Menschzentrierte Digitale Transformation – Passt das zusammen?

Lange Zeit bedeutete Digitale Transformation vor allem, viele Prozesse überhaupt in die digitale Welt zu transformieren. Mittlerweile sind wir an einem Punkt, wo es weniger darum geht, die Papiernutzung im Büro zu verringern, als aktuellere und effizientere digitale Werkzeuge zu nutzen. Oft bedeutet das nicht nur optimierte Prozesse, sondern auch mögliche Einsparungen am Personal. Mit der menschzentrierten Digitalen Transformation existiert aber auch eine Gegenbewegung, die den Menschen bei aller Modernisierung in den Vordergrund stellt.

Doch kann Digitale Transformation überhaupt funktionieren ohne den Menschen ein Stück weit zu ersetzen? Wir erklären warum das überhaupt eine Herausforderung ist und wie es trotzdem gelingt.

Was bedeutet menschzentrierte Digitale Transformation?

Digitale Transformation wird häufig mit neuen Technologien, Automatisierung oder Künstlicher Intelligenz gleichgesetzt. Tatsächlich umfasst sie jedoch weit mehr als die Einführung moderner Software oder digitaler Prozesse. Sie beschreibt den grundlegenden Wandel von Unternehmen, Organisationen und Arbeitsweisen durch den gezielten Einsatz digitaler Technologien. Neben Software, Hardware und Infrastruktur bedeutet das also auch, eine neue Denkweise zu etablieren.

Der Begriff menschzentrierte Digitale Transformation erweitert diesen Ansatz um eine entscheidende Perspektive: Nicht die Technologie steht im Mittelpunkt, sondern die Menschen, die mit ihr arbeiten. Digitale Lösungen sollen Mitarbeitende unterstützen, Kundenerlebnisse verbessern und Arbeitsabläufe vereinfachen – statt zusätzliche Hürden zu schaffen oder ausschließlich Effizienzsteigerungen zu verfolgen.

Dabei geht es nicht darum, auf Innovationen oder Automatisierung zu verzichten. Vielmehr wird bereits bei der Entwicklung und Einführung neuer Technologien berücksichtigt, welche Bedürfnisse, Erwartungen und Fähigkeiten die betroffenen Menschen haben. Dazu gehören beispielsweise eine intuitive Bedienung, transparente Prozesse, ausreichend Schulungsangebote sowie die Möglichkeit, Veränderungen aktiv mitzugestalten.

Eine menschzentrierte Digitale Transformation versteht Technologie deshalb als Werkzeug, das den Menschen stärkt. Ihr Ziel ist es, das Zusammenspiel von Mensch und Technik so zu gestalten, dass beide ihre jeweiligen Stärken optimal einbringen können. Denn nur wenn digitale Lösungen akzeptiert und sinnvoll genutzt werden, können sie langfristig ihren vollen Mehrwert entfalten.

Was macht eine Transformation wirklich menschzentriert?

Eine Digitale Transformation wird nicht allein dadurch menschzentriert, dass moderne Technologien eingeführt werden. Auch geht es nicht nur darum die Arbeitsplätze zu erhalten. Entscheidend ist vielmehr, wie diese Veränderungen geplant, umgesetzt und von den Menschen im Unternehmen erlebt werden. Schließlich kann selbst die beste Software kann ihr Potenzial nicht entfalten, wenn sie von den Mitarbeitenden nicht akzeptiert oder sinnvoll genutzt wird.

Um dies zu gewährleisten, ist die frühzeitige Einbindung der Mitarbeiter*innen elementar. Immerhin sind sie es, die durch die Digitale Transformation profitieren sollen. Die Einbeziehung der Mitarbeiter*innen lohnt sich aber ebenfalls, weil diese die täglichen Abläufe und Herausforderungen eigentlich besser kennen, als externe Beratungsfirmen. Eine frühe Einbeziehung ist also auch wichtig, um überhaupt die größten praxisbezogenen Potentiale für die digitale Transformation auszumachen. Zugleich ist die Akzeptanz auch höher, wenn sich die Mitarbeiter*innen von Beginn an mit eingebunden fühlen.

Überhaupt ist eine offene und transparente Kommunikation ein wichtiger Schlüssel. Veränderungen – sei es bei der Arbeit oder auch im Leben – lösen häufig Unsicherheit aus. Man verlässt zwangsweise Arbeitsweisen, die einen über Jahre in Fleisch und Blut übergegangen sind. Einführung von Künstlicher Intelligenz an sich kann zusätzlich für Angst oder Abneigung sorgen. Darum ist es wichtig nicht nur zu erklären WAS sich verändert, sondern auch WARUM die Veränderung nötig ist und welchen Nutzen sie für die Mitarbeitenden bringt.

Darüber hinaus spielt die Qualifizierung eine entscheidende Rolle. Digitale Werkzeuge entfalten ihren Mehrwert erst, wenn Beschäftigte sicher mit ihnen umgehen können. Schulungen, Weiterbildungsangebote und ausreichend Zeit zum Lernen sind daher keine Begleitmaßnahmen, sondern ein wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen Transformation. Feedback lässt sich zudem auch nutzen, um Oberflächen gut auf die Bedürfnisse der Nutzer*innen anzupassen.

Mensch und Technologie statt Mensch oder Technologie – Schwieriger als es klingt

Die größte Sorge vieler Beschäftigter besteht darin, durch neue Technologien ersetzt zu werden. Tatsächlich übernehmen Automatisierung und Künstliche Intelligenz bereits heute zahlreiche Aufgaben, die früher von Menschen erledigt wurden. Das macht durchaus Sinn, wenn es für die Arbeit ohnehin weniger Bewerber als offene Stellen gibt. So etwa, wenn man in der Gastronomie fehlendes Service-Personal durch Roboter und digitale Bestellwege ausgleicht. Zum Problem wird die Digitale Transformation, wenn sie Menschen auf die Straße setzt.

Das kann übrigens auch passieren, wenn sich die Aufgaben wegen der Transformation ändern. Die Tech-Bubble spricht gerne davon, dass Menschen nicht unnötig werden, sondern sich mehr um „komplexere oder kreativere Aufgaben“ statt der Routineaufgaben kümmern. Was dabei oft ausgelassen wird: Nicht jeder ist für diese Aufgaben gemacht. Manche brauchen die routinierten Abläufe und ihre Komfortzone einfach und das ist auch in Ordnung. Das Problem: Je eintöniger und datenzentrierter eine Aufgabe ist, desto einfacher ist sie oft zu ersetzen.

Je nach Branche ist es unumgänglich auf neue Technologien zu setzen, damit einem die Konkurrenz nicht abhängt. Auch hier hilft es aber, früh den Austausch mit den Mitarbeitern zu suchen. Entscheidungen müssen verständlich erklärt werden, die Möglichkeit geschaffen werden, den Wandel mit zu entscheiden und Möglichkeiten angeboten werden Personal möglichst frühzeitig umzuschulen oder bei der Suche nach einer neuen Stellen zu unterstützen.

Die 4. Industrielle Revolution und der Blick nach vorn

Auch die menschzentrierte Digitale Transformation kann nicht jede Stelle retten. Wir befinden uns aktuell mitten in der 4. Industriellen Revolution. Wie jede vor ihr, verändert sie nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch die allgemeinen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse. Es ist utopisch zu glauben, dass dieser Wandel ohne Opfer auskommt. Die menschzentrierte Digitale Transformation ist aber zumindest der Versuch, diese Opfer möglichst gering zu halten.

Während die 3. Industrielle Revolution mit der Automatisierung viele Arbeitsplätze ersatzlos strich, hat die jetzige Revolution den Vorteil, dass jüngere Entwicklungen auch die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine auf Augenhöhe bringen. Das bedeutet zwar, das Maschinen auch zunehmend komplexere Tätigkeiten übernehmen, es aber kein so radikales „entweder Mensch oder Maschine“ ist, wie bei früheren Revolutionen.

Das zeigt sich auch beim Begriff der Industrie 5.0 – der vermeintlichen nächsten Revolution. Diese ist eher eine Erweiterung der Industrie 4.0 um die jüngsten technischen und gesellschaftlichen Änderungen. Zu ihnen zählen neben KI auch menschliche Werte, Nachhaltigkeit und Krisensicherheit. Deren Zukunftsvisionen entsprechen eher dem Solarpunk, als dem Cyberpunk.

Gesellschaftlich scheint diese Richtung durchaus möglich. Die letzten Jahre reagierten bereits viele Unternehmen auf den gesellschaftlichen Wandel. Nachhaltigkeit, Diversität und Haltung sind für die Konsumenten immer wichtiger. Ob sich diese Entwicklungen gegen die zunehmend größeren geopolitischen Konflikten, aber auch den Spaltungen innerhalb der Gesellschaft behaupten können, müssen jedoch die nächsten Jahre zeigen.   


Image via ChatGPT (KI-generiert)

Das Internet ist sein Zuhause, die Gaming-Welt sein Wohnzimmer. Der Multifunktions-Nerd machte eine Ausbildung zum Programmierer, schreibt nun aber lieber Artikel als Code.


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