Half-Life: Alyx – VR-Abenteuer statt Half-Life 3

Vor wenigen Tagen droppte Steam-Schöpfer Valve die Riesen-Bombe. Mit Half-Life: Alyx präsentierte das amerikanische Unternehmen das erste Spiel einer der bekanntesten Shooter-Reihen seit Half-Life: 2 im Jahre 2004 – und das für VR-Geräte. Die Reihe um Hauptcharakter Gordon Freeman setzte die Standards für den modernen Singleplayer-Shooter. Mit forderndem Gunplay und für das Genre außergewöhnliche Gameplay-Ideen, wie der Gravity-Gun, brannte sich Half-Life bis heute in die Köpfe der Spieler ein.

Über die Jahre wurde die Hoffnung auf einen neuen Ableger der Reihe immer kleiner. Valve konzentrierte sich lieber auf ihre allseits bekannte Plattform Steam und probierte sich in anderen Genres, wie mit dem Puzzle-Game Portal. Die Erwartungen und falschen Leaks bezüglich eines dritten Half-Life-Teils sorgten schließlich für den häufig als Witz genutzten Spruch „Half-Life 3 confirmed“. Ob in Memes oder Fan-Filmen, die Serie blieb immer ein Name in der Gaming-Welt. Nun soll es tatsächlich eine Fortsetzung dieser Reihe geben.

Half-Life: Alyx spielt zwischen den ersten beiden Teilen

Wobei das Wort Fortsetzung in diesem Fall nicht ganz richtig ist: In Half-Life: Alyx schlüpfen wir in die Haut der gleichnamigen Protagonistin, die in Half-Life die Rolle des weiblichen Protagonisten einnahm. Jedoch eben nicht als spielbarer Charakter. In der Timeline wird ihr VR-Abenteuer aber zwischen Half-Life 1 und 2 spielen. Im ersten Teil sorgte ein Laborunfall in der Firma Black Mesa für eine Invasion der Alien-Rasse Combine. Seit dem Black-Mesa-Vorfall, an dem ein gewisser Brecheisen schwingender Held (Gordon Freeman) nicht ganz unbeteiligt war, hat die außerirrdische Macht ihre Vorherrschaft auf dem Planeten weiter ausgebaut. 

Zusammen mit ihrem Vater Dr. Eli Vance bildet die Wissenschaftlerin Alyx mit den unterdrückten Menschen eine Widerstandsgruppe gegen die außerirdischen Besetzer. Die beiden cleveren Wissenschaftler bauen allerlei gefährliche Waffen gegen die Monster. In der sonst fast komplett unterworfenen Menschheit sind sie eine der letzten Bastionen gegen die Combine. Auch wenn es um das Schicksal des Erfinders Vaters Eli Vance nicht besonders gut steht…

Alyx im Alleingang gegen die Combine

Gordon Freeman trifft in Half-Life 2 erstmals in der kontrollierten Stadt 17 auf Alyx. Folgerichtig wird es in Half-Life: Alyx unsere Aufgabe sein, die Combine-Zitadelle zu infiltrieren, die die Überwachung und Kontrolle über eben jene Stadt ausführt. Dies sehen wir auch im ersten Gameplay-Trailer. In einer First-Person-Perspektive mit den für VR-Games typischen schwebenden Händen kämpft sich Alyx an verschiedenen Combine-Soldaten und Headcrabs vorbei durch die besetzte Stadt. In manchen Szenen sticht der Einsatz der VR-Features bereits hervor.

So muss Alyx in einer Szene ihre linke Hand mit einer Maschine verbinden, während sie von Monstern attackiert wird. Der Spieler kann nur seine rechte Hand frei bewegen, um sich gegen die Angreifer zu verteidigen. In einer anderen Szene räumt Alyx einen Schrank aus, um hinter den Gegenständen ein paar Schrotladungen zu finden. In einer sehr ausführlichen Nachlade-Sequenz füllt sie ihren Shotgun auf, um im letzten Moment einen Soldaten abzuwehren.

Kein stummer Hauptheld mehr

Im Trailer sehen wir neben durchaus attraktiven Shooter-Gameplay in der virtuellen Realtität verschiedene Nebencharaktere. Vor allem der Auftritt des omnipräsenten G-Mans, der schon Gordon Freeman auf seiner Reise begleitete, sorgt für Spannung. Die mysteriöse Gestalt mit dem Aussehen eines Buchhalters ist so etwas wie der allgegenwärtige Erzähler der Reihe. Auch wenn er sich menschlich gibt, besitzt er übermenschliche und kaum definierbare Kräfte. Seine Rolle im neuen Ableger ist allerdings noch unklar.

Alyx Vance hat dabei eine neue Synchronsprecherin spendiert bekommen. Ozioma Akagha, die unter anderem Plastic in Mirror’s Edge: Catalyst verkörpere, gibt Alyx ihre Stimme. Insofern sehr relevant, als dass sie damit der erste Protagonist in der Half-Life-Serie ist, der tatsächlich sprechen kann. Gordon Freeman war ja bekanntermaßen in beiden Spielen komplett stumm geblieben.

Alyx Vance in Half-Life 2
In Half-Life 2 war sie noch ein NPC, jetzt spielt Alyx Vance die Hauptrolle. Image by Will Perkins via flikr.com (CC BY-SA 2.0).

Half-Life: Alyx soll VR hoffähig machen

Half-Life: Alyx erscheint im März 2020 exklusiv für VR-Geräte. Das Spiel wird bis zu 45 Euro kosten und ist bereits auf der Steam-Seite zum Vorbestellen verfügbar. Wer allerdings die von Steam selbst entwickelte Index-VR-Brille besitzt oder kauft, bekommt Half-Life: Alyx komplett gratis. Die ist aber auch angebracht, schließlich kostet das Set aus zwei Lichtsäulen, Controller und Brille um die 1080 Euro. Auch für andere Headsets wie die HTC Vive (700 bis 900 Euro) sowie die beiden Facebook-Geräte Oculus Rift und Oculus Quest (um die 450 Euro) wird Half-Life: Alyx erscheinen. Am günstigsten wird allerdings die Nutzung mit dem Mixed-Reality-Standard-Brille von Microsoft. Diese ist bereits für schlappe 300 Euro käuflich zu erwerben. Komplett ohne VR-Brille wird Half-Life: Alyx allerdings nicht spielbar sein.

Auch die Systemanforderungen des VR-Abenteuers sind bereits bekannt. Valve nennt als Mindestanforderungen Windows 10 auf einem Core i5-7500 oder Ryzen 5 1600, 12 GB RAM und eine Geforce GTX 1060 oder eine Radeon RX 580. Hierbei handelt es sich allerdings um die minimalen Anforderungen und nicht unbedingt die empfohlenen Einstellungen. Dennoch sind Spieler mit einer Technik im preislichen Bereich von 700 bis 1500 Euro hier gut bedient.

Level-Editor sorgt für Spaß auch nach der Story

Half-Life: Alyx soll eine komplette Singleplayer-Erfahrung bieten. Insgesamt 15 Stunden Abenteuer erwarten den versierten VR-Spieler. Damit ist der neue Ableger ungefähr genauso lang wie Half-Life 2. So erzählt Valve-Programmierer David Spreyer, dass es sich bei Half-Life: Alyx nicht nur um eine Side-Story handele. „Obwohl es vor den Ereignissen von Half-Life 2 spielt, empfehlen wir, dass man Half-Life 2: Episode 2 durchspielt, bevor man Half-Life: Alyx spielt, aus Gründen, die klar werden, sobald man im Spielverlauf fortschreitet,“ so Spreyer.

Gaming-Journalist Geoff Keighley durfte Half-Life: Alyx bereits durchspielen und war durchaus angetan.

Half-Life: Alyx nutzt ebenfalls die Features des Steam-Workshops. Mit diesem sollen die Spieler auch nach Release neue Level und andere Dinge für Half-Life Alyx basteln können. Dafür wird der Level-Editor „Hammer“ geupgradet und mit einigen neuen Tools für die VR-Integration der Source 2 Engine ergänzt. Ähnliches galt ja bereits für andere Valve-Games wie Portal, Left 4 Dead oder Team Fortress.

Doch auch alte Freunde des „Half-Life-3-Confirmed-Memes“ können sich freuen. Denn Half-Life: Alyx soll eben noch nicht der lang erwartete vollwertige dritte Teil der Hauptserie sein. Viel mehr wird es ein neuer Einstieg in diese glorreiche Reihe. Vielleicht kommt Valve ja dann doch auf den Geschmack. Laut mehreren Entwicklern des Studios freuen sich alle Beteiligten über die weitere Erschließung der Half-Life-Welt. So werden auch weitere Spiele in den kommenden Jahren nicht ausgeschlossen. Ob wir in Zukunft auch Gordon Freemans Brecheisen in der virtuellen Realität schwingen dürfen, hängt allerdings von der Rezeption von Half-Life: Alyx ab.

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Image by Adam Messinger via flikr.com (CC BY-SA 2.0).

Philipp Bader

ist Journalistik-Student an der Hochschule Hannover und hat seit dem unter anderem bei der N-Zone in Fürth und beim Lokalteil der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung einige Erfahrungen sammeln können. Ob Videospiele, Filme oder Serien - in diesen Bereichen fühlt er sich am wohlsten.


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