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My Time at Portia im Test: Harvest Moon in der Werkstatt

Am 12. September startete die Kickstarter-Finanzierung von My Time at Portia. Bereits zuvor gab es auf Steam eine frühe Demo-Version, in der sich Spieler einen ersten Eindruck vom Spiel verschaffen konnten. Die 146.697 Dollar reichten, um das Spiel zu finanzieren, und sogar ein paar zusätzliche Features freizuschalten.

Das kleine Entwicklerstudio Pathea Games aus China ist übrigens nicht völlig neu im Geschäft. Zuvor entwickelten sie das Open World Sandbox-Spiel Planet Explorers. Dieses musste jedoch auch einige Kritik einstecken, weil es zwar eine tolle Grundlage bot, für viele jedoch praktisch nie fertig entwickelt wurde. Konnte Pathea Games bei My Time at Portia das Spiel besser zum Abschluss bringen?

Handwerk statt Landwirtschaft

Doch worum geht es denn eigentlich in My Time at Portia? Am einfachsten lässt sich der Indie-Titel mit Harvest Moon vergleichen. Der große Unterschied: Statt einer eigenen Farm, bauen wir unsere eigene Werkstatt auf. Das Ganze spielt in einer postapokalyptischen, aber doch recht farbenfrohen Welt, in der viele technische Errungenschaften verloren gegangen sind.

Fast schon klischeehaft, startet das Spiel mit unserer Ankunft in der freien Handelsstadt Portia, in der wir die heruntergekommene Werkstatt unseres Vaters wieder aufbauen sollen. Dieser zieht derweil auf der Suche nach Abenteuer durch die Welt. Glücklicherweise ist Presley, der Handelsbeauftragte der örtlichen Handelsgilde, ein guter Freund unseres alten Herren und hilft uns bei den ersten Schritten. Ebenso hat unser Vater einige Anleitungen hinterlassen, mit denen wir unsere ersten Aufträge bewältigen sollen.

Es beginnt ziemlich einfach. Wir sammeln Rohstoffe vorerst vom Boden auf, einige Zweige und Steine, und bauen daraus unser erstes, primitives Werkzeug. Das ermöglicht uns nicht nur den Abbau von Steinvorkommen und Bäumen, sondern dient zugleich als erster Test, um unsere Handwerkskünste zu beweisen. Haben wir auch noch einen ersten Schmelzofen gebaut, werden wir offiziell als Baumeister anerkannt und dürfen unserer Werkstatt darüber hinaus einen Namen geben.

Das haben wir gebaut

Fortan werden wir alle Hände voll zu tun haben, Dinge zu bauen. Dafür gibt es unter anderem das Auftragsbrett der Handelsgilde. Dort dürfen wir täglich einen Auftrag nehmen, der uns nicht nur Geld, sondern auch den Bewohnern ein wenig näher bringt. Einige Bewohner sind allerdings auch Konkurrenten von uns, da wir nicht die einzige Werkstatt betreiben.

Für jeden Auftrag gibt es neben Geld auch eine Anzahl Rufpunkte. Bis Quartalsende sollte man auf der Rangliste der Handelsgilde mehr Punkte haben als die Konkurrenz, da je nach Platzierung ein paar Belohnungen für euch rausspringen. Snooker-Fans werden sich übrigens über die Namensgebung der anderen Handwerker amüsieren.

Neben den generischen Aufträgen vom schwarzen Brett, gibt es übrigens auch zahlreiche Aufträge aus der Geschichte heraus. Einige stehen für sich und drehen sich um unsere Mitbürger, andere treiben die Hauptstory voran, in der ihr helft, Portia zu einer florierenden Handelsstadt zu machen. Nicht selten steht ihr dabei auch in Konkurrenz mit eurem Erzrivalen Higgins.

Diese Quests sind oft größere Bauprojekte, die teils mehrstufig aufgebaut sind. Dafür bekommen wir meist spezielle Baupläne für unsere Fertigungsstation. Diese Aufträge bringen nicht nur mehr Geld und Rufpunkte, sondern erweitern auch Stück für Stück die Welt. Als ersten großen Auftrag sollen wir eine Brücke zu einer kleinen Insel bauen. Anschließend können wir auf der Insel ein paar zusätzliche Ressourcen abbauen. Außerdem gibt es dort noch eine ominöse Höhle.

Nach und nach hinterlassen wir ziemlich große Fußabdrücke in der farbenfrohen Postapokalypse. Kaum ein Spiel schafft es so schön, die eigenen Errungenschaften vor Augen zu führen. Mit Fortschreiten des Spiels sehen wir überall in der Welt verteilt die Werke, die wir selbst erschaffen haben. Und verdammt, es fühlt sich besser als irgendwelche aufploppenden Achievements an.

Unser Privatleben

Doch wo ist jetzt die Verbindung zu Harvest Moon, wenn wir doch Basteln anstatt die Felder zu bestellen? Zwar können wir tatsächlich auch diverse Pflanzen anbauen, doch ist es eher die Gesamterfahrung, die an die kultige Landwirtschaftssimulation erinnert. Die Jahreszeiten bestehen auch hier aus je vier Wochen und der Tag vergeht ähnlich schnell. Außerdem kann man sich mit jedem Bewohner der Stadt anfreunden oder gar eine romantische Beziehung beginnen.

Nicht nur mit Aufträgen, sondern auch mit gelegentlichen Geschenken kann man so nach und nach in der Gunst der Bewohner steigen, die einem mit der Zeit richtig ans Herz wachsen. Ein Blick in die My Time at Portia-Wiki ist da nicht schlecht, um zu schauen, womit man den Bewohnern die größte Freude machen kann. Außerdem stehen dort auch die Geburtstage, die man sonst erst ab einer gewissen Freundschaftsstufe im spielinternen Kalender angezeigt bekommt. Ein Geschenk zum Geburtstag gibt besonders viele Beziehungspunkte.

Viel zu tun in My Time at Portia

Wie der geistige Bruder, leidet aber auch My Time at Portia unter repetitiven Tätigkeiten, wenn es um Handwerk und die Pflege sozialer Kontakte geht, auch wenn man für Dates auch ein paar gemeinsame Aktivitäten zur Verfügung hat. Hier kommt dem Spiel zu Gute, dass es eine sehr breite Palette an Tätigkeiten bietet.

Um die Materialien zu sammeln, ziehen wir durch die Welt oder steigen mit der Spitzhacke in alte Ruinen ab, um dort diverse Erze abzubauen. Vergraben sind aber nicht nur Metalle, sondern auch Relikte aus „alter Zeit“, die wir wieder zusammensetzen können, wenn wir alle Teile zusammen haben. Außerdem gibt es auch noch Dungeons, in denen wir die Spitzhacke für das Schwert eintauschen und fiesen Monstern eins über die Rübe ziehen.

Auch innerhalb der Welt gibt es viele absurde Kreaturen zu sehen, darunter bunte Lamas und „Herr Marienkäfer“ – zugegeben, das englische „Mr Ladybug“ funktioniert als Wortwitz deutlich besser. Diese geben uns übrigens auch wichtige Zutaten fürs Handwerk. Da der Spaß an diesen Tätigkeiten sich irgendwann abnutzt und immer mehr Materialien gebraucht werden, gibt einen das Spiel später genug Möglichkeiten, automatisiert an Ressourcen zu gelangen.

Damit der Handwerker-Alltag nicht zu eintönig wird, hat My Time at Portia viele Minispiele versteckt. Außerdem finden in jeder Jahreszeit diverse Events statt, bei denen ihr auch zusätzliche Kleidungsstücke und Dekorationen erspielen könnt. Da muss gelegentlich auch schonmal das Haus oder das Grundstück vergrößert werden, um alle Möbel, Werkbänke und Dekorationen unter zu bekommen.

Fazit: Meine Zeit in Portia

Ich kann stolz sagen, dass ich Spieler der ersten Stunde bin. Bereits vor der Kickstarter-Finanzierung spielte ich die Demo und war skeptisch. Damals gab es noch wenig zu tun und die Technik hatte noch deutliche Macken. Doch so wie sich dem Spieler nach und nach die Welt entfaltet, fügte Pathea Games immer wieder neue Inhalte hinzu und ging dabei vorbildlich auf Spielerfeedback ein. Vor allem die Quality of Life-Verbesserungen am Truhen-Management haben wahre Wunder gewirkt.

Zwar sind viele Mechaniken Genre-typisch flach und repetitiv, doch das Gesamtbild ist am Ende stimmig und es gibt immer etwas zu tun. Die Storyquests sind einer der größten Vorteile gegenüber Harvest Moon und Stardew Valley und lassen uns die Charaktere richtig ans Herz wachsen. My Time at Portia findet außerdem das richtige Tempo, die Welt Stück für Stück zu öffnen und neue Charaktere einzuführen.

Meine Zeit in Portia war auf keinen Fall verschwendet. Ich muss mich nur umschauen und sehe in allen Himmelsrichtungen große und kleine Bauwerke, die durch meiner eigenen Arbeit entstanden sind – wobei die Werkstatt mittlerweile über eine automatisierte Fabrik verfügt. Mit den Einwohnern bin ich schon längst per du und Portia ist mittlerweile eine ernstzunehmende Handels-Stadt geworden. Da ich bald nicht mehr alleine wohne, sollte ich aber vielleicht noch mein Haus etwas vergrößern.

Ich habe das umstrittene Planet Explorers zugegeben nicht gespielt, aber mit My Time at Portia ist Pathea Games ein großartiges Spiel gelungen, das nun zurecht endlich seinen Release feiert. Konsolenspieler müssen sich allerdings noch gedulden. Für PS4, Xbox One und Switch erscheint das Spiel erst später im Frühjahr.


Image by Pathea Games

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Red Dead Redemption 2 im Test: Der wilde Westen lebt

Mein Name ist Arthur Morgan. Unsere Bande hat in der Stadt Blackwater einen herben Schlag einstecken müssen. Auf der Flucht vor den Pinkertons haben wir uns in die Berge gerettet. Dutch, unser Anführer, gibt sein Bestes, um alle durchzubringen, doch das Wetter macht uns zu schaffen. Es ist Mai und doch lassen Schneestürme die Grizzlies West im Schnee versinken. Zum Glück haben wir einen Unterschlupf gefunden, in dem unsere Gruppe die kommenden Tage überstehen kann.

Red Dead Redemption 2 wirft uns zu Beginn gleich in den unwegsamen Norden. Keine Kakteen, keine Windhexen, die die Wege entlangrollen. Stattdessen stapfen wir in den Anfangsstunden durch tiefen Schnee und sorgen dafür, dass die Gruppe irgendwie durchkommt. Schon zu Beginn wird deutlich: Dieses Spiel ist nichts für Liebhaber rasanter Action. Ihr werdet eine Menge Zeit auf den Pferden und mit Gesprächen verbringen. Red Dead Redemption 2 kann sich diese Entschleunigung allerdings auch leisten, da es einfach genial umgesetzt ist.

Am Anfang kämpft sich Arthur Morgan durch den tiefen Schnee der Berge.

Die Bande ist unsere Familie

Red Dead Redemption 2 hat eher etwas von einer Serie als von einem Film. Dreh- und Angelpunkt dieser „Serie“ ist das Lager unserer Diebesbande. War man im Vorgänger noch meist alleine unterwegs, ist man hier Teil einer Gemeinschaft.

Allgemein ist die Bande rund um Dutch Van der Linde ein genialer Schachzug von Rockstar Games, da sie einen tollen Bezugspunkt zur Entwicklung der Story bietet. Die Aufträge schicken uns immer wieder mit einzelnen Mitgliedern der Bande auf Reise. Nach und nach lernen wir so unsere Weggefährten kennen und lieben. Die Gruppe wird dabei angenehm lebendig inszeniert. Schauen wir zwischendurch im Lager vorbei, kommt immer wieder jemand auf uns zu. Wir erfahren, wem wir helfen können und wo sich ein lohnenswertes Ziel befinden könnte. Während der Gespräche können wir uns sogar gemütlich durchs Lager bewegen.

Wollen wir dann einen Auftrag starten, müssen wir die jeweilige Person ins Visier nehmen und die Kommunikation beginnen. Auch wenn wir eine Quest starten, fängt sie angenehm aus dem Leben heraus an. Die Charaktere stehen nur selten sinnlos in der Landschaft herum in der Hoffnung, dass Arthur sich mal blicken lässt. Stattdessen sind sie meist inmitten einer Tätigkeit.

Der Detailgrad der Charakterstudien ist dabei einzigartig. Jeder hat seine eigene Art zu reden, eine andere Gestik, andere Ziele und Träume. Das ist keine Gruppierung gleichartig gesinnter Charaktere und nicht alle werdet ihr mögen. Trotzdem sitzen alle im selben Boot und tragen ihren Teil zur Gemeinschaft bei, ob von Herzen oder eher widerstrebend.

Bei einem Fest im Lager habe ich etliche Minuten zugebracht, einfach nur zu beobachten, was passiert. Kleine Gruppen finden sich im Lager, singen Lieder und tanzen zur Musik. Zwei entfliehen später sogar ins Zelt, um intimer zu werden. Diese Geschichten geschehen passiv, ohne dass wir selbst aktiv Dialoge führen. Wo in anderen Spielen alles nur über unseren Charakter geschieht, zeigt die Van der Linde-Bande ein Eigenleben, das gelegentlich einfach zum Zuschauen einlädt.

Im Camp wird gefeiert. Am Feuer kommen alle zusammen bei Musik und Alkohol.

Mein bester Freund, das Pferd

Der wichtigste Begleiter ist allerdings nicht Vaterfigur Dutch, sondern das Pferd an unserer Seite. Nicht nur, dass es uns durch die Welt trägt – das Pferd ist auch unser mobiles Lager. Wir können nur eine begrenzte Anzahl Waffen mit uns herumtragen. Der Rest wird bei unserem Pferd gelagert, ebenso wie diverse Ausrüstung. Erlegte Tiere oder deren Felle werden sogar sichtbar über das Pferd gelegt. Kochen lassen sich die Tiere am Lagerfeuer, das ebenfalls über das Pferde-Menü aufgebaut wird.

Die Beziehung zum Pferd hat zudem Einfluss auf seine Werte wie Gesundheit, Geschwindigkeit oder Ausdauer. Das Pferd ist somit nicht einfach austauschbar, da wir zu einem neuen Pferd erst wieder eine Bindung aufbauen müssen.

Das Pferd lässt sich auch optisch den eigenen Wünschen anpassen. Wir können beispielsweise Schweif und Mähne unseres Begleiters frisieren oder auch den Sattel sehr frei gestalten. Allgemein lässt sich in Red Dead Redemption 2 vieles anpassen. Dazu gehört die Kleidung genauso wie die Frisur des Protagonisten und sein immer größer werdendes Waffenarsenal.

Red Dead Redemption 2 ist fast schon zu detailverliebt

Manchmal stellt sich die Detailverliebtheit sogar selbst ein Bein. Es ist schon beeindruckend, wenn im Lager ein Lied gesungen wird und die unterstützenden Handbewegungen des Sängers genau so aussehen, wie man es sich auch in echt vorstellen würde. Beim Plündern eines Hauses wird es hingegen anstrengend, wenn jeder Schrank erst geöffnet und die Gegenstände einzeln in recht langsamer Bewegung herausgenommen werden.

Auch beim Kochen müssen wir für jedes Stück Fleisch eine längere Animation erdulden und Pokerspiele bieten kaum Möglichkeiten, das Mischen oder Kartenausteilen zu verkürzen. Doch selbst am Spieltisch hat man nie das Gefühl, gegen Klone zu spielen. Es entsteht auch Smalltalk und die Spieler scheinen unterschiedliche Spielweisen zu haben.

Das größte Manko von Red Dead Redemption 2 ist die Steuerung. Vor allem das Auswahlrad des Pferdes gerät zur Tortur, wenn man mit L1 das Menü aufrufen muss, mit R1 in die Gebrauchsgegenstände geht, L1 weiter gedrückt halten halten muss und erst loslassen darf, wenn man mit dem Stick den Gegenstand ausgewählt hat. Die Steuerung wirkt für den Umfang und die Entwicklungszeit dieses Spiele-Kolosses einfach unangenehm unausgegoren. Unspielbar ist die Bedienung trotzdem nicht und geht mit der Zeit auch ins Muskelgedächtnis über.

Rhodes ist eines der zahlreichen Siedlungen in Red Dead Redemption 2

Perfekte Vertonung, aber nicht auf Deutsch

Viel Liebe zum Detail wurde auch in die Vertonung des Spiels gesteckt. Mehr als 1.000 Synchronsprecher hauchen selbst den belanglosen NSCs mit ihren Stimmen Leben ein.. Schon aus dem Ton der Stimme lässt sich oft schon auf Stimmung oder Verhältnis zwischen Charakteren schließen. Dialekte und Slangs geben den Charakteren auch hörbare Ecken und Kanten.

Nur leider ist dieser Genuss nur im Originalton zu hören. Wer des Englischen nicht all zu mächtig ist, muss auf die Untertitel zurückgreifen. Schade, dass ein Spiel mit diesem Produktionsaufwand nicht noch ein bisschen Geld für die wichtigsten Lokalisierungen in die Hand nimmt.

Die Welt, der eigentlich Star

Die Narrative des Spiels ist schon eine Klasse für sich. Die Story überzeugt mit interessanten Charakteren, perfekten Charakterstudien, abwechslungsreichen Aufträgen und unerwarteten Wendungen. Selten sah ich ein Spiel, das trotz offener Welt den erzählerischen Anspruch von Filmen, Serien oder gar Büchern derart ebenbürtig ist. In dieser Hinsicht schlägt es sogar The Witcher 3: Wild Hunt, auch wenn der Hexer viel mehr Einfluss durch Dialogoptionen bot.

Der eigentlich Star von Red Dead Redemption 2 ist trotz der starken Geschichte die Spielwelt. Rockstar Games hat einfach ein Händchen für lebendige Welten und hat sich in ihrem Western-Epos erneut übertroffen. Egal ob Steppen, Wälder, Sümpfe, Gebirge oder die große Stadt – die riesige Welt sieht einfach grandios aus. In Red Dead Redemption 2 hat Rockstar Games nochmals eine Schippe draufgepackt. Die Welt ist nicht nur mit einer sehr abwechslungsreichen Pflanzenwelt bestückt, sondern auch von mehr als 200 Tierarten bewohnt. Bei der Jagd müsst ihr zudem nicht nur leise sein, sondern am besten auch die Windrichtung beachten, damit sie euch nicht wittern. Je nach Tierart sind außerdem unterschiedliche Waffen zu nutzen, will man das Fell möglichst wenig beschädigen.

Das Licht taucht unser Lager in eine ganz eigene Stimmung.

Fazit: ein Meisterwerk, aber nicht für alle

Wie gerne würde ich doch eine uneingeschränkte Empfehlung für Red Dead Redemption 2 aussprechen. Die Welt schafft eine noch nie dagewesene Illusion der Realität und das Storytelling ist auf einem Niveau, das seinesgleichen sucht. Doch gerade dieser Detailgrad schmeckt nicht jedem. Hier wird einem kein Fast Food serviert, sondern ein 8 Gänge-Menü oberster Sternekategorie, dessen Geschmacksnuancen man  genießen muss. Wer unkomplizierte Action sucht oder ohne deutsche Sprachausgabe nicht spielen mag, der wird mit Red Dead Redemption 2 nicht glücklich. Wer sich jedoch darauf einlässt, erlebt aber einen Meilenstein der Spielegeschichte, bei dem die etwas hakelige Bedienung den Gesamteindruck nicht schmälern kann. Red Dead Redemption 2 ist die neue Referenz an der sich Open World-Spiele fortan messen müssen.

 

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No Man’s Sky: The Abyss-Update erweitert die Space-Sandbox erneut

Im Juli erst erhielt das Weltraumspiel No Man’s Sky das große NEXT-Update, welches das Spiel um viele neue Features erweiterte. Drei Monate später veröffentlicht Hello Games nun das nächste große 1.7-Update „The Abyss“. Das neue Update schickt uns diesmal tief in die Ozeane der Planeten. Die neuen Biome sollen unter Wasser fünfmal so viel Abwechslung bieten, wie es vorher der Fall war. Nicht nur neue, exotische Wasserbiome verbessern das Erlebnis unter Wasser, sondern auch eine Vielzahl neuer Kreaturen und ihr Verhalten. Im Ozean müsst ihr auf ganz neue Gefahren aufpassen.

Neue Missionen und Schätze

Auch mehrere Stunden neuer Story sollen in das Spiel finden und lassen euch unter anderem das Schicksal einer gestrandeten Crew erleben, dessen Frachter abgestürzt ist. Zum Erkunden lädt nicht nur die reichhaltigere Pflanzen- und Tiervielfalt ein. Am Meeresgrund dürft ihr Ruinen und Wracks erkunden und entdeckt dabei womöglich den ein oder anderen Schatz. In den Tiefen der Meere findet ihr außerdem auch neue Rohstoffe und Handelsgüter.

Mobilität unter Wasser

Um die Wasserwelten von No Man’s Sky: The Abyss zu erkunden, hat Hello Games die Steuerung im und unter Wasser überarbeitet. Sogar euer Jetpack findet unter Wasser nun ebenfalls seinen Einsatz. Mit neuen Unterwasser-Gestiken, könnt ihr anderen Tauchern auch nonverbal Zeichen geben.

Ein neues Exocraft-Fahrzeug, die Nautilon, erlaubt euch unter Wasser eine noch schnellere und vor allem sicherere Fortbewegung. Auch allgemein wurde das Fahrzeugsystem überarbeitet. In den Raumstationen gibt es zudem einen neuen Händler speziell für die Exocrafts.

Die eigene Unterwasser-Basis

Was wäre der Unterwasserfokus des Updates ohne eine Erweiterung des Basis-Baus? Mit No Man’s Sky: The Abyss könnt ihr nun auch eure Basis unter Wasser erbauen. Über ein Dutzend neuer Bauelemente erweitern die kreativen Möglichkeiten. Damit ihr die schöneren Unterwasserwelten genießen könnt, sind die neuen Elemente aus Glas und ermöglichen einen schönen Blick in die Weiten der See.

No Man’s Sky bessert stark nach

Zu Release wehte dem Entwickler Hello Games ein ausgewachsener Shitstorm entgegen. Die vollmundigen Versprechungen sorgten für einen Hype, dem das kleine Entwicklerteam nicht gerecht werden konnte. Doch anstatt das Geld zu behalten und das missglückte Spiel abzuhaken, leistet das britische Team über kostenlose Updates vorbildliche Wiedergutmachung.

Das große NEXT-Update brachte das Spiel schließlich auf einen Stand, den sich Fans schon seit Release gewünscht hätten. The Abyss ist Teil des Versprechend, das Spiel auch weiterhin regelmäßig mit neuen Inhalten zu versorgen. Auch im Trailer wird angemerkt, dass noch einiger Inhalt für das Spiel folgen wird.

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Assassin’s Creed – Odyssey. Eine Test-Übersicht!

Alle Jahre wieder – auch in diesem Jahr hat Ubisoft einen neuen Teil zu seiner erfolgreichen Assassin’s Creed Reihe hinzugefügt. Mit Assassin’s Creed – Odyssey erscheint die inzwischen elfte (!) vollwertige Ausgabe für PC und Konsole. Längst kursieren hunderte Tests dazu im Internet. Damit ihr nicht alle selbst lesen müsst, haben wir eine kleine Übersicht für euch vorbereitet.

Noch kurz zur Story: Im neuen Teil befindet ihr euch im antiken Griechenland. Genauer gesagt zu Zeiten des Peloponnesischen Krieges. Zum ersten Mal kann man zwischen den Charakteren Alexios und Kassandra wählen, also einem weiblichen und einem männlichen Charakter. Als Söldner steht ihr zwischen den Fronten von Athen und Sparta und versucht, euch euren Lebensunterhalt mit Quests von beiden Seiten zu verdienen.

COMPUTER BILD vergibt gute 1,7

In dem wahnsinnig ausführlichen Test von COMPUTER BILD stellen die Tester besonders die große Spielwelt heraus. Assassin’s Creed Odyssey ist nämlich die erste Version, die komplett in einer frei begehbaren Open-World spielt. Den Testern gefiel besonders, dass die Welt nicht nur groß, sondern auch gefüllt ist mit vielen Details, Quests, Nebenmissionen und interessanten Charakteren. Auch die Storyhighlights fielen der Redaktion besonders positiv ins Auge. Der Kauf des Spieles wird klar empfohlen, bemängelt werden lediglich die langen Ladezeiten und teils langwierigen und repetitiven Aufgaben. Insgesamt vergibt COMPUTER BILD die Testnote 1,7.

IGN lobt großartiges Endergebnis

Der Spieltest von IGN Deutschland fiel ebenfalls positiv aus. Dem Tester Alexander Schneider gefiel, dass die Entscheidungen, die man im Spiel trifft im weiteren Verlauf noch Konsequenzen nach sich ziehen. Auch vermeintlich „noble“ und gute Taten können einen hier noch einholen. Dies führt letztendlich auch zu einem variablen Ausgang der Hauptstory. Optisch und beim Spielerlebnis zieht IGN immer wieder den Vergleich zu The Witcher 3. – Was durchaus positiv gemeint ist. Auch das Kampfsystem überzeugt den Tester. Denn nun leveln die meisten Monster mit dem Spieler mit und es ist Taktik gefragt. Der einzige wirkliche Kritikpunkt von Schneider ist die Gegenwarts-Story. Die hat bei Assassin’s Creed zwar Tradition, ist aber in diesem Teil wohl sehr kurz ausgefallen.

Image by Ubisoft

MANIAC sieht 93 Prozent Score

Eine etwas andere Form des Testes liefert uns MANIAC.de. Hier wird eine fiktive Reise als Rahmen für den Test angeführt, die der Tester ins alte Griechenland vollführt. In Storytelling-Manier wird auch hier auf mehreren Seiten festgestellt, wie unglaublich vielseitig die Spielwelt von Odyssey ist. Insgesamt steht auch für diesen Tester die atmosphärische Spielwelt und das angenehme Gameplay im Vordergrund. Als minimales Manko werden Charaktere aufgezählt, die sich teilweise hölzern und in ihrer Bewegung stockend verhalten.

GameStar äußert sich kritisch

Die Tester von GameStar.de hingegen sehen ein Problem in Odyssey. Für sie ist das Storytelling zu sehr auf die Open-World ausgelegt. Bedeutet: Repetitive Quests á la: „Laufe dahin, hole mir das und komm‘ zurück“, kommen für die Tester Dimitry Halley und Heiko Klinge eindeutig zu häufig vor. Aber auch GameStar.de muss anerkennen, dass die Spielwelt interessant und komplex ist. Besonders herausgestellt werden hier die vielen Nebenstorys, die einem in jedem Winkel der Spielwelt erwarten. Ebenfalls als positiv wird die riesige Auswahl an Rüstungen, Waffen und Skills gesehen. Laut GameStar.de also genau das Richtige für Loot-Freunde. Trotz einiger Kritikpunkte schließt GameStar.de ihren Test damit anzumerken, dass man sich nach dem Beenden des Spiels wirklich fühlt, als hätte man eine epische Reise (um nicht zu sagen eine Odyssey) hinter sich gebracht.

Insgesamt sind die Kritiken für das neue Assassin’s Creed also sehr positiv. Wer auf umfangreiche Rollenspiele mit riesigen Settings und stundenlangem Spielspaß steht, der wird mit Assassin’s Creed-Odyssey nicht enttäuscht werden. Übrigens verbrachten die meisten Tester um die 150 Stunden im Game, Nebenquests inklusive. Diese Zahl dürfte für sich sprechen.

Wenn ihr noch mehr Assassin’s Creed wollt, dann checkt unseren Artikel zum Release des neuen Mobile-Games Assassin’s Creed Rebellion.

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RimWorld im Test – Schiffbruch am Rand der Galaxie

Kaleun, Freckles und Lubov waren unter lauten Sirenen und dem Geräusch berstenden Metalls aus ihrem Kryoschlaf erwacht. So gerade schafften sie es in ihre Rettungskapseln, als das Raumschiff auch schon auseinanderbricht. Sie landen auf einer Ihnen unbekannten Welt am Rande der Galaxie. Die Umgebung scheint reich an Flora und Fauna. Weitab der Heimat und unwissend, wie gefährlich der Planet ist, müssen die drei Schiffbrüchigen sich einen sicheren Ort erbauen. Das ist der Plot des Indie-Spiels RimWorld. Unsere Eindrücke im Test.

Ein zusammengewürfelter Haufen

Bereits zu Beginn des Spiels legen wir ein Szenario fest. Das Standardszenario sind die besagten drei unglücklichen Seelen, die sich mittels einer Rettungskapsel gerade noch auf den Planeten retten können. Ebenso kann man aber auch als Stamm starten, der anfangs nur mit primitiven Mitteln überleben muss. Auch ein reicher Abenteurer ist möglich, der zwar alleine, dafür technisch deutlich besser ausgestattet ist. Sagen einem die angebotenen Szenarien nicht zu, kann man aber auch selbst die Rahmenbedingungen festlegen, unter denen man ums Überleben kämpfen darf.

Unsere Kolonisten oder Stammesmitglieder werden vom Spiel dann zufällig generiert. Jeder Kolonist hat Werte auf verschiedene Fähigkeiten. Diese werden beeinflusst durch eine Vielzahl an Eigenschaften und Lebensgeschichten.

Für den ersten Kolonisten achte ich auf überwiegend positive Eigenschaften. Lubov ist zum Beispiel eine Kurzschläferin und regeneriert damit schneller ihre Energie. Außerdem ist sie ein Vielfraß. Sie wird zwar mehr essen als andere, ist dafür aber auch eine umso bessere Köchin. Ihre stark neurotische Art könnte später aber einigen Ärger verursachen.

Eine KI, die uns ärgert

Die drei Kolonisten bauen sich also eine neue Existenz auf. Während Freckles erst einmal etwas Holz hackt, kümmert sich Lobov darum, erste Kartoffeln anzupflanzen. Der gemeinsame Schlafsaal wird bald von den ersten eigenen Zimmern mit richtigen Betten ersetzt. Während ein Lager für Nahrung und eine Küche geplant wird, baut Kaleun schon erste Verteidigungsanlagen aus Holzwänden und Sandsäcken. Auch Schlagfallen werden aufgestellt.

Der erste Angriff lässt nicht lange auf sich warten. Ein wildgewordenes Eichhörnchen greift die Kolonisten an, wird aber von Freckles mit einem gezielten Schuss niedergestreckt. Kurze Zeit später tritt Lobov in eine der ungünstig aufgestellten Schlagfallen und verletzt sich. Als einzige ausgebildete Medizinerin muss sie sich so gut es geht selbst zusammenflicken.

Bereits vor Spielstart haben wir uns für einen Schwierigkeitsgrad und eine Geschichtenerzähler-KI entschieden. Diese bieten verschiedensten Ereignisse, die uns immer wieder aus der Routine rausreißen. Cassandra Klassik versorgt den Spieler sehr ausgeglichen mit Ereignissen, die in ihrer Schwierigkeit dafür stetig ansteigen. Phoebe Chillout ist ähnlich wie Cassandra, lässt aber zwischen den Ereignissen mehr Zeit zum Durchschnaufen.

Zu diesen Ereignissen gehören Angriffe durch Stämme, Piraten oder mechanoide Wesen. Auch wilde Tiere wie das Eichhörnchen können den Spieler angreifen. Klingt lustig? Dann hast du wohl noch nicht erlebt, wie eine Horde brutaler Chinchillas deine ganze Kolonie auslöscht. Wer jetzt übrigens denkt, Phoebe Chillout klingt am einfachsten, der irrt. Da ihre Angriffe genau so heftig ausfallen wie Cassandras, kann es dich gewaltig überrumpeln – der letzte Test der Verteidigungsanlagen ist schließlich schon etwas länger her. Außerdem liefern uns die häufigeren Angriffe unter Cassandra mehr Waffen, die man erst später selbst herstellt.

Bevor es losgeht, wählt man die drei (un-)glücklichen Kolonisten aus, mit denen man bruchlanden kann. | Image by Stefan Reismann

Unvorhersehbare Ereignisse

Mein denkwürdigstes Ereignis war ein Angriff durch gnadenlos überlegene Mechanoide. Meine Kolonisten habe ich in den hintersten Raum gebrach. Ich war gedanklich schon beim Neustart, als ein Rudel menschenfressender Warge ebenfalls angriff. Womit mich die Zufalls-KI eigentlich hat ärgern wollen, entpuppte sich plötzlich als wahrer Glücksfall, als es zum Kampf zwischen beiden Angreifern kam. Die Überreste konnten selbst meine schwach bewaffneten Kolonisten alleine bewältigen.

Es gibt allerdings auch positivere Ereignisse. Wanderer, die unserer Kolonie beitreten wollen, Kapseln mit Fracht oder Handelskarawanen. Auch Naturkatastrophen, Hitzewellen oder Sonneneruptionen können auftauchen. Bei letzterem spielen die technischen Geräte verrückt – Vor allem für die Kühlung der Lebensmittel oder automatisierte Verteidigungsanlagen keine schöne Angelegenheit.

Schwieriger Einstieg

Für Einsteiger kann RimWorld anfangs überwältigend wirken. Es gibt vieles, auf das man achten muss und das Spiel kann einem nicht alle Feinheiten erklären. Die Komplexität ist hoch, wenn auch weit von seinem geistigen Vorfahren Dwarf Fortress entfernt. Der Entwickler Tynan Sylvester hat von vorn herein klargestellt, das Spiel zugänglich halten zu wollen. RimWorld trifft daher eine sehr gute Balance zwischen Komplexität und Zugänglichkeit, die das Spiel auch für Genre-Neulinge attraktiv macht.

Grafikpuristen könnten sich allerdings von der recht simplen Darstellung abschrecken lassen. Wer jedoch offen genug ist und sich ohnehin bei Indie-Spielen wohlfühlt, wird schnell dem Charme der Grafik erliegen. Wem das Design der Figuren vertraut vorkommt: RimWorld hat sich beim Art Style vom ebenfalls sehr erfolgreichen Prison Architect inspirieren lassen. Zusammen mit dem an Firefly erinnernden Soundtrack mit Western-Einflüssen strahlt das Spiel somit trotz aller Brutalitäten etwas sehr Entspanntes aus.

Erfolgreich abgewehrt – Na gut, es war auch nur ein Eichhörnchen. | Image by Stefan Reismann

Scheitern gehört dazu

Hat man die Grafik lieben gelernt und das Spielprinzip erst einmal verstanden, entwickelt sich die ungeheure Sogwirkung. Die Verteidigungsanlagen werden immer weiter optimiert, Ressourcen müssen mit der Zeit aus der Tiefe gebohrt und die Nahrungsversorgung möglichst ausfallsicher am Leben gehalten werden. Hinzu kommen Expeditionen um Aufträge auf der Weltkarte zu erfüllen. Dazu gehören unter anderem Angriffe auf Banditenlager, die nicht gerade wehrlos sind. Bis dahin ist aber schon die eine oder andere Kolonie zugrunde gegangen. Eine gewisse Frustrationsresistenz ist bei RimWorld nicht verkehrt. Dafür sind die Umstände, unter denen eine Kolonie untergeht, oftmals die denkwürdigsten Ereignisse

Erst kürzlich ging mir eine Kolonie wieder fast verloren, als mein pyromanischer Kolonist auf die glorreiche Idee kam, ausgerechnet in der Waffenkammer herumzuzündeln. Die Treibstoffvorräte explodierten und ließen das gesamte Gebäude in Flammen aufgehen. Um das Gebäude kontrolliert zu löschen, musste ich erst einige Wände einreißen, damit die Hitze entweichen kann. Erst dann konnte der Löschtrupp rein, um den Flammen im innern Herr zu werden. Mein bewusstloser Feuerteufel konnte genau so wenig gerettet werden wie die Waffen und wertvollen Baumaterialien.

Ein vages Ziel

Das große Ziel des Spiels ist es, seine Kolonisten mit einem Raumschiff wieder zurück in die Heimat zu bringen. Das können wir wahlweise in mühevoller Arbeit selbst bauen, oder dem Signal zu einem Raumschiff folgen. Eine lange und womöglich verlustreiche Reise zum Raumschiff stünde bevor. Während die Startsequenz eingeleitet wird, müssen wir uns sogar noch einer Welle von Angriffen entgegenstellen, ehe wir endlich in heimatliche Gefilde zurückkehren können.

Im Großen und Ganzen bleibt das Spiel aber eine Sandbox, in der wir tun und lassen können, was wir wollen. Der größte Spaß steckt ohnehin darin, seine Kolonie aufzubauen und zu sehen, ob sie den Gefahren gewachsen ist oder nicht.

Menschliche Abgründe

Anki ist untröstlich. Ihr Ehemann ist jüngst bei einem Angriff ums Leben gekommen und sie tut sich schwer diesen Umstand zu akzeptieren. Die Trauer übermannt sie und führt zu einem mentalen Zusammenbruch. Zielstrebig geht sie zum Grab ihres Geliebten und buddelt seine nicht mehr ganz frischen Überreste aus. Sie schleppt ihn in die Kantine und setzt ihn neben sich auf einen Stuhl. Erst nach einer Weile realisiert sie, was sie da eigentlich getan hat. Ein befreundeter Kolonist bringt den Toten wieder unter die Erde, während Anki sich vom Schock erholt.

Immer wieder kommt es im Spiel zu kuriosen Momenten, bedingt durch die Stimmung oder die nicht immer ganz einfachen Charakterzüge der Kolonisten. Politisch korrekt ist RimWorld dabei selten. Charaktere können männerfeindlich, drogenabhängig, gewalttätig oder einfach nur hässlich sein – was das Zusammenleben mit den anderen Kolonisten furchtbar erschwert. Auch hat jeder Kolonist einen Hintergrund aus Kindheit und Erwachsenenalter, der maßgeblich dazu beiträgt, was ein Kolonist gut kann und welchen Arbeiten er sich sogar verweigert.

Konnten wir bei der Charaktererstellung den Zufallsgenerator so oft bemühen, bis wir zufrieden waren, müssen wir bei zugereisten Kolonisten mit den vorhandenen Eigenschaften zurechtkommen. Alternativ können wir einen unerwünschten Bewohner aus unserer Kolonie verbannen.

Im späteren Verlauf fällt die Kolonie auch mal größer aus | Image by Stefan Reismann

Nicht ohne Makel

So groß die Sogwirkung des Spiels auch ist, ein paar Makel bringt das Spiel aus der Early Access-Phase noch mit. Die Übersetzung des Spiels ist noch immer nicht in allen Bereichen perfekt. Vor allem die automatisch generierten Beschreibungen der Kunstwerke, die die Erlebnisse der Kolonisten schildern, bringen sehr kuriose Stilblüten hervor. Auch wäre es schön gewesen, wenn man für den Anbau von Pflanzen entsprechendes Saatgut benötigt, anstatt sie aus dem Nichts heraus aussäen kann.

Die Weltkarte wurde zwar über die Early Access-Phase stets weiter ausgebaut, doch ein paar mehr Interaktionsmöglichkeiten mit anderen Siedlungen hätten dem Spiel gut getan. Die Karte in Form einer Weltkugel weiß aber zu gefallen. Vor allem die Benennungen der Landstriche, Meere und Gebirge sind immer wieder für ein Schmunzeln gut. 

Ein Paradies für Modder

Auch wenn es im Test eher um den Ist-Zustand des Spiels gehen sollte, darf man bei Spielen wie RimWorld die Community nicht außer Acht lassen. Was viele Spieler selbst nach hunderten Stunden begeistert weiterspielen lässt, sind tausende Modifikationen, mit denen man jeden Aspekt des Spiels verändern kann. Ein neues Psychologiesystem, erweiterte Waffensysteme, H.P. Lovecraft als Geschichtenerzähler-KI, neue Möbel oder ein System, mit dem man Gäste aus anderen Siedlungen gut bewirten muss, sorgen für immer frischen Spielspaß.

Möchtet ihr das Maximum für euer Spielerlebnis rausholen, solltet ihr unbedingt einen Blick in den Steam-Workshop oder in das Forum des Entwicklers werfen. Ich empfehle vorher jedoch ein Spiel ohne Mods. Danach seht ihr am besten, wohin ihr euer Spiel modifizieren wollt.

Test-Fazit RimWorld

Wer auch nur halbwegs etwas mit dem Simulations-Genre anfangen kann, sollte sich das Spiel nicht entgehen lassen. Der Erfolg von RimWorld kommt nicht von ungefähr. Bereits vor Release ging die Kolonie-Simulation bei Steam mehr als eine Million Mal über die digitale Theke. Auch ich begleite das Spiel schon seit mehr als zwei Jahren durch den Early Access und sah das Spiel nach und nach wachsen. Langweilig ist mir auch nach weit über 100 Stunden nicht geworden.

RimWorld ist nicht das komplexeste Spiel seiner Art, findet aber eine ausgesprochen gute Balance zwischen Anspruch und Zugänglichkeit.


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