Aaron Swartz: Tod eines Freigeistes

Das Netz nimmt Anteil an dem Tod des Programmierers und Internet-Aktivisten Aaron Swartz.

Es sind traurige Stunden für die Netzgemeinde. Einer der fähigsten Programmierer und Visionäre des Internetzeitalters hat sich am Freitag in New York das Leben genommen: Aaron Swartz, bekannt geworden durch seine Mitwirkung beim RSS 1.0-Standard und als Mitgründer von Infogami, das später zu Reddit umbenannt wurde und sprichwörtlich in den USA „durch die Decke ging“, ist nur 26 Jahre alt geworden.

Nicht wenige Netzbewohner machen für seinen Tod die US-Justiz verantwortlich, die Swartz im Frühjahr 2013 den Prozess wegen illegalem Download von knapp fünf Millionen wissenschaftlichen Artikeln beim Online-Archiv „Journal STORage“ (JSTOR) machen wollte. Im Falle seiner Verurteilung hätten den Programmierer, der sich stets für die Freiheit des Internets eingesetzt hat, 35 Jahre Gefängnis- und eine Geldstrafe in siebenstelliger Höhe erwartet. JSTOR hatte bereits nach der Aushändigung der Dokumente angekündigt, keine Ansprüche an Swartz zu stellen und die „gemeinfreien Dokumente“ frei zugänglich zu machen.

Aaron Swartz war ungemein begabt und hat sich stets für die Offenheit des Internets eingesetzt. Er war gegen SOPA (Stop Online Piracy Act) und PIPA (Protect IP Act) und hat mitgeholfen, Creative Commons technisch umzusetzen. Wissenschaftler aller Welt erinnern nun mit der Aktion #pdftribute an den New Yorker. Unter dem Twitter-Schlagwort veröffentlichen sie ihre Ergebnisse nun frei verfügbar im Internet.

Den wohl bewegendsten Nachruf schrieb seine ehemalige Freundin Quinn Norton am Samstag in ihrem Blog: „A part of me died with him. A part will always be with him“, hieß es dort. Sie macht für das Scheitern der Beziehung die US-Justiz verantwortlich. Auf der Seite „Remember Aaron Swartz“ trauern seine Familie und Kollegen in einem Statement und greifen darin – wie viele andere Menschen in den sozialen Netzwerken – ebenfalls das Rechtssystem der USA an: „Aaron’s death is not simply a personal tragedy. It is the product of a criminal justice system rife with intimidation and prosecutorial overreach.“ Jennifer Roig schreibt bei ZDF-Hyperland über Swartz: „Seinen Tod als Tragödie zu bezeichnen, ist noch untertrieben.“

Auch Twitter- und Facebook-Nutzer trauern rund um den Globus. Sucht man nach seinem Namen auf Twitter, reißen die Nachrichten nicht ab. Ob auf Deutsch, Englisch oder Spanisch: Beileidsbekundigungen gibt es im Sekundentakt. Meist alle mit den selben zwei Themen: Das Genie Aaron Swartz und die US-Justiz, die ihn mutmaßlich in den Suizid trieb.

Auf Facebook gibt es eine von Reddit eingerichtete Gedenkseite, die es den Trauernden erlauben soll, Geschichten und Botschaften über den Tod des Netzaktivisten zu teilen. Auch hier herrscht bereits reges Treiben und die wohl nicht in diesem Sinne gemeinten „Gefällt mir“-Angaben steigen minütlich.

Der Selbstmord von Aaron Swartz ist ein großer Verlust. In erster Linie für seine Familie und Freunde, aber auch für den Fortschritt und die Entwicklung des Internets. In seinem Testament, das er schon 2002 – wie sollte es anders sein – online veröffentlichte, schließt er mit „Oh, and BTW, I’ll miss you all.“ – Wir Dich auch, Aaron.


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Tobias Gillen

Tobias Gillen

ist freiberuflicher Medien- und Technikjournalist und Blogger. Nebenher schreibt er Bücher und E-Books und ist bei Twitter, Facebook und Google+ zu finden.

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