Was ist AI-Slop und warum ist es zum Kampfbegriff geworden?

Ob auf Social Media, in Videospielen oder sogar in TV-Werbespots: KI-generierte Inhalte begegnen uns inzwischen fast überall. Mal sind es fiktive Dating-Shows von KI-Früchten, mal künstlich vertonte Videos auf YouTube oder generische Illustrationen für Plakate. Nicht immer steckt dahinter viel kreative Arbeit. Häufig geht es vor allem darum, möglichst schnell und kostengünstig neue Inhalte zu produzieren. Oft fällt dabei der Begriff „AI-Slop“.

Gemeint sind damit vor allem minderwertige, massenhaft produzierte KI-Inhalte, die wenig Originalität oder tatsächlichen Mehrwert bieten. Allerdings wird die Bezeichnung längst nicht mehr ausschließlich für solche Beispiele verwendet. Gerade unter Kritikern generativer KI dient „AI-Slop“ häufig auch als pauschale Abwertung, sobald etwas erkennbar oder auch nur vermutlich mithilfe künstlicher Intelligenz entstanden ist.

Doch wo verläuft die Grenze zwischen tatsächlichem AI-Slop und kreativer KI-Nutzung? Und ist die verwendete Technologie überhaupt ein geeignetes Kriterium, um die Qualität eines Inhalts zu beurteilen?

Was bedeutet AI-Slop eigentlich?

Der Begriff „AI-Slop“ setzt sich aus der Abkürzung für Artificial Intelligence (KI) und dem englischen Wort „Slop“ zusammen. Letzteres lässt sich etwa als „(Schweine-)Fraß“ oder Abfall übersetzen. Gemeint sind damit KI-generierte Inhalte, die vor allem durch ihre geringe Qualität, Beliebigkeit oder massenhafte Produktion auffallen. Dabei kann es sich um Bilder, Videos, Texte, Musik oder sogar ganze Videospiele handeln.

Eine allgemeingültige Definition gibt es allerdings nicht. Ursprünglich beschreibt AI-Slop vor allem Inhalte, die mit minimalem Aufwand produziert werden, um möglichst schnell viel Inhalt zu veröffentlichen.

Typische Merkmale von AI-Slop sind austauschbare Motive, inhaltliche Oberflächlichkeit, wiederkehrende Gestaltungsmuster und offensichtliche Fehler. Besonders deutlich wird dies bei KI-Bildern mit anatomischen Ungereimtheiten, etwa bei Fingern, sinnlosen Schriftzügen oder unlogischen Details. Auch hat Künstliche Intelligenz bestimmte Designvorlieben, gegen die man schon aktiv arbeiten muss. Allerdings muss AI-Slop nicht zwangsläufig technisch schlecht aussehen. Auch ein auf den ersten Blick hochwertiges Bild kann inhaltlich völlig beliebig sein und lediglich dazu dienen, einen weiteren Social-Media-Beitrag zu produzieren.

Im öffentlichen Diskurs wird der Begriff mittlerweile auch zunehmend genutzt, um die als problematische empfundene Form der Content-Produktion zu Beschreiben. Später widmen wir uns daher auch noch ausführlicher dem Problem des Kampfbegriffs.

Wo uns AI-Slop täglich begegnet

Besonders sichtbar ist AI-Slop in sozialen Netzwerken. Hier werden massenhaft KI-generierte Bilder, Videos und Memes veröffentlicht, die vor allem Aufmerksamkeit erzeugen sollen. Ein bekanntes Beispiel ist der 2024 viral gegangene „Shrimp Jesus“, bei dem Jesus Christus aus Garnelen besteht. Hinter solchen Inhalten stecken teilweise regelrechte Content-Farmen, die mit minimalem Produktionsaufwand möglichst viel Reichweite und Werbeeinnahmen erzielen wollen. Die Algorithmen der Plattformen können diese Entwicklung zusätzlich begünstigen. Trotzdem werden diese Trends auch von der Community selbst gerne aufgegriffen.

Auch in der Spieleentwicklung ist AI-Slop ein Thema. Zwar kann KI gerade kleineren Studios helfen, begrenzte Ressourcen effizienter einzusetzen, doch unkontrolliert generierte Grafiken, Dialoge oder Programmcode können die Qualität beeinträchtigen. Hinzu kommen sogenannte Asset-Flips, bei denen vorgefertigte Spielinhalte mit minimalem Aufwand zu neuen Produkten zusammengestellt werden. Generative KI kann diese ohnehin problematische Praxis weiter beschleunigen. Allerdings zeigt sich auch hier: Nicht der KI-Einsatz selbst ist das Problem, sondern mangelnde Qualitätskontrolle und fehlender gestalterischer Anspruch.

Sogar im öffentlichen Raum ist AI-Slop längst angekommen. KI-generierte Motive finden sich auf Werbeplakaten, Speisekarten, Verpackungen und sogar in Freizeitparks. Für Diskussionen sorgten 2024 etwa KI-generierte Dekorationselemente im Phantasialand. Obwohl diese stilistisch durchaus zur Umgebung passten, empfanden manche Fans ihren Einsatz als Widerspruch zum hohen gestalterischen Anspruch des Parks.

Dabei kann generative KI gerade für kleinere Unternehmen und Privat-Veranstalter durchaus eine Verbesserung darstellen. Eine sorgfältig gestaltete KI-Illustration kann schließlich überzeugender wirken als ein lieblos zusammengestelltes Plakat aus Cliparts. Der AI-Slop entsteht aus der Erwartungshaltung und in wie weit man damit sonst genutztes Personal wegspart.

Warum entsteht überhaupt so viel AI-Slop?

Der wichtigste Grund für die zunehmende Verbreitung von AI-Slop liegt in den niedrigen Produktionskosten. Während die Erstellung von Bildern, Videos oder Texten früher häufig zeitaufwendig war, lassen sich mit generativer KI innerhalb weniger Minuten zahlreiche Varianten produzieren. Dafür sind weder umfangreiche technische Kenntnisse noch ein großes Budget erforderlich. Die Einstiegshürde für die Content-Produktion ist dadurch erheblich gesunken.

Besonders auf Social Media gibt es gleich zwei Faktoren, die das noch verstärken. Zum einen lässt sich viel mehr Content erstellen, zum anderen entstehen auch virale Trends bewusst um KI-Inhalte. Beides verspricht Wachstum für die Social Media-Kanäle. Man baut zudem darauf, dass unter der Content-Flut dann 1-2 Posts dabei sind, die dann doch viral gehen.

Doch nicht immer steckt ein professionelles Geschäftsmodell dahinter. Auch Unternehmen nutzen generative KI zunehmend, um Kosten für Illustrationen, Werbematerialien oder andere kreative Leistungen zu reduzieren. Das muss nicht zwangsläufig zu schlechteren Ergebnissen führen. Zum Slop wird es vor allem dann, wenn die eingesparte Arbeitszeit nicht in Konzeption, Auswahl und Qualitätskontrolle investiert wird. Dann ist KI kein unterstützendes Werkzeug, sondern ein vollständiger Ersatz für kreative Arbeit.

AI-Slop ist deshalb nicht allein ein technisches Problem, sondern vor allem das Ergebnis wirtschaftlicher Anreize und fehlender Qualitätsansprüche. Generative KI ermöglicht die schnelle Massenproduktion, doch erst der Umgang mit dieser Möglichkeit entscheidet darüber, ob daraus wertvolle Inhalte oder reiner AI-Slop entsteht.

Überzogener KI-Shitstorm trifft auch beliebte Spiele-Entwickler

So berechtigt die Kritik an minderwertigen KI-Inhalten ist, so inflationär wird der Begriff AI-Slop mittlerweile jedoch verwendet. Gerade im Diskurs in den sozialen Medien reicht oft der bloße Verdacht auf generative KI, um etwas direkt als Slop abzuwerten.

Besonders auffällig ist das etwa in der Gaming-Szene. Dort genügt allein das Wissen oder sogar die Vermutung über KI-Nutzung, um die Spiele entsprechend schlechtzureden. Sofort ist das ganze Spiel AI-Slop, gilt als unkreativ, schlecht programmiert und das Unternehmen als unseriös, weil sie offenbar nur Geld einsparen möchten. Sogar Larian, das Studio hinter Baldur’s Gate 3, durfte diesen generellen Hass erfahren. Für das neue Divinity-Spiel gab das Studio unterstützende KI-Nutzung in der frühen Konzeptionsphase der Entwicklung an.

Das zwang sogar den beliebten Chefentwickler Swen Vincke klarzustellen, dass sie KI vor allem nutzen, um kreative Wege zu erkunden, nicht um Konzeptkünstler durch KI zu ersetzen. Vincke gab an, ein Team von 72 Künstlern zu haben, von denen allein 23 Konzeptkünstler sind, und sogar weitere einzustellen.

Twitter

Mit dem Laden des Tweets akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Twitter.
Mehr erfahren

Inhalt laden

Doch selbst dieser Tweet beruhigte die Situation nicht. Die Kommentare drücken weiter Wut und absolute Enttäuschung aus, oft mit der Forderung komplett auf KI-Nutzung zu verzichten.

Ähnliches erlebte auch das Spiel Anno 117. Dort verirrte sich allerdings tatsächlich ein KI-Bild ins fertige Spiel. Laut Entwickler sei dies ein versehentlich durchgerutsches Bild aus der Konzeptionsphase, doch auch hier hat die KI-Nutzung das Vertrauen vieler Spieler zerrüttet.

Wann ist AI-Slop wirklich Slop – und wann nur ein Kampfbegriff?

Diese generelle Abwertung jeglicher KI-Nutzung im Diskurs von Videospielen ist für die Studios ein echtes Problem. Für sie bietet die KI nämlich viele spannende Einsatzmöglichkeiten, die über reine Einsparungen hinaus gehen.

Dazu gehören auch besagte Platzhaltergrafiken und stilistische Erkundungen. Per KI lassen sich viel umfangreicher erste Mockups erstellen und schnell in einzelnen Details anpassen und weiterdenken. Die bei Spielern umstrittenen Platzhaltergrafiken helfen dagegen, um bereits mit visuellen Elementen zu arbeiten, während die echten Grafiken und Modelle sonst einige Zeit benötigen.

Auch im Coding hat die KI durchaus ihre Daseinsberechtigung. Es bedeutet nicht gleich, dass der komplette Code direkt von der KI kommt. Im Optimalfall geht man dabei sehr kleinschrittig vor und hat erstellt lediglich kleine Versatzstücke, bei denen die Entwickler noch volle Kontrolle und Übersicht behalten. Auch für die Erstellung von Code-Tests ist KI sinnvoll, da sich der Code so viel gründlicher und unmittelbarer testen lässt.

Selbst fürs Schreiben von Story und Dialogen ist die KI nicht zwingend schlecht. Sie lässt sich wunderbar als Sparringspartner nutzen, um eigene Ideen weiterzustricken und bringt da Impulse, wo der eigene Kopf gerade feststeckt. Künstliche Intelligenz lässt sich sogar nutzen, um bewusst nach Logiklöchern oder schlechter Kontinuität in den Dialogen zu suchen.

Natürlich gibt es da auch die andere Seite. Auf der Plattform Steam erscheinen immer mehr Spiele, die durch KI auf Schlagzahl statt auf Qualität getrimmt sind. Asset-Flips, bei denen Fertigelemente sehr arbeitsminimal zusammengeworfen werden, waren bereits vor ChatGPT und Co ein zunehmendes Problem, haben mit der KI aber einen Brandbeschleuniger erhalten. Ähnlich wie auch bei KI-Musik oder KI-Bildern verlieren sich qualitative Inhalte zunehmend in lieblos hingeklatschten KI-Inhalten. Das ist der tatsächliche AI-Slop.

Die KI-Kluft wächst und facht den Hass an

Mittlerweile kann man wohl sehr sicher sagen, dass Künstliche Intelligenz nicht so schnell verschwinden wird. Sie setzte sich ähnlich schnell im Alltag fest wie das Smartphone mit dem Start des erste iPhones. Selbst im zögerlichen Deutschland setzen laut aktueller Bitkom-Studie mittlerweile mehr als die Hälfte aller Unternehmen KI ein. Auf der Kehrseite sieht aber auch jedes dritte Unternehmen seine Existenz durch Künstliche Intelligenz bedroht. Wie sehr die Tools auch im Alltag angekommen sind zeigt eine Studie der Hochschule Darmstadt von 2025. Von den 4910 befragten Studierenden, gaben mehr als 90 Prozent an, KI-basierte Tools im Studium zu nutzen.

Zugleich wächst aber selbst unter den Gen Z zunehmend die Skepsis. In einer US-Studie von Gallup ist trotz erhöhter Nutzung die Begeisterung bei der Nutzung von KI gegenüber dem Vorjahr von 36 auf 22 Prozentpunkte abgestürzt, während die Wut um 22 auf 31 Prozent anstieg.

Grund dürfte aber nicht nur der AI-Slop sein, sondern auch, in welchen Bereichen Künstliche Intelligenz vordringt. Während erste KI-Texte und -Bilder wenig Gefahr für menschliche Kreativität darstellten, verwischt die Grenze nun doch zunehmend. In Sachen Empathie ist diese Grenze sogar schon gefallen. So schnitt die KI in einem Test zu emotionaler Intelligenz besser ab als der Mensch und bei einer Studie im Subreddit AskDocs, die bereits Ende 2022 durchgeführt wurde, wurde der Chatbot sowohl in der Qualität als auch in der Empathie der Antworten deutlich besser bewertet.

An dieser Stelle drohen nun Echokammern zu entstehen, welche die positive oder negative Wahrnehmung von KI zusätzlich verstärken. Das mit KI-Agenten das nächste Kapitel aufgeschlagen wird, das bereits von großen Negativ-Schlagzeilen überschattet wird, ist ein Verstärker der Entwicklung.

Künstliche Intelligenz ist dabei eigentlich noch in einer frühen Phase, wo die Grenzen in alle Richtungen ausgelotet werden. Gegenwind ist daher wichtig, um diese Grenzen aufzuzeigen. Doch so wie viele Early Adopter lernen müssen, wo man beim KI-Einsatz Grenzen nötig sind, muss die Gegenseite auch lernen, dass nicht alles direkt Slop ist. Der generelle Kampf gegen die KI ist ein Kampf gegen Windmühlen, doch wir können noch viel dazu beitragen, wie sie in Zukunft genutzt wird. Und das hoffentlich mit weniger AI-Slop.


Image via ChatGPT (KI-generiert)

Das Internet ist sein Zuhause, die Gaming-Welt sein Wohnzimmer. Der Multifunktions-Nerd machte eine Ausbildung zum Programmierer, schreibt nun aber lieber Artikel als Code.


Artikel per E-Mail verschicken