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Ford für Vierbeiner

Das mosaische Gesetz, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, bekommt im vorliegenden Fall eine ganz neue Geltung. Keine Sorge, es geht nicht um Rache. Fahren kann manchmal laut werden. So kennen wir es zumindest noch von älteren Automodellen, wo man das Gefühl hatte im Motor zu sitzen. Um nicht komplett den Verstand zu verlieren, haben sich findige Ingenieure des US Autoherstellers Ford über dieses winzige Problem Gedanken gemacht. Um das Fahren lärmfreier zu gestalten, entwickelten sie ein ausgeklügeltes System, das unerwünschte Geräusche durch Gegengeräusche neutralisiert. Dieses intelligente Verfahren nennt sich Active Noise Control bzw. Active Noise Cancelling: kurz ANC.

Die Idee wurde nun auf skurille, aber effektive Art weiterentwickelt. So stellte Ford neuerdings ihren Prototypen einer Hundehütte vor – mit exakt derselben Technologie. Jetzt fragt man sich natürlich, inwiefern Hunde von Lärm betroffen sind, außer sie gehen freiwillig zu einem Metal Konzert von Manowar. Die Antwort ist Silvester. Der ohrenbetäubende Lärm verursacht nämlich bei den Vierbeinern enormen Stress. Da Hundeohren eine feine Sensorik besitzen, reagieren sie auch dementsprechend auf laute Geräusche.

Das Design

Die Hütte selbst mutet wie ein futuristisches Gebilde eines Stararchitekten an. Das kubistische Design und der Stil erinnern ein wenig an die Inszenierungen von modernen Hütten in den Alpen. Das Dach zieht sich spitz nach oben und ist nach vorne geneigt, während der hinter Teil nach unten abfällt. Die Wand ist mit Mikrofonen ausgestattet, welche die Geräusche aufnehmen und im Inneren mit Gegenfrequenzen gegensteuern. Darunter befindet sich eine zusätzliche Korkwand, um weitere Geräusche zu dämpfen. Die automatische Glastür und eine Lampe runden das ganze ab. Inwiefern dieses Modell in Serie geht scheint hingegen nicht sicher, da Ford ausdrücklich von einem Versuchsmodell spricht. Es scheint auch vielmehr eine Werbekampagne für das eigen entwickelte ANC System zu sein.

Nun feiert der Mensch nur einmal im Jahr Silvester. Der aufwendige Stil lässt den Preis nur erahnen. Ob sich der Aufwand auszahlt, kann jeder selbst entscheiden. Ein Blickfang ist es in jedem Fall.


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Bowers & Wilkins PX im Test – die Kopfhörer mit erstklassigem Noise Cancelling

Bowers & Wilkins PX Flora Portrait by Bowers Wilkins

Bowers & Wilkins PX sind die ersten ohrumschließenden Bluetooth-Kopfhörer mit Noise Cancelling dieser Marke. Die hochwertigen Kopfhörer ließen auf sich warten – ob es sich gelohnt hat? Ich habe es getestet.

Hochwertiges Design

Die Kopfhörer von Bowers & Wilkins kamen in einem hochwertigen Karton an. Nach dem Auspacken kamen mir erst die Kopfhörer selbst in den Blick. Es sind zwei Varianten auf dem Markt verfügbar: einmal in Space Grey und einmal in Soft Gold. Zu den Kopfhörern gibt es ein großes Etui mit genügend Platz für das Klinken-Kabel und das USB-Ladekabel. Die Stoffhülle kommt in mattschwarz und ist aus einem wildlederähnlichen Material gefertigt.

Die Bowers & Wilkins PX sehen sehr hochwertig aus, sind dabei aber sehr groß und schmücken nicht jede Kopfform. Auf meinem Kopf sehen sie ziemlich klobig aus. Der Tragekomfort hat mich trotzdem überzeugt. Ich bin in den vergangenen Wochen mit den PX durch die Stadt gelaufen und habe stundenlang Musik genossen – ohne Störung durch die Außenwelt.

Schnelle BT-Verbindung, lange Akkulaufzeit

Die PX gehören zu den kabellosen Kopfhörern, die man über Bluetooth mit einem Smartphone verbinden kann. Außerdem verfügen die Hörer über einen USB-C-Anschluss und einen 3,5-mm-Stereo-Klinkenstecker. Für die Bluetooth-Funktion ist der Hörer mit Qualcomm aptX HD ausgestattet. Dies ermöglicht einen hochqualitativen Sound ohne Kabelverbindung. Davon profitieren jedoch nur Android-Nutzer, da iPhones und iPads stattdessen AAC unterstützen.

Die Bowers & Wilkins PX werden automatisch eingeschaltet, sobald man sie auf den Kopf setzt. Durch die Bluetooth-Verbindung mit meinem Smartphone wurde automatisch Musik über Spotify wiedergegeben. Das heißt, man muss so gut wie nichts tun, um Musik zu hören. Außer den Kopfhörer über die Ohren zu setzen. Auch sobald man eine Seite anhebt, wird die Musik gestoppt und beim erneuten Anlegen fortgesetzt. Sollte man die Kopfhörer ganz absetzen, passiert natürlich das gleiche.

Mit einer Akkulaufzeit von 22 Stunden über Bluetooth und 33 Stunden mit Kabel bin ich sehr positiv überrascht. Innerhalb von zwei Wochen musste ich die Kopfhörer einmal aufladen. Bauartbedingt bieten sie damit deutlich mehr als beispielweise die kabellosen In-Ear-Kopfhörer Samsung Gear IconX (mit einer Akkulaufzeit von zwei Stunden).

Noise Cancelling und Klang der Bowers & Wilkins PX

Ich nutze im Alltag eher die Standard-Kopfhörer des iPhone und bin es gewohnt, die Geräusche in meiner Umgebung zu hören – egal, wie laut ich die Musik aufdrehe. Der Eindruck, den die PX machen, wenn man sie zum ersten Mal benutzt, ist beinahe unbeschreiblich. Ale wäre die ganze Welt stumm geschaltet worden. Noise Cancelling sei dank.

Allein dadurch, dass die Kopfhörer die ganzen Ohrmuscheln bedecken, erzeugen sie erst mal ein passives Noise Cancelling. Ihre Besonderheit liegt aber daran, dass die PX über drei verschiedene Störgeräuschunterdrückungsstufen verfügen. Die erste eignet sich für das Büro, wo es prinzipiell nicht laut ist. Die Gespräche in der unmittelbaren Nähe sind hörbar, alle anderen Geräusche werden ausgeblendet. Eine weitere Stufe ist für den Straßenverkehr gedacht. Aus Sicherheitsgründen werden nicht alle Geräusche ausgeblendet. Doch wer sich sicher genug fühlt, kann dies manuell in der App von Bowers & Wilkins ändern. Eine letzte Stufe ist die stärkste – die wurde für das Flugzeug entwickelt.

Bei starken und lauten Störgeräuschen verändert sich der Sound ein wenig. Er wirkt gedämpft, was mich anfangs gestört hat. Irgendwann habe ich mich an die Veränderung des Musikerlebnisses gewöhnt und habe es folglich nicht mehr gehört. Im Büro bzw. zu Hause, wo die Umgebung eher still ist, war die Veränderung nicht vorhanden.

Im Großen und Ganzen klingen alle Lieder, die ich über die Kopfhörer gehört habe, von Dennis Lloyds „Nevermind“ bis „Enter Sandman“ von Metallica, sauber. Der Bass überzeugt und geht sehr tief. Eine völlig andere Welt im Vergleich zu Standard-Kopfhörern. Beweis genug sollte der Moment sein, in dem ich die PX zurücksetzen wollte, wofür ich sie anschalten musste. Automatisch wurde das Lied fortgesetzt, welches ich auf dem Weg ins Büro gehört habe, nämlich „Hallelujah“, gecovert von Espen Lind und Kurt Nielsen. Dieser Song in Verbindung mit der Soundqualität ließen mich erstmal für mehrere Sekunden erstarren. Erst zum Ende des Tracks konnte ich mich erinnern, warum ich die Kopfhörer überhaupt aufgesetzt habe.

Himmlische Soundqualität?

Die dritte NC-Stufe habe ich während einer Flugreise ausprobiert. Glücklicherweise bin ich in den vergangenen Wochen in den Urlaub geflogen und habe mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, die Kopfhörer mit in den Flieger zu nehmen und selbst die letzte Noise Cancelling Stufe auszuprobieren. Von dem Ergebnis bin ich begeistert. Anstatt Musik zu hören, wo man in den meisten Fällen nicht jedes Wort genau hören muss, um den Klang zu genießen, habe ich mich für Serien entschieden.

Am Tag vor dem Abflug habe ich ein paar Folgen von einem Sitcom heruntergeladen. Entsprechend ausgestattet begab ich mich auf die Reise. Durch eine Verspätung saß ich eine Stunde im Flieger, ohne dass wir starten konnten.Die perfekte Gelegenheit für einen Feldversuch. Die anderen Passagiere haben miteinander gesprochen, hin und wieder wurde etwas durch die Lautsprecher weitergegeben. Doch davon hörte ich nichts. Die Turbinen haben in der Zeit auch durchgehend gearbeitet – zumindest nehme ich das an, denn gehört habe ich nichts. Dafür war die Soundqualität meiner Serie scharf klar verständlich zu verstehen. Beim Start und bei der Landung war der Klang nicht ganz sauber. Es hörte sich so an, als würde jemand ein Mikrofon mit der Hand testen. Doch sobald wir in der Luft waren, hat es aufgehört.

Eine Kleinigkeit, die ich bedauere ist, dass die PX zu groß sind, um mit ihnen bequem zu schlafen. Denn auch als ich die Serien ausgeschaltet habe, war die passive Störgeräuschunterdrückung sehr angenehm für die Ohren. Dagegen wurde es sehr laut, als ich die Kopfhörer abgesetzt habe.

Wunschkonzert per App

In der von App von Bowers & Wilkins kann man die Stufen der Geräuschunterdrückung nochmal individuell anpassen. Doch ich finde, es ist gar nicht nötig. Die PX sind schon so „intelligent“ genug, um zu erkennen, in welcher Umgebung man sich befindet. Je lauter es draußen wird, desto stärker die Geräuschunterdrückung. Dies passiert automatisch, ohne dass man es in der App anpassen muss. Deshalb ist es egal, ob ich auf der Straße einem LKW oder einem Fahrrad begegnet bin – beide waren gleich leise.

Bowers & Wilkins App, Screenshot by Nina Brzeska

Test-Fazit Bowers & Wilkins PX

Die Bowers & Wilkins PX hat mir eine neue Stufe von Soundqualität gezeigt. Das Debüt der britischen Firma im Bereich Noise Cancelling ist auf jeden Fall gelungen und überzeugt in meinem Praxistest. Für den Preis von 400 Euro bekommt der Kunde eine ganze Reihe an Nutzungsmöglichkeiten und bequemen Lösungen für den Alltag.

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Images by Bowers & Wilkins; Nina Brzeska

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Die eleganten Bluetooth In-Ears mit dem Plus: Libratone Track+

Tragt ihr eure Kopfhörer immer noch AUF den Ohren? Im Sommer viel zu heiß! Das Zauberwort dieser Tage heißt In-Ears – und zwar am besten mit Bluetooth. Dabei haben wir es sehr gerne schlank, schick und unauffällig und trotzdem mit ordentlichem Soundprofil. All diese Punkte haben sich die Entwickler von Libratone auf die Fahne geschrieben, als sie das Modell Libratone Track+ entwickelten. Der dänische Hersteller, der sich mit seinen stylischen Produktdesigns bereits einen Namen in der Audiowelt gemacht hat, braucht sich hier vor Szenegrößen wie den Beats X by Dr. Dre nicht zu verstecken.

Design und Ausstattung: Schlicht ist Trumpf

Die Libratone Track+ punkten bereits beim Auspacken mit dem gewohnt schlichten, edlen Look. Mein Testmodell kommt in der Farbe Cloudy White daher. Somit erinnern die Bluetooth-Hörer in ihrer Gesamterscheinung sogar etwas an Apples cleanen Stil.

Die beiden In-Ear-Hörer sind durch einer stabilen, mit festerem Silikonüberzug beschichtete Kabelverbindung gekoppelt, die man sich lässig um den Nacken legt. Verrutschen tut hier nichts. An der linken und rechten Seite ist jeweils ein Steuerelement mit einem Alugehäuse angebracht. So sind die Libratone Track+ nicht nur unverknotbar, sondern auch leicht zu bedienen. Die beiden Steuerelemente sind etwa 5 Zentimeter lang und 0,5 Zentimeter breit. Durch ihre handliche Aufmachung während des Hörens sind sie gut zu erreichen.

Das rechte Bedienelement ist für die Lautstärke- und Trackauswahl gedacht. Die linke Seite beherbergt den Akku, die Ladebuchse sowie den Powerknopf, mit dem die In-Ears ans Smartphone gekoppelt werden.

Die In-Ears werden mit halbtransparenten Gummiaufsätzen in vier verschiedenen Größen für die Hörer geliefert. Außerdem gibt es einen Aufsatz für die Wingtips, die sich noch einmal zusätzlich in der Ohrmuschel festhaken, so dass die Libratone Track+ sicher und gut sitzen können. Mehr braucht es nicht. Und mehr bekommt man auch nicht, denn auch bei der Ausstattung gibt sich Libratone schlicht. Eine Tragetasche oder einen Ladeadapter sucht man bei einem recht stolzen Preis von knapp 200 Euro leider vergeblich. Mit einem handelsüblichen Handy-Adapter mit Mini-USB sind die Track+ aber auch schnell aufgeladen. In nur anderthalb bis zwei Stunden sind die In-Ears einsatzbereit.

Active Noise Cancelling und Soundprofil: Das Plus im Track+

Lärm ist überall, vor allem, wenn man unterwegs ist. Daher führt Libratone mit dem Track+ die aktive Geräuschunterdrückung auch bei den In-Ears-Modellen ein. Tatsächlich funktioniert die abschottende Wirkung sehr gut, denn man hört von der Außenwelt praktisch nichts. Es sei denn, man will es so. City Mix nennt Libratone diese neue Einstellung. Wie bereits bei der fast baugleichen Vorgängerreihe Q Adapt wird hier die Umwelt und ihre Geräusche wahlweise ein- oder ausgeschaltet.

Der Libratone Track+ kann das in vier Stufen, die man per App auswählen kann. Hier gibt es die Auswahl zwischen neutralen Grundeinstellungen, verstärkten Höhen oder einem extra verstärktem Bass Bluetooth.

Die App bietet auch eine Verbindung zu den Streamingservices Tidal und Soundcloud. Ein gut gemeinter Service. Schade und unnötig ist hier allerdings die datenfressende Abschnorchelung via separatem Anmeldeprofil, das außerdem ein wenig zu oft mit Tipps nervt (die man aber auch ausschalten kann). Wer einfach seine Hörer ohne digitalen Spion nutzen will, muss leider auf die App verzichten.

Fragt sich außerdem, wer diese Funktion braucht. Noise Cancelling ist praktisch, wenn man konzentriert arbeiten möchte oder beim Sport nicht gestört werden will. Die Idee, diese Funktion automatisch abzuschalten, ist prinzipiell eine gute. Allerdings nutze ich die Hörer dann doch hauptsächlich zum konzentrierten Hören. Der Handgriff, der mich die integrierte Funktionen umstellen lassen würde, ist letztlich mit demselben Kraftaufwand verbunden, die Hörer einfach aus der Ohrmuschel zu ziehen. Kurz: Die Funktion ist eine nette Spielerei, dringend benötigen tut man sie jedoch nicht.

Das Soundprofil der Libratone Track+ selbst hingegen ist sehr angenehm und ohne Einschränkungen zu empfehlen. Auch ohne App-Unterstützung. Neben einem stabilen und kräftigen Bass, ausgewogenen Mitten und klaren Höhen bieten die In-Ears ein volles und klares Soundprofil, das auch bei erhöhter Lautstärke nicht klirrt, sondern stets weich und voll klingt. Das schaffen nur wenige Minikopfhörer. Bei In-Ears dürfte diese Soundqualität besonders rar gesät sein. An dieser Stelle also ein ausdrückliches Lob an die Sounddesigner.

Bedienung: Hands-on mit Hindernissen

Nach dem ersten Auspacken werde ich – wie bereits bei meinem vorherigen Test eines Libratone-Produktes – vor ein Rätsel gestellt. Wie zum Geier bedient man die schicken Hörer? Die wenigen, schlichten Knöpfe an den Seiten helfen kaum weiter. Ein Blick auf die Bedienungsanleitung, die dankenswerterweise in die App integriert ist, gibt schließlich Aufschluss. Die erste Verbindung mit dem Smartphone per Bluetooth klappt reibungslos.

Ein schlichtes Mini-Diödchen gibt mit leichtem Blinken zu erkennen, dass die Hörer aktiviert sind. Wie bei meinem vorangegangenen Test bemerke ich: Man kann zwar den nächsten Track bequem per Plus-Taste anwählen. Eine Möglichkeit, einen Track zurückzugehen, gibt es jedoch noch immer nicht. Auch die smarte City Mix-Funktion erschließt sich meinem Ohr nicht gleich. Vor allem im Straßenlärm freue ich mich zwar über den klaren Sound, bemerke aber nur wenige Unterschiede zwischen den Profilen.

Über den Tragekomfort der In-Ears kann dagegen nur Gutes vermeldet werden. Nach einigen Stunden tragen sich die Libratone Track+ noch immer recht angenehm, wenn auch nicht völlig störungsfrei. Die Hörer halten bei mir nicht ohne die beigelegten Wings und rutschen auch mit Wingtips-Haltehilfe ab und zu aus den Ohrmuscheln heraus.

Finde deine Größe: Die Track+ werden mit den passenden Höraufsätzen geliefert.

Strenge Maßgaben müssen auch bei der Langlebigkeit des Akkus angelegt werden. Libratone wirbt mit bis zu acht Stunden Spielzeit für die Track+. Für einen kabellosen Kopfhörer definitiv keine schlechte Zeit. Für meine Alltagsroutine als Pendler und Intensivhörer reicht eine Ladung immerhin gerade so aus. Und öfter als mein Smartphone möchte ich meine Kopfhörer dann nun doch nicht aufladen.

Als deutlich problematischer empfinde ich die mangelhafte Reichweite der Track+, denn diese ist eindeutig zu gering. Andere Bluetooth-Modelle schaffen locker ihre zehn bis 15 Meter ohne Signalstörung, bei den Track+ ist bereits nach etwas über sechs Metern Abstand zum Smartphone Schluss. Wer also über eine größere oder verwinkelte Wohnung verfügt, muss mit einigen ärgerlichen Aussetzern beim Signal rechnen. Immerhin stoppt die Soundwiedergabe bei fehlender Verbindung, so dass man nicht alles verpasst. Ein etwas weiterer Radius bei gleicher Qualität wäre trotzdem wünschenswert.

Funkt leider etwas schwach: Das Modell Track+ darf nicht zu weit weg vom Smartphone.

Das Telefonieren mit den In-Ears klappt für meine Ohren sehr gut, jedoch bin ich, je nach Umgebung, mal schlechter, mal sehr gut zu verstehen, wie mir mein Gegenüber versichert. Diese Qualitätsschwankungen in der Sprachausgabe können nerven, besonders den Telefonpartner. Hier muss Libratone noch einmal nachsteuern.

Außerdem führt die Noise Cancelling-Funktion dazu, dass ich beim Telefonieren gefühlt lauter reden muss als gewohnt – wer irritierte Blicke auf der Straße vermeiden will, sollte wichtige Telefonate vielleicht doch besser in eine private Umgebung verlegen oder das Smartphone einfach ohne Hörer ans Ohr halten.

Fazit: Streber, aber ohne Bestnote

Mit den Libratone Track+ können Musikliebhaber einen guten Fang machen – vorausgesetzt, das Smartphone bleibt dabei in der Nähe und die Funkverbindung bleibt stabil. Die Track+ sind stylisch und gut verarbeitet, der Tragekomfort ist für In-Ears erfreulich hoch. Auch die Akkuleistung dürfte für den normalen Alltagsgebrauch ausreichen.

Die dazugehörige Libratone-App und die Noise Cancelling-Profile sind ein nette Extrafunktionen, die man aber nicht zwingend nutzen muss. Für den recht stolzen Preis von knapp 199 Euro gehört der Track+ zu den Strebern unter den In-Ears. Für ein “Sehr Gut” reicht es dennoch nicht aus.

Vergleichbare Produkte wie die Beats X von Dr. Dre und oder die Teufel Move BT gibt es bereits für günstigere 99 bzw. 119 Euro.

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Images by Anne Jerratsch & Libratone


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Endlich Stille! So funktionieren Noise-Cancelling-Kopfhörer

Sony-WI-1000X-Noise-Canceling-Lifestylebild

Schon seit einigen Jahren erobern immer mehr sogenannte Noise-Cancelling-Kopfhörer die Verkaufsregale großer Handelsketten. Auch im Netz kommt man bei der Suche nach neuen Kopfhörern nur selten um die auch mit „ANC“ oder „ANR“ betitelten Ohrhörer herum. Dies steht für Active Noise Canceling bzw. Active Noise Reduction. Aber was hat es eigentlich mit dieser Technik auf sich? Ich möchte euch die technische Funktionsweise, Vorteile und Nachteile der Antischall-Technologie aufzeigen.

Noise-Cancelling-Kopfhörer: Gegenschall ist das Geheimnis

Eigentlich ist das Prinzip des Gegenschalls sehr einfach erklärt. Hier kommt eigentlich nur ein wenig Physik zum Einsatz. Ähnlich wie Wasser breitet sich auch der Schall in einer Wellenform aus. Diese sehen wir zwar nicht, erfassen sie aber mit unseren Ohren. In diesem Sinne bringen auch Lautsprecher oder die einzelnen Zündungen eines Autos aber auch unsere Stimmbänder die Luft zum Schwingen. Voila, schon können unsere Ohren diese Signale aufnehmen. Denn dann haben wir eine Schallwelle, die sich aufzeichnen lässt.

Handelt es sich bei der Schallwelle eben nicht um Musik, die du hören möchtest, sondern um Störgeräusche, lassen diese sich durch eine gegenläufige Schallwelle völlig ausschalten. Dafür muss der Ton mit derselben Amplitude und in der gleichen Tonhöhe dupliziert und umgekehrt werden. Der Fachbegriff für diese alternative Tonkurve nennt sich „Destruktive Interferenz“. Das Berechnen dieser Interferenz funktioniert in Computerprogrammen sehr gut, da hier keine Echtzeitberechnung vonnöten ist. Die Funktionsweise schildern die Kollegen von CNet sehr anschaulich im Video (auf Englisch).

Umsetzung ist technisch schwierig

Theoretisch ist die Erzeugung eines exakten Ebenbilds der originalen Schallwelle sehr einfach. Praktisch kommt es aber zu großen Problemen. Das größte Hindernis ist die Rechenleistung von kleinen Prozessoren: Um den Gegenschall zu produzieren, bleiben dem Kopfhörer nur wenige Millisekunden. Der Schall bewegt sich mit etwa 340 Metern pro Sekunde vorwärts. Das Mikrofon ist aber nur maximal einen Zentimeter – tendenziell eher weniger – von der Membran entfernt, die den entgegenwirkenden Schall produzieren soll. Das heißt: in nur 0.000029 Sekunden muss der Kopfhörer das Signal invertieren und über die Membran abspielen.

Zusätzlich kommt das Anspielverhalten der Mikrofone hinzu: Nur hochwertige Mikros können ein breites Tonspektrum aufnehmen. Hier ist es wichtig, dass das Mikro im kompletten menschlichen Hörbereich anspricht und dabei ein überall möglichst gleich lautes Signal einfängt. Sollte es bei unterschiedlichen Frequenzen unterschiedlich gut anspringen, muss auch das per Software ausgeglichen werden, was auf die Rechenleistung und die Verzögerung geht.

Ein weiteres Hindernis ist die genaue Berechnung der Schallwellen, die die Kopfhörer bereits bauartbedingt filtern. Bei eng anliegenden Over-Ear-Kopfhörern ist die Filterung von hohen Tönen beispielsweise schon gut gewährleistet, während tiefe Töne meist ohne Problem ins Ohr gelangen. In-Ear-Hörer sind nicht so gut abgeschirmt und lassen sowohl hohe als auch tiefe Töne gut in die Gehörgänge eindringen. Das muss die Software bei der Berechnung berücksichtigen, sonst würde der Gegenschall bestimmte hochtönige Signale wieder lauter machen – es könnte quasi ein „Über-Cancelling“ auftreten.

Noise-Cancelling-Kopfhörer
Noise-Cancelling-Visualisierung vom Kopfhörer-Hersteller iDeaUSA

Die Abschirmung unterscheidet sich von Kopf zu Kopf, deswegen bieten manche Noise-Cancelling-Kopfhörer eine Kalibrierungsfunktion, die misst, welche Frequenz wie laut nach außen dringen. Daran wird der Ton angepasst und verbessert.

Auch der Luftdruck ist ein Faktor. Schallwellen sind abhängig von unterschiedlichen Drücken, Temperaturen und der Luftfeuchtigkeit etwas schneller oder langsamer als die oben genannten 340 Meter pro Sekunde. Damit der Gegenschall genau passt, berücksichtigt die Software vieler Geräte auch diesen Aspekt.

Beste Filterung bei gleichbleibender Frequenz

Noise-Cancelling-Kopfhörer kann trotz all der in ihr verbauten Technologie aber auch nicht immer Wunder vollbringen. Während Geräusche im Flugzeug oder in der Bahn häufig fast komplett verschwinden, haben einige Kopfhörer Probleme mit wechselnden oder schnell auftretenden, lauten oder schrillen Frequenzen. Das offenbart sich beispielsweise beim Geschrei von Kindern. Auch Ping-Pong-Bälle auf der Tischtennisplatte werden nicht perfekt gefiltert. Tiefe, männliche Stimmen sind weniger zu hören als hohe Töne. Das hängt auch wieder mit der Reaktionszeit des Prozessors zusammen, der den Gegenschall berechnet.

Natürliche Endgegner: Wind, Wasser und Verkehr

Noise-Cancelling-Kopfhörer haben aber auch klare Nachteile, die vor allem draußen auftreten. Am schlimmsten hat es Wind auf die Technologie abgesehen. Starke Böen pusten in das Mikrofon, was unschöne Störgeräusche produziert. Dadurch hört ihr dann das typische Windgeräusch, was ihr von Handyvideos kennt. Dadurch wird die aktive Geräuschunterdrückung völlig unnütz und es lohnt sich eher, die Funktion zu deaktivieren. Ein sogenannter Popschutz könnte das Problem eindämmen – allerdings sinkt dann die Gesamtaufnahmequalität, selbst im Indoor-Einsatz.

Durch das offene Mikrofon ist der Einsatz von NC-Kopfhörern im Regen auch ein absolutes No-Go. Nur ein Tropfen Wasser könnte reichen, um die empfindliche Elektronik nachhaltig zu stören. Ein Mikrofon mit Wasserschaden nimmt die Außenwelt falsch auf und würde dementsprechend auch für ein fehlerhaftes Noise Cancelling sorgen.

Im Straßenverkehr solltet ihr solche Ohrhörer sowieso nicht verwenden. An einer Hauptstraße verschwinden Autogeräusche fast komplett, nur die Sirenen des Notarztes oder der Feuerwehr lassen sich noch gedämpft wahrnehmen. Durch das Wegfallen des Hörsinnes müsst ihr euch mehr auf die Augen verlassen. Das, was hinter euch oder sogar auch nur seitlich passiert, bekommt ihr gar nicht mehr mit. Die Gefahr, in einen Unfall verwickelt zu werden, steigt enorm. Das zeigen auch mehrere Verkehrsunglücke in den letzten Jahren. Seid beim Einsatz von NC-Technologie beim Teilnehmen am Straßenverkehr also besonders vorsichtig!

Gesundheitliche Vorteile inklusive

Tatsächlich ist die Verwendung von geräuschreduzierenden Technologien für den Körper gesund. Denn hohe Geräuschlevel erhöhen den Ausstoß von Stresshormonen. Zusätzlich könnt ihr mit Sicherheit im Flieger oder der Bahn mehr entspannen und vielleicht sogar einschlafen. Für mich persönlich war eine so stille Umgebung eine Offenbarung.

Ich arbeite in einem Coworking-Space, in dem meistens Musik im Hintergrund läuft und viele Gespräche stattfinden. Mit den aufgesetzten Kopfhörern – selbst ohne abgespielte Musik – ist die Arbeit direkt viel angenehmer zu erledigen. Fast keine Störgeräusche gelangen durch die aktive Geräuschreduzierung. Mit meinen Kopfhörern kann ich sogar leiser Musik hören, als die Umgebungsgeräusche eigentlich sind. Das schont das Gehör und ist viel entspannter als andere Kopfhörer gezielt lauter zu drehen, damit Gespräche nicht mehr zu meinen Ohren vordringen. Der Gesamtschallpegel ist geringer und meine sowieso schon geschundener Hörsinn kann ein wenig entspannen.

Noise-Cancelling-Kopfhörer für verschiedene Budgets

Besonders zwei Firmen haben sich rund ums Thema Noise Cancelling einen Namen gemacht: Bose und Sony. Es gibt aber auch Newcomer für kleines Budget, die ich kurz vorstellen möchte.

Bose und insbesondere das Modell QC-35 II gelten in Sachen Noise Cancelling als Referenz. Image by Bose

Bose

Bose war die erste Firma, die Noise Cancelling für den Normalnutzer anbot. Die Technologie kommt eigentlich aus der Raumfahrt und wurde von Bose adaptiert. Derzeit gibt es zwei verschiedene Modelle von Bose, welche für euch in Betracht gezogen werden sollten: Die QC-25 und QC-35 II. Der Hauptunterschied liegt darin, dass der QC-25 nur mit Kabel genutzt werden kann. Der QC-35 unterstützt auch Bluetooth und NFC für eine schnelle Verbindung. Natürlich gibt es weitere kleine Differenzen, die aber nicht besonders erwähnenswert sind. Der Akku beider Kopfhörer hält rund 20 Stunden. Für die kabelgebundene Version QC-25 werden derzeit rund 170 Euro fällig (Provisions-Link). Der kabellose QC-35 II ist für 330 Euro erhältlich (Provisions-Link). Ob sich der große Aufpreis für Bluetooth lohnt, ist an dieser Stelle euch überlassen.

Sony

Der Newcomer ist ganz klar Sony. Die Produktpalette des Herstellers ist riesig, doch zwei Kopfhörer stechen aus dem Portfolio hervor: Die MDR-1000X und WH-1000XM2. Beide unterstützen Bluetooth und verwenden dabei das verlustfreie Bluetooth-Audio-Protokoll apt-X HD und DSEE HX. Der MDR-1000X ist seit Mitte 2016 im Handel und punktet mit einer Gestensteuerung sowie einer Akkulaufzeit von 20 Stunden. Version 2, der WH-1000 XM2, trumpft etwas auf. Der Akku hält 30 Stunden, eine zusätzliche App erlaubt die exakte Steuerung des Tons mit Equalizer, räumlichen Verzerrungen und der Optimierung der Rauschunterdrückung. Das Design ist fast identisch zur alten Version. Für den Sony MDR-1000X werden 250 Euro fällig (Provisions-Link). Der Sony WH-1000XM2 kostet etwa 300 Euro (Provisions-Link).

Sony Noise-Cancelling-Kopfhörer
Mika-Baumeister testet den Sony WH-1000 XM2 mit Noise Cancelling.

Bluedio

Der in Deutschland unbekannte Hersteller Bluedio macht Noise Cancelling erschwinglich. Mit den beiden beliebtesten Modellen Bluedio T4s für 45 Euro (Provisions-Link) und Bluedio F2 für 65 Euro (Provisions-Link) sind sie deutlich unter dem Preispunkt des Premium-Segments anzutreffen. Logisch, dass darunter die Klangqualität leidet. Der Bass ist nicht so überzeugend wie bei Bose- oder Sony-Kopfhörern. Auch das Noise Cancelling ist nicht ganz so rund und rauscht mehr. Die Kopfhörer sind etwas schwerer, was auch an der Verwendung von echtem Metall statt angemaltem Plastik liegt. Dennoch: Für den kleinen Geldbeutel und den Einstieg in die Welt der Noise-Cancelling-Kopfhörer sind die Bluedio-Geräte perfekt geeignet.

Es gibt noch viele weitere NC-Modelle zur Auswahl. Wir haben für euch unter anderem bereits die Modelle B&O Beoplay H9, Plantronics Backbeat 2 SE, JBL Reflect Aware, Sennheiser PXC 550 Wireless, Denon AH-GC20 und Parrot Zik 3 ausprobiert.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Netzpiloten Apple.


Images by Sony, iDeaUSA, Bose, Mika Baumeister


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