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Schöne neue Welt: Wir leben in einer Dystopie

Drogen (adapted) (Image by katicaj [CC0 Public Domain] via pixabay)

Die orwellianische Dystopie vom Doppelsprech ist, aufgrund von Bedenken wegen Trumps „alternativen Fakten“ gerade ziemlich in Mode. Alternative Fakten, die mehr auf die weichen Gehirnwäschetechniken von Aldous Huxleys Roman Schöne Neue Welt als auf die strengen stalinistischen Unterdrückungen und propagandistischen Tricksereien von 1984 zurückzuführen sind, stellen jedoch nur die Spitze des dystopischen Eisberges dar.

Um die auf Huxley basierende Idee von aktuellen Ereignissen zu begreifen, müssen wir sie als einen Teil einer Kultur sehen, welche zunehmend von den Prinzipien der Neurowissenschaft eingenommen wurde, die ich als Neurokultur bezeichnet habe.

Die Anfänge der Neurokultur finden sich in anatomischen Zeichnungen und der darauffolgenden Neuronendoktrin des späten 19. Jahrhunderts. Dies war das erste Mal, dass das Gehirn als ein nicht kontinuierliches Netzwerk von Zellen, dessen Verbindung als synaptischer Spalt bezeichnet wird, verstanden wurde. Wissenschaftler nahmen zunächst an, dass diese Spalten mit elektrischen Ladungen verbunden werden, entdeckten jedoch später die Existenz neurochemischer Übertragungen. Gehirnforscher fanden weiterhin mehr über die Funktionalität des Gehirns heraus und haben später angefangen, in die zugrunde liegenden chemischen Prozesse einzugreifen.

Auf der einen Seite zeigen diese chemischen Eingriffe einen Weg zu möglichen Maßnahmen, um einige wesentliche Fragen, wenn es beispielsweise um psychische Gesundheit ging, zu verstehen. Auf der anderen Seite warnen sie jedoch vor dem Potential einer bevorstehenden dystopischen Zukunft – und zwar nicht, wie wir denken, durch die gewaltsame Erzwingung von Hirnuntersuchungen im geheimen Hinterzimmern, sondern durch weitaus subtilere Vermittlertätigkeiten.

Soma

Huxleys Schöne Neue Welt (erstmals erschienen im Jahr 1932) dreht sich um eine dystopische Gesellschaft, die nicht durch Furcht kontrolliert wird, sondern durch Glücks folgsam gemacht wird. Das Motto dieser Gesellschaft lautet, dass jeder jederzeit glücklich sei. Wie Alex Hern im Guardian argumentiert, präsentiert Huxley eine relevantere autoritäre Dystopie im Vergleich zu 1984, für die „das Leben für die überwiegende Mehrheit sehr angenehm ist und nur wenig Widerstand entsteht“. Die besten Dystopien sind oft als Utopien getarnt.

Huxley appelliert an emotionale Konditionierung, die mit heutigen dystopischen Neurokulturen am ehesten im Einklang ist. Er erwähnt die eindeutigen Vorteile der Vermeidung einer geistigen Auseinandersetzung, stattdessen appellierte er an emotionale Beeinflussbarkeit, um Absichten zu manipulieren und eine Nichtkonformität zu überwältigen.

Als solche kombiniert die Gesellschaft der Schönen Neuen Welt zwei zentrale Kontrollmodi. Zunächst durch den verbreiteten Konsum des Freude spendenden Pharmazeutikums Soma und zweitens durch eine hypnotische Medienpropagandamaschine, die weniger mit Logik als vielmehr mit „gefühlsbetonten“ Treffen arbeitet.

Heutige Neurokulturen korrespondieren mit diesen Technologien mittels auffälliger Methoden. Zunächst ergab sich aus der wachsenden Beliebtheit von Neuropharmazeutika wie Prozac ein Bedürfnis nach selbstverordnetem Glück innerhalb der Gesellschaft. Genauso alarmierend ist der Anstieg von Verschreibungen für ADHS-Behandlungen wie beispielsweise Ritalin, das aufmerksamkeitsregulierend wirkt und gleichzeitig sozial schwieriges Verhalten eindämmen soll. Der mentale Status eines ADHS-Betroffenen ist der einer paradox gefügigen Aufmerksamkeit.

Das Institut der emotionalen Konstruktion

Es können ebenso Vergleiche zwischen Huxleys Institut für emotionale Konstruktion und heutiger sozialer Medien hergestellt werden. In Huxleys Buch ist das Institut eine wichtige akademische Einrichtung, die sich im gleichen Gebäude befindet wie das Büro für Propaganda und einen einzigartigen Fokus auf emotionale Beeinflussbarkeit hat. In dieser Situation werden gefühlsbetonte Szenarien, emotionalen Parolen und hypnopädische Reime geschrieben. Diese Art von Propaganda ist für den Massenkonsum bestimmt, heutige emotionale Konstruktion findet in intimeren und ansteckenden Arenen sozialer Netzwerke statt.

Facebook nahm beispielsweise im Jahr 2014 an einem Experiment teil, das konzipiert wurde, um positive und negative Emotionen viral zu verbreiten. Forscher manipulierten die Nachrichtenticker von über 600.000 Benutzern, um die Weitergabe von positiven und negativen Emotionen an andere Benutzer in ihrem Netzwerk zu testen.

Die Idee, dass soziale Medien als Träger für sowohl ansteckende positive als auch negative Emotionen agieren, kann uns vielleicht helfen, zu verstehen, wie Trump es scheinbar geschafft hat, in die negativen Gefühle einiger desillusionierten Wähler der Vereinigten Staaten einzudringen. Die Vergiftung durch Fakenews ergibt eine gefährliche Mischung aus Angst und Hass. Der Großteil des populistischen Reizes, der Trump (und ebenso den Brexit) ausmacht, spielte mehr auf freudige Treffen mit prominenten Politikern an als auf solche, die mit der staubtrockenen intellektuellen Elite der konventionellen Politik vertraut sind.

Rosen oder Orchideen

Die Verbreitung der heutigen Neurokultur startete mit dem neurowissenschaftlich emotionalen Wandel der 1990er. Wissenschaftler realisierten, dass Emotionen sich nicht von purer Logik unterscheiden, sondern mit den kognitiven Netzwerken verstrickt sind. Es wird nun angenommen, dass die Art, wie wir denken und uns verhalten, zu einem nicht geringen Teil davon beeinflusst wird, wie wir uns fühlen.

Die seismische Beeinflussung dieser intensiven Verschiebung hat sich über die Wissenschaft hinaus auf ökonomische Theorien ausgebreitet, die sich mit den Neurochemikalien beschäftigen, die Käuferentscheidungen beeinflussen können. Es unterstreicht ebenso neue Modelle der Verbraucherwahl, die sich auf den „Schnäppchenjägeranteil“ in unserem Hirn fokussiert. Der Aufstieg der Neuroökonomie, und danach auch dem Neuromarketing, ergab weitere Unterkategorien wie Produktdesign und Markenbildung. Die Verbraucherentscheidung einer Marke wird nun anhand der Frequenz von Gehirnwellen gemessen, die mit bestimmten aufmerksamkeitstechnischen und emotionalen Zuständen korrelieren.

Vielleicht beinhaltet die Neurokultur nichts Neues. Werbetreibende versuchten, die Gefühlen seit dem Aufstieg der Werbung zu beeinflussen. So haben schon immer Politiker Säuglinge abgeküsst, um Nähe auszustrahlen. Vielleicht ist meine Idee der Neurokultur ein Beispiel der zynischerweise benannten Neurospekulation. In einer Zeit, die sich durch soziale Netzwerke und Medikamentenbeigabe kennzeichnet, gibt es eine dystopische Intensivierung, Verseuchung und emotionale Manipulation, die nicht ignoriert werden kann.

Nicht jeder stimmte mit Huxleys Voraussagen über eine neurowissenschaftliche Diktatur überein. Ein literarischer Kritiker verglich ihn einmal mit einem Hasen, der in seinen Bau verschwand, und daraus schloss, dass die ganze Welt schwarz sein musste.

Es war jedoch die Aufmerksamkeit, die er von Wissenschaftlern erhielt, die uns vor seiner Dystopie warnen soll. Im 20. Jahrhundert behauptete der Wissenschaftshistoriker Joseph Needham, dass wissenschaftliches Wissen nicht immun sei gegenüber politischen Interferenzen. Needham bezeichnete Huxleys Schöne Neue Welt als einen „Orchideengarten“ – was zeigt, dass wissenschaftliche Erkenntnisse kein Zuckerschlecken sind. Huxley hilft uns dabei, „zu erkennen, was am Ende der verlockenden Pfade kommen mag“.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Drogen“ by katicaj (CC0 Public Domain)


The Conversation

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2017 ist nicht ‘1984’ – Was George Orwell nie zu träumen wagte

Donald Trump (adapted) (Image by LisetteBrodey [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Kurze Zeit nach der Amtseinführung von Präsident Trump kletterte George Orwells Buch „1984“ an die Spitze der Bestseller-Liste bei Amazon. Tausende von Englischlehrern sind sicherlich ergriffen bei dem Anblick von Leuten, die sich das bereits im Jahr 1949 veröffentlichte Buch vornehmen, um über die Gegenwart nachzudenken.
Orwell ließ seine Geschichte in Ozeanien spielen, in einem der drei Mega-Staaten, die im Jahr 1984 um die Weltvorherrschaft kämpfen. Die Atommächte wurden ausgetauscht und die Blöcke scheinen sich auf einen immerwährenden und mittlerwiele normal gewordenen Krieg geeinigt zu haben. Dies geschieht wahrscheinlich aus dem Grund, dass die permanente Kriegsführung den Interessen in einheimische Mächte in die Hände spielt.

Ozeanien verlangt eine totale Unterwürfigkeit. Es handelt sich um einen politischen Staat, Helikopter überwachen die Aktivitäten der Bewohner, es wird dabei sogar durch ihre Fenster gespäht. Aber Orwell betont dies besonders in der ‚Gedankenpolizei‘, die die ‚Proles‘, die untersten 85 Prozent der Bevölkerung außerhalb der Parteielite, überwachen. Die Gedankenpolizei bewegt sich unsichtbar in der Bevölkerung, sucht nach Verdächtigen und ermutigt dabei sogar zu Gedankenverbrechen, so dass sie die Täter verschwinden lassen können, um sie umzuprogrammieren.

Die andere Art und Weise, wie die Parteielite, symbolisiert durch die Schnurrbart tragende Galionsfigur Großer Bruder, ‚korrekte‘ Gedanken ermutigt und überwacht, wird durch die Technologie der Teleschirme dargestellt. Diese ‚Metalltafeln‘ übermitteln erschreckende Bilder von Feindesarmeen und vor allem die Weisheit des Großen Bruders. Allerdings kann der Teleschirm auch in die eigene Wohnung sehen. Während der verpflichtenden Morgenübungen zeigt der Teleschirm nicht nur einen jungen und drahtigen Trainer, der die Übungen vormacht, sondern bemerkt auch, ob man dabei mitmacht. Die Teleschirme sind überall, in jedem einzelenen Raum. Und im Büro benutzen die Leute sie zum Arbeiten.

In der Geschichte geht es um Winston Smith und Julia, die versuchen, der überwältigenden Kontrolle der Regierung über die Wahrheit entgegenzustehen. Ihr Akt der Rebellion besteht daraus, die „inoffizielle“ Wahrheit über die Vergangenheit herauszufinden. Sie halten dabei „unerlaubte“ Informationen in einem Tagebuch fest. Winston arbeitet im riesigen Wahrheitsministerium, an dessen Außenwand die Losung „IGNORANZ IST STÄRKE“ prangt. Sein Job ist es, politisch unangenehme Angaben aus den öffentlichen Berichten zu löschen. Fällt ein Parteimitglied in Ungnade, hat es sie nie gegeben. Hat der Große Bruder ein Versprechen gemacht, welches er nicht erfüllte, ist es schlichtweg nie passiert.

Da sein Job damit zusammenhängt, alte Zeitungen und Berichte nach Fakten zu durchsuchen, die er umschreiben muss, ist Winston sehr geübt darin, das sogenannte ‚Doppeldenk‘ anzuwenden. Winston sagt darüber, dass man sich „kompletter Wahrheit bewusst ist, während man konstruierte Lügen erzählt… eine bewusste Bewusstlosigkeit hervorruft.“

Ozeanien: Ein Produkt aus Orwells Erfahrungen

Orwells Setting bei „1984“ ist davon beeinflusst, wie er sich den Kalten Krieg vorstellte – eine Phrase die er bereits 1945 prägte. Er schrieb dies nur wenige Jahre, nachdem er zusah, wie Roosevelt, Churchill und Stalin die Welt während der Konferenzen von Teheran und Jalta aufteilten. Das Buch ist bemerkenswert vorrausschauend, was die Aspekte der stalinistischen Sowjetunion, Ostdeutschland und des maoistischen Chinas angeht.

Orwell war Sozialist. „1984“ beschreibt unter anderem seine Angst vor einer stalinistischen Abkehr vom demokratischen Sozialismus, an den er fest glaubte. Das Buch stützt sich auf seine genauen Beobachtungen der Welt und der Tatsache, dass Stalinisten versucht hatten, ihn zu töten.

Im Jahr 1936 bedrohte ein Coup des faschistisch unterstützen Militärs die demokratisch gewählte Sozialistenmehrheit in Spanien. Orwell und andere überzeugte Sozialisten auf der ganzen Welt, darunter auch Ernest Hemingway, meldeten sich freiwillig, um gegen die rechtsorientierten Rebellen zu kämpfen. Währenddessen unterstptzte Hitler mit seiner Luftwaffe die Rechten, während Stalin versuchte, den linken republikanischen Widerstand zu übernehmen. Nachdem Orwell und andere Freiwillige den Stalinisten getrotzt hatten, widmeten sich diese der Zerstörung der Opposition. Orwell und seine Frau wurde gejagt und traten 1937 die Flucht aus Spanien an.

Während des zweiten Weltkriegs in London erkannte Orwell, wie sich eine liberale Demokratie und Einzelkämpfer, die sich der Freiheit verpflichteten, auf dem Weg zum Großen Bruder finden konnten. Er arbeitete für die BBC und schrieb an einem Text, den man nur als Propaganda für das indische Publikum lesen konnte. Er schrieb nicht unbedingt im Stile des ‚Doppeldenk‘, aber es handelte sich um Nachrichten und Kommentare mit einem politischen Unterton. Orwell versuchte, die Einwohner Indiens zu überzeugen, dass ihre Söhne und ihre Güter im Krieg einem übergeordneten Wohl dienten. Nachdem er Dinge geschrieben hatte, die er als unwahr ansah, kündigte er nach zwei Jahren und war von sich selbst angeekelt.

Es war der Imperialismus an sich, der ihn ekelte. Im Jahr 1920, als Orwell noch ein junger Mann war, hatte er in Burma als Polizeibeamter in den Kolonien gearbeitet. In einer ungefähren Vorahnung der Welt des Großen Bruders sprach Orwell schlecht übr die willkürliche und brutale Position, die er in dem kolonialen System innehatte. „Ich habe es sehr gehasst“, schrieb er. „In solch einem Job erlebt man die dreckige Arbeit des Empires von nahem. Die elenden Gefangenen, die in stinkenden Käfigen kauern, die grauen und verängstigten Gesichte der lebenslang Gefangenen…“

Ozeanien war das Produkt einer Vorahnung eines besonders biographischen Moments, als der Kalte Krieg begann. Natürlich ist es so, dass die heutige Welt mit ihren ‚alternativen Fakten‘ ganz anders ist, als das, was Orwell sich jemals hätte vorstellen können.

Den Großen Bruder brauchen wir nicht mehr

Orwell beschrieb ein Ein-Parteien System, in der ein kleiner Kreis an Oligarchen, die die „innere Partei“ von Ozeanien darstellte, die Kontrolle über alle Informationen innehat. Dies ist ihr Hauptmittel, um die Macht zu kontrollieren. In den USA on heute kann sich jeder informieren, der das Internet bedienen kann – also mindestens 84 Prozent der Amerikaner. Die USA mag vielleicht eine Oligarchie sein, befindet sich die Macht irgendwo zwischen der Wählerschaft und der Verfassung, den Gerichten, Bürokratien. Die Macht ist zwangsläufig auch dort, wo das Geld ist. Anders gesagt befinden sich Wissen und die Macht in den USA des Jahres 2017 überall – und damit ist es völlig anders als in Ozeanien bei Orwell.

Diejenigen, die den Rückgang anhand von Beweisen und Begründungen des Wahlvolks studieren, beschuldigen hauptsächlich die gemeinsamen Bemühungen der Politiker aus den 1970ern, um Kompetenz zu diskreditieren, das Vertrauen in den Kongress und seine Mitglieder zu erschüttern und hinterfragen sogar die Legitimität der Regierung. Da diese Anführer, Institutionen und Kompetenzen delegitimiert sind, ist die gängige Strategie, sie mit anderen Autoritäten und Realitäten zu ersetzen.

Im Jahr 2004 deutet ein Berater des Weißen Hauses an, dass ein Reporter zur „realitätsbasierten Gemeinschaft“ gehöre, – eine Art kurioser Minderheit an Leuten, die „daran glauben, dass Lösungen aus ihren vernünftigen Studien der wahrnehmbaren Realität kommen… So läuft das allerdings nicht mehr.“

Orwell konnte sich das Internet nicht ansatzweise vorstellen, und auch nicht dessen Rolle beim Verbreiten von alternativen Fakten. Er wusste ebenso nicht, dass Menschen heutzutage die Teleschirme mit sich herumtragen. Es gibt kein Wahrheitsministerium, das Informationen verteilt und überwacht und irgendwie ist heute jeder der Große Bruder.
Es scheint weniger bedrohlich, dass Leute nicht in der Lage sind, die Lügen des Großen Bruders zu durchschauen, als die Tatsache, dass sie ‚alternative Fakten‘ hinnehmen.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Menschen eher an Fehlannahmen glauben, wenn sie akkurate widersprüchliche Informationen erhalten, vor allem wenn sie mit einer bestimmten Sicht auf die Welt beginnen — zum Beispiel, dass wissenschaftliche Experten und öffentliche Beamte nicht vertrauenswürdig sind. Anders ausgedrückt, Fakten zu widersprechen, kann durchaus ins Auge gehen. Nachdem wir uns entschieden haben, was eigentlich wahrer ist als die Fakten, die von Experten und Journalisten berichtet werden, suchen wir nun Bestätigung in alternativen Fakten und verbreiten diese selbst über Facebook. Wir brauchen dazu keinen Großen Bruder.

In Ozeanien gibt es keine Meinungsfreiheit und keine Freiheit, Fakten auszusprechen außer jener, die offiziell abgenickt sind. In den USA von 2017 gilt: je offizieller die Tatsache, desto unglaubwürdiger ist sie – zumindest für diejenigen innerhalb der machtvollen Minderheit, die den jetzigen Präsidenten gewählt haben. Winston sagt, „Freiheit ist die Freiheit, sagen zu können, dass zwei plus zwei gleich vier ist.“ Für die machtvolle Minderheit ist Freiheit die Freiheit, sagen zu können, dass zwei plus zwei gleich fünf ist.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) Donald Trump by LisetteBrodey (CC0 Public Domain)


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Videokolumne vom 8. Dezember 2013

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)

In der Videokolumne heute unter anderem: Wo eigentlich die TV-Quoten herkommen, das Treffen zweier ungleicher Frauen und ein musikalisches Andenken zum Todestag von John Lennon. //von Hannes Richter

Lock (Bild: Screenshot Youtube)

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken und Videoplattformen: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – vieles ist überall abrufbar, manches aber nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme in den Mediatheken der Sender sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischt Hannes Richter die besten Perlen des TV-Vielfalt aus den Online-Archiven und präsentiert sie in seiner wöchentlichen Kolumne.

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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 27. Juni

CULTURE&VIDEO diese Woche mit einem alten Klassiker, einer zukünftigen Klassikerin und einem besonderen Festivaltipp. 

BEÄNGSTIGEND AKTUELL: 1984 von George Orwell

Am 25. Juni wäre der britische Schriftsteller George Orwell 100 Jahre alt geworden. Der ehemalige Kriegsreporter („Mein Katalonien“) schuf Klassiker der englischen Literatur, darunter seine Zukunftsvision „1984“. Doch die Feierlichkeiten in seiner Heimat finden zumeist ohne den Hinweis auf die Aktualität des schaurigen Stoffes statt. Das Enthüllung des Überwachungsprogramms Tempora des britischen Geheimdienstes GCHQ wird dort weniger heiß diskutiert als hierzulande. Die Verfilmung des Romans mit William Hurt ist komplett auf Youtube zu sehen. 
 

BERLINS LÄSSIGSTER IMPORT: Kevin Junk stellt Molly Nilsson neues Album vor

Die Schwedin Molly Nilsson ist ein Fixstern am Berliner Underground-Himmel, dort wo es keinen Unterschied mehr zwischen oben und unten gibt und ihr feenhaftes Wesen auch in den Mainstream funkelt. Der Blogger Kevin Junk, auch sonst eine sichere Bank in Sachen cooler Kulturperlen, fasst ihre Faszination treffend zusammen und zeigt ihr neues Video. Nicht ohne einen kleinen Seitenhieb auf eben jenes hippe Berlin:
„Die Ästhetik ihrer Videos bleibt allerdings weiter trashy, wie Homevideos einer Bohéme, zu der sich viele zählen, aber nur wenige wirklich gehören.“
 

FUSION FESTIVAL

CULTURE&VIDEO kommt dieses Jahr von unterwegs. Genauer gesagt, vom Fusion Festival im Mecklenburgischen Lärz. Die Macher des Ferienkommunismus‘ (eigene Bezeichnung) für zehntausende Feiernde aus der ganzen Republik verzichten auf jedes Marketing und wollen ein komplett unkommerzielles Festival veranstalten. Doch in Zeiten von Youtube & Co. dringt doch immer wieder mal der ein oder andere Schnipsel Freude an die Außenwelt. Wie in diesem schönen Video eines Fans. Angucken, genießen und für nächstes Jahr einplanen. 
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