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Kann man per App die Welt retten? Was Spenden-Apps alles können

Waise (adapted) (Image by WenPhotos [CC0 Public Domain] via pixabay)

Helfen ist super, Apps sind einfach. Helfen per App ist super einfach. Nach diesem Motto haben auch in Deutschland in den letzten Jahren viele Startups sogenannte Spendenapps ins Leben gerufen.

Mit einem Klick den Welthunger stoppen helfen

Das Prinzip dahinter ist simpel und basiert auf derselben Idee wie die Spendenmarathons im Fernsehen um die Weihnachtszeit: Wenn viele Menschen auch nur wenig Geld spenden, kommen am Ende bedeutende Summen zusammen. Doch anders als die jährlichen TV-Shows kann eine App viel geschmeidiger in den Alltag integriert und häufiger abgerufen werden. Potentiell können so viel mehr Menschen erreicht werden.

Eine der bekanntesten Spendenapps aus Deutschland heißt ShareTheMeal. ShareTheMeal bezeichnet sich selbst als die erste App der Welt gegen globalen Hunger. Dahinter stecken die Berliner Gründer Sebastian Stricker und Bernhard Kowatsch. In Zusammenarbeit mit dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen soll die App dabei helfen, hungernden Kindern auf der ganzen Welt eine Mahlzeit zukommen zu lassen. „Was kostet es, Welthunger zu stoppen?“ heißt es im Promo-Video des Startups. Die Antwort: 50 US-Cent. Damit kann demnach ein Kind einen ganzen Tag lang ernährt werden.

Über 12 Millionen Mahlzeiten wurden so laut ShareTheMeal seit der Gründung im Jahr 2014 schon finanziert. Ein Klick, eine kleine Spende und damit ohne viel Aufwand sehr viel Gutes tun. Auch für Nutzer ist das eine attraktive Art, um Menschen in Not zu helfen. Spendenapps sind unkomplizierter, ansprechender und direkter als die gängigen Offline-Spendenaktionen. Wer von uns wird schon gerne beim Einkaufen in der Fußgängerzone unterbrochen oder füllt freudig Spendenformulare für Fremde vor der Haustür aus? Spendenapps dagegen können viel geschickter in unsere täglichen Aktivitäten integriert werden.

Joggen gehen, Haus entrümpeln – und dabei etwas Gutes tun

Zum Beispiel beim Entrümpeln. Bei dem Münchner Startup SWOP haben die Gründer entsprechend das Nötige mit dem Hilfreichen verbunden. Nutzer machen Fotos von Gegenständen, die sie nicht mehr brauchen und verkaufen möchten. Diese Artikel werden dann über die SWOP-Plattform online gestellt und für andere Nutzer sichtbar. Diese können die Gegenstände dann direkt erwerben, die Bezahlung läuft per App. Ein Teil der Einnahmen geht an soziale Projekte wie Kick ins Leben oder an die Paria Stiftung.

swop
Screenshot by Marinela Potor

Andere Apps wiederum verbinden das Spenden mit Sport. „Stell dir vor, du gehst joggen und rettest dabei die Welt“ , heißt es etwa bei movingtwice, einem Startup aus St. Gallen in der Schweiz. Das Spenden hier funktioniert etwas anders als bei ShareTheMeal oder SWOP. Nutzer laden sich die kostenlose App auf ihr Smartphone und wählen dann ein Hilfsprojekt, das sie unterstützen möchten. Das kann eine Grundschule in Zimbabwe oder die Stiftung Rechnen in Quickborn sein. Jedes dieser Projekt wird von einem Unternehmen unterstützt. Zu den Investoren bei movingtwice gehören aktuell unter anderem die comdirect Bank oder Bahlsen. Sobald Nutzer die App in ihr Laufprogramm integrieren und ein Hilfsprojekt wählen, gibt es für jede gelaufene Strecke einen kleinen Geldbetrag von den Investoren.

Spendenapps als Werbeplattform

Apps wie movingtwice, SWOP oder ShareTheMeal haben dabei klar die Smartphone-affinen Millenials als Zielgruppe vor Augen. Denn auch wenn die Spendenbereitschaft von Menschen unter 40 Jahren in den letzten Jahren gestiegen ist, sind es nach wie vor ältere Spender, die das meiste Geld geben. Wie die Volkswirtin Angela Ullrich von betterplace-lab herausgefunden hat, kamen im Spendenjahr 2015 in Deutschland rund 54 Prozent der Geldspenden von Personen, die über 60 Jahre alt waren. Gerade bei den Millenials besteht also noch großes Potential.

Das ist auch für Investoren solcher Startups ist das interessant, denn die Spendenapps liefern ihnen einen direkten Kanal zu den jungen Nutzern. Prinzipiell sei das lobenswert, sagt etwa Björn Lampe, Vorstand der Spendenplattform Betterplace.org gegenüber dem Bayrischen Rundfunk: „Wenn eine App richtig viele Nutzer erreicht, dann kann das sehr gut funktionieren und ein spannender Kanal sein.

So entsteht ein interessantes Zusammenspiel zwischen Startups, Investoren und der Hilfsbereitschaft von Nutzern. Denn nicht alle Charity-Apps haben wie etwa ShareTheMeal große Hilfsorganisationen wie die UN hinter sich stehen und finanzieren sich deshalb stattdessen über Investoren. Diese wiederum nutzen die Apps, um Werbung zu schalten. Diese kann entweder organisch integriert sein wie bei movingtwice oder der eigentliche Kern der Spendenaktion sein. Bei der Spendenapp smoost etwa sammeln Nutzer Geld, nicht indem sie joggen, sondern indem sie auf ein Werbebanner klicken. Für jeden Klick, spenden Investoren Geld an gemeinnützige Projekte.

Für Unternehmen sind solche Werbeplattformen über Apps auf Smartphones mittlerweile mindestens genauso interessant wie klassische Werbebanner oder Fernsehwerbung. So wurde beispielsweise 2015 in Deutschland ein Umsatz von 204 Millionen Euro netto allein über mobile Display-Werbung erzielt. Im Vergleich zu den beiden Vorjahren ist das ein Zuwachs von 116 Millionen Euro, heißt es im OVK-Report des Bundesverband Digitale Wirtschaft. Kein Wunder also, dass Investoren Spendenapps als Imagekampagne und Werbekanäle zugleich nutzen möchten.

Spenden ohne Geld?

Nutzer wiederum können über diese Art von werbefinanzierten Spendenapps helfen, ohne tatsächlich jemals Geld in die Hand nehmen zu müssen. Ob das jedoch so hilfreich sei, bezweifelt etwa Jürgen Schupp. Als Direktor des sozioökonomischen Panels im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung Berlin hat er unter anderem auch das Spendenverhalten von Menschen untersucht. Er sieht die Spendenapps eher skeptisch. Seine Befürchtung: Das geldlose Spenden durch die Apps könnte dazu führen, dass Nutzer gar kein Geld mehr für den guten Zweck in die Hand nehmen und in Zukunft direkte Geldspenden für karitative Projekte gänzlich einstellen.


Image (adapted) „Waise“ by WenPhotos (CC0 Public Domain)


 

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Internetsicherheit als Menschenrecht?

Internetsicherheit (adapted) (Image by Pete Linforth [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Der Zugang zum Internet wird zunehmend als neu entstehendes Menschenrecht wahrgenommen. Internationale Organisationen und nationale Regierungen haben begonnen, seine Bedeutung in Hinblick auf Redefreiheit, Meinungsäußerung und Informationsaustausch formal anzuerkennen. Der nächste Schritt, um ein gewisses Maß an Frieden im Netz sicherzustellen, könnte eine Anerkennung der Internetsicherheit als Menschenrecht sein.

Die Vereinten Nationen haben die entscheidende Rolle einer Internetverbindung im Zuge des Kampfes für Menschenrechte anerkannt. Offizielle Vertreter der Vereinten Nationen haben Maßnahmen von Regierungen, die den Internetzugang ihrer Bürger unterbinden, angeprangert. Sie würden ihren Bürgern das Recht auf freie Meinungsäußerung verweigern.

Aber Zugang ist nicht genug. Diejenigen von uns, die regelmäßig Zugang zum Internet haben, leiden häufig unter einer Art Internet-Erschöpfung: Wir alle erwarten, dass unsere Daten jeden Moment gehackt werden könnten und fühlen uns unfähig, dies zu verhindern. Ende letzten Jahres rief die Electronic Frontier Foundation, eine Online-Interessengruppe, Technologieunternehmen dazu auf, sich zur Verteidigung von Internetnutzern zu vereinigen, indem sie ihre Systeme gegen Hackerangriffe und Regierungsüberwachung schützen.

Es wird Zeit zu überdenken, wie wir Internetsicherheit hinsichtlich digitaler Kommunikation verstehen. David Kaye, Experte für internationales Recht und einer der UN-Hauptverfechter der Meinungsfreiheit, forderte bereits 2015 „die Verschlüsselung privater Kommunikation als Standard.“  Diese und andere Entwicklungen in internationalen und unternehmerischen Kreisen signalisieren mögliche erste Schritte auf dem Weg, Internetsicherheit als Menschenrecht zu erklären, das Regierungen, Firmen und Einzelpersonen schützen sollten.

Ist Internetzugang ein Recht?

Die Idee, Internetzugang als Menschenrecht anzuerkennen, ist nicht unumstritten. Niemand geringeres als Vinton Cerf, einer der Väter des Internet, hat argumentiert, dass Technologie selbst kein Recht ist, sondern vielmehr ein Mittel, durch das Rechte ausgeübt werden können. Dennoch erklären immer mehr Länder das Recht ihrer Bürger auf einen Internetzugang. Spanien, Frankreich, Finnland, Costa Rica, Estland und Griechenland haben dieses Recht auf verschiedene Weise festgelegt, etwa in ihren Verfassungen, Gesetzen und gerichtlichen Entscheidungen.

Ein früherer Leiter des Aufsichtsrats der internationalen Fernmeldeunion hat argumentiert, dass Regierungen „das Internet als wesentliche Infrastruktur, genau wie Straßen, Müll und Wasser ansehen“ müssten. Die globale Öffentlichkeit scheint auf überwältigende Weise zuzustimmen. Cerfs Position könnte tatsächlich als weiteres Argument für Internetsicherheit als Menschenrecht dienen – sicherzustellen, dass Technologie es Menschen ermöglicht, ihr Recht auf Privatsphäre und Redefreiheit auszuüben.

Bestehende Menschenrechte

Die momentanen internationalen Menschenrechte enthalten viele Prinzipien, die sich auf Internetsicherheit übertragen lassen. Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung für Menschenrechte etwa umfasst den Schutz der Meinungsfreiheit, Kommunikation und Zugang zu Informationen. Auf ähnliche Weise wird in Artikel 3 festgelegt: „Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person“ . Diese Rechte durchzusetzen ist jedoch unter internationalem Recht schwierig. In Folge davon ignorieren viele Länder die Regeln.

Dennoch gibt es Grund zur Hoffnung. Bereits 2011 beschloss der Führungsstab der Vereinten Nationen für Menschenrechte, dass Menschenrechte gleichsam online wie offline gültig sind. Der Schutz der Privatsphäre zum Beispiel ist beim Umgang mit gedruckten Dokumenten nicht weniger wichtig, als wenn es um digitalen Schriftverkehr geht. Der UN-Menschenrechtsrat bekräftigte die Haltung 2012, 2014 und 2016.

2013 stimmte die Generalversammlung selbst – der allgemeine Dachverband der Organisation mit Repräsentanten aller Nationen – für die Bestätigung der Rechte auf Privatsphäre im digitalen Zeitalter. Verabschiedet inmitten von Enthüllungen über globale elektronische Spionage der USA, bekräftigte das Dokument noch einmal die Bedeutung des Schutzes der Privatsphäre und Meinungsfreiheit online. Und im November 2015 bekräftigten die G20, eine Gruppe mit einigen der wirtschaftlich stärksten Ländern weltweit, Privatsphäre auf ähnliche Weise, „einschließlich im Zusammenhang mit digitaler Kommunikation“ .

Sicherheitsmaßnahmen einrichten

Einfach ausgedrückt, schließt die Verpflichtung mit ein, dieses Recht zu schützen und Methoden zur Internetsicherheit zu entwickeln. So soll man etwa alle Kommunikation zu verschlüsseln. Man sollte zudem alte, nicht benötigte Daten löschen, statt sie unbegrenzt zu behalten. Immer mehr Firmen nutzen die Richtlinien der UN, um ihre Managementabteilung darüber zu informieren, die sorgfältige Überprüfung der Menschenrechte zu unterstützen. Außerdem nutzen sie Empfehlungen der US-Regierung in Form des Cybersecurity Frameworks des National Institute for Standards and Technology, um zu ermitteln, wie sich ihre Daten und die ihrer Kunden am besten schützen lassen.

Mit der Zeit wird sich dieser Trend wahrscheinlich verstärken. Die Anerkennung von Internetzugang als Menschenrecht wird sich weiter verbreiten – und darauf folgend könnte das auch für Internetsicherheit gelten. Da die Leute Onlineangebote zunehmend in ihrem Alltag nutzen, werden ihre Erwartungen hinsichtlich digitaler Privatsphäre und Meinungsfreiheit dazu führen, dass sie besseren Schutz verlangen.

Die Regierungen werden darauf reagieren, indem sie auf existierende internationale Gesetze aufbauen und die Rechte auf Privatsphäre, Meinungsfreiheit und ökonomischen Wohlstand formal auf das Internet ausdehnen. Jetzt ist für Firmen, Regierungen und Privatpersonen der Zeitpunkt, um sich auf diese Entwicklung vorzubereiten, indem Internetsicherheit als grundlegende ethische Überlegung in Telekommunikation, Datenspeicherung und gemeinschaftliche soziale Verantwortung unternehmerisch in das Risikomanagement einbezogen wird.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Internetsicherheit“ by Pete Linforth (CC0 Public Domain)


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Eltern und Roboter-Babys: Neues über die Eltern-Kind-Bindung

Angeregt durch die schrumpfende Bevölkerung hat sich in Japan ein neuer Trend entwickelt, bei dem mechanische Babys dazu genutzt werden, Paare dazu zu ermutigen, sozusagen „Eltern“ zu werden. Die verschiedenen Herangehensweisen unterscheiden sich sehr voneinander und werden durch unterschiedliche Geisteshaltungen angetrieben, die auch einige Fragen aufwerfen – wie nicht zuletzt, ob diese Roboter-Babys das Ziel erreichen, für das ihre Entwickler sie konstruiert haben.

Um all dies zu verstehen, lohnt es sich, die Gründe hinter dem so dringend beworbenen  Bevölkerungswachstum in Japan zu erforschen. Das Problem stellt die unverhältnismäßige Zahl alter Menschen dar. Laut Prognosen der UN sollen im Jahr 2050 mehr als doppelt so viele Japaner über 70 Jahre alt sein als es 15- bis 30jährige geben wird.  Dies wird auf eine Reihe von Faktoren zurückgeführt, unter Anderem auf die sogenannten Parasiten-Singles, außerdem auf immer mehr unverheiratete Frauen sowie auf einen Mangel an Einwanderung.

Was sind also die verschiedenen Herangehensweisen, um mehr Menschen die Elternschaft schmackhaft zu machen? Man preschte mit verschiedenen Lösungen vor: Angefangen bei Robotern, die ein Baby oder dessen Verhaltensweisen nachahmen bis zu Robotern, die ziemlich lebensecht aussehen. Bei Toyota haben die Ingenieure kürzlich den Kirobo Mini auf den Markt gebracht. Der Roboter soll eine Maßnahme sein, die emotionale Reaktion des Menschen hervorzuheben. Der Roboter sieht nicht aus wie ein Baby, aber er verhält sich so „hilflos“ wie ein baby. Beispielsweise erkennt und reagiert er auf Menschen in einer hohen Tonlage und bewegt sich tapsig und unsicher, eben wie ein echtes Baby.

Am anderen Ende des Spektrums steht Yotaro, ein motorgetriebener Baby-Simulator, der eine Projektionsfläche für den Gesichtsbereich hat, sodass Emotionen und Gesichtsausdrücke angezeigt werden können. Der Simulator reagiert, wenn er berührt wird und kann verschiedene Stimmungen darstellen. Mithilfe einer Schniefnase kann er sogar so tun, als sei er krank.

Ermutigend oder abschreckend?

Die Befunde der Vergangenheit suggerieren möglicherweise, dass man das Bevölkerungswachstum fördern könnte, wenn man Paaren mechanische Baby-Simulatoren gibt. Vor kurzem wurden Experimente mit Roboter-Babys und Jugendlichen durchgeführt. In den USA und in Australien hat man unter anderem herausgefunden, dass sie trotz der Überprüfung der Babys getestet wurden, um vor Schwangerschaften in der Jugend zu warnen. Die Roboter haben diese Umstände in der Gruppe, der die mechanischen Babys zugeteilt wurden, im Vergleich zur Kontrollgruppe erhöht. Dennoch wäre es zu einfach, zu sagen, dass es bei allen Nutzern von Roboter-Babys dasselbe Ergebnis wäre. Sowohl das Alter als auch kulturelle Unterschiede spielen beim Ausgang eine wichtige Rolle.

Genauso wie darauf abgezielt wird, ein Bevölkerungswachstum zu bewerben, zielen Forscher auch darauf ab, junge Paare auf die längerfristigen Bedürfnisse eines heranwachsenden Babys vorzubereiten. Man entwickelte eigens Roboter, die Kinder in verschiedenen Altersgruppen repräsentieren sollten, vom „neun Monate alten Noby“ zum „zwei Jahre alten“ Kleinkindern, wie des CB2 (obwohl letzterer das Ergebnis einer Forschung ist, die die Entwicklung eines biometrischen Körpers erforschte).

Während ein deutlicher Fokus darauf gelegt wurde, was in einen Baby-Roboter gelangt, gibt es potenzielle emotionale Probleme für die „Eltern“. Es gab eine nicht geringe Anzahl an Studien, die die Beziehung zwischen Mensch und Roboter untersuchten. Forscher haben entdeckt, dass ein hoher Grad an Bindung zwischen beiden entstehen kann, wenn die Maschine ein sozialer Roboter ist, der über ein menschenähnliches Aussehen verfügt oder menschenähnliche Verhaltensweisen an den Tag legt.

Es gibt einige interessante Vorsichtsmaßnahmen zu dieser Faustregel, wie zum Beispiel das sogenannte verblüffende Tal, das Mashiro Mori ermittelt hat. Es zeigt auf, dass es eine Reihe an realistischen menschlichen Eigenschaften gibt, die Menschen eher abstoßend als anziehend finden.

Momentan ist die Entwicklung recht einseitig, wenn man schlichtweg menschliche Eigenschaften auf den Roboter projiziert. Aber es gibt zurzeit einige Projekte, bei denen Roboter entwickelt werden, die sich die Techniken der künstlichen Intelligenz zu Nutze machen, sodass sie ihre eigene Beziehung zu den Menschen formen können.

Dies führt dann zu den ethischen Fragen nach der angebrachten Verwendung von Robotern. Moralisten fragen sich und uns, ob der Einsatz eines Roboters innerhalb eines speziellen Gebiets akzeptabel ist und auch, ob sich der Roboter selbst moralisch korrekt verhält. Die Roboter-Babys betreffend, sind bereits jetzt eine Reihe an Problemen aufgetaucht. Sollte es den „Eltern“ beispielsweise gestattet sein, sich die Eigenschaften ihres Roboters auszusuchen? Sollten Eltern vielleicht therapiert werden, wenn sie ihr Roboter-Baby abgeben? Und soll das „Baby“ später auf die gleiche Weise von jemand anderem verwendet werden?

Diese Probleme werden möglicherweise während der gesamten Lebensspanne des „Kindes“ immer wieder auftauchen. Wenn ein Punkt erreicht wird, an dem Eltern ihr Roboter-Baby aufgrund von Defekten gegen ein anderes austauschen müssen oder weil sie zum Beispiel ein älteres „Kind“ möchten, wie wird dann die emotionale Bindung zum ersten „Kind“ auf den Ersatz übergehen, wenn man bedenkt, dass diese Maschine dieselbe „Person“ darstellen soll?

In praktischer Hinsicht wäre dies vielleicht durch Software-Updates möglich, ähnlich wie die heutigen Updates bei Smartphones – oder indem man Komponenten verpflanzt, um zu ermöglichen, dass das sich entwickelnde „Kind“ Charakteristiken und Erinnerungen beibehält, ähnlich wie beim Austausch einer Festplatte in einem Computer.

Doch selbst wenn man Asimovs drei Gesetze der Robotik berücksichtigt, wird es problematisch, abhängig von der Interpretation dieser Gesetze. Zum Beispiel sagt das erste Gesetz aus, dass ein Roboter einem menschlichen Wesen nicht schaden soll. Was ist, wenn man Schaden auf emotionaler oder psychologischer Ebene betrachtet? Man könnte argumentieren, dass einem Menschen möglicherweise als ein Resultat der Aktionen des Roboters Schaden zugefügt wird, wenn er eine Bindung zu einem Roboter-Baby aufbaut .

Im Allgemeinen wirft die Nutzung sozialer Roboter viele Probleme auf, sowohl in ethischer als auch in technischer Hinsicht. Die sinkenden Geburtenraten sind tatsächlich ein echtes Problem, das zudem immer mehr zunimmt. Roboter-Babys werden vielleicht auch nicht die Lösung sein, aber eventuell könnten sie zu Forschungen führen, die ein besseres Verständnis und einen Einblick in das Problem der sinkenden Geburtenrate ermöglichen.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „partner“ by ThomasWolter (CCO Public Domain)


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Staaten und Banden: Die schwierige Suche nach einer neuen Ordnung

G7 Summit 2015 (Image by blu-news.org [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons)

Europa auf der Kippe, die USA in der Krise – wie kann eine neue Ordnung von Staaten in Zeiten des Krieges aussehen?

Um die Menschheit vor der Kriegsplage zu schützen… . Diese Einleitungsworte aus der Charta der Vereinigten Nationen schwirren mir seit letzter Woche durch den Kopf. Oft wird geglaubt, dass diese von einem britischen Feldmarshall namens Jan Smuts aus Südafrika verfasst wurden. Dies wurde von Richard Steyn in seiner neuen Biographie über den Mann, den viele Generationen von Afrikanern abschätzig “Slim Jannie” nennen, bestätigt. Ich habe sein Buch am Flughafen erstehen können und während des Fluges von Johannesburg nach Brasilien gelesen. Vieles handelt davon, wie Smuts, ein Kind aus Swartland am westlichen Kap, dabei geholfen hat, die Weltordnung nach dem Ersten und vor allem dem Zweiten Weltkrieg wieder herzustellen.

Steyns Buch war eine gute Vorbereitung auf mein Ankunftsziel: eine Konferenz, die als die “Neue Anordnung nach internationaler Ordnung: Werte, Prinzipien, Bündnisse und Ausrichtungen” bezeichnet wurde. Diese wurde von der brasilianischen Expertenkommission Pandiá und Wilton Park organisiert, einer Expertenkommission, die mit dem britischen Außenministeriums zusammenarbeitet. Der Hintergrund für das Treffen, das in einem im spektakulären, im polynesischen Stil gehaltenen Resort in Mangaratiba etwa eine Stunde von Süd Rio de Janeiro abgehalten wurde, war es, Wege zu finden, um die regelbasierende internationale Ordnung zu festigen.

Wenn sich allerdings komplexere Gedanken in meinen Kopf einschlichen, während ich Steyn las, dann war es die Landung in S?o Paulo, die mich dazu brachte, den aktuellen Druck bezüglich der Weltordnung direkt entgegenzusehen. Während ich mich vorn bei den Economy-Class-Reisenden anstellte, erwischte ich mich dabei, wie ich den französischen Außenminister Laurent Fabius anstarrte, der sich in der Schlange für die Business-Class befand. Er war wohl auf der Durchreise, wurde mir später von einer verlässlichen Quelle erzählt, die ihn innerhalb weniger Tage nach Südafrika, Brasilien und Indien brachte. Die gleich Quelle machte klar, dass er im Auftrag der Klimaschutzkonferenz in Paris war.

Das mag so sein, aber es schien unwahrscheinlich, dass er während der Besuche bei den drei “aufstrebenden Mächten” Indien, Brasilien, Südafrika (auch bekannt unter dem Kürzel IBSA) nicht über die Ereignisse in Paris sprechen würde. Vor allem, weil es die Absicht seines Präsidenten ist, ein globales Bündnis gegen die Daesh (gebräuchlichere Form für ISIS) aufzustellen: die Wanhabi/Salafi Militantengruppe, die ein Kalifat in Teilen des Iraks und Syriens ausgerufen hat. Diese behauptet, für die 124 Toten in Frankreichs Hauptstadt verantwortlich zu sein.

Wie nicht anders zu erwarten, erlangten die Ereignisse im Nahen Osten, oder West-Asien, wie es von manchen genannt wird, die Aufmerksamkeit der Konferenz weit mehr als die Frage, wie die Weltordnung von Smuts und anderen bei dem Treffen in San Francisco gesichert wurde, die die Vereinten Nationen 1945 besiegelten.

“Staaten und Banden” handelt, wie ein informatives und gut unterrichtetes Eröffnungsreferat bei der Konferenz darstellt, von der momentanen internationalen Position. Die Suche nach einer internationalen Weltordnung ist schwierig, manche sagen sogar, sie sei unmöglich, da die Beschäftigung mit Banden statt mit souveränen Staaten die tägliche Diplomatie vor allem in multilateraler Form erodiert.

Diese Behauptung führt zur Überlegung einer Analyse des “liberalen Internationalismus” – die Idee, dass eine vernünftige, wenn auch nicht unbedingt rationale Verständigungen zwischen Staaten möglich sind, wenn jeder die Regeln einhält. Diese wurden von der UN vor gut 70 Jahren niedergeschrieben und von einigen friedensstiftenden Einsätzen in den letzten zwanzig Jahren durchgesetzt.

Auch war dies die Ursache der aktuellen Spannung: das Verständnis, dass die Vereinigten Staaten die Ersten unter den liberalen Gleichberechtigten waren – eine einseitige Macht, die die Regeln durchsetzte. Und später von den Kriegen der beiden Bushs und durch Blair zerstört wurden. Man schlussfolgerte, dass es leicht sei, einen Krieg zu beginnen, aber schwer, sogar oft unmöglich, ihn wieder zu beenden. Das Problem: Daesh ist ein Teil dessen.

Kein Wunder, dass es scheinbar unmöglich für Staaten ist, sich selbst Sicherheit zu gewährleisten, aber andere alleinzulassen. Wie ich befürchtet habe, öffnete dies den Hardlinern und Chauvinisten Tür und Tor. Das Vokabular der internationalen Verbindungen nennt sie “Realisten”, die sich auf ein altes und gefährliches Prinzip berufen: Macht ist immer (und vielleicht für immer) im Recht.

Das Resultat war kein Gespräch über “Staaten und Banden”, sondern über “Staaten als Banden” – ein Austausch, der sich erwartbar in das Skript des Kalten Krieges mit dem Motto “Der Westen gegen den Rest” verwandelt. Wie gewöhnlich waren die Behauptungen beider Seiten nicht sehr ergiebig – das meiste war ein reiner Floskelaustausch. Am zweiten Tag, nachdem bekannt geworden war, dass die Türkei ein russisches Flugzeug abgeschossen hatte, das sich vermeintlich im türkischen Luftraum befand, stieg die Kampfeslust weiter an.

Ich fühle mich etwas niedergeschlagen wegen des bissigen Tonfalls einer Zeitung, und so ging ich für einen kurzen Spaziergang aus dem Haus. Meine Laune besserte sich erst, als ich ein paar Kindern beim Spielen sah. Bevor ich das Haus verliess, hörte ich einen Kommentar eines brasilianischen Wissenschaftlers. Er fragte sich, ob die liberale Ordnung oder der Realismus wenigstens ein bisschen Hoffnung für die Menschheit übriglassen würde. Seine Überlegungen gingen zu internationalen Normen, Werten und Prinzipien über. Er warf die Frage auf, wie bewusst den Menschen diese Themen seien. In einer weitestgehend ungerechten Welt, in der die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht, man mit Hilfe von Racial Profiling viel zu oft zwischen Krieg und Frieden abwägen muss, in der die Mehrheit der Menschen eine echte Chance auf Glück und Selbsterfüllung verwehrt bleibt, können diese Themen unter diesen Bedingungen von allen Menschen vertreten werden?

Beschäftigen wir uns also mit dem Krieg. Oder, wie mein Neffe es formulierte, als ich ihm erzählte, warum ich in Brasilien bin: “den Dritten Weltkrieg”. In der Tat spricht man mittlerweile von Krieg – und diese Unterhaltungen gehen leider weit über die Victory-Geste, die oft von kleinkriminellen Bandenmitgliedern genutzt wird, hinaus. Dies zu vermeiden wird nicht leicht, aber, wie Smuts alter und kriegserfahrener Kamerad Winston Churchill zu sagen pflegte: Reden ist immernoch besser als Krieg.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image “G7 Summit 2015” by blu-news.org (CC BY-SA 2.0)


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