Was ist die USK und wie arbeitet sie?

Videospiele sind längst ein fester Bestandteil des Alltags. Das gilt nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für Erwachsene. Entgegen immer gleich inszenierten Filmen sind wir dabei oft selbst der Held und treffen wichtige Entscheidungen. Bei dieser Immersion ist es wichtig, dass man Kinder bestmöglich vor Inhalten schützt, die für sie noch nicht geeignet sind. Eine zentrale Rolle übernimmt dabei die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). Doch was ist die USK und wie arbeitet sie überhaupt genau?

In diesem Artikel möchten wir euch erklären, was genau zu den Aufgaben der USK gehört und wie die bekannten Altersangaben den Spielen einzuordnen sind. Außerdem hatten wir kürzlich Marek Brunner von der USK bei uns im Podcast zu Gast. Dabei haben wir sehr viele interessante Details über seine Arbeit erfahren. Eine absolute Hörempfehlung, bei der Marek auch mit manchen Vorurteilen über die USK aufräumte.

Was ist die USK?

Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle ist die zentrale Prüfstelle für die Altersfreigabe von Videospielen in Deutschland. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, digitale Spiele im Hinblick auf ihren Inhalt zu bewerten und festzulegen, ab welchem Alter sie für Kinder und Jugendliche geeignet sind. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zum Jugendmedienschutz.

Gegründet wurde die USK im Jahr 1994, als Videospiele zunehmend an Popularität gewannen und ein einheitliches System zur Altersbewertung notwendig wurde. Seitdem hat sich ihre Arbeit stetig weiterentwickelt – insbesondere durch neue Technologien, Online-Funktionen und immer komplexere Spielinhalte.

Die USK ist eine Einrichtung der freiwilligen Selbstkontrolle der Gaming-Branche, arbeitet jedoch eng mit staatlichen Stellen zusammen. Ihre Entscheidungen basieren auf den Vorgaben des deutschen Jugendschutzrechts und sind rechtlich bindend. Eine wichtige Partnerinstitution ist dabei die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz, die den gesetzlichen Rahmen überwacht und sicherstellt, dass die Jugendschutzbestimmungen eingehalten werden.

Insgesamt fungiert die USK als Schnittstelle zwischen Spieleentwicklern, Behörden und der Gesellschaft: Sie sorgt für Orientierung, Transparenz und Schutz in der sich ständig wandelnden und wachsenden Gaming-Welt.

In Deutschland vergibt die USK verbindliche Alterskennzeichen für Videospiele. Diese sollen Eltern, Kindern und Käufern eine klare Orientierung geben, welche Inhalte für welche Altersgruppe geeignet sind.

Die fünf USK-Altersstufen im Überblick

Die USK-Bewertung berücksichtigt verschiedene Aspekte eines Spiels, darunter Gewalt, Sprache, Angstfaktoren, sexuelle Inhalte und die Gesamtwirkung auf junge Menschen. Wichtig ist: Die Altersfreigabe sagt nichts über die Qualität eines Spiels aus, sondern ausschließlich darüber, für welche Altersgruppe es geeignet ist.

Für den Handel in Deutschland sind diese Kennzeichnungen verpflichtend. Das bedeutet, dass Spiele ohne USK-Freigabe in der Regel nicht öffentlich verkauft werden dürfen.

USK 0 („ohne Altersbeschränkung“)
Spiele mit dieser Kennzeichnung sind für alle Altersgruppen freigegeben. Sie enthalten keine belastenden oder beängstigenden Inhalte und sind in der Regel familienfreundlich.

USK 6 („ab 6 Jahren“)
Diese Spiele können leichte Spannung oder vereinzelte, nicht realistische Gewaltdarstellungen enthalten. Sie sind jedoch insgesamt noch kindgerecht gestaltet.

USK 12 („ab 12 Jahren“)
Hier können bereits deutlich mehr Action, Spannung und auch konfliktreiche Inhalte vorkommen. Gewalt ist möglich, wird aber nicht detailliert oder realistisch dargestellt.

USK 16 („ab 16 Jahren“)
Spiele dieser Kategorie enthalten häufig realistischere Gewaltdarstellungen, intensivere Handlungselemente oder komplexere Themen, die für jüngere Spieler ungeeignet sind.

USK 18 („keine Jugendfreigabe“)
Diese Spiele sind ausschließlich für Erwachsene bestimmt. Sie können explizite Gewalt, drastische Inhalte oder andere Elemente enthalten, die als jugendgefährdend eingestuft werden.

Seit 2023 gibt es zusätzliche USK-Hinweise

Um die USK-Kennzeichnung noch besser einzuordnen, gibt es seit 2023 neben der Alterskennzeichnung auch noch zusätzliche Hinweise, warum ein Spiel diese bestimmte Freigabe erhält.

Zusätzlich weist die USK auch auf weitere Risiken unabhängig des Spielinhalts hin. Dazu gehören etwa kostenpflichtige Käufe im Spiel, Chatfunktion oder die Weitergabe des Standortes. Bei den Käufen werden Zufallsobjekte wie bei Lootboxen / Gacha-Mechaniken auch zusätzlich erwähnt.

Das beliebte Spiel Fortnite hat neben der USK 12-Altersfreigabe auch noch die Begründungen „Fantasy-Gewalt“, „Erhöhte Kaufanreize“ und „Druck zum Vielspielen“, nennt dort also auch Mechanismen, die potentiell schädliche Verhaltensweisen fördern. Als Hinweise zur Nutzung nennt sie zusätzlich „Chats“ und „In-Game-Käufe“

Wir empfehlen zusätzlich einen Blick in die Datenbank der USK, wo jeder Hinweis ausführlich in einer großen Box erklärt wird.

Die USK ist für den Handel bindend, für Eltern eine Orientierungshilfe

Im Verkauf müssen sich Händler an die Einordnung der USK halten. Die Herausgabe an Kunden unterhalb dieser Altersempfehlungen ist nicht erlaubt. §12 Absatz 1 des Jugendschutzgesetztes (JuSchG) besagt:

„Zur Weitergabe geeignete, für die Wiedergabe auf oder das Spiel an Bildschirmgeräten mit Filmen oder Spielen programmierte Datenträger (Bildträger) dürfen einem Kind oder einer jugendlichen Person in der Öffentlichkeit nur zugänglich gemacht werden, wenn die Programme von der obersten Landesbehörde oder einer Organisation der freiwilligen Selbstkontrolle im Rahmen des Verfahrens nach § 14 Abs. 6 für ihre Altersstufe freigegeben und gekennzeichnet worden sind oder wenn es sich um Informations-, Instruktions- und Lehrprogramme handelt, die vom Anbieter mit „Infoprogramm“ oder „Lehrprogramm“ gekennzeichnet sind.“

Für den Onlinehandel schreibt §1 des JuSchG zudem eine Altersverifizierung des Empfängers vor. Das ist der Grund, weshalb ihr manche Pakete von Amazon und Co nur persönlich und unter Vorzeigen des Personalausweises entgegennehmen dürft.

Für Eltern ist die USK-Einstufung nicht verpflichtend und sie können ihren Kindern auch Spiele für höhere Einstufungen kaufen. Dennoch sind die USK-Kennzeichen ein praktisches Werkzeug, um Kaufentscheidungen zu treffen und ihre Kinder vor ungeeigneten Inhalten zu schützen. Sie ersetzen jedoch nicht die eigene Einschätzung: Jedes Kind entwickelt sich unterschiedlich, weshalb Eltern zusätzlich auf die individuellen Bedürfnisse und die Reife ihres Kindes achten sollten. 

Mitunter ist der Sprung zwischen USK 6 zu USK 12 auch so groß, dass diese sich auch an unterschiedlichen Bereichen ihres Freigabespektrums bewegen. Gespräche über Inhalte und gemeinsames Spielen können ebenfalls helfen, den Umgang mit Medien bewusst zu gestalten. Die erweiterten USK-Hinweise helfen auch für eine etwas bessere Einordnung der Spiele.

Die USK bietet übrigens einen echt guten kostenlosen Elternratgeber in mehreren Sprachen auf ihrer Seite an. Dieser deckt auf 45 Seiten sehr übersichtlich unterschiedliche Fragen ab, die sich Eltern über die Gaming-Erziehung stellen.

So läuft die Prüfung der USK ab

Damit ein Videospiel in Deutschland veröffentlicht werden darf, muss es zunächst bei der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) zur Prüfung eingereicht werden. Das erfolgt seitens der Entwickler oder Publisher. Dabei werden neben dem Spiel selbst auch Zusatzmaterialien wie Beschreibungen, Videos oder spezielle Hinweise zu kritischen Inhalten bereitgestellt.

Anschließend gibt es eine Testphase durch speziell geschulte Tester. Diese bekommen meist auch Zugang zu speziellen Entwickler-Versionen, die es ihnen ermöglicht auch verschiedene Entscheidungszweige eines Spiels gezielt zu spielen, um so neben einem Komplettdurchlauf des Spiels auch optionale Handlungszweige zu testen.

Ziel ist es, möglichst alle relevanten Inhalte zu erfassen – von der Handlung über die Darstellung von Gewalt bis hin zu Sprache, Angstfaktoren oder interaktiven Elementen. Die Ergebnisse werden detailliert dokumentiert und für die spätere Bewertung aufbereitet.

Anschließend wird das Spiel einem Prüfgremium vorgelegt. Dieses besteht aus verschiedenen Fachleuten, darunter Vertreter aus Pädagogik, Jugendschutz und staatlichen Institutionen. Auf Grundlage der Dokumentation und eigener Eindrücke diskutiert das Gremium, welche Altersfreigabe angemessen ist.

Am Ende des Verfahrens steht die Entscheidung über die Alterskennzeichnung. Diese orientiert sich an den gesetzlichen Vorgaben des deutschen Jugendschutzes und daran, wie das Spiel auf Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Altersgruppen wirken könnte.

Fun Fact: Die Räume zum Testen der Spiele sind die einzigen, bei denen nie jemand arbeitet, wenn sie Teil einer Führung sind. Die USK hält sich streng an Geheimhaltungsvereinbarung mit Publishern und Entwicklern und lässt keine Informationen aus ihren Testräumen nach außen dringen. Bislang gab es auch noch keine Spiele-Leaks durch Tester der USK.

Warum nutzt Deutschland nicht die PEGI-Freigaben?

Interessanterweise gehen wir in Europa einen ziemlich eigenen Weg. Fast alle anderen europäischen Länder nutzen das System der Pan European Game Information (PEGI), deren Freigabe ihr vielleicht schon in englischsprachigen Trailern gehört habt. Der Grund für den deutschen Sonderweg liegt vor allem in den besonderen gesetzlichen Anforderungen des deutschen Jugendschutzes.

In Deutschland sind Alterskennzeichnungen gesetzlich vorgeschrieben und rechtlich bindend. Grundlage dafür ist das Jugendschutzgesetz (JuSchG). Die USK arbeitet eng mit staatlichen Stellen zusammen, und ihre Entscheidungen haben verbindlichen Charakter. PEGI hingegen ist in vielen Ländern ein freiwilliges System der Selbstkennzeichnung und hat nicht überall die gleiche rechtliche Verbindlichkeit.

Deutschland verfolgt traditionell einen strengeren Ansatz beim Jugendschutz, insbesondere bei Themen wie Gewalt oder verfassungsfeindlichen Symbolen. Die USK berücksichtigt dabei nicht nur die Inhalte eines Spiels, sondern auch deren mögliche Wirkung auf Kinder und Jugendliche im deutschen gesellschaftlichen Kontext. Zudem sind bei der USK auch staatliche Institutionen direkt am Entscheidungsprozess beteiligt. Dadurch wird sichergestellt, dass die Bewertungen den gesetzlichen Vorgaben entsprechen.

Trotz der Unterschiede hat sich die Zusammenarbeit zwischen USK und PEGI in den letzten Jahren verstärkt. Oft ähneln sich die Bewertungen, und für international veröffentlichte Spiele werden beide Systeme parallel genutzt.

Fazit: USK leistet viel Arbeit im Jugendschutz

Die USK genoss unter Gamern lange Zeit gemischten Ruf, dadurch dass man ihr Indizierung oder Zensur von Videospielen ankreidete. Dabei findet die Indizierung durch die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ) statt und Entwickler entschlossen sich selbst für Anpassungen um eine Indizierung oder höhere Altersfreigabe zu verhindern.

Mittlerweile hat sich aber ohnehin viel getan. Bei der USK testen passionierte Gaming-Veteranen, die sehr differenziert auf verschiedene Arten der Gewalt achten. Zudem hat sich Gaming in der Mitte der Gesellschaft etabliert. Dadurch ist längst ein größeres Verständnis in allen Bereichen der Gesellschaft entstanden. Es kommt dadurch deutlich seltener zur Zensur und manch indiziertes Spiel von damals hätte heute womöglich eine größere Chance.

Die USK leistet trotzdem auch weiter intensive Aufklärungsarbeit. Sowohl mit zusätzlichen Erklärungen zur Einstufung als auch mit Ratgebern und weiteren Initiativen, leistet die Prüfstelle Aufklärungsarbeit auch über ihre eigentliche Kernaufgabe hinaus. In Hinblick auf ständig neue Technologien, Online-Funktionen und sich wandelnde Spielinhalte hat sich die USK gut auf den dynamischen Wandel des Spielemarkts eingestellt.

Auch in Zukunft wird die Arbeit der USK von großer Bedeutung bleiben. Sie trägt dazu bei, einen verantwortungsvollen Umgang mit Videospielen zu fördern und den Schutz von Kindern und Jugendlichen in einer digitalen Welt zu gewährleisten.


Image via ChatGPT (KI-generiert)

Das Internet ist sein Zuhause, die Gaming-Welt sein Wohnzimmer. Der Multifunktions-Nerd machte eine Ausbildung zum Programmierer, schreibt nun aber lieber Artikel als Code.


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