Europäische Small Data Initiative gestartet

In seiner Kolumne beschäftigt sich Nico Lumma mit dem Medienwandel und Kompetenzen die damit einhergehen. Nicht nur im Beruf, sondern auch in der Schule und Familie. Diesmal geht es um Small Data. // von Nico Lumma

Nico Lumma

Es tut sich etwas in Europa. Im Rahmen der großangelegten europäischen digitalen Agenda Offensive wurde nun von der zuständigen Kommissarin Eileen Soerk (Dänemark) die Small Data Initiative vorgestellt. Das Ziel soll sein, nicht wie bislang weiterhin den Bau neuer Rechenzentren und Breitband-Anschlüsse zu forcieren, sondern den Fokus wieder auf kleinere Datensätze zu legen.

In einem Interview sagte sie: „Wir sind zu lange dem big is beautiful Wahn hinterhergelaufen, wir müssen uns wieder auf die kleinen Daten konzentrieren.“ – und da ist durchaus etwas dran. Bei allem derzeitigen Interesse an Big Data wird doch vor allem eins klar: der einzelne kleine Datensatz geht völlig unter, auf seine Belange, aber auch auf seine Stärken wird kaum Rücksicht genommen. Dort wird ein enormes Potential verschenkt, was sich jetzt auf einer europäischen Ebene ändern soll.

Bemerkenswert ist der Anspruch, dass künftig Applikationen auf Solartaschenrechnern laufen sollen, da diese in der Masse der Bevölkerung weit verbreitet sind und bereits Schulkinder den Umgang spielend erlernen. Der Verband der Taschenrechner produzierenden Industrie Deutschlands (VdTpID) begrüsst daher diesen Vorstoß nachdrücklich, woran auch mal wieder sehen kann, wie groß der Einfluß von Lobbyisten auf Brüssel immer noch ist.

Ein Zeichen setzt Soerk mit der Benennung von Bill Gates als Schirmherrn der Initiative, was den Anspruch auch über die Grenzen der Europäischen Union hinaus manifestiert. Gates gab bekanntlich bereits 1981 die Richtung vor, indem er mit einem Ausspruch die Perspektiven der Small Data Bewegung zusammenfasste: „640 kB ought to be enough for anybody.“

Wir dürfen gespannt sein, wie die Auswirkungen der Small Data Iniative auf die europäische digitale Agenda sein werden. Der erste Schritt ist gemacht.

Nico Lumma

arbeitet als COO des next media accelerator (http://nma.vc) in Hamburg. Er bloggt auf lumma.de und ist seit 1995 eigentlich nicht mehr offline gewesen. Er ist Mitglied der Medien- und netzpolitischen Kommission des SPD Parteivorstandes und Co-Vorsitzender des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Unter @Nico findet man ihn auf Twitter. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


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