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5 Highlights aus den Mediatheken!

In den kostenlosen Mediatheken warten unzählige tolle Filme, Serien-Episoden und Dokumentarstücke auf ihre Entdeckung. Hier ist meine Auswahl für den Oktober: das Spielfilmdebüt von Echt-Sänger Kim Frank, die teuerste deutsche Serienproduktion aller Zeiten und eine Reportage über Antisemitismus in deutschem Hip-Hop. Viel Spaß beim Streamen!

Wach

Debüt von Kim Frank: Nike (Alli Neumann) und C. (Jana McKinnon) wären gerne älter als sie sind, würden am liebsten mehr erleben als sie es gerade tun, wollen raus aus allem. Um sich mal richtig zu spüren, probieren die 17-jährigen Freundinnen so lange wie möglich ohne Schlaf auszukommen. Ein 86-Stunden-Rausch beginnt.

Funk | Dauerhaft verfügbar: Zum Film

Babylon Berlin (Staffel 1)

Berlin, im Frühjahr 1929: Eine Metropole in Aufruhr. Ökonomie und Kultur, Politik und Unterwelt – alles befindet sich in radikalem Wandel. In dieser Kulisse findet sich der junge Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch) wieder. Ein scheinbar simpler Fall wird sein Leben bald für immer verändern. Mit dabei: Liv Lisa Fries, Lars Eidinger, Benno Fürmann uvm.

Das Erste | Verfügbar bis 18.10.: Zur Serie

The Tables

An den Tischtennis-Platten im New Yorker Bryant Park trifft sich die Welt – von Obdachlosen, Profi-Spielern, Fahrrad-Boten, über Investmentbänker bis hin zu einem Typen, der einen Holzblock als Schläger benutzt. Doku-Filmer Jon Bunning stellt die Menschen vor, die dort bei Wind und Wetter zusammenkommen.

Jon Bunning (Vimeo) | Dauerhaft verfügbar: Zur Doku

Die Brücke (Staffel 1-3)

Eine Frauenleiche auf der Öresundbrücke zwischen Schweden und Dänemark ist der Beginn vieler Taten eines unbekannten Mörders. Eine grenzübergreifende Polizeikooperation soll helfen die Verbrechen so schnell wie möglich aufzuklären. Welche Hinweise zu den Taten können der dänische Inspektor Martin Rohde (Kim Bodnia) und seine schwedische Kollegin Saga Norén (Sofia Helin) finden? Und wer kommt überhaupt als Tatverdächtiger in Frage?

ZDF | Verfügbar bis 19.12.: Zur Serie

Die dunkle Seite des deutschen Rap

Über Antisemitismus im deutschen Rap wird nicht nur in der Musikszene heftig debattiert. Viola Funk fragt für „Die Story“ vom WDR nach: Wer sind die Akteure? Um was geht es in den Rap-Texten wirklich? Rapper wie die Antilopen Gang erklären, um was es in ihren umstrittenen Songs wirklich geht.

WDR | Verfügbar bis 28.03.19: Zur Doku


Foto-Credit: Funk, ARD, Sky (adapted) by David Streit

 

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Die New York Times versucht sich an VR-Filmen

Caucus Tourism Virtual Campaigning (adapted) (Image by Phil Roeder [CC BY 2.0] via flickr)

Mittels virtueller Realität erzählte die New York Times ihren Lesern die Geschichten von jungen Flüchtlingen, nahm die Leser auf Wahlkampfreise mit und ermöglichte ihnen, die Trauer in Paris mitzuerleben. Nun ist es Zeit, sie auf den Pluto zu begleiten.

Mit „Auf der Suche nach Plutos kaltem Herzen“ nimmt der Times-Wissenschaftsautor Dennis Overbye die Zuseher mit auf einen virtuellen Rundgang über die Oberfläche des Planeten. Das Projekt, das auf dem Tribeca Film Festival zu sehen sein wird, wird im Laufe des Monats veröffentlicht – zusammen mit einer neuen Lieferung von etwa 300.000 Google-Pappbrillen an Times-Abonnenten. (Die Times hatte bereits im November eine Million der Brillen verteilt.)

Dieses neue Projekt stellt einen bedeutenden Meilenstein für die Times dar. Im Gegensatz zu bisherigen VR-Projekten, die alle in Kooperation mit VR-Produktionsfirmen wie VRSE produziert worden waren, ist das Pluto-Erlebnis ganz allein von der Times-eigenen Wissenschafts- und Grafikabteilung auf die Beine gestellt worden. Dies zeigt nicht nur das Engagement der Times im technischen Bereich, sondern macht ebenfalls deutlich, inwiefern  Nachrichtenredaktionen mittlerweile in der Lage sind, mit den bestehenden Technologien Videos zu produzieren, so Sam Dolnick, der für die VR verantwortliche New York Times Redakteur:

Es gibt eine Reihe neuer Fragen zu der Technologie, zur Erzählkunst und zur Bearbeitung. Was es so spannend macht, ist, dass jeder sich mit den Fragen neu auseinandersetzt. Sogar unsere Experten arbeiten erst seit einem Jahr daran. Daher fühlt sich alles so offen an.

Dolnick sagt, dass virtuelle Realität ihr größtes Potenzial entfaltet, wenn sie Menschen an Orte transportiert, die sie alleine nicht besichtigen können. So ist die virtuelle Reise auf den Pluto eine der mächtigsten Anwendungsmöglichkeiten der neuen Technologien. Aber die Times bearbeitet noch weitere Projekte. Diese Woche erklärte sie, dass sie gerade an ihrer ersten Reihe von Episodenfilmen arbeite, um damit den einmaligen Zugang zur virtuellen Realität, den sie und andere Nachrichtenagenturen eröffnet haben, weiter auszubauen.

Ich habe mit Dolnick über die Annäherung der Times an die virtuelle Realität sowie die entstehenden ethischen Grundlagen für VR-Journalismus gesprochen und gefragt, welche Zukunft die Times für das, was sie „meditative VR“ nennt, sieht.

 

Ricardo Bilton (RB): „Auf der Suche nach Plutos kaltem Herzen” und „Die Verdrängten” scheinen ganz andere Schwerpunkte zu haben. Wie gehören sie zusammen?

Sam Dolnick (SD): Sie sind in der Tat ganz unterschiedliche Filme, aber der rote Faden ist, dass sie beide auf clevere Art und Weise das Medium benutzen. Von „Die Verdrängten” haben wir gehört, dass die Zuschauer sich auf eine Art mit den Kindern im Film verbunden fühlten, wie es für einen traditionellen Nachrichtenartikel eher schwierig zu erreichen ist. Wir haben Hunderte von Geschichten über die Flüchtlingskrise geschrieben, doch was wir immer wieder von den Leuten hörten, war, dass sie mittlerweile abgehärtet waren. Mit diesem neuen Medium konnten sie den Kindern aber in die Augen sehen, was einen bleibenden Eindruck hinterließ und sie nachhaltig schockierte.

Das Pluto-Projekt ist insofern eine neue Nutzung des Mediums, als dass es einen an einen Ort bringt, den man eigentlich niemals betreten könnte, und einen die Wunder eines neuen, fremden Planeten erleben lässt – und zwar auf eine Art und Weise, wie es eine traditionelle Geschichte oder sogar ein traditionelles Video nicht vermögen.

RB: Wie halten Sie die Leute bei der Stange? Viele dieser VR-Projekte machen zunächst einen großen Wirbel, doch dann vergessen die Leute sie schnell wieder.

SD: Wir erwarten von unserer VR-App nicht, dass sie zur täglichen Gewohnheit wird, wie unsere Haupt-Nachrichtenapp. Aber wir haben eine Vielzahl an Wegen gefunden, die Leute wieder zurückkommen zu lassen. Wir senden zum Beispiel Push-Benachrichtigungen bei neuen Videos, schreiben E-Mail-Newsletter, promoten unsere Webseite mobil und in den sozialen Netzwerken. Wir haben eine Menge Kanäle, über die wir die Leute erreichen können.

Wir freuen uns außerdem darauf, dieses Jahr unsere Episodenfilme herauszubringen. Die Idee ist, richtige VR-Shows zu produzieren, die einen verbindenden roten Faden und eine Serienstruktur haben. Wir sind der Meinung, dass wir so die Leute längerfristig zum Wiederkommen bewegen können.

RB: Ein anderer bedeutender Teil ist doch offenbar auch, die Leute mit dem passenden Equipment zusammenzubringen, nicht wahr?

SD: Ja. Hätten wir unser erstes Video veröffentlicht und dann einfach Feierabend gemacht, hätte es niemand geguckt. Der Grund für die große Resonanz war, dass Google uns einen gewaltigen Vertrauensvorschuss entgegenbrachte und uns half, eine Million Pappbrillen zu liefern. Ohne die Headsets geht es nicht.

RB: Was ist mit unterschiedlichen Themen?

SD: Wir werden uns weiterhin auf die großen Geschichten konzentrieren. Aber wir werden ebenfalls VR-Filme machen, die sich mit Style und Kultur beschäftigen. Die New York Times ist da vielschichtig. Wir experimentieren außerdem mit Formaten. Wir beschäftigen uns gerade mit einem Erlebnis, das wir scherzhaft „meditative VR“ nennen. Dies sind ungeschnittene Videos von wunderschönen Orten , die aus einer einzigen Einstellung heraus aufgenommen wurden. So kann man zum Beispiel bei Sonnenuntergang an einem jamaikanischen Strand sein oder an einem kanadischen Wasserfall. Sie sind genau dort in dem Moment. Sie schauen sich um. Es gibt keine Geschichte und es passiert nichts weiter. Ich würde es nicht einmal unbedingt Journalismus nennen. Es ist einfach etwas sehr Mitreißendes, etwas, das in der virtuellen Realität sehr eindrucksvoll wirken kann.

RB: Eine der Nebenwirkungen des Einsatzes dieser neuen Technologien ist, dass man auch mit neuen ethischen Fragestellungen konfrontiert wird. Bei „Die Verdrängten“ wurden Bedenken geäußert, wie und ob sich die Produzenten verstecken sollten, so dass sie nicht innerhalb der 360-Grad-Kamera zu sehen waren. Ist das eine ethische Problematik im Zusammenhang mit neuen Technologien?

SD: Das stimmt nicht. VR ist nicht arrangierter als andere Filme auch. Man positioniert die Kamera und oft verlässt man den Raum, um zu schauen, was passiert. Der Videojournalist Ben Solomon, der Co-Regisseur von „Die Verdrängten“ sagt, dass ein Videodreh oft wie das Jagen mit einem Gewehr ist – man weiß genau, hinter was man her ist.

VR zu drehen ist dagegen eher wie das Aufstellen einer Bärenfalle. Man stellt sie hin und hofft das Beste. Es ist eine andere Art der Erzählkunst, aber ich bin nicht der Ansicht, dass man von einer inhärenten journalistischen Kompromittierung sprechen kann. Man kann es theoretisch auf eine unaufrichtige Art und Weise machen, aber das ist nicht die Herangehensweise, die wir verfolgen.

RB: Es hat den Anschein, dass die ethischen Grundlagen der VR, journalistisch gesehen, ziemlich fließend sein werden, wenn die Leute sich auf die neue Technologie eingestellt haben.

SD: Es wird anders sein. Traditionellerweise erscheint der Videojournalist in Dokumentationen nicht. Er ist hinter der Kamera, nicht im Bild. Vielleicht werden wir akzeptieren, dass in der virtuellen Realität der Regisseur innerhalb des Bildes ist, man ihn also sehen kann, und dies ein Teil der Transparenz ist. Am wichtigsten ist es, dass die Zuschauer verstehen, was wir tun und was sie sehen, und dass wir transparent und offen hinsichtlich des gesamten Prozesses sind.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Caucus Tourism: Virtual Campaigning“ by Phil Roeder (CC BY 2.0)


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Schnappschuss-Journalismus: Essays bei Instagram

London Eye (Image by pixolga [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Eignet sich die Foto- und Videoplattform nur für visuelle Petitessen oder Häppchen-Journalismus? Nein, Jeff Sharlet nutzt Instagram für Sozialreportagen. Jeff Sharlet ist eigentlich ein Mann des Wortes: Im Stil des literarischen Journalismus schreibt er Bücher sowie Reportagen in Magazinen und unterrichtet “creative nonfiction” am Dartmouth College. Doch er hat Instagram für sich entdeckt und porträtiert dort Personen in Wort und Bild. Häufig handelt es sich dabei um kurze Serien, die an anderer Stelle auch wieder zu längeren Essays zusammengefügt werden. Das von ihm praktizierte Format kontrastiert das Image von Instagram als geistlosem Forum für Celebrities, Food Aficionados und die Generation #Selfie.

 

Im März 2015 hat Laura Ewert in “Die Welt” unter der Überschrift “Instagram macht uns alle zu Psychopathen” für ein Bilderverbot plädiert. Ihr Text resümiert die geläufige Kritik an dem, was und wie die Nutzer so auf der Plattform posten: “Welche Bildsprache sich mit der Instagrammisierung des Alltags durchgesetzt hat, sieht man an den ewig gleichen Posen, den sich ähnelnden Food-Bildern (…), auch an den sich erschreckend gleichenden Wohnungseinrichtungen.” Kritisch enthüllt Ewert die Mechanismen des Online-Marketings in sozialen Medien und spitzt “meinungsstark” (wie man im Jargon des Feuilletons gerne sagt) zu: “es ist die schädlichste, die böseste und die kaputteste App, denn sie macht süchtig nach einer Lightversion des Stalkings.” Der Aufhänger ihres Beitrags ist übrigens eine Episode über eine des Voyeurismus verdächtige Vogue-Redakteurin, die in Paris während der Modewoche eine obdachlose Frau fotografierte, die in einer Vogue las.

Visuelle Demokratie

Jeff Sharlet würde sich vermutlich an beidem nicht stören: Die Allgegenwart des Gewöhnlichen wie der provokative Schnappschuss sind für ihn zwei Seiten der selben Medaille, die Instagram als soziales Medium auszeichnen. In einer Art Manifest, das er im Anschluss an sein Projekt „#Nightshift“ formuliert, eruiert er das Potenzial der kommerziellen Plattform als Forum einer „visuellen Demokratie“:

Instagram is – or almost is, maybe could be – a kind of visual democracy, one in which the individual voice is honored even as it flows into greater patterns, contributes to a larger idea. (…) Of course, Instagram is also a corporation, one with greater control over the images it distributes than most users realize. As a forum, it’s ‘democratic’ only to the same degree that Amazon ‘democratizes’ writing by making self-published books easily available.

Die visuelle Demokratisierung, die Sharlet selbst vorantreibt, bezieht sich jedoch nicht nur darauf, dass jeder nun seine vormals privaten Schnappschüsse auf einer Plattform veröffentlichen kann, sondern darauf, dass auch jeder zum Sujet dieser Form von Foto-Journalismus avancieren kann: Sharlet nutzt das Medium um Personen zu porträtieren, über deren Leben in den Massenmedien selten berichtet wird. Seine Schnappschüsse sind Ausgangspunkte für Texte, die für die Verhältnisse von Instagram zwar lang, aber für eine Sozialreportage eher kurz sind. Dieses vermeintliche Manko der Miniaturen kompensiert er häufig durch Serien seiner Schnappschüsse: Sei es zu einem Thema (z.B. #Nightshift) oder zu einer Person (z.B. “A Resourceful Women”). In renommierten (Online-) Magazinen veröffentlicht, werden aus den einzelnen Beobachtungen dann auch längere Essays.

Unsichtbare repräsentieren

Sharlets Projekte demonstrierten gerade zuletzt den Anspruch, Realitäten zu repräsentieren, die in der massenmedial verfassten Öffentlichkeit marginalisiert werden: In mehreren Serien geht es um Skid Row, einen Bezirk in Los Angeles, in dem besonders viele Obdachlose präsent sind, von denen einer bei einem Polizeieinsatz getötet wurde. Seine große Reportage dazu trägt in Anlehnung an Ralph Ellisons Roman zur afro-amerikanischen Identitätssuche einerseits und einem weiterhin aktuellen Hashtag andererseits den Titel: “The Invisible Man: The End of A Black Life That Mattered”. Die Fotografien, die er während der Recherchen dazu bei Instagram veröffentlichte, ergeben in ihrer Gesamtheit ein “kollektives Porträt” der Menschen in dieser Gegend (siehe einen weiteren daraus resultierenden GQ-Artikel). Sie dokumentieren auch die ästhetische Vielfältigkeit der Vorgehensweise des Autors, der sich fotografisch als Amateur versteht: So gelingt es ihm etwa selbst vermisste Personen zu porträtieren, indem er die Flyer fotografiert, mit denen nach ihnen gesucht wird.

Skid Row, The Missing, #1. You tape your fliers to the mission walls, tack one up at the station, wrap them around street light poles. You walk down Sixth Street to pass them out but at first you’re afraid so you go to the little half-block parks, Gladys and San Julian, even though the policeman told you the parks were for dealers. You go because the parks are what you know, and the men they say are dealers don’t look as crazy, and you say „Pardon me.“ You are pardoned. Men take your fliers. Some glance and say „naw“ and some study and say they will look for that face, they’ll remember that face, if they see her they’ll call. You think they’ll ask for money but they don’t. That’s one of the things that puzzles you. Almost nobody asks for money. Why not? You don’t know. It’s not like the policeman told you it would be and that makes you glad. Because he said gangs, he said rape, he said beatings and bats and knives. Instead it’s earnest. It’s earnest here. But they don’t ask for money. So what do they do? What will she do? You don’t understand. You’re running out of fliers. You have to go now. You have to copy more. #skidrow_themissing #homeless #skidrow #lost #losangeles #california #street #streetphoto #documentary #journalism #portraits #missing

A photo posted by Jeff Sharlet (@jeffsharlet) on


Image „London Eye“ by pixolga (CC0 Public Domain)


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Eine multimediale Flüchtlingsgeschichte

Darfurians refugees in Eastern Chad (adapted) (Image by European Commission DG ECHO [CC BY-SA 2.0] via Flickr

Der Schweizer Journalist Simon Krieger reist mit seiner Kamera den Weg eines Flüchtlings nach. Über Griechenland über die Türkei bis in den Iran – am Ende soll eine Multimediareportage entstehen. Das abstrakte Flüchtlingsthema wird bei Simon Krieger durch die Reportage Ozra konkret: Es erscheint in Form von Yaved, ein junger Mann aus Afghanistan, der als kleiner Junge von zu Hause weg ist. Mit der Reportage geht das neue multimediale Onlinemagazin WHY ISSUE an den Start.

Die Geschichte von Javed – beispielhaft für viele Flüchtlinge in Europa

Javed wollte eine bessere Zukunft, ein besseres Leben. Und sitzt jetzt in der kleinen griechischen Hafenstadt Patras mit anderen Flüchtlingen zusammen um ein Feuer. Das Leben hier ist nicht leicht für Javed, er hofft, von Griechenland weiter nach Italien zu kommen. Aber das hofft jeder hier. „Ich kann mich nicht mehr an das Gesicht meiner Mutter erinnern“, sagt er zu Krieger, als dieser ihn besucht. Zu lange sei es schon her, als er sie das letzte mal gesehen hat. Plötzlich ist er aus seinem normalen Leben herausgerissen worden. Das Sirren von Bomben ist bei ihm zu Hause Alltag, die Angst allgegenwärtig.

Javeds Geschichte reizt mich, weil sie mich bewegt. Das hat unter anderem damit zu tun, dass Javed gleich alt ist wie ich und ich versuchte mich in seiner Lage vorzustellen. Dass Javed sich nicht mehr an das Gesicht seiner Mutter erinnern kann ist zugleich unfassbar und doch für alle verständlich, sagt Krieger.

Ozra – suche nach der Mutter from Simon Krieger on Vimeo.

Anhand Javeds Geschichte konkretisiert Krieger das komplexe Thema Flüchtlingspolitik: Er geht seinen Fluchtweg rückwärts nach, über Griechenland, die Türkei bis in den Iran zu Javeds Mutter. Drei Monate wird die Reise dauern. Er will mit einem Foto von ihr wieder zu Javed zurück kehren. Nach elf Jahren soll er seine Mutter wieder sehen, wenigstens auf einem Bild. Das ist der rote Faden von Kriegers Geschichte: das Foto der Mutter.

Die Situation von Flüchtlingen ist für uns schon sehr viel abstrakter als die Mutter zu vermissen. Schließlich macht es der emotionale Rahmen der Geschichte auch leichter, Hintergründe einfliessen zu lassen„, sagt Krieger. Die Flüchtlingsthematik beschäftige ihn schon seit längerem. „Es ist ein komplexes und relevantes Thema, das sich nicht in News erklären lässt. Dass das Thema von gewissen Parteien auf eine sehr vereinfachte und gefährliche Art politisch instrumentalisiert wird, macht es umso relevanter.

Sein Ziel sei es, die Situation von Flüchtlingen in Europa und insbesondere in Griechenland nachhaltig zu vermitteln. „Deswegen suche ich nach Methoden, wie gehaltvoller Journalismus überleben und doch zeitgemäß funktionieren kann.

Die Reportage wird im Onlinemagazin WHY ISSUE veröffentlicht

Simon Krieger interessiert sich besonders für neue Wege im Journalismus und möchte mit seiner Arbeit unabhängig sein: „Das Warum statt nur das Was ist mir wichtig. Tiefe, Qualität und Klarheit ist mir wichtig. Kritischer Journalismus ist mir wichtig.

Die Multimediareportage dient als Paradebeispiel für das neue Magazin WHY ISSUE, das mit der Veröffentlichung von Ozra online geht. Er versteht es als Label für qualitativen und innovativen Journalismus, weshalb es Krieger wichtig, mit WHY ISSUE alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die sich online für Journalisten bieten. Dass das seiner Meinung nach zu selten gemacht werde, sehe er als eine Ursache für die Medienkrise.

Ein großes Thema bei WHY ISSUE wird auch die Datenvisualisierung sein und die Weiterentwicklung von Datenjournalismus, erklärt Krieger: „In der Kombination von Datenvisualisierungen und Reportagen sehe ich eine Möglichkeit, ein Thema sowohl in der Breite und Tiefe zu behandeln.“ Neben der Funktion als Magazin sollen die Inhalte mitsamt der technischen Umgebung lizenziert werden. Das hat zwei Gründe: Zum einen können so Journalisten bezahlt werden, da das Magazin werbefrei ist. Zum anderen erreicht WHY ISSUE auf diesem Wege eine breitere Masse, da etablierte Medien Inhalte nutzen.

Auf der Crowdfunding-Plattform wemakeit sammelt Krieger Geld für seine Start-Reportage Ozra: https://wemakeit.com/projects/ozra


Image (adapted) „Darfurians refugees in Eastern Chad“ by European Commission DG ECHO (CC BY-SA 2.0)


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„Live aus der Favela“ – Im Gespräch mit zwei Auslandjournalistinnen

Live aus der Favela (Foto: BuzzingCities)

Favelas sind Armenviertel und das zweite Gesicht von Rio de Janeiro. Armut, Waffen, Drogengangs und Polizei sowie das Zusammenleben auf engstem Raum gehören dort zum Alltag. // von Merle Miller

Live aus der Favela (Foto: BuzzingCities)

Die Auslandsreporterin Julia Jaroschewski, die in den 90ern in Brasilien zur Schule gegangen ist, möchte mit ihrem jüngsten Projekt, das auf Startnext unterstützt werden kann, auch nach Mega-Events wie der WM 2014 zeigen, was in den brasilianischen Armenvierteln geschieht. Zusammen mit Sonja Peteranderl, die als freie Auslandsreporterin für Medien wie Spiegel Online, Impulse Magazin, Stern.de und Zeit Online berichtet, lebt sie selbst immer wieder in einer Favela in Rio de Janeiro.

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Nach TV-Beitrag: Amazon.de versinkt auf Facebook im Shitstorm

Nach TV-Beitrag: Amazon.de versinkt auf Facebook im Shitstorm

Am vergangenen Mittwoch strahlte die ARD einen Beitrag zur Leiharbeit bei Amazon aus. Daraufhin war ein neuer Shitstorm geboren, den Nico Pliquett hier einmal analysiert.

Nach TV-Beitrag: Amazon.de versinkt auf Facebook im Shitstorm

Den Valentinstag 2013 werden die Mitarbeiter des Onlinehändlers Amazon.de so schnell nicht vergessen. Statt mit Liebe sind sie auf Facebook mit Beschimpfungen, Wutausbrüchen, Kündigungen, Nazi-Vorwürfen und negativer Kritik konfrontiert. Nach der Ausstrahlung eines kritischen Beitrags in der ARD brach über Amazon.de ein Shitstorm herein.

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WikiLeaks Reportage – Rebellen im Netz

WikiLeaks LogoDass WikiLeaks aus Geldmangel gescheitert ist, macht mich persönlich sehr betroffen. Dass die Schließung eine vorübergehende Sache ist, hoffe ich dennoch. WikiLeaks galt lange Zeit als demokratischer, als die meisten Parlamente, die sich diesen Stempel aufsetzten. Chefredakteure der wichtigsten Zeitungen der Welt tummelten sich um Assange und sein Projekt. Regierungen kührten WikiLeaks und die Macher zum Staatsfeind Nr. 1. Das Projekt jedoch gab vielen Menschen die Hoffnung zurück, dass man nicht nur etwas von oben nach unten, sondern auch von unten nach oben verändern kann. Dass WikiLeaks in der Tat ein starkes Vermächtnis in den Gedanken der Menschen und im Umgang mit Demokratie hinterlassen hat, versuchen viele Kritiker und Realisten derzeit zu relativieren. Zum absoluten Bedauern meinerseits.

Diese 47-minütige Reportage, deren Link ich gestern mal wieder aus meinen Lesezeichen ausgegraben habe, spiegelt ganz gut die Geschichte Assanges und die von WikiLeaks von Beginn bis kurz vor Ende wider. Besonders schockierend ist dabei der Part des Colleteral Murder Videos, also die Aufnahmen des vorsätzlichen Mordes an Presseleuten und zivilen Bürgern, durch die Hand des amerikanischen Militärs. Die Veröffentlichung dieses Videos, dass einem jedes mal wieder einen Schauer über den Rücken laufen lässt, steht stellvertretend für sämtliche Missetaten, die durch WikiLeaks an die Oberfläche gebracht worden.

WikiLeaks hat viel erreicht und bedarf weiterer Unterstützung. Auch von euch!

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Google und die pinkfarbenen Schwäne

Unser neuer Blogpilot Michael Groß hat die Frühlingsmonate im Silicon Valley verbracht. Ein Besuch bei Google durfte dabei ebenso wenig fehlen wie pinkfarbene Schwäne. Wieso, berichtet er in seiner Google-Reportage…

Google ist Gott. Dein Freund. Dein Feind. Ein Weltverbesserer. Ein Monopolist. Das Zentrum der Wissensgesellschaft. Der Tod des Datenschutzes. Eine der wertvollsten Marken. Böse. Bunt. Genial. Und zu guter letzt auch eine Suchmaschine.
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