Pokémon Spiele – Wenn aus Liebe Langeweile wird

Mich hat die Pokémon Nostalgie gepackt. Mit sechs Jahren habe ich zum ersten Mal bei einem Kindheitsbesuch Pokemon die Rote Edition gespielt. Ich erinnere mich noch daran, dass ich erst nach mehrmaligen Versuchen realisierte, dass Fadenschuss von Raupy keinen Schaden verursachte. Allmählich kam ich mit den verschiedenen Spielmechaniken klar. Wasser ist effektiv gegen Feuer, das erschloss sich mir auch mit sechs Jahren. Pokémon ist bis heute eines der Rollenspiele, das ein sehr gutes Balancing aufweisen kann.

Mit den Jahren und mit weiteren Editionen wuchs die Spielreihe mit seinen Spielern. Die Anzahl an Pokémon stieg immer weiter an und der Rollenspielmechanik wurde mit neuen Pokémontypen wie Unlicht und Stahl neues Leben eingehaucht. Ich war begeistert. Besonders imponierte mir der Schwierigkeitsgrad. Dieser war herausfordernd bis frustrierend. Ich weiß noch, wie mich das Miltank des Arenaleiters des dritten Ordens der Silber Edition in den Wahnsinn trieb. Miltank walzte mich Angriff um Angriff nieder. Da muss der Gameboy auch mal aus der Hand gelegt werden um Hilfe vom großen Bruder zu holen.

Mit den Jahren veränderte sich das Spiel und Generation um Generation empfand ich weniger Spielspaß und Reiz, mich dem Ganzen hinzugeben. Mag sich komisch anhören, aber aus irgendeinem Grund gefiel mir die Frustration, die dunkle Höhle ganz ohne die VM Blitz zu durchlaufen. In kompletter Dunkelheit und unter Belästigung dutzender Zubats würde ich schon das erlösende Licht des Ausgangs finden. Dieses besondere Spielgefühl verschwand mit der dritten Generation, den Editionen Saphir und Rubin, von der Bildfläche. Ab sofort war der Bildschirm beim Betreten einer dunklen Höhle nicht mehr komplett verdunkelt, stattdessen leitete ein kleiner Lichtkegel den Spielern den Weg. Ich war erzürnt. Mag sein, dass ich da etwas eigen bin, aber mir gefiel es nicht, dass das Spiel den Spieler immer mehr an die Hand nahm.

Der Wandel der Zeit verschont nichts und niemanden – auch keine Pokémon

Die anschließenden Pokémon-Spiele trieben das Ganze auf die Spitze. Natürlich sieht heute alles um einiges schöner aus und es gibt einen Haufen neuer Gadgets und Spielmechaniken. Dennoch hinterließen mich Einzelheiten sprachlos. Es wurden neue Pokémontrainer eingeführt, die das eigene Pokemonteam auf wichtigen Routen heilten und somit jegliche Angst vor dem Scheitern beseitigten. Das war für mich der Todesstoß für die Serie, schließlich hatte ich als Kind der ersten Pokémon-Spiele Traumata von plötzlichen Rivalen-Kämpfen. Wenn ich heute nochmal die Rote Edition spiele, weiß ich genau, dass mein Rivale mich vor dem Betreten der Nugget-Brücke zum Kampf herausfordert. Dies weiß ich nur, weil ich beim ersten Spielen an meiner Naivität gescheitert bin oder durch Glück den Kampf geradeso überstand.

Natürlich bin ich mit den Pokémon-Spielen gealtert und vielleicht war ich auch irgendwann aus der Zielgruppe der Reihe entwachsen. Ich will doch nur mein altes Spielerlebnis zurück. Ja, die alten Spiele machen mir noch immer Spaß, aber es ist nicht mehr das Gleiche, wie vor fast 20 Jahren. Den Weg durch die dunkle Höhle finde ich noch immer problemlos und ich weiß, wann und wo mein Rivale auf mich wartet, um mich mit einem Kampf zu überraschen. Was muss getan werden, um der Pokémon Nostalgie ein Ende zu bereiten?

Der Traum vom perfekten Pokémonspiel

Ich mag vieles an den neuen Spielen und störe mich nicht, wie viele andere, an den neuen Designs der Pokemon oder der neuen 3D-Grafik. Lasst uns doch einfach das Beste der alten und neuen Generationen verbinden. Gebt mir den Schwierigkeitsgrad der Gelben Edition, gepaart mit der Welt von Hoenn und der Geschichte von Pokémon Schwarz und Weiß. Mehr will ich doch gar nicht. Wünschenswert wäre auch ein auswählbarer Schwierigkeitsgrad innerhalb des Spiels. Die Trainerkämpfe sind größtenteils zu einfach und als Spieler möchte man nicht erst beim Champion ins Schwitzen geraten.

Mittlerweile nehmen die Pokémon-Nostalgiker das Problem selbst in die Hand und erstellen durch ROM-Hacks für den PC ihre eigenen Spiele. Diese sind in vielen Fällen entweder nicht zugänglich oder sie befinden sich noch in ihren Kinderschuhen. Dennoch gibt es positiv Beispiele, die genau das aufbieten, was ich mir wünsche. Es wird die komplette Bandbreite angeboten. Manche sind herausfordernd bis unfair, die Geschichten sind häufig etwas düsterer und der Umfang kann durchaus mit den Originalen mithalten.

Lauchzelot bringt Humor in die Welt der Pokemon Spiele

Alles schön und gut, aber in meiner Welt wird Pokémon immer noch auf dem Handheld gespielt. Damit bin ich groß geworden und das Spielgefühl ist für mich noch immer einzigartig. In meinen schönsten Träumen bringt Game Freak nach dem neuen Pokémon-Spiel Schwert und Schild auf der Nintendo Switch ein Spiel auf den Markt, das alle meine Erwartungen erfüllt. Passiert dies nicht, muss ich eben weiter in der Pokémon Nostalgie schwelgen. Die Vorstellung der Weiterentwicklung von Porenta lässt mich allerdings in froher Zuversicht!

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Image by Game Freak

Paul Asbahr

studiert Politik- und Kommunikationswissenschaft. Die amerikanische Podcastwelt hat ihn in seinen Bann gezogen, wodurch er immer wieder auf neue interessante Trends, Gesichter und Themen stößt. Zudem ist er leidenschaftlicher Zocker und gerne auf Twitch unterwegs.


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