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Die Gesellschaft zwischen Religion, Technologie und Extremismus

Hacker sollen die Sicherheit von Tor erhöhen (Image by Ivan David Gomez Arce [CC BY 2.0] via Flickr)

Unsere Gesellschaft wird inzwischen eher von Technologie als von Religion geprägt – der Graben verläuft zwischen antimodernen Fundamentalismus und der postmodernen Mentalität der Jugend. Trotz aller Konflikte darf man sich keiner der beiden Welten entziehen. Kürzlich haben Extremisten sowohl bei dem Anschlag auf die Planned Parenthood Federation of America als auch bei der Schießerei in San Bernardino die hässliche Fratze der Religion enthüllt. Der Einfluss dieser Taten und die Demagogie der Wahlkampfperiode erzeugen in den USA Angst und Empörung. Inmitten dieser nationalen Kämpfe bereiteten sich viele Familien auf einen viel persönlicheren religiösen Kampf vor: die Frage, ob sie an Weihnachten in die Kirche gehen sollten oder nicht. Amerikaner identifizieren sich zunehmend nicht mehr mit Religion, wobei es signifikante Generationsunterschiede gibt.

Das Pew Research Center berichtete dieses Jahr, dass 35 Prozent der Milleniums-Generation, auch Generation Y genannt, also diejenigen, die zwischen 1981 und 1996 geboren sind, religionsfrei sind. Viele junge Leute durchschreiten eine Kirchentür wahrscheinlich nur noch, um ihre Eltern an Weihnachten und Ostern zu besänftigen. Diese disparaten Trends beziehen sich alle auf das gleiche Phänomen: den kulturellen Wandel.

Das Alte und das Neue

Religiöse Extremisten wollen die Uhren der Moderne zurückdrehen, um eine Zeit wieder herzustellen, in der moralische Entscheidungen einfach waren und die Werte der Alten Welt vorherrschten. Die alten institutionellen Formen lassen sich hingegen nicht mit der postmodernen Mentalität der Generation Y vereinbaren.

Die Reaktion der Fundamentalisten auf die Moderne ist vorhersehbar. Sie fühlen sich bedroht von Individualismus, dem Umkippen der traditionellen Werte und der schrittweisen Dezimierung von Institutionen, die geschichtlich gesehen die moralische Ordnung aufrechterhalten haben. Neuartig bei der Reaktion der Fundamentalisten ist, dass sie moderne Technologien nutzen, um für ihre rückschrittliche Moral zu werben.

Die gleiche Technologie erweitert den Horizont der Generation Y mehr, als ihn einzuengen. Wie ich in meinem Buch „Finding Faith” dargelegt habe, bedeutet Tradition ihnen wenig. Sie wählen aus verschiedensten Optionen, darunter auch eine große Anzahl an Religionen und verschiedene andere Formen von Spiritualität.

Der gemeinsame Nenner der Fundamentalisten und des Individualismus der Generation Y ist die Über-Auswahl. Für die Ersteren ist Auswahl eine Bedrohung. Für die Letzteren ist sie eine Möglichkeit zur Selbstdarstellung.

Eine Bedrohung aus zwei Richtungen

Bei vielen Amerikanern erzeugen beide kulturellen Trends Angst. Einheimischer Terrorismus erscheint als eine größere Bedrohung, wenn jeder mit jeglicher religiösen Tradition über das Internet radikalisiert werden kann. Und viele Großeltern machen sich Sorgen darüber, wie jüngere Generationen Sinn, Moral und selbst ewige Erlösung ohne Religion finden sollen.

In der Position des Großvaters verstehe diese Sorge durchaus, aber als Religionswissenschaftler bin ich sehr optimistisch bezüglich unserer Zukunft. Mit einer geliehenen Formulierung aus dem Feld der Ökonomie ausgedrückt, befindet sich die Durchschnittsreligion in einer Periode der kreativen Zerstörung. Vielleicht bricht sie auseinander, aber die heutige Kultur bietet der Religion auch die Möglichkeit, sich selbst zu erneuern.

Man muss nur die grauen Köpfe in den meisten Kirchen und Synagogen betrachten, um zu erkennen, dass diese Institutionen innerhalb dieser einen Generation so gut wie erschöpft sein werden. Ja, Mega-Kirchen mit hippen Pfarrern und zeitgemäßer Musik werden weiterhin Publikum anziehen, aber solche Gruppenversammlungen und kollektive Rituale können sich oberflächlich und leer anfühlen. Auch Mega-Kirchen sehen das Interesse und die reguläre Anwesenheit von jungen Erwachsenen schwinden.

Die alte christliche Kosmologie – Gott sendet einen Sohn, um die Welt zu erlösen; ein Gott, der allmächtig ist und doch, im Angesicht von Massengewalt, ohnmächtig zu sein scheint – funktioniert grundlegend für viele gebildete junge Erwachsene einfach nicht. Das Prinzip „spirituell, aber nicht religiös” zu sein, pauschalisiert das Verständnis der Menschen von Spiritualität, aber es signalisiert auch die Möglichkeit, dass der menschliche Geist nach etwas Tieferem als dem neuesten technologischen Schnickschnack strebt.

Ich bin der Ansicht, dass religiöse Institutionen die Vermittler der vier fundamentalen menschliche Bedürfnisse sind: dem Bedürfnis nach Gemeinschaft, den Ritualen der Erneuerung und Hoffnung, der Erfahrung, über sich selbst hinauszugehen, und des tieferen Sinn und Zwecks unseres Lebens.

Wenn religiöse Institutionen diese Erfahrungen nicht mehr länger übermitteln, brechen sie zusammen und neue Formen treten hervor. Zu Beginn fühlen sich diese neuen Formen vielleicht nicht so an und sehen auch nicht so aus wie die alten Religionen. Wahrscheinlich bestehen sie aus Kombinationen verschiedener Glaubensrichtungen und Glaubenspraktiken, die die älteren Menschen, welche die Verwahrer der institutionellen Erinnerungen sind, verunsichern. Aber unsere derzeitige Periode der kreativen Zerstörung wird womöglich das Saatbeet sein, auf dem die neuen Formen des religiösen Lebens keimen werden.

Das Prinzip der Achtsamkeit, bezogen aus Quellen der östlichen Religionen, findet beispielsweise bei vielen Amerikanern Resonanz. Eine wachsende Anzahl an Christen nimmt an kontemplativen Praktiken teil, eher auf der Suche nach einer Gotteserfahrung als nach einem abstrakten Glauben.

Leider sind auch die Fundamentalisten erfolgreich darin, die Bedürfnisse nach Gemeinschaft, Erneuerung, Selbstfindung und Sinn zu erfüllen. Antimoderner Fundamentalismus mit Computererfahrung – ein faszinierendes und Angst einflößendes Paradoxon – wird nicht in absehbarer Zukunft aussterben. Weniger bedrohlich ist, dass sowohl Mega-Kirchen als auch Achtsamkeits-Meditationen therapeutische Versammlungen für gleichgesinnte Menschen anbieten können, was in diesen Zeiten der Angst und des kulturellen Flusses beruhigend ist.

Neue Formen treten hervor

Zur selben Zeit experimentieren sowohl die Religionsfreien als auch die Mitglieder der existierenden religiösen Institutionen mit neuen Formen von spirituellen Praktiken und bewussten Gemeinschaften. Sie verteilen Nahrungsmittel an Obdachlose, versammeln sich in Waschsalons, um mittellosen Arbeitern einen kostenlosen Waschservice anzubieten, und überschreiten allgemein eher die Möglichkeiten, die die Glaubensgemeinschaften traditionell definieren. Mit Bewegungen wie #blacklivesmatter erschaffen sie Rituale, die Ungerechtigkeiten kritisieren und die Gemeinschaft und sie selbst heilen.

Die Bereitschaft, mit religiösen Glaubensformen zu experimentieren, hat vorherig die Katholische Arbeiterbewegung hervorgebracht, bei der zeitgemäße klösterliche Ordnungen nach den Modellen des früh-modernen Europas, und Erneuerungsbewegungen aus jeglichen Glaubenstraditionen gestaltet wurden. Religiöse Institutionen können innerhalb eines menschlichen Lebens unveränderlich wirken, aber innerhalb eines Jahrhunderts oder Jahrtausends entwickeln sie sich kontinuierlich.

Es braucht Zeit, bis sich unsere kollektiven religiösen Impulse mit den neuen Formen zurechtfinden. In der Zwischenzeit wird es wahrscheinlich einige besorgte Großeltern geben, die um die Erlösung ihrer Nachkommen fürchten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Teaser & Image „Kreuz“ by HannahJoe7 (CC0 Public Domain).


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Die rhetorische Brillanz des Demagogen Trump

Donald Trump (Image by Gage Skidmore [CC BY-SA 2.0], via Flickr)

Mit welchen Mitteln stellt sich Donald Trump immer wieder als rhetorisches Genie mit jeder Menge Zündstoff dar? Eine Analyse.

Die Forderung Donald Trumps vom 7. Dezember, die Einwanderung von Muslimen zu verhindern, wurde weltweit verurteilt. Fast 500.000 Briten unterschrieben eine Petition, die ihre Regierung anwies, Trump keinen Zutritt zu ihrem Land zu gewähren. In den USA wurden Trumps Kommentare sowohl von den Demokraten, den Republikanern, den Medien als auch von religiösen Gruppen angeprangert.

Jedoch stimmten laut einer kürzlich durchgeführten Umfrage 37 Prozent der designierten Wähler aus dem gesamten politischen Spektrum einem zeitlich begrenzten” Einreiseverbot für Muslime in die Vereinigten Staaten zu. Trump besitzt eine Arroganz und eine Sprunghaftigkeit, die die meisten Wähler aufschrecken lässt. Wie konnte er nun seinen Zugriff auf einen Teil der Basis der Republikanischen Partei erhalten, welcher – zumindest im Moment – unerschüttert scheint.

Wie konnte auch seine Unterstützung bestehen bleiben, obwohl er von einigen als Demagoge und Faschist bezeichnet wurde oder obwohl politische Beobachter Parallelen zwischen ihm und polarisierenden Figuren wie George Wallace, Joseph McCarthy, Father Coughlin – und selbst Hitler – zogen?

Als Wissenschaftler im Bereich der US-amerikanischen politischen Rhetorik halte ich Kurse ab und schreibe über Nutzen und Missbrauch rhetorischer Strategien in der öffentlichen Debatte. Die eingehende Prüfung von Trumps rhetorischen Fähigkeiten kann teilweise seinen profunden und beständigen Reiz erklären.

Die Rhetorik der Demagogie

Das griechische Worte Demagoge” (demos = Volk + ag?gos = Führer) meint wortwörtlich einen Führer des Volkes. Jedoch wird es heutzutage dafür benutzt, einen Anführer zu beschreiben, der populäre Vorurteile bedient, falsche Behauptungen und Versprechen macht und seine Argumentation nach dem Gefühl und nicht nach der Vernunft wählt.

Donald Trump bezieht sich hierbei auf die Ängste der Wähler, indem er eine Nation in der Krise zeichnet und sich gleichzeitig als Held der Nation feiert – der einzige Held, der sich unseren Gegner entgegenstellt, unsere Grenzen sichert und Amerika wieder zu etwas Großartigem macht”.

Sein Mangel an Details, wie er diese Ziele erreichen möchte, ist dabei weniger erheblich als seine selbstbewusste, überzeugende Rhetorik. Er mahnt sein Publikum an, ihm zu vertrauen, verspricht sehr schlau zu sein und lässt, bildlich gesprochen, seine prophetischen Muskeln spielen (wie in dem Fall als er behauptete, die 9/11 Anschläge vorausgesagt zu haben).

Trumps selbst beweihräuchernde Rhetorik lässt ihn als Inbegriff von Überheblichkeit scheinen, die laut Forschungsergebnissen oft die am wenigsten zugkräftigste Qualität eines möglichen Anführers ist. Jedoch ist Trump so beständig in seiner Überheblichkeit, so dass dies authentisch scheint: Seine Großartigkeit ist Amerikas Großartigkeit.

Deshalb können wir Trump mit Sicherheit einen Demagogen nennen. Aber die Furcht, wenn Demagogen wirkliche Macht bekommen, bleibt bestehen. Nämlich, dass sie das Gesetz oder die Verfassung außer Kraft setzen. Hitler ist dabei natürlich das Beispiel für einen Worst Case.

Erstaunlicherweise ist eines von Trumps eigenen Argumenten jenes, dass er sich nicht kontrollieren lassen wird. Im Wahlkampf machte er sich seine Rolle als Machogeschäftsmann zu Nutzen – welche er sich durch seinen Auftritt in den sozialen Medien und in den Jahren als Fernsehpersönlichkeit (bei der er meist die mächtigste Person im Studio war) schuf – um sich für die Präsidentschaft zu bewerben. Dies ist eine Rolle, die Einschränkungen zurückweist: Er lässt sich nicht durch die Partei, die Medien, andere Kandidaten, Politische Korrektheit, Fakten – eigentlich alles – einschränken. Auf eine Weise zeigt er sich als unkontrollierbarer Anführer.

Mit rhetorischen Mitteln Kritiker zerstören

Jedoch möchten die meisten Wähler keinen unkontrollierbaren Präsidenten. Warum bleiben trotzdem so viele felsenfest bei ihrer Unterstützung?

Zuerst bezieht Trump sich auf den Mythos des Amerikanischen Exzeptionalismus. Er beschreibt die Vereinigten Staaten als die beste Hoffnung für die Welt: Es gibt nur eine auserwählte Nation und als Präsident arbeiten alle seine Entscheidungen auf das Ziel hinaus, Amerika großartig zu machen. Dadurch, dass er sich selbst mit dem Amerikanischen Exzeptionalismus verknüpft, während er Gegner als schwach” oder Dummköpfe” beschreibt, kann Trump seine Kritiker als Leute, die nicht an die Großartigkeit” der Nation glauben oder nicht an dieser mitarbeiten, darstellen.

Trump benutzt zudem trügerische und spaltende rhetorische Techniken, die ihn vor Ausfragungen schützen und ihn nicht in die Enge treiben. Er benutzt Ad populum”-Argumente. Dies sind Argumente, die an die Klugheit des Publikums appellieren (Umfragen zeigen, Wir gewinnen überall).

Wenn Gegner seine Ideen oder Haltung hinterfragen, benutzt er Ad hominem” -Attacken oder Kritiken, die stets die Person und nicht ihre Argumentation treffen (er weist seine Kritiker als Dummköpfe”, schwach” oder langweilig” zurück).

Die wahrscheinlich berühmteste Instanz davon war, dass er sich über Carly Fiorinas Aussehen lustig machte, als die Zustimmung für sie in den Umfragen nach der ersten republikanischen Debatte stieg (Schaut auf dieses Gesicht!”, rief er, Wer würde dieses Gesicht wählen? Kannst du dir dieses Gesicht als Gesicht des nächsten Präsidenten vorstellen?”).

Schließlich sind seine Reden auch oft mit Ad baculum”-Argumenten gespickt, die Androhungen von Machtdemonstrationen sind (Wenn Leute mir hinterher spionieren, gehen sie den Bach runter.”). Da Demagogen oft ihre Argumentation auf falschen Behauptungen und der Berufung auf das Gefühl anstelle der Vernunft basieren, greifen sie oft auf diese (rhetorischen) Hilfsmittel zurück.

Beispielsweise erklärte George Wallace während des Präsidentschaftswahlkampfes im Jahre 1968, dass wenn sich irgendein Demonstrant jemals vor sein Auto liegen würde, wäre dies das letzte Auto vor dem er oder sie sich jemals hingelegt hätte (Ad baculum). Joseph McCarthy griff zudem auf eine Ad hominem Attacke zurück, als er den ehemaligen Außenminister Dean Acheson als pompösen Diplomat in gestreiften Hosen mit einen gefälschten britischen Akzent” bezeichnete.

Trump benutzt auch ein rhetorisches Mittel, das sich Paralipse nennt. Damit stellt er Behauptungen auf, für die er nicht verantwortlich gemacht werden kann. Bei der Paralipse stellt der Redner ein Thema oder Argument vor, indem er sagt, dass er nicht darüber sprechen möchte. In Wahrheit möchte er oder sie jedoch genau diese Sache betonen.

Zum Beispiel sagte er in New Hampshiream 1. Dezember:

Aber alle (anderen Kandidaten) sind schwach und nur schwach – Ich glaube, dass sie allgemein schwach sind, wenn sie die Wahrheit hören möchten. Aber ich möchte dies nicht sagen, weil ich es nicht möchte… Ich möchte nicht irgendwelche Kontroversen, gar keine Kontroversen haben, ist dies in Ordnung? Deshalb weigere ich mich zu sagen, dass sie generell schwach sind, okay?

Trumps letztendlicher Trugschluss

Gehen wir zu Trumps Rede über Muslime vom 7. Dezember 2015 zurück, um die dort benutzten rhetorischen Mittel zu analysieren:

Ohne auf die unterschiedlichen Umfrageergebnisse zu schauen, ist es für jeden klar, dass der Hass unbegreiflich ist. Woher dieser Hass kommt und warum gehasst wird, müssen wir herausfinden. Bis wir das Problem und die Bedrohung, die es besitzt, ermitteln und verstehen können, kann unser Land kein Opfer der abscheulichen Angriffe von Menschen werden, die nur an den Dschihad glauben und keinen Sinn für die Vernunft oder den Respekt vor menschlichen Leben haben. Wenn ich die Präsidentenwahl gewinne, werden wir Amerika wieder großartig machen.

In dieser Erklärung macht Trump bereits zwei Dinge unumstößlich (oder unbestreitbar): Amerikanischer Exzeptionalismus und der Hass der Muslime auf Amerika. Laut Trump werden diese Grundsätze von der Klugheit des Publikums (Ad populum) unterstützt; sie sind für jeden klar”.

Er beschreibt Muslime in wesentlichen Worten als ein Volk, dass nur an den Dschihad glaubt, voller Hass ist und keinen Respekt vor menschlichem Leben hat. Trump benutzt die Verdinglichung, – die Betrachtung von Objekten als Menschen und Menschen als Objekt – um seine Grundsätze miteinander zu verbinden und seine Aussage zu unterfüttern: Unser Land kann nicht das Opfer von abscheulichen Angriffen von Leuten, die nur an den Dschihad glauben, werden”.

Hierbei personifiziert er “unser Land”, indem er die Nation als Person darstellt. Währenddessen benutzt er im englischsprachigen Originalzitat that anstatt who, um zu zeigen, dass Muslime keine Menschen, sondern Objekte sind. Seine tiefere Logik hierbei ist, dass unsere Nation ein Opfer dieser Objekte” ist. Objekte müssen nicht mit der gleichen Sorgfalt wie Menschen behandelt werden. Deshalb sind wir berechtigt, Muslime den Eintritt in das Land zu verwehren.

Schließlich muss noch gesagt werden, dass Trumps Beweisführung unvollständig ist und sich an seinem eigenen Blickwinkel orientiert. Seine Erklärung zitierte eine Umfrage unter US-amerikanischen Muslimen, die zeigt, dass 25 Prozent der Befragten dem Punkt zustimmen, dass Gewalt gegen Amerikaner hier in den Vereinigten Staaten gerechtfertigt ist” .

Die Daten der Umfrage kamen vom Zentrum für Sicherheitspolitik (CSP – Center for Security Policy), welches das Southern Poverty Law Center als anti-muslimische” Denkfabrik bezeichnet. Darüber hinaus sagt Trump nicht, dass in der gleichen Umfrage 61 Prozent der US-amerikanischen Muslime dem Punkt zustimmen, dass Gewalt gegen jene, die den Prophet Mohammed, den Koran oder den islamischen Glauben beleidigen” , nicht annehmbar ist. Noch erwähnt er, dass 64 Prozent nicht glauben, dass Gewalt gegen US-Amerikaner hier in den USA als Teil des globalen Dschihad gerechtfertigt ist” .

Unglücklicherweise lässt sich Trump, wie ein wahrer Demagoge nicht zu sehr von den Fakten aufhalten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) Donald Trump” by Gage Skidmore (CC BY-SA 2.0)


 

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5 Lesetipps für den 16. März

In unseren Lesetipps geht es heute um den Islam in den Medien, den YouTube-Star LeFloid, Merkel auf der CeBit, Kreativität in der Musik und Facebook. Ergänzungen erwünscht.

  • ISLAM taz: Muslime in deutschen Medien: Der Journalist Eren Güvercin schreibt auf taz.de über das Bild von Muslimen in hiesigen Talkshows, Zeitungen und Magazinen, dass oft genug einen negativen Eindruck vermittelt. Ein lesenswerter Beitrag mit persönlicher Note, der zeigt, wie deutsche Medien mit der zweitgrößten Religion in Deutschland berichten und wie damit die Gesellschaft beeinflusst wird.

  • YOUTUBE Broadmark: LeFloid im Portrait: Der Berliner Student Florian Mundt ist besser bekannt als LeFloid, einer der größten und erfolgreichsten Vlogger auf YouTube. Man sieht ihn (inzwischen) oft im Fernsehen, auch auf Podien. Pauline Claass erklärt in einem Portärt auf Broadmark, wie sich LeFloid entwickelt hat, welche Bedeutung er für die hiesige YouTube-Szene hat und was seinen Erfolg ausmacht.

  • CEBIT Golem: Merkel für Kooperationen mit chinesischer IT-Industrie: Auf der gerade eröffneten CeBit traf Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Chinas Vizepremierminister Ma Kai und Alibaba-Gründer Jack Ma. Die Betonung auf die digitale Wirtschaft und das Partnerland China hätte kaum besser durch Gäste ausgedrückt werden können. Merkel wirbte deshalb gerade für mehr Kooperation mit China, allerdings bei klaren Spielregeln, wie sie hofft. Warten wir es ab, wie fair das Land aus dem Alibaba kommt mit dem Land sein wird, dass so etwas wie die De-Mail entwickelt hat und das auch noch gut findet.

  • KREATIVITÄT F.A.Z.: Warum das Urteil gegen „Blurred Lines“ falsch ist: Im Feuilleton der F.A.Z. erklärt Thomas Lindemann angenehm nüchtern für diesen Ort, warum das Urteil gegen „Blurred Lines“ falsch ist. Es gefährdet die Popmusik als Kunst, für die zum einen wissenschaftlich bestätigt ist, dass je erfolgreicher das Genre wurde, umso einfacher und ähnlicher wurden auch die Songs, zum anderen genau darauf die Kreativität heutzutage aufbaut. Auf Carta.info nahm ich das Gerichtsurteil als Anlass, um zu erklären, warum es ein Recht auf Remix geben muss.

  • FACEBOOK The Next Web: Facebook Updates its Community Standards for Clarity: Was man auf Facebook darf und was nicht, ist oft unklar. Das jeweilige nationale Gesetz der Nutzer gilt nämlich nur bedingt. Facebook hat eigene Vorstellungen, was er laubt sein soll. Rechtes Gedankengut findet leider oft genug Schutz eines zweifelhaften Begriffs von Meinungsfreiheit, während Meldungen von Nachrichtenmagazinen aufgrund harmloser Nacktheit gelöscht werden. Nun versucht Facebook aber in die Erkläroffensive zu gehen und die neuen Regeln vorzustellen.

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