Dogsharing – So kam’s zum Probierhund

Dogsharing – das klingt erstmal irgendwie falsch. Als ich das erste Mal davon gehört hatte, kamen mir Assoziationen zu Car- oder Bikesharing in den Sinn. Einen Hund per App für ein paar Minuten oder Stunden auszuleihen und dann für den nächsten wieder abzustellen, kann doch nicht richtig sein… Tatsächlich verbirgt sich hinter dem Konzept aber auch etwas völlig anderes und wie ich nun selbst erfahren durfte: großartiges! Immerhin hat es uns einen “Probierhund” beschert, mit dem ich mal gucken kann, wie mir das Leben mit Hund so gefällt. Spoiler: Ich find’s ganz gut!

Wieso der Probierhund?

Meine Freundin ist mit Hund groß geworden und dementsprechend groß war auch schon lange der Wunsch danach. Ich bin mit einem Kaninchen groß geworden, dem ich mit 14  Jahren etwa so viel Aufmerksamkeit geschenkt habe, wie man das von einem pubertierenden Jungen eben erwarten würde. Wie es ist, einen Hund zu haben, konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen. Wirklich abgeneigt war ich zwar nicht, aber ich wusste eben überhaupt nicht, worauf ich mich da einlasse. Also beschlossen wir, dass es eine gute Idee wäre, wenn ich das einfach mal kennen lerne. Immerhin bieten viele Tierheime an, dass man mit ihren Hunden Gassi geht. Nach ein wenig Recherche sind wir allerdings auf etwas noch besseres gestoßen: Dogsharing. Die volle Hunde-Experience auf Zeit sozusagen. Weder ich, noch meine Freundin, wussten zu dem Zeitpunkt was das ist. Und tatsächlich ist der “Trend” auch verhältnismäßig klein.

Was ist Dogsharing eigentlich?

Ein wenig erklärt sich Dogsharing schon durch seinen Namen. Es geht darum, sich einen Hund zu teilen. Das muss nicht zwingend über eine Plattform oder ähnliches laufen. So können sich auch einfach so zwei Haushalte die Verantwortung für einen Hund teilen. In etwas größeren Dimensionen ist Dogsharing allerdings ein Konzept, das Hundebesitzer und Hundefreunde zusammenbringt. Die Grundgedanke besteht darin, dass die Hundebesitzer durch die Hundeliebhaber entlastet werden, während diese die Vorteile eines Hundes genießen, ohne dabei die volle Verantwortung tragen zu müssen. Wie geschaffen also für meine Situation. Dank diverser Plattformen, die sich diesem Konzept verschrieben haben, ist man dabei nicht mehr nur auf Bekanntschaften angewiesen.

Welche Dogsharing-Plattformen gibt es?

Es gibt sogar gleich mehrere solcher Seiten und Plattformen, auf denen Hundebsitzer und Hundeliebhaber zusammengebracht werden. Mir persönlich hat Hundelieb bis jetzt am besten gefallen. Über diese Plattform sind wir auch an unseren “Probierhund” gekommen. Aber auch die Plattform edogs bietet neben anderen Services Dogsharing an. Hier sind die verfügbaren Angebote allerdings deutlich geringer. Das sieht bei Dogsharing.de wiederum ganz anders aus. Wie die Domain bereits vermuten lässt, ist die Plattform komplett auf das Teilen von Hunden spezialisiert. Hier findet ihr auch deutlich mehr Gesuche als bei edogs!

So läuft Dogsharing auf Hundelieb

Wir haben Nala – so heißt die schwarze Labrador-Hündin, die jetzt seit zwei Wochen bei uns wohnt – über die Dogsharing-Plattform Hundelieb gefunden. Die Plattform ist technisch zwar nicht das Non Plus Ultra – so muss man sich hier auf lange Ladezeiten einstellen – funktioniert aber trotzdem sehr gut!

Nachdem ihr euch ein Profil angelegt habt, müsst ihr hier einige Informationen angeben. Zuerst einmal natürlich, ob ihr einen Hund sucht, oder euren Hund gerne mit anderen teilen würdet. Falls ihr einen Hund sucht, gebt ihr an, wo ihr wohnt, ob ihr Vorerfahrungen mit Hunden habt, welche Ausbildungen ihr dahingehend habt, wonach ihr auf der Suche seid und wie euer Haushalt zusammengesetzt ist. So können Hundebesitzer euer Profil besser einschätzen und entscheiden, ob der Hund zu euch passt. 

Screenshot Hundelieb Dogsharing
Screenshot von Hundelieb.de erstellt von Moritz Stoll

Auch Hundebesitzer geben auf der Dogsharing-Plattform einige Informationen zu ihren Hunden. Ob sie mit Kindern, Katzen und anderen Hunden klar kommen oder ob sie kastriert und versichert sind. In jedem Fall solltet ihr euer Profil mit einer Beschreibung versehen, in der ihr entweder euch und euer Leben oder den Hund beschreibt. Zusätzlich bietet Hundelieb die Möglichkeit kurze Videos von eurem Hund hochzuladen, was hilft, sich ein Bild von den Hunden zu machen!

So ist Nala zu uns gekommen

Nachdem wir also unser Profil angelegt hatten, konnten wir uns all die Hunde ansehen, die Besitzer dort reingestellt haben. Ziemlich schnell haben wir dann Nala gefunden und ihr Profil favorisiert. Dasselbe hat dann auch Nalas Besitzerin mit unserem Profil gemacht. Dieses gegenseitige Favorisieren entspricht etwa einem “Match” auf Tinder und schon konnten wir miteinander schreiben und uns zu einem Kennenlerntreffen verabreden. Das haben wir dann auch getan und Nala bei diesem Spaziergang direkt ins Herz geschlossen. Ihre Besitzerin hat uns während unseres Spaziergangs alles wichtige erzählt. Wie sie tickt, was sie braucht und worauf wir achten müssten.

Bevor wir uns aber final dafür entschieden haben, Nala den Juli über bei uns aufzunehmen, musste sie zuerst noch eine Nacht bei uns schlafen. Sozusagen die Dogsharing-Bewährungsprobe für alle Parteien. Immerhin ist es für den Besitzer, wie auch für diejenigen, die den Hund bei sich aufnehmen, wichtig zu wissen, dass das ganze funktioniert. Nun ja: Es hat funktioniert und jetzt wohnt Nala hier für den Juli. Zur Zwischenmiete sozusagen. Drei mal täglich Gassi gehen, früh aufstehen, um vor der Arbeit noch eine große Runde zu gehen, Hundekot mit einer Plastiktüte aufheben. All diese Dinge habe ich noch nie gemacht und kann sie jetzt ausprobieren. Bisher gefällt es mir gut – der Teil mit dem Kot aufheben ist zwar nicht gerade mein Highlight, aber okay. Wir haben aber auch noch zwei Wochen vor uns! Mal sehen :) Ich kann Unentschlossenen und Leuten, die einfach gerne mal wieder einen Hund um sich hätten, Dogsharing aber auf jeden Fall empfehlen!


Bild von Halfpoint via stock.adobe.com

Moritz Stoll

kann ALLES... solange er googlen kann. Hat außerdem Medieninformatik studiert, ist als Redakteur fester Bestandteil der Netzpiloten-Redaktion, macht den Netzpiloten-Podcast Tech und Trara und arbeitet nebenbei als freiberuflicher Programmierer. Die Digitale Welt ist für ihn ein Ort voller Möglichkeiten und spannender Technologien, um damit Neues zu erschaffen, ganz viel auszuprobieren und sich in den vielen Ideen manchmal auch etwas zu verheddern.


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