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Wie ich als Klimaforscher für Exxon gearbeitet habe

Sturm, Wolken, Löschen, Wetter [adapted) (Image by skeeze [CC0 Public Domain] via pixabay)

Die Versuche von ExxonMobil, an der Existenz und Dringlichkeit des Klimawandels Zweifel zu säen und Spenden des Unternehmens an Gruppen, die falsche Informationen über den Klimawandel verbreiten, sind bereits seit langer Zeit öffentlich bekannt. Im Jahr 2015 wurden investigative Berichte enthüllt, dass Exxon eigene Wissenschaftler beschäftigt, die bereits seit den 1970er Jahren eigene Klimamodelle erarbeiten. Hier haben sie Modelle entwickelt, die nicht nur akkurat waren, sondern auch zu Planungszwecken für die Zukunft des Unternehmens verwendet wurden.

Wie eine Ende August veröffentlichte und viel beachtete Studie nun bestätigt, unterschied sich das, was Exxon intern über den Klimawandel kommunizierte, quantitativ sehr stark von öffentlichen Statements. Die Forscher Geoffrey Supran und Naomi Oreskes fanden dabei insbesondere heraus, dass mindestens 80 Prozent der internen Dokumente und Veröffentlichungen zwischen 1977 und 2015 mit dem Stand der Wissenschaft übereinstimmten: der Klimawandel existiert tatsächlich und wurde vom Menschen verursacht. Außerdem wurden „begründete Unsicherheiten“ identifiziert, denen jeder Klimaforscher zu diesem Zeitpunkt zugestimmt hätte. Nichtsdestotrotz wurden gut 80 Prozent der bezahlten Werbung, die Exxon im gleichen Zeitraum in Auftrag gab, vor allem auf Faktoren wie Unsicherheit und Zweifel ausgerichtet.

Der starke Kontrast zwischen der internen und topaktuellen Diskussion zur Klimaforschung, während nach außen eine Desinformationskampagne zum Thema Klimawandel stattfand, ist genug, um zu verblüffen. Was ging bei Exxon vor sich? Ich kann hier eine neue Perspektive liefern – denn ich war selbst dabei.

Von 1995 bis 1997 hat Exxon zu einem Teil meine Masterarbeit unterstützt, die sich auf chemische Reaktionen von Methan und dessen Emissionen konzentrierte. Ich verbrachte 1996 einige Wochen als Praktikant im Exxon-Forschungslabor in Annandale, New Jersey. Außerdem habe ich jahrelang an kollaborativer Forschung teilgenommen, welche zu drei veröffentlichten Studien führte, die in Supran und Oreskes neuer Analyse zitiert werden.

Klimaforschung bei Exxon

Ein Forscher ist ein Forscher, egal, wo er arbeitet – und meine Kollegen bei Exxon waren keine Ausnahme. Bedacht, umsichtig und in voller Übereinstimmung mit dem wissenschaftlichen Konsens zum Thema Klima – dies sind Charakteristika, auf die jeder Forscher stolz wäre. Hatte Exxon eine Agenda für unsere Forschung? Natürlich – Exxon ist keine Wohltätigkeitsorganisation. Ihre Forschung und Entwicklung verfolgte Ziele. In meinem Fall war dieses Ziel, nichts zutage zu fördern, das im Bereich der Klimaforschung für Aufsehen sorgen würde. Ich sollte die Vorzüge der Reduktion von Methan quantifizieren.

Methan ist ein Abfallprodukt, das beim Abbau von Kohle und bei natürlichen Gaslecks auftritt. So finden wir es beispielsweise in Abwasseranlagen, bei furzenden und rülpsenden Kühen, Schafen, Ziegen und sonstigen Tieren, die wiederkäuen, bei der Zersetzung von organischem Müll in Abfallbehältern oder innerhalb gigantischer Termitenhügel in Afrika. Es tritt sogar in kleinen Mengen bei laktoseintoleranten Mitmenschen auf.

Methan absorbiert auf einer Massenbasis etwa fünfunddreißig Mal so viel Erdwärme wie Kohlendioxid. Methan hat eine weit kürzere Lebenszeit als Kohlendioxid, und wir produzieren weit weniger davon. Dass die Überproduktion des Kohlendioxid aufhören muss, ist also eine Tatsache. Wir beobachten mit Sorge, wie schnell die Erde sich erwärmt. Es lohnt sich also, den Methanausstoß so schnell wie möglich zu reduzieren, während wir langfristig kohlendioxidbasierte Brennstoffe abschaffen.

Für die Gas- und Ölindustrie bedeutet die Reduktion von Methanausstoß eine enorme Energieeinsparung. Es ist also nicht überraschend, dass ich während meiner Forschung keine merkliche Anleitung oder einen Eingriff in meine Forschung erfuhr. Niemand schlug vor, meine Kennzahlen zu überarbeiten oder meine Erkenntnisse „anzupassen“. Die einzige Auflage war, dass ein Zeitschriftenartikel mit einem Co-Autor einer internen Prüfung standhalten musste, bevor es zur Begutachtung freigegeben werden konnte. Dieses Vorgehen entspricht einer Richtlinie wie in vielen Bundesanstalten.

Wusste ich darüber Bescheid, was sonst zu dieser Zeit vor sich ging? Ich hätte es mir nicht vorstellen können. Gerade aus Kanada hergezogen, war ich mir nicht darüber bewusst, dass es Menschen gab, die Klimaforschung nicht akzeptierten – so wenig bewusst, dass es fast ein halbes Jahr dauerte, bis ich verstand, dass ich jemanden geheiratet hatte, der genau dies war. Abgesehen davon finanzierte Exxon zur gleichen Zeit, zu der meine Forschung als zweckmäßigste Art, den Einfluss des Menschen auf das Klima zu reduzieren, eine riesige Fehlinformationskampagne.

Dennoch haben die Entscheidungen von Seiten Exxons direkt zu der Lage beigetragen, in der wir uns heute befinden und die sich in vielerlei Hinsicht surreal anfühlt. In dieser Situation stellen sich viele gewählte Repräsentanten den Maßnahmen für das Klima entgegen, während China die USA in Bezug auf Windkraft, Solarenergie, wirtschaftliche Investitionen in saubere Energien und sogar die Existenz einer nationalen Obergrenze und Handelspolitik ähnlich des verhängnisvollen Waxman-Markey-Gesetzes von 2009 vorführen.

Persönliche Entscheidungen

Diese neueste Studie unterstreicht, warum viele Exxon dafür verantwortlich machen, wissentlich die Öffentlichkeit hinsichtlich eines so wichtigen Themas in die Irre geführt zu haben. Für Wissenschaftler und Akademiker jedoch wird es eine andere, moralisch ähnliche Debatte auslösen. Sind wir gewillt, finanzielle Unterstützung anzunehmen, die uns im Gegenzug für die Beschwichtigung des öffentlichen Bewusstseins angeboten wird?

Das Konzept, für sündhaftes Vergehen zu bezahlen, ist nicht neu. Von Völlereien im Mittelalter bis hin zur Kritik, die einige heute der Klimakompensation zugeschrieben haben: Der Mensch hat schon immer versucht, die Folgen seines Handelns abzuschwächen und sein Gewissen durch gute Taten zu beruhigen, insbesondere auf finanzielle Art und Weise. Heutzutage folgen viele Industrieunternehmen dieser Logik: Einerseits wird die Wissenschaftsleugnung unterstützt, andererseits wird topaktuelle Forschung und Wissenschaft gefördert.

Das Globale Klima- und Energieprojekt der Stanford University führt grundlegende Forschungen zu effizienten und sauberen Energietechnologien durch – mit Exxon als Sponsor. Der Philantroph und politische Gönner David Koch spendete 2015 einen bisher nie dagewesenen Betrag von 35 Millionen US-Dollar an das Smithsonian National Museum of Natural History, woraufhin drei Dutzend Wissenschaftler das Museum aufforderten, sich von Koch loszusagen, da er Lobbygruppen unterstützt, die die Klimaforschung „falsch repräsentieren“. Shell hat das „Atmosphere“-Programm des London Science Museum unterschrieben, um dann seinen Einfluss dazu zu nutzen, die Perspektive auf das, was Forscher über das Klima wissen, zu verzerren.

Es ist einfach, mit dem Finger auf andere zu zeigen, wenn es jedoch um uns selbst geht, mag die Wahl oft nicht so klar sein. Was ist am wichtigsten – der Nutzen von Forschung und Bildung, oder die Ablehnung von beschmutzten Geldern?

Die richtige Antwort auf moralisch fragwürdige Angebote ist ein uraltes Problem. Im Buch der Korinther antwortet der Apostel Paulus auf die Frage danach, was mit Lebensmitteln, die den Göttern geopfert wurden, geschehen soll: Essen oder vernichten?

Seine Antwort führt die Komplexität dieses Themas vor Augen. Essen ist immer Essen, sagt er – nach der gleichen Logik könnten wir heutzutage sagen, dass Geld immer Geld ist. Sowohl Nahrung als auch finanzielle Mittel können jedoch Bündnis oder Zustimmung bedeuten. Falls andere Parteien involviert sind, wird eine noch kritischere Antwort benötigt.

Was sollen wir Akademiker also tun? In unserer offenen und transparenten Welt, in der Informationen so leicht zugänglich sind, ist die Offenlegung von finanziellen Unterstützern sowohl wichtig als auch notwendig. Manch einer würde außerdem argumentieren, dass ein finanzieller Unterstützer, egal wie eng oder lose die Verbindungen sind, einen Schatten auf die  Forschungsergebnisse wirft. Andere hingegen würden sagen, dass die Gelder für das Gute genutzt werden können. Welches Argument hat das größte Gewicht?

Nach zwei Jahrzehnten im Bereich der Klimaforschung bin ich nicht länger so unschuldig, wie ich einst war. Ich bin mir derer nun viel zu bewusst, die Klimaforschung als „liberalen Unfug“ abtun. Jeden Tag attackieren sie mich auf Facebook, verteufeln mich auf Twitter und schicken mir gelegentlich sogar handgeschriebene Briefe – was immerhin Wertschätzung gegenüber der Kunstfertigkeit erbittet, wenn schon nicht des Inhalts. Was würde ich also nun tun, wenn Exxon mich anriefe?

Es gibt auf diese Frage nicht die eine richtige Antwort. Um für mich selbst zu sprechen: Ich würde sie bitten, die Gelder den Politikern zu geben, die eine sinnvolle Klimapolitik verfolgen – und ihre Zuwendungen an die, die dies nicht tun, einzustellen. Ich bewundere die praktische Antwort eines Kollegen: er schlägt vor, ein von Koch stammendes Honorar zu nutzen, um eine lebenslange Mitgliedschaft im Sierra Club zu erwerben.

Trotz der Tatsache, dass es keine einfache Antwort gibt, ist es eine Frage, die sich uns mehr und mehr jeden Tag stellt, und wir können diese Gratwanderung nicht länger machen. Als Akademiker und Wissenschaftlicher müssen wir einige schwierige Entscheidungen treffen; und nur wenn wir die weitreichenden Implikationen dieser Entscheidungen erkennen, können wir diese Entscheidungen mit Weitsicht treffen, statt mit halbgeschlossenen Augen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Sturm, Wolken, Löschen, Wetter“ by skeeze (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Fünf Gründe, warum wir die Klimaforschung der NASA brauchen

Comet landing - Kometenlandung (adapted) (Imag by DLR German Aerospace Center [CC BY 20] via flickr)

Würde Präsident Trump tatsächlich die finanzielle Unterstützung der NASA kürzen? Das Thema wurde bereits angesprochen, jedoch nicht von den führenden Wissenschaftlern. Schuld daran sind die Lobbygruppen der fossilen Brennstoffindustrien und die Politiker, die bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten Zweifel säten, Fakten verschleierten oder mit Lügen argumentierten, dass die Menschen nicht der Grund für die signifikanten Klimaveränderungen seien.

Dieser Umstand wird das Trump-Team, das für PR aus Skeptikerkreisen verantwortlich ist, sicherlich ärgern. NASA-Organisationen wie das Goddard Institute for Space Studies und das Jet Propulsion Laboratory haben grundlegende Beiträge zu unserem Verständnis, wie Menschen das Erdklima verändern, erbracht. Und der US-Steuerzahlern hat es bezahlt. Würde man aufhören, die Forschung der Klimaveränderungen der NASA zu finanzieren, wäre, als würde man sich die Finger in die Ohren stopfen und sich ein Liedchen pfeifen. Dem Klima ist die Politik egal, denn es wird weiterhin auf den Ausstoß von Treibausgasen reagieren. Das Einzige, was sich verändern würde, wäre die führende Position der USA in diesem Forschungsbereich, mit dem Risiko, dass nicht nur Amerika, sondern die gesamte Menschheit am Ende als Verlierer dastünde.

Daher sind hier fünf Gründe, weshalb die Kürzung (oder auch die mutwillige Zerstörung) der Mittel für die Klimaforschung der NASA eine außergewöhnliche Dummheit wäre.

1. NASA-Satelliten sind unsere Augen auf unsere Welt

Zurzeit arbeitet die NASA mit mehr als einem Dutzend Satelliten im Erd-Orbit und überwacht die Veränderungen der Ozeane, des Festlands und der Atmosphäre. Ihre Forschungen umfassen die Solaraktivitäten, den Anstieg des Meeresspiegels, die Temperatur der Atmosphäre und der Ozeane, die Ozonschicht, die Luftverschmutzung und Veränderungen im Meer sowie der Eismassen.

Alle diese Faktoren haben einen direkten Einfluss auf den Klimawandel, aber sie stellen auch wichtige Erkenntnisse der verschiedenen Komponenten der Erde selbst dar. Es wurden Milliarden in diese Programme investiert, die Daten produziert haben, die von einer internationalen Wissenschaftsgemeinschaft genutzt werden, um verschiedene erdbezogene Themen zu studieren.

2. Klimaforschung ist ein Schlüsselbereich der Mission der NASA

Wir können die Satelliten vielleicht nicht abstellen, aber wir können die Regierung dazu bringen, die Daten nicht mehr zu nutzen, um die Forschung um den Klimawandel voranzutreiben. Die NASA wurde mit dem „National Aeronautics and Space Act“ von 1958 mit dem Auftrag gegründet, Technologien für die Weltraumbeobachtung zu entwickeln, nicht jedoch für die Geowissenschaften – das war die Aufgabe anderer Bundesbehörden.

Das Model der querfinanzierten Forschung scheiterte allerdings in den 1970er Jahren aufgrund des Finanzierungsmangels. Die Budgets wurden gekürzt und schließlich konnte die die NASA ein paar wisseschaftliche Untersuchungen anhand der Daten durchführen, die sie vorher erstellt hatten. Außerdem wurde angekündigt, dass die Forschung auf „nationale Bedürfnisse“ wie Energieeffizienz, Umweltverschmutzung, Ozonabbau und, ja, auch den Klimawandel ausgerichtet würde. So ist die Erd- und Klimaforschung zu einer zentralen Aufgabe der Behörde geworden, die auch eine weltweit führende Position innerhalb der Problematik innehat.

3. Die NASA hat die Besten der Besten

Die NASA kennt man auf der ganzen Welt – besonders wegen Programmen wie Apollo, das Menschen zum Mond gebracht hat. Aber ihr Ruhm geht weit über das generelle Interesse an der Weltraumfahrt hinaus. Die NASA kann einige der besten Erd- und Klimaforschung vorweisen, weil ihre Programme einzigartige Möglichkeiten der Forschung in enormer Bandbreite bieten. Und sagen zu können, dass man für die NASA arbeitet, ist immer noch ziemlich cool.

Die Klimaforschung nicht weiter zu finanzieren, würde bedeuten, dass viele Forscher, von denen manche gerade am Anfang ihrer Karriere stehen, aus ihren Jobs gedrängt werden würden. Manche würden wohl rasch und mit offenen Armen von Einrichtungen in anderen Ländern empfangen werden – tatsächlich bin ich ziemlich sicher, dass einige Jobangebote bereits auf dem Postweg zu den Wissenschaftlern sind. Für die USA wäre das jedoch ein ziemlicher Verlust.

4. Die NASA hat das Image des Klimawandels verändert

Ein Besuch auf der Klima-Homepage der NASA macht sofort klar, wie viel Einfluss die NASA im Forschunsgbereich zum Thema Erde genommen hat. Das Thema Klimaforschung ist komplex. Die NASA hat zusammen mit anderen US-Agenturen wie der National Oceanic and Atmospheric Administration einzigartige Darstellungen des Klimawandels veröffentlicht. Diese werden von anderen Agenturen und Kommunikatoren auf der ganzen Welt genutzt. Auf diese Weise werden das Profil und die Reputation der NASA und den USA als führende Wissenschaftler gestärkt.

5. Die Klimaforschung könnte das nächste große Vermächtnis der NASA werden

Es ist recht leicht, die NASA-Missionen zu verklären. Die Apollo-Mission war definitiv eine beeindruckende Leistung. Doch während US-Astronauten den Mond ‚für die gesamte Menschheit‘ besuchten, sollten wir uns daran erinnern, dass der Wettlauf ins All im Kalten Krieg durch die UdSSR mit vorangetrieben wurde. Die Tatsache, dass die Menschen danach nie wieder zum Mond zurückkehrten, sollte uns verdeutlichen, dass dort bei gelegentlichen Besuchen wohl einfach nicht sonderlich viel zu holen ist.

In Bezug auf das Vermächtnis denke ich, dass Eugene Cernan, der Leiter der Apollo 17-Mission und somit der letzte Mensch, der auf dem Mond war, es am besten zusammenfasste: „Wir sind aufgebrochen, den Mond zu erforschen, und tatsächlich entdeckten wir die Erde.“

Ein Besatzungsmitglied der Apollo 17 war es, das das Foto mit der Kenung AS17-148-22727 machte, als sie am 7. Dezember 1972 den Orbit verließen. Dies war das Foto, das später unter dem Namen „Blue Marble“ bekannt wurde. Das Bild wurde zu einem der meistkopierten Fotos der Geschichte. Seit das Bild aufgenommen wurde, fanden auf der Erde enorme Veränderungen statt. Mittlerweile leben dort doppelt so viele Menschen, die Zahl der Wildtiere hat sich halbiert. Der CO2-Gehalt in der Atmosphäre ist höher als in den tausenden Jahren zuvor. Und tatsächlich haben sich die Erdoberfläche und die Ozeane erwärmt, die Gletscher schmelzen und der Meeresspiegel steigt.

Wie alle anderen Bilder der NASA wurde auch „Blue Marble“ für die Öffentlichkeit zur freien Nutzung herausgegeben. Die Forschungsergebnisse, die die NASA errungen hat, werden auf die selbe Weise weltweit geteilt. Die Ergebnisse der Erd- und Klimaforschung repräsentiert nicht nur die Höhepunkte der US-Geschichte, sondern die der kompletten Menschheit. Wir brauchen sie jetzt mehr denn je.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Comet landing / Kometenlandung“ by DLR German Aerospace Center (CC BY 2.0)


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Das Ergebnis der Klimakonferenz in Paris

Paris (adapted) (Image by Walkerssk [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Die Vereinbarungen und Ergebnisse der UN-Klimakonferenz in Paris sind wichtig und tragen eine weitreichende Bedeutung. Die Konferenz endete mit einer Vereinbarung von 195 Staaten, um die globale Erwärmung zu bekämpfen. Diese Vereinbarung ist historisch und wichtig, aber zugleich leider nicht ausreichend. Hier sind fünf Fakten, um besser zu verstehen, was in Paris entschieden wurde: von “ist das genug, um die gefährlichen Klimaveränderungen zu bekämpfen?” bis zu “unvorhergesehene Siege von besonders betroffenen Staaten”.

1. Ein weltveränderndes Ereignis

Das Bedeutsamste an der Vereinbarung ist wohl, dass es sie überhaupt gibt. Für alle Staaten, von den Supermächten über die reichen Stadtstaaten, Königreiche mit Ölvorkommen bis hin zu gefährdeten, weil tiefliegenden Inselstaaten: alle sind überein gekommen, durch gemeinsam koordinierte Aktionen den Klimawandel zu bekämpfen.

Und das sind nicht nur warme Worte. Jede feste Vereinbarung muss vier Elemente besitzen: Zuerst braucht es ein gemeinsames Ziel; dies wurde jetzt definiert. Die Vereinbarung erklärt, dass alle Parteien die Temperatur “deutlich unter” 2°C über den Daten vor der industriellen Revolution halten wollen und sogar Anstrengungen unternehmen werden, es auf 1.5°C zu minimieren.

Zweitens braucht es eine Vereinbarung wissenschaftlich glaubwürdige Reduzierungen in Kohlenstoffdioxid und anderen Treibhausgasen. Die Paris-Vereinbarung ist etwas verschwommen in diesem Bereich, erklärt aber, dass Emissionen “so schnell wie möglich” den Höhepunkt erreichen sollten um dann schnellstmöglich reduziert zu werden. Der nächste Schritt ist:

Erreichen einer Balance zwischen anthropogen (menschlich bedingten) Emissionen und der Beseitigung und Verminderung von Treibhausgasen in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts; basierend auf einer gegenseitigen Gerechtigkeit…

Drittens, da aktuelle Vorhaben der Emissionsreduzierung vor einer Erwärmung bis zu 3°C über den Daten vor der industriellen Revolution warnen, brauchen wir eine Mechanismus, um von dem aktuellen Status hin zu einer “Zero Emission”, also emissionsfreien Politik. Es findet alle fünf Jahre eine Überprüfung der Projekte statt – und “die Bemühungen aller Parteien wird sich im Laufe der Zeit steigern”, was heißt, dass bei jedem Schritt die Staaten ihre Emissionen im Vergleich zum heutigen Stand reduzieren sollen.

Viertens bedeutet dies für die Industrie-Staaten, dass sie schnell von fossilen Energien hin zu erneuerbaren Energien wechseln müssen. Die Herausforderung ist erheblich größer für die Entwicklungsländer; diese Nationen müssen das fossile Zeitalter überspringen. Sie benötigen finanzielle Mittel um dies erfolgreich tun zu können und daher beinhaltet die Vereinbarung, dass 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr bis 2020, danach sogar noch mehr, dafür zur Verfügung gestellt wird.

Es gehen viele positive Dinge mit der Vereinbarung einher; sie kreiert ein gemeinsames Ziel, um die schlimmsten Auswirkungen der globalen Erwärmung zu verhindern, die Reduzierung der Emissionen sind angemessen und glaubwürdig, es gibt einen Mechanismus, um langfristig ganz ohne Emissionen auszukommen und es gibt finanzielle Ressourcen um arme Länder den Übergang zu erneuerbaren Energien zu ermöglichen. Die Vereinbarung gibt den Weg für die Welt vor; weg von der Abhängigkeit der fossilen Energieträger.

2. Es ist nicht genug, um gefährliche Klimaveränderungen zu verhindern

Was ein gefährlicher Klimawandel bedeutet, hängt stark von der Person und dem Ort ab. Für einige arme Menschen ist der Klimawandel schon jetzt mehr als gefährlich; er ist tödlich. The Gefahr steigt durch die kumulierte Emission von Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre. Weil die Gefahr schon so lange angekündigt war, schließt sich das Zeitfenster, in dem man den Anstieg der Temperatur um 1.5°C noch verhindern kann. Dies bedeutet große Einschnitte, insbesondere für tiefliegende Bereiche. Selbst die ehrgeizigsten Konzepte für eine emissionslosen Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten, verbunden mit einer realistischen Chance um unter der 2°C Erhöhung zu bleiben (immerhin 66 Prozent), sind bereits extrem hoch gesteckt. Die Länder haben noch einen langen und harten Weg vor sich, um derartige Reduzierungen der Emissionen zu erreichen.

Man muss zudem anmerken, dass es in der Vereinbarung keinerlei Strafen gibt; zumindest außerhalb der öffentlichen Scham, für Länder, die die vorgegebenen Ziele nicht einhalten. Um die Ziele der Pariser Vereinbarung wirklich umzusetzen, müssen sowohl zivile Organisationen als auch die oppositionellen Parteien in der Politik und Wirtschaft die Regierungen entsprechend kontrollieren. Im Grunde gibt es sowohl für die Menschen als auch für viele Regierungen und Firmen ein gemeinsames Ziel; fast alle sprechen sie gegen die tiefen Taschen der fossilen Energiebranche aus.

Eine der Gefahren und Ängste liegt in der geplanten globalen “Inventur” 2023. Wenn einige Länder sehen, dass Andere sich nicht an die vereinbarten Pläne halten, dann werden möglicherweise einige auch von den eigenen Projekten absehen und die gesamte Pariser Vereinbarung fällt auseinander.

3. Wir müssen Kohlenstoffdioxid von der Atmosphäre entfernen

Die Erwärmung durch den Treibhauseffekt wird angetrieben durch die kumulierte Emission von Kohlenstoffdioxid. Gemessen an den heutigen Emissionen und dem Ziel, die Temperaturanstiege “deutlich unter” 2°C und in der Nähe von 1.5°C zu halten, bedeutet, dass die CO2 Emissionen sehr schnell Richtung Nullpunkt reduziert werden müssen.

Die Gemeinschaft muss dann weitergehen und die Emission abschaffen. Das bedeutet, dass Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre entfernt werden muss und anderweitig gelagert wird. Es gibt dafür verschiedene Optionen; von dem Pflanzen von Bäumen und dem Erhalten von ewigen Wäldern, der Erhöhung der Aufnahmekapazitäten des Bodens und der Nutzung von Biomasse zur Energiegewinnung bis hin zum unterirdischen Speichern von CO2.

4. Veränderungen der Strategie und Konzepte sind zu erwarten

Um noch in diesem Jahrhundert auf null Emissionen zu kommen, müssen viele Richtlinien und Konzepte erstellt und verändert werden. Fossile Energieunternehmen müssen teilweise von ihren Tochterunternehmen getrennt werden. Investitionen in eine hohe CO2-Infrastruktur muss beendet werden und insbesondere Weltbankdarlehen und andere regionale Bankenunterstützungen müssen angepasst werden. Emissionslose Gebäude müssen zur Norm werden. Der tropische Regenwald muss beschützt werden um erst das Abholzen zu reduzieren und schließlich ganz zu beenden.

Gehen Sie von einem größeren Drang zu den aktuellen technologischen Begrenzungen der erneuerbaren Energien aus: mit großen Investitionen, meist in Richtung Energiespeicherung, wenn der Wind mal nicht weht und die Sonne mal nicht scheint. Gehen Sie davon aus, dass die Kosten für erneuerbare Energien weiter sinken, wenn die Technologien auf einer größeren Skala genutzt und weltweit eingesetzt werden. Erwarten Sie, dass signifikante Teile der Welt für die Nutzung durch Windturbinen und Solarparks deklariert werden.

5. Die gefährdetsten Länder der Welt haben ihre Probleme erfolgreich auf die Bühne gestellt.

Paris war die Bühne eines hochpolitischen Pokerspiels. Überraschenderweise haben die Länder mit den schlechtesten Karten besser abgeschnitten als erwartet. Die Klimagespräche waren geprägt durch wechselnde Allianzen, anders als die bekannte Trennung von den reicheren nördlicheren Ländern gegenüber den ärmeren südlichen Ländern. Als zentrales Element war insbesondere die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und China, da beide Nationen zugestimmt haben, ihre Emissionen zu reduzieren und ihr Einverständnis zu der Gruppierung der “Climate Vulnerable Forum” gegeben haben. Dieses Forum hat kontinuierlich das Thema der Begrenzung der Erwärmung um 1.5°C auf die politischen Agenden der Nationen gesetzt.

Wir haben noch nicht das letzte Wort zu den Ambitionen gehört – eines der Entscheidungen in Paris beinhaltet die Einladung der “Intergovernmental Panel on Climate Change” einen individuellen Bericht über die Auswirkungen des Klimas auf die 1.5°C Erhöhung zu erstellen und gleichzeitig den konsistenten Weg zu dieser Temperatureinschränkung vorzugeben und zu definieren.

Diese Länder haben nicht alles bekommen was sie wollten – Die USA wollten keine finanzielle Haftung übernehmen für Länder, die durch den Anstieg des Wasserspiegels Land verlieren. Aber sie haben in dem Spiel ihre schlechten Karten extrem gut und intelligent ausgespielt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Paris“ by Walkerssk (CC0 Public Domain

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EcoGuideIT – Wie umweltfreundlich sind unsere Elektrogeräte?

Android Phone (Image by Jan Vašek [CC0 Public Domain], via jeshoots.com)

Mit einer neuen Version geht das Vergleichsportal EcoGuideIT online: Hier werden elektronische Geräte nach ökologischen Gesichtspunkten bewertet.

Bei der Suche nach einem neuen Smartphone oder Computer spielen meist Leistung, Kosten und Design die vorrangige Rolle. Der EcoGuideIT bringt eine neue Dimension in die Kaufentscheidung: Wie umweltfreundlich ist das technische Gerät? Mehr als 3.000 Produkte aus 11 Kategorien werden auf der Plattform auf ihre Umweltfreundlichkeit hin verglichen und benotet. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft bringt die französische Firma GreenFlex eine aktualisierte Fassung heraus. Nun können auch Privatpersonen kostenlos das frei zugängliche Vergleichsportal nutzen.

“Klimaschutz fängt im Detail an”, erklärt Lisa Rozel der französischen Firma GreenFlex. Sie stellt auf der Pariser Umweltmesse Solutions COP21 (“Lösungen Klimagipfel”), die vom 4. bis zum 10. Dezember im Grand Palais stattfand, den EcoGuideIT vor. Wer weiss schon, dass für die Herstellung von einem elektronischen Chip, der gerade mal ein Gramm wiegt, um die 16 Kilogramm Rohstoffe benötigt werden? Um diese und andere Wissenslücken zu schließen, ist der EcoGuideIT seit 2011 online.

Mit zwei anderen Kollegen ist Lisa Rozel für die aktualisierte Version des EcoGuideIT verantwortlich und präsentiert stolz die Veränderungen: Mit einem neuem Design und ausgefeilteren Bewerbungskriterien adressiert sich nun das Vergleichsportal auch an den privaten Nutzer. Während früher die Zielgruppe hauptsächlich Unternehmen waren, ist der Service nun für jedermann zugänglich und kostenlos verfügbar.

Seit 2011 ist der EcoGuideIT online und erfreut sich seither einer großen Beliebtheit. Bisher ist die Webseite auf Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch aufrufbar. Auf die deutsche Seite muss aber nicht mehr lange gewartet werden, versichert Lisa Rozel.

Eine Benotung nach drei Kriterien

Klar und gut nachvollziehbar wird jedes technische Gerät auf der Webseite nach drei ökologischen Gesichtspunkten analysiert:

  1. Zum einen wird der Hersteller in die Mangel genommen: Wie positioniert sich Apple in der Unternehmerischen Gesellschaftsverantwortung (Corporate Social Responsibility)? Wie steht Samsung in den Nachhaltigkeitsberichten (Global Reporting Initiative)? Wie transparent ist die Unternehmensführung von Nokia in Bezug auf Umweltthemen?

  2. In einem zweiten Schritt wird das Produkt von der Auswahl der verwendeten Rohstoffe und deren Verarbeitung, über die Verwendung bis hin zu seiner Entsorgung unter die Lupe genommen. Der EcoGuideIT beantwortet hier, ob der Desktop von Lenovo aus Bioplastik hergestellt wurde und wie lang die Garantiezeit von einem HP Laserdrucker ist.

  3. Als dritte und letzte Kategorie wird der Gesamtstromverbrauch (TEC – Total Electric Energy Consumption) des Geräts ermittelt, der gerade bei Computern zum Tragen kommt.

Jede der drei Kategorien bekommt eine Note, die zwischen A+ als Bestnote bis F- reichen kann. Aus diesen drei Komponenten wird anhand eines eigens entwickelten Algorithmus dem jeweiligen Produkt eine Gesamtnote gegeben. Eine Bewertung, die sich an den anderen Produkten in der Vergleichsplattform orientiert und mit jedem neuen Eintrag aktualisiert wird. Pro Monat werden der Datenbank rund 50 neue Geräte hinzugefügt.

Neues Umweltbewusstsein in der „Wegwerfgesellschaft“

Der EcoGuideIT reagiert zum einen auf einen Bedarf, der sich in der Gesellschaft mehr und mehr formuliert. Mit einem neuen Bewusstsein für die Umwelt möchten die Menschen besser und umfangreicher informiert werden. Des Weiteren soll er ein Anstoß sein, bei Kaufentscheidungen auch Umweltkriterien mit einzubeziehen, erklärt Rozel. Das Prinzip ist, eine kostenlose und vor allen Dingen unabhängige Plattform zu schaffen, die zwar auf die von den Firmen zu Verfügung gestellten Daten zurückgreift, diese aber prüft und auf dem Markt vergleicht.

Wie wichtig dieses neues Bewusstsein für unsere Gesellschaft ist, zeigen einige Daten, die die französische Firma GreenFlex auf ihrer Webseite zusammengetragen hat. So werden jährlich 720 Millionen Mobiltelefone weltweit entsorgt – das entspricht wiederum 60 Prozent der gekauften Handys pro Jahr. Der Trend geht immer mehr zur “Wegwerfgesellschaft”. Sobald ein neues Modell auf dem Markt ist, landet das alte auf dem Müll. Dieser Elektroschrott, der oft noch nicht mal sachgerecht entsorgt wird, ist eine große Gefahr für unsere Umwelt.

Doch ist es nicht nur der Müll, der einem Sorge bereiten sollte. Mit dem Einbezug der Herstellung und der verwendeten Rohstoffe in die Benotung des EcoGuideIT wird der Fokus auch auf die Produktion der elektronischen Geräte gelenkt. Die Tatsache, dass für die Herstellung einer 6-Zoll-Karte bis zu 8.600 Liter Wasser verbraucht werden, sollte einem zu denken geben. Die Idee des EcoGuideIT ist, jedes Gerät in seinem kompletten “Lebenszyklus” zu bewerten, um eine umfassende Note zu geben. Und ist das “Leben” eines Gerätes zu Ende – hier die passende französische Kategorie “Fin de vie” – dann gibt der EcoGuideIT praktische Tipps, wie das ausgediente Elektro-Equipment entsorgt werden kann.


Image “Android Phone” (adapted) by Jan Vašek (CC0 Public Domain)


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March4Me – Pariser demonstrieren virtuell mit

Mit der Webseite March4Me können sich Pariser Aktivisten während der COP21-Konferenz online mobilisieren und mit anderen Demonstranten solidarisieren. // von Maren Jentschke

Screenshot March4me Homepage

Die Webseite “March4Me”, die am 25. November 2015 online ging, erlaubt allen, die aus Sicherheitsgründen zum Auftakt des COP21 nicht auf die Straße gehen können, sich virtuell anderen Demonstranten anzuschließen. Von Berlin, über Kampala, Ottawa bis nach Sydney mobilisieren sich über 57 Demonstrationen weltweit. Per Mausklick kann nun symbolisch mitgelaufen werden.
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IT-Riesen lassen Milliarden für Clean Tech springen

11. Station - Solarpark in Inden im Kreis Düren (adapted) (Image by EnergieAgentur.NRW [CC BY 2.0] via flickr)

Bill Gates, Mark Zuckerberg und viele andere engagieren sich für saubere Energie. Doch auch der Ruf nach einem neuen atomaren Zeitalter wird lauter.

Die UN-Klimakonferenz, die seit heute bis zum 11. Dezember in Paris stattfindet, hat die Hightech-Welt auf den Plan gerufen. Während Tech-Größen wie Mark Zuckerberg, Bill Gates und Jeff Bezos Milliarden für die Forschung an umweltfreundlichen Energiequellen springen lassen, gibt es einen, der ein neues atomares Zeitalter fordert: Starinvestor Peter Thiel.

Die Unterstützerliste der Breakthrough Energy Coalition ist ziemlich beeindruckend: Marc Benioff (Salesforce-CEO), Mark Zuckerberg (Facebook-CEO, Jeff Bezos (Amazon-CEO), Richard Branson (Gründer der Virgin Group), Bill Gates (Microsoft-Gründer), Reid Hoffman (LinkedIn-Gründer), Jack Ma (Alibaba-Chef), Hasso Plattner, (SAP-Chairman), Meg Whitman (HP-CEO) – sie alle glauben fest daran, dass neue Technologien die Energieprobleme des Planeten lösen können. Um der Vision einer Emissions-neutralen Energieversorgung der Erde näherzukommen, haben sich die genannten Persönlichkeiten und eine Reihe weiterer wohlhabender Menschen dazu bereiterklärt, viel Geld für die Forschung an neuen und alternativen Energiequellen lockerzumachen.

Wie viel Kapital genau für “Clean Tech” zusammenkommen wird, ist noch unklar, schließlich erhofft sich die Koalition, im Rahmen des UN-Klimagipfels noch mehr Menschen und Institutionen davon zu überzeugen, in saubere Energie zu investieren. Bekannt ist bis dato immerhin, das der Fonds viele Milliarden US-Dollar groß sein wird, Initiator Bill Gates soll aus seinem Privatvermögen zwei Milliarden US-Dollar zuschießen. Was aber auch auffällt: Die Industriegrößen Apple, Google und vor allem Tesla, das das Thema saubere Energie mit seinen Elektroautos vorantreibt, sind noch nicht Teil der Koalition.

Bald nur noch Wind, Wasser, Solarenergie?

In welche Technologien und Forschungen die Breakthrough Energy Coalition genau investieren wird, ist noch nicht festgelegt. Eine Studie der Universität Stanford, die anlässlich des UN-Klimagipfels veröffentlicht wurde, will errechnet haben, dass die Welt bereits 2050 zu 100 Prozent ausschließlich mit erneuerbarer Energie versorgt werden könnte, 2030 bereits zu 80 Prozent. Die Zauberformel dafür lautet “WWS” – Wind, Wasser und Solarenergie.

Im Zuge der Diskussion rund um die Zukunft der Energie ist dann aber auch der kontroverse Starinvestor Peter Thiel (u.a. Facebook) auf den Plan getreten. Ihm kommt weder Wind noch Wasser in den Sinn, wenn er an die künftige CO2-freie Energieversorgung denkt – sondern vielmehr Atomenergie. In einem Meinungsbeitrag in der New York Times schreibt Thiel: “Wenn wir fossile Brennstoffe wirklich loswerden wollen, dann müssen wir auf Atomenergie setzen.” Wind und Wasser würden aktuell nur zwei Prozent des globalen Energiebedarfs decken können. Zwar hätten Tschernobyl und Fukushima das Vertrauen in Atomenergie weltweit stark erschüttert, doch Wissenschaftler hätten neue, sicherere Reaktoren entwickelt, und Unternehmer und Risikokapitalgeber würden nur darauf warten, in diese investieren zu können – nun sei die Politik gefragt, grünes Licht zu geben.


Image (adapted) “11. Station – Solarpark in Inden im Kreis Düren” by EnergieAgentur.NRW (CC BY 2.0)


 

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Sechs Dinge, die Sie mit Kaffee machen können

coffee (Image by Christoph [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Kaffee kann weitaus mehr als uns über die morgendlichen Hürden helfen. Auch als Treibstoff, zum Aufsaugen von Schwermetallen, und sogar als High-Tech-Produkt, dient der Wachmacher. Viele von uns sind süchtig nach Kaffee, um Energie zu tanken für frühmorgendliche Meetings, Nachmittagskrisen oder nächtliche Lernsessions. Inzwischen werden die Wörter “Kaffee” und “Treibstoff” halb scherzend als Synonyme verwendet. Mehr als 9 Tonnen der Bohne werden jährlich weltweit produziert und eine riesige Menge Müll entsteht, sobald wir sie aufgebrüht haben. Der größte Teil davon landet auf Mülldeponien.

Forscher aus Südkorea haben jedoch einen Weg gefunden, den Kaffeesatz in einem buchstäblicheren Sinn als Treibstoff zu verwenden. In einer Nanotechnologie-Studie berichten sie davon, wie sie Kaffeereste dafür verwendet haben, um Carbon-Material mit kleinen Poren, welche die Oberfläche vergrößern – “aktiviertes” Carbon genannt – zu produzieren. Dieses neue Material kann Methan und Wasserstoff absorbieren und speichern, welche beide als Treibstoff verwendet werden können.

Die Möglichkeit, diese Treibstoffe in so einem günstigen Material zu speichern, ist sowohl ein großer Schritt, um diese Technologie rentabler zu machen, als auch ein ökologischer Vorteil: Methan ist ein schädliches Treibhausgas.

Kaffee für günstigen Treibstoff verbrennen

Schon seit ein paar Jahren nutzt Nestle den bei seiner Produktion von Instantkaffee anfallenden Kaffeesatz als Heizmaterial. Kaffee wird momentan in mehr als 20 Fabriken auf der Welt dazu verwendet, die Nahrung zu kochen, die produziert wird. Damit werden mehr als 800.000 Tonnen Kaffeesatz, der sonst auf Mülldeponien landen würde, sinnvoll verwendet.

Ein spezialisiertes Unternehmen, die aus London stammende Firma Bio-Bean, versucht den Abfall von lokalen Instantkaffeeproduzenten (fast 200.000 Tonnen allein in London und Südengland) in Biomassepellets zur Energiegewinnung, sowie für Privatwohnungen mit modernen Biomasseheizungen, zu pressen. Die Bohnen verbrennen viel sauberer und enthalten 50 Prozent mehr Energie als traditionelle Holzpellets. Jedoch entfernt Bio-Bean anders als Nestle vorher Öl aus dem Kaffee, was uns zum nächsten Punkt bringt.

Kaffee in flüssigen Treibstoff verwandeln

Wie die meisten Pflanzensamen enthält die Kaffeebohne eine erhebliche Menge Öl, die entweder herausgepresst oder chemisch extrahiert werden kann. Diese kann dann in Biodiesel, eine Flüssigkeit mit ähnlichen Eigenschaften wie normaler Diesel, verwandelt werden.

Meine eigene Recherche ergab, dass aus Kaffee produzierter Biodiesel weder vom Anbauort des Kaffees, der Art der Bohne oder der Aufbrühweise beeinflusst wird. Das ist ein großes Plus, da es bedeutet, dass aus Kaffee produzierter Treibstoff eine vorhersagbare und konstante Energieausbeute beim Verbrennen liefert.

Kaffeesatz kann außerdem fermentiert werden, um Ethanol zu produzieren, oder großer Hitze und Druck ausgesetzt werden, um Bio-Öl, ein Material mit Ähnlichkeiten zu Rohöl, herzustellen. Beide Vorgänge sind jedoch teuer. Biodiesel ist der einzige Brennstoff, der sich in größerer Menge zu lohnen scheint, daher auch Bio-Beans Bemühungen, ihn auf den Markt zu bringen.

Er ist voll mit wertvollen Chemikalien

Kaffee enthält eine Vielzahl an Chemikalien, die nach ihrer Isolation und Reinigung sehr speziellen Anwendungen dienen können. Beispiele sind Chlorogensäure, ein Lebensmittelzusatz, der den Blutdruck leicht senkt; Trigonellin, das bei der Prävention und Behandlung von Diabetes und Erkrankungen des zentralen Nervensystems hilft; Polyhydroxyalkanoate, die für die Herstellung von Bioplastik verwendet werden; und eine Vielzahl an Antioxidantien, die in der Gesundheitsfürsorge benutzt oder zu Treibstoffen und Schmiermitteln hinzugefügt werden, um deren Lebensdauer zu verlängern.

Kaffee kompostieren?

Kaffeesatz ist reich an Stickstoff, einem lebenswichtigen Nährstoff für das Pflanzenwachstum. Das ist einer Vielzahl von Coffee Shops bekannt, weshalb sie den Kunden, die dies wünschen, ihren benutzten Kaffee anbieten. Das reduziert ihren Abfall und könnte in Koffein-gestärkte Bio-Früchte und Gemüse fließen. Welcher Barista kann dazu schon Nein sagen?

Schwermetalle aufsaugen

Kaffeeabfall ist sogar effektiv, um schädliche “Schwermetalle” wie Chrom, Kupfer, Nickel oder Blei, die oft aus Chemiewerken, Höfen oder Fabriken durchsickern und erheblichen Schaden anrichten, aufzusaugen. Es wurde berichtet, dass Kaffeesatz unter besonderen Laborbedingungen bis zu 91 Prozent der Schwermetallionen aus Lösung entfernen konnte – ein gutes Beispiel für seine ökologischen Vorteile.

Kaffee wird High-Tech?

Am komplexesten von allem ist, dass Forscher versucht haben, aus Kaffee Superkondensatoren zu bauen – elektrische Speicher, die mehr Energie speichern und mehr Ladezyklen aushalten als herkömmliche Batterien. Es wurden ultra-dünne porige Carbon-Nanobleche mit guten elektrischen Fähigkeiten hergestellt.

Ob er nun zu Hause für den Gartenkompost, im Labor für Forschungszwecke oder in der industriellen Treibstoffproduktion verwendet wird, es gibt augenscheinlich zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten für Kaffeesatz. Diese große Auswahl könnte möglicherweise auch negativ sein. Letztendlich ist die Frage: Wie entscheidet man, was man mit etwas so Vielseitigem macht?

Eines ist jedoch sicher. Wir sollten ihn auf keinen Fall wegwerfen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Teaser & Image „coffee“ (adapted) by Christoph (CC0 Public Domain)


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