„App-Store fürs Smart Home“: Conrad Connect Service Marketplace ausprobiert

Neben Alexa, Google Assistant und HomeKit etabliert sich Conrad Connect hierzulande Schritt für Schritt als vierte große Smart-Home-Plattform. Das Start-up aus Berlin kommt ohne eigenen Sprachassistenten aus und verzichtet bislang auf Smartphone- und Tablet-Apps. Statt nach Effekten zu heischen, bündelt Conrad Connect unter einer schlichten Web-Oberfläche immer mehr Funktionen, die ein smartes Zuhause wirklich intelligent machen. Bisher konzentrierte der Anbieter sich auf die Vernetzung diverser großer und kleiner Geräte-Hersteller mittels eines Regel-Editors. Nun will er Nutzern die Smart-Home-Steuerung durch Dienstleistungen aus eigenem Hause und von Partnern erleichtern. Darauf greifen Nutzer mittels des neuen Conrad Connect Service Marketplace zu.

Neue Services sollen automatisch vor zu stromhungrigen Geräten warnen, Haushaltsvorräte aufstocken, oder Rettungskräfte und Notfallkontakte alarmieren. Das ist der Anfang, denkbar ist noch viel mehr. „Vergleichbar mit einem App Store fürs Smart Home können Nutzer durch den Einsatz zusätzlicher Anwendungen und Dienste den vorhandenen Gerätebestand zuhause aufwerten. Wir schließen damit die Lücke zwischen dem vernetzten Leben der Nutzer und realen Dienstleistungen“, erklärt Andreas Bös, Senior Director bei Conrad Connect.

Ausprobiert: Smarter Dienst misst, ob der Kühlschrank zu viel Strom verbraucht

Als einer der ersten Partnerdienste ist die Stromanalyse von Fresh Energy im Conrad Connect Service Marketplace verfügbar. Vorerst kostenlos für die Nutzer misst dessen Dienstangebot Fresh Compare, wie viel Energie Geschirrspülmaschinen, Waschmaschinen und Kühlschränke verbrauchen. Anschließend errechnen Algorithmen, ob es sich um akzeptable Werte handelt und inwiefern Neuanschaffungen Geld sparen könnten. Dazu vergleicht Fresh Energy den Energieverbrauch des gemessenen Gerätes mit den Durchschnittswerten eines vergleichbaren Modells.

Um den Dienst in Anspruch zu nehmen, braucht niemand eine WLAN-fähige Waschmaschine oder einen Kühlschrank mit Internet-Zugang. Stattdessen schalten Nutzer ein smartes Strommessgerät von Mystrom, Sygonix oder Zipato zwischen, verbinden diesen mit dem Account bei Conrad Connect und geben Fresh Energy über die Plattform darauf Zugriff.

Uns hat Conrad Connect dafür einen WLAN-Stecker von Conrad-Eigenmarke Sygonix zur Verfügung gestellt. Diesen haben wir per iPhone-App eingerichtet, zwischen Kühlschrank und Steckdose gesetzt und anschließend in unser Nutzerkonto eingebunden. Dort ist von einem Abonnement in Bezug auf Fresh Compare die Rede. Tatsächlich handelt es sich aber um einen Einzelabruf, den wir manuell anstoßen. Tun wir das, erhalten wir postwendend eine Auswertung per E-Mail.

Langfristige Messung von Vorteil

Als Analysedauer für die Strommessung haben wir drei Tage angegeben. Davon ausgehend hat Fresh Energy den Verbrauch auf einen Monat hochgerechnet und mit dem Durchschnitt verglichen. Das Ergebnis: Unser Liebherr-Mittelklassemodell aus 2010 schneidet im Vergleich „gut“ ab. Wünschten wir uns mehr Energieeffizienz liefert die E-Mail gleich einen Link zum Online-Shop von Conrad.

Conrad Connect Service Marketplace Fresh Compare
Wie gut haushaltet euer Kühlschrank mit dem Strom. Der Dienst Fresh Compare zeigt es im Vergleich. Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt

Wie hoch die Aussagekraft nach einem dreitätigen Test ist, können wir nicht beurteilen. Eine Messung über mindestens drei Monate scheint aber vorteilhafter, damit Fresh Compare einen geringen, mittleren und höchsten Verbrauchswert vergleichen kann.

Mit diesem Dienst schließt Fresh Energy eine Lücke. Zwar lässt sich der Stromverbrauch schon länger messen, aber ohne eine Einordnung ist der Datenschatz nichts wert. Fresh Compare verhilft Nutzern insofern zu einem besseren Verständnis und ermöglicht ihnen Mehrwert aus den Daten zu ziehen, die ein Smart Home kontinuierlich anhäuft.

Von einer Automatisierung kann hier allerdings keine Rede sein, da der Dienst eigenhändig aktiviert werden muss. Außerdem zahlt er sich erst langfristig aus. Da er aber nichts kostet, schadet das Ausprobieren nichts. Nur den Kauf eines WLAN-Steckers müssen Nutzer einplanen. Der von uns verwendete Stecker kostet rund 30 Euro.

Intelligente WhatsApp-Nachrichten fürs Smart Home

Ein weiterer bereits freigeschalteter Dienst auf dem Conrad Connect Service Marketplace stammt vom Anbieter Unified Inbox und dreht sich um Intelligentes Messaging fürs Internet of Things. Wenn Nutzer die entsprechenden Funktionen für 1,99 Euro im Monat abonnieren, können sie ihr Zuhause über die Messaging-Apps WhatsApp und Viber bedienen. Beispielsweise lassen sich dann Smart-Home-Szenarien aus der Ferne per WhatsApp starten. Alternativ informiert das Smart Home via Messaging-Dienst den Nutzer oder seine Kontakte über ein bestimmtes Ereignis.

Conrad Connect Unified Inbox
Per WhatsApp das Smart Home steuern? Mit dem Dienst Unified Inbox im Conrad Connect Service Marketplace geht das. Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt

Der Conrad Connect Service Marketplace kauft für euch ein

Demnächst verfügbar ist OrderThis, eine intelligente Shopping-Hilfe aus dem Otto-Konzern. Verknüpfen Nutzer OrderThis mit ihrem Account bei Conrad Connect, analysiert der Dienst beispielsweise den Füllstand der smarten Kaffee- oder Waschmaschine. Bei Bedarf bestellt er automatisch Kaffeekapseln oder Waschmittel nach.

„Damit nicht für jede einzelne Nachfüllpackung ein Versandkarton eintrifft, legt der Dienst Warenkörbe an veranlasst die Lieferung nach zuvor festgelegten Intervallen“, erklärt Lasse Maddey von der Otto Group. OrderThis arbeitet dafür mit mehreren Online-Händlern zusammen, sodass Nutzer Verbrauchsmaterialien aus mehreren Quellen statt nur von Otto beziehen können. Der Dienst wird provisionsbasiert abgerechnet. Welche Kosten auf Nutzer zukommen, ist noch nicht bekannt.

OrderThis Conrad Connect
Lasse Maddey von der Otto Group erklärte uns auf der IFA 2018, wie der Dienst OrderThis zusammen mit Conrad Connect funktionieren wird. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Das Smart Home alarmiert Rettungskräfte

Neben Komfort steht das Smart Home auch für mehr Sicherheit. Smarte Rauchmelder, Wassersensoren, Videokameras und andere Sicherheitssysteme erleichtern es Nutzern bereits durch Nachrichten aufs Smartphone, schneller auf Ereignisse reagieren zu können.

Doch was ist, wenn Nutzer den Hinweis übersehen oder gar nicht vor Ort sind? Für diesen Fall steht demnächst auf dem Conrad Connect Service Marketplace ein Angebot vom Konzern Versicherungskammer zur Verfügung. Sein Service namens Smart Home Security Assistenz leitet bei einem Brand, Wasserschaden oder Einbruch das Alarmsignal an ein Assistenzzentrum weiter. Dort schreitet ein Team sofort ein und benachrichtigt Nutzer sowie Notfallkontakte. Falls niemand erreichbar ist, ruft es Einsatzkräfte herbei.

Voraussetzung ist, dass Nutzer ihre Sicherheitssysteme über den Conrad Connect Service Marketplace mit dem Dienst des Konzerns Versicherungskammer verknüpfen. Welche Kosten für Nutzer dabei anfallen, teilte Conrad Connect bisher nicht mit.

Künstliche Intelligenz automatisiert das Smart Home

Ein gängiger Einbruchschutz ist das Simulieren von Anwesenheit. Smarte Lampen oder Rollläden starten dann zeitgeschaltet, wenn Bewohner außer Haus sind. Solche Routinen können sie per App oder Sprachbefehl aktivieren. Noch komfortabler wäre es, wenn sie gar nicht mehr daran denken müssten. Dafür will der Dienst Signal Cruncher sorgen, der bald ebenfalls auf dem Conrad Connect Service Marketplace auswählbar ist.

Signal Cruncher lernt aufgrund der Geräteaktivität das Nutzungsverhalten der Bewohner. Auf dieser Basis will er automatisch in entsprechenden Situationen Geräte starten, ausschalten oder regulieren. Dafür verwendet der Dienst Machine Learning, ein Rechenverfahren, das landläufig auch als eine Form der Künstliche Intelligenz bezeichnet wird. Die für diesen Service anfallenden Kosten sind noch nicht bekannt. Nutzer müssen aber eventuell nicht nur bereit sein, dafür in die Tasche zu greifen, sondern auch sehr viel Privates preiszugeben und auf den Servern eines Cloud-Anbieters zu speichern.

So nutzt ihr den Conrad Connect Service Marketplace

Smart-Home-Geräte mit Dienstleistungen zu vernetzen, sucht derzeit noch seinesgleichen. Im Vergleich zu Amazon und Google, deren Geräte und Dienste auf Conrad Connect übrigens auch vertreten sind, erarbeitet sich die Plattform aus Deutschland somit einen Vorsprung. 

Den Service Marketplace erreichen angemeldete Nutzer über einen Link in der oberen Menüleiste ihres Accounts bei Conrad Connect. Um die Angebote zu sichten, reicht eine kostenlose Mitgliedschaft bei der Plattform. Erst wenn Nutzer die Dienste abonnieren, entstehen gegebenenfalls Kosten.

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Images by Berti Kolbow-Lehradt


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