Apples Apps for Earth erzeugt Aufmerksamkeit – aber das ist nicht genug

Um ein Zeichen für den sogenannten Earth Day zu setzen, hat Apple die Apps for Earth gestartet: ein einwöchiges Fundraising für den World Wildlife Fund (WWF). Apps for Earth beinhaltet 27 beliebte Spiele- und Dienstprogramme, die zahlungspflichtige besondere Inhalte enthalten sowie eine besonders gestaltete Startseite im App Store. Diese Partnerschaft zwischen Apple und dem WWF steht symbolisch für das gestiegene Umweltbewusstsein der Verbraucher in unserem technologischen Zeitalter – dahinter steht der Gedanke, dass Umweltkonzerne in die Produktion, den Kauf und Gebrauch von Verbraucherprodukten und Leistungen miteinbezogen werden. Der erste Earth Day, der auf dem Höhepunkt der US Gegenbewegung am 22. April 1970 stattfand, war Ausdruck eines neuen Umweltbewusstseins, das eine schnelle Reaktion in hochrangigen politischen Stellen auslöste. Schätzungsweise 20 Millionen Menschen versammelten sich zu Demonstrationen und Kundgebungen. Sie riefen dazu auf, umweltverschmutzende Industrien zu stoppen und betonten, dass Lebensqualität und eine gesunde Umwelt zusammenhängen. Das führte zu vielen der Umweltgesetze und -einrichtungen, die wir heutzutage als selbstverständlich ansehen. Über die Jahrzehnte hinweg erfuhr der Earth Day einige erfolgreiche Auffrischungen. Man präsentiert sich nun als weltweit größte Beobachtungsbewegung mit mehr als einer Milliarden Menschen jedes Jahr. Das Engagement der Umweltbewegung zu erhalten und zu erweitern, ist hier besonders wichtig. Apps for Earth hat mit Sicherheit das Potential, Unterstützung  von Apples technisch versierten, globalen und mittelständigen Kundenbasis herzustellen, aber der direkte finanzielle Beitrag zum WWF ist vielleicht etwas bescheidener: Seit 2006 hat Apples Partnerschaft mit der Aids-Charity (RED) 100 Millionen US-Dollar aufgebracht. Während dies für jede Nichtregierungsorganisation eine erhebliche Summe ist, gleicht es nur 0,18 Prozent von Apples Einkommen aus dem Jahr 2015, dass 53,4 Milliarden US-Dollar betragen hat. Carter Roberts, CEO des amerikanischen WWF, sieht Apps for Earth als ein Beispiel für die blühende Kreativität und den großen Ideen mit großem Einfluss, die dafür sorgt, dass man seine Arbeit erfolgreich durchführen können. Ich bin mir da allerdings nicht so sicher. Aus einem Blickpunkt geschäftlicher Nachhaltigkeit ist das ein konventioneller Deal: alle Parteien profitieren von Wachstum, Produktivität und Risikomanagement. Apple erhält Zustimmung vom WWF für seine Bemühungen, seine Lieferkette zu vergrünen, zusammen mit einem neuen „Produkt“, welches Apple seinen treuen Kunden anbieten kann. Außerdem will man die Marke schützen und die umweltbewussten Angestellten motivieren. Der WWF erhält von Apple und den technischen Medien im Gegenzug die Zustimmung, die weltweit führende Naturschutzorganisation zu sein – und außerdem wird ihnen der Zugang zu der technisch versierten, mittelständigen Kundenbasis von Apples App Store gesichert. Wenn es aber darum geht, den Planeten zu schützen, und eine erhebliche Veränderung zu schaffen, braucht man eine Zusammenarbeit zwischen Unterstützern und Experten. In einer modernen Naturschutzorganisation sind diese Gebote in zwei berufliche „Stämme“ gespalten, die in verschiedenen Abteilungen und mit einer anderern Art von Bildung, Laufbahnanreize und Arbeitsweisen arbeiten.

Simple Botschaften, komplizierte Realität

Es geht um die Notwendigkeit, dass Spendensammler und Befürworter zusammen arbeiten und miteinander schnell und einfach über komplexe Sachverhalte kommunizieren. Zwar mag das nicht hilfreich sein für den Aufbau eines tieferen Verständnis, wird aber benötigt, um eine Unterstützung bei pragmatischen Lösungen zu erhalten. Diese werden von technischen Mitarbeitern in Programmierabteilungen entwickelt, die sich sich mit der ungeordneten und komplexen Realität der Welt auf lange Sicht auseinandersetzen. Ein Fall in diesem Punkt betrifft die massiven Investitionen in neu vorgeschlagenen Bau von Bahnschienen und Straßen, die Naturschutzgebiete durchkreuzen. Hinter den Kulissen schaffen Rechtsanwälte mit Umweltspezifikation Rahmenbedingungen, Messwerte und finanzielle Mechanismen, zusammen mit dem Einfluss, den es benötigt, um die Umweltbelastung zu reduzieren. Außerdem dient es noch dazu, den Schadensersatz zu sichern, wenn die Zerstörung von Gebiete unausweichlich sind und um Win-Win-Situationen zu erkennen. Es geht um Verhandlungen und Kompromisse, milde Hierarchien und komplexe ausgleichende Mechanismen, den Schutz der Umwelt in der Zukunft sowie den Schutz der Vergangenheit. Das ist moderner Umweltschutz in der Praxis und er lässt sich nicht leicht in einfache Worte fassen. Er steht in einer zunehmenden Spannung zu den Spendensammlern und Befürworter von den „großartigen Tieren und Landschaften, die wir vor den Krankheiten der Welt beschützen  wollen – für den Preis Ihres Geldes, Ihrer Zeit und Ihrer Stimme“. Umweltschutz von Kunden wie bei Apps for Earth bringt den Umweltschutz mit der modernen Konsumkultur auf eine Welle. Dies bietet Spendensammlern und Befürworter die Möglichkeit, neue Leute zu erreichen und neue Geldeinnahmen zu schaffen, aber es birgt auch das Risiko, mehr oberflächliches sowie öffentliches Engagement und digitalen Aktivismus zu schaffen. Es bietet eine Masse an „Lösungen“, mit denen sie sich selber besser fühlen. Seit mehr als zehn Jahren arbeiten diejenigen im Umweltschutz,  die ein fundiertes technisches Wissen besitzen, mit den großen Techniker-Firmen wie Google, um neue Open-Access-Programme zu entwickeln für die Ermöglichung eines besseren Umweltmanagements. Das Programm von Google Earth ist eines der besten Beispiele dafür, dass eine anspruchsvolle Analyse geo-räumlicher Informationen möglich macht sowie die Entwicklung von technischen Entscheidungshilfen wie Global Forest Watch. Diese Hilfsmittel vergrößern die Reichweite für Naturschutz im täglichen Umgang von Firmen und Investoren. Apple und Google haben sehr unterschiedliche Firmengrundsätze. Apple baut auf dem Glauben an Design auf und daran, dass schlichte Dinge einfach funktionieren, während Google eher an die Macht der Daten glaubt und sich akademischer gibt und die Ingenieure besonders wichtig sind. Die Spendensammler für Umweltschutz fühlen sich von Apple angezogen, während ihre wissenschaftlichen Kollegen lieber mit Google arbeiten. Diese Ausrichtungen sind verständlich, aber sie könnten auch die Kluft vergrößern, zwischen populären Stimmen und die Stimmen der Experten des Umweltschutzes, was eine nicht vereinigten Bewegung führen würde. Der Earth Day muss mehr hergeben als nur eine Möglichkeit für Naturschützer, um Informationen zu verbreiten. Es sollte ein Tag sein, an dem alle innerhalb der professionellen Umweltbewegung zusammenkommen. Schließlich kam der damalige Einfluss von einer halben Million Menschen, die im April 1970 die Fifth Avenue heruntermarschiert sind, von einer gemeinsamen Einheit, die demonstrierte, und nicht von einer geteilten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Happy Earth Day“ by Booker Smith (CC BY 2.0)


The Conversation

Paul Jepson

ist Kursleiter für den Masterstudiengang Biodiversity im Bereich für Kommunikation und Management an der Universität Oxford. Zuvor kümmerte er sich für den Masterstudiengang in Natur -Gesellschaft und Umweltpolitik (2007-2013).


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Paul Jepson

ist Kursleiter für den Masterstudiengang Biodiversity im Bereich für Kommunikation und Management an der Universität Oxford. Zuvor kümmerte er sich für den Masterstudiengang in Natur -Gesellschaft und Umweltpolitik (2007-2013).

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