Musik produzieren: Die besten DAW für Anfänger*innen

Eigene Musik produzieren? Dafür braucht man schon lang kein teuer eingerichtetes Studio mehr. Ein Computer, den die meisten von uns wahrscheinlich tagtäglich benutzen, und die richtige Software reichen für den Einstieg völlig aus. In Fachkreisen werden diese Softwares auch DAW genannt, was für Digital Audio Workstation steht. Ursprünglich waren sie zur Aufnahme und Bearbeitung von Tonaufnahmen gedacht. Heute sind viele DAWs zu umfangreichen All-in-One-Lösungen geworden, welche das Komponieren, Kreieren, Aufnehmen, Bearbeiten und Abmischen eines Tracks stark vereinfachen.

Seitdem ist der Markt für Musikproduktionssoftwares enorm gewachsen und hat zahlreiche Programme hervorgebracht, die neue Arbeitsweisen ermöglichen. Bei dieser umfangreichen Auswahl an DAWs, von denen es meistens auch noch verschiedene Versionen gibt, ist es nicht leicht, den Überblick zu behalten. Nicht nur die Preise unterscheiden die Programme voneinander, sondern auch ihr Können. Bevor ihr euch für eine Software entscheidet, solltet ihr schauen welche DAW zu eurer Arbeitsweise und Musikrichtung passt. Denn jedes Programm hat seine Vor- und Nachteile, die man kennen sollte, bevor man sich viele Stunden in die umfangreiche Software einarbeitet. Wir haben die beliebtesten Softwares zusammengestellt, um Einsteiger*innen einen Überblick zu verschaffen. 

Cakewalk by Bandlab

Eine der wohl besten kostenlosen DAWs auf dem Markt ist Cakewalk. Es handelt sich hier im Grunde um eine umbenannte Version von SONAR Platinum. Die Software bietet eine Menge Effekte, Amps, virtuelle Synthesizer, Spuren, Funktionen und Loops. Weitere Features  sind unter anderem die Unterstützung von unlimitiert vielen, simultan nutzbaren Ein- und Ausgängen, ein Surround-Mix und vieles mehr. Außerdem können die Fensteransichten individuell umgeschaltet werden. Zusätzlich werden nicht nur eine Vielzahl an Audioformaten werden unterstützt, sondern auch diverse Videoformate. Plugins können im VST2, VST3 und Dxi-Format hinzugefügt werden. Vorrausetzung für die Installation der DAW ist die Registrierung bei Bandlab. Ist diese abgeschlossen, könnt ihr das Programm kostenfrei downloaden. Der einzige Haken – die Software ist nur für Windows verfügbar.

Es empfiehlt sich auf jeden Fall mal einen Blick auf Cakewalk zu werfen, denn die DAW bietet fast alles, was ihr bei Vollversionen kostenpflichtiger Programme auch findet. Die Software ist komplett ausgestattet und voll funktionsfähig, auch ohne zusätzliche Pakete zu kaufen.

GarageBand

Wer kein Microsoft hat, sollte einen Blick auf Apples GarageBand werfen. Das DAW bietet eine große Musikbibliothek, Loop-Pakete und kostenlose Instrumente. Die Hauptstärken der Software sind die einfache Bedienung und die Zugänglichkeit. Ein weiterer Pluspunkt des Programms ist, dass es für iOS kostenlos erhältlich ist. Dazu machen die integrierten Touch-Instrumente die Benutzeroberfläche noch einfacher und intuitiver. Generell ist das Layout unkompliziert und einfach in der Bedienung. Durch die Farbkodierung ist es außerdem extrem übersichtlich. Die Einteilung der Spuren ist einfach nachzuvollziehen und die Loops, Automationen und Instrumente sind einfach zu erreichen. Außerdem erleichtert, GarageBand das Hochladen und Bearbeiten von Projekten. Ein weiterer Vorteil ist, ihr  könnt GarageBand auch auf Smartphones und iPads nutzen.  

Zusammengefasst ist GarageBand ein simples aber effektives Tool, wenn man noch neu in der Musikproduktion ist. Während die meisten anderen Aufnahme-Softwares je nach den Bedürfnissen des jeweiligen Users verschiedene Versionen ein und derselben DAW anbieten, bietet GarageBand den User*innen die Möglichkeit, zu einer komplett neuen DAW aufzusteigen — Logic. Logic ist ebenfalls von Apple entwickelt und erweitert die Konzepte aus GarageBand nochmals. Die schrittweise Umstellung von GarageBand zu Logic macht es relativ einfach, das Programm zu erlernen und die eigenen Skills weiterzuentwickeln. Damit wird eine Rundumlösung geboten, die sich für verschiedene Levels eignet.

FL-Studio

FL-Studio zählt mittlerweile zu einem der meistgenutzten Musikprogramme. Es umfasst die volle Bandbreite an Möglichkeiten Musik zu komponieren und lässt viel Freiraum für Ideen und Kreativität. Durch das bewährte Step Sequenzer Prinzip ist der Einstieg in die DAW sehr leicht. Durch reines Ausprobieren erschließt sich selbst Einsteigern die Funktionsweise der Software. Andernfalls finden sich auf YouTube jede Menge Tutorials, die Schritt für Schritt den Umgang sowie die Funktionsweise des Programms erklären.

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FL-Studio bietet ein simples Kompositions-Konzept, die Patternsequenzen lassen sich mit einem benutzerfreundlichen Pinseltool und einer flexiblen Playlist zu Songs arrangieren. Jede Spur kann zugleich MIDI, Audio und Automationen enthalten. Der eigene Sample- sowie Plug-in-Content ist sehr umfangreich und Dritthersteller-Plug-ins können über die VST- und AU-Schnittstelle eingebunden werden. Neben dem Step Sequenzer, womit sich vorzüglich Beats erstellen lassen, bietet das Musikprogramm auch eine Piano Roll an. Damit werden keine Notenkenntnisse benötigt, denn die abzuspielenden Noten können einfach eingezeichnet werden. Ideal für Leute ohne großes musikalisches Vorwissen, denn vieles wird mit der Maus eingezeichnet oder mit der Tastatur erledigt.

Auch FL-Studio bietet je nach Level unterschiedliche Versionen an. Die Einsteigerversion Fruity Edition ist die günstigste Version. Sie enthält alle Werkzeuge, die man benötigt, um Musik zu machen. Allerdings ist es nicht möglich Audio Dateien zu bearbeiten. Daher entscheiden sich die meisten für die FL Studio Producer Edition, damit können externe Audioquellen aufgenommen und bearbeitet werden. Auch wenn bei der Producer Edition nicht so viele Plugins enthalten sind, wie bei der teureren Signature Edition, bietet sie das beste Preis-Leistungsverhältnis. Aber egal für welche Version ihr euch entscheidet, Image Line verlangt prinzipiell keine Upgrade Gebühren. Das bedeutet lebenslang kostenlose Updates ohne Nachfolgekosten.

Schließlich lässt sich sagen, dass FL-Studio sich besonders für Beatproducer, die im Hip-Hip-, Trap- und EDM-Bereich eignet. Die unkomplizierte Software kann vom Funktionsumfang je nach Version mit vielen DAWs mithalten.

LMMS

Die Oberfläche dieser Software erinnert stark an die der eben vorgestellten Digital Audio Workstation FL Studio. LMMS, früher Linux Multimedia Studio, ist ein kostenloses Musikprogramm. Die Software ist wie eine klassische Digital Audio Work Station aufgebaut und bringt eine Menge Funktionen zur Produktion von Musik mit.

Die grafische Oberfläche ist schlicht gehalten und bietet auf dem ersten Blick weniger Bedienkomfort als die Konkurrenz. LMMS kann jedoch mit einer ganzen Reihe von Synthesizern, Samplern und Effekten punkten. Außerdem können Rhythmen und Sounds per Drag-and-Drop arrangiert werden. Weitere Plugins können über eine VST- oder eine LADSPA-Schnittstelle hinzugefügt werden. Außerdem bringt die Software bereits eine große Bibliothek an vorgefertigten Sounds und Samples mit. Darüber hinaus können über ein MIDI-Keyboard oder über die Rechner-Tastatur Melodien einspielt werden . Im übersichtlich angeordneten Hauptfenster sind verschiedene Editoren zu finden, mit welchen man einzelne Songspuren bearbeiten, Parameter automatisieren oder Instrumente und Effekte einstellen kann. Allerdings bringt das Programm keine Audio-Spuren mit, in die man direkt externe Instrumente aufnehmen könnte. Insgesamt steht es bislang in den Punkten Funktionsumfang, Stabilität und Professionalität noch hinter den oben genannten kommerziellen Produkten. Positiv ist, dass die Software kompatibel mit Windows, Linux und macOS ist.

Mit LMMS bekommt ihr ein komplettes Musikstudio mit großem Funktionsumfang und gutem Klang. Wer die Zeit investiert, sich in die anfangs gewöhnungsbedürftige Benutzeroberfläche einzuarbeiten, kann mit dieser kostenlosen Software am Anfang viel Geld sparen und bekommt trotzdem einiges geboten. Für Einsteiger ist es außerdem eine gute Möglichkeit, um sich in den Aufbau von DAWs einzuarbeiten.

Fazit: Welche ist die beste DAW für Anfänger*innen?

Die beste DAW ist am Ende die, die zum eigenen Workflow passt. Dennoch haben die meisten DAWs zumindest ähnliche Grundfunktionen. Die Unterschiede liegen im Detail, was sich im Aufbau der Arbeitsumgebung und dem Funktionsumfang einzelner Bereiche zeigt. Diese Details solltet ihr euch vor dem Einstieg anschauen und euch genau überlegen was ihr mit der Software vorhabt. Schließlich hat jeder Musiker einen eigenen Stil und daran geknüpfte Erwartungen an eine DAW. Vor dem Kauf einer Software ist es allerdings ratsam die Demoversion zu testen. So könnt ihr schauen, ob die Benutzerfläche euch zusagt und die DAW zu eurem Workflow passt.

Dieser Text ist Teil der Netzpiloten Creative Tech Season. In dieser widmen wir uns von Oktober bis Dezember den kreativen Möglichkeiten, die uns Technologien bieten und geben euch Inspiration, Anleitungen, Tipps und Tricks für eigene Projekte! Hier findet ihr mehr Informationen zur Creative Tech Season sowie allen darin enthaltenen Artikel.


Foto von © Mike via Adobe Stock

Patricia Zippel

studiert Leisure and Tourism Management und interessiert sich besonders stark dafür, wie Digitalisierung die Tourismusbranche nachhaltig verändert. Wenn sie die Netzpiloten nicht in der Redaktion unterstützt, hört sie Podcast, ist auf Reisen oder testet sich durch die Cafés der Stadt.


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