Wird aus Android und Chrome OS ein Betriebssystem?

Offiziell hat Google immer Gerüchte dementiert, dass Android und Chrome OS verschmelzen, doch die Indizien sprechen eine andere Sprache. Gerüchte, dass aus dem Mobile OS Android und dem Cloud-zentrierten Betriebssystem Chrome OS eins wird, keimen schon seit Jahren regelmäßig auf. Doch genauso regelmäßig dementiert Google diese Gerüchte immer wieder. Allerdings unternimmt Google immer wieder Schritte, die an diesen Aussagen zweifeln lassen, wie etwa zuletzt das neue Arc-Welder-Tool, mit dem Entwickler ihre Android-Apps spielend leicht für Chrome anpassen können.

Es ist gar nicht so leicht, die Gerüchte über die Verschmelzung beider Betriebssysteme bis zu ihrem Ursprung zurück zu verfolgen. Sie dürften aber bereits kurz nach der Einführung von Chrome OS begonnen haben. Als im März 2013 dann plötzlich Andy Rubin die Führung der Android-Sparte bei Google an Sundar Pichai übergab, der bereits die Chrome-Abteilung leitete, fühlten sich viele Beobachter in ihrer Vermutung bestätigt. Auch wenn Android mit der massiven Marktdominanz im Smartphone-Bereich von Larry Page deutlich als die Zukunft von Google bezeichnet wurde, scheint eine Verschmelzung mit dem im Vergleich eher nischigen Cloud-zentrierten Chrome OS durchaus sinnvoll.

Aber nein, Android und Chrome OS sollen nicht zu einem OS verschmolzen werden, erklärt Brian Rakowski, Googles Produktmanager für Android. Es gibt angeblich keine Pläne, etwas an der Funktionsweise beider Produkte zu ändern. Allerdings ist es nicht von der Hand zu weisen, dass die beiden Betriebssysteme immer näher miteinander verzahnt werden. Diese engere Verzahnung ist aus Googles Sicht sogar dringend nötig, denn Apple hat dies bereits mit der Einführung von OSX Yosemite vorgemacht, indem OSX- und iOS-Geräte auf beeindruckende Weise zusammenspielen. Ähnliche Schritte hatte Google auch schon auf der letztjährigen Entwicklerkonferenz Google I/O vorgestellt – so können etwa Android-Benachrichtigungen auf dem Chromebook angezeigt werden, Chromebooks automatisch entsperrt werden, wenn ein vertrautes Android-Gerät in der Nähe ist und eben Android Apps auf Chrome-OS-Geräten ausgeführt werden. Google und die Konkurrenz vollziehen also eine ganz ähnliche Entwicklung.

Microsoft geht hier allerdings noch einen Schritt weiter – mit Windows 10 reißt der Konzern aus Redmond die Grenzen zwischen Mobile und Desktop noch weiter ein. Es wird nur noch ein Betriebssystem für alle Plattformen geben, egal ob Desktop, Tablet oder Smartphone. Also letztendlich der Schritt, den Google gerüchteweise schon lange unterstellt wird. Und es würde auch für Google sinnvoll sein, Chrome OS und Android zu verschmelzen. Wahrscheinlich wird der Schritt sogar irgendwann notwendig, denn während der Mobile-Markt immer noch ungebremst wächst, klagen Hersteller von Desktop- und Laptop-PCs doch über stetig sinkende Umsätze. Außerdem verschmelzen die Geräteklassen immer mehr. Smartphones sind immer größer geworden, Tablets eher kleiner und Laptops kommen immer häufiger mit Touchscreens, oder gar als Hybriden zwischen Laptop und Tablet daher.

Es gab immer wieder Versuche, Android auf Desktop- oder Laptop-Rechnern einzusetzen und bisher sind diese ausnahmslos am eingeschränkten Funktionsumfang gescheitert. Ein Laptop mit Android und einer ausgewachsenen, voll funktionsfähigen Version von Chrome, erscheint dagegen so sinnvoll, dass man sich fragt, warum Google diesen Schritt nicht schon längst gegangen ist, etwa mit dem neuen Chromebook Pixel. Aber mit dem ARC-Welder-Tool macht Google zumindest einen weiteren Schritt in diese Richtung und lässt somit die ständigen Dementi ein bisschen unglaubwürdiger erscheinen.


Teaser & Image by Sungmin Yun (CC BY-SA 2.0)


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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind.

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