Interview: Twitkrit – Die Twitteraturkritiker

 

„Wir wollen all die kleinen Schätze bergen, die uns tagtäglich ins Haus zwitschern und uns ihrer so annehmen, wie sie es verdienen: auf einer literaturkritischen Ebene.“[Link]

Gestern startete Twitkrit, die Seite für Twitteraturkritik. Im Skypechat sprach ich mit den Machern @Bosch und @MSPRO über die Idee und Ziele hinter Twitkrit sowie über Twitter aus literaturtheoretischer Sicht. Wer vorher schnell reinschnuppern will, dem sei das erste Twitterportrait zu @kosmar empfohlen.

Blogpiloten: Wie kam es zur Idee von TwitKrit?

@Bosch: Es war so, wie mspro es in seinem Blog beschrieben hat.

@MSpro: Es war auf Sascha Lobos Followerparty. Dort hatte er einen Beamer aufgebaut auf dem seine Timeline automatisch aktualisiert durchlief. Da waren wieder einige witzige Posts drauf. Und es wurde dort sehr sichtbar, wie vergänglich doch diese Kleinode ins Nirvana versendet werden. Ich glaube, daher kam die Idee.

< Einschub > Video von Sascha Lobos Followerparty auf Vimeo inklusive Twitterwall!


Antimaterie from markus jakobs on Vimeo.

@Bosch: Alles fließt – und bei Twitter leider oft viel zu schnell an einem vorbei.

@MSpro: Es gibt die Favoritenfunktion die ich leider erst spät für mich entdeckt habe. Aber auch dort verschimmeln die Tweets ja eigentlich. Ein Blog für Literaturkritik auf Twitter – Nanoprosa – erschien dann als genau das richtige Medium.

Blogpiloten: Twitteraturkritik…. Wo seht ihr die zentrale Herausforderung 140 Zeichen literarisch zu besprechen?

@Bosch: Die nächste Frage bitte!

@MSpro: Twitteraturkritik ist aber verdammt gut.

Blogpiloten: Kommt in die Überschrift des Beitrags…

@Bosch: Dürfen wir das verwenden?

Blogpiloten: Klar! Aber zurück zur Frage…

@MSpro: Also ich denke auf langer Strecke wird es eine Herausforderung sein, originell zu bleiben. Ich hoffe, wir verschießen unser Pulver nicht all zu schnell. Aber wir haben deswegen ja auch gleich mehrere besondere kreative Autoren.

@Bosch: Man darf sich nicht nur den Highlights widmen, sondern wir wollen auch die Schattenseiten aufzeigen. Es soll eine gesunde Mischung aus großen Tweets, aber auch den stilleren Beiträgen werden, die wir vorstellen wollen. Also auch Beiträge, die sonst im Fluss vorüberziehen würden.

Blogpiloten: Euch beim Spreu-vom-Tweet-trennen helfen? Crowd-Tweet-Sourcing?

@Bosch: Selbstverständlich. Wir sind für Hinweise immer dankbar. Schließlich können wir nicht allen Twitterern folgen. Sachdienlich Hinweise gern an mail@twitkrit.de. Wir werden regelmäßig Gastautoren einladen. Auch das soll zu unserem „Konzept“ gehören. Wir haben es uns so vorgestellt: Unter der Woche werden einzelne Tweets vorgestellt und am Wochenende etwas ausführlicher das Lebenswerk eines Twitterers.

@MSpro: Jeder kann gerne Gastautor werden, wenn er einen Tweet oder einen Twitterer besprechen möchte. Die Sonntägliche Kolumne wollen wir von Gastautoren schreiben lassen. Weil, wir sind ja auch ziemlich faul. Wir sind sowieso noch sehr gespannt gerade: die erste Tweetkritik wird in diesem Moment von PickiHH verfasst.

Blogpiloten: Informiert ihr die reviewten Twitterer im Vorfeld?

@MSpro: Nicht unbedingt. Aber auf jeden Fall dann, wenn sie protected Tweeten. Den Rest erfahren sie dann aus ihrem Posteingang, in dem sich die neuen Follower stapeln.

@Bosch: Ja, aber wir werden auch gnadenlos diejenigen vorstellen, die in ihrer Entwicklung auf dem Herrenklo verharrt sind. Man kan als Kritiker nicht immer gut Freund mit allen sein. Im twitterarischen Quintett wird es auch Kontroversen geben. Wir haben das auch diskutiert: Offene Tweets werden wir uns ohne Rückfrage vornehmen. Auf geschützte Tweets werden wir nur nach Absprache mit dem Autor zurückgreifen. Sollten unsere Finger einmal zu tief in die Wunde gelegt haben oder sich jemand auf den virtuellen Schlips getreten fühlen, sind wir gesprächsbereit. Wir wollen ja niemanden vorführen.

@MSpro: Bei heiklen Sachen würden wir natürlich auch vorher nachfragen. Das kann man dann ja schon einschätzen, denke ich.

Blogpiloten: Thema Literaturtheorie! Wie verortet ihr Twitter/ Tweets literaturtheoretisch?

@Bosch: Diese Frage gebe ich an mspro weiter. (und geht schnell zur Wikipedia um gleich noch was schlaues zur Literaturtheorie sagen zu können.)

@MSpro: Also am verwandtesten ist das Twittern sicher mit dem Haiku. Dort ist es eine Silbenbegrenzung, hier eine Zeichenbegrenzung mit der man arbeiten muss, die aber gleichzeitig auch die Kreativität anregen kann.

@Bosch: Das Übliche, wir werden uns den Tweets gemäß: 1. Autorenzentrierte Theorien, 2. Textzentrierte Theorien, 3. Leserzentrierte Theorien, 4. Codezentrierte Theorien, 5. Kontextzentrierte Theorien zuwenden. Habe das gerade mal aus der Wikipedia geholt. — Ja, wobei das Twittern nicht so strenge Formen hat wie das Haiku. Twitter ist mehr so etwas wie Haiku 2.0.

@MSpro: Ganz ehrlich: wir haben uns über Literaturtheorien keinen Kopf gemacht. Aber Björn Grau ist Literaturwissenschaftler. Vielleicht kommt von ihm demnächst etwas Substanzielles

@Bosch: Ich hoffe immer noch auf das erste Literaturcamp, auf dem ich vielleicht etwas Nachhilfe in Sachen Literaturtheorie erhalte.

Blogpiloten: Nach welchen Kriterien habt ihr eure Co-Autoren ausgewählt?

@MSpro: Also von Björn Grau kenne ich das Blog schon seit langem. Und er twittert auch sehr gut. Außerdem ist er Literaturwissenschaftler.

@Bosch: So haben wir schon einmal etwas Kompetenz im Team.

@MSpro: Loretta Lametta ist eine Wahnsinnige. Sie Twittert von ganzem Herzen und fördert eine sprachliche Kreativität zu Tage, die ihres Gleichen sucht. Außerdem ist sie ein echter Fan.

@Bosch: Loretta Lametta ist der neue Stern am Twitterhimmel. Sie ist aus dem Nichts gekommen und hat das Twitterversum im Sturm erobert. Außerdem hat sie ein tolles Blog. Und Picki musste einfach dabei sein. Die Frage hat sich gar nicht gestellt. Von Anfang an war klar, dass es ohne sie nicht geht. Außerdem saß sie neben uns als die Idee zu twitkrit entstand.

@MSpro: PickiHH ist ein Twitterurgestein. Ein bisschen wie Kosmar. Außerdem ist sie ist unsere Quoten A-twitterin

@Bosch: Genau, vor dem IPO muss erstmal Reichweite her. Aber im Ernst: Wichtiger als ihre vielen Follower ist uns Picki als Mensch.

Blogpiloten: Wann twittert ein Twitterer gut?

@MSpro: Bosch, willst du?

@Bosch: Michael nun sag schon, das Konzept des Guttwitterns ist schließlich von Dir.

Blogpiloten: Um die Frage kommt ihr als Kritiker jetzt nicht herum!

@MSpro: Ganz ehrlich: ich weiß es nicht. Es gibt Tweets, die mir gefallen, aus ganz verschiedenen Gründen.

@Bosch: Ich würde einfach sagen: gut twittert, wer gut twittert. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

@MSpro: Im Grunde ist twitkrit ein Projekt um genau das rauszufinden. Was begeistert einen an einem Tweet?

@Bosch: Oder: was stößt einen ab.

@MSpro: Oder so.

Blogpiloten: Finde ich eine zufrieden stellende und passende Antwort. ich hasse normative Wertungen. Ich will Diskurse, Diskurse, Diskurse. Twitkrit wird dazu sicherlich ein spannender Ort werden.

@MSpro: Genau darum geht es… Den Sinn dessen zu entdecken, was man tut!

Blogpiloten: Ich danke euch für das Interview!


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8 comments

  1. Wäre Konfuzius noch unter uns, er gehörte garantiert zu den A-Twitterern.
    Und wenn man ihn nach den Voraussetzungen für eine geglückte Twitterexistenz befragte, dann sagte er gewiss:

    „You have to be crazy, otherwise you get crazy“.

    Auf ein wichtiges Detail möchte ich aber noch hinweisen:
    Das Grundwortamt ist ein Gemeinschaftsblog.
    Bekanntlich kommt ja ein Elend auch selten allein.

  2. Pingback: News « H I E R

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