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Emojis: Nutzer sollten mehr Mitspracherecht bei der Erstellung haben

Emoji Maske (Image (adapted) by aaandrea [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Emojis sind derzeit hoch im Kurs. So feierten Netzenthusiasten vor ein paar Tagen war Welt-Emoji-Tag, und passend dazu wird Anfang August ein Kinofilm über Emojis erscheinen. Das Wort des Jahres 2015 war laut Oxford English Dictionary auch ein Emoji, nämlich das Gesicht mit den Freudentränen.

Aber woher kommen Emojis? Sie sind im Unicode-Standard enthalten, dem internationalen Standard für digitale Schriftarten. Der Unicode–Standard bietet ein Zeichen unabhängig von der Plattform oder dem Betriebssystem an. Er stellt geräteunabhängig Symbole auf allen Plattformen dar. Der Begriff Emoji wurde im Laufe der Zeit erweitert und bezieht sich auf ein beliebiges digitales Piktogramm.

Wie wird ein Emoji in den Unicode-Standard aufgenommen? Im ersten Schritt wird eine formale Vorlage angelegt. Hier wird ein Dokument erstellt, das festlegt, auf Grund welcher Auswahlkriterien das Emoji enthalten sein soll. Ein Unicode-Komitee, deren Mitglieder verschiedene große Technologie-Unternehmen vertreten, überprüft diesen Vorschlag anhand der Auswahlkriterien. Ist der Vorschlag einmal geprüft, wird er entweder abgelehnt, an die Autoren mit einer Rückmeldung zurückgegeben oder auf die nächste Stufe gehoben.

Einmal im Jahr wird entschieden, welche Kandidaten für Emojis Teil des nächsten Unicode-Standards werden. Danach hat jedes Unternehmen, das Emojis auf seinen Geräten anzeigt, die Möglichkeit, eine eigene Emoji-Version zu erstellen, das vom Unicode ausgelesen wird. Aus diesem Grund kann ein Emoji auf den verschiedenen Plattformen etwas unterschiedlich aussehen.

Es mag überraschen, dass ein solch bürokratischer Prozess hinter derart bunten und verspielten Symbolen steckt. Doch hier gibt es auch Probleme. Zunächst wird durch den Unicode vorgegeben, welche Emojis verfügbar sind und wie diese aussehen. Dementsprechend ist auch die Bedeutung vorgegeben, die mit dem Emoji kommuniziert werden soll. Wenn es um Sprache geht, hat jeder die Möglichkeit, ein neues Wort zu schaffen. Dies geschieht, indem Sprachklänge kombiniert werden. Hier kann jeder entscheiden, wie ein Wort geschrieben wird, indem Buchstaben zusammengelegt werden. Ob daraus ein neues Wort wird, hängt davon ab, wie oft das Wort genutzt wird und wie weit es sich verbreitet.

Im digitalen Bereich kann jeder ein Emoticon erschaffen. Es müssen nur Elemente der Interpunktion wie Zahlen und Buchstaben zusammengelegt werden. Emojis dagegen sind Einheiten, die von Nutzern weder manipuliert noch bearbeitet werden können. Auch wenn also Emojis in ihrer Verwendung einer Sprache ähnlich sind, kann man die Kreation eines Emoji nach dem Vorbild des orwellianischen Neusprech vergleichen. Die Erschaffung wird von einigen Wenigen kontrolliert. Zweitens ist es beinahe ironisch, wie Unicode die Emojis für die Freigabe auswählt. Die Emoji- Vorschläge werden anhand einer Reihe von Auswahlkriterien beurteilt. Diese sind wie folgt:

  • Häufigkeit der Nutzung: Je höher die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Emoji verwendet wird, umso wahrscheinlicher ist, dass es freigegeben wird.
  • Mehrere Verwendungen: Je mehr Bedeutungen mit einem Emoji kommuniziert werden können, umso wahrscheinlicher ist, dass es freigegeben wird.
  • Häufig angefragt: Viele Leute fordern derzeit oder haben gefordert, dass das Emoji zur Verfügung steht.

Doch es ist auch wichtig, ein mögliches neues Emoji nach diesen Auswahlkriterien zu testen. Man muss nur sein Umfeld zur Nutzung befragen und auf ihre Meinung achtgeben.

Auf die Nutzer von Emojis hören

Emoji-Nutzer haben ihre Frustration geäußert, dass sie nicht in den Design- und Auswahl-Prozess einbezogen werden. Vor einiger Zeit äußerte man sich bei Apple mit einem gewissen Unmut, als der „Pistolen“-Emoji geändert wurde. Dieser sollte mehr wie eine Wasserpistole aussehen. Ein weiteres Mal gab es einen Aufruhr, als Entwürfe zur Änderung des Pfirsich Emojis bekannt wurden. Er sollte ein bisschen weniger wie ein Hintern aussehen – ein Grund dafür war, dass der Emoji vergleichsweise selten in seiner ursprünglichen Bedeutung genutzt wurde.

Dazu kommt, dass einige Themen nicht mithilfe von Emojis diskutiert werden können – es gibt schlicht und einfach keine passenden Emojis. Dies betrifft vor allem Themen, die für die Nutzer (hauptsächlich Jugendliche und junge Menschen) tabu oder weniger wichtig sindn. Es gab beispielsweise Kampagnen von Firmen wie BodyForm und Plan International, die durchsetzen wollten, dass ein „Menstruations-Emoji“ eingeführt werden soll.

Das Hauptproblem ist jedoch, dass Emojis viele gesellschaftliche Vorurteile widerspiegeln und repräsentieren. Inzwischen wurde zumindest bei den menschlichen Emojis angepasst, dass man zwischen verschiedenen Hauttönen und einem Mann oder einer Frau wählen konnte. Vielleicht wird schon bald jeder Emoji auch in einer Version mit roten Haaren ausgegeben – jedenfalls, wenn die dazugehörige Petition mehr als 21.000 Unterschriften zusammenbekommt, die an Unicode geschickt wurden.

Wie ist es nun also möglich, den Massen ein Mitspracherecht bei der Gestaltung von Emojis zu erteilen? Wie können wir dafür sorgen, dass mehr Menschen und ihre Belange wahrgenommen werden? Wir haben einen Lösungsvorschlag. Eine Plattform, auf der jeder die Möglichkeit hat, einen Emoji vorzuschlagen und zu beschreiben, wie dieser genutzt werden kann und warum dieses Emoji wichtig ist. Der Vorschlag kann dann von anderen Nutzern unterstützt werden.

Wir haben dieses System EmojiDesignOnline genannt und werden dem Unicode-Konsortikum in einem Jahr den Emoji vorschlagen, der die meiste Unterstützung erhalten hat. Also, das nächste Mal, wenn du denkst „Warum gibt es kein Emoji für…?“, dann lass es uns wissen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Emoji Maske“ by aaandrea (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Halla Walla: Die Khaleeji-Emoji-Familie fürs Handy

Image (adapted) Abdulrasheed by Dielmann [CC0 Public Domain], via Pixabay

Yalla!! Nicht mehr und nicht weniger braucht man, um auf Arabisch zu sagen: Mach doch mal schneller, ich warte hier schon ewig im Cafe auf dich. Mit der neuen regionalen App Halla Walla gibt es sogar die passenden Emojis dazu. Seit Februar bringt sie arabisches Flair in jeden mobilen Chat und macht die Konversationen so bunt wie die Emirate selbst.

„Wir wollten etwas schaffen, was eng mit unserer Khaleeji-Kultur verbunden ist und zugleich ihre Kreativität zeigt. Schon lange haben wir gemerkt, dass die Stimme des Nahen Osten in den Sozialen Medien fehlte. Unsere lauten Familien, die riesigen Feste mit der Verwandtschaft, die unverkennbaren Ausdrücke, unser Verständnis von Fashion, Fußball, unsere Shisha-Kultur oder ganz einfach das Shawarma als Mitternachtssnack – das arabische Leben sprüht nur so vor Insidern!“, erklärt Yasmin Rasool, Co-Founderin der App und Gründerin von YERV. Und der Bedarf ist gegeben. Wohnungssuche, Essensbestellung oder auch der Kontakt zur nächsten Apotheke – alles läuft in den Vereinigten Arabischen Emiraten über Whatsapp. Aktuelle Studien belegen: Neben Facebook ist es das zweitstärkste soziale Netzwerk, über das kommuniziert hier wird. Es ist also an der Zeit, diese auch der Region anzupassen.

Zusammen mit ihrer Kollegin Eriko Varkey zaubert sie seit Februar Ahmed, Shaikha, Lulu und Waleed aufs Handy. Die Khaleeji-Emoji-Familie bringt die arabische Kultur bildtechnisch auf den Punkt und bereichert via Download jeden Chat. Genutzt werden können die Smileys und animierten Sticker von Waleed in seiner Kandura oder typischen arabischen Essen in der Halla Walla-App selbst oder mit allen anderen Chat-Funktionen des Handys. Habibi kann nun ganz einfach per Emoji zum Tee neben der Moschee eingeladen werden.

Über 200 arabische Emojis

Nach dem Herunterladen warten über 200 arabische Emojis und animierte Sticker auf ihren ersten großen Auftritt. “Was geht” – so wie die App aus dem Khaleeji Slang frei übersetzt heißt – kann für umgerechnet 1,77 Euro in englischer und arabischer Sprache für IOS und Android heruntergeladen werden. Ein bisschen soll durch Applikation auch Völkerverständigung betrieben werden. Die Welt der Bilder kann jeder entschlüsseln und sie zeigt zugleich, wie nah sich Menschen in ihrer Menschlichkeit stehen: Wer sieht schon einen Unterschied, wenn der coole Ahmed mit seinem Käppi einen anblinzelt oder Shaikha mit tränennassen Augen auf traurige Nachrichten reagiert? Also – ab in den Appstore und Khalas!


Images via YERV

Image (adapted) Abdulrasheed by Dielmann (CC0 Public Domain)


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Warum Emojis der nächste Passwort-Trend werden könnten

Emoji (adapted) (Image by TeroVesalainen [CC0 Public Domain] via pixabay

Würdest du dein Smartphone lieber mit einer simplen und klassischen 4-stelligen PIN oder mit einem Emoji entsperren? Wäre es einfacher und komfortabler, „🐱💦🎆🎌“ im Kopf zu behalten als beispielsweise „2476“?

Smartphone-Nutzer benutzen Emojis normalerweise, um Stimmungen, Gefühle und Gesprächsnuancen in E-Mails und Textnachrichten auszudrücken. Teilweise werden sogar ganze Nachrichten nur mit Emojis verschickt. 2015 hat eine britische Firma versucht, Emoji-Passwörter anstelle von PINs an Bankautomaten einzusetzen. Allerdings gibt es bis jetzt noch keine offizielle Studie darüber, wie einfach diese zu benutzen waren oder wie sicher die Emoji-Passwörter im Vergleich zu anderen Methoden wie PINS sind.

Um mehr darüber durch ein Experiment und in der echten Welt herauszufinden, hat ein Team von Wissenschaftern der Technischen Universität Berlin, der Universität Ulm und der University of Michigan unter der Leitung der Doktorandin Lydia Kraus von der TU Berlin den Dienst EmojiAuth entwickelt. EmojiAuth ist ein Emoji-basiertes Login-System für Android-Smartphones.

Wie gut würden Nutzer sich an ihre emojigesteuerten Passwörter erinnern können? Wären diese möglicherweise auch sicherer? Und könnten sie ebenfalls unterhaltsamer sein und das Entsperren des Smartphones für den Nutzer spaßiger gestalten?

Emoji-Passwörter kreieren

Die meisten Smartphone-Nutzer haben ihren Bildschirm gesperrt und müssen diesen dementsprechend mehrmals täglich entsperren. Viele Menschen nutzen numerische PINs, aber die Forschung hat gezeigt, das Bilder einfacher zu merken sind als Zahlen oder Buchstaben. PINs können aus einer geringeren Anzahl von Symbolen zusammengesetzt werden oder aus einer Kombination aus den Zahlen 0 bis 9. Passwörter hingegen können aus einer deutlich größeren Anzahl Ziffern bestehen, sind allerdings schwierig auf Smartphones zu tippen. Emojis dagegen erlauben es uns, von über 2.500 möglichen Emojis zu wählen, wodurch die Emoji-Passwörter viel resistenter gegen Hacking oder Spionage sind.

Im ersten Experiment gaben wir 53 Teilnehmern ein Android-Smartphone und teilten sie in zwei Gruppen ein. Die erste Gruppe von 27 Personen suchte sich ein Passwort aus, welches aus zwölf beliebigen Emojis bestand. Die zwölf beliebigen Emojis konnten aus einer Emoji-Tastatur ausgewählt werden, die aus allen möglichen Emojis individuell für jeden Nutzer generiert wurde. (Sobald die Tastatur eingestellt wurde, blieb es gleich). Die verbleibenden 26 Personen suchten sich eine numerische PIN aus.

In den meisten Fällen haben die Teilnehmer ihr Emoji-Passwort nach einer der drei folgenden Methoden ausgewählt:

  1. nach einem Muster des Emoji-Keyboards (beispielsweise von oben nach unten oder die Emojis, die sich in den Ecken befinden),
  2. nach persönlichen Vorlieben für bestimmte Emojis oder
  3. es wurden mit den Emoji-Mustern Geschichten kreiert.

Ein Teilnehmer hatte beispielsweise ein Lied im Kopf und suchte Emojis aus, die dem Text des Liedes entsprachen. Nachdem die Teilnehmer einige Male das neue Passwort eingegeben hatten, wurden sie eine Woche später gebeten, die Passworte für den Test in das Smartphone einzugeben.

Die Resultate ergaben, dass sowohl PINs als auch Emoji-Passworte leicht zu merken sind. Alles in Allem haben die PIN-Nutzer ihr Passwort im Schnitt ein paar Mal häufiger behalten. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass Menschen in der Regel daran gewöhnt sind, PINs zu nutzen und sich diese zu merken. Die Teilnehmer mit den Emoji-Passworten berichteten allerdings von größerem Spaß bei der Eingabe ihrer Codes.

Emoji-Passworte im Alltag

Als nächstes wollten wir herausfinden, wie gut Emoji-Passworte dem Test im Alltag standhalten. Auf den Android-Smartphones von 41 Teilnehmern wurde ein spezieller Login-Screen für deren Email-App für etwa zwei Wochen installiert. Die eine Hälfte nutzte Emoji-Passworte, die andere Hälfte nutzte PINs.

Wie wir in dieser Studie herausfanden, haben die Nutzer, die Emoji-Passworte verwendeten, Emojis gewählt, die einem Muster auf der Tastatur entsprachen, nach persönlichen Vorlieben ausgesucht wurden oder eine Geschichten erzählten. Beide Teilnehmergruppen, sowohl die Gruppe mit den PINs als auch die mit den Emojis, berichteten, dass ihr Passwort leicht zu merken und zu nutzen war. Die Emoji-Testgruppe gab jedoch an, dass die Eingabe ihrer Passworte mehr Spaß machte als nur Zahlen einzugeben.

Zusätzliche Sicherheit

Am Ende der Studie haben wir die Sicherheit der Emoji-Passwörter getestet. Hierfür haben wir die Teilnehmer gebeten, den Leitern der Studie über die Schulter zu schauen, während diese ihr Passwort eingaben. Dabei fanden wir heraus, dass die Emoji-Passworte , die auf sechs zufällig gewählten Emojis basieren, bei dem „über-die-Schulter-schauen“ am schwierigsten zu „klauen“ beziehungsweise zu merken waren.

Andere Arten von Passwörtern, wie zum Beispiel vier oder sechs Emojis oder Zahlen, die nach einem Muster gewählt wurden, waren leichter zu beobachten und korrekt zu merken. Unsere Studien, die ein Mitglied unseres Forschungsteams am 30. Mai in Rom präsentieren wird, zeigen, dass eine Emoji-basierte mobile Identifikation nicht nur praktisch ist, sondern auch eine unterhaltsame Art, sich Passwörter leichter zu merken und diese zu schützen. Dies gilt nur, solange die Nutzer keine Emojis verwenden, die einem Muster der Tastatur entsprechen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Emoji“ by TeroVesalainen (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Emojis als Bestandteil digitaler Kommunikation

Emoji (adapted) (Image by downloadsource.fr [CC BY 2.0] via Flickr)

Emojis werden so oft genutzt wie noch nie. Kaum jemand schreibt Nachrichten auf WhatsApp oder anderen sozialen Netzwerken, ohne dabei die farbigen Bilder zu benutzen. Sie haben sowohl glückliche als auch traurige Gesichtsausdrücke und bereichern unsere digitale Kommunikation mit Emotionen. Der erste Emoticon „:-)“ wurde im September 1982 von dem Informatikprofessor Scott E. Fahlman genutzt. Dies gilt als der erste Gebrauch eines Smileys, des vermutlich bekanntesten Vertreters der sogenannten Emoticons.

Die Wortkombination aus „Emotion“ und „Icon“ beschreibt Zeichenfolgen, die man erfunden hat, um das Defizit des geschriebenen Wortes gegenüber dem gesprochenen auszugleichen. In den Neunzigerjahren entstanden dann die heute sehr beliebten Emojis (die kleinen, farbigen Bilder von Gesichtern, Speisen, Tieren und allem Möglichen). Damals rechnete noch keiner damit, dass sie eine so große Beliebtheit erlangen würden und dadurch eine Art Digitaldialekt entstand. Außerdem sind sie mittlerweile fester Bestandteil der Tastatur unserer Smartphones und tauchen auch in allen sozialen Netzwerken auf.

Dirk von Gehlen ist Autor, Journalist und Leiter der Abteilung Social Media und Innovation bei der Süddeutschen Zeitung. Er hat den durch die Digitalisierung ausgelösten Medienwandel auf seinem Blog begleitet und sich ausgiebig mit dem Thema Emojis beschäftigt. „Emojis und Emoticons sind zu einem Bestandteil digitaler Kommunikation geworden. Sie schließen die Lücke zu dem, was sich im persönlichen Gespräch durch Gestik und Mimik ausdrückt.“, erklärt von Gehlen. Viele, die Emojis selten nutzen, halten sie für platt und eindimensional. Doch die Frage, welches Symbol man wann benutze, sei sehr vielschichtig, betont von Gehlen.

Es gibt sie für allerlei Kategorien, um möglichst viele Gefühle und Situtationen damit auszudrücken. Interessant ist auch, dass man die Haltung eines Emojis auf der ganzen Welt verstehen kann. Dadurch sehen viele in ihnen die Chance, weltweit ohne Sprachbarrieren miteinander kommunizieren zu können. Da Emojis und Emoticons eine neue Form der Kommunikation sind, stehen sie noch häufig in der Diskussion. „Ich nehme an, dass wir sie schon in naher Zukunft als selbstverständlichen Bestandteil unserer Kommunikation wahrnehmen“, sagt von Gehlen. Für ihn sind sie eine Erweiterung der mündlichen Kommunikation.

shrug (adapted) (Image by Topher McCulloch [CC BY 2.0] via Flickr)
Image (adapted) „shrug“ by Topher McCulloch (CC BY 2.0)

 

Der Lieblingsemoji von Dirk von Gehlen ist der Shruggie ¯\_(?)_/¯  Es handelt sich hierbei um ein japanisches Emoticon (Kaomoji), welches eine Art Schulterzucken symbolisiert. Er streckt seine Handflächen seitwärts nach oben und lächelt, sodass man seine Haltung als ein „Ich weiß es doch auch nicht“ verstehen kann. Der Begriff Shruggie leitet sich von dem englischen Wort „to shrug“ (mit den Achseln zucken) ab.

Es gibt für seine Entstehung zwar keinen eindeutigen Ursprung, aber der Rapper Kanye West könnte ein Grund für seine Popularität sein. Bei den MTV Music Awards 2010 zuckte er beiläufig mit den Schultern, sodass die Zuschauer diese Geste als „Kanye-Shrug“ kommentierten. „Wie die meisten Emoticons war er einfach irgendwann da und wurde genutzt. Darin liegt für mich der besondere Wert digitaler Kommunikation: Es gibt nicht eine Quelle, die vorgibt, wie etwas zu nutzen sei. Die Menschen nutzen Buchstaben und Ziffern und bauen daraus etwas Neues – wie beispielsweise den Shruggie. Das ist wunderbar.“.

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Plädiert für mehr digitale Gelassenheit: Dirk von Gehlen

Symbol einer digitalen Grundhaltung

Es gibt Leute, die sagen, der Shruggie sei Ausdruck des Gefühls, online zu sein. Für mich ist der Shruggie das Symbol einer digitalen Grundhaltung, die sich in einer fröhlichen (aber nicht zynischen) Ratlosigkeit manifestiert, die ich mal als Kulturpragmatismus überschrieben habe“, so von Gehlen. Dieser Kulturpragmatismus zeichnet sich durch die Fähigkeit aus, die eigene Bewertung der Welt und ihrer Entwicklung nicht so ernst zu nehmen.

Zu der digitalen Grundhaltung des Shruggies zählt, dass man mit einem fröhlichem Schulterzucken auf verschiedene Situationen reagiert. Er lebt mit einer optimistischen Offenheit gegenüber der Welt, kennt keine Wahrheiten und bietet allerlei Raum für Interpretationen. Bei dem „Shruggie-Prinzip“ geht es darum, ständig zu fragen: „Was wäre, wenn das Gegenteil richtig wäre?“. Wer sich dafür interessiert, kann in dem regelmäßig stattfindenden Seminar von Dirk von Gehlen mehr dazu lernen. Außerdem steht das japanische Emoji für eine produktive Ratlosigkeit, die uns davor schützt, alles sofort zu bewerten und immer eine Meinung zu haben.

Laut von Gehlen weiß es der Shruggie auch nicht, aber er schämt sich dieser Ratlosigkeit nicht. Er akzeptierte das Nicht-Wissen, denn nur, wenn man nicht auf jede Frage sofort eine Antwort hat, entstehe ein Prozess, an dessen Ende vielleicht eine neue Lösung steht. Zu diesem Lebensgefühl gehört es, fröhlich, ratlos, gelassen und digital zu sein. Zusammenfassend nennt von Gehlen die Haltung auch „Social Media Gelassenheit“. Dies sei der Versuch, das Shruggie-Prinzip auf die Nutzung von Twitter und Facebook zu übertragen, also eine Entschleunigung einzuführen.  Wenn jeder erstmal digital gelassen bleibt, ändert das die Stimmung in sozialen Netzwerken. Dieses Verhalten können wir alle von dem Shruggie lernen, er ist nämlich immer gelassen und distanziert.


Image (adapted) „Emoji“ by downloadsource.fr  (CC BY 2.0

Image via dirkvongehlen.de


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • APPLE sueddeutsche: Apple wirft App aus dem Store, die zeigt, ob Ihr iPhone gehackt wurde: Wurde das eigene iPhone gehackt? Diese Frage konnten Nutzer nun für knapp eine Woche beantwortet bekommen. Nun allerdings nicht mehr. Die App „System and Security Info“ von der Firma Sektion Eins aus Köln wurde aus dem App-Store entfernt. Innerhalb kürzester Zeit gelang es der App in mehreren Ländern auf Platz Eins der App-Charts zu landen. Den Grund für die Verbannung lässt Apple unkommentiert und verweist auf zwei Klauseln.

  • FACEBOOK thenextweb: Facebook wants to personalize emoji with your face: Nun kann aus vieler Leute Traum, vielleicht schon bald die Realität werden – Das eigene Gesicht als Emoji. Facebook testet wohl nach einer Möglichkeit, dass Nutzer ihre eigenen Bilder als Emoji nutzen können. Das Patent dazu wurde schon eingereicht. In Zukunft könnten uns also individuelle Smileys über den Weg laufen als ein „Daumen hoch“ oder ein Grinse-Smiley.

  • GOOGLE Wired: Chrome wird Adobe Flash künftig standardmäßig blockieren: Der Flash Player wird von Googles Chrome-Browser bald auf kaum einer Website mehr unterstützt. Damit verfolgt das Unternehmen weiter seinen Plan, HTML5 zum Standard zu machen. Google verspricht sich dadurch ein „integrierteres mediales Erlebnis mit schnelleren Ladezeiten und einem geringeren Energieverbrauch“. Nur Top-Websites können die Sperrung noch zeitweilig umgehen.

  • BANKEN Gründerszene: Sparkassen starten Bargeld-Lieferservice: Sätzen wie „Bitte 250€ an die Bahnhofsstraße 8“ könnten wir schon bald öfters zu hören bekommen. Warum? Bayrische Sparkassen wollen Bargeld bequem zu den Einheimischen liefern. Der Grund ist naheliegend: In diesem Jahr sollen in vielen Regionen Bayerns ca. 220 Filialen geschlossen werden. Gerade die etwas ältere Generation würde dadurch sehr lange Wege auf sich nehmen müssen. Der heimische „Geldbote“ soll mit dem Lieferdienst Abhilfe schaffen.

  • POLITIK carta: Nach dem Generationenstunk. Plädoyer für einen neuen Politikstil: Der Politikstil der Babyboomer ist am Ende. Und bei den Jungen mangelt es an der Bereitschaft, sich selbst in die notwendigen Kämpfe um die gesellschaftliche Ordnung einzumischen. Es fehlt die praktische Utopie, die den Weg nach vorne zeigen könnte. Das ist gefährlich, denn die Sehnsucht nach dem Befreiungsschlag bereitet den Nährboden für Populisten. Um den Status Quo zu verändern, braucht es deshalb eine breite transformative Allianz.


Image chalabala / 123RF Lizenzfreie Bilder


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