Meta Glasses: Wie alles, was ihr seht, aufgenommen und weiterverarbeitet wird

Mit den Smart Glasses von Meta verschmilzt Reales mit Digitalem. Ähnlich wie mit einem Smartphone, kann per Brille telefoniert, Musik gehört und Videos gedreht werden. Dank eines eingebauten KI-Assistenten bietet sie ihren Träger*innen außerdem die Antworten auf alle erdenklichen Fragen.
Anders als die meisten smarten Brillen, sind die von Meta alltagstauglich, unauffällig und erschwinglich. Sie bringen einen Hauch High-Tech in unseren Alltag und erinnern dabei optisch an ganz normale Brillen.

Doch was passiert mit den Bildern, Videos und Tonaufnahmen, die von den Brillen aufgezeichnet werden? Wo landen sie? Und wer bekommt sie zu Gesicht? 

Die Meta Glasses 

Der Technologiekonzern Meta Platforms wurde 2004 als Facebook von dem Studenten Mark Zuckerberg in den USA gegründet. Facebook entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem der größten sozialen Netzwerke weltweit.  
2012 kaufte Zuckerberg dann die Social Media Plattform Instagram, zwei Jahre später folgte der Messenger Dienst WhatsApp. Keine zehn Jahre später nannte sich das Unternehmen 2021 in Meta Platforms um. Abgeleitet ist der Name von dem Metaverse, einem Konzept das fortschrittliche immersive, virtuelle Räume und Möglichkeiten beschreibt. Der Konzern möchte beweisen, dass er mehr kann als nur soziale Plattformen. Auch die Arbeit an und mit künstlicher Intelligenz ist ein prägnanter Faktor in der Entwicklung Metas. 

Mittlerweile ist Meta eines der umsatzstärksten und bekanntesten Unternehmen weltweit. Das vergangene Jahr, 2025, beendete der Tech Gigant mit einem Umsatz von 200,97 Milliarden US-Dollar. Das ist mehr als das 11-fache des Umsatzes zehn Jahre zuvor, Metas Umsatz steigt also weiter exponentiell an. Auch die Smart Glasses trugen maßgeblich zu diesem bei und scheinen immer beliebter zu werden. Während in den Jahren 2023 und 2024 zusammen lediglich zwei Millionen Exemplare verkauft wurden, waren es im letzten Jahr über sieben Millionen. Was die Meta Glasses genau draufhaben, beleuchten wir in einem anderen Artikel genauer.

Der KI-Assistent 

Da dank der in der Brille eingebauten Kamera alles Mögliche aufgezeichnet werden kann, ist die Frage wo die Aufnahmen am Ende landen nicht unberechtigt. Zumal sie wohl für das Training der KI des inkludierten Assistenten “Hey Meta” genutzt werden – unabhängig von der Zustimmung der Nutzer*innen. 

Der KI-Assistent funktioniert folgendermaßen: Stellt euch vor ihr seid unterwegs, kommt an einem eindrucksvollen Gebäude vorbei und fragt euch, aus welchem Jahr es stammen könnte. Sobald ihr eure Frage an den Assistenten richtet, nimmt die Brille ein Bild des Gebäudes auf und leitet es an die Meta Server weiter. Das KI-Tool ist zu komplex, um es vollständig in der alltagstauglichen Brille zu verbauen. In den externen Servern wird das Bild analysiert und schließlich identifiziert. Der Assistent schafft es so, euch das Baujahr des Gebäudes innerhalb weniger Sekunden durch die Lautsprecher der Brille zu verkünden. 

Das KI-Training 

Um stetig zuverlässige Antworten liefern zu können, trainiert Meta ihre KI kontinuierlich. Der Konzern füttert ihr Bild-, Ton und Videoaufnahmen – und das scheinbar auch ohne jegliche Zustimmung oder Kenntnis der Brillenträger*innen.  

Journalist*innen der schwedischen Tageszeitungen Svenska Dagbladet und Göteborgs-Posten fanden im Rahmen ihrer Investigativ Recherche Erschreckendes heraus: Für diese begaben sie sich auf die Spuren unserer Daten – und landeten vor ein Bürokomplex an der ostafrikanischen Küste. 

In Kenias Hauptstadt Nairobi besitzt die Firma Sama mehrere solcher Gebäude. Ihr Hauptsitz ist zwar in Kalifornien, doch sie ist weltweit vertreten. Vor allem auf dem afrikanischen Kontinent beschäftigt Sama viele Mitarbeiter*innen, und geriet bereits wegen schlechter Arbeitsbedingungen in Verruf.  
Die Firma ist spezialisiert auf das Training von künstlichen Intelligenzen. Dafür inspizieren Menschen, umgeben von Überwachungskameras, Daten auf ihren Monitoren. Was genau sie auf den Monitoren vor sich sehen? Alles was die Brillen sehen – auch wenn der Aufnahmemodus nicht aktiviert ist. Sobald die Brille eingeschaltet ist, wird scheinbar alles aufgenommen, was auch die Augen der Träger*innen sehen. Problematisch dabei ist, dass die Smart Glasses ständig eingeschaltet sein müssen, um via Sprachbefehl auf den KI-Assistenten, die Kamera und weitere Funktionen zugreifen zu können.

So berichten Mitarbeiter*innen von Sama über nackte Körpern, intime Momenten und fragwürdige Unterhaltungen mit dem Assistenten, die sie Tag für Tag während ihrer langen Schichten auswerten und benennen sollen. Das Ziel ist die smarten Brillen effizienter, schlauer und menschlicher zu machen. Dafür identifizieren sie Objekte, beschreiben Bilder und überprüfen die Qualität der KI-Antworten. 

Meta beauftragt Sama dabei als externe Firma, und gibt nach der Veröffentlichung der Artikel der schwedischen Zeitungen an, nichts von den Arbeitsbedingungen vor Ort gewusst zu haben. Infolge des enormen internationalen Drucks, der mit den Artikeln einherging, beendete Meta letztlich im April diesen Jahres die Zusammenarbeit mit Sama. Dies führte zu einer der größten Personalabbau-Maßnahmen Samas jemals. Unzählige Mitarbeiter*innen, die in dem Job eine große Zukunftsperspektive sahen, stehen nun vor der Arbeitslosigkeit.  

Die Datenschutz-Problematik 

Zusätzlich verstößt die Lagerung der Nutzerdaten europäischer Bürger*innen in Ländern, die nicht den EU-Datenschutzstandards entsprechen, gegen die hiesige Datenschutz-Grundverordnung (DSVGO). Tatsächlich können Nutzer*innen der Smart Glasses nicht wissen, wie lange die Daten gespeichert werden und wer Zugriff auf sie hat.  

Doch wie kann das sein? Zwar kann in der Meta App ausgewählt werden, ob die eigenen Daten für Trainingszwecke mit Meta geteilt werden dürfen, allerdings scheint es sich hierbei lediglich um Tonaufnahmen zu handeln. Nicht abgelehnt werden kann dies für den KI-Assistenten, der ständig auf die Meta-Server zugreifen muss, um Bild, Text und Ton verarbeiten zu können. In ihren Nutzungsbedingungen weist Meta darauf hin, dass Träger*innen keine Informationen mit der Brille teilen sollten, die nicht an Meta geraten sollen. Das Problem der Smart Glasses ist also nicht die Optik oder der Tragekomfort, sondern der Umgang mit Nutzerdaten. 

Auch für die Sama-Mitarbeiter*innen stellt die Datenschutz-Problematik eine enorme psychische Belastung dar. Ein ehemaliger Mitarbeiter gibt gegenüber den schwedischen Zeitungen zu, sich vor, während und nach der Arbeit unentwegt unwohl zu fühlen. Dass er überhaupt mit den Journalist*innen sprechen würde, sei ein großer zusätzlicher Stressfaktor für ihn. Sama bringt ihre Mitarbeiter*innen mit umfangreichen Geheimhaltungsvereinbarungen zum Schweigen. 

Neben Meta arbeiten auch andere Konzerne mit Firmen wie Sama zusammen. Hasserfüllte, pornografische und gewalttätige Inhalte verschwinden nicht einfach so von unseren sozialen Plattformen. Dahinter stecken Menschen, die sich in eben diesen Bürokomplexen durch die dunkelsten Seiten des Internets wühlen müssen. 

Die Gesichtserkennung 

Anfang diesen Jahres veröffentlichte auch die New York Times einen kritischen Artikel zu den Meta Smart Glasses. Laut eigenen Angaben, soll der Zeitung eine unveröffentlichte Sprachnachricht zugespielt worden sein, in der es um die Einführung sogenannter “Name Tags” geht. Diese “Name Tags” sollen Personen, die den Brillenträger*innen über den Weg laufen, Namen zuordnen. Und das abhängig von ihren Meta-Konten. Wer also einen öffentlichen Instagram Account betreibt, kann demnach von Besitzer*innen der Meta-Brillen auf offener Straße jederzeit erkannt und identifiziert werden. 

Und es wird noch absurder. Laut der Sprachnachricht hat Meta die politische Lage der Welt, und besonders der USA, im Blick und plant mit der Einführung des Features zu einer turbulenten Zeit. So sollen mögliche Kritiker*innen mit anderen Themen, wie der Präsidentschaft des US-Amerikaners Donald Trump, beschäftigt sein.  

Mit Metas Datenschutz-Problematiken, Ausbeutungs-Skandalen und der geplanten Einführung eines Überwachungsfeatures, stellt sich die Frage, ob und inwiefern sich der Tech-Gigant zukünftig verantworten wird. Auch liegt die Frage nahe, wie begehrt die Smart Glasses wirklich sind, sollten diese Themen transparent aufgearbeitet werden. 


Image by cottonbro studio via pexels

Studiert Medien und Kommunikation in Hamburg. Interessiert sich besonders für digitale Trends und Entwicklungen und dafür, wie sie unsere Welt verändern.


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