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  • UBER handelsblatt: Die Uber-Revolution frisst ihren Vater: Die Revolution, sie frisst ihre eigenen Kinder, sagte einst Danton in einem Stück Büchners, jetzt ist Literatureschichte Wirklichkeit geworden, musste der Uber-Chef Travis Kalanick nun feststellen. Der Uber-Chef tritt nun nach der Forderung von fünf Investoren endgültig zurück. Nach den vielen Skandalen der vergangenen Zeit fürchten sich die Investoren nun vor einer Abwertung, einen kompletten Rückzug von Travis Kalanick können sie jedoch nicht erwarten, da der ehemalige Uber-Chef immer noch die Mehrheit der Stimmrechte an Uber besitzt.

  • INTERNET zeit: Lädt noch: Der Bund fördert zwar das Internet auf dem Land, dennoch ist es noch sehr ausbaufähig. Ist das in einem Land wie Deutschland überhaupt möglich? Technische Partizipation- die ist mit einem so langsamen Internet heute gar nicht mehr möglich und der Ausbau von leistungsstarken Breitbandnetzen scheint auf der Stelle zu stehen. Beim Ausbau der Glasfasernetze beispielsweise liegt Deutschland sogar auf Platz 22, kaum ein anderes Land ist schlechter. Die Diskrepanz zwischen Land und Stadt ist immer noch zu groß und wieweit diese Beeinträchtigungen schlussendlich gehen können, zeigt dieser Artikel anhand einer Familie in Schlamberg.

  • VERMESSUNG spiegel: Deutsche wollen beim Einkaufen nicht vermessen werden: Cookies waren gestern, jetzt rüstet auch der Einzelhandel auf und möchte durch Vermessung die Werbung perfekt auf den jeweiligen Kunden anpassen. Im Gegensatz zu Europa ist die Mehrheit der Deutschen jedoch gegen eine solche Vermessung beim Einkauf. Diese soll durch das Anzapfen von WLAN- und Bluetooth-Verbindungen per Handys möglich werden. Firmen in Deutschland sind bereits dabei sich mit solchen Produkten auseinanderzusetzen. Doch die offene Tracking-Regel stößt auch bei den Verbraucherschützern auf harte Kritik Der vzvb möchte vorab eine Einverständniserklärung der Kunden, bevor die einzelnen Supermärkte die Erlaubnis haben, die Handys ihrer Kunden zur Vermessung anzuzapfen. Die Entwicklungen bezüglich dieses Themas werden sich aber erst noch zeigen.

  • KEYWORD golem: GSM-Abschaltung schon im kommenden Jahr: Sunrise schaltet sein GSM-Netz ab. Zwar war die Abschaltung erst zum Ende des Jahres geplant, der Schweizer Mobilfunk- und Fernsehbetreiber gab die Meldung jedoch schon jetzt bekannt. Im ersten Quartal liefen noch circa 9% über GSM, doch jetzt folgen sie dem Trend von anderen Betreibern wie Telstra, der Ende vergangegenen Jahres auch sein 2G heruntergefahren hatte. Zwar wird Sunrise zukünftig somit auch keine SM-Geräte mehr unterstützen, dennoch erhalten die G2 Kunden Tauschangebote.

  • LIKES t3n: Online-Shopping: Mit Facebook-Likes bezahlen: Du likest und bezahlst in einem. Die bekannte Marke Strellson hat sich mal wieder etwas ganz Spezielles ausgedacht. Ihr neuer Like-Shop ermöglicht es Kunden Teile aus der neuen Frühjahr/Sommer-Kollektion zu erstehen, die Währung ist hierbei in Likes. Im Shop kann er seinen eigenen Post erstellen, dadurch wird der Post direkt auf seine Facebook-Pinnwand gepostet. Nun heißt es nur noch Abwarten und Tee trinken, denn der mit den meisten Likes bekommt das neue It-Piece. Eine neue Zahlungsmöglichkeit wird diese Methode eher nicht, bei großem Anklang jedoch vielleicht verlängert.

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Privatsphäre nicht nur für Donald Trump

Video (adapted) (Image by endus3r [CC0 Public Domain] via pixabay)

US-Präsident Donald Trump beschuldigt seine demokratischen Widersacher, ihn während des Wahlkampfs abgehört zu haben. Damit reiht er sich in die Reihe von Politikern ein, die rechtswidrige Überwachung nur dann als Problem anerkennen, wenn sie selbst betroffen sind. Dabei hilft gegen derartige Bespitzelung nur eines: eine Gesellschaft, in der es nicht an der Tagesordnung ist, Menschen ohne den Nachweis eines konkreten Verdachts zu überwachen.

Überwachung auf Watergate-Niveau?

Donald Trumps Twitter-Account ist berüchtigt für spektakuläre Angriffe, Ausfälle und Rants. Anfang März erhob Trump auf dem Kurznachrichtendienst einen Vorwurf gegen die Vorgängerregierung unter Barack Obama, der für Aufsehen (nicht nur) bei Datenschützern sorgte: Obama, so Trump, habe sein Team und ihn während des Wahlkampfs abgehört. Trump verglich die Geschehnisse sogar mit dem Watergate-Skandal in den 1970er Jahren, der durch massiven Machtmissbrauch des damaligen Präsidenten Richard Nixon und unter anderem das Abhören von Journalisten gekennzeichnet war.

Einen Beweis für seine Vorwürfe blieb Trump bislang schuldig. So ist schwer zu sagen, ob es sich um die Wahrheit oder eher um eine der für Trump typischen „postfaktischen“ Aussagen – also Halbwahrheiten, Übertreibungen oder schlichte Lügen – handelt. Kritiker haben zurecht angemerkt, dass angesichts der vermeintlichen Schwere der Vergehen – der Watergate-Skandal, mit dem Trump den Vorfall vergleicht, führte immerhin zum Rücktritt der damaligen US-Regierung – bislang sehr wenig Taten gefolgt sind, was die Glaubwürdigkeit der Vorwürfe nicht gerade erhöht. Der bloße Vorwurf und die Diskussion darum allerdings sind in gewisser Hinsicht schon interessant.

Mit zweierlei Maß gemessen

Wie viele Politikerinnen und Politiker vor ihm scheint Trump der Ansicht zu sein, dass Überwachung nur dann ein Problem darstellt, wenn sie die Mächtigen selbst betrifft. Den Deutschen ist diese Argumentation wohl am besten vertraut von Angela Merkel, deren abgehörtes Mobiltelefon der einzige Teil des NSA-Skandals zu sein schien, der die Bundesregierung und auch Teile der deutschen Presse wirklich zu interessieren schien. Aber auch im Umfeld anderer Hacking- und Überwachungsvorfälle waren es stets die Angriffe gegen Politikerinnen und Politiker, insbesondere Regierungsangehörige, die als Skandal dargestellt wurden, während die Überwachung anderer Bürgerinnen und Bürger oftmals bagatellisiert wurde.

Nun ist das vermeintliche Opfer also Donald Trump. Nur geht es ihm, selbst wenn an seinen Vorwürfen etwas Wahres ist, nicht anders als einer Vielzahl anderer Menschen in den USA und andernorts, die anlasslos oder mit fadenscheinigen Begründungen zum Ziel der NSA wurden und deren Telekommunikation überwacht und bespitzelt wurde.

Grundrechte müssen uns alle schützen

Ob Donald Trump im Recht damit ist, der Obama-Regierung illegale Überwachung vorzuwerfen, muss sich noch herausstellen. Zweifellos ist er im Recht damit, zu fordern, dass sein Team und er nicht in dieser Weise überwacht werden. Um das zu gewährleisten, gibt es allerdings – wie auch NSA-Whistleblower Edward Snowden bemerkt – nur einen überzeugenden Weg: es muss eine Gesellschaft geschaffen werden, in der die Privatsphäre aller Menschen ebenso respektiert wird wie ihre sonstigen Grundrechte und in der die Geheimdienste nicht im Verborgenen, beinahe unkontrolliert und ohne Rechenschaft abzulegen, agieren können.

Wenn Donald Trump will, dass wir das hier ernst nehmen, muss er das Problem beheben, dass die Kommunikation von jedem Menschen in Amerika aktuell gesammelt wird, ohne Richterbeschluss, und in einen großen Eimer kommt und die Menschen nur durch sehr lasche interne Vorschriften geschützt sind, die einfach nicht ausreichen,“ erklärte Snowden zu diesem Thema, „Das Problem ist nicht ‚Oh, armer Donald Trump.‘ Sie sind der Präsident. Sie sollten Fragen stellen wie, ‚Warum war das überhaupt möglich?‘ und ‚Warum habe ich es nicht behoben?'“

Der Whistleblower trifft den Nagel auf den Kopf: Politiker, die ihre eigene Kommunikation schützen wollen, müssen das Problem grundsätzlich angehen. Ein teures Krypto-Handy – das wahrscheinlich die Mehrheit der Politikerinnen und Politiker angesichts ihrer bisherigen Kompetenz in diesen Dingen nicht oder falsch nutzen würde – ist keine Lösung. Die einzige Lösung, die uns langfristig weiter bringt, ist eine Gesellschaft, in der die Grundrechte weitaus effektiver als bisher geschützt werden. Wenn ausgerechnet Donald Trump diese Gesellschaft voran brächte, wäre dies zwar angesichts seines autoritären Verhaltens zutiefst ironisch, doch wäre es eine Ironie, aus der immerhin etwas Gutes erwächst. Wer weiß – in der Geschichte sind schon merkwürdigere Dinge geschehen.


Image (adapted) „Video“ by endus3r (CC0 Public Domain)


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Die Kritik am BND-Gesetz ist mehr als begründet

Surveillance (adapted) (Image by Jonathan McIntosh [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Das neue BND-Gesetz ist in vieler Hinsicht gefährlich und fehlgeleitet. Es legalisiert flächendeckende, vollkommen ungezielte Überwachung und untergräbt das Trennungsgebot zwischen Polizei und Geheimdiensten. Vor allem aber unterminiert es die ohnehin schon defizitäre demokratische Kontrolle der Geheimdienste noch weiter – und das, nachdem die Skandale der letzten Jahre gezeigt haben, wie dringend die Dienste einer strengeren Aufsicht bedürften. Protest und Kritik gibt es reichlich, doch ignoriert die Regierung diese im Bestreben, ihren undemokratischen und gefährlichen Kurs fortzusetzen.

Ein Gesetzesentwurf voller Probleme

Schon im Juni wurde der aktuelle Gesetzesentwurf fertig gestellt. Von Anfang an wurde versucht, ihn als Versuch darzustellen, die parlamentarische Kontrolle des BND zu verbessern und diesen so demokratischer zu machen. Das eigentliche Dokument – schon bald vom Blog Netzpolitik veröffentlicht – gibt dies aber mitnichten her.

Das BND-Gesetz sieht vielmehr eine Menge höchst problematischer Änderungen vor, die den Agenten noch freiere Hand garantieren als es bislang der Fall ist. Möglichkeiten, angelehnt an die der US-amerikanischen NSA, soll die Behörde demnach eingeräumt bekommen.

Die wohl problematischste Klausel in einem Gesetz, das vor dummen und gefährlichen Ideen nur so strotzt: internationale Telekommunikationsnetze (namentlich das Internet) sollen zukünftig kurzerhand dem Ausland und somit dem Zuständigkeitsbereich des BND zugerechnet werden. Somit dürfte der BND in diesen Netzen den Datenverkehr nicht nur mitlesen, sondern auch bis zu sechs Monate lang speichern und gezielt durchsuchen. Ähnliche, bereits seit Jahren andauernde und höchst umstrittene Praktiken am Frankfurter Netzwerk-Knotenpunkt De-Cix würden durch das neue Gesetz legalisiert.

Skandale und Kompetenzüberschreitungen

Die letzten Jahre sollten auch denjenigen, die zuvor noch Vertrauen in unsere Geheimdienste hatten, deutlich gezeigt haben, dass dieses Vertrauen fehl am Platze ist. Spätestens die Snowden-Enthüllungen und der darauf folgenden Ermittlungsarbeit des NSA-Untersuchungsausschusses haben gezeigt, dass der BND häufig seine Kompetenzen überschreitet und dabei auch gegen die Interessen der deutschen Bevölkerung agiert. Auf Geheiß der NSA oder auf eigene Faust wurden zahlreiche unbescholtene Bürger überwacht und die Daten häufig an ausländische Behörden weitergegeben. Fehler und Kompetenzüberschreitungen wurden vertuscht, Kontrollmechanismen, so überhaupt vorhanden, umgangen.

All das zeichnet kaum das Bild einer vertrauenswürdigen Behörde, die mit einem Mehr an Zuständigkeiten – und damit zwangsläufig auch an Macht – verantwortungsbewusst umzugehen wüsste. Vielmehr wird überdeutlich, dass nur eine vermehrte demokratische Kontrolle weiteres Fehlerverhalten effektiv unterbinden könnte. Genau diese Kontrolle aber ist – allen Lippenbekenntnissen zum Trotz – im BND-Gesetz nicht vorgesehen.

Langfristig wäre zweifellos eine Abschaffung der Geheimdienste die beste und demokratischste Lösung. Solange dies aber nicht praktikabel ist, muss zumindest sichergestellt werden, dass diese Behörden nicht einfach nach eigenem Gutdünken handeln können. Ihr Aufgabenbereich muss eng beschränkt und ihr Handeln effektiv kontrolliert werden. Das wird im neuen Gesetzesentwurf fahrlässig versäumt. So laufen wir Gefahr, einen selbstherrlichen, undemokratischen Staat im Staate entstehen zu lassen, der unsere Menschenrechte verletzt und niemandem Rechenschaft schuldig ist.

Kritik und Protest: Wohl begründet, doch zu wenig gehört

Von Anfang an regten sich Proteste gegen den neuen Gesetzesentwurf. Diese nahmen rund um die parlamentarischen Verhandlungen deutlich zu. An der Organisation der Kundgebungen waren so namhafte NGOs wie Digitalcourage, Reporter ohne Grenzen und Amnesty International  beteiligt.

Der politische Prozess allerdings nahm diese teils sehr eloquenten und gut begründeten Proteste kaum zur Kenntnis. Stattdessen wurde – wie es in den letzten Jahren häufiger bei Überwachungsgesetzen geschehen ist – mit undemokratischer Hast versucht, das Gesetz möglichst schnell und ohne große Diskussionen zu verabschieden. Das ist ein Armuszeugnis und keineswegs dazu angetan, die Sorge über das BND-Gesetz zu verkleinern.

Stoppt das BND-Gesetz!

Beim BND-Gesetz handelt es sich zweifellos um eines der gefährlichsten Überwachungsgesetze der letzten Jahre. Die Kritik an diesem Machwerk ist wohl begründet und hätte mehr Beachtung verdient. Es sollte alles getan werden, um zu verhindern, dass der BND nach den Skandalen der letzten Jahre freie Hand bekommt. Die Erfahrung lehrt, dass er mit dieser Freiheit nicht verantwortlich umgehen wird – und das unsere Freiheiten dadurch massiv eingeschränkt werden. Das gilt es zu verhindern.


Image (adapted) „Surveillance“ by Jonathan McIntosh (CC BY-SA 2.0)


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  • VW Handelsblatt: Neue Vorwürfe gegen Volkswagen: Erneut gerät VW im Abgasskandal unter Druck. Die EU-Kommission beschuldigt VW in einem Medienbericht zufolge, in 20 EU-Ländern gegen Verbraucherschutzgesetze verstoßen zu haben. VW will sich dazu nicht weiter äußern. Analysten schätzen, dass die Aufarbeitung des Skandals um manipulierte Abgaswerte den Konzern am Ende insgesamt zwischen 20 und 35 Milliarden Euro kosten wird.
  • Apple Die Welt: Das neue iPhone soll keinen Kopfhöreranschluss mehr haben: Am 7.September stellt Apple das neue iPhone vor und es könnte erstmals der Anschluss für Kopfhörer fehlen. Man hat auf den bisher veröffentlichten Fotos keinen Kopfhöreranschluss gesehen. Zukünftig sollen die Kopfhörer im Apple-Ökosystem nur noch per Funk oder über Apples eigenen Lightning-Stecker angeschlossen werden können. Dies könnte zukünftig ein Problem für viel Nutzer werden.
  • SAMSUNG HORIZONT: Samsung startet Umtauschaktion für Galaxy Note 7: Nachdem Samsung den Verkauf des neuen Vorzeigemodell Galaxy Note 7 gestoppt hat, kann man nun das Smartphone wieder kostenlos zurückgeben und gegen ein neues umtauschen. Die Geräte wurden vom dem südkoreanischen Technologieunternehmen aus dem Verkehr gezogen, nachdem es vermehrt Fälle von Akkubrand gab. Das Galaxy Note 7 wurde erst vor zwei Wochen in den USA und etlichen anderen Ländern auf den Markt gebracht. Was genau das Problem verursachte, ist bisher nicht bekannt.
  • E-BIKES SPIEGEL ONLINE: Kaufprämie für E-Bikes: Verkehrsklubs fordern Subventionen von bis zu 4000 Euro: Nachdem nun die E-Autos Prämien bekommen sollen, fordert der Verkehrsklub Kaufprämien für E-Bikes. Weil das E-Bike oder Pedelec das Fahrradfahren bequemer und schneller macht, lassen die Menschen ihr Auto stehen. Die Folge wären, dass es weniger Verkehr gäbe und bessere Luft für alle. Die Prämie soll aber nur für E-Bikes gelten, die auch einen gewissen Zweck erfüllen.
  • BEATS heise online: Monster-Klage gegen Beats-Gründer ist gescheitert: Einst waren Noel Lee und seine Firma Monster Geschäftspartner von Beats und dessen Gründern. Nachdem Lee hinausgedrängt wurde und Apple Milliarden für Beats zahlte, fühlte sich Lee über den Tisch gezogen. Er wollte gegen den Beats-Gründer klagen, doch nun ist die Klage gescheitert, da der Richter keine Anspruchsgrundlage fand.
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Top-Manager und die dunklen Hinterzimmer der Macht

Secret (adapted) (Image by Sebastiano Terreni [CC BY 2.0] via Flickr)

Die großen Konzerne in Deutschland sind nach Auffassung des FDP-Politikers und früheren Top-Managers Thomas Sattelberger selbstherrliche Parallelgesellschaften: „Und innerhalb der großen Konzerne sind Leitungsgremien noch mal eigene Parallelwelten, die umgeben sind von einem Hofstaat ähnlich wie bei Ludwig XIV. Das ist aber ein Spiegelbild der Gesellschaft.“ Die Folgen dieser abgeschotteten Machtblöcke kann man bei VW wie in einem Brennglas beobachten. „Ein altes System versucht verzweifelt, alte Macht und alte Technologie zu verteidigen – zuerst in Grauzonen und dann illegal“, kritisiert er weiter.

Aggressive Konzernziele

Generell setzen sich diese Organisationen extreme ökonomische Marktziele mit aberwitzigen Renditeerwartungen. Und das gilt nicht nur für VW. Diese aggressiven Ziele sind häufig mit nicht-innovativen Strukturen gekoppelt und einem strengen Regime des Gehorsams. Wer nicht spurt, wird bestraft. „Da hocken dann die verängstigten oberen und mittleren Manager sowie Vorstände in ihren Büros und stellen sich die Frage, wer als Nächstes geköpft wird. Ihre gesamte Welt ist die Konzernwelt. Sie sind mit ihrer Rolle total verschmolzen, die sogar bis zum Suizid führt“, erläutert Sattelberger im ichsagmal.com-Sommerinterview.

Der entrückte Wolfsburger Kosmos

Wer sich die jüngsten Kommunikationsdesaster von VW anschaut, erkennt schnell, wie entrückt Wolfsburg von der realen Welt ist. Es ist der anmaßende Glaube, dass nichts schief gehen kann. Das war nach Meinung von Sattelberger auch lange Zeit so:

„Der Lopez-Skandal ging durch, der Skandal mit dem bezahlten niedersächsischen SPD-Bundestagsabgeordneten ging durch, die 13.000 Euro von Kanzler Schröder für den Wiener Opernball gingen durch, die Brasilien-Exkursion von Peter Hartz ging durch. Piech wurde dadurch nicht beschädigt. Der Druck auf Kunden und Partner, den VfL Wolfsburg zu sponsern, ging durch. Das ist ein System der Omnipotenz.“

Da werde despotisch durchregiert und der Vorstandschef bekommt nur das zu hören, was er hören will. Vonnöten wären Checks and Balances, um diesem Treiben ein Ende zu bereiten. Also ein Regelwerk, das es unfähigen und machtbesessenen Managern sowie Unternehmern erschwert, allzu großen Schaden anzurichten. Die Mütter und Väter des Grundgesetzes haben das für die Politik sehr gut hinbekommen.

Die Täter des alten Systems können nicht sanieren

Für die Wirtschaft gilt das nicht. Die Machtsysteme von Konzernen und großen mittelständischen Unternehmen benötigen Störungen. VW hingegen holt die Täter des alten Systems an die Macht, um die Sünden der Vergangenheit zu bewältigen. Das könne nicht gutgehen, moniert Sattelberger und findet sich in guter Gesellschaft. So spricht der US-Staatsanwalt Eric Schneiderman in seiner Anklageschrift gegen VW von einer reuelosen Firmenkultur, die zu dem systematischen Abgasbetrug geführt habe. Mitten im Zentrum der Vorwürfe steht nicht nur der abgelöste VW-Boss Winterkorn, sondern auch sein Nachfolger Matthias Müller. Als Chef des Audi-Produktmanagements wird ihm vorgeworfen, schon 2006 von der unzureichenden Abgasbehandlung gewusst zu haben. „Man darf nicht den Bock zum Gärtner machen“, moniert Sattelberger und fordert härtere Corporate Governance-Regeln, die in der angelsächsischen Welt schon vor Jahrzehnten öffentlich debattiert und eingeführt worden sind.

Aufsichtsrat ohne Aufsicht

Auch in Skandinavien gibt es gute Modelle. So wird der Nominierungsausschuss für Vorstandsposten nicht vom Aufsichtsrat gebildet, sondern von der Hauptversammlung bestimmt. Wer sich hingegen Aufsichtsräte wie bei VW näher anschaut, weiß, warum es keine richtige Aufsicht gibt. „Da sitzen die Familienmitglieder Piech und Porsche, da sitzen zwei ruhige Vertreter aus Katar, da sitzt eine Bankerin aus der befreundeten Wallenberg-Familie, das Land Niedersachsen und die wohlgestimmte Arbeitnehmerseite. Wir alle wissen, was da passiert. Das ist eine Konstruktion, um als Arbeitsbeschäftigungsmaschine für Niedersachsen zu dienen“, führt Sattelberger aus. Von wirklicher Kontrolle könne da nicht gesprochen werden.

Habitus statt Qualifikation

Nominierungen für Vorstandsposten würden leider im Verborgenen laufen. Die Entscheidung der Telekom, ihn als Personalvorstand an Bord zu holen, sei klandestin auf einem Schloss in der Nähe von Berlin abgelaufen. Oben zähle nur noch der Eindruck im Gespräch. Habitus sei dabei wichtiger als die Qualifikation. „Das ist nur ein kleines Referenzsystem. Unterhalb der Top-Etage sieht das anders aus. Da kommt eine ausgefeilte und sehr valide psychologische Eignungsdiagnostik zum Einsatz“, weiß Sattelberger. Würde man dieses Verfahren auch bei Top-Managern als Hürde setzen, könnte man schnell erkennen, das viele von denen einen Schatten in der Birne haben – neurotisch, aggressiv, machiavellistisch und teilweise auch psychopathisch. „In einer guten Eignungsdiagnostik kommt man an solche Themen ran. Aber oben wird die nicht mehr angewandt. Das wissenschaftliche Auswahlverfahren gibt es für das gemeine Volk. An der Unternehmensspitze zählt nur noch der Habitus“, so Sattelberger. Um das zu ändern, fordert er eine Corporate Governance, die ein strengeres Regelwerk erstellt und Fehlverhalten sanktioniert. Man brauche Störenfriede im Vorstand und eine Graswurzelbewegung im Unternehmen. Es müsse eine Personalfunktion geben, die souveräner agiert. Sattelberger fordert eine konsistente kritische Medienbranche als Kompass für gutes Unternehmertum und gutes Management. Fehlentwicklungen und Korruption müssten kontinuierlich angeprangert werden. Zudem brauche man analog zu Politikern eine ManagerWatch-Plattform und eine digitale APO, um den zivilgesellschaftlichen Druck zu erhöhen. Das Notiz-Amt ist gespannt, ob sich der Neu-Politiker mit seinen Forderungen durchsetzt.


Image (adapted) „Secret“ by Sebastiano Terreni (CC BY 2.0) 

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  • FACEBOOK wsj: Facebook Signs Deals With Media Companies, Celebrities for Facebook Live: Es geht weiter im Kampf der Video-Streaming-Angebote. Facebook will mit der Videoplattform Youtube konkurrieren. Mark Zuckerberg greift dafür tief in die Taschen. Mehr als 50 Millionen Dollar investiert er nun in Deals mit Medienmachern und Prominenten, um sein Facebook-Live Angebot zu pushen. CNN, New York Times, Huffington Post und Vox Media sollen unter den Partnern sein. Rund 140 Interessenten konnte Zuckerberg für seinen Plan gewinnen.
  • PROJEKT ZUKUNFT handelsblatt: SPD will Deutschland innovativer machen: Nach dem Rückgang der Umfragewerte auf 21 Prozent versucht die SPD mit dem bereits im September 2015 gestarteten “Projekt Zukunft” wieder mehr Menschen für sich zu begeistern. An dem Projekt, welches Änderungen in unter Anderem der Bildung, Innovation und Lebensqualität vorsieht, konnte jeder Bürger mitwirken und Meinung äußern, um neue Projekte zu sammeln. Ersten Ergebnissen zufolge, soll zum Beispiel eine Aufstockung des ZIM, einem Förderprogramm für den Mittelstand, folgen.
  • STARTUP gruenderszene: Number26 erhält 40 Millionen US-Dollar: Kürzlich sorgten die Gründer des Fintech Startup Number26 für einen Skandal. Bis zu 500 Kunden wurde ohne Begründung das Nutzerkonto gekündigt. Später entschuldigte Number26 sich mit der Begründung, dass zu viele Abhebungen enorme Kosten verursacht haben. Neue Regeln sollen das in Zukunft ändern. Mit einer Fair-Use-Policy wollen die Gründer eine Stabilität bringen. Seit Februar wurde außerdem nach Investoren für das Startup gesucht. Nun konnten die Gründer insgesamt 40 Millionen Euro an Investitionen einsammeln. Dabei sind unter anderem die Zalando-Chefs und der zweitreichste Mann Chinas.
  • ÜBERWACHUNG mashable: Photo reveals that even Mark Zuckerberg puts tape over his webcam: Anfang dieser Woche bedankte sich Mark Zuckerberg bei allen Nutzern und den Gründern der App Instagram mit einem Foto mit Instagram-Rahmen. In den letzten zwei Jahren hat sich die Zahl an Nutzer mehr als verdoppelt. Ein kleiner Teil in Zuckerbergs Foto zog allerdings schnell die Aufmerksamkeit auf sich. Die Webcam seines Laptops ist abgeklebt. Sollte man dem Beispiel von Zuckerberg folgen und seine Webcam stets abkleben, um möglichen Hackern und Überwachern keine Chance zu lassen?
  • HACKER heise: Hacker erbeuten Kunden-Daten aus Acers Online-Shop: Hacker haben sich in Nordamerika Zugriff auf die Online-Daten von mehreren Kunden bei Acer verschafft. Vermutlich sind auch wichtige Kreditkarteninformationen entschlüsselt worden, mit denen die Diebe nun ungehindert Onlinebezahlungen verrichten könnten. Betroffen sollen ausschließlich nordamerikanische Kunden von Acers Online-Shop sein, die zwischen dem 12. Mai 2015 und 28. April 2016 etwas in dem Shop gekauft haben.
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  • SOCIAL MEDIA Spiegel: Soziale Netzwerke und Depression: „Facebook war Gift für mich“: Depressionen werden oft unterschätzt oder auch von Dritten müde belächelt. Dabei handelt es sich hierbei und eine ernstzunehmende Krankheit. Auch soziale Netzwerke spielen hierbei eine große Rolle. Während man „früher“ auf persönliche Wertschätzung und Akzeptanz hoffte, spielt sich diese Rolle nun auch auf Facebook und Co. ab. Man wartet regelrecht auf Bestätigung und freudige Ergebnisse und wird oftmals enttäuscht. Kati Krause über ihre Erfahrungen mit Depressionen und die Abhängigkeit der sozialen Medien.

  • TTIP nzz: Ein Skandal, der keiner ist: Greenpeace veröffentlichte angeblich geheime Papiere zum Freihandelsabkommen TTIP. Doch so richtig skandalös waren die Details nicht. Jeder Partner verteidigt seine Interessen und dass die USA beispielsweise einen Zugangserleichterung für europäische Autos haben wollen, ist auch nicht neu. Doch worin liegt nun der eigentliche Skandal?

  • SECURITY gruenderszene: Millionen für eine Software, die vor Hackerangriffen im Smarthome schützt: Ob Tablet, Smartphone oder auch der smarte Kühlschrank – Auf fast allen Geräten die wir tagtäglich nutzen, werden unsere sensiblen Daten benötigt. Doch so richtig sicher vor Hackerangriffen sind solche Geräte oftmals nicht, meint zumindest das Startup Secucloud. Mit ihrer Software as a Service sollen alle internetfähigen Geräte eines Haushalts geschützt werden und somit Hackerangriffe ausschließen.

  • INSTAGRAM Quelle: Instagram now larger than Twitter as user tally climbs to 400 million: Wieder verzeichnet Instagram einen neuen Höchstwert und erreicht somit einen neuen Meilenstein. Mittlerweile loggen sich bei der Foto-App mindestens 400 Millionen User pro Monat ein. Damit liegt Instagram nun offiziell vor Twitter mit 316 Millionen Usern pro Monat. Allein seit Dezember sei die Userschaft um ca. 25 Prozent gewachsen. Dabei wird Instagram aber vor allem außerhalb der USA genutzt.

  • ARBEIT berufebilder: 6 Tipps für die Zukunft der Arbeit: „Wir leben in einer Übergangszeit mit tiefgreifenden Brüchen. Es geht nicht nur um eine technologische Transformation, sondern um eine soziale und kulturelle – und sie verändert unser Denken, die Führung und das Management“, sagt Prof. Dr. Bernhard von Mutius, ein Zukunftsdenker am HPI School of Design Thinking. Doch gerade die Veränderung in den Köpfen fällt oftmals schwer. Wie Interim Manager in diesem Kontext neue Impulse setzen können.


Image chalabala / 123RF Lizenzfreie Bilder


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Oops! Social Media Fail Compilation 2010

Der Jahresrückblick mit Sandra Maischberger steht schon in den Fernsehzeitungen. Spekulatius und Lebkuchen hängen uns schon seit Ende August aus den Ohren raus. Aber ein kleines Dorf unbeugsamer Social Media Experten wartet noch auf sein Lametta: Was war der schlimmste Fauxpas in Sachen Social Media in diesem Jahr? Wer hatte bei twitter die engste Verbindung zum hastag #fail?

Die Deutsche Bahn und die Süddeutsche Zeitung haben es getan, WeTab Geschäftsführer Helmut Hoffer, und Konstantin Neven Dumont auch. Die Rede ist von gekauften Blogbeiträgen und gefakten Kommentaren im Web. Seit Social Media immer mehr zur Unternehmenssache wird, häufen sich auch die Meldungen über Fakes und anonyme Beschimpfungen im Web 2.0. Jüngstes Beispiel: Der Fall „Konstantingate“. Der Medienjournalist Stefan Niggemeier beschuldigte den Verlagserben Konstantin Neven Dumont, unter einem Pseudonym in seinem Blog unflätige und kritische Kommentare hinterlassen zu haben.

Konstantingate ist sicher ein Anwärter auf den Skandal des Jahres. Oder war es diese tolle Sache von vodafone? Eine Social Media Pressekonferenz voller Sprechblasen ohne eigentlichen nachrichtlichen Wert? Das Armageddon jeder PR-Agentur plus TV-Spot on heavy rotation? Kann sich keiner mehr erinnern? Tja. [war übrigens 2009, danke Robin]

Doch jetzt seid erst einmal ihr dran, die Leser von netzpiloten.de. Was war für euch persönlich der größte Fehlschlag in der Blogosphäre bzw. im Social Media Land? Welcher Skandal hat euch besonders beschäftigt oder aufgeregt? Hier habt ihr die Möglichkeit euren persönlichen Blog-Skandal 2010 einzustellen: Schreibt uns einfach in das Kommentarfeld unter diesem Beitrag, warum genau dieser Case euch am meisten beschäftigt hat und aus welchem Grund er aus eurer Sicht der Supergau 2010 war. Die zehn schlimmsten Cases werden anschließend von unserem Redaktions-Team vorgestellt und über ein Online-Voting zur Abstimmung durch die Leser freigegeben. Wir sind gespannt, welcher der SocialMedia-Skandal 2010 wird!

Wir suchen dann die meistgenannten und/oder am häufigsten im Web diskutierten Skandale heraus. Dann gibt es eine Umfrage zum Anklicken: Derjenige Skandal, der die meisten Stimmen erhält, wird mit dem „Oops! Award 2010“ bedacht.

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StudiVZ und kein Ende

Kein anderes Thema wurde bisher in deutschen Weblogs so intensiv und ausdauernd diskutiert wie das Social Network StudiVZ. Das Berliner Start-Up polarisiert: Einmal auf der menschlichen Seite, einmal auf der technischen.
So hört man nun zwar keine kleinen Skandale um videofilmende Chefs oder zensierte Kommentare im Firmen-Blog, doch die Themen werden nicht unbedingt kleiner: Stalker treiben sich auf der Plattform herum und Sicherheitslücken werden nach und nach aufgedeckt.
Vorläufiger Höhepunkt: Eine Phishing-Attacke gegen StudiVZ zwang das Team, die Plattform gestern tagsüber abzuschalten. Trotzdem glaubt man bei StudiVZ auch weiterhin: „Alles wird gut„.

Johnny Haeusler hat zum Thema StudiVZ ein Interview mit Martin Weber führen können, dem Geschäftsführer von Holtzbrinck Ventures, dem derzeit größten Investor bei den Berlinern.

Seit fast vier Wochen nun hält das Thema StudiVZ deutsche Weblogs in Atem. Der Druck, der entsteht und langsam auch in die großen Medienschwappt„, ist groß und entlädt sich auch an den (kleinen) Investoren.
[tags]studivz,social,skandal[/tags]

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