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Der Verkauf von Abos über Apple wird für Herausgeber einfacher

Tablet (Image by niekverlaan (CC0_Public Domain) via Pixabay)

Vor einigen Tagen wurden bei der jährlichen WWDC-Konferenz Softwareneuheiten vorgestellt. Wir konnten einen Einblick in die Vorhaben erlangen, der für Herausgeber von großem Interesse sein wird.

In einem der seltenen Vorgespräche zur WWDC-Konferenz mit Phil Schiller, dem stellvertretenden Leiter der Abteilung für internationales Marketing bei Apple, verkündete dieser, dass Apple in absehbarer Zeit das Finanzausgleichmodell für Apps verändern wird. Während die bekannte 70/30-Aufteilung weiterhin bestehen bleiben wird, werden Entwickler, die einen Langzeitabonnenten für länger als ein Jahr halten können, nur noch 15 Prozent ihrer Einnahmen an Apple abführen müssen. Die Möglichkeit zum Verkauf von Abonnements wird zudem allen Entwicklern und nicht nur ausgewählten Apps zur Verfügung stehen. Schiller äußert sich dazu mit den Worten: „Jetzt werden wir alle Kategorien öffnen und diese Öffnung schließt auch Spiele ein. Diese stellen eine immens große Kategorie dar.“

Der erste Teil davon stellt den wichtigsten Aspekt für Nachrichtenherausgeber dar: Als die Firma Apple verkündete, dass sie im Jahr 2011 zahlungspflichtige Abonnements einführen wolle, wurde dies mit großer Spannung von einigen Nachrichtenunternehmen erwartet. Diese sahen diese Möglichkeit als einen Weg dafür, die regulären Vertriebserlöse aus ihrem Print-Geschäft auf die digitale Ebene zu übertragen. Im Zusammenspiel mit der Herausgabe des iPads ein Jahr zuvor wirkte dies als Ansporn zu großen Bemühungen durch große Unternehmen (Beispielsweise bei „The Daily“: möge das Projekt in Frieden ruhen) bis hin zu Startups von Einzelunternehmern (wie beispielsweise The Magazine: Möge es in Frieden ruhen). Wie das „Ruhe in Frieden“ bereits andeutet, distanzierten sich die Verleger nach einiger Zeit aus zahlreichen Gründen von der Idee. Zu ihnen gehörten beispielsweise: Unvollständige Nutzerdaten, Schwierigkeiten bei der Akquise neuer Abonnenten oder dem Festhalten an Konzepten wie dem nicht mehr bespielten „Newsstand“-Ordner auf dem Start-Bildschirm.

Während Newsstand mittlerweile Vergangenheit ist, besteht doch weiterhin eine Beschwerde: Apple hat von allen Umsätzen aus Abonnements 30 Prozent abgezogen – dies war einigen App-Herausgebern zu hoch.

Die Verkündung Schillers bedeutet daher, dass dieser Abzug nur innerhalb des ersten Jahres eines Abonnements bestehen wird und danach dann auf 15 Prozent sinken solle. Wenn Sie einem Kunden für ein monatliches Abonnement über iOS 9,99 US-Dollar berechnen, wird Ihr Umsatz im zweiten Jahr um 21 Prozent ansteigen (von 82,92 US-Dollar auf 101,90 US-Dollar). John Gruber fügt hinzu, dass diese Veränderung in einem Sinne auch rückwirkend greifen wird: Bestehende Apps, die bereits ein Jahr dabei sind, werden von der 85/15-Aufteilung in wenigen Tagen und nicht erst in einem Jahr profitieren.

Und noch weitere interessante Fakten dazu:

  • Von nun an kann man in den verschiedenen Vertriebsländern angepasste Werbung schalten. Somit könnte beispielsweise die New York Times Lesern in Indien weniger – oder auch mehr – berechnen als Lesern in den USA.

  • Sie werden „die Möglichkeit bekommen, bestehende Abonnenten den gleichen und neuen Abonnenten einen höheren Preis zu berechnen.“

  • Erneuerungsphasen können ab nun nicht nur monatlich oder jährlich, sondern auch alle zwei, drei oder sechs Monate durchgeführt werden.

  • Es ist zudem ab jetzt auch einfacher, mehrschichtige Abonnements innerhalb einer einzelnen App anzubieten. (Auch wenn das schon zuvor möglich war; die Times bietet in ihrer aktuellen App beispielsweise mit dem digitalen Abonnement für 15 US-Dollar im Monat und dem Times Insider für 25 US-Dollar im Monat diese beiden Optionen an.) Von einer Form zur anderen zu wechseln wird für Nutzer problemlos möglich sein.

Ein weiterer wichtiger und nennenswerter Punkt: Sie können die Entscheidung treffen, den Preis für ein Abonnement für einen bestehenden Kunden anzuheben. Dieser Kunde wird dann eine Benachrichtigung über die Tarifänderung erhalten und die Möglichkeit haben, die Preiserhöhung anzunehmen. Wenn er diese nicht annimmt, endet das Abonnement. Diese Möglichkeit in Anspruch zu nehmen, sollten Sie also sorgsam bedenken.

Ironischerweise erweist sich der Teil der Neuregelungen, die am wenigsten über eine direkte Verbindung zu Herausgebern verfügen, als besonders negativ für diese. Abonnements waren zuvor nur für bestimmte Arten von Apps verfügbar (Nachrichten, Cloud-Services, Dating-Apps sowie Audio-/ Video-Streaming-Apps wie Spotify oder Netflix). Jetzt werden sie für alle Apps erhältlich sein. Die Absicht dahinter ist, dass Entwicklern die Möglichkeit gegeben werden soll, beständigere Umsatzmodelle für komplexe Apps entwickeln zu können – und das, ohne zuvor einen hohen Preis dafür verlangen zu müssen. (Denken Sie an dieser Stelle an Ihre Adobe Creative Suite oder Ihre Microsoft Office-Apps, die heute über ein jährlich zu zahlendes Abonnement bezahlt werden. Vor gerade einmal fünf Jahren hätten Sie sie in Form eines einmalig zu zahlenden Paketes erwerben müssen.)

Diese neue Verfügbarkeit bedeutet, dass viele weitere Apps mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre Abonnements kostenpflichtig gestalten werden – dazu gehören auch Produktivitäts-Apps für Geräte wie beispielsweise den iPad Pro und für zahlreiche Spiele. In dieser Umgebung stelle ich mir die Frage, ob Konsumenten eine Nachrichten-App nicht vielmehr als einfach eine weitere monatliche Rechnung sehen und diese dann im Wettbewerb steht mit Candy Crush PRO 3.11 für Arbeitsgruppen oder Two Dots Elite.

Die Vorhersagen sind eindeutig:

Das sind jedoch nur Vermutungen meinerseits. Apple hat versucht, seinen Hauptumsatz von fast ausschließlich einmaligen, kostenaufwändigen Anschaffungen (wie ein neues iPhone!) zu wiederholen, regelmäßigen Zahlungen zu verschieben (wie den Apple Music! iCloud-Speicher!). Es ist also sinnvoll, wenn Entwickler einen ähnlichen Weg einschlagen sollen. Nachrichten-Apps waren schon immer an Abonnements gekoppelt (da Herausgeber Nachrichten auf einer täglichen Basis veröffentlichen; Spielentwickler können hingegen langfristig von einer sich mehrheitlich nicht verändernden App profitieren). Aber die Abo-Party wird zunehmend belebter werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image Tablet by niekverlaan (CC0_Public Domain)


 

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Können Mikrozahlungen Nachrichtenagenturen helfen?

Headlines... (adapted) (Image by Thomas Leuthard [CC BY 2.0] via flickr)

Es gab einmal eine Zeit, in der der Unterschied zwischen einem wenig angebotenen, aber oft nachgefragten Gut, nämlich rechtzeitige und verlässliche Nachrichten, enorme Einkünfte für die Nachrichtenverlage einbrachte. Aber in den vergangenen etwa 15 Jahren hat die digitale, soziale und mobile Revolution diesen Unterschied zunichte gemacht.

Als Antwort darauf suchen die Verlage nach neuen Einkommensströmen. Besondere Aufmerksamkeit fiel in der letzten Zeit auf Mikrozahlungen: man zahlt einen relativ kleinen Betrag, um Zugriff auf einen vergleichbar kleinen Ausschnitt an Informationen, beispielsweise einen einzelnen Artikel, zu erhalten.

Die traditionelle Medienwelt besteht aus gebündelten Informationen mit vielen unterschiedlichen Inhalten, immer darauf bedacht, möglichst allen etwas anzubieten. Die digitale Welt wiederum ist eine ungebündelte. Sie erlaubt es jedem Einzelnen, eine Sache aus einer Milliarde angebotener Dinge auszuwählen. Sind wir bereit, dafür zu zahlen? Ja, manchmal – siehe iTunes.

Aber die Frage, die sich die Nachrichtenagenturen stellen, ist, ob personalisierte Nachrichten genauso wie personalisierte Unterhaltung Interesse und vielleicht sogar Einkommen generieren kann.

Bis jetzt wird an Initiativen für Mikrozahlungen lediglich gearbeitet. Die größte Aufmerksamkeit wird dabei einem niederländischen Service namens Blendle zuteil, der behauptet mehr als eine Million registrierte Nutzer in Europa zu haben, zudem dazu bereit, den US-Markt anzugreifen. Die meisten Angebote auf Blendle, die von unterschiedlichen Quellen kommen, kosten zwischen zehn und 90 Cent und werden mit einer Geld-zurück-Garantie angeboten: Man zahlt nur für Artikel, die man wirklich liest – und wenn einem nicht gefallen, kannst man seine paar Cent zurückverlangen.

Das professionelle Interface spricht Fans an, genauso wie der Fakt, dass es keine Werbeeinblendungen gibt (oder Clickbait, was die Werbung begleitet). Andere haben jedoch geradeheraus vorhergesagt, dass das Konzept zum Scheitern verurteilt ist. Nachrichtenkonsumenten wollen nichts bezahlen sagen sie, und selbst ein so kleiner Betrag ist nicht nichts.

Wer gibt den Ton an?

Aber vielleicht ist das Modell hier kein “iTunes für Journalismus”, wenn wir mit Journalismus den Content mit dem Siegel der großen Nachrichtenorganisationen meinen. Vielleicht kann eine Crowdfunding-Seite wie Kickstarter ein besseres Vorbild sein: die Möglichkeit, dass Nutzer ihr Geld in Ideen investieren, die sie verwirklicht sehen wollen und nicht in existierende Geschichten, die sie lesen möchten.

Experimente, die Journalismus crowdfunden, haben sich stark vermehrt. Eine Ausprägung ist im Grunde genommen eine Mitgliedschaft mit niedrigen Kosten, die es den Mitgliedern, oder Spendern, erlaubt, die Journalisten in die Richtung ihrer Interessen zu steuern. MinnPost, eine gemeinnützige Seite in Minnesota, nutzt diesen Ansatz zu ihrem Vorteil. Beispielsweise wurde im vergangenen Oktober begonnen, über neue Amerikaner, also die Gemeinschaften der Immigranten und Flüchtlinge im Staat zu berichten, basierend auf den Investitionsversprechen interessierter Spender.

In Schottland verfolgt eine neue investigative News-Seite namens The Ferret (zu deutsch: das Frettchen) ebenfalls Themen, von denen die Nutzer sagen, dass diese sie interessieren – Fracking war ein frühes Beispiel. Und in den Niederlanden erhielt de Correspondent mehr als eine Million Euro in nur acht Tagen für das Versprechen, Storys in hoher Qualität zu wichtigen Themen zu bringen, anstatt nur den “neuesten Hype” zu verfolgen.

Der andere Ansatz dreht den Prozess sozusagen um und ist näher am bekannten Crowdfunding-Konzept – Journalisten schlagen Ideen vor, die sie gerne verfolgen möchten und die Nutzer unterstützen die, die ihnen gefallen. Artikel, die ihre Zielförderung erreichen, werden geschrieben, die anderen nicht. Das vielleicht innovativste Beispiel kam von einer britischen Seite namens Contributoria, unterstützt von der Guardian Media Group. Innerhalb eines Zeitraums von 21 Monaten zwischen 2014 und 2015 veröffentlichte Contributoria fast 800 Artikel über Themen von der städtischen Regeneration Beiruts bis hin zum Leben eines Buchmachers; die Journalisten verdienten dabei 260.000 Pfund, der größte Teil davon besteht aus kleinen individuellen Zahlungen.

Nachhaltigkeit

Trotzdem sind solche Experimente schwer zu halten. Contributoria wurde im Oktober 2015 geschlossen, wobei einer der Mitbegründer erklärte, dass Crowdfunding nur ein Teil des Puzzles sei. Was die Initiative wirklich zeigte, sagte er zu journalism.co.uk, war, dass die Menschen einen “unersättlichen Appetit haben… sich an dem Journalismus-Prozess zu beteiligen, inklusive der Art der Finanzierung”.

Vielleicht ist es das, was man bis jetzt von Mikrozahlungen mitnehmen kann. Der Wunsch danach, eine Stimme zu erhalten, ist weniger eine Frage der Bezahlung des Journalismus als der Wunsch danach, einen Anteil daran zu haben. Nachrichtenorganisationen hoffen inbrünstig, dass dieser Anteil finanziell ist, aber für die Nutzer ist das “Besitzen” viel wichtiger als die Zahlung.

Da sich Informationen oft wie Wildwuchs verbreiten, wollen die Konsumenten ein wenig Kontrolle darüber erlangen. Die digitalen Medien geben die Fähigkeit selber Reporter zu werden, aber vor allem wollen sie scheinbar Redakteure sein; die Türsteher, die entscheiden welche Nachrichten sie sehen werden, in dem sie einen Artikel in Auftrag geben oder ein investigatives Team in eine Richtung lenken oder jene Nischennachrichten-App nutzen, aber nicht diese.

Die richtige Mischung finden

Für Nachrichtenorganisationen sind daher Mikrozahlungen nur eine Option unter vielen in einer zerbrechlichen und zerschlagenen digitalen Umwelt – etwas, das man zu den Zahlungsströmen hinzugeben kann, wenn es nur ein kleines Budget an Zeit, Arbeit und Geld erfordert.

Auch wenn Experimente in eine gute Richtung zu gehen scheinen, ist die Ausbeute aus dieser Option grundsätzlich eher gering. Der größte Teil der Online-Nutzer zahlt heute nicht für digitale Nachrichten und hat auch nicht vor, dies zu ändern. Es gibt keine Hinweise auf eine massive Nachfrage der Nutzer, im vorneherein für den Inhalt einer Nachricht bezahlen zu können – und selbst, wenn sie bereit wären, der kleine Einkommensfluss würde von Tag zu Tag, je nach Angebot, stark schwanken. Das ist nicht das wünschenswerteste Finanzierungsmodell einer Organisation, die eine stabile finanzielle Basis benötigt, um ihre Mitarbeiter, die Infrastruktur und die Fähigkeit, die Mächtigen zur Verantwortung zu ziehen, zu finanzieren.

Die gegenteilige Option – den Konsumenten zu ermöglichen, die Richtung der journalistischen Untersuchungen zu steuern – scheint plausibler zu sein und die verschiedenen gemeinnützigen Unternehmen, die ich erwähnt habe, sind unter denen, die Beispiele aufzeigen, wie es funktionieren könnte. Aber Nachrichtenkonsumenten sind nicht die Einzigen, die gerne die Kontrolle haben. Journalisten tendieren dazu, sich sehr stark dem Unabhängigkeitsgedanken des Verlegers zu verschreiben – mit anderen Worten, sie wollen lieber selber entscheiden, was Nachrichten sind und was nicht. Ob sie gewillt sind diese Kontrolle zu teilen – und falls, was sie dafür im Austausch vom Nutzer erhalten können – bleibt abzuwarten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Headlines…” by Thomas Leuthard (CC BY 2.0)


The Conversation

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iOS 8: Wie 5 Medien ihre Apps für Apples neues OS aktualisierten

ABC, AP, Breaking News, The Guardian und The New York Times haben alle ihre Apps aktualisiert (oder neue vorgestellt), um von den neuen Funktionen in iOS 8 zu profitieren. // von Joseph Lichterman

iOS 8 auf dem iPhone

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