Musk und Co. den Rücken kehren: Was ist der Digital Independence Day?

Big-Tech-Unternehmer wie Elon Musk, Mark Zuckerberg und Jeff Bezos haben es in den letzten 20 Jahren geschafft, den Wettbewerb in der digitalen Welt extrem zu reduzieren. Teilweise gelang dies durch das Aufkaufen von aufstrebenden Konkurrenten. Andererseits spielen Bequemlichkeit und die Gewohnheiten der User eine große Rolle. Alledem will der Digital Independence Day jetzt etwas entgegensetzen. Aber warum überhaupt?

Die Big-Tech-Problematik

Problematisch ist dabei für den User vor allem der Mangel an Datenschutz. Wie viele User-Daten alltäglich erfasst werden und welche Risiken das mit sich bringt, haben wir bereits hier für euch zusammengetragen. Auch Kritik an Algorithmen, die Usern bevorzugt Content zuspielen, welcher der politisch rechten Agenda der CEOs entspricht, ist inzwischen in der breiten Masse angekommen. Aber wenn Freunde und Familie alle über WhatsApp, Instagram oder Facebook verbunden sind, scheint es sinnlos als Einzelner auf Alternativen wie Signal oder Mastodon zu setzen. Daran sieht man: Die Macht dieser Unternehmen hängt davon ab, dass Massen von Menschen ihre Dienste nutzen.

Gerade in Zeiten, in denen das europäische Verhältnis zu den Vereinigten Staaten hinterfragt werden muss, kann diese Abhängigkeit auch anderswo fatal werden. Microsoft Office ist seit eh und je sowohl in der Privatwirtschaft, als auch bei staatlichen Behörden, der Software-Standard. Die Programme sind zwar nützlich, stellen jedoch ein großes Risiko dar. Denn der Zugang zu ihnen kann theoretisch von der amerikanischen Regierung unterbunden werden. 

Klar ist also: Die digitale Abhängigkeit von amerikanischen Firmen birgt Gefahren. Genau bei diesem Problem setzt der “Digital Independence Day”, kurz DID, an. 

Worum geht es beim Digital Independence Day?

Beim Digital Independence Day geht es darum, sich Schritt für Schritt aus der Abhängigkeit von Tech-Giganten zu befreien. Die Initiative wurde von einem Verbund aus Akteuren, die sich allesamt für mehr Unabhängigkeit und Demokratie im digitalen Raum einsetzen, ins Leben gerufen. Neben Google-Alternative Ecosia und der Gewerkschaft ver.di ist vor allem Marc-Uwe Kling das Gesicht des Digital Independence Day. Der Autor und Kleinkünstler dürfte einigen bereits durch die beliebte Buch-Reihe„Die Känguru-Chroniken“ ein Begriff sein. Wer zum Hintergrund der Initiative noch mehr wissen will, kann sich das hier auch vom Känguru selbst noch einmal erklären lassen.

Seit Anfang des Jahres wird immer am ersten Sonntag des Monats dazu aufgerufen, eine Account-Ummeldung zu machen. Dabei gilt: Weg von Big-Tech, hin zu Small-Tech. Denn egal ob es um Social Media, E-Mail oder Streaming geht – inzwischen gibt es für fast alles, was man digital eben so machen möchte oder muss, Optionen abseits der großen Tech-Monopole. Ziel ist es, einerseits durch das allmähliche Ummelden Netzwerkeffekte zu nutzen, um die Small-Tech-Alternativen attraktiver zu machen. Andererseits will man das Thema der digitalen Unabhängigkeit durch die Protestaktion in den Medien und im gesellschaftlichen Diskurs dauerhaft präsenter machen. Das wiederum soll politischen Druck ausüben.

Wie kann man mitmachen?

Die Organisatoren selbst nennen es “entspannte Rebellion”, denn das Schöne am Digital Independence Day ist: Für eine Ummeldung im Monat hat jeder Zeit. Meistens ist das Ganze auch überhaupt nicht kompliziert und aufwändig. Wer sich dann doch mal unsicher ist, oder verständlicherweise unvertraut mit den Alternativen ist, findet auf der Webseite des DID alles was man dazu wissen muss. 

Der nächste Digital Independence Day findet am 1. März 2026 statt. Für alle, die im Alltag nicht zum Umsteigen kommen, oder sich bisher noch nicht mit dem Thema auseinandergesetzt haben, ist das vielleicht mal eine gute Gelegenheit, daran etwas zu ändern. 


Image via ChatGPT (KI-generiert)

studiert Philosophie und VWL. Bei den Netzpiloten verbindet er dies mit seinem Interesse an digitalen Entwicklungen.


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