gedanken, wie man damit durchkommen kann – ein Übergang, der in einer Kultur der ethischen Blindheit leicht fällt.

  • Entmenschlichung von anderen

Wenn das Stammesdenken von „uns und denen“ die Leute dazu bringt, Außenstehende als Untermenschen anzusehen. Die blutgetränkte Geschichte der Kriegsführung verdeutlicht das destruktive Potenzial dieser Denkweise. Wenn ein Chef jedem sagt, dass hier gerade Krieg herrscht, dass wir „die Konkurrenz zerschmettern müssen“ oder „sie begraben“, wird eine feindliche Umgebung geschaffen, in der das Überleben davon abhängt den Feind zu töten.

  • Anti-Individualisierung des Selbst (Anonymität)

Menschen, die ihre Identität maskieren, werden sich wahrscheinlich antisozialer Verhaltensweisen bedienen, da Anonymität uns die Erlaubnis gibt, uns schlecht zu benehmen. Wenn ein Arbeiter ein anonymes Zahnrad in einer maschinenartigen Organisation ist, fühlt er sich selbst weniger menschlich, und daher auch weniger regiert vom menschlichen Anstand

  • Zerstreuung der persönlichen Verantwortung

Lassen Sie sich von der Mentalität des Mobs (wie beispielsweise einem Lynch-Mob) mitreißen, und Sie sind zu fast allem fähig. Tausende von normalerweise gesetzestreuen Londonern wurden in den Unruhen von 2011 zu Plünderern und Brandstiftern, weil „alle anderen es auch gemacht haben“. Ein Arbeitsplatz, an dem eine Kultur des Zweckes herrscht, der die Mittel heiligt, macht es Menschen einfach, das zu tun, was alle anderen ebenfalls tun.

  • Blinder Gehorsam gegenüber Autorität

Wenn eine Autoritätsperson wie der Chef von Ihnen verlangt, etwas zu erledigen, ist es schwer abzulehnen – insbesondere, wenn das Nichtbefolgen der Anweisung ernste Konsequenzen mit sich bringt. In der Vergangenheit konnte solcher Ungehorsam tödlich sein.

  • Unkritische Angepasstheit an Gruppennormen.

Normen üben einen machtvollen Einfluss auf unser Verhalten aus, besonders wenn Ungehorsam oder Nonkonformität dazu führt, dass Sie aus der Organisation geworfen werden. In der evolutionären Vergangenheit war sozialer Ausschluss gleichbedeutend mit Tod, daher tendieren unsere Instinkte zur Anpassung.

  • Passive Toleranz des Bösen durch Nichtstun oder Gleichgültigkeit.

Wie Edmund Burke vermerkte, „ist das einzige, was für den Triumph des Bösen notwendig ist, dass die anständigen Leute nichts tun.“ Sie müssen kein Täter sein. Es reicht, einfach passiv daneben zu stehen.

Führung von unten nach oben

Sie können sich trotzdem als ethische Person in Ihrem eigenen Einflussbereich etablieren, vorausgesetzt, Ihr Chef ist nicht diabolisch. Das ist eine Form der Führung von unten nach oben, welche anderen ein gutes Beispiel bietet, es Ihnen gleich zu tun. Wenn sich genügend Einflussbereiche überschneiden, verändert sich die Unternehmenskultur. Letzten Endes kann es für Sie die beste Option sein, sich nach einem anderen Job umzusehen und in Würde zu gehen. Aber unterschätzen Sie nicht die Macht des kollektiven Handelns, um eine ethische Arbeitsumgebung zu schaffen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Watch your head“ by Kenny Louie (CC BY 2.0)


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Von der Sekretärin zum persönlichen Manager: Der Aufstieg der virtuellen Assistenten

laptop (Image by parthshah000 [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Telefonate entgegennehmen, Blogeinträge schreiben, Social Media-Accounts managen, Rechnungen aufsetzen, die Finanzplanung übernehmen – und das alles auf einmal. Gibt es nicht? Gibt es doch! Während die Wissenschaft es immer noch nicht geschafft hat, die eierlegende Wollmilchsau zu erschaffen, gibt es sie in der Arbeitswelt schon längst. Sie nennen sich virtuelle Assistenten (VA) und sind so etwas wie die Schweizer Taschenmesser der digitalen Ära: Es gibt wenig, das sie nicht können und kaum etwas, das sie nicht bereit sind zu lernen. Mit ihren vielfältigen Talenten von WordPress Organisation bis Buchhaltung sind sie dabei weniger Sekretäre, sondern vielmehr persönliche Manager.

Diana Ennen und Kelly Poelker, selbst virtuelle Assistentinnen und Autorinnen der VA-Bibel Virtual Assistant. The Series definieren die virtuellen Assistenten als „hochqualifizierte und hochspezialisierte Fachleute, die Unternehmer, Manager, Verkaufsprofis und all diejenigen unterstützen, die mehr Arbeit als Zeit haben.

Von der Sekretärin zur virtuellen Assistentin

Ein virtueller Assistent ist also ein externer Fachmann, der Firmen oder Unternehmen bei gewissen Aufgaben unter die Arme greift. Je nach Qualifikation des Assistenten und Kundenwunsch umfasst der Aufgabenbereich der VA dabei so unterschiedliche Felder wie Kundenrecherche, Organisation von Reisen, Marketingberatung, das Abtippen von Protokollen, Übersetzungen oder Webseitenbetreuung. Einige virtuelle Assistenten arbeiten als Freelancer, andere nutzen spezielle Agenturen für die Kundenvermittlung, während wiederum andere eigenständige Unternehmer sind.

Während es persönliche Assistenten und Sekretäre natürlich schon seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts gibt, wurde der Begriff „virtueller Assistent“ laut Ennen und Poelker im Jahr 1997 zum ersten Mal verwendet. Demnach war es Lifecoach Thomas Leonard, der in einem Interview davon berichtete, wie eine Assistentin so ziemlich alles für ihn managte, wozu er selbst keine Zeit fand. Da er diese Assistentin allerdings noch nie persönlich getroffen hatte, nannte er sie seine virtuelle Assistentin. Ein neuer Beruf war geboren.

Trendjob Virtueller Assistent

Dennoch war der Beruf in dieser Zeit noch eine Seltenheit. Vor zehn Jahren gab es gerade mal eine Handvoll VAs, heutzutage boomt der Job – ermöglicht durch das Internet und die weltweit voranschreitende Digitalisierung. Zwar gibt es nur grobe Schätzungen über die genaue Anzahl von virtuellen Assistenten weltweit, doch der Trend zeigt klar nach oben. Mit Statistiken, die voraussagen, dass der Online-Arbeitsmarkt bis 2018 einen Wert von rund 4,4 Milliarden Euro haben wird, steigt die Nachfrage nach virtuellen Assistenten weiter.

VA Google Trend

Outsourcing ist also keine Modeerscheinung mehr, sondern längst Realität. Je komplexer die Aufgaben sind, je globaler Firmen arbeiten und je spezialisierter unsere Berufe werden, Firmen auf das Verlagern von Aufgaben. Callcenter in Osteuropa, Webdesigner aus Indien oder Produktionsstätten in China sind die Ausmaße von Outsourcing bei großen Konzernen. Doch auch Kleinbetriebe, Solopreneure und mittelständische Onlineunternehmer sind auf externe Hilfe angewiesen. Seitdem Tim Ferris 2007 in seinem bahnbrechendem Bestseller zur vierstündigen Arbeitswoche die Weichen für Online-Unternehmen legte und die Idee der virtuellen Assistenten ins Spiel brachte, boomt der Begriff.

Mutter + Vollzeitstelle = Virtuelle Assistentin

Es war auch zu ungefähr dieser Zeit, als Zeina Barker zum ersten Mal den BZeina Barkeregriff hörte. Sie war gerade Mutter geworden und wollte einerseits mehr Zeit mir ihrer Familie verbringen, andererseits aber auch wieder in ihren Job zurückkehren. Doch auch wenn ihre Arbeit mit internationalen Unternehmen der Londonerin viel Freude bereitete, stundenlanges Pendeln wollte sie dabei nicht mehr in Kauf nehmen. Gleichzeitig arbeiten und mehr Zeit zu Hause verbringen, schien daher zunächst nicht machbar – bis sie über die Onlinestellenbörse People per Hour stieß: „Hier beschloss ich dann, meine Erfahrung und meine Ausbildung zu nutzen, um ganz neu als virtuelle Assistentin anzufangen. Das ist nun sieben Jahre her, aber ich habe es nie bereut. Es war zwar nicht immer einfach und ist auch jetzt noch oft eine Herausforderung, aber gleichzeitig auch unglaublich erfüllend“ erklärt sie gegenüber den Netzpiloten. Barker arbeitet immer noch hin und wieder als Freelancerin, betreibt aber gleichzeitg auch ihre eigene VA-Firma vefficient.

Barkers Weg zur virtuellen Assistentin verkörpert einen weiteren Trend dieses Berufs: Nach Umfrage der Virtual Assistant Networking Association sind 96,8 Prozent der Befragten Frauen und über drei Viertel haben Kinder. Das zeigt, dass Mütter weder bei der Familie noch in ihrem Job zurückstecken wollen. Gerade in den USA entscheiden sich viele Frauen für das Arbeitsmodell der „work-at-home-Mom“, also der berufstätigen Mutter im Homeoffice.

„Ich werde für´s Lernen bezahlt“

Die Vielfalt der Aufgaben und der leichte Einstieg in den Job als virtuelle Assistentin könnten Gründe dafür sein, warum viele Frauen als Neulinge in der digitalen Arbeitswelt gerade diesen Onlineberuf wählen. „Virtueller Assistent ist ein idealer Einstiegsberuf für alle, die noch nie online gearbeitet haben“ sagt etwa Vera Ruttkowski, eine der bekanntesten deutschen virtuellen Assistentinnen, im Netzpiloten-Gespräch. Ruttkowski arbeitet seit gut zwei Jahren als virtuelle Assistentin und betreut mittlerweile als SelVera Rutkowskibstständige sechs feste Kunden. Ihre Dienstleistungen reichen unter anderem von Blogbetreuung über Finanzmanagement bis hin zur Social Media-Betreuung. Gerade diese Abwechslung, gepaart mit dem steten Lernprozess durch immer neue Aufgaben, machen den Beruf so attraktiv für sie: „Es ist unglaublich spannend, mit meinen Kunden mitzuwachsen. Ich habe die Chance, sehr viel Neues zu lernen – und werde dafür auch noch bezahlt. Was will man mehr?!“

Auch Zeina Barker, die sich auf e-Marketing, Projektmanagement und Übersetzungen (sie spricht Englisch, Französisch und Arabisch) spezialisiert hat, liebt die Vielfalt ihres Arbeitsalltags. „Alle Kunden sind sehr verschieden und bei mir gleicht wirklich kein Tag dem anderen. So wird es nie langweilig!“

Selbstverständlich erfordert eine solch freie Form der Arbeit aber auch straffe Selbstorganisation, Disziplin, Zuverlässigkeit, eine sehr gute Kommunikationsfähigkeit, Offenheit für Neues und Flexibilität. „Das schwierigste an dem Job ist für mich das Organisieren meiner Zeit“ sagt Ruttkowski. Barker wiederum glaubt, dass die virtuelle Kommunikation mit Kunden per E-Mail oder Skype manchmal mehr Zeit raubt als spart.

Dennoch lieben sowohl Barker als auch Ruttkowski ihren Beruf. Neben der eigentlichen Arbeit ist es vor allem eins, das sie an ihrer Tätigkeit schätzen – ihre Unabhängigkeit. Für Barker ist dies ein unglaublicher Ansporn: „Ich kann alles machen, was ich will, es gibt wirklich keine Grenzen für meine Fähigkeiten. Ich finde das sehr erfüllend und motivierend!“


Image „Laptop“ by partshah000 (CC0 Public Domain)


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  • KOMMUNIKATION t3n: Snapchat-Effekt: Darum erobert visuelle Kommunikation die Welt: Die Zukunft der Kommunikation ist visuell! – da ist sich Semiotik-Professors Gunter Kress sicher. Reiner Text-Content wird immer mehr von visuellen Inhalten wie Bildern, Grafiken und Videos verdrängt. Dies ist auch am starken Wachstum von sozialen Netzwerken wie Instagram oder Snapchat zu erkennen, bei denen visueller Content im Mittelpunkt steht. Aber nicht nur in der Online-Welt begegnen uns visuell aufbereitete Inhalte, sondern auch in beispielsweise Power-Point-Präsentationen werden Sachverhalte mit Hilfe von Bildern und Grafiken aufgebrochen und somit leichter erfassbar.
  • YOUTUBE GoogleWatchBlog: YouTube antwortet auf Offenen Brief: Allein im vergangen Jahr wurde 1 Milliarde Dollar ausbezahlt: Die von YouTube veröffentlichten Zahlen als Reaktion auf den Offenen Brief, in dem sich vieler Künstler über eine schlechte Bezahlung seitens YouTube beschwerten, sprechen für sich. In dem veröffentlichten Blog Posting von Google wird klar hervorgehoben, dass der Schutz und die Förderung der Kreativität höchste Priorität hat. Alleine im letzten Jahr soll YouTube 1 Milliarde Doller an Plattenfirmen ausbezahlt haben.
  • APPLE heise online: Apple Pay in Deutschland: Banken sehen Apple als Bremser: Im Bezug auf den IPhone- und Apple-Watch-Bezahldienst ist die Schweiz nun Deutschland voraus. Dort ist seit Kurzem der kontaktlose Bezahldienst mittels iPhone und Apple Watch Realität. Machte es bisher den Eindruck, dass die deutschen Banken Probleme bei der Umsetzung machen, scheint die Verzögerung nun an Apple zu liegen. Daran hat auch die von Apple-Nutzern gestartete Petition bisher nichts geändert.
  • JOB Time: 6 Things Recruiters Look For in Your LinkedIn Profile Der erste Eindruck zählt! Das gilt auch beim „Scannen“ eines LinkedIn Profils von potenziellen Kandidaten. Eine Studie von The Ladders ergab, dass Personalvermittler einen Lebenslauf nur durchschnittlich sechs Sekunden betrachten. Angelegte Online-Profile müssen in noch kürzerer Zeit überzeugen. Nach Angaben von Heather Whaley gibt es sechs Kriterien auf die bei der Gestaltung eines LinkedIn-Profils besonders zu achten ist. Welche dies sind, lest ihr hier:
  • GOOGLE GoogleWatchBlog: Google Keyboard 5.1: Neue Version der Tastatur-App mit anpassbarer Farbgebung: Google Tastatur-App auf Überholspur! Mit dem Update auf Version 5.1 des Google Keyboards ist eine vollkommende Personalisierung möglich, da der Skin der Tastatur angepasst werden kann. Nutzer können dabei zwischen 12 vorgegebenen Farbkombinationen wählen oder ihren ganz individuellen Skin gestalten. Ein weiterer Vorteil des Updates ist, dass UNICODE 9 unterstützt wird und somit eine größere Vielfalt an Emojis verfügbar ist.
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  • DIGITALISIERUNG faz: Behörden fürchten Digitalisierung mehr als Flüchtlingskrise: Die Bewältigung der Flüchtlingskrise steht zwar auf der politischen Agenda weit oben – für die öffentliche Verwaltung in Deutschland gilt das aber nur mit Abstrichen: Eine Mehrheit der Behördenleiter erwartet, dass ihre mit Abstand größte Herausforderung der kommenden fünf Jahre die Digitalisierung und der Umstieg auf elektronisch geführte Akten sein werden. Die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen steht für sie nur auf Platz fünf der Themen mit großem Handlungsbedarf. Das zeigt eine Studie der Hertie School of Governance, die dieser Zeitung vorliegt. Für die Studie wurden rund 1200 Behördenleiter aller staatlichen Ebenen befragt.

  • UBER heise: Daimler: Uber ist uns zu teuer: Daimler-Chef Dieter Zetsche kann sich eine Zusammenarbeit mit dem Fahrdienst-Vermittler Uber vorstellen. „Wir können potenziell in manchen Bereichen kooperieren und in anderen Konkurrenten sein“, sagte Zetsche am Mittwoch auf der Internet-Konferenz Axel Springer Noah Berlin. Zugleich schränkte er ein, dass es nichts Konkretes anzukündigen gebe. Für einen Einstieg sei Uber mit einer Bewertung von zuletzt mehr als 60 Milliarden US-Dollar für Daimler allerdings zu teuer, betonte Zetsche.

  • DATENSCHUTZ netzpolitik: Investigatory Powers Bill: Großbritannien stimmt für Überwachungsgesetz: Mit den Stimmen weiter Teile der Labour Party hat die konservative britische Regierung den Investigatory Powers Bill, eines der weitestgehenden Überwachungsgesetze westlicher Demokratien, durch das Parlament gebracht. Nur die Scottish National Party, die Liberal Democrats und Abgeordnete der Grünen stimmten dagegen. Das Gesetz wurde mit 444 zu 69 Stimmen angenommen.

  • SERVER golem: Robuste Server für die Grenzbereiche der Daten: Hewlett Packard Enterprise (HPE) hat zwei neue Server der neuen Produktfamilie Edgeline angekündigt. Die Server EL1000 und EL4000 gehören nicht in Rechenzentren, sondern an die sogenannte Edge des Internet of Things (IoT). Sie sollen also dort eingesetzt werden, wo die Daten anfallen, statt die Daten vom Ort des Geschehens ins Rechenzentrum zu schieben.

  • JOB berufebilder: 7 Tipps fürs Fern-Recruiting: Auch wir bei den Netzpiloten führen oft mit BewerberInnen Vorstellungsgespräche via Skype. Gute Tipps für zukünftige Angestellte oder Praktikanten können da sehr gut weiterhelfen. Ein erfolgreiches Video-Interview beginnt nämlich mit der richtigen Einstellung zu diesem. Eine gute Vorbereitung und die Chance, dem Wunscharbeitgeber schon auf diesem Wege davon zu berichten, warum man genau die richtige Besetzung für die freie Position sei.

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Wie die Eltern so die Kinder: Wird die Berufswahl vererbt?

Builder (Image by skeeze [CC0] via pixabay

Neulich auf Facebook: Das soziale Netzwerk begibt sich auf wissenschaftliche Pfade. In einer hauseigenen „Studie“ wirft Facebook die Frage auf, ob wir die gleichen Berufe ausüben wie unsere Eltern. Dazu hat Facebook anhand der angegebenen Daten von englischsprachigen Nutzern analysiert, die sowohl ihren Beruf als auch Beziehungen zu ihren Geschwistern und Eltern angegeben hatten.

Das Ergebnis: Auch wenn die meisten Kinder nicht den gleichen Berufsweg gehen wie ihre Eltern, ist es dennoch wahrscheinlicher, dass jemand Arzt wird, wenn ein Elternteil es auch ist als wenn niemand in der Familie als Mediziner arbeitet.

Facebook Berufswahl
Bild: Cluster

Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Facebook-Studie natürlich nicht repräsentativ. Schließlich kann man beispielsweise nicht überprüfen, ob die angegebenen Berufe tatsächlich stimmen oder ob es sich innerhalb der untersuchten Familienkonstellationen um biologische oder adoptierte Kinder handelt. Dennoch wirft Facebook eine Frage auf, die Wissenschaftler schon sehr lange beschäftigt: Wer oder was beeinflusst unsere Berufswahl? Ist es die Kultur, in der wir aufwachsen? Sind es unsere Eltern, die uns beeinflussen? Oder ist unsere Berufswahl etwa genetisch beeinflusst? Die Antwort auf diese Fragen ist, um es mit einem Facebook-Beziehungsstatus auszudrücken, kompliziert.

Zunächst mal ist der Weg zur Berufswahl kein einheitlicher Prozess, sondern kann, je nach Blickweise, etwas ganz anderes bedeuten. Die Berufswahl kann:

  • ein Findungsprozess zwischen individuellen Interessen und Fähigkeiten und beruflichen Anforderungen sein
  • ein Kompromiss-Prozess sein
  • als das Ergebnis von Erwartungen und Werten betrachtet werden
  • als Selbstsozialisation gesehen werden
  • als lebenslange Selbstfindung beschrieben werden
  • das Ergebnis bestimmter Charaktereigenschaften sein
  • von bestimmten Genen beeinflusst werden

Je nachdem welcher Schule man angehört, hat man also auch eine andere Sichtweise auf den Prozess rund um die Berufswahl.

Der sozialwissenschaftliche Ansatz

Eltern spielen nach Meinung vieler Sozialwissenschaftler eine wichtige Rolle bei der Berufswahl der Kinder. So haben zum Beispiel Dirk Baier und Andreas Hadjar untersucht, inwiefern Leistungsorientierung von einer Generation an die nächste weitergegeben wird. Ihre These ist, dass Werte wie eben Leistungsorientierung hauptsächlich über die Erziehung und das Vorleben eben dieser Werte durch die Eltern an die Kinder weitergereicht werden. Ob und wie stark diese dann aber von den Kindern übernommen werden, entscheiden die Kinder selbst. Wenn die Eltern also vorleben, wie sehr sie ihren Beruf lieben oder wie wichtig es ist, zu arbeiten, geht das an den Kindern nicht spurlos vorbei und beeinflusst so auch indirekt ihre Berufswahl.

Wie genau dieser Einfluss wirkt, das hat Markus Neuenschwander genauer erforscht. Bei seinem Forschungsprojekt hat er untersucht, wie Eltern die Berufswahl ihrer Kinder beeinflussen. Er ist der Meinung, dass eine absolut freie und unvoreingenommene Berufswahl ein Irrglaube ist. Wir können nie ALLE Berufe kennen und wählen so aus den Karrierewegen, die uns bekannt sind und die uns als eine realistische Option erscheinen.

Wie viele Optionen uns dabei offen stehen und wie wir an diese Berufswahl herangehen, wird seiner Meinung nach tatsächlich stark vom Elternhaus beeinflusst. Je nachdem, wie stark Eltern Kinder fördern und ihnen die Wichtigkeit von schulischen Leistungen erklären und dies auch selbst vorleben, wirkt sich dies auf die Berufswahl der Kinder aus. Wenn die Eltern beispielsweise ihre Kinder ermutigen, in der Schule ihr Bestes zu geben, setzen sich die Kinder viel aktiver mit ihrer eigenen beruflichen Zukunft auseinander. Darüber hinaus ist es laut Neuenschwander auch so, dass Eltern den Berufswahlprozess mit Vorschlägen aktiv beeinflussen können.

Wählen deshalb Kinder automatisch die gleichen Berufe wie die Eltern? Sicher nicht! Dennoch orientieren sich Kindern natürlich zu einem gewissen Grad bei ihrer Berufswahl auch an dem, was ihre Eltern beruflich machen und an den Ratschlägen der Eltern.

Der psychologische Ansatz

Bei den psychologischen Studien zur Berufswahl stehen weniger die Eltern im Vordergrund, sondern der Einzelne, der einen bestimmten Beruf gewählt hat. Verschiedene Studien zeigen, wie gewisse Charaktereigenschaften die Berufswahl prägen. So haben beispielsweise Claudia Harzer und Willibald Ruch in ihrer Studie „The relationships of character strengths with coping, work-related stress, and job satisfaction“ einen Zusammenhang zwischen bestimmten Charakterzügen und der Jobzufriedenheit hergestellt. Wer als Mensch Eigenschaften wie Freundlichkeit, Ehrlichkeit und Beharrlichkeit mitbringt, ist meistens zufriedener im Beruf als andere Menschen. Dabei helfen uns ganz bestimmte Charaktereigenschaften auch dabei, mit dem Stress im Job besser umzugehen. In ihrer Studie haben Harzer und Ruch herausgefunden, dass Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten, besser darin sind, sich von negativen Ereignissen abzulenken und auf das Positive zu fokussieren.

Das legt natürlich nahe, dass die Berufswahl stark von unserer Persönlichkeit abhängt. Neugierige, wissbegierige, extrovertierte Menschen sind wahrscheinlich eher Journalisten als Buchhalter. Genau so sind zielstrebige und risikobereite Menschen wohl öfter Unternehmer als Lehrer.

Der genetische Ansatz

Der genetische Ansatz geht wiederum von dem Standpunkt aus, dass ALLE unsere Charaktereigenschaften vererbbar sind. Wenn wir also davon ausgehen, dass wir so sind, wie wir sind, weil unsere Eltern und Großeltern uns dies zum Teil vererbt haben, dann sind auch die Charaktereigenschaften, die uns zu einer bestimmten Berufswahl treiben, genetisch bedingt. Das zumindest behauptet ein Team um den Forscher Zhaoli Song. Sie sagen, dass vor allem zwei genetische Marker darüber entscheiden, ob wir in unseren Jobs glücklich sind oder nicht: Dopamin DRD4 und Serotonin 5-HT. Sie haben untersucht, wie diese beiden Marker sich auf unsere Zufriedenheit im Beruf auswirken. Ihr Ergebnis: Es gibt tatsächlich Hinweise darauf, dass die genetische Veranlagung dieser beiden sich stark darauf auswirkt, ob wir in unserem Beruf glücklich sind oder eben nicht.

Das Forscherteam geht sogar noch einen Schritt weiter. Sie behaupten, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass die Gene, die wir vererbt bekommen, eine entscheidende Rolle bei unserer Berufswahl spielen. Andere Studien scheinen dies zu bestätigen. So haben Forscher herausgefunden, dass die Berufswahl von biologischen Kindern viel öfter den Berufen der Eltern ähneln als bei Adoptivkindern. Es ist also durchaus etwas dran an der These, dass unsere Berufswahl teilweise vererbt wird.

Dass die Gene generell einen großen Einfluss auf unseren Berufsweg haben, scheint immer besser bewiesen zu sein. So zeigen Studien, dass attraktive Menschen im Schnitt 12% mehr verdienen als ihre nicht so attraktiven Kollegen und Menschen, die größer sind als der Durchschnitt, öfter in Führungspositionen befördert werden als kleinere Menschen.

Nature vs. Nurture – oder doch alles zusammen?

Wenn man all diese Ansätze betrachtet, scheint an jeder Theorie etwas dran zu sein. Das Aufwachsen im Elternhaus beeinflusst unsere Berufswahl genauso wie unsere Persönlichkeit oder bestimmte genetische Faktoren. Wahrscheinlich ist es aber nicht nur ein einziger Faktor, sondern eine Mischung aus all diesen Aspekten, die unsere Berufswahl letztlich beeinflussen.


Image „Builder“ by skeeze [CC0]


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Soeben gelandet – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • AMAZON wsj: Amazon Ups the Ante on Streaming Video: Amazon und Netflix sind die Global-Player der Streaming-Plattformen. Doch jetzt schickt Amazon sein Streaming-Angebot direkt gegen Netflix ins Rennen. Grund dafür ist eine neue Preispolitik von Amazon-Video. Nutzer können nun künftig (zumindest vorerst in den USA) den Streaming-Dienst für 8.99 US-Dollar abonnieren. Die bekannte Prime-Jahresmitgliedschaft wird nicht mehr nötig sein. Zusätzlich kann auch die Prime-Mitgliedschaft im Monatsabo enthalten sein.
  • JOURNALISMUS deutschlandfunk: Danke, Jan Böhmermann: Während die einen vor Freude platzen, schütteln andere unentwegt den Kopf. Seit Freitag ist die Klage gegen Jan Böhmermann von der Regierung bzw. Angela Merkel bestätigt. Wie auch schon Tage vorher, gibt es seit diesem Zeitpunkt kein anderes Thema, welches so sehr die Meinungsfreiheit in den Vordergrund rückt. Wie weit darf die Meinungsfreiheit bzw. Satire gehen? Hat unsere Bundesregierung einen Fehler gemacht und ist Deutschland erpressbar geworden?
  • SHARING nzz: Teile und herrsche!: Teilen ist das neue Haben! Zumindest ist das das Motto der heutigen Sharing-Economy. Von Brot bis Wohnung kann alles geteilt werden. Zum einen kommen Nutzer oft günstiger an Produkte und Dienstleitungen, zum anderen wird der soziale Aspekt in den Vordergrund gerückt. Nicht schlecht oder? Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Oft sind Anbieter wie AirBnB nicht an die gleichen Richtlinien gebunden wie beispielsweise Hotels. Die Geschäftsmodelle des Teilens ist eine Art, die „die Gentrifizierung in einer Weise vorantreibt, die unkontrollierbar ist.“
  • FACEBOOK zeit: Hey, du Mensch! Ui, für ein paar Sekunden waren die Chatbots auf Facebook ein ganz schöner Hype. Aber gut, die kurze Freudendauer ist nun auch vorbei und siehe da, ein bisschen doof sind die kleinen Helferlein doch noch. Der Sinn und Zweck könnte sein, dass Apps bald Geschichte werden und man nur noch im Facebook-Messenger „Wetter in Hamburg“ eingibt und ein Ergebnis in das Textfeld bekommt. Aber soweit will man sich dann doch nicht aus dem Fenster lehnen. Fairerweise muss man sagen, so lange gibt es die Chatbots noch nicht. Von daher kann via KI sicherlich noch viel angepasst werden.
  • MARKT t3n: Diese Indikatoren deuten auf eine ernste Krise im Unternehmen hin: Eine waschechte Unternehmenskrise muss nicht immer in einer wirtschaftlichen Schieflage begründet sein. Schon kleine Lappalien können das Arbeitsklima im Team und damit auch den Erfolg empfindlich stören. Im folgenden Beitrag werden wichtige Indikatoren aufgezeigt, damit Unternehmenskrisen gar nicht erst entstehen.

Image chalabala / 123RF Lizenzfreie Bilder


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Björnfunding: Jobsuche auf die kreative Art

Job search (adapted) (Image by [CC BY 2.0] via Flickr)

Der Schwarm kann (nicht nur) im Netz viel bewirken: Ob Inhalte via Crowdsourcing zusammengefasst oder Geld für Projekte mit kleinen Beträgen beim Crowdfunding gesammelt werden müssen – die große Masse hilft.

Björn Braune, Berliner Social Media-Berater und Kreativkopf, versucht sich nun an einem weiteren Aufgabenfeld für das „Neuland“ – und begibt sich mit einer äußerst kreativen Idee auf Jobsuche. Die Idee, mittels Blog und Social Media auf Job-, Wohnungs- oder Ticketsuche zu gehen und die viralen Effekte auszunutzen, ist nicht neu. Das haben bereits viele vorher versucht und sind dabei mehr oder minder erfolgreich gewesen. So, wie es Braune nun mit seiner Seite Björnstarter.de* versucht, hat aber sicher noch niemand nach einer neuen Arbeitsstelle gesucht.

Björnstarter ist das namentliche Pendant zur Crowdfunding-Seite Kickstarter und demnach auch optisch in dem Stil einer passenden Projektseite gehalten: Ein Video, eine ausführliche Beschreibung und in der Seitenleiste die bereits gesammelte Summe, die verbleibende Laufzeit und die Prämien beim erfolgreichen Abschluss des Projekts.

Der Unterschied bei Braunes Seite ist aber, dass es keine Summe gibt, die gesammelt werden muss – hier wird mit £ikes bezahlt. Das Ziel von 50.000 £ikes in den nächsten 34 Tagen ist vermutlich sehr optimistisch und mit einem dicken Augenzwinkern vormuliert, aktuell zählt Braune knapp 400.

Ab wann ist der Björn verfügbar? Der Björn ist ab dem 1. August 2013 verfügbar, nachdem das Crowdbjörning vorbei ist. Natürlich kann man einen Testlauf oder ein Gespräch im Vorfeld bestellen“, beschreibt er das crowdzubjörnende „Projekt“. Zudem gibt es Infos zu „Hardware“, „Software“ und den „Spezifikationen“ – „Extras“, wie etwa die „Teilnahme Kontaktstudiengang Popularmusik 2005“ inklusive.

Diese Seite ist ein Beispiel meiner Arbeitsweise, um ein Beispiel meiner kreativen Arbeit zu demonstrieren“, schreibt Braune im ernstgemeinteren Teil seiner Jobsuche. Ein weiteres Beispiel für das Schaufensterprinzip in der Onlinewelt. Ein themenspezifisches Blog zu führen, kann potenzielle Auftraggeber auf einen Aufmerksam machen – ein Crowdbjörning zu starten, potenzielle Arbeitgeber. In diesem Sinne: Viel Erfolg bei der Jobsuche.


Image (adapted) „Job search“ by Kate Hiscock (CC BY 2.0)


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Welchen Klout-Score brauchst Du für welchen Job?

Kann ich Dir sagen: Wenn Du Gratisproben-Tester sein willst, dann sollte er etwa bei 70 liegen. Wenn nicht, dann brauchst Du keinen.

Über Klout hatte ich bereits vor fast einem Jahr etwas geschrieben. Damals war der Dienst aus datenschutztechnischen Gründen in der Schusslinie. Für mich kein Grund zur Kritik, aber der Sinn dieses Tools erschloss sich mir schon damals nicht so richtig:

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