Suchen und finden: Schularbeiten mit Internet

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Diesmal geht es ums Suchen im Internet für die Schule.

Mein Sohn (12) geht in die sechste Klasse. Ganz selbstverständlich geht die Schule davon aus, dass er für Hausaufgaben, Referate und Präsentationen geeignete Inhalte aus dem Internet zusammenträgt. Fertigkeiten für das Erstellen von Powerpoints werden im Unterricht vermittelt, mit der Informationsmasse aus dem Internet werden die Schüler jedoch völlig alleingelassen: Er kennt nur Google und Wikipedia, er weiß nicht, wie man die Relevanz oder Glaubwürdigkeit einer Quelle beurteilt. Sollte statt Software-Anwendung in der Schule nicht besser dies unterrichtet werden?

Antwort:

Die Diskussion um den Lernstoff rund um Computer und Internet ist in vollem Gange und ein Ende nicht abzusehen. Viele Eltern erwarten, dass Ihre Kinder in der Schule „fit“ gemacht werden für Anwendungen im Internet und methodische Informationsbeschaffung. Dass ihnen zudem Grundwissen zu Datenschutz und Rechtefragen vermittelt werden, wird als selbstverständlich angenommen. Doch selbst wenn es erste Ansätze gibt, in den Schulen verschiedene IT-Fertigkeiten zu lehren, selbst wenn Medienpädagogik hier und da in den Lehrplänen vorkommt: Die Verantwortung für die Medienerziehung – und dazu gehört eben auch genau das, was Sie ansprechen – liegt bei den Eltern (Überlegungen dazu finden sich hier.

Um Ihrem Sohn ein Basiswissen zu vermitteln, ist es sinnvoll, sich zunächst selbst vorzubereiten. Ich empfehle Ihnen, die Fragen, die sich ergeben, so genau wie möglich zu formulieren: Geht es um die Beurteilung von Quellen? Oder um Suchmöglichkeiten jenseits von Google und Wikipedia? Danach könnten Sie die nächste Hausaufgabe, für die recherchiert werden muss, gemeinsam angehen. Für den Start empfiehlt sich eine altersgerechte, redaktionell betreute Seite (eine Auswahl finden Sie hier) oder ein redaktionell betreutes Lexikon wie zum Beispiel www.schuelerlexikon.de. Die Suchergebnisse könnten Sie mit denen aus Wikipedia vergleichen und bewerten. Dabei sollten Sie auch über den Unterschied zwischen der Ergebnisliste einer Suchmaschine und einem Lexikoneintrag sprechen: Wo gibt es Qualitätsstandards, wo nicht? Was sind Qualitätsstandards überhaupt? Weitere Tipps zur Internetrecherche für Schülerinnen und Schüler gibt es hier.

So praktisch und angenehm es ist, das Internet als Informationsquelle zur Hand zu haben: Sprechen Sie mit Ihrem Sohn auch über Alternativen! Auch in den Schulbüchern, die zu Hause stehen, lassen sich viele der benötigten Informationen finden. Ein Besuch in der Schul- und Stadtbibliothek gibt Ihrem Sohn die Möglichkeit, die tollen Nachschlagewerke – wie den Brockhaus – einmal in die Hand zu nehmen oder sich in einen Atlas zu vertiefen: Das Wissen um Möglichkeiten jenseits des Internets gehört ebenfalls zur Medienkompetenz.

Auch hier ist das Gespräch mit Ihrem Kind ein zentraler Punkt. Aus der Vielfalt der verfügbaren Quellen können Kinder unmöglich allein die jeweils geeignete auswählen. All das, das Suchen und Vergleichen, braucht Zeit und macht Mühe. Aber es lohnt sich.

Katrin Viertel

ist promovierte Kommunikationswissenschaftlerin, arbeitete viele Jahre als Journalistin für gedruckte und Online-Medien sowie für das Fernsehen, hauptsächlich zu Medienthemen, bis sie ihre neue Berufung fand. Seitdem berät und informiert sie als Medienlotse.com (http://www.medienlotse.com) Eltern, die sich fragen: Was machen unsere Kinder mit digitalen Medien? Und wie sollen wir damit umgehen?


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2 comments

  1. Ich bin mir nicht sicher, ob man die Verantwortung wirklich an die Eltern (zurück-)verweisen sollte. Klar, Schule und Lehrer können nicht alles leisten, aber ich erlebe fast täglich, wie unterentwickelt die Medien- und Internetkompetenz ist und wie schrecklich unterentwickelt die Fähigkeit ist, im Internet zwischen Spreu und Weizen zu trennen.

    Und – deshalb meine Skepsis bzgl. des oben gemachten Vorschlags – nach meiner Erfahrung können die allermeisten Eltern eben genau das auch nicht. Also meine Frage bzw. Kritik: welche Medien- und Internetkompetenz sollen Eltern denn ihren Kindern vermitteln? Sie haben doch selbst keine!

  2. Eigentlich ist es doch ganz einfach: Die Eltern, die heute hier posten, hätten sich früher sowas wie Google oder Wikipedia vielleicht gewünscht…kamen aber auch so gut zurecht. Es kann nicht sein, dass sich die Kinder von heute ihr Basiswissen fürs Leben aus dem Netz ziehen.
    Fachwissen ja, aber der Rest ist einfach und schlicht bequemlichkeit. Ohne Aufgaben oder fertige Artikel aus dem Netz steht das Kind auch vor der (guten) Herausforderung, die eigene Meinung einzubringen.

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