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Toywheel: „Digitale und physische Welten verbinden“

Evgeni Kouris ist Gründer und CEO des Startups Toywheel. Im Interview spricht er über seine junge Firma, medienkompetente Erziehung und den Besuch in Diekmanns Silicon-Valley-WG. // von Tobias Gillen

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Toywheel ist ein Berliner Entwicklungsstudio für Digital Toys, das das intuitive Erlebnis von klassischen Spielzeugen in die digitale Gegenwart überführt. Eigens für Kinder kreiert und designed, verknüpfen die Toywheel Apps die Realität und den Umgang mit neuen Medien. Hinter den digitalen Werkzeugmachern für Kinder stecken die beiden Gründer Evgeni Kouris und Christian Bittler. Finanziert wird das Unternehmen durch diverse Business Angels, unter anderem Brendan Donovan, Vater von drei Kindern, IT-Unternehmer und vertraut mit den neuesten Entwicklungen im Bereich Augmented Reality.

Was ist Toywheel?

Evgeni Kouris: Toywheel ist ein Digitalstudio aus Berlin, das digitale Toys für Kinder produziert. Dabei versuchen wir, physische und digitale Welten zu verbinden.

Was bedeutet das?

Unser erstes „Digital Toy“ heißt Toycar RC und ist ein virtuelles Auto, das man in der echten Welt mit Hilfe von Augmented Reality fährt. Das heißt, das mobile Gerät wird mit der echten Welt verbunden, sodass man Zuhause wie mit einem echten Spielzeugauto fährt – nur eben mit dem Smartphone oder Tablet.

An welche Zielgruppe richtet sich die App?

Unser Toy Car RC ist speziell für Kinder im Alter von sechs bis acht Jahren entwickelt worden. Aber natürlich spricht es auch alle Kinder ab sechs Jahren und Erwachsene an.

Warum sollte ein 6- bis 8-Jähriger ein Handy haben, mit dem er die App benutzen kann?

Die Beantwortung der Frage ist sehr abhängig davon, wo man geografisch ist. Wenn man mal in Deutschland schaut, gibt es verhältnismäßig viele Eltern, die Sorgen und Bedenken haben, was die technischen Mittel angeht. Allerdings ist es auch so bei Radio, Internet und Papier mal so gewesen. Wir haben viele verschiedene Studien zu dem Thema angeschaut und festgestellt, dass es nicht um die Frage geht, ob man diese Medien nutzt, sondern wie. Darin hat uns Prof. Dr. Werner Thole von der Universität Kassel beratend unterstützt und macht es nach wie vor. Deswegen sind Digital Toys im Gegensatz zu Videogames nicht Zielorientiert, auch gibt es keine Gewinner oder Verlierer – es sind vielmehr kreative Spiellandschaften wie LEGO, die Imagination des Kindes fördern.

Das bedeutet, dass die Kinder ein Smartphone oder Tablet benötigen. Toywheel regt damit die Eltern an, die Kinder relativ früh an die technischen Möglichkeiten heranzuführen.

Wir sind der Meinung, dass man spätestens mit dem siebten Lebensjahr normal mit den digitalen Medien interagieren soll. Das heißt, im Endeffekt ist wichtig, dass man Bewusstsein schafft, was das überhaupt ist und den Unterschied zwischen der digitalen und der realen Welt sehr intuitiv verständlich zu machen. Daher glauben wir, dass unsere „Digital Toys“ einen bewussten Umgang mit den Medien fördern. Das Spielen auf einem Tablet bedeutet nicht zwingend, dass ein Kind dieses Gerät selbst besitzt oder ganztägig nutzt. Vielmehr geht es ja darum, mit kontrolliertem Umgang Kinder an neue Medien bewusst heranzuführen, da sie ohnehin mit ihnen in Kontakt kommen werden.

Wie wird solch ein Spiel entwickelt? Macht ihr das auf eigene Faust oder sind dabei auch Pädagogen involviert?

Solch ein „Digital Toy“ fängt fast immer mit einem bestimmten Spielmuster an, was man schon seit jeher aus dem Kinderzimmer kennt: Autos, Puppen, kochen, füttern – es gibt viele verschiedene Spielmuster, auf die wir setzen, abhängig vom Alter des Kindes. Dann suchen wir eine Idee, die auf dem Spielprinzip basiert und vom Einsatz digitaler Medien profitiert. Anschließend bauen wir einen Prototypen, probieren es mit Kindern aus und schauen mit Experten, Pädagogen wie Prof. Dr. Werner Thole und Eltern drüber. Auf Basis des Feedbacks erarbeiten wir dann das finale Konzept und setzen dieses in Form von Mobilen Apps um.

Ihr seid ein junges Startup. Wie schaut es mit Finanzierung und Manpower aus?

Wir haben ursprünglich angefangen mit einem anderen Geschäftsmodell aus dem Bereich Basteln, haben uns also rein auf das Physische konzentriert und die digitalen Medien nur dazu genutzt, diese Informationen den Eltern zur Verfügung zu stellen. Im letzten Jahr haben wir unser Team dann transformiert, um „Digital Toys“ zu machen und erste Investoren an Board genommen. Inzwischen haben wir ein Team von zwei Gründern und ein Gesamtteam von noch unter 10 Leuten, darunter sind aber auch noch zwei Freelancer.

2012 habt ihr bei der „hy! Berlin“ 10.000 Euro von hub:raum (Telekom) für euren Pitch gewonnen. Was ist mit dem Geld passiert, wohin soll es in naher Zukunft gehen?

Das Geld ist damals darein geflossen, unser erstes Produkt zu bauen und das erste Team aufzubauen. Im September 2013 haben wir dann entschieden, das Business-Modell zu ändern. In naher Zukunft ist geplant, bis zum Ende des Jahres fünf Spiele herauszubringen für iPhone und iPad, bald werden wir aber auch für Android entwickeln. Zum Ende des Jahres planen wir dann eine deutlich größere Marketingkampagne zu machen, um auf die Produkte aufmerksam zu machen.

Nach dem Gewinn bei der „hy! Berlin“ hat die Axel Springer SE euch eingeladen, „BILD“-Chef Kai Diekmann in der viel diskutierten Silicon-Valley-WG zu besuchen. Wie war das?

Also ich war es, der mit dem gesamten „hy! Berlin“-Team und der „hy!-Family“ durch das Silicon Valley gefahren ist und dort auch sehr coole Investoren und Startups kennengelernt hat. Im Zuge der Reise, die ich auch jedem Startup-Gründer empfehlen würde, zu machen, haben wir auch das Axel-Springer-Haus in Palo Alto besucht, nicht fern vom Haus, wo Steve Jobs aufgewachsen ist. Begeistert waren wir von den witzigen Gesprächen mit den Axel-Springer-Leuten, die ja schon anders an die Themen rangehen als die anderen Medien. Und wie man ja auch mitbekommen hat, hat das auch zu einem nachhaltigen Imagewandel geführt.

Zurück zur Medienkompetenz: Ist da in Deutschland noch viel Luft nach oben, Stichwort Informatikunterricht an Schulen?

Hier in Deutschland sind einige noch nicht so weit im Umgang mit digitalen Medien im Vergleich zu US und Asien, aber gerade deshalb ist es spannend, einen Beitrag zu leisten. Natürlich sind die anderen Märkte rein aus der Business-Perspektive für uns attraktiver, aber wir glauben, dass der Unterschied sich mit der Zeit relativieren wird – jedenfalls werden wir dazu beitragen. Grundsätzlich denke ich, dass der Umgang mit digitalen Medien einfach zur Allgemeinbildung gehört und in der Zukunft wird es noch viel mehr zum Alltag gehören zu verstehen, was diese schwarzen und silbernen Boxen eigentlich tun. Diejenigen, die das früh mitbekommen und damit umgehen können, werden sicher in der Zukunft einen Vorteil haben.

Viele Eltern werden dir entgegnen, dass das Internet böse ist.

Im Einzelfall können Eltern damit Recht haben. Das Internet kann „böse“ sein und man sollte vorsichtig sein mit einigen Seiten oder etwa Werbung. Das ist zum Beispiel einer der Gründe, warum wir keine Werbung oder In-App-Purchases anbieten. Das gehört einfach zum guten Ton im Umgang mit Kindern. Letztlich sollten Eltern aufpassen wie im normalen Leben. Da lässt man seine Kinder ja auch nicht ganz alleine in einer neuen Gegend.

Keine In-App-Purchases, keine Kosten für die App, keine Werbung. Womit verdient Ihr euer Geld?

Unsere Produkte sind ja wie ein Spielzeug, das man auch kaufen kann. Natürlich bieten wir ausgewählte Spiele, wie jetzt das erste, Toy Car RC, kostenlos an, um die Verbreitung anzukurbeln. Die freie Version ist keine Mogelpackung, da sie ausreicht um die Fähigkeiten des Kindes anzusprechen. Dazu gibt es aber dann auch noch eine Paid-Version, die dann mehr Fahrzeuge und Welten haben wird und Toy Drive heißt.

Vielen Dank, Evgeni.


Teaser & Image by Evgeni Kouris (Privat)


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Tobias Gillen

Tobias Gillen

ist freiberuflicher Medien- und Technikjournalist und Blogger. Nebenher schreibt er Bücher und E-Books und ist bei Twitter, Facebook und Google+ zu finden.

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