Videochat ohne Nutzer: Airtime in Bedrängnis?
Wichtig bei „One-on-One“-Videochats sind die Nutzer. „Airtime“ scheint davon momentan zu wenig zu haben.

Videochat mit unbekannten, zufällig zugelosten Personen? Heutzutage sind so genannte „One-on-One“-Videochats technisch kein Problem mehr. Was Andrei Ternowski seit November 2009 mit „Chatroulette“ demonstriert, wollten die Napster-Gründer Sean Parker und Shawn Fanning im Juni 2012 auch auf Facebook bringen. Über ein Jahr arbeiteten sie mit ihren Mitarbeitern und den 33,5 Millionen US-Dollar von u.a. Ashton Kutcher, Google Ventures und Andreessen Horowitz an „Airtime“.
Die Nutzer fehlen
„Airtime“ ist ein Split-Screen-Videochat, der nur mit einem Facebook-Konto funktioniert. Während bei der Konkurrenz aus Russland Chats immer nur anonym sind und auch nach einem Verbindungsabbruch nicht mehr wiederhergestellt werden können, setzt Parkers und Fannings Idee die Facebook-Verbindung klug ein und erlaubt es den Chatpartnern, sich gegenseitig hinzuzufügen.
Klingt erstmal nach einem guten Plan. Zudem stimmen das Interface und die Funktionalität, wie etwa, dass man Interessen angeben kann. Doch eine Sache, die nicht unwichtig beim „One-on-One“-Videochat ist, fehlt den Napster-Gründern: Die Nutzer. „Appdata“ soll nach einem Bericht der „New York Times“ nur 400 Nutzer pro Tag und 10.000 Nutzer im Monat für „Airtime“ ermittelt haben, wie „Golem“ weiß.
Mit mobiler Version und weiteren Funktionen
Demnach sollen auch schon führende Mitarbeiter das wohl bereits sinkende Schiff verlassen haben. Dabei ist „Airtime“ tatsächlich mal eine gute Alternative zu „Chatroulette“, das leider immer noch zu wenig für elementare Dinge wie den Jugendschutz tut. Gerade die Möglichkeit, dass sich zwei Menschen auch später wieder finden können, fehlt bei Ternowskis Idee vollkommen.
Parker streitet unterdessen Schwierigkeiten ab. Das Unternehmen brauche noch Zeit, sagte er der „New York Times“. Zudem sei das, nur noch zwölf Mitarbeiter starke Unternehmen nun auf dem Weg von San Francisco nach New York. Mit neuen Funktionen, wie etwa Gruppenchats und einer mobilen Version will man zukünftig doch noch einmal angreifen. Wir bleiben gespannt.
Über den Autor
Tobias Gillen ist freiberuflicher Medienjournalist aus Köln. Er schreibt auf Papier, ins Netz und für die Ohren über alte, neue und soziale Medien. Zudem ist er Inhaber der Online-Agentur "GILLEN MEDIA" und Blogger auf tobiasgillen.de. Im Netz ist er auf seiner Website, Twitter, Google+ und Facebook zu finden.