David Streit (Image by David Streit)

Aus Neugierde an den Menschen: David Streits Intervievv.de

David Streit stellt auf seiner Webseite Intervievv.de völlig unbekannten Menschen fünf neugierige Fragen, die diese dann per Video beantworten. // von Marinela Potor

David Streit (Image by David Streit)

Das Internet bietet uns völlig neue Formen, um miteinander zu kommunizieren. Warum dieses Potential nicht voll ausnutzen, hat sich da der Wahlberliner David Streit gedacht. So hat er mit seiner Webseite intervievv.de ein Projekt ins Leben gerufen, in dem er völlig fremden, kreativ tätigen Menschen fünf Fragen schickt. Die Video-Antworten stellt er dann online, und schafft so ein öffentliches Interview-Archiv im Internet.


Warum ist das wichtig? Mit seinen Videointerviews experimentiert David Streit mit völlig neuen Formen der Kommunikation – mit und über das Internet.

  • Menschen, die sich im realen Leben nie begegnet sind, können sich im Internet über die Videointerviews austauschen und kennen lernen.

  • Es entsteht nicht nur ein virtueller Austausch zwischen Fragesteller und Interviewpartnern, sondern auch mit anderen Nutzern, die durch das Anschauen der Videos mit ins Gespräch eingebunden werden.

  • Die Videos sind bewusst ungeschnitten und folgen damit einem Trend im Onlinejournalismus zu mehr Transparenz.


Als David Streit im März 2014 sein Onlineprojekt Intervievv startete, ging es ihm vor allem um eins: Seine schier endlose Neugier zu stillen. “Dahinter steckt, dass ich die Leute aus meinem privaten Umkreis nicht kenne, aber gerne kennen würde”, erklärt Streit im Netzpiloten-Interview. In seinem vorigen Job als Art Director einer Werbeagentur fehlte ihm genau dieses Kreativität, der direkte Kontakt zu den Menschen. “Ich hab schon damals immer wenn ich neue Menschen kennen gelernt habe, in Interviews gedacht,” gesteht er.

So kam der internetbegeisterte Streit schließlich auf die Idee, ein Interview-Projekt ins Leben zu rufen. Endlich konnte er aus der Ferne all die Menschen interviewen, die ihn schon immer interessiert hatten. Dabei versucht Streit kreative Menschen aus allen Bereichen vorzustellen: “Ich setze mich zum Beispiel mal ’nen ganzen Nachmittag hin, um Leute zu suchen, die für mich herausstechen, oder die gerade ein neues Projekt gestartet haben.”

Sobald David Streit seinen nächsten Interviewpartner ausfindig gemacht hat, kontaktiert er ihn. Seine Interviewpartner findet er oft – logisch – im Netz, und die Kontaktaufnahme erfolgt dann ebenfalls übers Internet – auch logisch. “Gerade durch Twitter oder Emails ist es viel leichter, auch zu komplett Fremden einfach Kontakt aufzunehmen” – und sie dann mit Fragen zu bombardieren.

Genau genommen sind es fünf Fragen, die Streit jedem Gesprächspartner stellt und die diese in einem Video beantworten. Nutzer können anschließend das Interview in ungekürzter, ganz authentischer Form auf der Webseite oder als YouTube Video sehen. Streit bearbeitet die Videos ganz bewusst nie nachträglich: “Kürzen und Verfälschen geht mir total gegen den Strich. Genau das versuche ich anders zu machen.”

Auf intervievv.de sollen Menschen ausreden können

22 solcher unverfälschten Videos hat Streit bisher online gestellt. So erzählt beispielsweise ein US-amerikanischer Filmdirektor, wie er junge Filmemacher unterstützt, zwei Journalistinnen berichten davon, wie sie im Auftrag von Fans Geschichten recherchieren und eine Bloggerin erklärt, warum sie feministische Filmrezensionen schreibt.

Das Schwierigste an den Interviews ist für Streit, dass er nicht nachhaken kann. “Es passiert mir ganz oft, dass ich beim Gucken denke ‘Erzähl hierzu bitte mehr’ oder ich fange an zu lachen, weil es so witzig ist und die Person kann leider gar nicht darauf reagieren.”

Diese Einschränkung nimmt Streit aber bewusst im Kauf. Denn es ist ihm wichtig, dass seine Interviewpartner ganz ausführlich zu Wort kommen, ohne dass jemand sie unterbricht oder ihnen das Wort abschneidet. Streit hofft, dass er mit seinem Projekt nicht nur anderen Internetnutzern interessante Menschen zeigen kann, sondern auch seinen Interviewpartnern die Möglichkeit bietet, sich so echt und ungeschnitten zeigen zu können, wie sie sind.

Vom kleinen Dorf ins weltweite Netz

Neben seinem Intervievv-Projekt engagiert sich Streit bei weiteren Onlineprojekte, wie zum Beispiel bei seiner Film-Foto-Rezensions-Webseite Farbensportlich oder dem digitalen Regal Shelfd. Er selbst glaubt, dass seine Begeisterung für alles mit und rund ums Internet viel mit seiner Kindheit auf einem kleinen Neubrandenburger Dorf zu tun hat: “Wir haben dort nur 40 Häuser und 200 Einwohner, also musste ich schon damals, als das mit dem Internet losging, die Welt zu mir nach Hause holen und gucken, wie ich weiter kommen konnte, als mich die Füße getragen haben.”

Für die Zukunft hat David Streit noch jede Menge Ideen für weitere Projekte, alle haben dabei etwas mit dem Internet zu tun – logisch.

Hinter der Kamera ist vor der Kamera: 5 Fragen für David Streit

So wie David Streit auf Intervievv seinen Gesprächspartnern fünf Fragen stellt, haben auch wir auf Netzpiloten ihn vor die Kamera gezerrt – und ihm dabei fünf Fragen gestellt, die (fast) nichts mit dem Internet zu tun haben.


Teaser & Image by David Streit


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Marinela Potor

Marinela Potor

begann ihren journalistischen Werdegang bei kleinen Lokalzeitungen und arbeitete dann während ihres Studiums als Reporterin für den Universitätsradiosender. Ihr Volontariat machte sie bei Radio Jade in Wilhelmshaven. Seit 2010 hat sie ihren Rucksack gepackt und bereist seitdem rastlos die Welt – und berichtet als freie Journalistin darüber. Über alle „inoffiziellen“ Geschichten schreibt sie in ihrem eigenen Blog fest. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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