New Work, GIG & VR-Meetings: Die Trends der Arbeitswelt

Die Arbeitswelt hat sich in den letzten 10 bis 20 Jahren massiv verändert. Hätte jemand die Zeit seit dem Jahr 2000 verpasst, weil er etwa ins Koma gefallen ist, würde er wahrscheinlich seinen Augen nicht mehr trauen, wenn er wieder einen Fuß in das aktuelle Berufsleben setzt. Die Entwicklung schreitet immer schneller voran und jedes Jahr kommen neue Trends, die die Arbeitswelt bestimmen, hinzu. Die einzige Konstante wird also wohl auch in Zukunft die Veränderung bleiben.

Buzzword oder Trend?

Wer sich mit den Trends und aktuellen Buzzwords in der Arbeitswelt beschäftigt, wird sehr schnell bemerken, dass nicht alles, was gerade an neuen Begriffen im Umlauf ist, tatsächlich Substanz hat. Vieles eignet sich wohl besser für das beliebte und sogenannte „Bullshit-Bingo“ beim wöchentlichen Jour Fixe, als zur Verbesserung der Unternehmens-Performance.

Denn so schnell wie Megatrends entstehen, können sie auch wieder in der Versenkung verschwinden. Besonders deutlich hat das in der jüngeren Vergangenheit beispielsweise Clubhouse gezeigt. Wochenlang war von nichts anderem die Rede als von einer App für das iPhone, mit der Menschen in digitalen Räumen live vor Publikum miteinander diskutieren können. Jeder wollte auf den Clubhouse-Zug aufspringen und Teil der Innovation sein. Ein paar Monate später kann sich kaum noch jemand an das angebliche „Next big thing“ erinnern. Clubhouse ist de facto tot.

Andere Trends sind hingegen gekommen, um zumindest eine Zeit lang zu bleiben. Vor allem New Work ist viel mehr als bloß ein Buzzword.

Was ist so neu am New Work?

Viele Unternehmer und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können wenig mit dem Begriff New Work anfangen. Trotzdem kommt fast kein Betrieb hierzulande daran vorbei, sich mit diesem wichtigen Thema zu beschäftigen.

New Work ist keine bestimmte Arbeitsmethodik, sondern vielmehr ein Sammelbegriff für eine Vielzahl von Ansätzen und Modellen. Der Begriff selbst geht auf den Sozialphilosophen Frithjof Bergmann zurück. Er beschreibt dabei, dass der generelle Zweck von Arbeit seit der industriellen Revolution im Abarbeiten von Aufgaben bestand.

New Work soll dazu führen, dass sich dieser Grundgedanke ein wenig verändert. Der Mensch soll nicht mehr bloß die reine Arbeit verrichten, sondern sich mit Hilfe seiner Arbeit zum Teil selbst verwirklichen. Dabei geht es vor allem um Sinnstiftung, Selbstständigkeit und Freiheit. Und genau das ist auch das Neue am New Work.

Die rasante technologische Entwicklung der letzten Jahre ist die Grundlage dafür, dass selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Arbeiten überhaupt erst möglich wurden. In der täglichen Praxis bedeutet das vor allem eine Flexibilisierung in vielerlei Hinsicht:

  • Flexibilisierung der Arbeitszeit: Individuelle Arbeitszeitmodelle und Jobsharing rücken immer mehr in den Mittelpunkt
  • Flexibilisierung des Arbeitsortes: Die Arbeit wird heutzutage im Shared Office, zuhause oder einfach unterwegs erledigt.
  • Flexibilisierung der fachlichen Ausrichtung: Wissen wird in interdisziplinären Teams ständig ausgetauscht und erweitert.

VR-Meetings: Willkommen in der neuen Wirklichkeit

Durch die Corona-Pandemie sind Video- und Telefonkonferenzen für die meisten von uns mittlerweile völlig normal geworden. Heutzutage kommt beim Gedanken daran, für einzelne Meetings früher Flugreisen auf sich genommen zu haben, sogar so etwas wie Verwunderung auf.

Dennoch haben viele das Gefühl, dass dabei irgendetwas fehlt. Sie können nur nicht so ganz beschreiben, was es genau ist. Die Antwort darauf finden sie wahrscheinlich, wenn sie das erste Mal an einem VR-Meeting teilnehmen. Dabei handelt es sich um die nächste Generation der Kommunikation von dezentralisierten Teams.

Bei den VR-Meetings befinden sich im Gegensatz zu einer Videokonferenz alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer im gleichen Raum. Dieser Raum existiert allerdings nicht in der echten Welt, sondern nur „virtuell“. So entsteht die Möglichkeit, sich mit Kollegen, Kunden und Stakeholdern auszutauschen, als ob dabei wirklich alle am gleichen Ort wären. Durch die Erweiterung des Meetings mit entsprechenden Tools ist es so auch möglich, interaktive Workshops über große Distanzen durchzuführen.

Als technisches Hilfsmittel dient dabei die VR-Brille. Sobald diese aufgesetzt wird, befinden sich die Meeting-Teilnehmer mitten im Geschehen. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um eine Nachbildung des möglicherweise langweiligen Meetingraumes in den eigenen Geschäftsräumlichkeiten handeln. Warum nicht einfach einmal ein Meeting im Oval Office des US-Präsidenten abhalten oder an einem abgelegenen Strandabschnitt direkt am Meer?

Mit den VR-Meetings wird einer der ältesten Träume der Menschheit wahr. Schon bei Raumschiff Enterprise versuchten sich Spock & Co. an andere Orte des Universums zu teleportieren. Mit Hilfe der aktuellen Technik ist dies nun erstmals tatsächlich möglich. Ob das auch für Gig-Worker eine gute Nachricht ist?

Gig-Working: Die Welt der Mikro-Unternehmer

Starre Beschäftigungsstrukturen lösen sich auch hierzulande langsam auf. Das klassische Angestelltenverhältnis wird immer stärker aufgeweicht. Viele Unternehmer gehen dazu über, nur noch Stammpersonal für die Kernleistungen im Unternehmen zu beschäftigen. Alles andere wird an externe Partner ausgelagert. In vielen Fällen handelt es sich dabei um sogenannte Gig-Worker.

Der Begriff Gig kommt ursprünglich aus der Musikbranche. Wer als Band für einen Gig gebucht wird, erhält einfach übersetzt ein Engagement für ein Konzert und wird vom Veranstalter dafür bezahlt. Dieses System hat sich nun auch auf die Arbeitswelt übertragen. Gig-Worker haben sich auf bestimmte Teilbereiche des Arbeitslebens spezialisiert. Viele widmen sich beispielsweise dem Übersetzen von Texten oder sind Experten darin, Webseiten für Suchmaschinen zu optimieren.

schwarzweiß-Bild einer kleinen Konzertbühne aus Sicht des Schlagzeugers.
Pixabay.com © 4634656 CCO Public Domain
Früher wurden nur Musiker und Bands für einen Gig gebucht. Doch das Gig-Working hat sich mittlerweile auch auf die Arbeitswelt übertragen.  

Bei Bedarf werden sie von den Unternehmen genau für ein bestimmtes Projekt gebucht. Funktioniert die Zusammenarbeit sehr gut, werden daraus in weiterer Folge zumeist lose Verbindungen, die zu regelmäßigen Aufträgen führen.

Das Gig-Working bietet dabei zahlreiche Vor- und Nachteile. Einerseits führt es zu einer erhöhten Flexibilisierung für beide Seiten. Der Preis dafür ist jedoch vor allem für die Gig-Worker selbst die Sicherheit. Denn wenn die Aufträge einmal ausbleiben, fehlen auch die erforderlichen Einnahmen, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

So verhält es sich mit den meisten Innovationen und Trends im Arbeitsleben. Überwiegen dabei jedoch die Vorteile, so werden aus kurzfristigen Trends langfristige Entwicklungen. Das beste Beispiel dafür ist wohl Homeoffice. Auch wenn hierfür erst eine Pandemie kommen musste.


Image by Tho-Ge via Pixabay (CCO Public Domain)


Artikel per E-Mail verschicken