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Acht (oder mehr) Geschäftsmodelle für E-Mail Newsletter

mail-newsletter-home-mailbox (adapted) (Image by Anne-Onyme [CC0 Public Domain], via pixabay

Als ich vor einigen Jahren begann, die redaktionellen E-Mail-Newsletter der Financial Times zu überarbeiten, wurde ich schnell mit positiver Bestätigung, technischer Frustration und Quellen tiefer Zufriedenheit konfrontiert.

Die gute Nachricht war, dass wir am Höhepunkt eines wiedererstarkten Interesses für E-Mails von Medienfirmen waren, das gerade wieder angestiegen ist. Dies legte nahe, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Von legendären Printunternehmen wie der New York Times bis hin zu digitalen Unternehmen wie BuzzFeed – fast jeder erkennt den Wert des Mediums.

Das Frustrierende war, dass E-Mails und das kommerzielle System, in das sie eingebunden waren, nur wenig an die Bedürfnisse von Journalisten und Lesern angepasst waren. Das Senden von E-Mails bedarf einer Navigation durch ein komplexes Labyrinth aus technischen Systemen und vermehrten regulatorischen Anforderungen. Es bedeutet, Systeme anzupassen, die hauptsächlich auf die Bedürfnisse von Spezialisten abgestimmt sind, die in Marketingabteilungen mit Programmierfähigkeiten für verschiedene Anwendungsfälle von Journalisten mit engen Deadlines sitzen.

Trotz dessen waren wir mit den Antworten, die wir erhielten, zufrieden: Viele gaben an, sich durchgängig für E-Mail-Newsletter einzutragen, diese dann auch zu öffnen und auf Artikel zu klicken. Viele gaben sogar ein regelmäßiges, positives Feedback. Das, was wir taten, hatte Ähnlichkeit mit einer „Heilung“: Wir durften die besten Stücke aus den Nachrichten und Analysen auswählen. Entwickelt werden sollte ein Narrativ für Leser, die unter Zeitdruck standen und geradezu in Informationen ertranken. Wir konnten so außerdem eine direkte Beziehung zu unseren Lesern herstellen.

Dan Oshinsky, Leiter der Newsletter-Abeilung bei BuzzFeed, berichtete mir: „Uns geht es darum, Geschichte zu erzählen, die die Leute teilen möchten. Deshalb ist die E-Mail so ein natürlicher Startpunkt. Es ist sicherlich nicht die schillerndste oder neueste Plattform. Aber sie hat eine gewisse Reichweite, bringt Leute zurück auf die Seite und verteilt unsere Inhalte.“

Wie bei so vielem in den Redaktionen sind auch die Ressourcen stark begrenzt und Medienunternehmen suchen immer noch den besten Weg, um E-Mails als Teil eines größeren Engagements zu monetarisieren. Dies brachte mich dazu, mit Kollegen von anderen Medienorganisationen zu sprechen – in Nachrichtenabteilungen und kommerziellen Abteilungen – um die Trends zu verstehen, die ich in einem neuen Bericht für das Reuters Institute for the Study of Journalism an der Universität Oxford hervorhob.

Es werden zurzeit mindestens acht verschiedene Geschäftsmodelle getestet:

  1. Internetraffic generieren oder konvertieren. Die Klicks, die durch die E-Mail-Newletter hereinkommen, können die Gesamtzahl der Pageviews erhöhen. Dies unterstützt das breitere Geschäftsmodell und erhöht Anmeldungen und Werbeumsätze. Die Washington Post, die mehr als 70 redaktionelle E-Mails betreut, nennt dies eine „Zugbrücke“. Sie erhöht die Reichweite und zieht eine größere Zahl potentieller Leser an. Der New Yorker sagt, dass die Antwortquote höher ist als in den sozialen Medien. Für kleinere und jüngere Organisationen ist es eine wertvolle Möglichkeit, um Aufmerksamkeit zu bekommen und Lesegewohnheiten bei den Nutzern aufzubauen. Blendle generiert so ein Drittel des Traffics. Die Firma hat ein Mikrozahlungsmodell adaptiert, das nach dem Prinzip „Pay as you go“ funktioniert. Man zahlt, wenn ein Link von einer teilnehmenden Mediengruppe angeklickt wird.
  2. Einzelabonnement: Der Espresso (und die App) von The Economist, The Browser und Brief.me in Frankreich rechnen alle für die E-Mail selbst ab und bieten einen einzigartigen Inhalt oder die Entdeckung von anderen Artikeln auf Grundlage eines starken Urteilsvermögens und einer besonderen Schreibqualität. Laurent Mauriac, Gründer von Brief.me sagt: „Der beste Weg, eine starke Beziehung mit dem Leser aufzubauen, ist, sie dszu zu bringen, zu zahlen.“ In Großbritannien überlegt die „Red Box“ der Times, die die aktuelle Politik behandelt, ein solches Modell einzuführen.“
  3. Spenden oder verschiedene Beiträge: Eine bestimmte Anzahl Newsletter wird umsonst gesendet, aber verlangt regelmäßig Beiträge, wie beispielsweise Johnson’s Russia List. Diese aggregiert Medien und akademische Artikel über Russland und die ehemalige Sowjetunion. Genauso ProMed, die Krankheitsausbrüche mit ansteckendem Charakter abbildet. Manche werden umsonst an Privatpersonen und Akademiker ausgegeben, aber an Geschäftskunden und gewerbliche Abonnenten verkauft.
  4. Zusatz zu Abonnement: Free Lunch, Brexit Briefing und andere spezielle Newsletter werden gratis an Standard oder Premium-Abonnenten versandt. Sie stellen einen alternativen Weg für Leser dar, um Inhalte zu konsumieren. Sie helfen auch dabei, Artikel von der Financial Times im Netz zu verbreiten und das Engagement zu erhöhen, indem mehr Artikel gelesen werden. Auf diese Weise bindet man seine Leser oder kann sie zu Upgrades bewegen.
  5. Werbung: Viele Newsletter enthalten Werbung oder Banner wie Red Box. Immer mehr beinhalten auch native Werbung oder gesponserten Inhalt, wie beispielsweise Quartz’s Daily Brief, The Monocle Minute und TTSO (Time to Sign Off) in Frankreich.
  6. Querverkauf: E-Mails enthalten oft eine Leseprobe, um die Reichweite durch neue Leser zu erhöhen. Man bekommt ungewohnte Inhalte präsentiert und generiert Loyalität und Klicks zu einem Abonnement oder einer Abo-Paywall. Manche tun dies mit ihren eigenen Seiten in Kopperation mit kommerziellen Seiten. Beispielsweise haben die Washington Post und BuzzFeed sich mit Amazon zusammengeschlossen. Andere bewerben Bezahl-Events oder bauen Adresslisten auf, mit denen man verschiedene Zielgruppen adressieren kann.
  7. Markenwahrnehmung: Kostenlose Newsletter sollen größeres Interesse an einer Nachrichtenorganisation oder einem Produkt auslösen. Auch kann das Wissen über die Organisation oder ihren Inhalt vergrößert werden, genau wie die Wahrnehmung von neuen Inhalten oder Services.
  8. Gemeinschaftsbildung: Newsletter, die bestimmte Interessen, Themen oder Leute in bestimmten Regionen ansprechen, bieten eine Möglichkeit, um eine tiefergehende Vernetzung zu speziellen Gruppen herzustellen und eine direkte Beziehung aufzubauen. Auch die Loyalität wird vergrößert und Mitgliedschaften und Eventteilnahmen werden angeboten.

Nicht jedes dieser Modelle funktioniert für jeden – und diejenigen ohne starkes, redaktionelles Urteilsvermögen, eigenen Inhalt oder andere Arten der Abgrenzung werden an dem zunehmend umkämpften Newslettermarkt sehr zu leiden haben. Der Newsletter closure of This, bei dem Leseempfehlungen erteilt werden, ist eines dieser Beispiele.

Neben größerer Experimentierfreude mit diesen Modellen müssen auch andere Zukunftsthemen für redaktionelle E-Mails berücksichtigt werden, wenn es um die Entwicklung von journalistenfreundlicheren Plattformen geht: die Veränderung der Regulierung (vor allem in Europa) und die Rolle der Algorithmen, die bei der Entdeckung von Inhalten eine Rolle spielt.

E-Mails sind ein Hybridmedium, das weit davon entfernt ist, perfekt zu sein. Zur Zeit füllen sie aber eine Lücke für Nachrichtenabteilungen. Ihre Einschränkungen bieten eine wichtige Plattform für Experimente, deren Eigenschaften auch in anderen Medienformen tragen können, die sie vielleicht eines Tages ersetzen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „NiemanLab” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image “mail-newsletter-home-mailbox” (adapted) by Anne-Onyme (CC0 Public Domain)


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scoopcamp 2016 – Livestream

Sccopcamp

Es ist wieder soweit: Am 29. September findet das scoopcamp 2016 statt. Seit 2009 lädt Hamburg@work – und seit 2014 nextMedia.Hamburg – jährlich zusammen mit der Deutschen Presse-Agentur GmbH zu dieser Innovationskonferenz ein.  Etwa 250 Experten, Entscheider, Journalisten, Programmierer und Innavatoren der IT- und Medienbranche kommen  zur Diskussion über Trends und aktuelle Themen. Es geht um neue Entwicklungen im Journalismus und die damit verbundenen Veränderungen im journalistischen Alltag. Veranstaltungsort ist wieder das „Theater Kehrwieder“ in der Hamburger Speicherstadt. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Datenjournalismus, Investigativjournalismus, Immersives Storytelling, Social Media und Produktinnovation.

Zu den Hauptrednern zählt Verena Pausder, Gründerin und Geschäftsführerin des Unternehmens Fox & Sheep. Das Unternehmen entwickelt und vermarktet Apps für Kinder im Vorschulalter. Anfang dieses Jahres eröffnete sie zusammen mit HABA die erste Digitalwerkstatt in Berlin, in der Kinder programmieren und designen können. Im März 2016 wurde sie durch das World Economic Forum zum Young Global Leader gewählt. Außerdem werden Jeremy Gilbert, Director of Strategic Initiatives des Newsroom der Washington Post, und Assaf Sagy, Vice President of International Markets für Playbuzz, Vorträge auf dem scoopcamp halten.

Wie in den Vorjahren, wird die Konferenz in einen Kongressteil am Vormittag und parallel stattfindende Workshops am Nachmittag aufgeteilt. Im Anschluss daran gibt es noch ein Experten-Gespräch und ein Get-Together.

Die Speaker, das Programm und alle weiteren Informationen findet ihr auf scoopcamp.de.

+++Das Gewinnspiel ist beendet, die Gewinner wurden benachrichtigt+++

Ihr habt die Chance, Tickets für das scoopcamp 2016 zu gewinnen. Schreibt uns einfach eine Mail bis Donnerstag 01.09.2016 – 17 Uhr an gewinn@netzpiloten.de mit dem Betreff „scoopcamp 2016“. Die Gewinner werden selbstverständlich von uns benachrichtigt!

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Facebook Bots mit ein paar Bugs

Man (Image by geralt [CC0 Public Domin], via Pixabay)

Wissen Sie noch, wie es war, als Bots voll angesagt waren? Vor laaaaaanger Zeit (genauer: im April) kündigte Facebook an, dass man beginnen würde, Bots in seiner Messenger Chat-App zu unterstützen, und CNN, das Wall Street Journal und andere Verleger – ebenso wie zahlreiche Einzelhändler und andere Marken – starteten Bots auf der Plattform.

Obwohl CNN sagte, dass die User im Schnitt zwei Minuten mit ihrem Bot verbringen, scheint es, dass die Reaktion auf die Bots verhalten ausfiel, da sich Nutzer über Fehlfunktionen, lange Reaktionszeiten und übermäßig viele Benachrichtigungen beschwerten.

Als aus dem Frühling schließlich Sommer wurde, schien sich die Aufmerksamkeit der Verleger in Richtung Facebook Live und anderer, schickerer Plattformen zu verlagern. Und doch hat das das Unternehmen nicht davon abgehalten, ihre Arbeit an Messenger-Bots fortzuführen. Facebook sagt, dass es aktuell mehr als 11.000 davon im Messenger gibt. Vor wenigen Tagen hat die Washington Post ihren eigenen Bot veröffentlicht. Die Zeitung sagt weiter, dass sie Pläne hat, den Bot auf andere Plattformen auszuweiten, darunter SMS, Slack und Alexa, der Assistent von Amazon. Die Washington Post plant, schließlich auf “jeder Bot-fähigen Plattform” vertreten zu sein, sagte Joey Marburger, der Produktleiter der Washington Post. Das Ziel ist, die Bot-Erfahrung auf allen Plattformen ähnlich zu gestalten.

Während andere Medienoutlets darauf drängten, von Beginn an Bots in den Messenger zu bringen, hat sich die Washington Post dazu entschieden, sich zurückzuhalten und zu untersuchen, wie die User auf die Bots reagieren, die Verleger und Nicht-Verleger herausbringen. Eine Erkenntnis: User und Washington Post-Redakteure mögen die zugespammten und nicht-responsiven Benachrichtigungen nicht, die die meisten Bots bieten. Als Konsequenz daraus entschied die Zeitung, die erste Version des Bots vollständig responsiv zu gestalten, was bedeutet, dass der Bot Ihnen nichts schickt, solange Sie nicht darum bitten.


“Wir haben darüber eine Weile nachgedacht”, sagte Marburger. “Wir wissen, dass wir sie bauen können — wir wissen, dass wir die Feeds und die APIs haben, sie zu betreiben. Aber wie soll die tatsächliche Erfahrung aussehen? Wie sieht ein Ansatz aus, den wir auch im Nachhinein nochnutzen können, um zu lernen, wie Leser mit dem Bot in einer Chat-Umgebung interagieren?”

“Bots sind nicht neu, aber sie zu nutzen, um Nachrichten und Informationen zu bekommen und Dinge zu kaufen, das ist offensichtlich neu,” fuhr er fort. “Sie müssen das Erlebnis hinbekommen. Lasst uns das nicht von vornherein vermasseln und sie mit Schlagzeilen vollspammen. Lasst uns all diese Unterhaltungserfahrungen als einen ersten Zwischenstopp betrachten. Lasst uns mit der Zeit wachsen.”

WaPoMessenger
Die Nutzer können den Post-Bot nach den beliebtesten Artikeln oder nach der Berichterstattung zu bestimmten Themen fragen. Wenn die Nutzer ihre Postleitzahl eingeben, wird ihnen der Bot auch auf ihren Ort zugeschnittene Ergebnisse von landesweiten oder lokalen Wahlen senden. In wenigen Wochen wird der Bot die Berichterstattung der Post von den olympischen Sommerspielen beinhalten.

Die Washington Post plant, irgendwann auch Benachrichtigungen hinzuzufügen. Dies geschieht jedoch nur, wenn die Nutzer sie anfordern, sagte Marburger. So könnten Nutzer beispielsweise den Bot bitten, ihnen jeden Morgen zu der Zeit, zu der sie aufwachen, die Top-Nachrichten zu schicken. Sie plant auch, mehr Informationen wie etwa grundlegende Wetterdaten, Sportergebnisse und -statistiken und ein Nachrichtenquiz hinzuzufügen. (Die Washington Post hat im letzten Jahr mit einem Bot für ein Nachrichtenquiz auf Kik experimentiert.)

Und während sie weiterhin die Bots auf verschiedenen Plattformen ausbaut, will die Washington Post sicherstellen, dass die Erfahrung interaktiv ist und nicht auf “starren, roboterhaften Kommandos” basiert. Marburger sagte aber auch, dass der Bot reibungslos funktionieren muss, damit die User ihn tatsächlich interaktiv nutzen. Im Idealfall wird der Bot so einfach zu nutzen sein wie Google. Die Nutzer sollten nicht darüber nachdenken müssen, was die beste Art ist, Berichte oder Informationen anzufordern.

Die Washington Post wollte auch, dass der Bot interaktiv ist, weil er so auf Alexa-fähigen, also sprachgesteuerten Geräten wie dem Amazon Echo einfacher zu nutzen sein wird. (Wenig überraschend: Amazon-Gründer und -Geschäftsführer Jeff Bezos ist derjenige, dem die Washington Post gehört.)

“Wenn Sie die Leute dazu bringen, offenere Fragen zu stellen, fangen Sie an, sich in eine Unterhaltung hineinzutasten”, sagte er. “Sobald Sie das tun, reagieren die Leute vielleicht auf Dinge, sie stellen möglicherweise kompliziertere Fragen, und darauf wollen wir wirklich hinarbeiten, damit es sich nicht so anfühlt, als müssten Sie eine Unmenge an Befehlen auswendig lernen.” Die aktuelle Version des Post-Bots kann jedoch noch nicht auf diesem Level arbeiten.

WaPoMessenger2

So fragte ich den Bot beispielsweise nach Berichten über Pokémon Go — doch er spuckte mir nur Artikel über Evan Bayhs Antrag im Senat von Indiana aus und einen Kommentar einer Mutter, die wissen wollte, warum sie die Bildschirmzeit ihrer Kinder nicht begrenzt. Außerdem fand er einen Text aus dem April, der Aprilscherze auflistete, einen Bericht über eine Entführung in Washington, D.C. und eine Rezension der Fernsehshow X-Factor.

Marburger zeigte Verständnis für Problem und sagte, diese Schwierigkeiten mit der Sprachverarbeitung seien das Hauptproblem, das die Washington Post jetzt, da sie den Bot auf den Markt bringt, zu lösen versucht.

“Der offene Suchspeicher, den er aufbaut, ist im Moment der größte Bug,” sagt Marburger. “Diese zu bauen, das ist der schwere Teil – also die Verarbeitung natürlicher Sprache und in der Lage zu sein, identifizierbare Wörter herauszupicken, die dann auf die korrekten Ergebnisse eingehen. Im Moment erhalten wir ein paar willkürliche Ergebnisse, aber wir arbeiten gerade daran, das zu verbessern. Das war von vornherein ein ausbaubares Feature, auf das wir nicht vollständig gebaut haben. Wir können es aber verbessern, während die Leute anfangen, es zu benutzen, also wollten wir es herausbringen und sehen, was wir daraus lernen können.”

Während viele Medienoutlets ihre Bots von externen Unternehmen erstellen ließen, wurde der der Washington Post intern entwickelt. Marburger sagte, es habe zwei Ingenieure gegeben, die an separaten Bots gearbeitet haben. Einer hat sich um den Schlagzeilen-Bot gekümmert, der andere um den Wahlergebnisse-Bot. Beide kamen schlussendlich zusammen und konnten ihre Arbeit zu einem einzigen Bot kombinieren. Der Prozess dauerte etwa zwei Wochen, doch der Start wurde wegen Urlauben und dem Feiertag am 4. Juli verschoben.

Die Washington Post plant, den nächsten Bot für SMS zu starten. Der Release ist für diesen Herbst vorgesehen. Marburger sagte, ein SMS-Release dauere länger, weil “es viele rechtliche Aspekte gibt, die interessant sind und um die man sich bei Chat-Apps keine Sorgen machen muss.“ Nach den SMS steht Slack als nächstes auf dem Bot-Plan der Zeitung.

Marburger sagte, dass sich die Washington Post dazu entschieden hat, sich zunächst auf diese drei Plattformen zu konzentrieren, weil jede ihre eigenen Launen und Besonderheiten hat, deren Bewältigung nützlich sein wird, bevor man zu anderen Diensten übergeht. “Wir versuchen, einige klare Unterscheidungsmerkmale zu haben. Messenger unterscheidet sich sehr von SMS, was sich sehr von Slack unterscheidet“, sagte er. “Das sind drei unterschiedliche Erfahrungspunkte. Wir denken, wir können von all diesen drei Bereichen eine Menge lernen, bevor wir die Lücken dazwischen mit anderen Nachrichtenplattformen ausfüllen.”

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Nieman Journalism Lab“ unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Man“ by geralt (CC0 Public Domain)


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Die Washington Post nutzt Slack für die Erschaffung von Lesergemeinschaften

Washington Post (adapted) (Image by Esther Vargas [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Der Messagedienst Slack ist ein unverzichtbares Tool innerhalb der Nachrichtenredaktion. Nun ist Slack überraschenderweise auch zu einem effektiven Kommunikations-Tool für Herausgeber geworden. Im April hat die Washington Post den Dienst Pay Up gestartet, eine auf Slack basierende Gemeinschaft, die sich an Frauen im technischen Sektor richtet. Ein Teil davon bildet eine karriereunterstützende Gruppe, ein anderer Teil ist das Networking-Tool, mit dem innerhalb der Gruppe schnell Diskussionen über die Themen, wie Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen, Gehaltsverhandlungstaktiken und neue Jobangebote aufkommen.  „Frauen haben diese Diskussionen schon lange untereinander geführt, deshalb dachten wir, wir können diese Diskussionen unterstützen und daraus etwas Größeres machen“, sagte die Social Media-Leiterin Alex Laughlin von der Washington Post.

Die Washington Post richtet diese Diskussionen ums Gehalt eher selten selbst aus – stattdessen gibt es den Mitgliedern die Möglichkeit, eine Unterhaltung zu beginnen, indem sie Slack-Kanäle erstellen, um darin zu diskutieren.

Mitglieder haben bereits Kanäle erstellt, die bestimmte Themen behandeln, wie beispielsweise Städte, Musik und auch das Smartphone-Spiel „Neko Atsume“. Die Idee besteht daraus, „dass Frauen herkommen und über sich selbst sprechen“ – und nicht nur über ihre Identifikation mit dem Arbeitsplatz, sagte Laughlin. Zusätzlich zu diesen offenen Gruppendiskussionen organisiert Pay Up regelmäßig Podiumsdiskussionen mit Experten über verschiedene wichtige Themen wie Gehaltsverhandlungen und Vielfalt am Arbeitsplatz.

Diese Gruppe ist nicht offen. Frauen, die daran interessiert sind, teilzunehmen, müssen ein Formular ausfüllen. Darin wird abgefragt, wer sie sind, wo sie arbeiten, wer sie angeworben hat und warum sie teilnehmen wollen. (Im Formular werden auch potentiellen Mitgliedern Fragen über ihr Gehalt gestellt, die Angaben sind jedoch unabhängig von einer Aufnahme). Bisher haben Laughlin und ihre Washington Post-Kollegin, die Social Media-Leiterin Julia Carpenter, eine beschränkte Mitgliedschaft nur für Frauen im technischen Sektor eingerichtet, obwohl sie planen, die Teilnahmeberechtigung auch auf Frauen aus anderen Industriezweigen zu erweitern.

In den letzten paar Monaten haben sich bereits rund 1.000 Bewerber für die Gruppe interessiert und die Gruppenmitgliederanzahl ist derzeit bei „knapp unter 500“, sagte Laughlin. Ihr Fokus und der von Carpenter liegt hauptsächlich darauf, wie viele der neuen Mitglieder von bereits bestehenden Mitgliedern geworben wurden. Neben dieser Gemeinschaft ist Pay Up auch rasch zu einer Quelle herangewachsen, aus der heraus Mitglieder Inspirationen oder sogar direkte Beiträge veröffentlichen. Während alles in der Gruppe gesagte als inoffiziell und vertraulich gilt, verwendet die Washington Post Kommentare von Pay Up-Mitgliedern in Artikeln wie beispielsweise zum Thema Work-Life-Balance. Laughlin und Carpenter veröffentlichen auch regelmäßig Zusammenfassungen von Pay Up-Diskussionen auf dem Medium.

Der Gruppenersteller sagt, dass das Pay Up-Modell auch auf andere Gemeinschaften, wie alleinerziehende Mütter oder Einwanderer der ersten Generation, erweitert werden kann. Hätte die Washington Post diese Gruppen erstellt, hätten sie dasselbe Ziel gehabt wie Pay Up: Eine starke, selbsterhaltende Gemeinschaft zu erschaffen, während sie mit den Inhalten von der Washington Post gefüttert wird. “Das Beste ist, dass wir sehen können, wie Menschen eine Unterhaltung beginnen, ohne dass wir eingreifen müssen”, sagte Carpenter. „Das ist die Art von Raum, die wir schaffen wollten.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Washington Post“ by Esther Vargas (CC BY-SA 2.0)


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Die Washington Post erstellt „alternative Artikelformate“

Washington, DC, June 2011 The Washington Post (adapted) (Image by Daniel X. O'Neil [CC BY 2.0] via flickr)

Hat die Washington Post Ihr Alter und Einkommen richtig geraten, nur aufgrund der Apps auf Ihrem Handy? (Zur Info: Laut meiner Apps bin ich ein „alleinstehender Mann unter 32, der mehr als 52.000 US-Dollar pro Jahr verdient.“) Die Rätselei um das Alter begleitete einen Artikel von Washington Post-Reporterin Caitlin Dewey über eine recht unsichere Forschungsarbeit, wie die Nutzung bestimmter Apps gewisse demographische Merkmale vorhersagen kann.

Ein Team der Washington Post baute hier zudem ein Feature ein, mit dem man einen Persönlichkeitstest machen konnte. Es handelte sich bei dem Test um eine recht aussagekräftige Zusammenstellung, die traditionelle Quizfragen, ein Wissensspiel, ein Spiel, bei dem man möglichst rasch raten musste, ein Kartenspiel und sogar ein Zitate-Quiz enthielt. „Das Team hat dies für den Nutzer personalisiert, so dass man mehr über sich selbst lernen kann, wenn man sich auf die Geschichte einlässt. Es führt dazu, dass die Geschichte bei den Nutzern eher hängen bleibt, als wenn sie sie einfach nur lesen würden.“, berichtet Greg Barber, Leiter des Projekts Digitale Nachrichten bei der Washington Post, der auch an Strategien und Partnerschaften beim redaktionsübergreifenden The Coral Project arbeitet. Er meint:

Mehr Farben auf unserer Palette zu haben als nur Texte, Fotos und Videos, kann wirklich hilfreich sein, um eine bestimmte Geschichte zu erzählen.

Das Redaktionsteam der Washington Post erstellte die Infrastruktur hinter den Fragespielen, ebenso eine Reihe anderer Werkzeuge, die darauf abzielen, den Leser dazu zu bringen, mehr zu tun als nur zu lesen: Sie sind verantwortlich für spielähnliche Funktionen wie Diskutier-Bingo, Fantasie-Spiele und Oscar-Tipprunden, aber auch für Funktionen wie Notizen (früher bekannt als Wissenskarte).

Bis vor Kurzem wurde das Redaktionsteam für diese Art von Artikeln als „Spiele-Team“ tituliert, weil es eine Reihe von Quizfragen und ähnlichen interaktiven Funktionen entwickelt hatte, die als Teil der verlagseigenen Veröffentlichungsplattform Arc mit ihrer Lizensierung anderen Herausgebern angeboten wurden. Die Werkzeuge, die seitdem entwickelt wurden, sind auch als Teil des Arc-Pakets gedacht.

„Wir haben ‚Spiele‘ gemacht, aber es wurde klar, dass diese Bezeichnung nicht ganz das ausdrückt, was wir tun, und das war der Moment, an dem wir anfingen, nach anderen Namen zu suchen.“, sagt Alex Remington, der Produkt Manager, der dabei half, das Projekt ins Leben zu rufen. „Schon früh entwickelten wir eine Kreuzworträtsel-App und tauchten ein in diese besondere Welt.“, meint Jen Kastning, Leiterin des Softwareentwicklungsteams. „Dann erkannten wir, dass es in den Nachrichtenredaktionen einen großen Bedarf dafür gibt, neue Werkzeuge zu entwickeln, um Reportern zu helfen, ihre Geschichten zu erzählen. Und wir wollten unseren Endnutzern helfen, mehr zu interagieren, so dass sie einen Artikel nicht nur lesen, sondern ein Quiz machen, an einer Umfrage teilnehmen oder einen Lückentext ausfüllen konnten.“ Kastning führt eine Hand voll Entwickler in die neuen Büros der Washington Post.

Der Vorteil von interaktiven Features wie den Kreativspielen ist, dass Besucher dazu ermutigt werden, zur Webseite der Post zurückzukehren und über mehrere Runden zu wählen, um dann zu erfahren, wer zum Gewinner gekürt wurde. Wie das Team ermittelt, ob ein Tool sinnvoll war (und ob es entsprechend genutzt wurde), kann verschieden sein, aber es gibt einige simple Hinweise. Barber wies auf die diesjährigen „Beer Madness Bracket“-Spiele hin, die in der Endwahlrunde um die 16.000 Stimmen erreicht hatten (und mehr Stimmen als im Vorjahr). Dies gilt als Beispiel für eine erfolgreiche Eingliederung eines nicht traditionellem Erzählerwerkzeugs. Genauso überwacht das Team die Stimmen in einmaligen Umfragen – wie beispielsweise, als die Leser gefragt wurden, welches Rezept Dana Milbank nutzen soll, wenn er kocht und buchstäblich seine Kolumne über Trump verschlingt – und immer wieder den Traffic, den der Artikel generiert.

Deweys Handyapp-Persönlichkeitstest schloss damit, dass er Millionen von Besuchern anlockte, was das Team dazu zwang, zurückzukehren und Verbesserungen an der Architektur vorzunehmen („Eine große Reichweite zu haben war ein ziemliches Problem, aber es wurde klar, dass wir immer noch ziemlich ineffizient waren, als wir diese ausweiten wollten.“, sagte Remington). Das Team überprüfte diese Kombinationen auch, um Einblicke über Erfolge mit Reportern und Herausgebern zu teilen.

Wann ist der Bedarf der Nachrichtenredaktionen so groß, dass das Team ein wiederverwendbares Werkzeug entwickelt? Wann arbeitet das Team nur mit Graphikeditoren, um eine einmalige App zu errichten, die im Verlauf nicht aufrechterhalten werden muss? Ein interaktives Bingo-Spiel wirkt sich zum Beispiel erst einmal so, als könne man es eher selten einsetzen. Als Philip Bump ein Donald Trump-Grimassen-Bingo für The Fix zusammenstellte, frotzelte er: „Ein großes Lob an das Technikteam der Washington Post, die dieses Tool zusammengebaut haben, nur damit ich das Dümmstmögliche damit anstellen kann. Anfang letzten Herbstes wussten wir, dass uns eine unglaublich stressige Zeit der Diskussionen bevorstand. Es gab die Idee des Politik-Teams, dass es cool wäre, ein interaktives Bingo-Spiel zu haben. Alle paar Wochen, oder sogar noch öfter, würde es entweder eine Demokraten- oder Republikaner-Debatte geben, ganz zu schweigen von den Stadtversammlungen im Rathaus und ähnlichen Veranstaltungen. Also entschlossen wir uns dazu, das herauszubringen.

Das Team hatte ungefähr fünf Wochen vor der ersten Debatte im letzten Spätsommer, um das Tool betriebsfähig zu machen und um sicherzustellen, dass es auf dem Telefon funktionierte (man musste das Backend einrichten, das Frontend schreiben und designen, Links in die veröffentlichen Inhalte der Post errichten, sodass das eingebettete Werkzeug ordentlich angezeigt wurde). „Nachdem der Höhepunkt der Debatten erreicht war, ging die Nutzung des Tools stark zurück, aber wir hatten das schon erwartet und es ist okay. Das Bingo-Tool war eine interessante Schwelle. Wenn ein Tool überhaupt nur zwei Mal genutzt wird, haben wir unsere Zeit verschwendet. Wenn es aber zehn, zwölf Mal genutzt wird, vielleicht nicht“, so Barber.

Einen Nachrichtenredaktionspartner mit einem redaktionellen „Einführungsfall“ zu haben, ist problematisch. Barber führt aus:

Wir vermitteln Leute in der Nachrichtenredaktion, die uns beim Herausgeben helfen werden. Wir unterhalten uns in der Redaktion. Wir arbeiten möglicherweise mit mehreren Abteilungen zusammen, um sicherzugehen, dass wir kein Tool erstellen, das nur die Anforderungen einer Abteilung erfüllt, sondern etwas, das in der Nachrichtenredaktion auch weiterhin benutzt wird.

Und er geht auf die Nutzungsmöglichkeiten detaillierter ein: „Wir wollen etwas haben, wo unsere Journalisten einfach hineingehen und in ihre Geschichte integrieren können. Wir wollen, dass die ganze Organisation darüber nachdenkt, wie man einen Nutzer am besten dazu zu bringen kann, eine Geschichte zu verstehen und sich darauf einzulassen.“ Es gibt über Slack einen Kanal, in dem jeder um Hilfe bitten, Wünsche äußern und Anmerkungen einbringen darf. Das Team führt eine Programmerweiterung ein, um es für Reporter, die mit WordPress arbeiten, einfacher zu machen, das Werkzeug, das sie in ihrer Geschichte wollen, auszuwählen und zu integrieren.

Warum nicht vorgefertigte Werkzeuge von Dritten benutzen oder eine der vielen Angebote aus offenen Quellen da draußen optimieren? Während das Team seine „Augen danach offen hält, was woanders entwickelt wird, sodass wir einen breiten Überblick über das haben, was die Industrie tut und welche Technik bereits erhältlich ist,“ geht es oft schneller, seinen eigenen Code zu entwickeln und diesen zu individuell anzupassen. Das Überprüfungsteam, das politischen Forderungen eine gewisse Anzahl von „Pinocchios“ zuweist, basierend auf deren relative Wahrheit, wollte ein Werkzeug, dass es auch Lesern erlauben sollte, ihre eigenen Pinocchios zu verteilen. Das Artikelteam entwickelte ein Bewertungsfeature, der von dem selben Code wie das Umfragefeature angetrieben wurde, und probierte mit der Feature-Abteilung an anderen Anwendungen, wie Restaurant- und Showbewertung.

Das Artikelteam arbeitet außerdem eng mit der Grafik zusammen, welche sich einschaltet, um zu klären, ob sie das geforderte Feature allein entwickeln können, oder ob das Feature etwas ist, in das das Artikelteam involviert werden möchte (dieses Team hat ein Lesezeichen-Tool entwickelt, das Leser zurück zu längeren Geschichten geleitet hat). Die Ideen können auch vom Entwicklerbüro in New York City kommen. Die Wissenskarte hatte ihren Ursprung bei der Idee, wiederverwendbare Erklärungsschnipsel an bestimmten Worten und Phrasen in komplizierten Geschichten zu kreieren. Sie erschien erstmal im vergangenen Sommer und beinhaltete Artikel über Technikfirmen und die Herausforderung, mit ISIS umzugehen. Der New York Design Shop begann, mit Artikel-Tools zusammenzuarbeiten, um daran zu arbeiten, das Feature zu automatisieren (das Tool kehrte im Februar bei Berichterstattungen über Zika in der Washington Post zurück).

Andere Features befinden sich in Vorbereitung, einschließlich eines Flussdiagramm-Tools. „Wir versuchen herauszufinden, wie man das die Administratorenseite strukturieren kann,“, sagt Kastning. „Wenn Leute ein Flussdiagramm erstellen wollen, müssen sie mit einer vorgefertigten Idee in das Tool gehen, wie sie die Geschichte illustrieren wollen: Ist es besser, dies über anklickbare Schritte laufen zu lassen oder sollte es spielerischer sein?“ Kastning fasst zusammen: „Wir hatten unterschiedliche Herangehensweisen, was es hieß, ‘Spiele zu entwickeln’. Aber das sind immer noch Werkzeuge für Geschichten! Alles, was wir entwickeln, ist nur eine neue Möglichkeit für Journalisten, Geschichten zu erzählen.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Washington, DC, June 2011: The Washington Post“ by Daniel X. O’Neil (CC BY 2.0)


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Die Washington Post testet Pop-Up-Newsletter für größere Artikel

Typesetting and leading @ The Washington Post D.C. (adapted) (Image by Lindsay Eyink [CC by 2.0] via flickr)

Eine der effektivsten Arten, Menschen dazu zu bringen, Geschichten anzuklicken und zu lesen ist auch eine der einfachsten: Man muss den Inhalt für sie personalisieren, indem man sich darauf bezieht, was sie bereits gelesen haben. Um einige ihrer größten Artikel zu bewerben, experimentierte die Washington Post mit „Pop-Up“-Newslettern. Die Newsletter werden basierend auf den Interessen und dem Verhalten des Lesers personalisiert und an die bereits bestehenden Email-Abonnenten der Washington Post (die diesem Vorgang nicht extra zugestimmt haben müssen) versendet. Um ihre aktuelle Story über einen Lehrer einer Marineakademie, der wegen sexueller Nötigung angezeigt wurde, zu bewerben, schickte die Post beispielsweise eine E-Mail an die Nutzer, die in der letzten Zeit ähnliche Geschichten gelesen hatten. Seit Januar nutzte die Post den Pop-Up-Newsletter, um bisher acht Artikel zu bewerben. Die Personalisierung gibt den Newslettern der Washington Post eine neue Relevanz, sagt Jennifer Amur, Redakteurin der Newsletter und Alertmeldungen der Post. „Wir versuchen sicherzustellen, dass die Leser, die an unseren überzeugendsten Stücken wirklich interessiert sind, diese auch zu sehen bekommen“, sagt sie. Bis jetzt wird das E-Mail-Personalisierungsexperiment der Washington Post mithilfe von Fremdwerkzeugen genutzt, doch es ist geplant, diese Funktion in Clavis, dem eigenen Content-Personalization-Tool, zu integrieren. Inspiriert durch Amazons eigene Personalisierungsmaschine arbeitet Clavis, indem es Schlüsselwörter und Sätze aus den Artikeln, die die Nutzer lesen, analysiert. Diese Schlüsselworte werden dann genutzt, um Nutzern andere Inhalte zuzuordnen, die ihnen gefallen könnten. Das Tool, das die „Post Empfehlungen“-Widgets auf der Seite der Post betreibt, wurde ebenfalls zur Zielführung von Native Ads genutzt. Die E-Mails an sich sind einfach. Eine E-Mail, die beispielsweise „Die Überzeugungen eines Marines“ bewirbt, stellt lediglich eine Einführung, die ersten drei Absätze der Story, einen Link, um zur Vollversion zu gelangen, und Links, um die Story auf Facebook und Twitter zu teilen, dar. Die Idee ist, die Leser dort hin zu bekommen, dass sie die Story lesen, teilen oder – bestenfalls – beides tun, sagt Amur. Es handelt sich um eine effektive Formel. Die Klick-Raten der personalisierten Newsletter betragen das Dreifache des Durchschnitts und die Öffnungsrate insgesamt beträgt das Doppelte des Durchschnitts für die Newsletter der Post. (Amur gab keine konkreten Zahlen preis.) Diese Ergebnisse zeigen, warum Personalisierung ein so mächtiges Tool sein kann, wenn es richtig verwendet wird. Wenn Herausgeber in der Lage sind, die Inhalte, die an den Leser angepasst wurden, besser zur Verfügung zu stellen, dann, so die logische Schlussfolgerung, erhöhe sie außerdem die Wahrscheinlichkeit, dass diese Leser sich durchklicken und, einmal angefangen, auch weiterlesen. Das Problem ist, dass, während die Herausgeber zwar ein großes Potenzial in der Personalisierung sehen, nur wenige von ihnen die Personalisierung zum Kern ihrer Distributionsstrategien gemacht haben. Doch Personalisierung ist nicht die einzige Möglichkeit, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass die Leser sich durch die Newsletter klicken. Während die Washington Post den Weg der Personalisierung gewählt hat, haben Herausgeber wie die der New York Times die Relevanz ihrer Newsletter durch das Erstellen von vertikalen Newslettern, die auf Nischeninteressen und sogar auf individuelle Kolumnisten wie Nicholas Kristof fokussiert sind, gesteigert. Im Februar brachte die Times The Edit heraus, einen Newsletter gerichtet an College-Studenten. Die Washington Post folgte dieser Fährte ebenfalls, indem sie neuerdings Newsletter wie den auf Tiere spezialisierten Animalia und In Theory, der sich auf Gastkommentare konzentriert, herausbringen. Obwohl ein großer Teil des Verlagswesens den Großteil ihrer Aufmerksamkeit auf Facebook projiziert hat, darf die Macht der Newsletter nicht ignoriert werden, sagt Amur. „So viel von dem, was wir mit den Newslettern, E-Mail-Brennpunktmeldungen und App-Sondermeldungen tun, zielt darauf ab, die Menschen dort zu erreichen, wo sie sich befinden. Die Menschen tragen ihre Mailfächer mit sich.“ Dieser Artikel erschien zuerst auf „Nieman Journalism Lab“ unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Typesetting and leading @ The Washington Post D.C. #lategram“ by Lindsay Eyink (CC BY 2.0)


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Vom Hörbuch zum Podcast: Audible wandelt sich (und macht sogar Nachrichten)

Audible (adapted) (Image by Johan Larsson [CC BY 2.0] via flickr)

Wer Hot Pod bei Nieman Lab oder die Podcast-Neuheiten allgemein verfolgt hat, wird bereits erfahren haben, dass Audible sein Team mit Audio-Talenten vornehmlich aus dem öffentlichen Rundfunk verstärkt hat, um seine eigenen Inhalte auszubauen, und er wird wissen, dass die Podcast- und Audio-Welt bereits darauf gewartet hat, was Audible als Teil des Onlineshopriesen Amazon auf den Markt bringen würde – denn sie können weitaus mehr als nur Hörbücher produzieren. Die lang ersehnten eigenen Inhalte sind nun erschienen, und zwar in der Form eines neuen Bereichs für „Channels“ in der Audible-App. Diese Abteilung, die sich aktuell im Beta-Stadium befindet und auf iOS- und Android-Geräten von einigen Audible-Mitgliedern getestet wird, streamt jetzt ausgewählte kurze Audioformate. Sie reichen von vorgelesenen Versionen von Artikeln der New York Times bis hin zu kompletten Shows von „PRI’s The World“ und Episoden des Formats von Charlie Rose. Neben speziellen Nachrichtenstreams tischt Audible mit seiner eigenen Multi-Quellen-Sammlung (Beispiele: „The Daily Rush“, „The Weekender“, „The Conversation: Guns“), die auch relevante Geschichten von Nachrichtenkanälen mit einbeziehen wird, ordentlich auf. Die Guns-Sammlung beinhaltet zum Beispiel eine Lesung der Kolumne von Fred Hiatt über eine waffenfreie Gesellschaft. Fred Hiatt ist bekanntlich redaktioneller Herausgeber der Washington Post, die wie Audible und Amazon von Jeff Bezos geleitet wird. Die geposteten Inhalte sorgen in den Audible-Kanälen für eine hohe Absatzrate, jedoch scheinbar keine höhere als andere Kanäle wie die Times und das Wall Street Journal; die Wichtigsten werden in alphabetischer Reihenfolge angezeigt. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von weiteren Angeboten abseits von Nachrichten – Lesungen von Tschechow-Geschichten, Comedy-Mixtapes und mehr. Hier soll der Fokus aber auf den Nachrichten-Angeboten liegen. Die Benutzer können speziellen Streams folgen und Beiträge im kostenfreien Bereich namens „Channels“ herunterladen. Es gibt keine reine Suchfunktion, jedoch können registrierte Benutzer Standard-Kategorien wie Kunst und Unterhaltung, Wirtschaft, Nachrichten, Politik und Globales sowie Wissenschaft durchsuchen. Es gibt außerdem eine Kategorie für Shows und Podcasts, die spezielle Audible-Inhalte bietet. (Wir haben eine aktuelle Liste von Verlegern angehängt, die einen Teil der Nachrichten-Kategorie ausmachen). Für Verleger, die bereits Audioinhalte produzieren, erscheint die Kooperation mit Audible unkompliziert: PRI arbeitet beispielsweise schon seit dem letzten Jahr mit Audible zusammen und liefert jetzt täglich Episoden von „The World“ und einige eigene Programmausschnitte via RSS Feed, so der Abteilungsdirektor des digitalen Vertriebs, Morgan Church. Kurzinhalte in der Kanal-Auswahl werden von Audible-Redakteuren ausgesucht, textbasierte Geschichten werden von einem Sprecher vorgelesen („Mein Name ist Christy Burns, und ich lese aus der U.S.-Rubrik der New York Times“). Die Markteinführung geschah im Stillen, da sich Channels noch im Beta-Stadium befindet und noch nicht für jeden Nutzer zugänglich ist. Gerüchte darüber wurden online jedoch schon im Herbst letzten Jahres laut und vor ein paar Tagen postete ein Reddit-User dazu:

„Um ehrlich zu sein, wollte ich mein Abonnement im nächsten Monat kündigen, aber mir gefällt die Idee der neuen Kanäle sehr gut“, schreibt Reddit-Nutzer Karmometer. Ein Verantwortlicher von Audible antwortete und wies darauf hin, dass die Kanäle keine vollständigen Hörbücher beinhalten würde und die Inhalte stattdessen immer zwischen einer Minute und einer Stunde lang seien. Die Basis-Mitgliedschaft von Audible kostet 14,95 US-Dollar im Monat; das Streamen der neuen Inhalte ist frei und unbegrenzt für die Mitglieder möglich. Neue Inhalte würden während der Beta-Phase regelmäßig hinzugefügt, so ein Audible-Sprecher, und sobald das Produkt offiziell auf den Markt komme (jedoch verriet er kein Wort über den Zeitpunkt), würden sogar noch mehr eigene Inhalte von Audible verfügbar gemacht. Auf die Frage, ob nichtregistrierte Benutzer ebenfalls Zugriff auf die Channels hätten, heißt es:

Wir streben danach, unsere Innovationen für mehr und mehr Kunden zugänglich zu machen und planen, die Ergebnisse aus der Beta-Phase in unsere Vertriebsstrategie einfließen zu lassen. Bleiben Sie auf dem Laufenden!

Die möglichen Auswirkungen von Audibles Schritt in Richtung Kurz-Audios, insbesondere im Bereich der Nachrichten, ist offensichtlich. Amazon ist ein gigantisches Unternehmen. Audible hat eine große und etablierte Zahl an Abonnenten. (Wenngleich sie im Stile Amazons keine Mitgliederzahlen veröffentlichen, heißt es, dass die Benutzer letztes Jahr 1,6 Milliarden Stunden Audio-Dateien heruntergeladen haben). Es ist leicht abzusehen, wie die „Washington Post“ mit ein bisschen Investition der treibende Motor der Audio-Nachrichten werden könnte. Wie Nicholas Quah in einer Aushabe von Hot Pod vom letzten Sommer sinnierte:

Ich warte auf den Augenblick, in dem Audible den Boden mit unseren Gesichtern wischt. Ich meine, wir können rennen und kämpfen wie wir wollen, doch am Ende kriegt Bezos uns alle.

Wie wir bereits erwähnten und wie Adam Davidson bereits ausführlich beschrieben hat, scheint es, dass wir eine Phase erreicht haben, in der sich Podcasts – traditionell verbreitet durch offene RSS-Kanäle, die jeder Podcast-App den Download erlauben – vertikalisieren und zu einer vom Produzenten bestimmten Erfahrung werden. Denken Sie an Earwolfs Howl, Acasts App, Gimlets Mitgliedschaft und jetzt Audibles Channels. Audible hat in diesem Kampf einen entscheidenden Vorteil: Es startet mit einer Grundlage von festen, zahlenden Mitgliedern, statt wieder bei Null anfangen zu müssen. Es bleibt abzuwarten, wie erfolgreich diese Art der Silo-Strategie auf dem Markt sein wird, doch Davidson argumentiert, dass dieser Ansatz die vielversprechende Hoffnung für die Etablierung eines substantiellen Nachrichten-Ökosystems außerhalb des öffentlichen Radios sein könnte:

  • Schon bald wird es einen oder zwei große Hauptakteure mehr geben, die einen Senkrechtstart versuchen werden, bei dem Podcasts an erster Stelle stehen: sie werden eine mächtige App haben, mit einer großen öffentlichen Präsenz zum Teilen, Suchen und Entdecken. Sie werden das ganze Geschehen kontrollieren, von der Konzeption der Inhalte bis hin zum Vertrieb und den Werbeanzeigen. Sie werden ein bisschen wie die Produkte von Facebook und Apple funktionieren, indem sie davon profitieren, ihre Benutzer innerhalb ihrer eigenen Angebote zu halten und ihnen stetig neue fesselnde Inhalte bieten.
  • Sie werden es auf das Genaueste so machen und gutes Geld damit verdienen. Sie werden führende Shows haben wollen, die eine beträchtliche Menge an Aufmerksamkeit und Lob bringen, selbst wenn sie Verlust machen. An diesem Punkt werden wir die Entstehung neuer, großer Shows beobachten können. Sie werden wahrscheinlich mit anderen Partnern kooperieren – vielleicht mit ProPublica oder der NY Times oder sogar NPR. Mein Eindruck ist, dass sich Audible, Panoply, Acast und Scripps/Earwolf möglicherweise bereits in diese Richtung bewegen…
  • Diese großen Hauptakteure werden bestrebt sein, neue Zielgruppen zu gewinnen und sicherzustellen, dass die bereits vorhandenen Mitglieder die App jeden Tag besuchen, eine längere Zeit dort verweilen und nicht zu einer anderen App wechseln. Ich schätze, dass die Nachrichten ein essentieller Teil dieser Wettbewerbsstrategie werden. Nachrichten allein werden den Katalog nicht füllen, während Dauerbrenner-Shows keinen unmittelbaren Grund darstellen, unbedingt sofort weiterzuhören. So wird eine Menge an Shows, zu der auch die Dauerbrenner gehören (wie zum Beispiel bedeutende Shows wie Planet Money, die einem dabei helfen, aktuelle Ereignisse aus den Nachrichten zu verstehen) neben einer täglichen Nachrichtensendung – mit einem leidenschaftlichen, smarten, engagierten Moderator sowie substantiell und überzeugend produziertem Inhalt – in den Mittelpunkt gestellt. Diese werden aller Vorraussicht nach eine unwiderstehliche Mischung und keine Niete sein.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Audible“ by Johan Larsson (CC BY 2.0)


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5 Lesetipps für den 6. August

In den Lesetipps geht es um von Google finanziertes Retortenfleisch, Facebooks neuer Marketing-Chef, Amazon-Gründer Bezos kauft die Washington Post, der BND gibt massenhaft Metadaten an die NSA weiter und die Maker Faire in Hannover. Ergänzungen erwünscht.

  • RETORTENFLEISCH Golem.de: Sergey Brin finanziert Retortenburger: Gestern wurde in London der mit 250.000 Euro wohl teuerste Burger der Welt vorgestellt. Das von Google-Mitgründer Sergey Brin finanzierte Projekt hat ein Stück Fleisch gezüchtet, dass nicht von einem Tier stammt, sondern aus Stammzellen im Labor gezüchtet wurde.
  • FACEBOOK W&V: Facebooks neuer Marketing-Chef kommt von Motorola: Gary Briggs wird neuer Marketing-Manager bei Facebook. Briggs, der von Googles Motorola kommt, folgt Vice President Product Marketing Eric Antonow, der sich jetzt einem Projekt im Bildungs-Bereich widmen möchte.
  • WASHINGTON POST Zeit Online: Amazon-Gründer Bezos kauft „Washington Post“: Jeff Bezos kauft als Einzelperson die US-amerikanische Traditionszeitung Washington Post, die den Watergate-Skandal aufdeckte, aber seit Jahren rote Zahlen schreiben. Der Amazon-Gründer Bezos zahlt 250 Millionen Dollar für die Washington Post Company und mehrere andere Blätter.
  • ÜBERWACHUNG Zeit Online: BND gibt massenhaft Metadaten an die NSA: Der BND gibt massenhaft Metadaten an die NSA. Alles rechtens, so die Regierung: Deutsche seien nicht betroffen. Doch daran gibt es Zweifel. Und an der Medienkompetenz des deutschen Geheimdienstes.
  • MAKER FAIRE Heise Online: Festival für Kreative: Am Samstag hat im Hannover Congress Centrum die erste Maker Faire in Deutschland stattgefunden: Von lötenden Kindern über 3D-Drucker bis hin zur augenscheinlich rohen Gewalt eines Schmieds gab es jede Menge zum Anfassen, Ausprobieren und Selbermachen. Mehr als 4300 Gäste ließen sich auf dem Technik-Festival, das von c’t Hardware Hacks präsentiert wurde, inspirieren.

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