Band zahlt fürs Runterladen ihres Albums

Noch profitabler als geklaut: Wer das neue Album der US-Indie-Band „Officer Roseland“ herunterläd, bekommt einen Dollar geschenkt. Mal eine ganz neue Variante, den Marketing-Topf auf den Kopf zu hauen: Auf mystimuluspackage.org kann sich jeder Downloadwillige entscheiden, ob er den Dollar auf sein eigenes Paypal-Konto gutgeschrieben bekommen möchte oder ob er es edel an einen guten Zweck spenden will.

Screenshot: Officer Roseland

Stellt sich natürlich sofort die Frage, wie schrecklich die Musik von Officer Roseland sein muss, dass geschenkt noch nicht billig genug ist. Zur Beruhigung: Ganz so schlimm ist es nicht. Das Album „Stimulus Package“ ist eher harmlos und egal als auffällig furchtbar.

Ebendrum ein cleverer Zug, das Marketingsparschwein für Aufmerksamkeit im Netz auf den Kopf zu hauen – denn ansonsten würde das neue Album der Band aus Philadelphia wohl niemanden interessieren. Officer Roseland selbst begründen ihre Aktion auf ihrer Homepage so: „With the music industry undergoing a drastic facelift, Officer Roseland continues to look for new and innovative ways to reach listeners tired of stale formula and slick mass-production.“ Mal schauen, ob sich diese Ein-Dollar-Aktion wirklich für sie auszahlt — denn wirklich penetrant mit Tourdaten, Merchendise-Artikel oder alte Alben wird auf den Homepages nicht wirklich geworben. Und irgendwie müsste doch über irgendeinen Kanal auch mal wieder Geld reinkommen.

Diese Paarung von interessanter Aktion mit egaler Musik erinnert ziemlich an „The Get Out Clause“, dieser Band aus Manchester mit dem tollen Überwachungskamera-Video. Die hatten kein Geld für einen echten Dreh und spielten darum vor den zahlreichen Überwachungskameras ihrer Stadt. Liessen sich die Aufzeichnungen per Klage aushändigen, schnippelten alles zusammen und brachten es trotz äußerst durchschnittlichem Geschrammel bei Youtube damit auf immerhin mehr als 270.000 Zuschauer.

Wie großartig es wohl erst wird, wenn die Musik solcher Netzhype-Bands auch noch etwas taugen würde??

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Meike Laaff

Meike Laaff

(www.laaff.net) lebt und arbeitet als Journalistin in Berlin. Sie ist stellvertretende Ressortleiterin bei taz.de, schreibt für überregionale Zeitungen, Onlinemagazine und produziert Radiobeiträge. Sie betreut zudem das taz-Datenschutzblog CTRL.

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