Paris per pedes: Ein Spaziergang durchs Marais

Es gibt nicht schöneres auf einer Städtereise als in aller Ruhe durch die Strassen und Gassen zu schlendern. Wer per pedes unterwegs ist erlebt die Stadt hautnah und in Echtzeit. Also, nicht wie rein in die bequemsten Schuhe und losspaziert. Starten wir im schicken Norden des Marais’, am Marche des Enfant Rouges an der Rue de Bretagne. Diese älteste Markthalle in Paris wurde wohl nach einem früher hier gelegenen Kinderheim benannt, dessen Kinder rote Uniformen tragen. Heute ist es der ideale Tag um in einen entspannten Sonntag zu starten. Wer sich bei all den Leckereien auf dem Markt nicht recht entscheiden kann, dem empfehle ich die lange Schlange vor dem Crepe und Galette Stand. Ein Galette Gourmande mit Karotten, Avocado, Ziegenkäse, Honig und vielem mehr ist einfach ein himmlischer Start in den Tag…


Pariser Zeitreise

Frisch gestärkt spaziert man dann in Richtung Süden, die Rue de Poitou hinunter und biegt in die Rue Vieille du Temple ab. Hier werden die Strassen plötzlich schmaler und zahlreicher, wie ein breiter Fluss der sich verästelt. Plötzlich gibt es weniger Smog und hupende Autos, Paris wird ein wenig ruhiger. Ruhiger, aber auf gar keinen Fall weniger aufregend. Im Marais bekommt man die beste Vorstellung davon, wie das mittelalterliche Paris gewesen sein muss: Enge Gassen und schmale Häuser statt Boulevards und Stadtvillen. Es wirkt, als hätten Napoleon und Haussmann vergessen, diesen Teil der Stadt bei ihren großen Umbaumaßnahmen mit abzureißen. Nach der Revolution wurde das Marais zunächst Armenviertel, doch auch hier hatten die Stadtplaner schon eine breite Avenue geplant, der das Viertel hätte weichen müssen. Der ausbrechende erste Weltkrieg unterband die Baupläne. Und so ist das Marais bis heute ein Spiegel von dem, wie Paris vor Napoleon ausgesehen hat: ein Labyrinth aus schmale Strassen mit Kopfsteinpflaster.


Picasso Museum

Macht man von hier aus einen kleinen Schlenker auf die Rue Thorigny, kommt man zum Picasso Museum. Das ist zwar leider bis 2012 wegen Renovierungen geschlossen, aber auch von außen ist das Gebäude sehenswert. Das Hotel Sale, das das Museum beherbergt, war das Heim vom Seigneur de Fontenay und der Name bedeutet etwa Gesalzenes Haus. Denn der Seigneur lebte von der Salzsteuer, die er eintrieb und die, wenn man den Ausmaßen des Hauses und des Gartens glauben darf, wirklich gesalzen gewesen sein muss.

Voulez-vous einkaufen?

Spaziert man dann durch die schmalen Gassen weiter, tauchen mehr und mehr kleine Boutiquen auf. Vielleicht gerade weil es hier keine Prachtbauten und baumgesäumten Boulevards gibt, taucht man ein in ein anderes Paris. Kleine, schicke Lädchen preisen von Käse bis Wein, Kunst bis Mode alles Mögliche und Unmögliche an und laden zum Stöbern ein. Aus zauberhaften kleine Bistros und Cafes riecht es verführerisch lecker. Die Menschen auf den Strassen sind hier jünger und trendiger als im Rest von Paris, der Pariser Strassenschick in leicht und frisch.


Die Zahl an sehenswerten Boutiquen ist schlicht unüberschaubar, aber hier ein paar besonders sehenswerte Tipps: Auf der Rue de Sevigne 40 sollte man auf jeden Fall den Concept Store L’Eclaireur besuchen. Ein spannender Laden mit schicker Inneneinrichtung und Mode und Accessoires von den angesagtesten Designern.Auf der Rue Francois Miron 29 lohnt sich ein Besuch bei Sentou, einem Möbel und Einrichtungsgeschäft, dass Designer wie Isamu Noguchi, Verner Panton und Jean Prouve im Programm hat. Auf dem Boulevard Beaumachais 111 findet man den Concept Store Merci.


Vier Stockwerke gefüllt mit zeitgenössischen Möbeln, Büchern, Kosmetik, Vintage Kleidung, Blumen, einem Cafe und vielem mehr. Einen Ableger der Berliner Boutique Bless mit ihrer zauberhaften Auswahl an Bekleidung und Accessoires findet man auf der Rue de Portefoin 14. Die Liste an Laden und Lädchen in denen man gerne seine Reisekasse ausgibt ist schlicht endlos. Folgende Strassen eignen sich besonders zum Bum


meln: Rue Veielle du Temple, Rue des France Bourgeoise, Rue de Sevigne, Rue de Poitou and Rue Charlot.


Jüdisches Viertel

Wer nach soviel Einkaufsrummel hungrig ist, dem wird der Magen noch lauter knurren, wenn er die köstlichen Düfte aus dem jüdischen Viertel riecht. Frittierte Falafel und orientalische Gewürze ziehen durch die Gassen. Ein beliebtes Restaurant für Falafel,  und Co ist Chez Marianne auf der  Rue des Hospitalières-St-Gervais 2 (Rue de Roisiers). Man erkennt ihn sofort an der langen Schlange. Mit dem Falafel in der Hand spaziert man weiter durch die Gässchen und wirft einen Blick auf die auslagen der jüdischen Geschäfte. Wer noch mehr über jüdische Lebensart und Kunst erfahren möchte kann noch einen Abstecher zum jüdischen Museum auf der Rue du Temple 71 machen. Vielleicht ist es aber auch Zeit, den Tag bei einem Gläschen Kir Revue passieren zu lassen. Für den ersten Apero, den klassischen Aperetiv, sucht man sie entweder eine Bar auf der Rue Veielle du Temple, wie das Les Philisophes, um Passanten nachzuschauen. Oder man mischt sich unter Paris Hipsters und geht ins La Perle auf der Rue la Perle. Und dann kann man auch schon den nächsten Tag in der französischen Metropole planen. Vielleicht einen Ausflug aus die Ile St Louis? Oder auf den Montmatre? Oder doch einfach nur das beste Croissant in Paris finden? Die Möglichkeiten sind endlos. Den wie sagte schon Heinrich Heine: Wenn der liebe Gott sich im Himmel langweilt, dann öffnet er das Fenster und betrachtet die Boulevards von Paris.

Silke Lambers

studierte Modedesign und Mode-Management in Mönchengladbach und Amsterdam bevor sie in New York begann Modetrends zu jagen. Seit 2007 arbeitet sie international als Trendscout und Journalistin in den Bereichen Mode, Lifestyle und Reise. Mehr Informationen auf www.stylesplash.net.


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