Social Mediocre: Wenn Astroturfing SEO wird…

Wenn kleine Firmen mithilfe von Mitarbeitern und Familienangehörigen ein bißchen Astroturfing machen, damit die Domain überhaupt mal irgendwo auftaucht…geschenkt. Wenn mittelgroße Initiativen ohne besondere Gewinnerzielungsabsicht ihre Domains auf demselben Weg ins Gespräch bringen…geschenkt.
Wenn selbsternannte Google/Apple-Bezwinger von neofonie einen halbfertigen tablet auf amazon schönsingen wollen im Kanon der Eheleute Hoffer von Ankershoffen, dann wird es zu einer Parodie der eigenen Hilflosigkeit.

Was aber, wenn die Deutsche Telekom eine „Text-Agentur“ einkauft, damit die HartzIV-Heimarbeiter sich selbst zu Journalisten und Textern umschulen? Dann haben wir eine neue Kategorie erreicht. Sie heißt „Social Mediocre“ und wird hier auf netzpolitik.org erklärt. Denn die Telekom Einkaufswelt nutzt die neue Form der Textproduktion, um etwas „kaum Bekanntes“ zu kaschieren: Auch im Web 2.0 haben Kunden nur Interesse an Dingen und nicht daran, der Welt etwas über sie mitzuteilen – vor allem dann nicht, wenn alles klappt. Man nennt dies auch das Bedürfnisssyndrom: Wer etwas gekauft hat, der brauchte oder präziser wollte das eben haben. Der oder die brauchte aber keine Texte zu erstellen, um der Welt mitzuteilen, was, warum, wann und wie gebraucht wurde und wie es geklappt hat. Denn die meisten Kunden sind gar keine HartzIV-Heimarbeiter, die soviel Freizeit haben, dass sie das Web vollschreiben. Insofern erfüllt das Astroturfing eine selbsterfüllende Prophezeiung. Das Web demokratisiert die Gespräche über Produkte. Nur mit der kleinen Einschränkung, dass die Schreiber selten die Käufer sind. Denn die zahlen mit Euro und nicht mit Worten. Ups, da habe ich doch gerade ein Geheimnis verraten.

Jörg Wittkewitz

  ist seit 1999 als Freier Autor und Freier Journalist tätig für nationale und internationale Zeitungen und Magazine, Online-Publikationen sowie Radio- und TV-Sender. (Redaktionsleiter Netzpiloten.de von 2009 bis 2012)


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