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Von der Fabrikhalle zur Denkfabrik: der Factory Campus Düsseldorf

Nordrhein-Westfalen ist so etwas wie ein Stiefkind, wenn es um Start-ups geht. Weder das Ruhrgebiet noch das Rheinland galten bisher als Innovationshub für Gründer, trotz hoher Bevölkerungsdichte, guter Wirtschaftsleistung und attraktiver Städte. Das soll sich jetzt ändern. Ein Beispiel dafür ist der Factory Campus in Düsseldorf.

Wo einst eine Fabrik für Recycling-Maschinen stand, hat im Oktober 2016 das Unternehmen seine Pforten geöffnet. Auf 34.000 Quadratmeter erstreckt sich der Coworking Space im Stadtteil Lierenfeld, der ehemals zum Industriegürtel in Düsseldorf gehörte. Der Campus ist eins der jüngsten Beispiele, das zeigt, wie Nordrhein-Westfalen im Rennen um die Start-ups mit anderen Hubs wie München oder Berlin gleichziehen möchte.

Megaprojekt: Wie aus einer Fabrikhalle ein Coworking Space wird

Coworking Manifest (Image by Marinela Potor)
Das Coworking Manifest (Image by Marinela Potor)

Hinter dem Factory Campus steckte anfangs noch Yvonne Firdaus, die in Düsseldorf schon den Coworking Space „Garage Bilk” gegründet hatte. Mittlerweile leiten Manfred Voß, Stefan Schulz und Marc Breddermann den Coworking Space. Letzterer ist auch der Investor, der den Umbau des Factory Campus von einer verlassenen Fabrikhalle zu einem modernen Arbeitsumfeld möglich gemacht hat. Breddermann ist ebenfalls Geschäftsführer der Breddermann Gruppe, einem Immobilienunternehmen mit Sitz in Hagen, das damit auch an der Umsetzung des Campus-Konzepts beteiligt ist.

Wie alles einmal aussehen soll und was schon alles gemacht wurde, erklärt Ralf Neuhäuser. Der “Factory-Campus-Botschafter” hat die Netzpiloten auf eine Campustour und einen Tag zum Coworken eingeladen. Auf seiner Tour wird deutlich: Seit der Gründung hat sich hier viel getan. So ist das Pioniergebäude fast fertig, der Innenhof lädt an diesem Sommertag mit Holzbänken zum Ausruhen ein und auch das wichtigste in einem Coworking Space läuft: Das Internet. Der Factory Campus wirbt mit 2 Gigabit Uplinks, die am Testtag auch kein einziges Mal versagen oder langsam scheinen.

Ralf Neuhaeuser (Image by Marinela Potor)
Ralf Neuhäuser (Image by Marinela Potor)

Doch bei einem so großen Gelände liegt auch noch viel Arbeit vor dem Factory Campus Team. So zeigt Neuhäuser stolz auf das wohl beeindruckendste Gebäude auf dem Areal, die große Halle. Der Umbau der Halle ist eins der nächsten großen Projekte des Coworking Spaces.

Hier soll, wenn alles nach Plan läuft, in den nächsten drei bis vier Jahren eine Mischung aus Eventräumen, Tagungsräumen und Gastronomie entstehen – alles in nachhaltiger und smarter Bauweise, wie Neuhäuser betont. Überhaupt ist Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema im Coworking Space. Der Innenhof, jetzt noch gepflastert, soll zu einem großen grünen Park werden. Eine Ladestation für E-Bikes gibt es bereits und gerade werden Parkplätze mit Ladestationen für E-Autos fertig gestellt.

Geplant ist auch, in naher Zukunft ein Parkhaus mit 500 Stellplätzen und Ladeinfrastruktur zu bauen. Mit der Sanierung der kommenden Jahre sollen aber nicht nur Büros, sondern auch Ateliers und Maker Spaces geschaffen werden. Auch ein Biergarten soll dann im Innenhof stehen. Doch auch jetzt schon versucht der Factory Campus von Foodtruck bis Regionalmarkt seinen Nutzern viel zu bieten.

Kreatives Arbeiten statt Bierpong

Der Factory Campus ist sichtbar bemüht, seinen Mietern nicht einfach nur Büroräume zur Verfügung zu stellen, sondern aus dem Factory Campus eine rege Mischung aus Ideenschmiede, Startup-Hub und angenehmem Arbeitsumfeld zu schaffen. Vieles davon ist jetzt schon erkennbar. Startups wie Kopfquadrat, wertvoll. oder auch Urbam haben genauso ihre Büroräume hier wie

Klassenzimmer (Image by Marinela Potor)
Kreatives Arbeitsumfeld im „Klassenzimmer“ (Image by Marinela Potor)

etablierte Unternehmen wie AXA, deren Startup-Center hier sitzt. Unter den Coworkern finden sich junge Entrepreneure genauso wie erfahrene Geschäfsleute, aber auch Mompreneurs kommen hier zusammen. So eignet sich der Factory Campus sowohl zum ernsthaften als auch zum entspannten Arbeiten. Insgesamt strahlt der Factory Campus eher „kreatives Arbeitsumfeld” als „wilde Bierpong-Zone” aus.

So können neben den offenen Arbeitsplätzen auch private Büroräume gemietet werden. Die Büros können entweder flexibel, für einen oder drei Monate oder in bestimmten Fällen auch für längere Zeiträume gemietet werden, es gibt aber auch Tagesarbeitsplätze (Kostenfaktor: 15 Euro) für Freelancer. Konferenz- und Tagungsräume können ab zwei Stunden gemietet werden.

Um trotz all der privaten Büros dennoch den Austausch der unterschiedlichen Unternehmen und Coworker auf dem Campus anzuregen, gibt es regelmäßige Treffen der Mieter, Veranstaltungen sowie Meetups, und auch im Gebäude selbst gibt es zahlreiche offene Chillout-Zonen, Kaffeeräume oder auch Kreativräume, in denen sich die Coworker austoben, beziehungsweise ausruhen können.

Toilettenwand (Image by Marinela Potor)
Kreative Toilettenwand (Image by Marinela Potor)

Der Factory Campus setzt auf moderne Einrichtung, helle Räume und humorvolle Design-Ideen, die die Coworker inspirieren sollen. So gibt es auf den Toiletten beispielsweise Malstifte, mit denen Benutzer die Wandtapete verschönern können.

Die Open Spaces haben gemütliche Sofas und Stühle, doch hier geht es naturgemäß auch etwas lauter zu. Wer mehr Ruhe zum Arbeiten braucht, ist wahrscheinlich besser mit einem Büro bedient. Für punktuelle Ruhezonen können aber auch die schallisolierten „Telefonboxen” genutzt werden.

Doch auch eine Ruhezone ist schon in Arbeit. Aktuell entsteht ein Ruhe- und Wellnessbereich, in dem beispielsweise Yoga- und Pilatesworkshops angeboten werden können. Auch Duschen und Handtücher können hier für drei Euro gemietet werden. Wer möchte, kann hier auch eine Schlafkabine für ein kurzes Nickerchen mieten.

Chill-Zone (Image by Marinela Potor)
Die gemütliche Chill-Area. (Image by Marinela Potor)

Factory Campus setzt auf Abomodell

Insgesamt fällt auf, dass jede noch so kleine Zusatzleistung beim Factory Campus separat gebucht werden muss. „Uns war es wichtig, dass unsere Mieter die verschiedenen Angebote modular buchen können”, erklärt Ralf Neuhäuser das Prinzip hinter den vielfältigen Mietangeboten. „Manche Unternehmen brauchen vielleicht nur ab und zu einen Konferenzraum. Startups wollen möglicherweise erstmal nur eine Postadresse und ein Postfach. Andere Freelancer wollen nur hin und wieder kommen, dafür aber an einem Fixed Desk arbeiten. All das kann man entsprechend separat buchen.” Wer wiederum Mitglied wird, bekommt vieles inklusive – das genaue Angebot variiert je nach Abo. So will der Space natürlich auch einen Anreiz für die Memberships schaffen, denn diese sollen laut Ralf Neuhäuser das Kernstück des Coworking-Modells werden.

Eingang Factory Campus (Image by Marinela Potor)

Die Auslastung scheint gut zu sein, aussagekräftige Zahlen gibt es derzeit aber nicht. Dazu sei das Kommen und Gehen im Moment noch zu dynamisch, sagt Neuhäuser.

Nach einem Tag auf dem Factory Campus lässt sich zusammenfassen: Hier findet sich ein angenehmer, inspirierender Arbeitsplatz. Es ist erstaunlich, was hier in so kurzer Zeit aus einem alten Fabrikgebäude entstanden ist – und in Zukunft noch entstehen wird. Bleibt nur zu hoffen, dass Coworking Spaces wie dieser tatsächlich mehr Startups und kreative Köpfe in die Region locken können.


Images by Marinela Potor


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Die Netzpiloten sind Partner des Medienforum NRW

Am 30. Mai findet im Congress-Centrum Nord der Koelnmesse das Medienforum NRW statt. Seit über 20 Jahren ist das Medienforum NRW einer der wichtigsten Treffpunkte für die Medien- und Kommunikationsbranche um über aktuelle Medien- und netzpolitische Themen ins Gespräch zu kommen. Neben verschiedenen Panels findet dieses Jahr erstmals ein neues Diskussionsformat statt. Bei „One-on-One“ diskutieren jeweils zwei Experten in 20 Minuten über vorrangige Fragen der aktuellen Medienpolitik.

Themen dieser Diskussionen sind unter anderem:

  • Verleger kontra Internet – Schützt ein EU-weites Verlegerrecht überholte Geschäftsmodelle?
  • Wie viel – oder wenig – Plattformregulierung ist nötig, um für die Mediennutzer den Zugang zu einem möglichst vielfältigen Angebot an audiovisuellen Medieninhalten zu sichern?
  • Über Adblocker und weitere Werbehindernisse. Schutz vor Werbeüberflutung oder Gefahr für die Medienvielfalt?

Spannende Speaker

Zu den Referenten, auf die ihr euch beim Medienforum NRW freuen könnt, gehören:

Der Veranstalter ist das Medienforum. Hier könnt ihr euch für die Veranstaltung anmelden. Wir wünschen euch viel Spaß!

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Mediathekenumschau vom 16. September

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischen wir die besten Perlen aus der TV-Flut.

JUNGE MENSCHEN WÄHLEN: Ich will das sich das ändert!

1LIVE+++ Sendung vom 16. September: Auch Radio gibt’s in den Mediatheken. Und vom Hörspiel bis zur klassischen Reportage, wahrscheinlich sogar mehr als bei den üblich-bewegten Inhalten, geht auch hier so manches Hörenswertes unbemerkt über den Äther. Besonders die Jugendwellen der Öffentlich-rechtlichen bieten spannende Produktionen, die sich im Netz streamen oder als Podcast downloaden lassen. In der Reportage „Ich will, dass sich das ändert!“ (man beachte die bestimmte Aussage im Sendungstitel) auf 1LIVE befragt Nina Fricke junge Leute aus NRW über ihren Alltag und ihre Gedanken zur anstehenden Bundestagswahl: „Was sie nervt und was sich ändern sollte“. Alle Interviewten, so das Fazit der kurzweiligen Porträts, vereint die Einforderung von Anerkennung und Respekt durch Politik und Gesellschaft. Das lesbische Paar Vielca und Anna plant seine Hochzeit und sehen nicht ein, warum Kinder nicht dazu gehören dürfen. Bilal wurde in Deutschland geboren und hat vor kurzem einen lapidaren Brief vom Amt bekommen. Er versteht nicht, warum er sich für eine seiner beiden Staatsbürgerschaften – und damit ein Heimatland – entscheiden muss. 

MARC-UWE KLING: Neues vom Känguru

Fritz +++ bei den RadionFritzen (nachmittags): Das kommunistische Kanguru ist seine Erfindung. Und es gibt keinen anderen, der sich so etwas ausdenken könnte: das australische Beuteltier ist als Mitbewohner und Sparringpartner für den schludrigen Berliner aus Marc-Uwe Klings Texten so absurd, dass – hat man sich einmal darauf eingelassen – die Welt um das ungleiche Paar herum gar nicht mehr so verrückt erscheint. Und damit nicht so weit entfernt von unserer. Hier hängen zwar noch keine Motivationsplakate in der Gegend rum („Ich schwimm bis nach Birma – für meine Firma“). Doch wenn es mal soweit ist, wünscht man sich ein Känguru, das einen „Anti-Terror-Anschlag“ auf eben die Poster plant. Im Berliner Jugendradio Fritz liest Marc-Uwe Kling regelmäßig Neues vom Kanguru vor.

EIN ANDERES AMERIKA: Junge Schriftsteller und ihr Verhältnis zur Politik

Deutschlandradio Kultur +++ am 17. September, 19:30 Uhr und danach in der Mediathek: Der Korrespondent Matthias Kolb schreibt auf sueddeutsche.de aus den USA. Für Deutschlandradio Kultur spricht er am Dienstag Abend mit jungen Schriftstellern, die sich in die gesellschaftlichen Gräben des Obama-Amerikas begeben. „Die neuen, politischen U-40-Schriftsteller wissen, dass sie weniger bewirken können als Norman Mailer oder Gore Vidal in den sechziger Jahren.“, so der Journalist. „Trotzdem machen sie weiter – und arbeiten an dem Projekt, an dem der Präsident und Bestseller-Autor Barack Obama nach eigenen Aussagen gescheitert ist: Sie suchen nach neuen Storys, die ein ganzes Land zusammenhalten können.“

BALD VORBEI: Tagesschaum

WDR +++ Sendung vom 16. September, noch bis Freitag täglich: Ein bisschen Bewegtbild muss es in der Woche der Bundestagswahl aber schon noch sein. Und sei es nur der schelmig-wissenden Gesichtsausdrücke des Polit-Erkläronkels Friedrich Küppersbusch wegen. Und seine Wortspiele würden auch nur halb so schön rüber kommen, wenn zum Beispiel Philipp Röslers Weg-Ruf nach der verlorenen Landtagswahl in Bayern nicht mit der Ansprache Mel Gibsons in Braveheart unterlegt werden könnte. Tagesschaum geht in die letzte Runde. Von Beginn an war geplant, den kurzweiligen Kommentar zum Wahlkampf (inzwischen fünf Mal pro Woche im WDR und auf youtube) nur bis zur Wahl laufen zu lassen. Vielleicht hat Friedrich Küpeprsbusch aber auch wieder Blut geleckt. Dem deutschen Fernsehen wäre es zu wünschen.

 

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Infografik: Der Aufstieg der Piratenpartei

Piratenpartei LogoStatista hat sich einmal die Mühe gemacht und eine Infografik erstellt, die den Aufstieg der Piratenpartei in Deutschland aufzeigt. Die Deutschlandkarte zeigt in welchen Landtagen die Piraten vertreten sind, in welchen Bundesländern sie bei der Sonntagsfrage bei 5% oder mehr liegen und wie sich die Mitgliederentwicklung vollzieht. Außerdem werfen die Kollegen einen Blick auf die Entwicklung der bundesweiten Popularität.

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