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MOOCs – eine gute Option für die Vermittlung von Wissen

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Veränderungen und neue Möglichkeiten werden beinahe täglich durch innovative Ideen und fortschreitender Technik geschaffen. Auch im Bildungssystem sucht man stetig nach neuen Wegen, wie das Wissen noch einfacher für jeden zugänglich gemacht werden kann. So öffnet digitales Lernen den Menschen dahingehend viele neue Türen.

Sarah Holstein arbeitet im Zentrum für mediales Lernen (ZML) des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und beschäftigt sich ganz besonders mit dem Thema E-Learning und ist an der Erstellung von sogenannten MOOCs beteiligt – Massiv Open Online Courses. Zu diesem Thema wird Sarah Holstein auch auf der bevorstehenden OPEN!2016 – die Konferenz für digitale Innovation – sprechen. 

MOOCs kommen aus dem amerikanischen und stehen kostenfrei für Millionen von Menschen zur Verfügung, die ihr Wissen auch außerhalb von Hochschulen erweitern möchten. Derzeit ist das ZML schon bei einigen spannenden MOOC-Projekten beteiligt.

In einem Interview erklärt uns Sarah Holstein, was genau MOOCs sind, welche Vorteile sie haben und wie wir sie am besten nutzen können:

Jennifer Eilitz: MOOCs werden in Deutschland immer bekannter und immer mehr interessierte Menschen nehmen an diesen Online-Kursen teil. Wie sehen Sie die Entwicklung? Ist das nur eine Art Trend, der irgendwann wieder nachlassen wird, oder können MOOCs ein fester Bestandteil für Hochschulen werden?

Sarah Holstein: Ich denke schon, dass MOOCs einen festen Platz an den Hochschulen einnehmen werden. Wobei nicht in der Dimension, wie man teilweise ursprünglich propagiert hatte. Sie werden die Hochschullehre nicht ersetzen, sondern an bestimmten Stellen einfach zusätzliche neue Optionen eröffnen. Viel mehr als für Studierende sehe ich den Wert von MOOCs für die breite Öffentlichkeit, die auf diesem Weg die Möglichkeit erhält, partiell an Hochschullehre teilnehmen zu können, um zum Beispiel über die eigene Hochschulzeit hinaus über aktuelle Entwicklungen im eigenen Fach informiert zu bleiben. Und für die Hochschulen haben die MOOCs einen hohen Marketingwert. Sie können sich mit tollen Lehrprodukten international darstellen.

Man sitzt ja nicht direkt in einer Präsenzvorlesung. Ist der Lerneffekt dennoch derselbe?

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Image by Sarah Holstein

Das kommt immer auch auf den eigenen Lerntyp an. Es gibt sicher Personen, die besser in einer Vorlesung und andere die besser in einem MOOC lernen. So wie manche Personen lieber etwas erklärt bekommen und andere es lieber selbst in einem Buch nachlesen. Eine Präsenzvorlesung hat den Vorteil, dass ich als Studierender direkt mit dem Dozenten in Kontakt treten kann, um beispielsweise Fragen zu stellen, ein MOOC ermöglicht mir dafür zum Beispiel ein individuelles Lerntempo. In einer Vorlesung muss ich ja als Studierender gleichzeitig mitdenken und mitschreiben und wenn ich einen Gedankengang verpasse, ist es oft schwer den Faden wieder aufzunehmen.

Bei einem MOOC kann ich ein Video nochmal anschauen oder zu einer Stelle zurückspringen, bis ich den jeweiligen Aspekt verstanden habe und erst dann gehe ich zum nächsten Thema. So haben beide Formate ihre Vor- und Nachteile.

Wenn man erstmal die Hochschule verlassen hat und im Berufsleben steht, ist es ja häufig nicht mehr so einfach, im eigenen Fachgebiet „up to date“ zu bleiben. MOOCs sind hier eine tolle Möglichkeit, weiterhin über neueste Entwicklungen informiert zu bleiben oder auch, um sich neue Themengebiete zu erschließen. Hier ermöglichen MOOCs zum einen den Zugang zum Wissen und sind durch das sehr flexible Kursdesign sehr gut mit dem Arbeitsalltag zu vereinen. Was ich damit also sagen will, ist, dass die Bewertungsperspektive nicht von „zuerst hatte ich eine Präsenzveranstaltung und jetzt nur noch einen MOOC“ sondern von „zuerst hatte ich zu bestimmten Informationen gar keinen Zugang und jetzt habe ich über einen MOOC immerhin digital vermittelten Zugang“hin reicht.

Wenn ich mir einen MOOC von der Stanford University in den USA anschaue, wäre es natürlich noch toller, wenn ich vor Ort sein könnte, diese Option bietet sich mir leider aber gar nicht. Aber überhaupt an einer Veranstaltung der Stanford University teilnehmen zu können, ist doch ein großer Gewinn, oder?

Auf jeden Fall! Der Unterschied zwischen xMOOCs und cMOOCs ist ja, dass die xMOOCs eher einen Vorlesungscharakter haben und im Anschluss an eine Prüfung anknüpfen. Die cMOOCs hingegen gleichen eher einem Workshop oder auch Seminaren. Welche Form der MOOCs präferieren Sie? Welche könnte sich besser auf den Lernerfolg auswirken?

Ich würde einen xMOOC eher mit einer Lehrveranstaltung mit klarem Lernziel und definiertem Lernweg vergleichen und einen cMOOC eher mit einem BarCamp, in dem der Erfolg viel von den Teilnehmern selbst abhängt und sich auch jeder selbst sein Ziel setzt. Welches Format geeigneter ist, hängt meiner Meinung nach davon ab, welchen Kenntnisstand ich in einem Thema habe. Wenn ich mir ein neues Thema erschließen will, sind xMOOCs besser geeignet, da sie mir eine klare Struktur vorgeben, der ich folgen kann.

Ein cMOOC überfordert Themeneinsteiger, da auf den Teilnehmer sehr viele Informationen und Diskussionsstränge einprasseln. Aus diesen vielen Optionen muss er dann selbst eine Auswahl treffen und Gewichtungen vornehmen, was einen in einem neuen Thema überfordert. Als Experte in einem Thema wiederum sind cMOOCs eine tolle Option spannende Diskussionen zu starten und ein Thema aus vielen Blickwinkeln zu beleuchten. cMOOC geben einem dann hierbei die Freiheit eigene Schwerpunkte zu setzen und Themen mitzugestalten.

Wie stellt man sich den Ablauf eines solchen Online-Kurses vor? Sitzt der Lernende vor dem Bildschirm, sieht sich das Video an und macht sich gegebenenfalls Notizen? Oder können diese auch aktiver an den Kursen teilnehmen?

Das kommt auf die Gestaltung des jeweiligen Kurses an. Die MOOCs – an deren Erstellung ich beteiligt war – hatten immer mehrere Komponenten. Zum einen die Videos als Wissensinput, die ich mir als Teilnehmer anschaue, aber auch Übungsaufgaben, in denen ich als Teilnehmer dazu aufgefordert bin, das vermittelte Wissen anzuwenden. Außerdem sind Diskussionsaufgaben ein wichtiger Bestandteil der Kurse. Diese erfüllen zwei Aufgaben. Zum einen erwecken Sie den Kurs zu Leben und machen ihn zu einer Gruppenerfahrung. Die Materialien kommen ja quasi „aus der Konserve“, aber durch die Interaktion mit den anderen Kursteilnehmern, beispielsweise über den Austausch in Diskussionsforen, erlebe ich als Teilnehmer, dass da noch andere an den gleichen Themen arbeiten wie ich.

Dieser häufig auch internationale Austausch ist sehr bereichernd. Was wir auch häufig erleben, ist, dass sich lokale Gruppen bilden. Einzelne Teilnehmer fragen im Forum, ob aus ihrer Region weitere Teilnehmer im Kurs sind und diese treffen sich dann. Zum anderen sind die Diskussionsaufgaben eine tolle Möglichkeit, die vermittelten Inhalte zu reflektieren und auch mit den eigenen (Berufs-)Erfahrungen zu verknüpfen und von den Perspektiven der anderen Teilnehmer auf einen Aspekt zu profitieren.

Welche Möglichkeiten sehen Sie in diesen Online-Kursen? Welche Vorteile können Lernende und Lehrende daraus ziehen?

Für Lernende sehe ich vor allem die Vorteile, Zugang zu Wissen zu erhalten, den sie vorher nicht hatten, von tollen Dozenten aus der ganzen Welt profitieren zu können, auch nach der eigenen Ausbildung noch an Hochschullehre partizipieren und in Austausch mit Tausenden von Teilnehmern treten zu können.

Für Lehrende ist es eine tolle Möglichkeit, mit der eigenen Lehre in die Öffentlichkeit zu treten oder auch ein Thema bekannter zu machen. Aktuell produzieren wir beispielsweise einen MOOC unter anderem mit der Zielsetzung, auf ein eher unbekanntes Fachgebiet aufmerksam zu machen und so auch mehr Studierende für dieses Fach zu begeistern. Als Lehrender erhält man durch einen MOOC eine internationale Plattform. Für unsere Dozenten haben sich aus den MOOCs auch fruchtbare Kontakte für zukünftige Zusammenarbeiten entwickelt.

Gibt es auch Probleme, die durch die Online-Kurse entstehen?

Dass durch einen Kurs Probleme entstehen, sehe ich nicht. Was man sagen kann, ist, dass das erfolgreiche Absolvieren eines Online-Kurses hohe Anforderungen an die Selbstmanagementfähigkeiten der Teilnehmer stellt. Das bedeutet, ich kann mir schon vorstellen, dass es auch Personen gibt, für die ein MOOC nicht das geeignete Lernmedium darstellt. Personen, die mehr Anreize von außen brauchen, haben es in einem MOOC wahrscheinlich schwer. Aus meiner Erfahrung würde ich sagen, dass speziell die Personen sehr gut in einem MOOC lernen können, die eine hohe intrinsische Motivation für ein Thema mitbringen.

Auf iversity.org sind ja auch unter anderem MOOCs, wie beispielsweise der videobasierte Online-Kurs für besseres Selbst- und Zeitmanagement vom ZML zu finden. Dort habe ich gesehen, dass man am Ende ein Zertifikat oder auch ECTS – also Credit Points – erhalten kann. Inwieweit werden in Deutschland diese Nachweise ernst genommen? Habe ich mit diesen Nachweisen gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt?

Das kann ich schwer beantworten. Ich würde MOOCs vor allem empfehlen, wenn es mir als Teilnehmer primär darum geht, mir das Wissen anzueignen. Wenn im Vordergrund steht, ein Zertifikat zu erwerben, das ich beispielsweise meiner Bewerbungsmappe hinzufügen kann, würde ich eher klassische Weiterbildungskurse empfehlen. In unseren MOOCs kontrollieren wir auch nicht, ob vor dem PC auch tatsächlich die Person sitzt, die auf dem Papier angemeldet ist. Somit hat so ein Zertifikat, wenn es nicht mit einer kontrollierten Prüfung abgeschlossen wurde, per se nur bedingte Aussagekraft. Wenn wir selbst ECTS für einen MOOC vergeben, müssen die Studenten vor Ort unter kontrollierten Bedingungen noch eine Prüfung ablegen.

Würde es Sinn machen, wenn auch andere Institutionen oder Bildungszentren – außer die Hochschulen – MOOCs anbieten würden? Beispielsweise vielleicht Bibliotheken, Gesamtschulen oder auch Unternehmen?

Das tun sie bereits. Die Frage lässt sich aus zwei Perspektiven beantworten. Zum einen die der Anbieter. Hier würde ich sagen, dass MOOCs für viele Institutionen ein toller Weg sind, neue Zielgruppen zu erreichen und das eigene Portfolio zu erweitern. Aus Sicht der Teilnehmer wird es natürlich immer schwieriger, die Qualität der MOOCs einzuschätzen, je weniger ich über den Anbieter und dessen Absichten weiß. Gerade bei Unternehmen wäre natürlich immer zu hinterfragen, wie neutral die Informationen sind, die ich in einem solchen MOOC erhalte.


Image „elearning“ by geralt (CC0 Public Domain)


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Der #ichMOOC – Nichts für die Web-Schickeria

#ichMOOC: Joachim Sucker und Nina Oberländer (Image: Jöran Muuß-Merholz, CC BY 4.0)

Im Interview erklären Nina Oberländer (Bremer VHS) und Joachim Sucker (VHS Hamburg) den MOOC „Mein digitales Ich“. // von Kristin Narr

#ichMOOC:  Joachim Sucker und Nina Oberländer (Image: Jöran Muuß-Merholz, CC BY 4.0)

Massive Open Online Courses (MOOC) gewannen in den vergangenen Jahren verhältnismäßig schnell an Fahrt. Große Universitäten führten Kurse mit teilweise hunderten Teilnehmenden durch, erste Wettbewerbe fanden statt und spezielle MOOC-Plattformen wurden entwickelt. Neben den Hochschulen wenden sich zunehmend auch andere Bildungsbereiche dem Format zu. Am 28. Mai 2015 startet der MOOC „Mein digitales Ich“ (kurz #ichMOOC genannt). Die Veranstalter sind die Volkshochschule Bremen und Hamburg, gemeinsam mit der Fachhochschule Lübeck. Für Netzpiloten.de sprach Kristin Narr mit den Machern Nina Oberländer (Bremer VHS) und Joachim Sucker (VHS Hamburg).

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MOOC: Der deutsche Diplom-Ingenieur

Lecture Lecture (adapted) (Image by Alan Levine [CC0 Public Domain] via Flickr)

In seinem ersten MOOC präsentiert sich der deutsche Diplom-Ingenieur als eine etwas in die Jahre gekommene Marke auf der Suche nach Modernität. Letzthin stolperte ich zufällig über den MOOC der TU9. TU9 ist ein Zusammenschluss der neun deutschen, technischen Universitäten, die das Ziel verfolgen, das deutsche Ingenieurwesen gemeinsam zu repräsentieren. MOOC steht für „Massive Open Online Course“. Nun gut, dachte ich, als ich vom TU9-MOOC Kenntnis erlangte. Schauen wir doch mal, wie deutsche, technische Universitäten sich der Welt präsentieren und sich moderne Ausbildung denken.

Der Kult des Amateurs?

Es ist nicht leicht, sich heutzutage professionell zu behaupten. In diesen Zeiten, in denen zumindest in der Informatik seit einigen Jahren extreme disruptive Kräfte wirken. Man kann ja zwischenzeitlich im englischsprachigen Raum in sehr kompakten Formaten sich recht vielfältig Bruchstücke der Informatik drauf schaffen. Und Informatiker sind letztlich auch Ingenieure.

Das funktioniert heute sehr leicht. Je nach persönlicher Ausgangslage und persönlicher Einschätzung des eigenen Lernverhaltens kann man sich “drüben“ bei Interesse extrem schnell als Teil-Informatiker_in und damit Teil-Ingenieur_in online ausbilden lassen. Auch im fortgeschrittenen Alter.

Das kostet mitunter zwar ordentlich Geld. Aber einige Ausbildungsstätten bringen einen dort gleich mit attraktiven Arbeit- oder Auftraggebern in Kontakt, so dass sich die Ausbildungskosten in kurzer Zeit über das Einkommen amortisieren. Denn Teil-Informatiker_innen kann es derzeit gar nicht genügend geben. Es boomt! Und es gibt einen Markt.

Markt und Marke nur eine Frage des Marketings?

Genau diese Entwicklung geht den deutschen Ingenieuren gehörig auf den Keks. Denn der deutsche Ingenieur unterscheidet sich von anderen Ingenieuren. Es braucht dazu lediglich des Diploms. Damit die Marke „Deutscher Diplom-Ingenieur“ am Leben erhalten bleibt.

Der deutsche Diplom-Ingenieur steht nämlich für gute Wertarbeit im Maschinenbau, dem Anlagenbau, der Elektrotechnik und sicherlich noch für vieles mehr. Er baut Staudämme, Flüghäfen, Flugzeuge und auch hier noch vieles mehr. Und dafür will er gut ausgebildet werden. Und auch weiterhin einen ordentlichen Abschluss: Ebenjenes Diplom!

Nun hat man sich nach langen politischen Kämpfen durchgesetzt und darf auch weiterhin für den deutschen Diplom-Studiengang werben, obwohl er de facto ein Master-Studiengang ist. Und deshalb kann man jetzt an den deutschen technischen Studiengängen mit einem Master-Diplom nach fünf Jahren Studium abschliessen, wenn man denn will.

Damit auch internationale Gäste den Wert des deutschen Master-Diplomstudiengangs erkennen, hat man nunmehr im Wintersemester 2014/15 ebenjenen kostenfreien MOOC aufgesetzt. Über neun Wochen stellte jeweils eine unterschiedliche Hochschule einen ihrer Schwerpunkte live vor. So dass man ein Kaleidoskop an möglichen Themen kennen lernen konnte. So weit, so gut.

Design ist nur was für Warmduscher?

Eine Marketing-Kampagne also, dieser MOOC, für die Hochschulen. Kein Lernprogramm für die Menschen da draussen. Man kippte eine klassische Ringvorlesung in ein Online-Format. Und fertig ist der TU9-MOOC mit einem Design-Level, das schon vor fünf Jahren wenig sexy gewirkt hätte.

Nicht, dass es nicht seit Jahren eine Vielzahl an MOOC-Plattformen und -Formaten gäbe, an denen man sich hätte orientieren können. Und nicht, dass es bei den kommerziellen Plattformen Forschungen darüber gäbe, welche Videolänge am attraktivsten für die Lernenden ist.

Nein, darum schert sich der deutsche Ingenieur nicht. Er präsentiert sich weiterhin in seiner „Programmers Art“, die all diejenigen offensichtlich abschrecken soll, die es nicht ernst meinen mit einem deutschen Ingenieur-Studiengang. Und mit 1,5-stündigen Videos – eben wie in den Vorlesungen. Wer Schnörkel liebt, ist beim deutschen Diplom-Ingenieur an der falschen Adresse.

Kalifornische Leitkultur?

Während Apple in den letzten Monaten die ehemalige Burberry-Chefin und viele weitere Expert_innen aus der exklusiven Modebranche anheuerte, um seine zukünftigen Produkte wie z.B. die iWatch noch attraktiver zu platzieren für Zielgruppen, die nichts mit Technik gemein haben. In diesen Zeiten präsentiert sich der deutsche Ingenieur frei von solch profanem, kalifornischen Denken.

Und ich frage mich: Ist es denkbar, sich absehbar über z.B. Udacitys kalifornische Nanodegrees eine online-basierte Ausbildung weltweit zu verschaffen, die einen später auch solide Staudämme bauen lässt?

Udacity, wer es nicht kennt, baut derzeit eine Silicon Valley-Universität auf. Eine Online-Bildungswelt, in der man sich in mehrwöchigen Online-Häppchen am Bedarf des Marktes entlang ausbilden lassen kann. Die Lehrenden sind Praktiker aus den Firmen, keine Professoren. Und sie vergeben für ihre Module so genannte “Nanodegrees”, ein eigens entwickelter Begriff zur Dokumentation des Geleisteten. Übrigens auch von einem deutschen Diplom-Ingenieur entwickelt. Der aber sein Knowhow in Kalifornien verfeinert hat.

Man lernt nicht für die Lehrer_innen?

Also zurück zur Frage: Wird man in absehbarer Zeit sich über Nanodegrees die Kompetenzen online drauf schaffen können, um z.B. komplexe Staudämme o.ä. sehr solide bauen zu können?

Ich denke: Ja! Und ich vermute, Googles angekündigter Flughafenbau wird nicht nur schneller fertig gestellt sein als unser Berliner Flughafen. Sondern die Abläufe des Flughafen-Betriebes werden dort auch noch deutlich effizienter erfolgen als im herkömmlichen Betrieb – so zumindest das erklärte Ziel von Google.

Während also angehende deutsche Diplom-Ingenieure sich hier durch umständliche, unusable, fast menschenfeindliche Lernumgebungen wälzen müssen, entstehen andernorts freundliche, bedarfsorientierte Lernangebote auch für andere Lerntypen als den deutschen Informatik-Studierenden.

User Experience der Industrie 4.0?

Also, mein Profi-Tipp: Sollte da draussen jemand sich abgeschreckt fühlen vom TU9-MOOC oder durch das Design der deutschen, technischen Studiengänge generell: Schaut euch einfach mal im englischsprachigen Kontext um! Dort könnt ihr eine gute, techniknahe Ausbildung erfahren, die es euch ggf. ermöglichen wird, menschenfreundlichere Projekte durchzuführen.

Nur Mut! Mit dem deutschen Diplom-Ingenieur werdet Ihr in fünf Jahren vermutlich kaum noch punkten können. Höchstens noch beim deutschen Mittelstand mit Industrie 4.0-Ambitionen. Und wenn ich mir das vergegenwärtige, dann bekomme ich Angst. Nicht vor Industrie 4.0 an sich. Sondern vor dem Menschenbild, das deutsche Ingenieure dort einfliessen lassen.

Und an alle deutschen Diplom-Ingenieure: Nichts für ungut! Ich bewundere eure Kompetenzen, wirklich! Nur denke ich, die Ausbildung könnte heutzutage etwas anders gestaltet sein. Und grundsätzlich mehr Wert auf User Experience gelegt werden!


Image (adapted) „Lecture Lecture“ by Alan Levine (CC0 Public Domain)


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Offener MOOC – Dein Weg zu einem kostenlosen MBA?

MOOC – digital Studenten (Bild: Jisc [CC BY-NC-ND 2.0 UK], via Flickr)

Einen Master of Business Administration (MBA) zu absolvieren ist sehr attraktiv, aber kostenlose Angebote sind schwer zu finden. Kann ein offener MOOC Abhilfe schaffen? // von John Rice

MOOC – digital Studenten (Bild: Jisc [CC BY-NC-ND 2.0 UK], via Flickr)

Immer wieder wird vorgeschlagen, dass man sich mit entsprechenden Sorgfalt und Hingabe einen kostelosen Master of Business Administration zusammenstellen kann. Wahrscheinlich wird es die wenigsten Eingeweihten überraschen, dass von dieser Idee bisher eher wenig übrig geblieben ist.

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Studium Digitale per MOOC

Salford Business School launches unique open access online course (adapted) (Image by University of Salford Press Office [CC BY 2.0] via Flickr)

Mit einigen MOOCs lassen sich jetzt ECTS-Leistungspunkte sammeln. Das fordert das traditionelle Universitätsmodell aus Anwesenheitspflicht und festem Lehrplan heraus. Verschulte, vorgefertigte Bachelor- und Masterstudiengänge lassen heute wenig Raum für individuelle Persönlichkeitsbildung. Ergänzende Online-Kurse – oder MOOCs – zur Verfolgung eigener akademischen Interessen werden immer beliebter, waren bisher aber nicht vom Hochschulsystem anerkannt. Das ändert sich jetzt in Europa. Werden wir uns bald ein Studium digital selbst zusammenstellen können?

Arbeiten, fernsehen, einkaufen – vieles geht heute an jedem Ort und zu jeder Zeit. Immer mehr Menschen arbeiten von zuhause oder unterwegs aus. Man hält sich nicht mehr an feste Sende- oder Ladenöffnungszeiten, sondern lebt nach dem persönlichen Zeitplan. Das Internet macht es möglich: viele Bereiche unseres Lebens können durch Digitalisierung zunehmend individualisiert werden. Doch in anderen scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Die akademische Welt gehört zu dieser Kategorie. Das Universitätsmodell mit physischer Anwesenheitspflicht und einem festen Programm aus Vorlesungen und Seminaren bis zum Examen hat sich seit Jahrhunderten praktisch nicht verändert. Seit der Bologna-Reform ist es sogar noch unflexibler geworden.

Vor 2010 konnten sich Diplomstudenten nach einem zwei- bis viersemestrigen Grundstudium auf ein Fach ihrer Wahl spezialisieren. Nach weiteren vier bis sechs Semestern erwarben sie ihr Diplom. Zwischendurch blieb Zeit für Praktika und Nebenjobs. Nach der Umstellung auf das Bachelor-Master-System kann von individualisierter Persönlichkeitsbildung nicht mehr die Rede sein. Das Studium ist verschult, es gibt kaum Möglichkeiten, es nach den eigenen Interessen auszurichten. Der rasend schnelle Konsum von vorgefertigtem Lernstoff für einen möglichst zügigen Abschluss prägte vor einigen Jahren den Begriff des „Bulimie-Lernens“. Um sich von der Masse der konformen Fließband-Lerner abzuheben, muss man sich auf eigene Faust weiterbilden. Und wieder findet sich die Lösung im Internet.

Massive Open Online Courses – kurz MOOCs – sind kostenlose Online-Kurse von Universitäten. Mit einem Smartphone, Tablet oder Computer kann jeder unabhängig von Ort und Zeit auf Video-Vorlesungen und Lernmaterial zugreifen. Online-Studenten picken sich die besten Kurse von Eliteuniversitäten wie Harvard oder dem MIT heraus. Jeder hat plötzlich Zugang zu Hochschulbildung der Extraklasse, ohne den perfekten NC vorweisen zu müssen – und das alles zum Nulltarif. Die drei weltweit größten (und amerikanischen) Anbieter von MOOCs – edX, Coursera und Udacity – haben zusammen seit der Geburt des MOOCs im Jahr 2008 über 12 Millionen Studenten in Online-Kursen unterrichtet. Ein drittel der Teilnehmer stammt aus den USA und edX gibt an, dass die Hälfte der Studenten aus Entwicklungsländern kommen. Die New York Times waren von diesem Weltverbesserungsappeal so begeistert, dass sie 2012 zum „Jahr des MOOCs“ kürte. Wieso sollte man noch eine Uni besuchen und Studiengebühren zahlen, wenn sich von zuhause aus ein persönlicheres, hochwertiges und kostengünstigeres Bildungsprogramm zusammenstellen lässt?

Bisher unterschied man zwischen formellen und informellen Bildungsangeboten. Onlinekurse waren eine komfortable Fortbildungs-Alternative zum abendlichen Besuch der Volkshochschule. Ein MOOC wurde aber nicht vom Hochschulsystem anerkannt – schon allein aufgrund der fehlenden persönlichen Kontrolle bei der Abschlussprüfung. An einem MOOC teilzunehmen erforderte hohe Eigenmotivation, da man am Ende in manchen Fällen zwar ein Zertifikat bekam, dieses aber nicht vergleichbar mit einer Bescheinigung einer traditionellen Universität war. Viele MOOC-Teilnehmer brachen Kurse vorzeitig ab.

Das kann sich nun ändern. Die MOOC-Plattform iversity.org mit Sitz in Berlin hat als erster Anbieter erfolgreich kostenpflichtige Zertifikate für einige Kurse eingeführt, mit denen Studierende Leistungspunkte nach dem European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS) sammeln können. Diese sind gleichwertig mit den Punkten, die an einer Universität gesammelt werden. Studenten in Europa können sich die ECTS-Punkte der Onlinekurse anrechnen lassen und in manchen Fällen sogar Kurse ihres Studiums durch MOOCs ersetzen. Die Zahl der Abbrecher sinkt dadurch, dass Teilnehmer zu Beginn des Kurses entscheiden, ob sie Gasthörer sind oder ein Zertifikat anstreben. Prüfungen können kontrolliert werden- durch Präsenzexamen oder Webcam und Abkopplung des Computers vom Internet. Ein MOOC unterscheidet sich dann nicht mehr groß von einem analogen Kurs, außer das man ihn gemütlich auf seinem Sofa belegen kann, anstatt sich mit 200 Kommilitonen die Luft in einem stickigen Hörsaal zu teilen. Bisher bietet iversity.org drei Kurse an, mit denen ECTS-Punkte erworben werden können. „Für Studierende ist ausschlaggebend, ob ein Kurs vom Hochschulsystem anerkannt wird oder nicht. Für Berufstätige ist die ECTS-Anerkennung ein Qualitätsindikator„, sagt Hannes Klöpper, Gründer und Geschäftsführer von iversity.org.


„How to MOOC – Was ist ein MOOC?“ erklärt von iversity Mitgründer Hannes Klöpper:


Wohin führt das digitale Studieren? Es gibt bereits einige (Fern)Studiengänge, die vollständig online absolviert werden können. Neu ist die Möglichkeit oder das Bedürfnis, sich seine Bildung selbst hochschulübergreifend aus dem besten verfügbaren Angebot zusammenzustellen. Was bedeutet dies für Universitätsgebäude? Wird sie das gleiche Schicksal wie leerstehende Kirchen ereilen? Wenn 100 Professoren einen ähnlichen Kurs in Statistik für Anfänger anbieten der auch im Internet frei verfügbar ist, werden dann 99 Kursangebote und eventuell auch Arbeitsplätze wegfallen? Wieso sollten Universitäten das überhaupt mitmachen? Was bringt es ihnen Kurse für die sonst gezahlt werden umsonst anzubieten?

Tatsächlich nutzen viele Universitäten MOOCs als Eigenwerbung. „Ein Kurs auf iversity.org hat im Schnitt 20.000 Teilnehmer. Das ist ein globaler Reputationsgewinn für Universitäten und kleinere Fachhochschulen„, sagt Klöpper. Am 14. Oktober startete die private Berliner Hochschule Hertie School of Governance einen MOOC auf iversity.org. Knapp 7000 Anmeldungen gab es für den 10-wöchigen Kurs namens „Governance and Policy Advice: How Political Decisions Come to Life„. Politiker und Berufserfahrene sollen den Studenten einen Einblick in die Geheimnisse des politischen Entscheidungsprozesses geben. Am Ende können Studenten ein Zertifikat für 49 Euro von iversity.org erwerben. ECTS-Punkte gibt es leider noch nicht. Die Hertie School verdient nichts; einen gewissen Marketing-Effekt hat der Online-Kurs jedoch. „Der MOOC schafft eine größere Sichtbarkeit unseres Angebots„, so die Leiterin des Kurses, Prof. Andrea Römmele.

Viele Universitäten wie zum Beispiel Oxford und Cambridge wehren sich gegen die Digitalisierung ihres Angebots. Doch es gibt immer Menschen, die das nicht einsehen. Sie möchten das studieren was sie interessiert und sich nicht fühlen als seien sie immer noch in der Schule. Und auch Unternehmen interessieren sich beim Bewerbungsgespräch eher für die Dinge die man neben dem Studium noch erreicht hat. Individuelle Leistungen zählen mehr als die der Masse.

Die Lösung ist eine Kombination aus Online- und Offlineangebot„, sagt Hannes Klöpper. Er hat mit iversity.org nicht die Absicht, traditionelle Universitäten online abzubilden. Studenten sollen ihr Studium durch ein umfassendes digitales Angebot ergänzen und nicht ersetzen. „Menschen kommen immer noch gerne an einem Ort zusammen- Das sieht man zum Beispiel daran wie viele Konferenzen es trotz des Internets noch gibt„, findet Klöpper.

Und es gibt weitere Gründe gegen eine komplette Digitalisierung unserer Bildung: Trotz aller Vorteile der Online-Lehre sollte man sich fragen, ob sie ein traditionelles Studium komplett ersetzen kann. Eine virtuelle Plattform transportiert noch nicht das Gefühl, das erste Mal vor seinen Kommilitonen zu präsentieren, mit ihnen zu debattieren und seine Meinung zu verteidigen. Auch der Geruch von alten Büchern in der Unibibliothek, das schlechte Mensaessen und die leuchtenden Augen des charismatischen Professors finden sich bis jetzt nur in der analogen Welt. Persönlichkeitsbildung und Lebenserfahrung erlangt man nicht nur durch bestandene Prüfungen und Scheine.


Image (adapted) „Salford Business School launches unique open access online course“ by University of Salford Press Office (CC BY 2.0)


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