Lohnt sich Windows 11? Umstieg oder nicht?

Windows 11 ist offiziell draußen, beziehungsweise wird in mehreren Wellen langsam an Nutzer ausgerollt. Der Umstieg von Windows 10 auf Windows 11 ist wie damals beim Windows 10-Release kostenlos. Doch lohnt sich Windows 11 bereits oder sollte man doch lieber warten?

Wir liefern euch die wichtigsten Informationen zur neuen Version und ihren Features, damit ihr selbst für euch entscheiden könnt, ob das Update noch Zeit hat oder nicht.

Windows 10 wird weiter unterstützt

Nur weil eine neue Version erscheint, müsst ihr euch keine Sorgen machen, dass Sicherheitslücken entstehen könnten. Windows 10 wird noch mindestens vier Jahre weiter unterstützt. Einstellung des Supports ist nach aktuellem Stand Oktober 2025.

Großartige neue Features dürft ihr zwar nicht mehr für das alte Betriebssystem erwarten, dafür aber Support und Sicherheitsupdates. Ganz wichtig übrigens: Windows unterstützt die bislang halbjährlich erschienenen Updates von Windows 10 immer nur anderthalb Jahre lang. Behaltet euer Betriebssystem also immer möglichst aktuell, um den größtmöglichen Schutz zu behalten.

Windows 11: Wie komme ich an das Upgrade?

Microsoft schaltet nach und nach mehr Nutzer für das Windows 11 frei. Ihr bekommt dann eine Nachricht und könnt direkt darüber das Upgrade von 10 auf 11 starten. Vielleicht habt ihr die Nachricht aber auch übersehen und versehentlich weggeklickt? In diesem Fall geht auf Start > Einstellungen > Updates und Sicherheit > Windows Update > Nach Updates suchen. Ist das das neue Windows für euch bereits freigeschaltet, könnt ihr es darüber installieren.

Seid ihr noch nicht offiziell freigeschaltet lohnt sich Windows 11 über den Installations-Assistenten zu installieren. Einfach den Installationsassistenten runterladen und starten. Er prüft dann, ob der Rechner kompatibel ist und führt dann den Windows 11-Umstieg aus. Microsoft selbst rät allerdings zu warten, bis man automatisch für die Installation freigeschaltet ist.

Alternativ könnt ihr übrigens auch das Betriebssystem als ISO-Datei runterladen und euch auf einen USB-Stick oder eine DVD laden, um die Installation von Speichermedium aus zu starten. Es ist allerdings weit weniger intuitiv.

Mindestanforderungen für den Windows 11 Umstieg

Um Windows 11 installieren zu können müssen folgende Anforderungen an den PC erfüllt werden. (Windows 11 lohnt sich trotzdem nur bedingt, wenn man gerade so das Minimum erfüllt). Wenn ihr nicht wisst, ob euer PC die Anforderungen erfüllt, könnt ihr das mit dem PC Health Check-Tool übrigens ganz einfach prüfen.

Betriebssystem: Die Windows 10 2004 Version oder neuer. Am besten vorher updaten.

Prozessor: 1Ghz oder schneller mit mindestens 2 Kernen und einem kompatiblen 64-Bit-Prozessor.

RAM: Mindestens 4GB

Festplatten-Speicher: mindestens 64GB

System-Firmware: UEFI mit Secure Boot-Unterstützung

TMP: Trusted Platform Module 2.0

Grafikkarte: DirectX 12-fähig mit WDDM 2.0-treiber

Display: Mindestauflösung 720p, 8-Bit pro Farbkanal und mindestens 9 Zoll Diagonale

Internetverbindung: Für Windows 11 wird eine aktive Internetverbindung und ein Microsoft-Konto vorausgesetzt.

Funktionieren installierte Programme unter Windows 11?

Im Kern basiert Windows 11 auf seinem Vorgänger. Daher sollten auch bei einem Upgrade bestehende Programme weiterhin funktionieren. Für die neue Version bietet es sich aber auch an, wichtige Daten zu sichern und nochmal alles komplett neu aufzusetzen.

Die wichtigsten Windows 11 Features

Neue Optik und Barrierefreiheit

Das Auge isst bekanntlich mit – das gilt auch für Betriebssysteme. Ob sich Windows 11 lohnt, hängt also auch davon ab, in wie weit einem das neue Design anspricht. Eine wirkliche Revolution der Bedienung müsst ihr hier aber nicht befürchten. Grundliegend bleiben die meisten Elemente erhalten, auch wenn das Design ein bisschen runder an den Ecken wird. Bekannte Schaltflächen sind aber weiter an bekannten Stellen und auch die Taskleiste bekommt zwar ein paar Änderungen, ist aber noch immer vertraut. Insgesamt geht das Design allerdings ein paar Schritte mehr in Richtung Mac.

Durch die neuen Snap-Layouts könnt ihr euren Bildschirm zudem etwas besser in verschiedene Bereiche unterteilen, wenn ihr mit mehreren parallel geöffneten Fenstern arbeitet. Das gab es auch schon in Windows 10, etwa indem ihr Fenster mit gleichzeitig gedrückter Windows- und Pfeiltaste der linken oder rechten Bildschirmseite zuordnet. Die Snap-Layouts lassen euch aber noch deutlich mehr Anpassbarkeit zu. Daher lohnt sich Windows 11 vor allem mit größeren Bildschirmen oder sogar im Ultrabreitbild. Mit den Snap Groups lassen sich Einstellungen merken, um zwischendurch etwa auch ein anderen Programm zu öffnen, das vielleicht den ganzen Bildschirm benötigt.

Für mehr Barrierefreiheit sorgen neue helle und dunkle Designs. Auch für neue Untertitel-Themes, eine Diktierfunktion, verbesserte Spracherkennung, Transkription oder automatische Interpunktion lohnt sich Windows 11 durch seine bessere Zugänglichkeit. Dass Windows 11 nun auch Linux-Programme ausführen kann, macht das Betriebssystem auch offener für eine Vielzahl von Anwendungen.

Xbox App

Konsole und PC verschmelzen immer mehr. Dafür sorgt nicht nur Crossplay an sich, sondern auch der Xbox Game Pass. Das Abo-Angebot gibt es nämlich sowohl für die Xbox, als auch für den PC und erlaubt euch in der Ultimate-Variante sogar auf beiden Plattform die selben Spiele zu nutzen und auch Spielstände mitunter über die Plattformen hinweg zu nutzen.

Wofür ihr in Windows 10 noch extra eine App installieren müsst, ist nun integriert und damit auch zuminedst ein kleiner Bonus beim Windows 11-Umstieg.

Direct Storage

Für Gamer lohnt sich Windows 11 schon wegen dem Direct Storage Feature, das exklusiv für Windows 11 erscheint. Ihr fragt euch, warum die neuen Konsolen mit SSD um ein vielfaches schneller laden gegenüber dem PC? Das liegt am Direct Storage. Vereinfacht gesagt greift die Grafikkarte dabei direkt auf die SSD zu, ohne dass der Prozessor die Zugriffe steuern muss. Das macht den Zugriff schneller und erlaubt mehrere parallele Datenzugriffe.

In der Praxis erlaubt das nicht nur schnelle Ladezeiten vom Menü ins Spiel, sondern auch deutlich flottere Zugriffe auf Texturen im Spiel. In vielen Open World-Spielen sind Bewegungsgeschwindigkeiten beispielsweise auch dadurch limitiert, dass das Spiel nachladen muss. Im Gegensatz zu einem Rennspiel muss ein GTA beispielsweise auch frei fahrende Autos und Personen laden. Direct Storage erlaubt dies deutlich schneller zu bewerkstelligen.

Doch auch hier ein kleiner Dämpfer: Es benötigt eine schnellere NVME-SSD und ist damit auf neuere Hardware beschränkt. Ehe PC-Spiele komplett Direct Storage voraussetzen können, müssen wohl noch einige Jahre vergehen, bis genug Nutzer die entsprechende Hardware und das neue Betriebssystem besitzen. Trotzdem gibt einem Direct Storage erstmals wirklich große Vorteile durch eine schnelle SSD.

Mehr Leistung – noch nicht wirklich

Eigentlich soll Windows 11 schneller als Windows 10 sein. Dafür sorgen unter anderem Prozessoptimierungen, die Ressourcen verstärkt auf Anwendungen im Vordergrund verteilen. Auch der Edge-Browser wird sparsamer, indem „schlafende“ Tabs deutlich weniger zu Lasten des Arbeitsspeichers gehen. Das kann gerade bei Laptops auch die Akkulaufzeit am Ende erhöhen.

In der Praxis kämpft das neue Betriebssystem aber vor allem im Gaming noch mit der Leistung. Gerade mit einigen AMD-Prozessoren gab es am Anfang Probleme, welche die Gaming-Leistung reduzierten. Ein vor wenigen Tagen veröffentlichtes Update soll dieses Problem jedoch lösen. Ein weiteres Problem gab es von AMD-Seite, als deren Technologie zur automatischen Nutzung des schnellsten Rechenkerns für bevorzugte Aufgaben unter Windows 11 nicht optimal funktionierte. Auch das wurde von AMD aber bereits in der Chipset Driver-Version 3.10.08.506 gelöst.

Ebenfalls Grund für verringerte Leistung ist das Sicherheitsfeature Virtualization-Based Security (VBS). Es sorgt dafür, dass Programme in einem virtuellen Subsystem laufen und schützt den PC dadurch zusätzlich vor Angriffen über diese Anwendung. Für viele Spiele bedeutet das jedoch auch einen Performance-Verlust von bis zu 25 Prozent. Das Feature ist eigentlich vor allem für die Enterprise-Edition gedacht, damit Unternehmen ihre Systeme besser schützen können. Daher soll es standardmäßig nicht aktiv sein. In diesem Video erfahrt ihr, wie ihr auf VBS prüfen und das Feature ggf. deaktivieren könnt:

Tutorial: Windows 11 - Virtualization-based Security (VBS) deaktivieren

 

Widgets

Windows 11 kommt auch mit einem neuen Widget-Reiter. Dieses könnt ihr mit mehreren Widgets füllen, die euch wahlweise mit Informationen zu Wetter, Aktienkursen, Kalendern, Sportergebnissen oder den neuesten Bildern auf dem Rechner versorgen. Auch gibt es, ähnlich wie in vielen Browsern, die Möglichkeit, sich aktuelle News im Widgetfenster anzeigen zu lassen, die ihr von dort aus auch direkt öffnen könnt. Die Widgets bringen einen viele Informationen auf einen Blick, müssen aber auch erstmal in die Nutzgewohnheit am PC übergehen. 

Snipping Tool, Taschenrechner und „Fokussitzungen“

Einige bekannte Tools von Windows bekommen ebenfalls ein Update spendiert. Darunter auch das Snipping Tool für erweiterte Screenshots. Mit diesem könnt ihr den Bildschirm, einzelne Fenster oder ausgewählte Bereiche als Bild festhalten. Nachdem ihr den Screenshot gemacht habt, könnt ihr ihn direkt weiter bearbeiten und ihn beispielsweise mit Kommentaren versehen.

Auch der Taschenrechner bekommt ein Windows 11 Upgrade. Ihr könnt auf einen wissenschaftlichen Taschenrechner gehen, in einen Programmiermodus oder sogar Graphen mit dem Taschenrechner erstellen. Das sind zugegeben Features, die Microsoft 2020 bereits für den Vorgänger eingebaut hat. In Windows 11 wirkt das ganze aber nochmal optisch runder und passt sich zudem auch dem gewählten Windows-Theme an.

Die neuen „Fokus Sitzungen“ sind ein neues Feature der Uhr, um eure Produktivität zu verbessern. Damit setzt ihr euch Timer, in denen ihr fokusiert arbeiten wollt. Windows 11 setzt euch wahlweise 5-Minuten-Pausen in eure Sitzung und gibt euch Bescheid, wenn ihr diese nehmen sollt oder die Fokuszeit vorbei ist. Ihr könnt euch auch ein Ziel setzen, wie viel Fokuszeit ihr pro Tag erreichen möchtet. Außerdem lassen sich die Fokussitzungen auch mit der Microsoft To-Do-Liste und Spotify verknüpfen.

Lohnt sich Windows 11 jetzt schon?

Aktuell läuft das neue Windows 11 noch nicht ganz rund. Statt geplantem Performance-Gewinn, gibt es derzeit eher noch Performance-Probleme. Wer darauf angewiesen ist, jedes Prozent aus seinem Rechner rauszuholen, wartet daher besser ab.

Wer nicht ganz so sehr auf perfekte Performance angewiesen ist und generell die Design-Änderungen mag, kann aber schon den Sprung wagen. Da sich das Betriebssystem innerhalb der ersten 10 Tage wieder zurücksetzen lässt, habt ihr immerhin einen kleinen Testzeitraum, in dem ihr euch noch umentscheiden könnt. Noch besser, ihr macht euch im Vorfeld eine Sicherung eures alten Systems, damit ihr euch jederzeit wieder für das alte System entscheiden könnt. 

Auf lange Sicht lohnt sich Windows 11 mit Sicherheit. Im Kern setzt es Windows 10 fort und kommt mit einigen interessanten neuen Features. Microsoft räumt weitere Barrieren aus dem Weg, die den PC auch bei körperlichen Einschränkungen zugänglicher machen und Gamer dürfen sich mit Direct Storage auf ein Feature freuen, dass den Kauf einer schnellen SSD fürs Gaming endlich wert macht. 

Da Windows 10 noch bis Oktober 2025 unterstützt wird und noch einige Anfangsprobleme bestehen, müsst ihr euch mit dem Windows 11-Umstieg jedoch nicht beeilen. Wer in absehbarer Zeit einen neuen PC anschafft oder den aktuellen upgraden möchte, kann sich bis dahin ruhig noch Zeit lassen. Wer seinen Rechner für die Arbeit benötigt, nimmt sich für den Umstieg am besten ein Wochenende. So hat man mehr Zeit, vor allem, falls man die Festplatte bei der Gelegenheit gleich mit aufräumen möchte.


Image by Microsoft

Stefan Reismann

Das Internet ist sein Zuhause, die Gaming-Welt sein Wohnzimmer. Der Multifunktions-Nerd machte eine Ausbildung zum Programmierer, entdeckte dann aber vor allem die inhaltliche Seite für sich. Nun schreibt er für die Netzpiloten und betreibt nebenher einen Let's Play-Kanal, auf dem reichlich gedaddelt wird.


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