#MakervsVirus: Wie die Maker-Szene in der Corona-Krise hilft

Jeder versucht in der aktuellen, außergewöhnlichen Lage seinen Teil zur Besserung beizutragen – und wenn es einfach Daheimbleiben ist. Der deutschen Maker-Szene ist das zu wenig, sie will aktiv gegen das Virus vorgehen. Unter dem Hashtag #MakervsVirus sammeln sich seit zwei Wochen Menschen, die ihren 3D-Drucker für die Produktion von Maskengestellen kostenfrei anbieten.

Das Corona-Virus stellt die Welt vor neue Herausforderungen. Innerhalb von wenigen Wochen hat sich unser Tun und Handeln radikal geändert, Kliniken müssen sich auf eine anspruchsvolle Zeit einstellen. Desinfektionsmittel und Schutzmasken sind Mangelware. Immer öfter schwenken Unternehmen von ihrem ursprünglichen Geschäftsgebiet um und helfen bei der Herstellung der begehrten Ware. Auch Privatpersonen bieten immer öfter ehrenamtliche Hilfe an.

Face Shields verhindern Tröpfcheninfektion

Besonders eindrucksvoll ist die aktuelle Reaktion der deutschen Maker-Szene. Hinter diesem Begriff verbergen sich alle Besitzer von 3D-Druckern, die auf schnelle Art und Weise eigene Bauideen umsetzen. Schnell ist hier das wichtige Stichwort, denn in den Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeheimen werden dringend schützende Masken benötigt. Aus diesem Grund finden sich auf den einschlägigen Portalen wie etwa Thingiverse dutzende Modelle für neuartige “Face Shields”.

Dabei handelt es sich um ein transparentes Visier, das vor einer möglichen Tröpfcheninfektion schützen soll. Gedruckt wird allerdings lediglich das Gestell. Zusätzlich gilt es eine transparente Kunststoff-Folie zu schneiden, zu lochen und in das generierte Bauteil zu montieren. Ein Gummi fixiert das Ganze am Kopf. Fertig ist die Konstruktion, die vor einer Infektion schützen kann. Je nach 3D-Drucker passen auf einem sogenannten Baujob vier Gestelle, die am Beispiel eines Ultimaker S5 innerhalb von 2,5 Stunden generiert sind. An einem einzelnen Tag lässt sich so bereits von einer einzelnen Person eine beachtliche Zahl an Visieren bauen.

Auf einem Ultimaten S5 Drucker lassen sich bis zu vier Shields gleichzeitig produzieren. Image by Jonas Haller

Webportal bündelt die Kräfte

Für die Koordination der Corona-Hilfe wurde von Projekt-Initiator Dominik Hense im Schnellverfahren eine Webseite ins Leben gerufen. Unter makervsvirus.org können sich sowohl Macher als auch Bedürftige und Spender anmelden. Alle freiwilligen Helfer werden dann regionalen Hubs zugeordnet. Dort findet die Koordination und Materialbeschaffung, Abgabe und bedarfsgerechte Verteilung statt. Tausende sind bereits Teil des Netzwerks.

Auch ich bin zumindest in Teilzeit fleißig am Produzieren der Shields und mittlerweile liegen 32 Gestelle im Lager. Wenn man die Infektionsprognosen betrachtet, ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Doch getreu dem Motto “Gemeinsam sind wir stark”, kann die große Zahl an Teilnehmenden eine deutliche Verbesserung der Situation erreichen. Falls ihr also selbst einen 3D-Drucker besitzt, solltet ihr euch noch heute der #MakervsVirus-Bewegung anschließen.

CORONA PROJECTS ist eine Netzpiloten-Serie zu herausragenden Projekten, die uns derzeit positiv auffallen. Sie dokumentieren die Kreativität und Kraft der digtalen Macher. Schickt uns gerne Tipps, wenn ihr uns auf tolle Projekte aufmerksam machen wollt: ankunft@netzpiloten.de.


Teaser-Image by Wikullil Kassel

Jonas Haller

arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität Chemnitz und erforscht 3D-Druckverfahren. Die technische Vorschädigung tut dem Interesse zum mobilen Zeitgeschehen und der Liebe zur Sprache jedoch keinen Abbruch – im Gegenteil. Durch die Techsite HTC Inside ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das Android Magazin aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge, die das Leben bunter machen. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


Artikel per E-Mail verschicken
Schlagwörter: , , , , ,