„Das Gesamtpaket macht den Unterschied“ – Alex Wätzel über die Hardware eines professionellen Retouchers

Alex Wätzel ist Commercial Retoucher und arbeitet mit großen Marken wie Nikon, Swarovski, Palmolive oder Cosmopolitan zusammen. Alex ist außerdem Tech-Enthusiast und Gamer. Daher kennt er sich mit den Geräten, die er für seine Arbeit nutzt, sehr gut aus. Er arbeitet nicht mit einem MacBook Pro, was gerade im visuellen und gestalterischen Bereich eher ungewöhnlich ist. Stattdessen arbeitet er mit einem Aero 17 von Gigabyte und Windows 10. Wieso das eine gute Wahl für den Job ist, wie er als Retoucher arbeitet, worauf man als Gestalter beim Kauf neuer Hardware achten sollte und ob man auf dem Aero 17 auch zocken kann, haben wir mit ihm im Interview besprochen!

Wir hatten das Aero 17 HDR übrigens auch schon einige Wochen im Test. Hier lest ihr, wie uns die MacBook-Alternative für Gamer gefallen hat.  

Wie bist du zum Commercial Retoucher geworden? War das schon immer dein Plan?

Ganz und gar nicht. Ich habe mit einer Mediengestalter Ausbildung begonnen und diese dann mit einem Design Studium fortgesetzt. Der Plan war eigentlich, in die Art Director-Richtung zu gehen. Im Studium bin ich dann aber zur Fotografie gekommen und über diesen Umweg dann zum Vollzeit-Retuscheur.

Was kann man am Anfang tun, um sich schnell zu verbessern und an Jobs zu kommen?

Practise makes perfect. Klingt nach einem Klischee, aber es ist nun mal wirklich so. Außerdem verschafft es einem am Anfang ein reichhaltiges Portfolio, mit dem sich dann aktiv bei potentiellen Kunden vorstellen kann. Heutzutage sollte man auch Plattformen wie Instagram nicht außen vorlassen, obwohl ich da sagen muss, dass ich darüber kaum zahlende Kunden akquiriere. Aber es ist super für Branddeals und Kollaborationen.

Aero Banner

Was ist dir bei Hardware für deinen Job wichtig?

Ich würde sagen Zuverlässigkeit und Flexibilität. Gerade heutzutage entwickeln sich Hardware und Software so schnell, dass es gut ist, ein System zu besitzen, mit dem man für alles gewappnet ist. Neben der generellen Leistungsfähigkeit ist Zuverlässigkeit das A und O. Der schnellste Laptop/Desktop bringt einem gar nichts, wenn die Software nicht läuft, es Treiberprobleme gibt oder das Kühlsystem aufgibt, weil man in einem warmen Land arbeitet. Am Ende brauche ich meine Hardware, um damit Geld zu verdienen und da darf einfach nichts schief gehen.

Worauf sollte man beim Hardware-Kauf achten, wenn man visuell und gestalterisch arbeitet?

Meiner Erfahrung nach trennt sich die Spreu vom Weizen bei den Displays. Grundsätzlich kann man ja sagen, dass so ziemlich alle Hersteller mit Wasser kochen, was die Innereien angeht, aber das Gesamtpaket und gerade die Displays sind die größten Unterscheidungsmerkmale. Ich als Retuscheur bin bei einem Laptop auf Farbgenauigkeit am meisten angewiesen. Ich muss meine Displays problemlos kalibrieren können und das am besten auch so genau wie möglich. IPS Displays (seit neuestem auch OLED) mit 100% Adobe RGB Farbraumabdeckung sind da im professionellen Bereich die Grundvoraussetzung.

Darüber hinaus kommt es auf die verwendete Software an, da sollte man sich genau informieren. Photoshop zum Beispiel läuft super mit schnellen CPU-Kernen, viel RAM und einer halbwegs flotten GPU. Capture One zum Beispiel, kann super durch viele CPU-Kerne beschleunigt werden, hat aber so gut wie keine GPU-Beschleunigung. Und Davinci Resolve profitiert enorm von einer sehr schnellen GPU, am besten auch noch mit RTX Unterstützung.

Was muss ein Notebook können, damit man als Kreativer gut damit arbeiten kann?

Ich würde sagen alles (in den realistischen Grenzen der Hardware) was man damit machen muss, solange wie es eben dauert. Für digitale Berufe ist es ja ein Werkzeug und als solches soll es die Arbeit erleichtern und ermöglichen und einen so gut es geht nicht limitieren. An langen Arbeitstagen retuschiere ich gut und gern bis zu 12h, da will ich nicht noch unnötige Pausen einlegen, weil das Notebook abkühlen muss oder abstürzt.

Mit welchem Gerät arbeitest du hauptsächlich?

Unterwegs arbeite ich seit März diesen Jahres ausschließlich mit dem Aero 17. Das Aero 17 ist für mich ein extrem rundes Package. Ich bevorzuge unterwegs, wenn ich keinen externen Monitor zur Verfügung habe, 17-Zoll Notebooks, dabei ist das Aero kaum größer oder schwere als die meisten 15-Zoll Notebooks. Dazu kommt die schnelle 8-Kern-CPU, mit extrem guter Turboentfaltung. Das Aero schafft bei Photoshop im Durchschnitt 4,4GHz-4,6GHz (hauptsächlich SingleCore Last) und rund 4,0 GHz bei Belastung auf allen Kernen. Das schaffen die wenigsten Notebooks. Hinzu kommen das hervorragende Display (100% AdobeRGB, DeltaE deutlich unter 1.0) und die schnelle GPU. Ich habe zusätzlich mein Aero noch auf 32 GB Arbeitsspeicher erweitert und eine weitere 1TB NVME-Festplatte  hinzugefügt, was ohne größeren Aufwand möglich war. 

Von den Hauptpunkten abgesehen finde ich die Tastatur des Aero extrem komfortabel. Mir fehlt oft der Nummernblock, sobald ich an einer Tastatur ohne einen sitze und auch was die Anschlussmöglichkeiten angeht, hat Gigabyte an nichts gespart. Zusätzlich sollte man auch noch die Steuersoftware von Gigabyte erwähnen. Hier hat man, wenn man will, Zugriff auf viele Stellschrauben, um das System auf die eigenen Vorlieben oder spezifische Aufgaben anzupassen. Will man lieber leise Emails schreiben, dann einfach die Lüfter im Quiet Modus und die Powerlevels für die CPU reduzieren, muss man stattdessen ein Video rendern, Lüfter auf MAX und Powerlevel auf Anschlag. Alles dazwischen geht natürlich auch.

Hast du schon immer mit dem Aero17 gearbeitet? Hast du zuvor schon andere Geräte getestet?

Vor dem Aero 17 hatte ich ein Razer Blade Pro 17 aus dem Jahr 2017. Daran zeigt sich recht deutlich wie sehr der Markt auf den Bedarf an 17-Zoll in einem „mobilen“ Formfaktor reagiert hat. Als ich 2017 nach einem Notebook mit gutem Display (das bedeutet mit 4k und 100% AdobeRGB), schneller GPU/CPU, 32GB RAM und relative schmalen Chassis gesucht habe, war das Razer somit die einzige Option. Das schlug sich mit etwa 4.500 Euro auch im Preis nieder. Zwei Jahre später bereits bringt Gigabyte das alles und noch mehr (bessere Individualisierung, Lüftersteuerung, vernünftige Kühlung, Aufrüstbarkeit, 8kern CPU, etc) für rund 2000 Euro weniger. Jetzt habe ich mit meinem Aero zum Beispiel bessere Individualisierungsmöglichkeiten. Aber auch die Lüftungssteuerung und Kühlung sind besser, ich kann Aufrüsten, habe eine 8-Kern-CPU sowie eine deutlich stärkere Grafikkarte für rund 2.500 Euro.

Gerade unter Kreativen gilt ja das MacBook Pro als Muss. Was sagst du dazu?

Ich halte davon gar nichts und das ist meiner Meinung nach ein Irrglaube, der noch aus einer anderen Zeit stammt. Macbooks sind definitiv schöne und gut designte Laptops, die jedoch einen sehr kleinen Anwendungsbereich im professionellen Umfeld haben und schnell an ihre Grenzen kommen. Ich habe nicht das Gefühl, dass mir irgendetwas entgeht, weil ich nicht auf einem MacBook arbeite und komme mit meinem Aero 17 gut klar.

Welche Programme nutzt du zum Retuschieren und Bearbeiten? 

Ich benutze hauptsächlich drei verschiedene Programme für drei verschiedene Anwendungsfälle. Alle drei sind eigentlich Industriestandard und laufen auf meinem Notebook super. Da wäre zum einen CaptureOne für die Verarbeitung von RAW Dateien, Photoshop für das Bearbeiten von Fotos sowie Davinci Resolve für Videoprojekte.

Benutzt du dein Notebook ausschließlich für die Arbeit oder auch privat?

Ich bin ja beruflich viel unterwegs und wenn ich zum Beispiel einen Monat in LA verbringe, mache ich alles mit meinem Notebook. Ich nutze es dann natürlich zum Arbeiten, für alles, was man im Internet halt noch so macht, Kundenkommunikation und natürlich auch zum Gamen nach Feierabend ;) Das geht dank der leistungsstarken Hardware auch wunderbar.

Wem würdest du die Arbeit mit einem Aero 17 empfehlen?

Ich würde so weit gehen, dass das Aero zur Zeit mit das beste Notebook ist für alles, was im visuellen Bereich passiert. Also Bildbearbeitung, Video, 3D, Game Development, Animation, etc. Durch die hervorragend Hardware-Ausnutzung ist es eigentlich für alles gewappnet, was man von einem mobilen Rechner erwarten kann.

Welche Ziele hast du dir für die Zukunft gesetzt?

Von Covid-19 mal abgesehen, würde ich gerne so weiter machen wie bisher. In spannende neue Kampagnen arbeiten (die letzte Große, war einen globale Kampagne für NIKON) und dabei die Welt sehen. Ich würde gerne auch länger in den Staaten arbeiten. Mal sehen, was sich ergibt.

Was gefällt dir an deiner Arbeit am meisten?

Am besten gefallen mir die Flexibilität und die Tatsache, dass ständig etwas Neues passiert. Man weiß eigentlich auch nie genau, was als Nächstes passieren wird.

Vielen Dank Alex für das nette Interview! Wir wünschen dir für deinen Job und auch privat alles gute!

 

Moritz Stoll

kann ALLES, aber nichts so richtig. Hat außerdem Medieninformatik studiert, ist als Redakteur fester Bestandteil der Netzpiloten-Redaktion, macht den Netzpiloten-Podcast Tech und Trara und arbeitet nebenbei als freiberuflicher Programmierer. Die Digitale Welt ist für ihn ein Ort voller Möglichkeiten und spannender Technologien, um damit Neues zu erschaffen, ganz viel auszuprobieren und sich in den vielen Ideen manchmal auch etwas zu verheddern.


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