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Gigaset GS185: Kollege Roboter macht das erste Smartphone „made in Germany“ rentabel

Gigaset GS185 Smartphone-Fertigung

Technisch ist das Gigaset GS185 keine Besonderheit. Im Netzpiloten-Test überzeugt das Einsteiger-Smartphone als ein im besten Sinne unauffälliges Modell zum günstigen Preis für unter 200 Euro. Zum Smartphone-Star der Stunde machen es hingegen Art und Ort der Herstellung. Anders als praktisch alle anderen Mobiltelefone läuft es nicht in Asien vom Fließband, sondern entsteht in einem deutschen Werk. Diese Überraschung gelingt dem kleinen Hersteller, weil er zum großen Teil auf moderne, smarte Roboter und das Internet of Things setzt. Bei einem Werksbesuch in Bocholt nahe der niederländischen Grenze ermöglichte uns Gigaset Einblick in ein Musterbeispiel für die Industrie 4.0 und zeigte uns, wie das erste Smartphone „made in Germany“ entsteht.

Ein kleines Kapitel deutsche Industriegeschichte – ein sehr kleines

Ob Smartphones, Fernseher oder Kameras: Unterhaltungstechnik stammt nur noch ganz selten aus Deutschland. Bei Mobiltelefonen ist das nicht anders. Nokia und Siemens machten ihre Produktion hierzulande vor einem Jahrzehnt spektakulär dicht.

Die inzwischen unabhängige Ex-Tochter von Siemens bricht nun mit diesem Trend. In Bocholt, wo bis 2006 Siemens-Handys ohne Apps und modernes Internet das Werk verließen, baut Gigaset nun das erste Smartphone, dass das Siegel „made in Germany“ zieren darf. Zusätzlich bemerkenswert ist, dass es sich um kein Luxusprodukt handelt, bei dem sich hohe Lohnkosten rechnen, sondern eben ein günstiges Einsteiger-Gerät mit deutlich niedrigerer Marge. Egal wie dieses Pilotprojekt ausgeht, ist Gigaset daher ein Eintrag in der deutschen Wirtschaftsgeschichte sicher. Die Zuversicht ist aber so groß, dass der Hersteller uns am Rande der Werkstour bestätigte, noch im Laufe des Jahres ein zweites Smartphone in Bocholt zu produzieren.

Gigaset Smartphone Verpackungsstation
Rund 2.000 Exemplare des Gigaset GS185 verpacken die Mitarbeiter pro Woche in Bocholt. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Trotz allem hebt der kleine Hersteller den weltweiten Smartphone-Markt damit wohlgemerkt nicht aus den Angeln. Denn vorerst verlassen die Fertigungsstrecke auf einer Etage in einem Nebengebäude des Werks pro Woche nur rund 2.000 Exemplare des Gigaset GS185, also etwas über 100.000 Stück pro Jahr. Bei entsprechender Nachfrage ließe sich die Produktion kurzfristig um zwei Schichten und einem Ausstoß von bis zu 6.000 Geräten pro Woche aufstocken. Im Verhältnis zu den 1,5 Milliarden Smartphones, die alle Hersteller zusammen im Jahr 2017 weltweit verkauft haben, ist das jedoch verschwindend gering.

Warum Gigaset das deutsche Smartphone-Experiment wagt

Gigaset verdient sein Geld überwiegend noch mit Festnetztelefonen für Privatkunden. Doch davon verkauft der Hersteller weniger und weniger, weil immer mehr Menschen auch von zuhause aus mit dem Smartphone telefonieren. Stattdessen setzt Gigaset Hoffnung in Sicherheitsprodukte für das Smart Home und mehr noch in Smartphones. Zur Premiere erwies sich High-End-Smartphone Gigaset ME im Jahr 2015 zwar als Flop. Hingegen Einsteiger-Smartphones wie das GS160 oder Mittelklasse-Geräte wie das GS270 und das GS370 finden Gefallen.

Gigasets Smartphone-Geschäft ist jedoch noch ein smartes Pflänzchen. Es droht von den Platzhirschen des Marktes zu zertrampelt werden, wenn der Hersteller nicht eine sichere Nische findet. Daher plant Gigaset sich im Smartphone-Wettbewerb einen Vorteil zu verschaffen, indem der Hersteller großen Mobilfunkprovidern und Händlern ermöglicht, sie ohne große Vorlaufzeit „just in time“ zu beliefern. Holt die Geräte ein Lkw von einem Werk in Deutschland ab, geht das einfacher und flexibler, als wenn asiatische Fabriken erst die Produktion ankurbeln müssen.

Vorteile für Kunden

Schnell und in kleinen Chargen produzieren zu können, versetzt Gigaset zudem in die Lage, Modelle nach Kundenwünschen zu konfektionieren. Großbesteller können schon jetzt Namen auf den Rückseiten eingravieren und eigene Apps auf das Gigaset GS185 aufspielen lassen. Bis diese Form der „Mass Customization“ aber einzelnen Endverbrauchern ermöglicht, ihr Gigaset-Smartphone so individuell zu designen wie etwa einen Sportschuh, braucht Gigaset noch Zeit, das Geschäft auszubauen.

Für Verbraucher am praktischsten an der deutschen Produktion ist aber, dass die Gigaset das GS185 auch in Bocholt repariert. Eine Etage unter der Smartphone-Fertigung beseitigen Beschäftigte Displaybrüche und andere Schäden innerhalb eines Tages. Dadurch müssen Kunden nicht wochenlang auf ein Ergebnis warten. Zudem erhalten sie ihr eigenes Gerät und kein Austauschgerät zurück, sodass alle Einstellungen und installierten Apps dableiben, wo sie waren.

Gigaset Kundenservice Bocholt
Vorteil von „made in Germany“. Gigaset repariert auch Geräte in Deutschland, und zwar innerhalb eines Tages. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Der werbepsychologische Vorteil eines Smartphone „made in Germany“ ist laut Unternehmenssprecher Raphael Dörr nur ein Nebeneffekt und war nicht Vater des Gedanken. Nichtsdestotrotz macht sich das Marketing von Gigaset das Siegel gern zunutze und verwendet es auf dem Gerätekarton, Werbeanzeigen und der Webseite.

Ein 100-prozentiges Smartphone „made in Germany“ ist das Gigaset GS185 nicht

Die Bezeichnung „made in Germany“ sollten Käufer nicht auf die Goldwaage legen. Tatsächlich bezieht Gigaset fast alle Komponenten aus Asien. Die Bocholter Mitarbeiter fügen die Bauteile lediglich zusammen. Anschließend installieren sie die Android-Software, testen die Gerätequalität und packen das Smartphone in den Karton, der als einziger Produktbestandteil von deutschen Zulieferern stammt. Nur die Endmontage unterscheidet das GS185 von anderen Gigaset-Smartphones. Diese importiert Gigaset komplett aus Asien.

Die Voraussetzungen für das Siegel „made in Germany“ erfüllt das Gigaset GS185 dennoch. „Über 60 Prozent der Wertschöpfung rund um das GS185 entstehen in Deutschland. Dazu zählt zum Beispiel auch das äußere Design des Geräts und die Konzeption des Produkts, also, welche Funktionen es besitzen soll“ erklärt Jörg Wißing, Leiter Automatisierung bei Gigaset in Bocholt.

Ein vollständig in Deutschland gefertigtes Gerät ist aber utopisch. Beispielsweise bei Displays haben koreanische und japanische Herstellern die Nase uneinholbar vorn. „Ein 100-prozentiges Smartphone ‚made in Germany‘ wird es bis auf Weiteres nicht geben“, betont Jörg Wißing.

Gigaset Jörg Wißing
Gigaset-Smartphones sollen künftig mehr Komponenten aus eigenem Haus enthalten, Leiterplatten etwa. Eine 100-prozentige Fertigung ist dennoch nicht möglich, so Jörg Wißing von Gigaset.

Dennoch will Gigaset die Lücke verkleinern und den Anteil der Wertschöpfung auf 75 Prozent erhöhen. Denn Gigaset verfügt bereits über die Maschinen für die Kunststoff-Gehäuseschalen und für die grünen Leiterplatten. Noch sind diese zwar mit der Produktion für die DECT-Festnetztelefone ausgelastet, für die Smartphone-Fertigung aber bereits umgerüstet. Diese auch dort einzusetzen, wäre attraktiv. Weil die Anlagen soweit automatisiert sind, dass nur noch wenige Arbeitskräfte benötigt werden, kommt Gigaset eine Fertigung damit günstiger, als die Bauteile gegen Aufpreis bei Zulieferern einzukaufen und anliefern zu lassen.

Industrie 4.0: Roboter und Menschen arbeiten am Gigaset GS185 Hand in Hand

Einsteiger-Smartphones in Deutschland zu fertigen, rechnet sich für Gigaset, weil Roboterarme 60 Prozent der Aufgaben übernehmen. Dadurch kommt der Hersteller mit zehnmal weniger Arbeitskräften aus. „Wenn asiatische Auftragsfertiger 20 Menschen am Fließband benötigen, schaffen wir das in Bocholt mit zwei Beschäftigten“, erklärt Jörg Wißing.

Die Roboter übernehmen keinen Fertigungsschritt exklusiv, sondern arbeiten Hand in Hand mit den Beschäftigten. Es handelt sich nämlich um eine neue Generation „kollaborierender Roboter“, die kleiner, beweglicher und interaktiver sind. Sie müssen nicht in Glaskästen gesichert werden, wie ihre Vorgänger in der Festnetztelefon-Produktion.

Im Zusammenspiel erledigen Roboter stark standardisierte und sich wiederholende Tätigkeiten, die menschliche Mitarbeiter ermüden und langweilen würden. Stattdessen kümmern sich die Beschäftigten um komplexere Aufgaben. So greifen Roboterarme die Bauteile vom Vorratsstapel und halten sie in Position, damit die Beschäftigten sie montieren können. Auch die mechanische Qualitätskontrolle der Tasten und des Touch-Displays nimmt Kollege Roboter vor. Ein anderer Fall ist es, wenn die Schutzfolie vom Display zu entfernen oder Kabel in der Gehäuseschale zu montieren sind. Damit kommen menschliche Hände besser klar.

Gigaset Smartphone-Fertigung Bocholt
Diese kleine Fertigungsstrecke genügt für 2.000 Smartphones pro Woche, weil Mensch und Roboter zusammenarbeiten. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Teilweise fußt die Smartphone-Fertigung zudem auf Ansätze der Industrie 4.0. So müssen die Mitarbeiter bei einigen Teilschritten nicht eingreifen. Stattdessen kommunizieren die Roboter untereinander über das lokale Netzwerk (Internet of Things), um ihre Aufgaben auszuüben. An einer Station, in der die Bauteile mit bis zu 15 winzigen Schrauben fixiert werden, stimmen sich zwei Roboterarme autonom ab, wer welche Schraube aus dem Vorrat entnimmt. Eine Mitarbeiterin fügt das Smartphone lediglich in die Vorrichtung und entnimmt es wieder.

Trotz der Unterstützung durch Roboter behalten die Mitarbeiter die Oberhand. Sie durchlaufen mit dem Gigaset GS185 alle Fertigungsphasen und bestimmen den nächsten Schritt. Dadurch tragen sie mehr Verantwortung als bei monotoner Fließbandarbeit. 

Gigasets Smartphone-Produktion in Deutschland wird wohl kein Jobwunder

Zu Spitzenzeiten arbeiteten im Bocholter Werk 4.000 Menschen, heute sind es noch über 500. Die Smartphone-Fertigung ermöglicht, Arbeitsplätze zu erhalten, wird aber voraussichtlich keinen Jobwunder den Weg bereiten.

An der Fertigungsstrecke des Gigaset GS185 selbst sind acht Männer und Frauen tätig. Zudem verschafft die Smartphone-Produktion 30 weiteren Menschen in der Produktionstechnik, im Produktdesign, Vertrieb und Kundenservice Aufgaben. Das ist die Größenordnung für menschliche Beschäftigung, für die in einer stark automatisierten Produktion hierzulande noch Bedarf ist.

Gigaset Industrie 4.0 Roboterarme
Industrie 4.0. Diese beiden Roboterarme, die die die Smartphones verschrauben, stimmen sich autonom über das Netzwerk ab. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Dennoch stehen die Zeichen auf Wachstum. Die Fertigungsstrecke für das zweite Smartphone-Modell ist schon halb aufgebaut. Daneben bietet die Etage noch Platz für vier weitere Fertigungsstrecken. Mit der Massenproduktion aus vergangenen Jahrzehnten hat das natürlich nichts gemein.

Unser Werksbesuch bei Gigaset verdeutlich daher den neuen Charakter moderner Industrieproduktion. „Made in Germany“ ist im Bereich der Consumer Electronics wieder möglich und verschafft auch kleineren Technologie-Herstellern wie Gigaset Perspektiven im Weltmarkt. Genialer Einfallsreichtum von Erfinderunternehmen und der großflächige Einsatz von Fachkräften wie in vergangenen Zeiten sind dafür aber nicht verantwortlich. Stattdessen sind heute moderne, hochgradig digitalisierte und automatisierte Produktionsmethoden der Schlüssel zum Erfolg.

Das Gigaset-Smartphone bei Amazon (Provisions-Link)


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Wie Roboter den Mangel an Pflegekräften beenden könnten

Altenpflege(adapted)(Image by StockSnap [CCo Public Domain] via Pixabay

Es gibt bereits einige Erfindungen, die es Senioren einfacher machen, eigenständig zuhause zu leben, damit sie nicht in ein Altersheim oder eine anderweitige Pflegeeinrichtungen übersiedeln müssen. Dennoch können die meisten Älteren weitere Hilfsmittel bei täglichen Hausarbeiten und anderen anfallenden Erledigungen gebrauchen.

Freunde und Verwandte können hier oft nicht die gesamte Arbeit erledigen. Viele Studien deuten außerdem darauf hin, dass dies weder nachhaltig noch gesund ist – weder für die Senioren, noch für ihre Liebsten. So steigt die Nachfrage nach professionellen Pflegekräften stetig an und es gibt bei Weitem weniger Pflegekräfte als nötig wären. Experten sind überzeugt, dass sich diese Knappheit in Zukunft verschlimmern wird.

Es stellt sich also die Frage: Wie wird unsere Gesellschaft diese Lücke schließen? Die Antwort lautet: Mithilfe von Robotern. Die Automatisierung und Technologisierung haben bereits mehrere Arbeitsbereiche abgelöst, die zuvor von Menschen besetzt waren, wie zum Beispiel das Verladen von Gütern in Warenhäusern. In Zukunft werden Roboter jedoch auch euren älteren hilfsbedürftigen Verwandten unter die Arme greifen. Als Forscherin auf dem Feld der Robotik bin der Meinung, dass künstliche Intelligenz nicht nur das Potential hat, Senioren zu pflegen – ich bin überzeugt, dass Maschinen dies darüber hinaus auf eine Art und Weise tun könnten, die die Unabhängigkeit stärken und die soziale Isolation von Senioren reduzieren könnte.

Personalisierte Roboter

In dem Film „I, Robot“ aus dem Jahr 2004 entdeckt der technikfeindliche Protagonist Del Spooner (gespielt von Will Smith) zu seinem großen Erschrecken, wie ein Roboter in dem Haus sein Großmutter Kuchen bäckt. So mancher von uns wird ein ähnliches Bild vor Augen haben: Stellt man sich heute einen Roboter vor, sieht er am Ehesten aus wie eine Art mechanischer Putzfraue, die Hausarbeiten in mehr oder weniger menschlicher Art und Weise erledigen.

In Wirklichkeit jedoch werden viele der Roboter, die Alte und Senioren bei ihren täglichen Arbeiten zuhause unterstützen sollen, nicht wie Menschen aussehen. Stattdessen wird es sich dabei um spezielle Systeme handeln, wie beispielsweise die Staubsauger aus dem oben genannten Film. Es handelt sich hierbei um kleine Geräte mit spezifischen Funktionen, die nicht nur einfach designbar und einsetzbar sind, sondern auch eine stufenweise Anpassung an die sich veränderten Voraussetzungen ermöglichen.

Senioren brauchen verschiedene Dinge, wie alle anderen auch. Viele brauchen Hilfe bei den alltäglichen Aktivitäten, wie essen, baden, anziehen und aufstehen. Beim täglichen Kochen und der Verwaltung ihrer Medikamente könnten sie viele Vorteile aus der Hilfe des Roboters ziehen, der zudem auch bei gelegentlich anfallenden Dingen wie Wäschewaschen oder Arztbesuche helfen kann.

Vielleicht hört sich das weit hergeholt an, aber schon heute können Roboter nicht nur Staubsaugen, sondern auch unseren Boden wischen oder unseren Rasen mähen. Roboter helfen dabei, Menschen in Stühle und Betten zu befördern, etwas nach Rezept zuzubereiten, Handtücher zu falten und ihre Pillen rechtzeitig einzunehmen. Und bald werden autonome, selbstfahrende Autos die Menschen zu ihren Terminen kutschieren.

Die Roboter, die heute bereits auf dem Markt sind, umfassen unter anderem Modelle, die fahren, haustierähnliche Gesellschaft bereitstellen und Gäste begrüßen. Einige dieser Geräte befinden sich bereits zu Testzwecken in Pflegeheimen – so können sich einige Senioren auf ihre eigenen Roombas verlassen.

Außerdem können Roboter-Gefährten vielleicht schon bald Einsamkeit lindern oder vergessliche ältere Herrschaften daran erinnern, regelmäßig zu essen. Wissenschaftler und andere Erfinder sind dabei, Roboter zu entwickeln, die diese und viele andere Aufgaben in Zukunft erledigen werden.

Pflege rund um die Uhr

Natürlich bleiben einige Aufgaben, wie beispielsweise das Schneiden von Fußnägeln, nach wie vor den Menschen vorbehalten. Trotzdem können mechanische Pflegekräfte einige Vorteile gegenüber ihren menschlichen Gegenstücken vorweisen. Am offensichtlichsten ist, dass sie in der Lage sind, rund um die Uhr zu arbeiten. Wenn sie zuhause zum Einsatz kommen, können sie eine ganzheitliche Pflege und die Möglichkeit, zuhause zu altern, unterstützen.

Ein weiterer Vorteil: Wenn man sich auf die Technik verlässt, um täglich anfallende Aufgaben zu erledigen – zum Beispiel die Bodenpflege – kann dies zum Zeitmanagement beitragen. Senioren können die gesparte Zeit nun mit Freunden und Familie verbringen. Mühselige Hausarbeiten auf Roboter zu übertragen, lässt den älteren Personen außerdem mehr Zeit, in der Gesellschaft der Leute zu sein, die sich um sie sorgen – und nicht nur für sie.

Zudem besteht ein großer Unterschied zwischen der Gerätenutzung und dem Bitten um Hilfe. Die Tatsache, dass man sich auf Roboter als Haushaltshilfe verlässt, kann dazu führen, dass die ältere Person sich dadurch autonomer fühlt, als wenn sie um Hilfe hätte bitten müssen.

Interagieren mit Robotern

Doch diese schöne neue Welt der Roboter-Pflegerkräfte wird nicht Wirklichkeit, wenn wir die Roboter nicht benutzerfreundlich und intuitiv machen. Das heißt, dass die Art und Weise der Interaktion von großer Bedeutung ist. In meinem Labor arbeiten wir an Robotern, die durch Sprache mit Menschen interagieren können. Glücklicherweise zeigen neuste Forschungen des Pew Research Center, dass Alte die neue Technik mehr und mehr annehmen und verinnerlichen, so wie alle anderen auch.

Da es jetzt Roboter gibt, die einige Aufgaben komplett übernehmen können, versuchen Forscher wie Jenay Beer, Professorin für Informatik und Ingenieurswissenschaften an der Universiät in South Carolina, herauszufinden, bei welchen Aktivitäten die Senioren die meiste Hilfe brauchen und welche Art von Roboter sie dabei am ehesten akzeptieren würden.

Bis dahin müssen sich die Forscher folgendes fragen:

Fakt ist, dass wir nicht alle Antworten auf diese Fragen brauchen, um älteren Menschen zuhause die Hilfe durch Roboter zur Verfügung zu stellen.

Ein Blick in die Zukunft

Es gibt keine Zeit zu verlieren. Das Volkszählungsbüro schätzt, dass 15 Prozent der Amerikaner – also fast jeder sechste – im Jahr 2016 um die 65 Jahre alt oder älter war. Im Jahr 2000 waren es lediglich 12 Prozent. Demografen schätzen, dass im Jahr 2060 bereits jeder vierte in diese Altersklasse fallen wird. Das bedeutet, dass es dann 48 Millionen mehr ältere Menschen in den USA geben wird als jetzt.

Ich glaube, dass in diesem Zeitalter Roboter viele Aufgaben der Altenpflege übernehmen werden. Für einige Aufgaben wird dennoch menschliches Personal von Nöten sein und natürlich gibt es auch Menschen, für die die Hilfe von Robotern nie in Frage kommen wird. Aber wir können darauf wetten, dass Roboter den Menschen in Zukunft dabei helfen werden, zuhause zu altern – auch wenn sie dabei nicht wie Dienstboten oder Küchenhilfen aussehen werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted)“Altenpflege“ by StockSnap [CC0 Public Domain]


The Conversation

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Algorithmen und Journalisten: Zusammenarbeit ist Pflicht

Apple (adapted) (Image by Pexels [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Seit die Nachrichten- und Presseagentur Associated Press die Produktion und Publikation von Quartalsberichten im Jahr 2014 automatisiert hat, haben Algorithmen, die automatisch Berichte aus strukturierten, maschinenlesbaren Daten generieren, die Nachrichtenindustrie aufgerüttelt. Die Versprechen dieser Technologie – die oft auch als automatisierter Journalismus bezeichnet wird – sind verlockend: Einmal entwickelt, können solche Algorithmen eine unbegrenzte Anzahl an Berichten zu einem spezifischen Thema und zu geringen Kosten hervorbringen. Und sie schaffen dies schneller, günstiger, mit weniger Fehlern und in mehr Sprachen als es menschliche Journalisten je tun könnten.

Diese Technik bietet die Möglichkeit, mit der Erstellung von Inhalten für sehr kleine Zielgruppen Geld zu verdienen – und vielleicht sogar mit personalisierten Newsfeeds für nur eine Person. Und wenn dies gut funktioniert, nehmen die Leser die Qualität der automatischen News als gleichwertig mit den von Journalisten erstellten Nachrichten wahr.

Als Forscher und Erzeuger von automatisiertem Journalismus habe ich herausgefunden, dass computergestützte Nachrichtenberichterstattung einige wesentliche Stärken zu bieten hat. Ich habe allerdings auch deutliche Schwächen identifiziert, die die Wichtigkeit von Menschen im Journalismus hervorheben.

Die Möglichkeiten der Automatisierung identifizieren

Im Januar 2016 habe ich das „Handbuch zum automatisierten Journalismus“ veröffentlicht, das den Stand der Technik zu dieser Zeit untersuchte. Darin wurden auch Schlüsselfragen für die zukünftige Forschung aufgestellt und potentielle Implikationen für Journalisten, Nachrichtenkonsumenten, Medienkanäle und die Gesellschaft im Ganzen diskutiert. Ich kam zu dem Ergebnis, dass der automatisierte Journalismus sich trotz seines Potentials noch in den Kinderschuhen befindet.

Zum jetzigen Zeitpunkt versorgen Systeme des automatisierten Journalismus vor allem spezielle Zielgruppen unterschiedlicher Größe mit sehr spezifischen Informationen, indem sie beispielsweise Zusammenfassungen von Sportveranstaltungen in unteren Ligen, Finanznachrichten, Kriminalitätsberichte oder Erdbebenwarnungen bereitstellen. Die Technologie ist auf diese Aufgabentypen beschränkt, weil die Informationsarten, die die Systeme aufnehmen und in Texte verwandeln können, die dann für Menschen tatsächlich lesbar und verständlich sind, begrenzt sind.

Am besten funktioniert die Verarbeitung von Daten, die genauso akkurat strukturiert sind wie Aktienkurse. Hinzu kommt, dass Algorithmen nur beschreiben können, was passiert ist – und nicht warum, weswegen sie am besten geeignet sind für routinebasierte Berichte, die auf Fakten beruhen, und entsprechend wenig Spielraum für Unsicherheiten oder Interpretationen bieten, wie beispielsweise Informationen darüber, wo und wann sich ein Erdbeben ereignet hat. Der entscheidende Vorteil von computergestützter Berichterstattung ist, dass sie wiederholte Abläufe schnell und einfach erledigen kann. Daher wird sie am besten eingesetzt, um sich wiederholende Ereignisse abzudecken, für die es erforderlich ist, immer wieder eine hohe Anzahl an ähnlichen Berichten zu produzieren. Dies gilt beispielsweise für Sportveranstaltungen.

Wahlberichterstattung

Ein anderer sinnvoller Bereich für automatisierte Nachrichtenberichterstattung sind Wahlen – im Speziellen im Hinblick auf Ergebnisse der zahlreichen Umfragen, die während der Hauptwahlkampfzeit fast täglich herausgegeben werden. Ende 2016 tat ich mich mit Kollegen aus der Forschung und dem deutschen Unternehmen AX Semantics zusammen, um auf der Grundlage von Prognosen für die US-amerikanische Präsidentschaftswahl in diesem Jahr eine automatisierte Nachrichtenberichterstattung zu entwickeln.

Die Prognosedaten wurden vom PollyVote-Forschungsprojekt bereitgestellt, das ebenfalls die Plattform für die Publikation der produzierten Texte darstellte. Wir etablierten einen vollständig automatisierten Prozess, vom Sammeln und Zusammenführen der Prognosedaten über den Austausch der Daten mit AX Semantics bis hin zur Texterstellung und Publikation dieser Texte.

Im Laufe der Wahlsaison veröffentlichten wir fast 22.000 automatisierte Nachrichtenberichte in englischer und deutscher Sprache. Da diese einem vollautomatisierten Prozess entstammten, gab es in den finalen Texten oft Tippfehler oder fehlende Worte. Wir mussten außerdem deutlich mehr Zeit als angenommen für die Fehlerbehebung aufwenden. Die meisten Schwierigkeiten entstanden auf Grundlage von Fehlern in den Quelldaten. Sie waren also nicht durch den Algorithmus begründet – was eine weitere, wesentliche Herausforderung für den automatisierten Journalismus unterstreicht.

Die Grenzen identifizieren

Der Entwicklungsprozess unserer eigenen textgenerierenden Algorithmen hat uns aus erster Hand die Potentiale und Grenzen von automatisiertem Journalismus aufgezeigt. Es ist unerlässlich, sicherzustellen, dass die Daten so akkurat wie möglich sind. Es ist einfach einen Prozess zu automatisieren, der aus einer singulären Sammlung von Daten einen Text erzeugt, wie beispielsweise die Ergebnisse einer einzigen Umfrage. Aber Einblicke zu liefern, wie zum Beispiel eine Umfrage mit Ergebnissen einer anderen Umfrage zu vergleichen, ist deutlich schwerer.

Die vielleicht wichtigste Lektion, die wir gelernt haben, war, wie schnell wir die Grenzen der Automatisierung erreicht hatten. Als wir die Regeln entwickelten, aufgrund derer der Algorithmus Daten in Text verwandeln sollte, mussten wir Entscheidungen treffen, die auf den ersten Blick einfach erscheinen mögen – zum Beispiel, ob die Strategie eines Kandidaten als „groß“ oder „klein“ beschrieben werden soll, und welche Signale nahelegen, dass ein Kandidat in einer Umfrage an Boden gewinnt.

Die Arten der subjektiven Entscheidungen waren sehr schwierig in vordefinierte Regeln umzuformulieren, die auf alle Situationen, die in der Vergangenheit aufgetreten waren, anwendbar sein sollten – geschweige denn auf Situationen in der Zukunft. Ein Grund ist, dass der Kontext relevant ist: Ein Vier-Punkte-Vorsprung für Clinton im Vorfeld der Wahl beispielsweise war normal, während eine Vier-Punkte-Führung für Trump eine große Nachricht gewesen wäre. Die Fähigkeit, diesen Unterschied zu verstehen und die Zahlen entsprechend für die Leser zu interpretieren, ist unabdingbar. Es bleibt eine Hürde, die Algorithmen nur schwer überwinden können.

Hingegen werden es menschliche Journalisten schwer haben, die Automatisierung zu übertreffen, wenn es um wiederholte und routinebasierte Nachrichten geht, die auf Fakten beruhen, die lediglich einer Überführung der rohen Daten ins Schriftliche bedürfen, so wie Sportveranstaltungen oder die Quartalsberichte eines Unternehmens. Algorithmen werden schneller Anomalien in den Daten feststellen und zumindest erste Entwürfe für viele Berichte generieren können.

Doch für die Menschen ist nicht alles verloren. Journalisten haben eine Menge Möglichkeiten, Aufgaben zu übernehmen, die Algorithmen nicht bearbeiten können, wie beispielsweise die Zahlen im Kontext zu betrachten – sowie die Bereitstellung detaillierter Analysen, Hintergrundberichte und Interviews mit wichtigen Persönlichkeiten. Diese zwei Typen der Berichterstattung werden zukünftig wahrscheinlich eng integriert sein – mit den Computern, die ihre Stärken nutzen, und uns Menschen, die wir uns auf unsere Stärken konzentrieren.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Apple“ by Pexels (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Die Industrielle Revolution lehrt uns die Zukunft der Automatisierung von Arbeit

Kohlekraftwerk (adapted) (Image by 526663 [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Während sich die Automatisierungstechnik und die künstliche Intelligenz stetig verbessert, sorgen sich viele Menschen über die Zukunft der Arbeit. Was werden die Menschen tun, sorgt sich so mancher, wenn Millionen Menschen keinen Job mehr haben? Wie werden sie sich und ihre Familien versorgen und welche Veränderungen werden eintreten (oder sind nötig), damit sich die Gesellschaft anpasst?

Viele Ökonomen sagen, dass es keinen Grund zur Sorge gibt. Sie weisen darauf hin, dass große historische Veränderungen der Arbeit an sich und des Arbeitsmarktes – vor allem die Industrielle Revolution zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert – nicht zu wesentlichen sozialen Umbrüchen oder weit verbreitetem Leiden geführt haben. Diese Ökonomen sagen, dass die Menschen andere Jobs finden, wenn die Technologie Jobs zerschlägt. So lautet die Aussage eines Wirtschaftswissenschaftlers:

„Seit dem Beginn des industriellen Zeitalters besteht die wiederkehrende Angst, dass der technische Wandel eine Massenarbeitslosigkeit hervorbringen wird. Neoklassische Ökonomen sagten voraus, dass dies nicht geschehen wird, weil die Menschen andere Jobs finden werden, wenn auch möglicherweise erst nach einer langen Phase der schmerzhaften Anpassung. Im Großen und Ganzen hat sich diese Voraussage als korrekt erwiesen.”

Und sie haben Recht, wenn sie von der langen Phase der schmerzhaften Anpassung reden. Die Nachwirkungen der Industriellen Revolution beinhalteten zwei große kommunistische Revolutionen, die Zahl der Todesopfer betrug hier nahezu 100 Million. Der stabilisierende Einfluss des modernen Wohlfahrtsstaats zeichnete sich erst nach dem zweiten Weltkrieg ab, fast 200 Jahre nach dem Beginn der Industriellen Revolution im 18. Jahrhundert also.

Heutzutage, wo die Globalisierung und Automatisierung die Unternehmensproduktivität dramatisch steigern, stagnieren die Löhne. Die zunehmende Leistung der Automatisierungstechnologie und künstlicher Intelligenz bedeutet, dass noch mehr Schmerz folgen könnte. Bagatellisieren diese Ökonomen die historischen Aufzeichnungen, wenn sie die Zukunft voraussagen, indem sie uns im Wesentlichen sagen, wir sollen uns keine Sorgen machen, weil sich die Dinge in ein oder zwei Jahrhunderten bessern werden?

Der Wendepunkt ist erreicht

Um von der Industriellen Revolution zu lernen, müssen wir sie in den richtigen historischen Kontext setzen. Die Industrielle Revolution war ein Wendepunkt. Über viele tausend Jahre vorher war wirtschaftlicher Wachstum praktisch vernachlässigbar, grundsätzlich folgte er dem Bevölkerungswachstum: Die Bauern bauten mehr an als vorher, die Schmiede stellten mehr Werkzeuge her, aber die Menschen der frühen Ackerbaugesellschaften Mesopotamiens, Ägyptens, Chinas und Indiens hätten ihre Welt im Europa des 17. Jahrhunderts durchaus wiedererkannt.

Als aber Dampfkraft und industrielle Maschinen im 18. Jahrhundert hinzukamen, hob die wirtschaftliche Aktivität ab. Das Wachstum, das hier in einigen wenigen Jahrhunderten stattfand, war auf einer ganz anderen Skala wiederzufinden als alles, das vorher geschehen war. Jetzt gerade könnten wir an einem ähnlichen Wendepunkt, der von manchen als „vierte Industrielle Revolution“ bezeichnet wird, stehen. Jetzt erscheint alles, was in der Vergangenheit passiert ist, unbedeutend im Vergleich zu der potenziellen Produktivität und Profitabilität der Zukunft.

Eine falsche Vorhersage

Schnell unterschätzt man die Auswirkung von Globalisierung und Automatisierung, die da kommen mag – ich habe das selbst auch getan. Im März 2000 erreichte der NASDAQ Composite Index einen Höchststand und brach dann ein, womit er acht Billionen US-Dollar an Marktbewertungen innerhalb der folgenden zwei Jahre mit sich riss. Zur selben Zeit ermöglichte die globale Ausbreitung des Internets das Offshore-Outsourcing von Softwareproduktionen, was zu der großen Angst führte, dass Jobs in der Informationstechnologiebranche im großen Stil verschwinden könnten.

Die Association for Computing Machinery machte sich Sorgen darüber, was diese Faktoren für die Computerausbildung und Beschäftigung in der Zukunft bedeuten könnten. Ihre Studiengruppe, bei der ich Mitvorsitzender war, berichtete im Jahr 2006, dass es keinen wirklichen Grund gäbe, zu glauben, dass die Jobs in der Computerindustrie aus höher entwickelten Ländern abwandern würden. Die vergangene Dekade hat diesen Schluss untermauert.

Unser Bericht gestand aber zu, dass „Handelsgewinne unterschiedlich verteilt werden könnten“, was bedeutet, dass manche Individuen und Regionen Gewinn und andere Verlust machen würden. Außerdem war es eng auf die Informationstechnologieindustrie fokussiert. Hätten wir auf die Breitenwirksamkeit von Globalisation und Automatisierung in der Wirtschaft geachtet, hätten wir die größeren Veränderungen, die damals schon um sich griffen, möglicherweise gesehen.

Ausbreitung in der Herstellung

In beiden Industriellen Revolutionen, der ersten und der heutigen, schlugen sich die ersten Effekte in der Herstellung in der entwickelten Welt nieder. Durch den Austausch von Arbeitern durch Technologie verdoppelte sich die amerikanische Fertigungsproduktivität ungefähr zwischen 1995 und 2015. Als Ergebnis daraus erreichte die Beschäftigungsrate einen Höchststand um 1980 und nahm seit 1995 steil ab, während das Produktionsvolumen heutzutage ein Rekordhoch verzeichnet.

Anders als im 19. Jahrhundert aber verbreiten sich die Auswirkungen von Globalisierung und Automatisierung in den Entwicklungsländern. Die „Elephantenkurve“ des Ökonomen Branko Milanovic zeigt, wie Menschen, die 1998 nach ihrem Einkommen geordnet wurden, ein steigendes Einkommen bis zum Jahr 2008 erleben durften. Während das Einkommen der Armen stagnierte, führten die steigenden Einkommen in Schwellenländern hundert Millionen Menschen aus der Armut. Menschen, die an der Spitze der Einkommensskala standen, profitierten ebenfalls von der Globalisierung und Automatisierung

Das Einkommen der Arbeiter- und Mittelklasse in den entwickelten Ländern stagnierte allerdings. In Amerika ist beispielsweise das Einkommen von Produktionsmitarbeitern heutzutage inflationsbereinigt genauso hoch wie um das Jahr 1970. Nun kommt die Automatisierung auch in die Entwicklungsländer. Ein aktueller Bericht der International Labor Organization fand heraus, dass mehr als zwei Drittel der 9,2 Million Jobs in der südostasiatischen Textil- und Schuhbranche durch die Automatisierung gefährdet sind.

Das Ausmaß der Probleme anerkennen

Automatisierung und künstliche Intelligenz breiten sich nicht nur über die Welt aus, sie durchdringen auch ganze Wirtschaftssysteme. Buchhalter, Anwälte, Berufskraftfahrer und sogar Bauarbeiter – deren Jobs im Großen und Ganzen von der ersten Industriellen Revolution unbeeinträchtigt blieben – werden miterleben, wie sich ihre Arbeit wesentlich verändert, wenn sie nicht ganz von Computern übernommen wird.

Bis vor kurzem erkannte die gut ausgebildete berufliche Klasse, die auf der ganzen Welt vertreten ist, nicht, was mit der Arbeiter- und Mittelklasse in entwickelten Ländern geschah. Aber jetzt wird es auch mit ihnen geschehen. Die Ergebnisse werden alarmierend sein, zerstörerisch und unter Umständen lange anhalten. Die politischen Entwicklungen des letzten Jahres machen deutlich, dass das Thema des gemeinsamen Wohlstands nicht ignoriert werden kann. Es ist inzwischen offensichtlich, dass die Brexit-Abstimmung im Vereinigten Königreich und die Wahl des Präsidenten Donald Trump in Amerika zu einem Großteil durch sozioökonomische Missstände angetrieben wurden.

Unsere aktuelle Lage in Wirtschaft und Gesellschaft wird sich in bedeutender Weise verändern, ohne dass wir die Möglichkeit einfacher Abhilfen oder Anpassungenen haben, um ihre Auswirkungen zu verringern. Wenn man aber versucht, wirtschaftliche Vorhersagen zu treffen, die auf der Vergangenheit basieren, lohnt es sich, sich die Zurückhaltung des angesehenen israelischen Ökonomen Ariel Rubenstein aus seinem Buch „Economic Fables“ (2012) in Erinnerung zu rufen und diese zu praktizieren:

„Ich bin sehr damit beschäftigt, jede Interpretation zu verleugnen, dass ökonomische Modelle Schlussfolgerungen mit echtem Wert erzeugen.“

Rubinsteins Grundbehauptung, dass ökonomische Theorie uns mehr über ökonomische Modelle als über die wirtschaftliche Wirklichkeit verrät, ist eine Warnung: Wir sollten nicht nur auf Wirtschaftswissenschaftler hören, wenn es darum geht, die Zukunft der Arbeit vorherzusagen; wir sollten auch den Historikern zuhören, die ihren Vorhersagen oftmals eine tiefere historische Perspektive geben. Die Automatisierung wird das Leben vieler Menschen erheblich verändern, und zwar auf möglicherweise schmerzhafte und langanhaltende Weise.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Kohlekraftwerk“ by 526663 (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Wenn in Unternehmen nur noch Effizienz ausgeschwitzt wird

Schild 190 - Fortbildung (adapted) (Image by Thomas Reimer via Adobe Stock)

Fu?r Unternehmen bieten hochentwickelte Technologien wie Ku?nstliche Intelligenz, Big Data oder das Internet der Dinge vor allem neue Mo?glichkeiten zur Steigerung von Effizienz und Produktivita?t, sagt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2017). Recht fantasielos. Beschränken wir uns auf die Betrachtung von Effizienz und Produktivität? Dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn folgendes Beispiel Schule macht:

Weitreichende Vera?nderungen des Arbeitsmarktes lassen sich am chinesischen Unternehmen Changying Precision Technology verdeutlichen. Das Unternehmen ersetzte 90 Prozent der 600 Bescha?ftigten in ihrer Produktion durch 60 Roboter und erzielte dadurch nicht nur einen Ru?ckgang der Defekte um 80 Prozent, sondern zugleich gar auch eine Produktivita?tssteigerung um 250 Prozent.

Oder die viel zitierte Studie von Osborne und Frey (2013). So sollen 47 Prozent der im Jahr 2010 in den USA ausgeu?bten Berufe in den nächsten zehn bis 20 Jahren von der Ersetzung durch Maschinen bedroht sein. Die Forscher bewerteten 702 Berufe nach ihrer Automatisierungswahrscheinlichkeit.

Automatisierung statt Innovation

Brzeski und Burk (2015) berechneten ebenfalls die Automatisierungswahrscheinlichkeit ganzer Berufszweige. Sie schlussfolgerten aufgrund ihrer Befunde, dass 59 Prozent der Bescha?ftigten in Deutschland in den kommenden zehn Jahren durch moderne Technologien ersetzt werden ko?nnten. Analysen von Bonin, Gregory und Zierahn (2015) zeigen unter Verwendung eines berufsbasierten Ansatzes, dass 42 Prozent der aktuell ausgeu?bten Berufe einer vergleichsweise hohen Automatisierungswahrscheinlichkeit von mehr als 70 Prozent unterliegen. So könnte man die „Prognosen“, die in den vergangenen Jahren vorgestellt wurden, endlos fortsetzen.

Mal abgesehen von der Unfähigkeit der Forscher, wirklich belastbare Aussagen über die Zukunft über einen Zeitraum von 12 Monaten vorzulegen, sind alle Protagonisten von der Überlegung beseelt, dass es ausschließlich um die Steigerung der Produktivität und um die Senkung von (Lohn)-Kosten geht – selbst das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Vielleicht sollten die „Forscher“ mal darüber nachdenken, was erfolgreiche Unternehmer in der Vergangenheit ausmachte und Szenarien darstellen, wie es auch anders laufen könnte.

„Gerade weil Diskussionen über Zukunftsszenarien allzu oft ahistorisch geführt werden, rutschen sie nicht selten, ohne sich dessen bewusst zu werden, in überkommene Denkmuster hinein. Vielleicht besteht der beste Gewinn des Rückblicks auf die vielen Fehlprognosen der Vergangenheit darin, das Neue der Gegenwart schärfer ins Visier zu nehmen und sich von eingefahrenen Gewohnheiten der Zukunftsschau zu befreien. Dazu gehört auch, über technische Innovationen möglichst konkret zu reden“, fordert der Historiker Professor Joachim Radkau in seinem Opus „Geschichte der Zukunft“, erschienen im Hanser Verlag.

Unternehmertum verlernt

Wir sollten uns auch mit der Frage auseinandersetzen, ob wir in Deutschland mit der Digitalisierung wirklich nur Effizienz können und bei Innovationen versagen, wie Detecon-Analyst Marc Wagner im Interview zur Kölner Fachmesse Zukunft Personal ausdrückte:

„Beim Aufsetzen von Effizienzprogrammen und bei inkrementellen Verbesserungen sind wir in Deutschland total gut. Darauf sind wir konditioniert. Da werden die letzten fünf Prozent an Effizienz herausgeschwitzt. Was Unternehmer wie Robert Bosch gut konnten, das haben wir verlernt.“

Als aktionistische Ausweichaktion gründet so ziemlich jedes Unternehmen etwas und dem Stichwort „Lab“ oder „Garage“. Davor steht dann meistens „Digital“. Beheimatet sind die Zukäufe oder Neugründungen meistens in San Francisco, Tel Aviv oder Berlin.

In den Labs ballert man Geld raus

„Man erhofft sich in einem fancy Umfeld tolle radikale Innovationen. Ausgestattet mit einem dicken Budget soll der Anschluss an Unternehmen in den USA, in Asien und Israel gelingen. Es geht aber in diesen Labs primär nur um den Anfang von Innovationen. Es geht um die Frage, mit welchen Ideen die Firmen antreten könnten. Die Umsetzung ist häufig ausgeklammert“, bemerkt Wagner im Vorfeld der Kölner Fachmesse Zukunft Personal.

Das sei abhängig vom „Rest“ der Organisation und die beäugt das Lab-Spektakel kritisch. Im Brot-und-Butter-Geschäft werden Gehälter gekürzt, Konstrukte zur Kostensenkung in Gang gesetzt und Rationalisierung im Kundenservice durchgesetzt. „In den Labs ballert man das Geld raus, pumpt den Kollegen die Finanzmittel in den Hintern, scheut keine Kosten und Mühen, wenn es um die Gestaltung des Arbeitsumfeldes und in der Stamm-Organisation geht, sitzen alle wie die Hühner auf der Stange. Solche Diskrepanzen motivieren nicht zur Umsetzung neuer Ideen.“

Chef-Controller macht die digitalen Buden dicht

Einen weiteren Grund für die mangelhafte Innovationskultur sieht Wagner im klassischen Management, die er vor allen Dingen in Konzernen feststellt. Da werde viel von Innovationen und visionären Ideen gesprochen. In Wirklichkeit gehe es um eine gnadenlose Kapitalmarktorientierung und kurzfristige Optimierungen von KPIs – also Leistungskennzahlen mit denen Mitarbeiter gegängelt werden. Da sei kein Platz für innovative Ideen. Die Hipster in den Labs sind eher Feigenblatt-Einheiten, die beim nächsten Vorstandswechsel wieder rausfliegen.

Irgendwann schlägt der Chef-Controller zu und macht die digitalen Buden dicht. In deutschen Unternehmen gibt es extrem viele Manager, die dafür exzellent ausgebildet sind. Wir finden viele Controller, Finanzexperten und Juristen, die mit dem Kapitalmarkt umgehen können und die am Reißbrett von einer Restrukturierung zur nächsten jagen. Unternehmerischer Sachverstand ist im Top-Management aber Mangelware. Wir sind im Vergleich zu den USA viel stärker auf kurzfristige Maßnahmen gepolt, um den Kapitalmarkt zu pflegen.

Planwirtschaftliche Effizienzorgien

Das ist keine Risikokultur, das sind planwirtschaftliche Effizienzorgien. Richtige Unternehmer gehen Risiken ein und kaprizieren sich nicht auf interne Kontrollsysteme. Im Ergebnis finden wir mehrheitlich Optimierer und kaum noch Erfinder, moniert der Leadership-Strategie Ralf Schwartz im ichsagmal.com-Interview.

„Erfinder sind die Leute, die etwas Neues schaffen, Märkte durchbrechen und Neues kreieren.“ Das würde immer weniger gelingen.

„Wir brauchen Menschen, die Vorbilder sind. Wir brauchen Menschen, die Dinge bewegen. Wir brauchen Menschen, die Dinge verändern. Wir brauchen nicht wirklich Menschen, die auf Konferenzen auf Bühnen stehen und um den heißen Brei herumreden, die sich selbst verkaufen und nur heiße Luft verbreiten. Das sind keine Gestalter. Seit Jahrzehnten hängen wir in der Luft und leben davon, was wir früher mal waren. Es dominiert ein fragwürdiger Vierklang: Adaption ist die neue Innovation; Taktik ist die neue Strategie; Einfalt ist die neue Vielfalt; Billig ist das neue Besser. Wir verhindern unternehmerisches Rebellentum“, sagt Schwartz.

New Work setzt zu spät an

In der Schule, Hochschule und in der Einstellungspolitik werden die Menschen zu Managern erzogen und nicht zu Führungspersönlichkeiten. „Es gibt kein Personalmanagement, um das ändern zu können. Der Rebell fliegt sofort raus. In einer reibungslos funktionierenden Organisation sind die Menschen nur das Getriebeöl“, meint Schwartz. Symptomtherapien wie New Work, Arbeiten 4.0, agile Methoden, flache Hierarchien oder sonstige Managementweisheiten überdecken die Ursachen der Fehlsteuerung. „Wenn New Work einsetzt, ist es schon zu spät. New Work setzt im Unternehmen an und da sind keine Rebellen“, resümiert Schwartz. Das Notitz-Amt verortet Klärungsbedarf bei den Live-Talks auf der Messe Zukunft Personal am 19. und 20. September.


Image (adapted) „Schild 190 – Fortbildung“ by Thomas Reimer/stock.adobe.com


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Gefühle, Hoffnungen und Rechte für Roboter und KI: Worauf müssen wir vorbereitet sein?

Menschenmenge (adapted) (Image by mwewering [CC0 Public Domain] via pixabay)

Wir sollten uns daran gewöhnen, demnächst deutlich mehr über Künstliche Intelligenz zu hören. Selbst, wenn man die utopische und dystopische Übertreibung weglässt, wird das 21. Jahrhundert in breitem Maße nicht nur durch die Fortschritte im Bereich Künstlicher Intelligenz, Robotik, Rechentechnik und kognitiver Neurowissenschaften bestimmt sein, sondern dadurch, wie man selbige bewältigt. Für viele stützt sich die Frage, ob die menschliche Rasse ein 22. Jahrhundert erleben wird, auf diese letzte Berücksichtigung. Während die Vorhersage der drohenden Gefahr einer auf KI zentrierten Zukunft Gegenstand einer intensiven Debatte bleibt, müssen wir uns mit dieser Tatsache arrangieren. Aktuell gibt es mehr Fragen als Antworten.

Grundlegend ist, dass das Europäische Parlament drastisch hin zu einer durch KI bestimmten Zukunft vorprescht. Vor wenigen Wochen beschloss das Komitee für Rechtsfragen innerhalb des Parlamentes in einer Abstimmung mit dem Ergebnis von 17:2 Stimmen, den Beginn eines Gesetzentwurfes für die Regulierung von Entwicklung und Nutzung Künstlicher Intelligenz und Robotik. In diesem Gesetzentwurf enthalten ist eine vorläufige Richtlinie darüber, was unter „elektronischem Menschsein“ zu verstehen ist – diese würde übereinstimmende Rechte und Verpflichtungen für die hochentwickeltsten Künstlichen Intelligenzen absichern. Das ist ein Anfang, aber nicht mehr.

Wer die Debatte über „elektronische“ oder „robotische“ Menschlichkeit verfolgt hat, versteht vermutlich, wie deprimierend diese Themen sind und wie instinktiv geleitet die Reaktionen darauf sein können. Für alle, die sich damit bisher nicht beschäftigt haben, ist genau jetzt ein guter Zeitpunkt, damit anzufangen.

Die Idee einer Roboter-Persönlichkeit ist ähnlich zum Konzept einer Person mit körperschaftlichen Eigenschaften, die es Unternehmen erlaubt, in Rechtsfällen sowohl als Kläger oder Beklagter auftreten zu können – also zu klagen und auch verklagt zu werden. Der Bericht identifiziert etliche Bereiche mit potentieller Aufsicht, wie beispielsweise die Formierung eines europäischen Büros für Künstliche Intelligenz und Robotik, einer bindenden Definition von „intelligent-autonomen Robotern“ , ein Registrierungssystem für die Höchstentwickelten unter ihnen, sowie ein Konzept zur Pflichtversicherung für Unternehmen, um durch Roboter verursachte Schäden und Verletzungen abzudecken.

Der Bericht adressiert zudem die Möglichkeit, dass Künstliche Intelligenz und Robotik eine zentrale Verursacherrolle hinsichtlich massiver Jobverluste sein können und verlangt nach einer „ernsten“ Auseinandersetzung mit der Umsetzbarkeit, ein umfassendes Grundeinkommen als Strategie zur Minimierung der ökonomischen Auswirkungen von Massenautomatisierung gesamter Wirtschaftsbereiche einzusetzen.

Wir sind die Roboter

Diese Herausforderungen mögen entmutigend sein – und sie werden definitiv nicht schmackhafter in Anbetracht der zunehmend beklagenswerten geopolitischen Situation: Gesetzgeber, Politiker und Gerichte kratzen aktuell gerade erst an der Oberfläche dessen, welche Probleme und tatsächlich auch Möglichkeiten Künstliche Intelligenz und Robotik bieten. Ja, fahrerlose Autos sind problematisch, aber nur in einer Welt, in der herkömmliche Autos existieren. Verzichtet man auf diese, wird jede Straße und Stadt, jeder Staat, jede Nation und jeder Kontinent, die ausschließlich von fahrerlosen Autos befahren werden, im Grunde zu einem sehr ausgeprägten Netzwerk aus Eisenbahn-Signalen.

Ich kann hier die Umsetzbarkeit von Dingen wie genereller Künstlicher Intelligenz oder sogar der Büchse der Pandora – die Simulation des kompletten Gehirns, bei der eine künstliche, Software-basierte Kopie eines menschlichen Gehirns abgebildet wird, die identisch zu ihrem Vorbild funktioniert, nicht bewerten. Nehmen wir also einfach die grundlegende technische Umsetzbarkeit an und stellen uns eine Welt vor, in der maßgeschneiderte, fühlende Roboter und robotische Versionen von uns selbst, ausgestattet mit perfekten Kopien unserer Gehirne, zur Arbeit gehen und mit uns „Netflix and chill“ treiben.

Dass die bloße Idee, separate, austausch- und bearbeitbare und in Robotern eingebettete Kopien von Menschen zu erschaffen, sowohl konzeptionelle als auch praktische und juristische Herausforderungen eröffnet, muss hier nicht erwähnt werden. Zum Beispiel müssten grundlegende Prinzipien im Vertragsrecht neu aufgesetzt werden für Verträge, in denen eine der Parteien eine digitale Kopie eines biologischen Menschen ist.

Würde also ein Vertrag im Namen von Jane Smith sowohl für die biologische Jane Smith als auch ihre Kopie gelten? Dieselbe Frage muss auch hinsichtlich Ehe, Elternschaft, im Bereich Wirtschafts- und Besitzrecht und so weiter gelten. Wenn eine elektronische Kopie im Wesentlichen eine verkörperte Version eines biologischen Bewusstseins ihres Vorbildes ist, mit denselben Erfahrungen, Gefühlen, Hoffnungen, Träumen, Schwächen – auf welcher Grundlage sollten wir da für Menschen gültige Rechte verweigern? Das klingt absurd, aber ist dennoch eine Absurdität, die bald Realität werden könnte. Somit können wir uns es nicht leisten, sie wegzulachen oder übersehen zu wollen.

Weiterhin stellt sich die Frage, welche fundamentalen Rechte eine Kopie des biologischen Originals haben sollte. Wie sollten demokratische Wahlen also beispielsweise betrachtet werden, wenn das Kopieren von menschlichen Identitäten in künstliche Körper und Maschinen so günstig wird, dass Wahlbetrug durch die Schaffung von Kopien ein und desselben Wählers zu einer ernstzunehmenden Möglichkeit wird?

Sollte jede Kopie eine solitäre Stimme bekommen, oder nur einen rechnerischen Anteil in Abhängigkeit von der Anzahl der Kopien, die von einer Person bereits existieren? Wenn ein Roboter das Eigentum seines „Besitzers“ ist, sollten sie dann einen größeren moralischen Anspruch an die Wahl haben als, sagen wir, eure Katze? Wären Rechte übertragbar auf Back-up-Kopien für den Fall, dass das biologische Vorbild stirbt? Was, wenn das Kopieren so günstig, schnell und effizient wird, dass eine komplette Wählerbasis nach Gutdünken eines gut betuchten Kandidaten geschaffen werden kann und jeder mit einem eigenen, moralischen Anspruch an eine demokratische Wahl ausgestattet wird?

Wie fühlt ihr euch bei dem Gedanken an eine Wählerbasis, die aus einer Million Roboterkopien von Milo Yiannopolous besteht? Erinnert sich noch jemand an die Diskussion in den Vereinigten Staaten über den Betrug mit sogenannten Phantomwählern? Man stelle sich das Ganze nun einmal auf Steroiden vor. Welchen demokratischen Interessen obliegen nicht-biologische Personen, die keine Anfälligkeit für Alter, Gebrechen oder Tod besitzen. Wer jetzt noch beruhigt einschlafen kann, hat Glück gehabt.

In die Gedankenwelt hineingetaucht

Das alles sind faszinierende Spekulationen. Sie werden sicherlich zu großflächigen sozialen, politischen, wirtschaftlichen und philosophischen Veränderungen führen, sofern sie Bestandteil des Alltagslebens werden. Aber gerade weil sie in steigendem Maße zu Lebensinhalten werden, sollten wir damit beginnen, tiefgreifend über Künstliche Intelligenz und Robotik nachzudenken, statt nur über selbstfahrende Autos und die daraus folgenden Jobproblematiken. Wenn man ein beliebiges liberales und auf Menschenrechte aufgebautes System als Nennwert nimmt, führt dies fast immer zu der Schlussfolgerung, dass fortgeschrittenen Künstlichen Intelligenzen Menschenrechte gewährt werden sollten, sofern wir strikt die konzeptionellen und philosophischen Fundamente interpretieren, auf denen diese beruhen.

Warum ist es also so schwer, diese Schlussfolgerung zu akzeptieren? Was daran lässt uns so unbehaglich, unbequem oder bedroht empfinden? Menschen haben einen exklusiven Anspruch an biologische Intelligenz genossen und wir benutzen uns selbst als Maßstab für die Bewertung jeglicher anderer Intelligenz. Auf einer Ebene fühlen sich Menschen unbehaglich in Bezug auf die Idee des robotischen Menschseins, weil das Einräumen von Rechten für nicht biologische Personen bedeutet, dass wir Menschen bedeutend weniger besonders werden.

Tatsächlich beruhen unsere am tiefsten verwurzelten religiösen und philosophischen Traditionen auf der Vorstellung, dass wir im Grunde wunderschöne und einzigartige Wesen sind, die mit dem Funken des Lebens und Fähigkeiten durchdrungen sind, die uns andere Spezies übersteigen lassen. Das ist verständlich, auch wenn man zahlreiche Wege finden würde, dem zu widersprechen.

Auf einer anderen Ebene erzeugt die Vorstellung des robotischen Menschseins – im Besonderen in Bezug auf das Wahlrecht – bei uns Unbehagen, weil es uns die Belastbarkeit und Anwendbarkeit unserer heiligsten Werte hinterfragen lässt. Das trifft vor allem in Zeiten von Fake News, „alternativen Fakten“ und die fortschreitende Erosion am einst stolzen Bauwerk des liberalen, demokratischen Staates zu. Mit jedem neuen Fortschritt im Sektor der Künstlichen Intelligenz und Robotik gelangen wir stetig näher an den Moment der Abrechnung – nicht nur mit uns selbst, sondern darüber, ob unsere Gesetze, rechtlichen Konzepte und die historischen, kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Fundamente, auf denen sie beruhen, wirklich dazu geeignet sind, die Welt zu adressieren, wie sie sein wird, und nicht, wie sie einst war.

Die Entscheidungen und Taten, die wir heute in Bezug auf Künstliche Intelligenz und Robotik tätigen, weisen pfadabhängige Implikationen für unsere Entscheidungen von morgen auf. Es obliegt allen von uns, sich damit zu beschäftigen, was passiert, um die Auswirkungen zu verstehen und zu reflektieren, ob Bestrebungen, wie die des Europäischen Parlamentes nicht mehr sind als neuer Wein in alten Schläuchen. Es gibt keine Zukunftsforschung, aber wir können besser in die Zukunft schauen und das Ende des Weges verstehen, wenn wir uns aufmerksam auf die Gegenwart und die Entscheidung, die wir als Gesellschaft hinsichtlich der Technologie getroffen haben, konzentrieren.

Wenn man das tut, erkennt man, dass wir als Gesellschaft keine wirklich demokratischen Entscheidungen über Technologie getroffen haben. Mehr oder weniger wurden wir gezwungen zu akzeptieren, dass gewisse Dinge in unsere Welt eindringen und wir entweder lernen, ihre Vorteile zu nutzen oder aber zurückzufallen und natürlich auch mit ihren Auswirkungen klarzukommen. Vermutlich ist der erste Schritt, Gesetze und politische Vorschläge nicht als Ausgangspunkt dafür zu betrachten, wie man mit Künstlicher Intelligenz „umgeht“, sondern dass man anfängt, die demokratischen Defizite zu korrigieren – sei es als Gesellschaft oder sogar als die ganze Welt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Menschenmenge“ by mwewering (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Box Relay treibt die Automatisierung der Wirtschaft voran

Heute startet im für derartige Tech-Events bekannte Moscone Center in San Francisco die Jahreskonferenz des vor Ort ansässigen Cloud-Anbieter Box namens BoxWorks. Vermeintlich eines von vielen Events in der Stadt, in der noch diese Woche das neue iPhone von Apple präsentiert wird. Allerdings werden die Weichen für die Zukunft einer digitalisierten Arbeitswelt vor allem auf der BoxWorks gelegt.

Dabei kennen private Cloud-Nutzer meist das nur im Namen um eine Tätigkeit ergänzte Dropbox, aber es ist vor allem, dass aus Redwood City stammende Unternehmen Box, dass für die heutige Wirtschaft und auch Verwaltung, immer wichtiger wird. Immerhin sind die meisten der 500 umsatzstärksten Unternehmen der Welt Kunden, sowie u.a. das US-Justizministerium und die Downing Street 10.

Vor diesem Hintergrund muss auch die erste Bekanntmachung der diesjährigen BoxWorks gelesen werden: „Box und IBM haben heute Box Relay angekündigt, eine neue Workflow-Lösung, die nativ in Box verfügbar sein wird. Die Lösung wird es für jeden Mitarbeiter in einem Unternehmen einfacher machen, benutzerdefinierte oder vorgefertigte Workflows (…) zu erstellen, zu verfolgen und zu verwalten.

Automatisierung ist ein historisch gewachsenes Bedürfnis

Wenn zurzeit über das Thema Automatisierung gesprochen wird, fallen oft und schnell historische Vergleiche mit dem Verschwinden der Webstühle. Die Sorge ist, dass durch die Automatisierung (im schlimmstenfalls in Kombination mit Künstlicher Intelligenz) noch mehr Arbeitsplätze vernichtet werden und dies in einem Ausmaß, dass durch die gleichzeitige Schaffung neuer Tätigkeiten nicht kompensiert wird.

Schaut man sich aber in seinem direkten Umfeld um, sind das meist noch Zukunftsvisionen. In meinen bisherigen Jobs stellte sich Automatisierung öfters mehr als Wunschszenario dar, das vor allem eine Vereinfachung bestimmter Arbeitsprozesse mit sich bringen sollte, statt einer Bedrohung meiner eigenen Eignung für die jeweilige Tätigkeit. Sowohl Startups als auch Corporates wünschen sich Automatisierung.

Und das auch nicht erst seit der zunehmenden Digitalisierung der Wirtschaft. Schon 1745 entwickelte der englische Schmied Edmund Lee eine Vorrichtung, durch die sich Windmühlen selbstständig nach der Windrichtung ausrichten konnten. Ein schon seit der griechischen Antike wichtiges Thema. Das Prinzip der Automatisierung und der Wunsch danach sind nicht neu. Lange war das Narrativ aber positiver besetzt als heute.

Ende des 15. Jahrhunderts führte vor allem die Entwicklung der Fließbandfertigung in den Werften des Arsenale Novissimo zum Aufstieg Venedigs. Und mit Henry Ford, der das Prinzip im Jahr 1913 verfeinerte und mechanisierte, hatte der Kapitalismus sein Paradebeispiel gefunden. Ford konnte so seine Produktion um das Achtfache steigern, Materialkosten einsparen und die Löhne seiner Arbeiter erhöhen.

Box und IBM wollen effizientere Prozesse ermöglichen

Vermutlich wird die Kooperation zwischen Box und IBM keinen vergleichbar historischen Effekt haben, aber sie stellt ein wichtiges Signal für die heutige Wirtschaft dar: Automatisierung ist Trumpf. Und aufgrund des maßgeblichen Einfluss von Box und IBM auf die Wirtschaftswelt, könnte diese gemeinsam entwickelte Lösung die Arbeit von Millionen von Menschen beeinflussen – vor allem vereinfachen.

Workflow im Unternehmen funktioniert nicht – komplexe, zersplitterte Software und manuelle Prozesse hemmen die Produktivität“, kritisiert Box-Gründer und CEO Aaron Levie. Aber für Unternehmen, die „kognitiv werden möchten, ist die Fähigkeit für Teams, über Inhalte zu iterieren, neue Einblicke zu ermöglichen und auf natürliche Weise zusammenzuarbeiten, von entscheidender Bedeutung“, wie Inhi Cho Suh, General Manager für Zusammenarbeitslösungen bei IBM Analytics, erklärt.

Dieses zusammen entwickelte Produkt könnte Mitarbeiter in die Lage versetzen, einfachere digitale Workflows über verschiedene Funktionen hinweg zu erstellen. Dies würde, und dass bei den größten Unternehmen der Welt, die Verwaltungszeit von Projekten verringern und die Teamproduktivität erhöhen. Box Relay könnte das Sinnbild für einen Unternehmens-Workflow auf die einfache Art sein und das in durch Globalisierung und Digitalisierung immer komplizierter werdenden Wirtschaft.

Am Tag des Erscheinens einer Pressemitteilung muss jede Behauptung als Wunschdenken betrachtet werden, bestenfalls als Ziel. Dies ist aber spannend, wie Levie weiter ausführt: „Das völlig neue Box ist ein Ort, wo Ihre gesamte Arbeit zusammenkommt. Box Relay trägt seinen Teil zu dieser Vision bei, indem es jedem eine einfache Möglichkeit bietet, Routineprozesse zu erstellen, zu verfolgen und zu verwalten – ohne Box verlassen zu müssen.

Wichtige Impulse für die zukünftige Arbeitswelt

Mit Box Relay kann die Unternehmens-IT weniger als Bremser und viel mehr als Unterstützer auftreten, die es den Mitarbeitern ermöglicht, sich auf andere Arbeiten zu konzentrieren und zugleich bessere Möglichkeiten zur Optimierung und Automatisierung von Prozesse bietet. Das gilt auch für Workflows zwischen internen und externen Teams, bspw. in der Zusammenarbeit mit Kunden, Partnern oder auf der ganzen Welt verteilt arbeitenden Freelancer-Teams.

Mit Box Relay wird das Wechseln zwischen Systemen nicht mehr nötig, da es auf der Plattform, der Unternehmen bereits die Verwaltung ihrer wertvollsten Inhalte anvertraut haben, ein Workflow-Tool bietet. Benutzer können Inhalte bearbeiten, die automatisch wieder bei Box gespeichert werden, wodurch Integrationen unter anderem mit Office 365, Adobe und Salesforce genutzt werden.

In wenigen Jahren werden wir wissen, ob Box Realy ein historischer Meilenstein sein wird, vergleichbar mit Fords Fließbändern. Die Ziele des gemeinsamen Projekts von Box und IBM sind aber zugleich der Fahrplan für sich modernisierende Unternehmen: Verringerung der IT-Abhängigkeit und Stärkung von Endbenutzern, Erschaffen nahtloser Prozesse im „erweiterten Enterprise“ und Verringern der Zeit, die mit der Verwaltung von Projekten verbracht wird.


Wie schon 2015 nehmen die Netzpiloten auch in diesem Jahr auf Einladung von Box.com an der BoxWorks teil. Für Snackable Content aus San Francisco könnt Ihr Tobias Schwarz auf Twitter und Instagram folgen.


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5 Lesetipps für den 30. Januar

In unseren Lesetipps geht es heute um Facebook und Überwachung, die Debatte ums Urheberrecht, eine Paywall, Roboterjournalismus und YouTube. Ergänzungen erwünscht.

  • FACEBOOK Süddeutsche.de: Das wirkliche Problem sind Geheimdienste: Heute treten auf Facebook neue allgemeine Geschäftsbedingungen in Kraft. Das soziale Netzwerk will noch mehr über seine Mitglieder wissen und diese Daten noch intensiver nutzen. Die Aufregung ist im Laden von Bundesdatenschützerin Andrea Voß riesig, doch wird in der Debatte ein wichtiger Fakt vergessen, den Dirk von Gehlen auf Süddeutsche.de sehr gut auf den Punkt bringt: „Es ist an der Zeit, jene Überwachungs-AGB abzulehnen, die politisch verbreitet werden, statt so zu tun, als könne man das Problem über Facebook lösen.“

  • URHEBERRECHT Netzpolitik.org: Die Böhmermann-Debatte zum Urheberrecht: Leonhard Dobusch fasst auf Netzpolitik.org die doch noch sehr interessant gewordene Debatte um die Urheberrechtsverletzung durch Jan Böhmermann zusammen. Berufsprovokateur Böhmermann nutzt den Vorfall um die berechtigte Abmahnung für Aufmerksamkeit erhaschenden Krawall, andere Leute setzen sich mit der eigentlichen Frage um das Urheberrecht auseinander und wie dieses modernisiert werden muss.

  • PAYWALL Rhein-Zeitung.de: Schluss mit gratis – Eine Zeitenwende: Keine Ahnung, wie lang dieser Artikel noch zu lesen ist, denn der Kommentar von Marcus Schwarze auf Rhein-Zeitung.de wird bald hinter einer Paywall verschwinden. Kunden statt Reichweite lautet das neue Motto, weshalb bald jeder Artikel kostenpflichtig sein wird. Marcus Schwarze, Redakteur und Leiter Digitales bei der Rhein Zeitung erklärt diesen ultimativen Schritt.

  • ROBOTERJOURNALISMUS The Verge: AP’s ‚robot journalists‘ are writing their own stories now: Roboterjournalismus funktioniert nur unter bestimmten Voraussetzungen. Lars Sobiraj hat das auf Netzpiloten.de geschrieben. Die New Yorker Nachrichten- und Presseagentur Associated Press (AP) setzt ebreits auf Roboterjournalismus, ohne dass das den Journalismus gefährdet. Wie das geht und wie die bestimmten Voraussetzungen bei AP aussehen, erklärt Ross Miller auf theverge.com.

  • YOUTUBE BR Puls: Womit Youtube-Stars ihr Geld verdienen: Die hiesige YouTube-Community ist schwer einzuschätzen. Noch handelt es sich um alles andere als ein großes Geschäft, allerdings bereits mit sehr wenigen Ausnahmen, doch wie viel Geld wirklich schon im Umlauf ist, weiß niemand genau. Philipp Steuer hat für Google gearbeitet und kennt sich mit YouTube aus. Im Interview mit Anna Bühler legt er die Karten auf den Tisch – mit einem bestimmten Ziel.

Die morgendlichen Lesetipps und weitere Linktipps am Tag können auch bequem via WhatsApp abonniert werden. Jeden Tag informiert dann Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz persönlich über die lesenswertesten Artikel des Tages. Um diesen Service zu abonnieren, schicke eine WhatsApp-Nachricht mit dem Inhalt arrival an die Nummer +4917622931261 (die Nummer bitte nicht verändern). Um die Nachrichten abzubestellen, einfach departure an die gleiche Nummer senden. Wir werden, neben dem Link zu unseren morgendlichen Lesetipps, nicht mehr als fünf weitere Lesetipps am Tag versenden.

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5 Lesetipps für den 12. Januar

In unseren Lesetipps geht es heute um Social Media in Katar, aber auch bei Protesten, das Video von Paris, Polaroid und die Automatisierung unserer Arbeit. Ergänzungen erwünscht.

  • SOCIAL MEDIA I Carnegie: Protest in the Age of Social Media: Ds Autorenkollektiv Joshua A. Tucker, Megan Metzger, Duncan Penfold-Brown, Richard Bonneau, John Jost und Jonathan Nagler hat für Carnegie einen lesenswerten Artikel über Protest in Zeiten von Social Media geschrieben und anhand des letztjährigen Beispiels #EuroMaidan nachgewiesen, dass soziale Netzwerke vor allem als Infrastuktur von Protesten eine wichtige Rolle spielen. Für die Zukunft wird das wohl bedeuten, dass annährend jede Revolution auch in den sozialen Netzwerken stattfinden wird und diese mehr zum Erfolg beitragen werden.

  • AUTOMATISIERUNG t3n: Die Digitalisierung macht uns arbeitslos – zum Glück!: Bei t3n schreibt Stephan Dörner, dass die digitale Revolution endlich an dem Punkt angekommen ist, in der auch die geistige Arbeit von der Automatisierung betroffen ist und wir uns als Gesellschaft die entscheidende wirtschaftspolitische Frage des 21. Jahrhundert angehen müssen: Wie verteilen wir die Früchte der Automatisierungsdividende? Die Gewerkschaft ver.di will dazu in diesem Jahr den Diskurs beginnen.

  • SOCIAL MEDIA II BBC: WhatsApp now clear social media leader in Qatar, including for news: Bei der BBC schreibt Damian Radcliffe über eine Studie des Ministeriums für Information- und Kommunikationstechnologie von Katar, dass sich mit der Nutzung von Social Media im eigenen Land auseinandergesetzt hat. Interessant ist, dass WhatsApp und Instagram in der arabischen Bevölkerung Katars die beliebtesten DIenste sind und das mit Abstand. Facebook zum Beispiel kommt nur auf Platz 5, knapp vor Snapchat und mit nur halb so vielen Nutzern wie WhatsApp.

  • VIDEO Associated Press: Witness to Paris officer’s death regrets video: Nicht ein bestimmtes Foto wird uns von den Terroranschlägen in Paris in Erinenrung sein, sondern ein mit dem Smartphone gemachtes Video, dass die Hinrichtung eines französischen Polizisten zeigt. Sofort kam die Frage auf, wieso man bewaffnete Männer filmt, zufällig den Mord aufzeichnet und dann das Video ins Internet stellt. Im Gespräch mit der Associated Press äußert sich der Urheber, spricht vom Schockzustand, der Reue nach dem Upload und entschuldigt sich dafür. Doch auch wenn das Video nach 15 Minuten wieder offline genommen wurde, war es bereits unkontrollierbar viral. Ab dem Moment oblag die Verantwortung, wie schon immer, den Medien und den Umgang mit diesem Video, was einige Medien besser und andere schlechter geschafft haben.

  • POLAROID Time: „We’re ‚Curators of Innovation‘ Now“: Wir alle kennen Polaroid, ein Unternehmen, dass man sofort mit Fotograie verbindet, mit besonderen Fotoapparten und einem spezillen Format von Bildern. In Zeiten von Smartphones und Instagram kann man mit seiner beeindruckenden Geschichte aber nichts mehr gewinnen. Das Unternehmen musste das in den letzten Jahren auf die harte Tour lernen und scheint jetzt mit einer neuen Vision des Unternehmens wieder da zu sein. Auf der diesjährigen CES zeigte sich Polaroid als „Kurator von Innovation“, wie es Scott Hardy im Gespräch mit dem TIME-Magazin nennt.

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5 Lesetipps für den 30. Mai

In den Lesetipps geht es um Social Media für Millionen, digitale Bequemlichkeit, Automatisierung, Kritik am Urheberrecht und Google will europäischer werden. Ergänzungen erwünscht.

  • SOCIAL MEDIA Nieman Journalism Lab: Who’s behind that tweet?: Joseph Lichterman hat für das Nieman Journalism Lab die Social Media-Manager der US-Medien ABC News, AP, CNN, NBC News, The New York Times, USA Today und The Wall Street Journal gefragt, wie sie ihre Social Media-Accounts verwalten. Ein interessanter Einblick von Leuten, die tagtäglich Accounts mit Millionen Followern bespielen.
  • DIGITALE GESELLSCHAFT RP-Online.de: Apps bedrohen die Freiheit im WWW: Das Internet, wie wir es kennen, ist 25 Jahre alt – und vom Aussterben bedroht. Nicht nur durch politische Kontrollwut und den Kampf um „Vorfahrt“ für bestimmte Daten. Die größte Gefahr ist unsere eigene Bequemlichkeit, wie Tobias Jochheim in einem äußerst lesenswerten Kommentar auf RP-Online.de schreibt.
  • AUTOMATISIERUNG Netzwertig.com: Die Roboter kommen, doch Politiker sprechen noch immer von Arbeitsplatzschaffung: Das Beförderungs-Startup Uber will auf mittlere Sicht selbstfahrende Autos einsetzen. Amazon verzehnfacht in diesem Jahr die Zahl der Roboter in seinen Versandzentren. Maschinen nehmen Menschen die Arbeit weg – doch Politik und Volkswirtschaft sind überhaupt nicht vorbereitet, wie Martin Weigert auf Netzwertig.com erklärt.
  • URHEBERRECHT Interview mit Cory Doctorow: „Das Urheberrecht ist ein Nährboden für Überwachung“: Ein äußerst lesenswertes Interview von Lea Weitekamp mit dem Sci-Fi-Autor Cory Doctorow, in dem der EFF-Aktivist über die Vorteile von Creative Commons für Schriftsteller spricht und wieso die derzeitige Gestaltung des Urheberrechts „ein Nährboden für Überwachung“ ist.
  • GOOGLE de lege data: Google setzt EuGH-Entscheidung um und möchte europäischer werden: Nach der EuGH-Entscheidung im Streit zwischen der spanischen Datenschutzbehörde und Google um ein sogenanntes „Recht auf Vergessen werden“ im Internet, hat das Unternehmen am Freitag ein Webformular bereitgestellt, durch welches Nutzer nun Löschantrage für Suchergebnisse einreichen können. Dr. Carlo Piltz stellt das Formular auf seinem Blog vor.

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