LEGO SMART Brick erntet Spott und Hohn im Netz

Im Januar präsentierte LEGO stolz die mögliche Revolution des Klemmbausteins – auf der CES, der größten Messe für Unterhaltungselektronik. Der LEGO SMART Brick ist nämlich ein besonderer Stein, der Licht, Sound und mehrere Sensoren ins Spiel bringt. Das Lego SMART Play-System ist – so auf der offiziellen LEGO-Website – die „revolutionärste Innovation seit Erfindung der Minifigur im Jahr 1978.“ Diese selbstbewusste Behauptung scheitert aber offenbar an der Umsetzung. Im Internet erntet der LEGO SMART Brick nämlich vor allem eines: Spott und Hohn.

Dabei ist nicht nur LEGOs Erzfeind „Der Held der Steine“ mit mehreren Videos am Start. Auch zahlreiche andere YouTube zerlegen das neue Produkt – teils auch im wortwörtlichen Sinn. Wenn neue Tech für so viel Trara sorgt, sind wir natürlich nicht fern. Wir beleuchten die Causa „SMART Brick“ für euch.

Der LEGO SMART Play: Eigentlich eine gute Idee

Der SMART Brick ist Teil des neuen LEGO SMART Play-System. Neben dem LEGO SMART Brick gehören auch die SMART Tags und SMART Minifiguren dazu, mit denen der smarte Stein interagiert. Die Tags sind dabei 2×2 Noppen kleine Fließen-Elemente.

Das besondere am SMART Brick ist sein Formfaktor. Es handelt sich hier nämlich um einen 2×4 Noppen großen Stein, der allerdings etwas höher als der Standard-Stein ist. In diesem verbaut sind LEDs, ein Lautsprecher, ein Farbscanner und Bewegungssensoren. Dadurch erkennt der Stein auch Beschleunigung, Drehungen und andere Bewegungen.

Die SMART Tags und SMART Minifiguren enthalten jeweils einen RFID-Chip. Das sind Chips, die selbst keinen Strom benötigen. Sie übertragen passiv Informationen, wenn das lesende Gerät – der Smart Brick – in unmittelbarer Empfangsreichweite sind. Durch sie weiß der SMART Brick, welche Geräusche er unter welchen Bedingungen abspielen soll. Zusätzlich gibt es farbkodiertes Zubehör, wie etwa einen grüner Hammer. Hier erkennt der Farbsensor zusammen mit dem Tag, dass etwa ein Reparatursound abgespielt werden soll.

Das praktische am LEGO SMART Brick ist neben dem Formfaktor auch das fehlende Kabel. Der Stein verfügt stattdessen über einen internen Akku, der in der Aufladebox kabellos geladen wird. Auch wenn LEGO gezielt damit wirbt, dass SMART Play ohne Smartphone auskommt, wird man dann doch schnell zur Installation der SMART Assist-App aufgerufen. Über diese updatet ihr den smarten Stein und lässt Eltern auch die Lautstärke regulieren. 

Für die Einführung des smarten Steins setzt LEGO übrigens auf die Star Wars-Reihe. Diese erhält 3 Sets mit SMART Brick und 5 weitere Sets, die mit diesem kompatibel sind. Doch warum erntet der LEGO SMART Brick Spott und Hohn im Netz? An sich klingt das Konzept doch eigentlich gut durchdacht.

Spott und Hohn für den LEGO Smart Brick

Der Teufel steckt leider im Detail, beziehungsweise in der Umsetzung. Und die kollidiert gewaltig mit der Behauptung, die „revolutionärste Innovation“ seit der 1978 zu sein.

Das fängt beim Lautsprecher an. Videoübergreifend ist die Qualität des Sounds derart schlecht, dass Vergleiche mit den Musik-Geburtstagskarten gezogen wird, die es zudem schon seit sehr langer Zeit gibt. Natürlich muss man auch beim SMART Brick irgendwo einsparen, damit alles in den kleinen Stein passt und dabei bezahlbar bleibt. Der eingebaute Lautsprecher ist aber eindeutig zu stark gespart.

Apropos Kostenfaktor: Es ist auch verständlich, dass man nicht jedem Set den teuren Stein selbst beilegen will. Das macht die Sets schließlich ungleich teurer. Den Stein dann aber nicht einzeln zu verkaufen ist allerdings eine wahre Frechheit. Stattdessen muss man sich zwangsläufig ein noch teureres Set dazu kaufen, damit man die SMART-Funktionen der „kompatiblen“ Sets nutzen kann. Derweil lässt sich für Käufer*innen schwer ausrechnen, wie teuer LEGO den SMART Brick überhaupt im Set bepreist.

Ein weiteres technisches Problem ist zudem der Akku des Bricks. Dieser hält laut offiziellen Angaben rund 45 Minuten mit Licht und Soundeffekten. Bei sehr intensiver Nutzung liegt die Dauer laut erster Videos allerdings wohl deutlich darunter. Durch das kabellose Laden benötigen die Bricks dann außerdem 2-3 Stunden, bis sie einsatzbereit sind.

So fallen die LEGO SMART Play-Sets durch

Neben der Tatsache, dass es keine einzelnen SMART Bricks zu kaufen gibt, benötigen viele Sets eigentlich sogar mehrere Bricks, wenn man sie anständig bespielen möchte. So etwa, wenn man zugleich ein Raumschiff mit Brick fliegen lassen will, aber auch das Abwehrgeschütz entsprechend feuern lassen möchte. Da kann man eigentlich direkt alles wieder selbst auf die gute alle „PIU PIU!“-Art selbst inszenieren. Der Kreativitätsentwicklung von Kindern dürfte das ohnehin zuträglicher sein.

Die Sound sind auch abseits der Lautsprecher-Qualität kein wirkliches Kaufargument. Es ist cool, dass Raumschiffe bei Bewegung Fluggeräusche machen – aber müssen die so nach Staubsauger klingen? Es gibt zumindest ein paar gute Geschützsounds, aber die meisten erinnern kaum wirklich an Star Wars. Am schlimmsten sind jedoch die Figuren.

Genau hier wollen Fans doch die Stimmen und Zitate ihrer Helden hören. Was gibt LEGO ihnen? Irgendwelches Kauderwelsch, dass irgendwo zwischen Huttisch und „Minions“ liegt. Das soll die Figuren unabhängig der Landessprachen spielbar machen. Allerdings klingt nicht einmal die Stimmfarbe passend zu den Figuren.

LEGO SMART Play erntet aber auch Spott und Hohn für die Lieblosigkeit der Sets. Um den SMART Brick einsetzen zu können, wird Darth Vaders Tie Fighter mal eben zum hinten offenen Cabriolet. So geht es übrigens allen Sets. Die Ablage für den Stein ist immer offen und ohne optionale Abdeckung. Ich weiß nicht ob das an Sicherheitsbestimmungen liegt, aber es lässt die Sets einfach billig wirken.

Plötzlich hat auch jedes Raumschiff eine Tankstation, damit man tolle Sound zum tanken und reparieren einbauen kann. Wer kennt ihn nicht, den ikonischen Auftank-Sound des X-Wing? Der Zapfpistole übrigens immer in blau und der Hammer in Grün, weil es den Farbsensor zur Erkennung nutzt. Das ist ein ähnlicher Immersionskiller wie die Markierungen der SMART Tags und SMART Minifiguren, die auf dem Rücken alle ein großflächiges Schaltkreis aufgedruckt bekommen.

YouTuber nehmen SMART Brick auseinander

Vor allem auf YouTube hat LEGO SMART Play hohe Wellen geschlagen. Entsprechend haben wir euch eine Auswahl von Reaktionen auf den cleveren Stein rausgesucht.

Der Held der Steine | LEGO® Smart Play: nichts erwartet, dennoch tief enttäuscht! Star Wars 75421 TIE Fighter

Dass der Held der Steine in den letzten Jahren kein Befürworter LEGOs ist, ist kein Geheimnis. Nach rechtlichen Streitigkeiten mit dem Marktführer hat er sich zunehmend alternativen Marken zugewendet, auch wenn er weiterhin auch LEGO-Sets vorstellt. Dabei hat er sich selbstverständlich auch die neue SMART Play-Serie von Star Wars vorgenommen. Schon im ersten Set, dem TIE Fighter wird deutlich, wo die Reise hingeht.

Mit gewohnt überbordendem Sarkasmus zerlegt der Held das Set in quasi allen Belangen. Von der Preisgestaltung, über den offenen TIE Fighter bis hin zu Darth Vaders viel zu kurzem Cape muss sich das Set viel Kritik einstecken. Amüsiert ist er, dass LEGO ausgerechnet für den SMART Minifigur-Aufdruck auf dem Rücken auch beidseitige Figurbedruckung hinbekommt. Der LEGO SMART Brick selbst und vor allem die „Worte“ und deren Qualität überraschen dann aber sogar dem leiderprobten Klemmbaustein-Händler.

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Alex | Lego? Alles okay bei euch?! | Smart Play Bricks

Auch Tech-YouTuber Alex – vielen sicher noch als AlexiBexi bekannt – hat die neue LEGO-Innovation ausprobiert. Alex testete das Set „A-Wing und das Duell im Thronsaal“. Es handelt sich um das größte Set der Serie, das als einziges zwei SMART Bricks enthält. Doch obwohl Alex keine so vorbelastete LEGO-Historie hat, fällt SMART Play auch bei ihm durch.

Auch Alex ist das Entsetzen über den Sound des smarten Steinchens anzumerken. Darüber hinaus lösten die Schuss-Sounds bei ihm nicht zuverlässig aus. Im Vergleich zu anderen Videos könnte er aber auch einen SMART Brick erwischt haben, dessen Farbsensor etwas unzuverlässiger funktioniert.  Im Lichtschwertduell kritisiert er außerdem, dass es keine direkten Sounds für das aufeinander Treffen der Lichtschwerter gibt. Er ist sich dabei aber auch bewusst, dass die Umsetzung von SMART Play über die Tags dies nicht erlaubt. Ein überraschendes Highlight ist das Abspielen des Imperial March, das erstmals etwas Star Wars-Feeling aufkommen lässt.

Gänzlich schreibt Alex die Idee auch nicht ab. Tatsächlich sieht er in der Technologie selbst „ungenutztes Potential“. Er kritisiert die Star Wars-Umsetzung, kann sich das Konzept etwa in einem Bauernhof und der Interaktion mit den Tieren sehr gut vorstellen.

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Zerobrain | Der Brain der Steine

Den LEGO SMART Brick im wahrsten Sinne des Wortes auseinander genommen hat der Tech-YouTuber Zerobrain. Er hat nämlich einen Blick auf das Innenleben des Steins, aber auch der Tags und Minifiguren geworfen. Die Erkenntnisse sind spannend. Hier geht es nämlich etwas tiefer in die Materie, etwa durch die Visualisierung, wie der Stein mit den SMART-Tags kommuniziert.

Interessant ist, dass der Stein neben einem Lautsprecher auch über einen Mikrofon verfügt. Das wird auch von LEGO selbst angegeben, auch wenn es bislang kein Set nutzt. Die Tags scheinen dem Stein zudem nur Informationen zu geben, für welches Objekt er die Sounds abspielen soll. Da wäre es sehr spannend, könnte man den Stein selbst programmieren.

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Wie finden Kinder LEGO Smart Brick? | Profi Testerin (7) reviewed Darth Vaders TIE Advanced!

Eine etwas mildere Sicht auf LEGO SMART Play bringt das Video von LEGO-YouTuber Brickstory. Dieser lässt nämlich seine kleine Schwester als Zielgruppe ein Set testen. Hier fällt das Urteil deutlich besser aus, als bei den Erwachsenen. Sie freut sich mehr über das, was der SMART Brick macht, als sich über das zu ärgern, was er nicht macht.

Zwar fehlt vielleicht der Blick auf den Langzeitspielspaß oder die Wahl zwischen dem SMART Brick Set und einem gleichteuren ähnlichen Set – trotzdem zeigt es aber, wie unterschiedlich Erwachsene und Kinder ein Produkt wahrnehmen. Außerdem ist es irgendwie auch sehr herzig, die Schwester zu hören (Brickstory filmt sie dabei wirklich angenehm verantwortungsbewusst). Der riesige LEGO-Fan muss sogar von ihr hören, dass Playmobil besser ist.

Dass aber selbst Brickstory selbst nicht so begeistert ist, wird in einem anderen Video deutlich, wo er seinen LEGO-Museumspartner Bob Brickman den Stein ausprobieren lässt. Immerhin sorgt es für Amüsement. Auch auf die Reaktion der Museumsbesucher ist Brickstory sehr gespannt.

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Wie konnte Star Wars sowas zulassen?

Eigentlich müsste die Frage sein, wie LEGO so etwas durchwinken und auch noch als größte Innovation seit Jahrzehnten feiern kann. Es macht deutlich, wie die Chefetage des Klemmbaustein-Marktführers zunehmend an seinen Kunden vorbeidenkt.

Mehr noch muss man aber eigentlich hinterfragen, wie Star Wars diese Umsetzung abnicken konnte. Von schlechten Bau-Modellen über Darth Minion und TIE Staubsauger bis hin zur Prominenz der Tankanlagen und Reparatur per Hammer sind die Sets einfach schlechte Star Wars-Produkte. 

Der Stein selbst hat seine klaren Schwächen, muss aber auch ein Stück weit mit dem Formfaktor und der Herausforderung des Herstellungspreises, der nicht mit einer Smart Watch vergleichbar ist etwas in Relation gebracht werden. Der technisch stärkste Schwachpunkt der Lautsprecher ist dabei zum Glück eines der Teile, die eine zweite Generation verbessern kann ohne Kompatibilitätsprobleme zu befürchten.

Auch erkennen YouTuber teils das Potential für andere Themenbereiche wie Bauernhof oder LEGO City. Die Frage ist, in wie weit LEGO das Feedback annimmt und ihr Produkt daran wachsen lässt. Noch wirkt alles wie ein viel zu stark beworbener Produkttest.


Image by kirill_makes_pics via Pixabay

Das Internet ist sein Zuhause, die Gaming-Welt sein Wohnzimmer. Der Multifunktions-Nerd machte eine Ausbildung zum Programmierer, schreibt nun aber lieber Artikel als Code.


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