Schnüffel-Cookies: Selbsthilfe in Sachen Privacy

Dass Facebook unsere Spuren im Netz verfolgt weiß inzwischen jeder und ist im Grunde auch legitim. Eine Datenbank zu erstellen über etwaige gesetzte Likes auf Facebook oder benutzter Like-Buttons auf anderen Seiten, ist eine gängige Methode, Profile aufzubauen. Google macht es mit seinem +1 nicht anders. Und auch Facebook ist – wie Google – nur ein Unternehmen, das sich primär durch Werbung und der persönlichen Daten seiner Nutzer refinanziert.Datenschützer hierzu Lande sehen das zwar kritisch, jedoch ist es in anderen EU-Staaten durchaus legitimiert worden. So auch im Land des europäischen Firmensitzes von Facebook – Irland. Der Inselstaat agiert unter dem Schirm des europäischen Datenschutzrechtes und man sollte von ausgehen können, dass die Gesetzeslage dort, auch in Deutschland übereinstimmen müsste. Die Debatte die zurzeit allerdings zwischen Facebook und einigen deutschen Datenschützern wie Thilo Weichert geführt wird, beweist jedoch das Gegenteil. Nichts stimmt überein und eine Einigkeit über die rechtlichen Rahmenbedingungen herrscht auch nicht.

Neben der gesetzmäßigen Legitimierung des Geschäftsgebarens stehen aber noch ganz andere Fragen unbeantwortet im Raum. So ist Facebook auch der Transparenz-Frage, die sich mehr und mehr User selbst und dem Unternehmen stellen, eine konkrete Antwort schuldig geblieben. Zwar haben findige Nutzer, wie der Jurastudent Max Schrems, einen Weg veröffentlicht, wie man an die Daten von Facebook kommt, jedoch werden hier einige Informationen zurückgehalten. Man erhält durchaus Auskunft darüber, wann man sich eingeloggt hat oder wie lange man online war. Man bekommt auch detaillierte Informationen über gesendete Nachrichten sowie der gesammelten Geolocation-Daten, die sich vornehmend aus der mobilen Nutzung von Facebook durch Smartphones ergeben. Jedoch weist das Unternehmen Anfragen zum Datenbestand der Gesichtserkennung sowie der Likes entschieden zurück. „Firmengeheimnis!“ entgegnet das Unternehmen.

Nun führen Firmengeheimnisse wie diese, allerdings zu wenig Verständnis bei den Nutzern. Sind es doch genauso persönliche Daten, die man kommuniziert wissen will. Viele halten sich nun zurück und schrauben Ihre Aktivitäten auf dem sozialen Netzwerk auf ein Minimum herunter. Den Like-Button benutzen nur noch Wenige. Bilder werden per se nicht mehr hochgeladen und auch das Profil wird weitestgehend nicht mehr mit neuen Informationen gespeist. Es herrscht ein Informationsembargo gegen Facebook durch seine Nutzer und doch wird der Datenhunger des Unternehmens weiter gestillt. Vornehmlich auch aus den Erkenntnissen der Cookies, die über den Browser an die Facebook-Server weitergeleitet werden. Dieses Vorgehen ist, wie bei den obengenannten Fällen, ebenfalls weitestgehend undurchsichtig und für viele Nutzer, die nicht so netzaffin sind, leuchtet schon ein großes Fragezeichen bei dem Wort „Cookie“ auf.

Einen Schutz durch die Politik gibt es diesbezüglich momentan eher weniger. Trotz dem aufgenommenen Kampf vieler Datenschützer, scheint eine abschließende Übereinkunft derzeit nicht vollständig gegeben. Was dürfen Cookies und was nicht, ist eine Streitfrage. Ebenso ziehen auch vor allem Politiker auf Landesebene sowie Bundesebene den Bemühungen von Thilo Weichert und Co. durch fragwürdige Statements und der Vermittlung, es handele sich hierbei um ein Kavaliersdelikt, dessen Aufklärung ja eine „Selbstverständlichkeit“ sei, einen Strich durch die Rechnung. Man nimmt das Thema scheinbar nicht ernst genug. Was wahrscheinlich auch mit der Inkompetenz der Politiker gegenüber dem Internet und der Netzkultur zusammenhängt.

Anders positionieren sich einflussreiche Netzaktivisten. Nicht nur die journalistische Elite und die Blogger, die tagtäglich die Debatte um Facebook warmhalten, gehen zum Gegenschlag über. Auch Programmierer und Entwickler des Open-Source-Projektes Adblock Plus wollen nun nicht mehr untätig zusehen, wie dieses Brimborium auf dem Rücken der Nutzer ausgetragen wird. Adblock Plus ist vielen bekannt durch die Browser-Erweiterungen, die Werbebanner durch sogenannte Plugins vom Bildschirm verbannen. Einmal installiert und eingerichtet ist man durch Adblock Plus weitestgehend von Werbung verschont geblieben beim täglichen surfen. Wer dennoch Werbung sehen wollte, konnte die Einstellungen einfach für favorisierte Seiten wieder aufheben. Das Entwickler-Team ist nun, inspiriert durch die Debatten, einen Schritt weitergegangen und hat auch ein Plugin entwickelt, das die Social Media Implementierungen aussperrt. Die Folge dessen ist, dass keine Daten mehr eingesammelt und durch den Browser an die Facebook-Server weitergeleitet werden können.

Nutzen können dieses neue Feature bisher nur Google Chrome und Firefox User. Dabei reicht es allerdings nicht aus, Adblock Plus einfach zu installieren. Man muss die Filterliste „Anitsocial.txt“, die das Entwickler-Team erstellt hat, zumindest bei Firefox im Anschluss abonnieren. Bei Google Chrome sogar manuell einfügen. Das hört sich allerdings schwieriger an, als es tatsächlich ist. Sobald man mit einem Rechtsklick auf das Adblock Plus Symbol in der Adressleiste klickt, gelangt man über „Options“ in den Bereich „Filter-Lists“. Hier muss man nun einfach nur die URL: https://adversity.googlecode.com/hg/Antisocial.txt als zusätzliche Liste einfügen und schon ist auch der Chrome-Nutzer weitestgehend geschützt.

Maßnahmen wie diese gefallen nun Webseitenbetreiber eher weniger, da mit dem Unterbinden des Facebook-Trackings, wie gesagt, auch eingeblendete Werbeflächen durch die standardmäßige Funktion von Adblock Plus ausgeschaltet werden. Doch finde ich, ist dieses Übel zu verkraften. Wer finanziert sich schon alleine über Banner? Die Zeiten sind vorbei. Wer dennoch diesen Kanal auf lesenswerten Seiten nicht ins Abseits schießen will, der kann ja den Adblocker ausschalten und weiterhin ab und an mal auf die Werbeflächen klicken. Dazu einfach wieder auf das Adblock Symbol gehen und die Option „Dont run on pages on this domain“ auswählen. Getreu dem Motto: „Alles kann, nichts muss“ hat der Nutzer hier selber die Wahl, wie weit er beworben werden möchte. Eine Einstellung mit der auch Facebook sicher nicht völlig verkehrt fahren würde.

Andreas Weck

schreibt seit 2011 für die Netzpiloten und war von 2012 bis 2013 Projektleiter des Online-Magazins. Zur Zeit ist er Redakteur beim t3n-Magazin und war zuletzt als Silicon-Valley-Korrespondent in den USA tätig.


Artikel per E-Mail verschicken
Schlagwörter: , , , , , ,

3 comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.