Digitale Technologien im Sport

Die voranschreitende Digitalisierung, die in jeglichen Lebensbereichen ihren Einfluss zeigt, hat auch im Sport ihre Bedeutung und verändert das Verhalten und Handeln. Digitale Technologien bestimmen nicht nur in der Kommunikation mit Freunden und Familie unseren Alltag, sondern verändern auch unser Verhältnis zum Sport, unserem Selbstbild und die Art und Weise wie wir ihn ausüben. Für viele Menschen ist es mittlerweile unvorstellbar, einen Tag ohne Handy und Social Media zu verbringen.

Bezüglich des Sports hat sich vor allem (aber nicht nur) während der Pandemie, die Sichtweise auf die Nutzung digitaler Technologien im Sport verändert. Folglich blicken wir darauf, wie digitale Technologien im Sport aussehen können, was Vereine beachten müssen (welche Chancen und Herausforderungen bestehen), wie sie den sportlichen Wettkampf verändert haben und wie die Beziehung zwischen Sport und Technologien aussehen. Dabei richten wir unseren Blick auf aktuelle Entwicklungen. 

Wie sehen digitale Technologien im Sport aus?

Heutzutage sind vor allem Wearables, smarte am Körper getragene Elektrogeräte im Leistungs- und Freizeitsport weitverbreitet. Dazu zählen Westen, Brustgurte, Smartwatches (Armbänder und Uhren), Brillen, Gürtel, Kopfhörer und noch viele weitere Geräte. Die Funktionen sind dabei unterschiedlich. Eine weitere digitale Technologie-Innovation sind die cyber-physischen Systeme und nicht zu vergessen sind die Fitness- und Trainings-Apps.

Wearables

Fitness-Tracker die als Armband oder Gürtelclip getragen werden, erfassen die zurückgelegte Schritte und die Distanz auf Basis der Schritte, rechnen den Kalorienverbrauch aus, und stellen den Schlafrhythmus und die Gesamtaktivität der vergangenen sieben Tage oder 24 Stunden dar.

Pulsuhren hingegen messen die Herzfrequenz während des Trainings. Das ermöglicht wiederum eine erweiterte Trainingssteuerung mit Rücksichtnahme auf die eigene Herzfrequenz. Zusätzlich wird bei den neueren Geräten die Geschwindigkeit und Distanz per GPS gemessen und die Trainingsroute inklusiver Rückführung zum Startpunkt aufgezeichnet.

Smartwatches sind kleine Computer, die sich mit dem Smartphone verbinden lassen. Sie verfügen über die gleichen Funktionen wie Pulsuhren und Fitnesstracker, nur mit dem Zusatzpunkt der Benachrichtigungen. Seien es eingehende Anrufen, Nachrichten oder E-Mails.

Bei smarter Wäsche sind ultraflache Sensoren direkt in die textilen Gewebe mit eingearbeitet und sammeln so Daten auf der Haut. Das erlaubt genaue Messwerte und einen angenehmeren Tragekomfort. Es gibt mittlerweile Sportunterwäsche, die neben Herzfrequenz, Atmung und der Aktivität auch den Wasserhaushalt und die Körpertemperatur überwacht.

Auch in smarten Sportschuhen werden inzwischen Sensoren eingesetzt. Sie messen die Belastung und Balance und tragen so zur Verbesserung der Körperhaltung bei.

Zu sehen sind zwei männliche Hände. In der rechten Hand befindet sich ein aktiviertes Smartphone. Am linken Handgelenk befindet sich eine Smartwatch.
Image by Halfpoint via Adobe Stock

Fitness-Apps

Wir kennen sie alle, die vielen Fitness- und Trainings-Apps. Sie funktionieren ähnlich wie die Fitnesstracker, nur das alles über das Smartphone läuft. Sie sind zwar echt praktisch und motivieren zum Training, ersetzen aber keinen echten Fitness-Coach. Die Apps können nicht so genau schauen, ob wir Fehler in den Übungen machen, die auf Dauer womöglich sogar Haltungsschäden verursachen können. Es schadet daher nicht, zumindest gelegentlich unter Aufsicht von geschulten Experten zu trainieren.

Cyber-physische Systeme im Sport

Eine weitere digitale Technologie, die im Sport genutzt werden kann, ist die Idee der cyber-physischen Systeme. Das Sportgerät, wie zum Beispiel ein Schläger im Golf, Tennis oder ein Skistock im Wintersport, ermöglicht nicht nur die Ausführung der Sportart, sondern erfasst simultan relevante Messwerte zur Belastung und Bewegung und kommuniziert direkt mit einer Dateninfrastruktur. Der Mehrwert liegt darin, dass die aktiven Sportler*innen ein Livefeedback erhalten. Zudem werden Trainer*innen und Wissenschaftler*innen umfangreiche Datensätze zugeschickt, die analysiert und ausgewertet werden können.

Chancen und Herausforderungen für Sportvereine

Mit den Möglichkeiten der digitalen Transformation der verschiedenen Sportarten sind beträchtliche Aufwände verbunden, die nicht alle Vereine, Ligen oder Sportarten tragen können. Nicht alle haben das Geld, sich mit den modernsten digitalen Trainingsunterstützungen auszustatten. Das wiederum führt in gewisser Weise zu einer Wettbewerbsverzerrung, bei der die sportlichen Erfolgsaussichten beeinträchtigt werden können.

Digitale Technologien werden sowohl im Praktischen, heißt Training, Wettkampf usw. als auch im administrativen-organisatorischen Vereinsbereich genutzt. Blickt man auf den Geschäftszweig des Sportbusiness, helfen digitale Technologien vor allem bei der internen und externen Kommunikation, Organisation, klassischen Verwaltungsaufgaben und der Außen-Präsentation. Für Weiterbildungen, Generierung alternativer Einnahmen aber auch in sportnahen Bereichen wie der Übertragung von Sportveranstaltungen, Trainingssteuerung, Wettkampfanalysen werden sie eher selektiv genutzt.

Der sportliche Wettkampf hat sich verändert

Im Sport geht es schon länger nicht mehr nur um die Athlet*innen, die sich in einem Wettkampf messen. Es ist eine Industrie geworden in den Millionen von Menschen arbeiten und ihr Geld verdienen. Wirtschaftlich gesehen macht die Sportindustrie rund 1 Prozent des globalen BIP aus und besitzt einen Wert von 600.-700. Milliarden US-Dollar. Darüber hinaus dient der Sport dazu Unternehmen oder Produkten Emotionen zu verleihen und die Brands mit einem positiven Image darzustellen. Milliarden von Euro fließen mittlerweile jährlich in das Sponsoring der verschiedenen Brands in Bezug auf Sport.

Das Ziel der kommerziellen Ligen wie der NBA, NFL, der Premier Leaque oder der deutschen Bundesliga ist es eigentlich einen fairen ausbalancierten Wettkampf zu veranstalten und zu verhindern das keine Chancenungleichheit unter den Vereinen und Athlet*innen entsteht. Manch ein Bundesliga Fan lacht jetzt laut auf. Jeder Athlet muss die Chance haben gewinnen zu können. Tech-Unternehmen und ihre neunen Errungenschaften können den kompetitiven Gedanken vom Sport stören und in ein Ungleichgewicht bringen.

Die Beziehung zwischen Sport und Technologien

Digitale Technologien und Sport haben eine dynamische Beziehung zueinander. Der Sport ist wie bereits erwähnt ein Platz geworden, um neue Technologien auszuprobieren. Technologien sind zur selben Zeit aber auch eine Quelle der Störungen für den Sport. Alle Aspekte, wie der Sport ausgeführt, zugesehen, monetarisiert und vom Management reguliert wird, werden durch den Einsatz von technologischen Innovationen revolutioniert und beeinflusst.

Technologien verbessern die Performance von Athlet*innen

In der Vergangenheit wurden Training und Wettkampfvorbereitungen von intuitiven Praktiken bestimmt. Man folgte dem bewährten Weg, ohne genau zu wissen warum. Heutzutage wenden sich Sportler, ob Profis oder Amateure oder Freizeitsportler, zunehmend neuen Technologien zu, um das Beste aus ihren körperlichen und geistigen Fähigkeiten herauszuholen und einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen. Die Technologien verändern grundlegend die Art und Weise wie trainiert und sich gemessen wird. Zu den Technologien gehören heute Sensoren und Geräte die nahe am Körper sind, Wearables und Leistungs-Tracking-Systeme, die am Körper getragen werden, sowie Smart-Pills und Implantate im Körper. All diese Technologien zielen darauf ab, die sportliche Leistung durch die Messung und Interpretation von Fitness- taktischen- und technischen Daten auf individueller oder Teamebene Leistungsfeedback und Trainingshinweise zu geben. Sie helfen den Athlet*innen Verletzungen vorzubeugen, Stress zu bewältigen und Überlastungen zu erkennen. Die meisten dieser Technologien sind vor und nach dem Wettkampf erlaubt, aber nicht während des Wettkampfs.

Technologien im Wettkampf

Der technologische Einfluss ist besonders bei paralympischen Wettkämpfen zu beobachten. Viele paralympische Sportler*innen sind auf technische Hilfsmittel angewiesen, um ihren Sport ausüben zu können. Innovation entsteht hier also im Bereich des größten Bedarfs. Viele Experten erwarten neue Leistungsrekorde eher bei den Paralympics als bei den Olympischen Spielen. Wann das eintreten wird, bestimmt der technische Fortschritt. Es ist gut vorstellbar, dass die technischen Hilfsmittel in nur wenigen Jahren den Athlet*innen eine bessere Leistung ermöglichen als ein Mensch ohne Hilfsmittel es je hätte erreichen können.

In dem Zusammenhang ist der Fall von Markus Rehm besonders interessant. Der zweifache paralympische Weitsprungsieger, der sich jahrelang auf internationaler Ebene gegen Nicht-behinderte Menschen durchgesetzt hatte, wollte 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teilnehmen. Dieser Traum wurde ihm aber versagt, da er nicht rechtzeitig beweisen konnte, dass seine Prothese ihm keinen Vorteil gegenüber den anderen Athlet*innen verschafft. 

Im Gegensatz zu den Paralympics schränkt der Olympische Verband jedoch den Einsatz von Technik ein, um einen fairen Wettkampf zu gewährleisten. Vor ca. 10 Jahren hat beispielsweise der internationale Schwimmverband begonnen spezielle Schwimmanzüge zu erlauben. Daraufhin wurden in 17 Monaten über 130 neue Weltrekorde aufgestellt. Schlussendlich entschied sich der Schwimmverband die Anzüge zu verbieten. In ähnlicher Weise hat der internationale Dachverband der Leichtathletik neue Vorschriften für Laufschuhe angekündigt, um dem wachsenden Einfluss von Ausrüstung auf die Leichtathletik entgegenzuwirken. Neben den Technologien, die auf dem Spielfeld zum Einsatz kommen, gibt es zahlreichen Technologien die den Sport abseits des Feldes verbessern, d. h. den Konsum und Management des Sports.

Digitale Technologien verbessern den Sportkonsum?

Neue Technologien verbessern die Art und Weise wie Menschen Sport konsumieren und erweitern die Erfahrungen für Fans und Zuschauer. Zum Beispiel durch das Aufkommen der Sozialen Medien entstehen immer wieder neue Arten von Content, seien es Originalvideos der verschiedenen Sportvereine, redaktionelle Beiträge, Sport-News, Spielresultate via App oder ganze Streaming-Plattformen a la DAZN. Ein spezifischeres Beispiel wären die computergesteuerten 360° Drohnen, die die Übertragung von Sport-Events erweitern. Aber auch im Bereich der Vermarktung profitieren die Akteure von der Digitalisierung. Verein und Spieler*innen können dank Sozialer Medien näher mit ihren Fans interagieren und Gemeinschaften und Netzwerke entstehen. Darüber hinaus ermöglichen die im Internet entstandenen Transaktions-Plattformen einen schnelleren und leichteren Verkauf von Tickets, Merchandise und weiteren Artikeln.

Außerdem entstanden ganz neue Business-Zweige wie der Fantasy Sportbereich mit Apps wie Comunio und Kickbase, die in ihrer mobilen Version genau wie die Sportwett-Industrie einen großen Aufschwung erlebt haben.

Digitale Technologien verbessern das Sportmanagement

Neben sportlichen Leistungen und dem Sportkonsum verbessern technologische Innovationen und digitale Instrumente das Management von Sporteinrichtungen, Mannschaften, Verbänden, Ligen, Veranstaltungen, Fitnessstudios und Medienunternehmen.

Maßgeschneiderte Apps helfen Teams und Trainer*innen bei der Suche und Rekrutierung von Talenten, Stadien bei ihren internen Abläufen oder der Organisation von Turnieren, Ligen, Rennen und anderen Sportereignissen. Das Schiedsrichten hat sich ebenfalls durch die neuen (digitalen) Technologien verändert. Mikrophone und Knöpfe im Ohr sorgen für eine bessere Kommunikation, das Ziehen von Abseitslinien, Torlinientechnologien und Videoschiedsrichterassistenzen haben die Entscheidungsfindung vieler Sportarten beeinflusst und werden in Zukunft bei Sicherstellung der Zuverlässigkeit weiterverbreitet und vermehrt genutzt

Digitale Technologien ermöglichen neue Arten von Athleten und Wettkämpfen

Vielleicht ist es zurzeit noch unvorstellbar, dass ein Team aus Robotern oder Maschinen in Sportarten wie Fußball, Basketball etc. ein menschliches Team schlagen könnte. Computer können aktuell strukturierte Spiele mit klaren Regeln spielen. So schlug schon 1996 der Computer Deep Blue den damaligen Schach-Großmeister Garri Kasparow in einem von sechs Partien Schach. Künstliche Intelligenzen sind in der Lage Menschen beispielsweise in Dota 2 zu besiegen. Natürlich unter mithilfe von Programmierern und maschinellem Lernen. Hierzu ist sicherlich unser ausführlicher Artikel über künstliche Intelligenzen interessant. 

Die RoboGames waren ein Wettkampf bei denen Menschen indirekt mit Robotern gegeneinander antraten. Die Unterstützer und Mitglieder des RoboCups verfolgen die Vision bis 2050 ein Team autonomer humanoider Roboter gegen den amtierenden Fußballweltmeister antreten zu lassen und zu gewinnen. In der Formel E ist es geplant bald autonome Roboracer gegeneinander antreten zu lassen. Das Ziel ist es, dass verschiedene Teams mit der gleichen Hardware gegeneinander antreten. Der Wettbewerb findet also im Algorithmus-Design und der Konzeption künstlicher Intelligenz statt. 

Digitale Technologien fördern die Entwicklung neuer Sportarten

Es hat über 30 Jahre lang gedauert, bis Trend- oder Extremsportarten mainstream und anerkannt wurden. Technologien verbessern und erweitern nicht nur bestehende Sportarten, sondern erschaffen sogar neue. Das beste Beispiel dafür ist der E-Sport, der sich von einer Nischen-Subkultur zu einer Milliarden US-Dollar Industrie entwickelte. E-Sports besitzt das Potenzial der größte Sport mit den meisten Zuschauern und Spielern zu werden. Es ist nur noch eine Frage der Zeit ab wann E-Sports olympisch wird. Ab 2022 ist E-Sport schon Teil der Asienspiele.

Weitere Sportarten wie z. B. Drohnenrennen haben sich in den letzten Jahren von einem Hobby zu einem Sport mit internationalen Ligen, professionellen Wettbewerben und einer wachsenden Fangemeinde entwickelt.

Darüber hinaus entstehen gänzlich neue Sportarten die mithilfe von künstlichen Intelligenzen und Deep-Learning-Algorithmen entworfen wurden. „Speedgate“ enthält Elemente von Rugby, Fußball und Krocket. Bisher hat sich diese Sportart noch nicht durchgesetzt.

Die Zukunft des Sports

Digitale Technologien werden auch in Zukunft eine große Rolle in der Entwicklung des Sports spielen. Sei es der Sport selbst der sich verändert, das Verbraucher*innen-Verhalten oder die bestehenden Geschäftsmodelle. Dennoch ist die Vorhersage der Entwicklungen einer oder mehrerer Technologien und ihre zukünftigen Auswirkungen eine komplexe Aufgabe. Unsere Welt wird sich in den kommenden Jahrzehnten noch radikaler verändern als in den vergangenen hundert Jahren. In nur Jahrzehnten wird eine neue Welt entstanden sein, in der sich die jungen Menschen die Welt nicht vorstellen können in der wir heute leben. Es ist also gut möglich dass der Einfluss digitaler Technologien so groß sein wird, dass auch der Sport völlig neue Facetten in seinem Dasein und der Ausübung zeigen wird.  


Image by vitaly_melnik via Adobe Stock

 

Jannes van Dreumel

Studierte Sportwissenschaft und Geschichte und ist in den Bereichen selbsternannter Experte. Darüber hinaus interessiert er sich besonders für Film, die ein oder andere Serie, Games, Politik, Musik und Comedy (also für so ziemlich alles) und versucht nun als Redakteur bei den Netzpiloten zu glänzen.


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